Dienstag, 8. September 2026

Logik und Algorithmus.

                                                                 zu Philosophierungen

Frage an ChatGPT: 

Ich erkühnte mich einmal zu dem Satz, Logik sei das allgemeinst-mögliche Schema allen Handelns; Mathematik sei das allgemeinst-mögliche Schema allen Handelns im Raum. -

Ein Algorhitmus ist nun eine schrittweise Handlungsanweisung zur Lösung einer bestimmten Aufgabe. Er gilt nur für die bestimmte Aufgabe und ist nicht allgemein, sondern spezifisch. Doch allgemein ist er, insofern er Schema ist.

Stimmen Sie mir zu? 

ChatGPT antwortet: 

Ja — und ich würde Ihren Gedanken sogar für philosophisch sehr ergiebig halten. Allerdings würde ich eine kleine Präzisierung vornehmen, weil gerade an ihr der interessante Punkt liegt.

Ihre drei Sätze lassen sich etwa so staffeln:

Logik ist das allgemeinste mögliche Schema des Handelns überhaupt.
Mathematik ist das allgemeinste mögliche Schema des Handelns unter der Bedingung von Raum bzw. Quantifizierbarkeit.
Algorithmus ist ein Schema des Handelns, das auf eine bestimmte Klasse von Aufgaben zugeschnitten ist.

Der scheinbare Gegensatz beim Algorithmus — spezifisch und doch allgemein — löst sich tatsächlich auf, wenn man zwischen Anwendungsbereich und Form unterscheidet.

Ein Algorithmus sagt nicht:

„Tu jetzt genau diese einmalige Handlung.“

Sondern eher:

„Wenn eine Situation von der Form S vorliegt, führe die Operationen
1, 2, 3 ... nach dieser Regel aus.“

Er ist also inhaltlich spezifisch, aber formal allgemein.

Der entscheidende Punkt: Das Schema ist selbst eine Handlungsform

Nehmen wir den euklidischen Algorithmus zur Bestimmung des größten gemeinsamen Teilers. Er ist nicht allgemein im Sinne von „für jede beliebige Handlung brauchbar“. Aber er ist allgemein in einem viel interessanteren Sinne:

Er beschreibt nicht einen einzelnen Vollzug, sondern eine reproduzierbare Form von Vollzügen.

Und darin liegt m. E. Ihre Intuition.

Man könnte sogar drei Ebenen unterscheiden:

EbeneWas wird schematisiert?
Handlung„Ich tue jetzt X.“
Algorithmus„Wenn X der Fall ist, tue ich nach diesem Schema X₁, X₂, X₃ ...“
Logik„Wenn überhaupt gehandelt/geschlossen wird, müssen Beziehungen dieser Art gelten.“

Damit wäre der Algorithmus gewissermaßen ein mittleres Allgemeines: allgemeiner als die einzelne Handlung, weniger allgemein als die Logik.

Aber ich würde Ihren ursprünglichen Satz noch radikaler formulieren:

Ein Algorithmus ist nicht bloß eine Handlungsanweisung; er ist eine Vergegenständlichung der Form einer möglichen Handlung.

Und dann bekommt Ihre These über die Logik eine bemerkenswerte Schärfe. Denn Logik wäre nicht primär ein System von „Sätzen über Sätze“, sondern das Schema möglicher regelgeleiteter Operation überhaupt.

Das hat übrigens eine sehr schöne Konsequenz für Ihre Formel

Logik = allgemeinste mögliche Form des Handelns.

Denn dann wäre ein Algorithmus gewissermaßen Logik, insofern sie zeitlich auseinandergelegt und operativ gemacht worden ist:

Logik:
A → B

Algorithmisch:

  1. prüfe A
  2. falls A, führe Operation B aus
  3. prüfe das Resultat
  4. fahre fort ...

Der Algorithmus macht also aus einer Relation eine Folge von Handlungen.

