Tätigkeit ist die
eigentliche Realität. (Weder Gegenstand noch Zustand sind allein rein zu
denken. Durchs Reflektieren mischt sich das Entgegengesetzte hinein und
selbst schon durchs Streben – Begehren – denn beides sind identische
Handlungen. Der Begriff der Identität muss den Begriff der Tätigkeit
enthalten – des Wechsels in sich selber. Zwei Zusammengesetzte sind die
höchste Sphäre, zu der wir uns erhe-ben können. ___________________________________________________________________ Novalis, "Fichte-Studien", in: Gesammelte Werke,Herrliberg-Zürich 1945, Bd. 2, S. 83
aus welt.de, 22. 8. 2026 Hochwasser, wie hier im 17. Jahrhundert in den
Niederlanden zuöffentliche Angelegenheiten
Jahrtausend-Ereignis
„Enorme Verluste, Tausende Tote“ – als die Magdalenenflut durch Europas Flüsse schoss
Die Magdalenenflut 1342 gilt als Jahrtausend-Ereignis. Forscher sehen das verheerende Hochwasser in Mitteleuropa mittlerweile als Teil einer dramatischen Serie von Überschwemmungen. Die Katastrophe wirkt bis heute nach.
Zerstörte Brücken, verwüstete Siedlungen, Ernteausfälle, Hunger: Die Magdalenenflut vom Juli 1342 gilt als das schwerste Hochwasser Mitteleuropas im vergangenen Jahrtausend – mit Rekordpegelständen an vielen Flüssen wie Rhein und Main. „Das Ausmaß der Überschwemmungen ging weit darüber hinaus, was wir heute kennen“, sagt der Historiker Martin Bauch vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) in Leipzig.
Jetzt hat ein internationales Forschungsteam im Fachjournal „Nature“ das damalige Geschehen rekonstruiert – mit überraschendem Befund. Demnach ist das Extremhochwasser im Mittelalter zwar bis heute beispiellos, aber es war kein Einzelereignis.
Vielmehr bildete es den besonders verheerenden Höhepunkt einer Reihe von insgesamt 16 Hochwasserereignissen über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren. Und: Die Katastrophenserie leitete den Beginn des modernen Hochwasserschutzes ein.
Diese Säule in Hameln (Niedersachsen) erinnert an das Hochwasser der Weser
Möglich wurde die detaillierte Rekonstruktion durch das Zusammentragen von mehr als 1000 zeitgenössischen Dokumenten. „Wir können Monat für Monat rekonstruieren, wann welche Gegenden Europas betroffen waren“, sagt Erstautorin Andrea Kiss von der Technischen Universität (TU) Wien.
„So sieht man ganz klar: Wie eine Perlenkette zieht sich eine Serie von Hochwasserereignissen durch die Jahre 1341 bis 1343“, sagt Kiss. „Nicht alle gleich verheerend, nicht alle am selben Ort, aber doch alle in einem klar erkennbaren Zusammenhang.“
Bisher lag der öffentliche Fokus auf jenem Hochwasser, das auf die Zeit um den St.-Magdalenentag am 22. Juli 1342 fiel. „In Mitteleuropa gilt die Magdalenenflut üblicherweise als die größte Flut des vergangenen Jahrtausends und als schlimmstes Erosionsereignis während des Holozäns“, schreibt das Team unter Verweis auf die enorme Menge an abgetragenem Bodenmaterial, die für die vergangenen etwa 12.000 Jahre beispiellos ist.
Zentrum der Niederschläge waren damals Süddeutschland, Österreich und die Schweiz, wie Co-Autor Bauch erläutert. Doch spürbar waren die Auswirkungen weit darüber hinaus – entlang der großen Abflüsse von Rhône, Rhein, Weser und Elbe bis nach Schlesien. „In Würzburg stand das Wasser auf den Stufen des mittelalterlichen Doms, in Frankfurt waren Kirchen überflutet“, beschreibt Bauch das verheerende Geschehen. „Solche Wasserstände gab es seitdem nicht mehr.“
Verursacht wurde die Katastrophe vermutlich durch eine sogenannte Vb-Wetterlage, bei der feuchte Luftmassen vom Mittelmeerraum nach Mitteleuropa geleitet werden und sich dort abregnen. „Die Verluste waren enorm, mit Tausenden Toten. Die meisten Brücken und Siedlungen entlang der Hauptflüsse waren zerstört, und die landwirtschaftlichen Schäden verursachten eine Hungersnot“, schreibt das Autorenteam.
