
aus süddeutsche.de, 5. 3. 2025 Neben ihm eine Grafik, die den Zuwachs der russischen Armee zeigt. zu öffentliche Angelegenheiten
Von Josef Kelnberger, Brüssel
Schwarzer Anzug, schwarze Krawatte, düster der Blick. Emmanuel Macron gab alles, um seinem Publikum den Ernst der Lage einzuhämmern. Im Mittelpunkt seiner Rede: „die russische Bedrohung“. Wladimir Putin überziehe nicht nur die Ukraine mit einem brutalen Angriffskrieg, nein, er habe es auf ganz Europa abgesehen. Und weil sich zugleich Donald Trump von Europa abwende, müsse die EU lernen, sich selbst zu verteidigen. Man stehe vor einer Herausforderung, wie sie der Kontinent seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt habe. „Eine neue Ära ist angebrochen“, sagte Macron.
14 Minuten lang wandte sich Macron in einer kurzfristig anberaumten Fernsehansprache an diesem Mittwochabend an das französische Volk, und mehr noch: Am Abend vor dem Ukraine- Sondergipfel der Europäischen Union zum Krieg in der Ukraine wandte er sich an alle Europäerinnen und Europäer, die Angst vor einem Krieg haben, weil Donald Trump gemeinsame Sache mit Wladimir Putin zu machen scheint. Neben Macron war nicht nur die Trikolore aufgespannt, sondern auch das Sternenbanner der EU. Seine Botschaft: „Die Zukunft Europas darf nicht in Washington oder Moskau entschieden werden.“ ...
Voller Genugtuung stellte Emmanuel Macron fest, dass Europa nun endlich auf ein Ziel zusteuert, das er seit seinem Amtsantritt im Jahr 2017 proklamiert: die „strategische Autonomie“. Und Macron will nicht lockerlassen. Nächste Woche, so kündigte er an, sollen sich in Paris die Stabschefs der europäischen Länder treffen, die bereit sind, einen Friedensvertrag für die Ukraine mit eigenen Soldaten abzusichern.
Und noch einen historischen Schritt stellt er in Aussicht: Frankreichs
Atomwaffen, Nationalstolz seit 1964, könnten auch die europäischen
Nachbarn schützen. Als Antwort auf den „historischen Appell“ des
zukünftigen deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz, sagte Macron,
eröffne er hiermit die strategische Debatte über eine Ausdehnung des
atomaren Schutzschilds auf die Verbündeten. Um die Landsleute zu
beruhigen, fügte er hinzu: Die Entscheidung über den Einsatz der
Atomwaffen müsse immer in der Hand des französischen Präsidenten liegen.
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