Und genau deshalb würde ich Ihrem letzten Satz zustimmen: Das Allgemeine eines Algorithmus liegt nicht darin, dass er für alles gilt, sondern darin, dass er eine bestimmte Handlung als Schema beliebig oft instantiierbar macht.

Vielleicht steckt darin sogar eine noch stärkere These:

Das Allgemeine ist nicht das, was auf alles zutrifft, sondern das, was sich als Schema wiederholen lässt.

Das wäre allerdings schon eine interessante Verschiebung gegenüber dem traditionellen Begriff des Allgemeinen — weg von Extension („gilt für viele Fälle“) und hin zu Reproduzierbarkeit einer Form. Und ich vermute, dass genau dort Ihre ursprüngliche Intuition philosophisch besonders fruchtbar wird.

von ChatGPT 

Danke für die Spezifizierung zur Mathematik: Handlung nicht einfach 'im Raum', sondern 'unter der Bedingung der Quantifizierbarkeit'. Das ist sachlich zwar dasselbe, setzt aber den Akzent viel allgemeiner. Ein allgemeiner Akzent? Das ist mal eine Pointe. - Quantifizierbarkeit gehört zu Fichtes Lieblingsvokabeln, da hätte es mir selber einfallen können. Aber als ich den kühnen Satz schrieb, war ich noch nicht tief genug eingedrungen. JE
 
 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

Montag, 7. September 2026

Faizals Argument gegen eine algorithmische „Theorie von Allem“

 google

  zu Jochen Ebmeiers Realien 

Ich hatte ChatGPT gebeten, mir eine Zusammenfassung von Mir Faizals Argumenten gegen die Möglichkeit einer Weltformel alias "Theory Of Eve-rything" zu erstellen. JE

Dies ist sie: 

1. Faizals Hauptthesen (2025)

Faizals Kernaussage ist zweigeteilt:

  • Prinzipielle Grenze einer algorithmischen ToE: Eine Quantengravitationstheorie, die als formales, berechenbares Axiomensystem modelliert wird, kann nie zugleich konsi-stent und vollständig sein. Mit anderen Worten: „es gibt bestimmte Facetten der Realität, die rechnerisch unentscheidbar bleiben und nur durch nicht-algorithmisches Verständnis erschlossen werden können“. Damit sei ein vollständig berechenbares Modell aller physi-kalischen Wahrheiten ausgeschlossen.
  • Notwendigkeit einer Meta-Theorie: Faizal & Kollegen schlagen vor, über die algorith-mische Theorie hinaus eine „Meta-Theorie von Allem“ einzuführen, die einen externen Wahrheitsprädikat und nicht-aufzählbare Axiome enthält. Damit lassen sich die Gödel- und Tarski-Aussagen als extern akzeptierte Wahrheiten behandeln. Dieses Meta-Modell erklärt etwa das Schwarzen-Loch-Informationsparadoxon oder undefinierbare Grenzpro-zesse, ohne dass die Physik als Ganzes zusammenbricht. Aufgrund des grundsätzlichen Algorithmuscharakters einer Simulation folgern die Autoren zudem: Das Universum kann nicht simuliert werden.

2. Rekonstruktion in 5 Schritten

  1. Raumzeit-Emergenz und Quantengravitation: Die Allgemeine Relativitätstheorie versagt an Singularitäten (Schwarze Löcher, Urknall). Faizal interpretiert dies so, dass die Quantengravi-tation Raumzeit hervorbringen muss – sie ist also keine Theorie innerhalb schon vorhandener Raumzeit, sondern ein informationsbasiertes, emergentes System. Dies entspricht dem „it from bit“-Paradigma: Raumzeit und Felder entstehen aus tieferen Quanteninformations-Grundlagen. Unter dieser Annahme wird die finale Theorie als ein formales Computersystem gedacht, des-sen Axiome und Regeln (Bits) die beobachtbaren Gesetze (Its) erzeugen.