Doch die Analyse verschiedenster Dokumente aus jener Zeit – etwa Chroniken, Rechnungsbücher, Urkunden und Briefe – zeigt die Flut nun in einem größeren Zusammenhang. Die Zahl der ausgewerteten Dokumente entspricht nach Angaben von Studienleiter Günter Blöschl von der TU Wien etwa dem Zehnfachen der in früheren Studien verwendeten Quellen. Diese enorme Datenmenge hat eine hohe zeitliche Auflösung der Ereignisse ermöglicht.
Abrupte Schneeschmelze ließ Flüsse enorm anschwellen
Demnach gab es von Ende 1341 bis Herbst 1343 insgesamt 16 große Hochwasserereignisse in Europa. 1342 war das Jahr mit der größten Anzahl von Überschwemmungen auf dem Kontinent während der vergangenen 700 Jahre. Das Folgejahr 1343 liegt auf Platz 3 dieser Liste.
Bereits der Herbst 1341 war ausgesprochen feucht; Überflutungen trafen im November und Dezember das östliche Mitteleuropa sowie Teile von Südosteuropa. Darauf folgte ein schneereicher Winter mit einer abrupten Schneeschmelze, die im Februar 1342 die Flüsse enorm anschwellen ließ.
Von diesem sogenannten Lichtmess-Hochwasser – benannt nach dem christlichen Fest – waren insbesondere die Einzugsbereiche von Donau und Elbe betroffen. In Prag zerstörte das Hochwasser die aus dem 12. Jahrhundert stammende steinerne Judithbrücke über die Moldau – die Vorgängerin der heutigen Karlsbrücke.
Nach mehreren weiteren Hochwassern im Frühjahr traf dann die Magdalenenflut weite Teile des heutigen Deutschlands. „Die Magdalenenflut zerstörte die meisten Siedlungen und alle Brücken, Straßen und Mühlen entlang des Mittelrheins, Mains und ihrer Zuflüsse“, schreiben die Forscher. Ein Jahr später – im Juli und August 1343 – hatten die Jakobs- und die Bartholomäusflut einen ähnlichen Effekt am Rhein zwischen Schaffhausen und Basel.
An der Elbe ließen die Wassermassen in jenen Jahren die Brücken in Dresden und Meißen einstürzen, in Thüringen rissen sie in Erfurt die Übergänge über die Gera und bei Vacha, Meiningen und Eisenach die Brücken über die Werra fort. In der Lausitz zerstörten sie die Spreebrücke in Bautzen.
„Während dieser zwei Jahre wurden die Brücken über die europäischen Hauptflüsse beschädigt, und Straßen waren auf kontinentaler Ebene gestört, was fundamentale Auswirkungen auf die europäischen Transport- und Reisemöglichkeiten hatte“, schreibt das Team. Dies hatte steigende Lebensmittelpreise zur Folge und eine Hungersnot, vor allem in Süddeutschland, der Schweiz und Österreich.
Gerade die Häufung dieser Ereignisse in der dicht besiedelten Region sorgte für enorme Verunsicherung. So passierte der Scheitel des größten Hochwassers Frankfurt am 20. Juli 1342, zwei Tage vor dem Magdalenentag. Die Fluten ließen die steinerne Brücke – damals die einzige Frankfurter Brücke über den Main – einstürzen, erzählt Co-Autor Bauch.
Danach zogen jährliche Bußprozessionen fast 200 Jahre lang – bis zur Reformation – entlang der damals überfluteten Kirchen. „Die Route war eine topografische Visualisierung des Überflutungsgebietes“, sagt Bauch.
Zwar sahen viele Menschen die Fluten als Strafe Gottes. Doch gleichzeitig wappnete man sich gezielt gegen solche Gefahren: Nun wurden große Brücken – etwa in Dresden und Säckingen – zumindest teilweise aus Stein errichtet und verstärkt. Die Prager Karlsbrücke, deren Vorläuferin im Februar 1342 zerstört worden war, wurde mit eisbrechenden Pfeilern versehen.
Die Stadtmauer etwa von Straßburg wurde gezielt gegen Hochwasser befestigt, der Niederrhein wurde bei Kleve durch kollektive Arbeiten eingedeicht. Der gewundene Lauf der Donau wurde am niederbayerischen Kloster Oberalteich bei Straubing mit einem Durchstich begradigt, um den Fluss auf Abstand zu halten.