  2. Formalisierung als algorithmisches System: Man modelliert die Quantengravitation als ein formales, axiomenbasiertes System* $F_{QG}={L_{QG},\Sigma_{QG},R_{alg}}$. Dabei bezeichnet $L_{QG}$ die formale Sprache (Begriffe für Quantenzustände, Metrik etc.), $\Sigma_{QG}$ die Menge fundamentaler Axiome, und $R_{alg}$ die abzählbaren Inferenz-regeln zur Herleitung von Vorhersagen. Wichtig sind die Voraussetzungen: $F_{QG}$ soll konsistent sein (keine Widersprüche erzeugen) und ausdrucksstark genug (insbesondere elementare Arithmetik beschreiben). Unter dieser „effektiv axiomatisierbaren“ Annahme entspricht die Theorie einem endlichen Computerprogramm, das aus den Axiomen Schritt für Schritt neue Aussagen berechnet.

  3. Anwendung von Gödels Unvollständigkeit: In einem ausreichend mächtigen konsistenten System $F_{QG}$ existiert stets eine wahre Aussage $G$, die innerhalb des Systems weder beweisbar noch widerlegbar ist (Gödels erster Satz). Faizal zeigt, dass in diesem Kontext bestimmte physikalische Tatsachen (z.B. feingranulare Mikrozustände von Schwarzen Löchern) wahr sein können, aber formal nicht aus $F_{QG}$ ableitbar. Mathematisch heißt das [ Th(F_{QG}) ;\subsetneq; True(F_{QG}),, ] d.h. die Menge der beweisbaren Sätze ist echt kleiner als die Menge aller wahren Sätze. Zudem folgt aus Gödel II, dass $F_{QG}$ nicht seine eigene Konsistenz beweisen kann. Insgesamt bedeutet das: Selbst die „wahre“ Quantengravitation kann ihre Grundlagen formal nicht abschließend sichern – es bleibt ein unerreichbarer Raum wahrer, aber unbewiesener Aussagen.

  4. Tarski: Undefinierbarkeit der Wahrheit: Tarski bewies, dass ein formalisiertes System seinen eigenen Wahrheitsbegriff nicht vollständig definieren kann. Überträgt man dies auf $F_{QG}$, heißt das: Selbst wenn $F_{QG}$ Berechnungen liefert, fehlt ihm intern die Möglichkeit, zu entscheiden, welche Aussagen daraus wirklich „wahr“ sind. Ein Wahrheitsprädikat ${\rm True}{F{QG}}(x)$ kann $F_{QG}$ nicht definieren, weil es ansonsten zu Widersprüchen kommt. Faizal folgert: Die Wahrheit physikalischer Aussagen erfordert eine externe Meta-Ebene. Dieses Ergebnis untergräbt die Vorstellung, dass alle physikalischen Wahrheiten aus den Axiomen rein algorithmisch folgen können.

  5. Chaitin: Informationstheoretische Grenze: Zusätzlich wendet Faizal Chaitins Unvollständigkeitstheorem an. Dieses besagt, dass es für jedes konsistente formale System eine Konstante $K$ gibt, sodass keine Aussage mit Kolmogorow-Komplexität größer als $K$ innerhalb des Systems beweisbar ist. Auf $F_{QG}$ übertragen: Es gibt physikalische Phänomene, deren Informationsgehalt die Komplexität der Axiome übersteigt und daher algorithmisch unentscheidbar bleiben. Damit ergänzt Chaitin das Gödelsche Resultat: Nicht nur selbstbezügliche Sätze, sondern generell sehr komplexe Tatsachen können formal nicht erfasst werden.

Schlussfolgerung: Durch diese Kombination von Schritten ergibt sich die zentrale These: Eine vollständig algorithmische und zugleich widerspruchsfreie Theorie aller Physik ist prinzipiell unmöglich. Einige physikalische Tatsachen bleiben formal außerhalb ihrer Reichweite, sodass Mathematik allein als fundamentale Methode versagt. Der Verzicht auf die Annahme eines rein formalen Systems würde daher das Prinzip der Unvollständigkeit nicht umgehen, sondern statt dessen eine „Meta-Ebene“ voraussetzen.

3. Annahmen und Kritik

Faizals Argumentation beruht auf mehreren Schlüssen und Voraussetzungen: (a) Die Quantengravitation lässt sich als abzählbares, formal-logisches Axiomensystem fassen; (b) dieses System ist konsistent und mächtig genug (arithmetisch ausdrucksfähig); (c) physikalische Realitäten entsprechen wahren Sätzen dieses Systems (reale Fakten = mathematische Wahrheiten). Kritiker weisen darauf hin, dass diese Annahmen nicht selbstverständlich sind. Ein häufiger Einwand ist, dass physikalische Theorien nicht zwingend „abgeschlossen“ oder rekursiv aufzählbar sein müssen, da sie möglicherweise Kontinua oder nicht-algorithmische Elemente enthalten.

Kritische Einwände im Überblick:

  • Algorithmische Simulation vs. Projektion: Arellano-Peña (2025) betont, dass Faizal fälschlicherweise alle Simulationen mit vollständig algorithmischen Generationen gleichsetzt. Er argumentiert, dass Projektionssimulationen (bei denen nur beobachtbare Folgewelten generiert werden) von den Unentscheidbarkeitstheoremen unbehelligt bleiben. Demnach beschränkt sich das No-Go-Theorem auf rekursiv generierte Fundamentalebenen, nicht aber auf die Möglichkeit, eine emergente physikalische Welt zu simulieren. Er nennt das einen „Quantifizierungsfehler“ – aus dem Ausfall der algorithmischen Metatheorie folgt nicht zwangsläufig das völlige Unmögliche jeder Simulation.
  • Menschliches vs. natürliches Verständnis: Aatif K. Khan (2026) hebt hervor, dass „nicht-algorithmisches Verständnis“ nicht notwendigerweise menschlichen Geistesvorgängen entsprechen muss. In Faizals Darstellung könnte man fälschlich auf eine anthropozentrische Deutung schließen. Khan schlägt vor, die Nicht-Algorithmik als intrinsische, platonische Eigenschaft der Welt zu verstehen, die der menschlichen Erkenntnis zwar ähnlich, aber grundsätzlich übergeordnet ist.
  • Übergang von Mathematik zur Physik: Ein tieferer Einwand lautet, dass Gödel & Co. streng nur auf mathematische Systeme angewendet werden können. Physikalische Theorien enthalten möglicherweise empirische Elemente oder sind «offene» Theorien (nicht vollständig formalisiert). Die Übertragung auf die „Theorie des Universums“ setzt quasi Platonismus voraus: Es muss eine klar definierbare Menge physikalischer Tatsachen geben, die der formalen Menge $True(F_{QG})$ entspricht. Hier ist also noch umstritten, ob und wie genau Physik sich überhaupt zu einem solchen Formalismus zwingen lässt.

4. Kritische Bewertung

Stärken: Faizals Argument verbindet auf originelle Weise Logiktheorie mit Fundamentalphysik und macht faszinierende Einschränkungen sichtbar. Es reflektiert wichtige Erkenntnisse (Gödel, Tarski, Chaitin) in einem physikalischen Kontext und zeigt, dass die Idee eines „Endprogramms“ für alle physikalischen Wahrheiten zu kurz greift. Besonders einleuchtend ist die Betonung der Grenzen rein berechenbarer Modelle: So wie numerische Methoden nicht alle Kontinua erfassen können, so kann eine feste Formel nicht alle physischen Fakten generieren.

Schwächen: Der Hauptkritikpunkt ist der Schritt von logischen Theoremen auf die konkrete Physik. Faizal nimmt eine ideale, vollständig beschreibbare Quantengravitation an, was in der Praxis höchst hypothetisch ist. Die Annahme, dass $F_{QG}$ als finites axiomatisches System existiert, ist selbst spekulativ. Zudem bleiben viele Begriffe vage: Was genau heißt „Wahrheit“ in der Physik? Wie würde man die nicht-algorithmischen Axiome $\Sigma_T$ im Experiment erkennen? In der Praxis lässt sich nur begrenzt prüfen, ob eine Theorie „alle Fakten umfasst“, weshalb die Aussage eher theoretischer Natur ist. Ein weiterer möglicher Einwand ist, dass Quantenmechanik selbst schon gewisse nicht-klassische Eigenschaften (Superposition, Zufall) hat, die möglicherweise die strenge Formalisierbarkeit unterlaufen.