Dies könne man durchaus als Beginn des modernen Hochwasserschutzes betrachten, sagt Blöschl. „Siedlungen werden nicht nach einem einzelnen Hochwasser aufgegeben“, erläutert der Wiener Hydrologe. „Es waren die Mehrfachereignisse, die zu einem Umdenken im Hochwassermanagement geführt haben.“
Zwar habe es auch in der jüngeren Geschichte Überschwemmungen in Mitteleuropa durch Vb-Wetterlagen gegeben, schreibt das Team und nennt unter anderem die Jahre 1999 und 2005. „Allerdings war die räumliche Ausdehnung der Magdalenenflut viel größer als bei den jüngeren Überschwemmungen.“
Die Flutjahre 1342 und 1343 seien so außergewöhnlich, als ob die großen europäischen Hochwasserereignisse von 1999, 2002, 2005, 2006 und 2013 sowie ein Dutzend anderer Überschwemmungen in weniger als zwei Jahren aufgetreten wären.
Die Illustration aus dem Jahr 1888 zeigt den aktiven Hekla Vulkan
Zur Ursache der gehäuften Hochwasser stellt das Forschungsteam Vermutungen an: Ein Faktor könnten etliche Vulkanausbrüche um 1340 gewesen sein, heißt es unter Verweis auf das Global Volcanism Programm (GVP) der US-amerikanischen Smithsonian Institution.
Fünf der acht dort für den Zeitraum 1340/41 gelisteten außertropischen Eruptionen entfallen auf Island, darunter die des Vulkans Hekla im Mai/Juni 1341. Möglicherweise könne der Ausstoß von schwefelhaltigen Aerosolen in die Stratosphäre eine starke Klimareaktion auf der Nordhalbkugel hervorgerufen und zu Abkühlung beigetragen haben, mutmaßt das Team.
Ein weiterer möglicher Faktor könne die geringe Meereisbedeckung in der Arktis seit den 1330er Jahren gewesen sein. Dies könne durch die fehlende Albedo die Temperatur an der Meeresoberfläche erhöht und so zu stärkeren Niederschlägen beigetragen haben, heißt es weiter. Diese Kombination, so Blöschl, habe vermutlich entscheidend zu der Häufung der Hochwasser beigetragen.
„Das ist die wahrscheinlichste Erklärung, die wir finden konnten“, betont er. „Ganz sicher lässt sich das zwar nicht sagen – doch die neuen Erkenntnisse bringen uns dem Verständnis dieser außergewöhnlichen Serie ein gutes Stück näher.“
Als Konsequenz aus der Analyse plädiert das Team dafür, Sequenzen mehrerer Extremhochwasser binnen weniger Monate im heutigen Risikomanagement stärker zu berücksichtigen, zumal der Klimawandel Häufungen von Überschwemmungen künftig wahrscheinlicher mache.
Überraschend ist, dass von den vielen Hochwassern nur die Magdalenenflut in der öffentlichen Aufmerksamkeit überlebt habe. „Die Magdalenenflut ist bis heute im kollektiven Gedächtnis präsent, weil sie mit Hochwassermarken und Gedenktafeln festgehalten wurde, aber auch durch jährlich wiederholte Bittprozessionen“, sagt Bauch. „Dass sie nur ein Ereignis in einer ganzen Kette von Katastrophen war, ist über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten.“
Dazu könnte auch beigetragen haben, dass die größte Katastrophe des 14. Jahrhunderts damals unmittelbar folgte: Wenige Jahre nach der Flut brach die Pest aus. Der Schwarze Tod war in Europa die schwerste Seuchenwelle des vergangenen Jahrtausends.
Mit der Kunst ist es wie mit jeder produktiven Tätigkeit: Wenn man sie nicht als Selbstzweck betreibt, wird nichts draus.