Offene Fragen und Antworten: Faizal liefert vor allem einen formalen Rahmen, keine konkrete Meta-Theorie. Die konkrete Natur des geforderten „nicht-algorithmischen Verständnisses“ bleibt unbestimmt und wird von Khan als eher platonisch interpretiert. Es ist unklar, ob dies einer empirischen Wissenschaft noch Rechnung trägt. Als mögliche Erwiderung verweist Faizal darauf, dass allein die Anerkennung der begrenzten Berechenbarkeit einen Paradigmenwechsel erfordert – statt neue Feldgleichungen braucht es einen neuen Zugang zur „Erkenntnis“ an sich. Gegner könnten aber halten, dass Physik wenig von philosophischen Meta-Ebenen profitiert, solange sie keine Vorhersagen liefert. In der aktuellen Debatte wird auch diskutiert, ob die Schlussfolgerung wirklich das Ende des Forscherdrangs bedeutet oder nur unterstreicht, dass völlig neue mathematische Strukturen nötig sind.

5. Übersichtstabelle

AussageFaizal et al. (2025)Gegenargumente / KritikAlternative Vorstellungen
Raumzeit und InformationRaumzeit entsteht aus Quanteninformation („it from bit“); eine ToE wäre ein formales Informationssystem.Physikalische Raumzeit könnte nicht vollständig aus reiner Information erklärbar sein (z.B. Kontinua, Chaostheorie).Diverse QG-Modelle: Schleifenquantengravitation, Raumzeit-Schaum, holografische Ansätze.
Algorithmische Vollständigkeit einer ToEEin berechenbares Axiomensystem ist prinzipiell unvollständig; gewisse wahre Fakten bleiben formal unerreichbar.Formalunvollständigkeit gilt nur für abzählbare Systeme; Physik muss nicht exakt ein solches System sein (Arellano-P.).Alternative Theorien setzen auf partielle Modelle oder pragmatische („effective“) Beschreibungen (z.B. EFTs, MOND).
Meta-Theorie / Nicht-AlgorithmikErforderlich: Externe Wahrheitsebene (Wahrheitspredikat, nicht-aufzählbare Axiome).Vage, wie „Verständnis“ jenseits von Algorithmen aussehen soll; kein Mechanismus, nur Philosophie.Manche vermuten: Bewusstsein oder Naturprinzipien jenseits von Mathematik (z.B. Penrose’ Orch-OR-Projekt).
Simulations-HypotheseDa eine vollständige Simulation algorithmisch wäre, ist das Universum nicht simuliert (logische Konsequenz).Arellano-Peña: Nur „algorithmische Simulation“ ist unmöglich; Projektionssimulationen könnten echte Phänomene reproduzieren.Simulationsthese kritisch, wird aber nicht vollständig verworfen – sie bleibt «überfordernd, aber nicht gänzlich unmöglich» (projektionsweise)

6. Weiterführende Literatur

  • Mir Faizal et al. (2025): „Consequences of Undecidability in Physics on the Theory of Everything“, J. Hologr. Appl. Phys. 5(2):10–21; arXiv:2507.22950.
  • Mir Faizal et al. (2025): „Quantum gravity cannot be both consistent and complete“, Essay für Gravity Res. Foundation 2025; arXiv:2505.11773.
  • A. K. Khan (2026): „Discussion on the Faizal–Krauss–Shabir–Marino Argument about the Theory of Everything“, J. Hologr. Appl. Phys. 6(1), 126–132. – Analyse und Vorschläge zur Interpretation des nicht-algorithmischen Verständnisses.
  • H. Arellano-Peña (2025): „Timeless Projection and Counterspace: Why Undecidability Does Not Preclude Simulation“ (Preprint, Dezember 2025). – Detaillierte Kritik an Faizals Schlussfolgerung bzgl. Simulation.
  • Roger Penrose (1994): Shadows of the Mind: A Search for the Missing Science of Consciousness. Oxford Univ. Press. – Diskutiert Grenzen algorithmischen Verstehens und Hinweise auf physikalische „Nicht-Algorithmik“. 

 von ChatGPT

 

*Nota. - Aus bekanntem Grund werde ich mich hüten, das zu kommentieren. Ich kann es auf diesem Blog nicht einmal vollständig wiedergeben: Bei mathematischen Formeln ver-sagt meine Tastatur. Sie finden die Formeln - ebenso wie ChatGPTs Zusammenfassung -  

> hier <.

JE 

Sonntag, 6. September 2026

Ließe sich die Ganze Welt algorithmisieren?


aus eurekalert.org, 30. 10 2025                                                                                           zu Jochen Ebmeiers Realien

»Wir leben in einer Simulation«: Manche sagen diesen Satz nur so daher, wenn et-was Unerklärliches oder Ungewöhnliches geschieht. Andere hingegen meinen die Vermutung ziemlich ernst. Wenn man mal länger darüber nachdenkt: Warum sollte es nicht wirklich so sein? Vielleicht hat irgendein Computer mit seinem Algorith-mus unsere Welt geschaffen und wir können nicht darüber hinausblicken, weil wir in den Bits und Bytes gefangen sind. Mathematiker widersprechen dieser These nun und haben Belege dafür.

Wir könnten Teil einer Computersimulation sein – oder doch nicht?

Die Simulationshypothese besagt, dass leistungsstarke Rechner eine detaillierte Welt simulieren können, in der digitale Wesen mit eigenem Bewusstsein existieren. Sie halten alles, was sie erleben, für echt. Wir Menschen könnten vielleicht Teil einer solchen Simulation sein, mit der Option, selbst Computer zu erschaffen, die eine weitere virtuelle Welt ins Leben rufen. Merken würde das niemand, der in dieser Kette sitzt.

Unsere Welt lässt sich gar nicht per Computer simulieren!

Wissenschaftler der kanadischen University of British Columbia wollten es dabei nicht belassen. Sie interessierte es brennend, ob unsere Welt, unser Universum echt ist oder nicht. Sie fanden auf mathematischem Wege heraus, dass unsere Welt sich nicht per Computer simulieren lässt und deshalb echt sein muss. Der beteiligte For-scher Dr. Mir Faizal erklärt dazu: »Jede Simulation ist von Natur aus algorithmisch – sie muss programmierten Regeln folgen. Da die grundlegende Ebene der Realität jedoch auf nicht-algorithmischem Verständnis basiert, kann das Universum keine Simulation sein und wird es auch niemals sein.«

Dr. Faizal legt diese Erkenntnis genauer dar: »Wir haben gezeigt, dass es unmöglich ist, alle Aspekte der physikalischen Realität mithilfe einer rechnerischen Theorie der Quantengravitation zu beschreiben. Daher kann keine physikalisch vollständige und konsistente Theorie von allem allein aus Berechnungen abgeleitet werden. Vielmehr erfordert dies ein nicht-algorithmisches Verständnis.«

Traum, Truman Show oder doch real?

Vielleicht … vielleicht ist die Welt aber auch nur ein Traum, denn in Träumen ist alles möglich und Algorithmen spielen dort keine Rolle. Oder wir sind in einer »Truman Show« gefangen. Oder, das Wahrscheinlichste: Wir leben einfach in einer verrückten Wirklichkeit, die sich niemand, weder Computer noch Mensch oder Alien, jemals ausdenken kann. 

 

Nota.  - Ein Abbild ist die sinnfällige Wiedergabe der einen oder der andern An-sicht von einem Ding. Man kann so viele Einzelansichten anfertigen, wie theore-tisch möglich sind. Aber nur eine nach der andern. Alle zugleich würden aus der An- eine Ein sicht machen.