Von
Kandinsky heißt es, er habe über Sinn und Zweck der Kunst manch
esoteri-schen Schwulst geschrieben. Ich habe das nie gelesen. Was der
Künstler über sein Werk sagt, ist diskursiv zu beurteilen, wenn man sich für sowas interessiert, aber nicht ästhetisch. 28. 2. 20
Geist ist zu allererst das
Vermögen, zwischen Bedeutendem und Unbedeutendem zu unterscheiden. Das
Tier "kennt" diesen Unterschied nicht. Zwar bedeutet auch dem Tier
dieses Etwas und Jenes nichts. Aber was ihm nichts bedeutet, nimmt es
gar nicht erst 'wahr'. Das heißt, für es 'gibt es' diesen Unterschied nicht. Seine gene-tische Ausstattung hat "apriori" den Unterschied immer schon gemacht. Nicht so für den Menschen. Er muss den Unterschied selber machen. Es liegt nahe, dass ihm alles, was bleibt, zuerst einmal als bedeutender erscheint als alles, was sich ändert. Aber das kann sich... ändern. Es hängt davon ab, ob in meiner Erlebenswelt die sicheren Situationen vorherrschen oder die unsicheren; zum Bei-spiel. aus e. Notizbuch, 28. 8. 08
Goffin-Kakadus "fluchen" und ändern ihre Strategie, wenn etwas kaputt ist
Die klugen
Papageien lernen am Touchscreen, wenn eine erwartete Funktion dauerhaft
ausfällt – eine kognitive Voraussetzung, um Verlust zu begreifen
Beim Menschen ist der Tod von Ritualen und Trauer umgeben. Inwieweit
Tiere den Tod ihrer Artgenossen wahrnehmen, ist in der Fachwelt ein
vieldiskutiertes Thema. Eine Möglichkeit, sich einer Antwort zu nähern,
führt über die Frage: Was müsste ein Tier verstehen, um zu erkennen,
dass ein anderes Lebewesen gestorben ist? Es hat vermutlich mit der
Einsicht zu tun, dass jemand ein erwartetes Verhalten nicht mehr zeigt
und das so bleibt.
Hier setzt das "minimale Todeskonzept" an, ein Gedanke aus der
vergleichenden Thanatologie, dem Forschungszweig zur Frage, wie Tiere
auf den Tod reagieren. Um den Tod in seinen Grundzügen zu erfassen,
braucht es demnach weder eine Vorstellung von Sterblichkeit noch Trauer
oder Sprache. Es genügt das Erkennen eines dauerhaften
Funktionsverlusts.
Verständnisgrundlagen
Ein Team des Messerli-Forschungsinstituts
der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat nun einen einzelnen
Baustein dieses Konzepts experimentell untersucht. Die Frage war, ob
Tiere lernen können, dass etwas, das zuvor verlässlich eine Belohnung
brachte, in einem bestimmten Zusammenhang aufgehört hat zu funktionieren
– und ob sie dann flexibel reagieren. Die im Fachjournal Scientific Reports erschienene Studie
entstand aus der Zusammenarbeit der Philosophin Susana Monsó mit den
Kognitionsbiologen Antonio Osuna-Mascaró und Alice Auersperg.
"Das Verständnis des Todes mag wie eine Alles-oder-nichts-Frage
klingen, aber es lässt sich in einfachere Komponenten zerlegen", sagt
Monsó. Eine davon sei die Fähigkeit zu erkennen, dass eine erwartete
Funktion fehlt und dieser Verlust kein vorübergehender ist.
Dass die Wahl auf Goffin-Kakadus fiel, hat gute Gründe. Die Papageien gelten als findige Problemlöser.
Sie stellen Werkzeuge her, transportieren ganze Werkzeugsets und legen
ein Werkzeug beiseite, sobald es im jeweiligen Kontext nichts mehr
nützt. Ob sie dieses Gespür für verlorene Funktion auch abseits
handfester Gegenstände zeigen, war offen.
Die Verhaltensforscherin Eleonora Rovegno, umgeben von einigen ihrer cleveren Schützlinge.
Der Touchscreen-Test
Um das zu
prüfen, setzte das Team auf einen Bildschirm. Zunächst lernten die Vögel
eine simple Regel: Wer einen runden Knopf berührte, bekam ein wenig
Futter. Ein Pfeil führte zum nächsten Durchgang.
Dann begannen die Komplikationen. Berührte ein Kakadu den Knopf,
blinkte der Bildschirm mitunter heftig auf. Von da an war der Knopf
"tot", allerdings nur vor einem bestimmten Hintergrundmuster. Vor
anderen Hintergründen funktionierte derselbe Knopf weiterhin.
Es ging also nicht bloß um die Erkenntnis "dieser Knopf ist kaputt".
Gefragt war eine flexiblere Regel: Tritt das Blinken auf, lohnt sich
dieser Kontext nicht mehr. Und entscheidend war, ob die Vögel diese
Erwartung später auf neue, bislang unbekannte Hintergründe übertragen
würden.
"Der Versuch sieht vielleicht kompliziert aus, doch die Idee dahinter
ist recht einfach", erklärt Osuna-Mascaró. Man stelle sich einen Knopf
vor, der erst tadellos arbeite und nach einem bestimmten Ereignis
plötzlich aussetze, aber nur in einer ganz bestimmten Situation. Man
habe wissen wollen, ob die Tiere bei einem neuen blinkenden Hintergrund
von sich aus erwarten würden, dass auch dieser nun nicht mehr
funktioniert.
"Fluchende" Papageien
Genau das
taten sie. Mit wachsender Erfahrung übersprangen die Kakadus die
Hintergründe, vor denen der Knopf seinen Dienst quittiert hatte, statt
weiter darauf einzuhacken. Den Knopf grundsätzlich aufgegeben haben sie
aber nicht. Dort, wo er noch funktionierte, drückten sie ihn weiterhin.
Sie hatten nicht das Vertrauen in den Bildschirm verloren, sondern ihr
Verhalten fein an den jeweiligen Kontext angepasst.
Perfekt lief das nicht, und zwischen den Individuen lagen Welten.
Manche begriffen rascher als andere. Einige reagierten auf das Blinken
auch sichtbar, mit Lautäußerungen oder aufgestellter Haube - eine Art
tierisches "Fluchen".
Beeindruckend sei gewesen, wie verschieden die Tiere reagierten, als
der Knopf plötzlich versagte, sagt Eleonora Rovegno, die die Tests
durchführte. Manche hätten Bettelrufe ausgestoßen oder deutliche
Erregung gezeigt. Diese Reaktionen seien zwar nicht in die statistische
Auswertung eingeflossen, hätten die Aufgabe aus Sicht der Vögel aber
sehr real wirken lassen: Etwas, das eben noch funktioniert hatte, tat es
auf einmal nicht mehr.
Kein Verständnis für den Tod
Die
Forschenden warnen vor zu weitreichenden Schlüssen. Dass Goffin-Kakadus
Irreversibilität im menschlichen Sinn verstünden, zeigt die Arbeit
nicht. Sie belegt nur, dass die Vögel innerhalb des Versuchsrahmens
einen anhaltenden, kontextgebundenen Funktionsverlust erlernen und
flexibel darauf reagieren."Wir sollten daraus nicht folgern, dass die Vögel den Tod verstehen",
mahnt Monsó. Die Fähigkeit, einen Funktionsverlust zu erkennen und
angemessen darauf zu reagieren, gehöre aber zu jenen Bausteinen, die
dafür bedeutsam sein könnten, wie Tiere auf den Tod und andere
dauerhafte Veränderungen reagieren.
Weil der Versuch ohne Werkzeuge auskommt und allein auf einem
Touchscreen läuft, ließe er sich auf andere Arten übertragen. Solche
Bildschirmaufgaben sind in der Kognitionsforschung längst etabliert, von
Tauben bis zu Primaten. Künftige Studien könnten so prüfen, wie weit
das Verständnis verlorener Funktion im Tierreich reicht.
Den Reiz des Goffin-Kakadus sieht Auersperg, die Leiterin des Goffin
Labs, gerade darin, dass er Wissen immer wieder von einem Zusammenhang
in einen anderen trägt. In der Natur und im Labor lerne er über
Werkzeuge und physische Probleme. Hier habe man den Aufbau bewusst
entkernt, um die Funktionalität selbst in den Mittelpunkt zu rücken.(tberg, red)
Der 20-jährige Prinz reihte sich mit einem Spieß in den „verlorenen Haufen“ ein.
Nachdem der Habsburger Maximilian mit Maria die Erbin von Burgund geheiratet hatte, erklärte der französische König den Krieg. Als die Heere 1479 bei Guinegate aufeinandertrafen, übernahm der junge Herzog eine revolutionäre Rolle.
Es soll Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Maria, Tochter Karls des Kühnen und Erbin von Burgund, heiratete im August 1477 mit Maximilian in Gent den Sohn des Kaisers Friedrich III. Damit begründeten die reichste Frau Europas und ein 20-jähriger Prinz den Aufstieg des Hauses Habsburg. Denn anders als sein weitgehend mittelloser Vater, der als „Erzschlafmütze des Heiligen Römischen Reiches“ verspottet wurde, war Maximilian ein athletischer Galan, der eine Vorliebe dafür hatte, nackt mit Frauen zusammen zu sein, zu tanzen, Lanzen zu schwingen und den Damen den Hof zu machen, wie es der Historiker Simon Sebag Montefiore ausgedrückt hat.
Aber mit der Hochzeit und der zehn Monate danach erfolgten Geburt eines Prinzen war es nicht getan. Denn auch Ludwig IX. von Frankreich erhob Ansprüche auf das Erbe Karls, der 1477 vor Nancy Heer und Leben verloren hatte. Schließlich waren weite Teile der burgundischen Erbmasse französische Lehen, entstammten ihre Herzöge doch einer Nebenlinie der Valois, deren Oberhaupt der König von Frankreich war. Maximilian, nur aus dem „iure uxoris“, dem Recht der Ehefrau, Herzog von Burgund, war also gezwungen, gegen den übermächtigen Nachbarn Krieg zu führen.
Von seinem stets klammen Vater konnte er keine Unterstützung erwarten. Das galt auch für die meisten Reichsfürsten, die den Krieg im Westen nicht als den ihren ansahen. Immerhin stellten sich die Stände Flanderns auf Maximilians Seite, erschien ihnen die Aussicht, von ihm regiert zu werden, doch als das geringere Übel, als unter die Herrschaft Frankreichs zu geraten. Und die Flamen hatten einige Erfahrung darin, wie dem Ansturm der französischen Panzerreiter begegnet werden konnte. Im Juli 1302 hatten ihre Fußtruppen bei Courtrai das Heer Philipps IV. von Frankreich vernichtet, 700 Ritter fanden dabei den Tod.
Maximilian dürfte auch ein anderes Vorbild vor Augen gestanden haben. Obwohl es seine enormen Einkünfte Marias Vater Karl dem Kühnen erlaubt hatten, eine schlagkräftige Armee von 18.000 Mann auszurüsten, hatte er im Januar 1477 vor Nancy gegen die Schweizer „Reisläufer“ des Herzogs von Lothringen den Kürzeren gezogen.
Denn die burgundischen „Ordonanzkompanien“ aus Infanterie, Reitern und Feldartillerie waren von der disziplinierten und hoch motivierten leichten Infanterie der Eidgenossen buchstäblich in Stücke gehauen worden, indem sie mit ihren kompakt stehenden langen Spießen die Kavallerie auf Distanz hielten und zugleich Löcher in feindliche Schlachtreihen schlugen. Anschließend drangen Kämpfer aus dem Inneren dieser igelförmigen „Gewalthaufen“ hervor und machten sich mit Schwertern und ihren gefürchteten Hellebarden – einer Verbindung aus Axt, Spieß und Haken – über den Gegner her.
Leidvolle Erfahrungen mit den Schweizern hatte an der Seite Karls Jakob von Savoyen gemacht. Nach dem Tod des Burgunders war er in die Dienste Marias getreten und hatte die Führung der flandrischen Truppen übernommen, mit denen Maximilian hauptsächlich den Krieg gegen Ludwig führte. Vermutlich hatte Jakob den Habsburger auf die Taktik der Eidgenossen hingewiesen. In seinen Memoiren berichtet Maximilian, dass er als junger Mann in den Niederlanden lange Spieße anfertigen ließ und mit ihnen Waffenübungen durchführte.
Maximilian I. (1466–1536) als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
Entscheidend wurde eine weitere Veränderung. Der junge Herzog ergriff nämlich selbst eine Pike und nahm einen Platz in der vorderen Schlachtreihe ein, der üblicherweise als „verlorener Haufen“ galt. Seinem Vorbild folgten auch die übrigen, zumeist adligen Kommandeure, die also nicht mehr als Ritter zu Pferde auf das Fußvolk herabschauten, sondern ihre Führungsfunktion Schulter an Schulter mit ihren Leuten wahrnahmen. Die Fußsoldaten, die während des Mittelalters als namenloses Lanzenfutter gegolten hatten, erfuhren damit eine umstürzende Aufwertung, die sich auch in einer gestärkten Moral niederschlug.
Als Maximilian im Sommer 1479 die kleine Grenzfestung Therouanne belagerte, rückte ein französisches Entsatzheer heran. Sein Befehlshaber war mit Philippe de Crèvecœur ebenfalls ein ehemaliger Mitstreiter Karls des Kühnen, der sich aber ganz auf die traditionelle französische Kriegführung verließ: Entscheidende Attacken und damit die Ehre des Siegers sollten den Rittern zukommen, während dem Fußvolk allenfalls eine untergeordnete Rolle zugedacht war.
Am 7. August kam es bei Guinegate (Enguinegatte) im Artois zur Schlacht. Die Zahl der Burgunder wird auf etwa 11.000 Mann geschätzt, die Franzosen dürften etwas weniger gewesen sein, dafür verfügten sie über deutlich mehr Panzerreiter. Diese wurden von beiden Seiten auf den Flügeln platziert, während Maximilian mit seinen Gewalthaufen das Zentrum einnahm. Dem stellte Crèvecœur eine Linie aus Leichtbewaffneten, vor allem Schützen, gegenüber.
Landsknechte mit typischer Ausrüstung
Schon im ersten Ansturm gelang es dem französischen rechten Flügel, seine Gegner zurückzuwerfen und nebenbei die wenigen Geschütze, die Maximilian dort postiert hatte, zu erobern. Sie wurden gewendet und unterstützten nun den Angriff auf Maximilians Zentrum.
Dass dieses standhielt, zeigt zum einen die Elastizität der igelförmigen Gewalthaufen, die auch Attacken in den Flanken widerstehen konnten. Zum anderen löste sich die Formation der französischen Ritter auf, weil viele von ihnen lieber – der lockenden Lösegelder wegen – ihren fliehenden Standeskollegen nachsetzten, als gegen die waffenstarrende Wand der verachteten Fußsoldaten vorzugehen.
Die Burgunder hatten allerdings auch Glück, dass ihre rechte Seite die französischen Angriffe abwehren konnte. Nach vier Stunden war die Schlacht vorbei. Die Franzosen sollen etwa 4000 Mann, ihre Gegner sogar noch einige mehr verloren haben. Leichte Infanterie erwies sich als verwundbarer als schwer gepanzerte Kavallerie.
Zwar konnte Maximilian damit den Hennegau sichern. Aber da ihm die Mittel fehlten, die Truppen weiterhin zu besolden, und er sie daher entlassen musste, schleppte sich der Krieg weiter. Nur mit Mühe gelang es dem Habsburger – nachdem seine Frau Maria im März 1482 bei einem Reitunfall gestorben war – im Frieden von Arras Flandern zu sichern, während das Artois, die Picardie und die Freigrafschaft Burgund an Frankreich fielen.
Militärgeschichtlich dagegen markiert Guinegate eine entscheidende Weichenstellung, übernahmen die Fußsoldaten doch endgültig die entscheidende Rolle auf den Schlachtfeldern. Von nun an machte Maximilian die Landsknechte zum Kern seiner Armeen. Dagegen ging Frankreich dazu über, in großem Stil Schweizer anzuwerben.
Deren Handicap war ihre ruhmreiche Tradition. Sie behielten ihre bewährte Kriegsführung bei, während die Landsknechte, die vor allem am Oberrhein angeworben wurden, ihre Organisation und Taktik viel schneller den Veränderungen im Gefecht anpassten. Die Piken wurden bis zu fünf Meter lang, die Zahl der Arkebusen und Musketen wurde erhöht, die Tiefe der Haufen nahm zu. Bei Pavia schlugen die Landsknechte Kaiser Karls V. 1525 die Schweizer Franz I. von Frankreich vernichtend.
Nachdem er 1486 König und 1508 Kaiser geworden war, präsentierte sich Maximilian I. gegenüber seinen adligen Standesgenossen gern mit glanzvollen Turnieren und Festen als „letzter Ritter“. Daneben beschäftigte er sich aber intensiv mit der Modernisierung seiner Kriegsmacht und führte zukunftsweisende Veränderungen in der Artillerie durch. Ein anderer Ehrentitel brachte es auf den Punkt: „Vater der Landsknechte“.
Nota. -Das eigenartige Wort Landsknecht hieß ursprünglich Lanzknecht: Militär-geschichte ist nicht bloß Geschichte der Waffentechnik. Sie ist, wie könnte es anders sein, ein Spiegel der Sozialgeschichte. Aus welchen Gesellschaftsgruppen stammen die Kämpfer, welche Manöver sind sie auszuführen fähig und bereits, welches ist das Verhältnis von Kommandeurern und Kommandierten? Summa summaren: Warum und wofür soll einer zu sterben bereit sein? JE