Das ist sinnfällig - mit unsern fünf Sinnen - nicht möglich. Eine Simulation wäre aber ebendas: ein vollständiges Replikat eines Dings von innen und außen; und wäre das Ding das ganze Universum. Es könnte nicht mit unsern Sinnen ange-schaut, sondern müsste von unserm Denken begriffen werden.

Das war die Absicht der rationalistischen Metaphysik des 17. und 18. Jahrhunderts: die ganze Welt aus Begriffen rekonstruieren. Einer solchen hatte Immanuel Kant angehangen, bis er sie in der Kritik der reinen Vernunft auf den Grund zerstört hat.

*

Diese Weltbilder beruhten auf der Ideenlehre Platos - unabhängig davon, ob die jeweiligen Autoren von seiner Gesamtlehre ausgingen oder - wie Leibniz - von Aristoteles' Lehre von den Entelechieen; denn behauptet wurde ich jedem Fall ein An-sich im Unterschied von den Erscheinungen. 

Ein wesentlicher Unterschied besteht allerdings bei der Vorstellung vom Verhältnis der Einzelnen zu ihrem Ursprung. Während bei Plato die Individuen nur mehr oder minder korrekte Nachbildungen ewiger Ideen waren, sind die Entelechieen Indivi-duen, die ihre Bestimmung von Anbeginn in sich hatten und ihrer Verwirklichung zustreben. 

Zu einem kriegerischen Gegensatz wurde der Unterschied im Universalienstreit der Scholastiker. Er ging zunächst nur darum, ob den Allgemeinbegriffen eine eigene Realität zukäme neben, d.h. in Wahrheit: über den Begriffen des täglichen Lebens, aber weitete sich aus zum Streit um den Vorrang der Begriffe vor den sinnlichen Anschauungen. Wobei realistisch nicht diese letztere Auffassung genannt wurde, sondern im Gegenteil der Glaube an die Realität der Ideen - während die Auffas-sung, Allgemeinbegriffe seien lediglich Namen - Sammelbezeichnungen für eine Anzahl von Dingen, denen eine bestimmte Eigenschaft gemeinsam zugerechnet wird - , Nominalismus genannt wurde. 

Eine metaphysische Weltsicht, die das Wesen der Dinge über deren aktuelle Er-scheinung stellt - wie zum Beispiel Materialismus und Spiritalismus -, ist in diesem Sinne ('Begriffs'-)realistisch, während aller Zweifel an der Existenz eines Ansich nur strikt nominalistisch vorgetragen werden kann. Die "kritische" Philosophie seit Kant und Fichte heißt dagegen idealistisch - von gr. ídein = (hin)sehen.

Der Gegensatz von Materialismus und Spiritualismus ist ontologisch. Der Ge-gensatz von Realismus und Idealismus ist erkenntnistheoretisch. 
11. 11. 25

 

Nachtrag. - Damit sich die ganze Welt algorithmisieren ließe, bedürfte es einer In-telligenz, die algorithmisiert - aber zugleich selbst im Algorithmus enthalten wäre. Die Katze hätte sich in den Schwanz gebissen. Das Ganze wäre ein Zirkel und be-deutete gar nichts mehr.   
JE 

 

Samstag, 5. September 2026

Meister Flou.

 Onkel Rudi                                               zu Geschmackssachen

Gerhard Richter ist das Malen wichtiger als die Bilder; die sind nichtssagend trotz Untertitel. 

 Abstraktes Bild   

 Kerze mit Totenschädel  
 
Bild "Domecke I" (1998) von Gerhard Richter kaufen | Kunsthaus ARTES Domecke 

https://encrypted-tbn0.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcT0diVm1Q1SJmVhAIWU0S4XpqOfBEvmMbhVNTthmSwZYg&s=10 Seascape

Gerhard Richter at the Louis Vuitton Foundation - Amelie du Chalard Kölner Domfenster

Gerhard Richter Archiv: Gerhard Richter. Portraits. Glas. Abstraktionen Gerhard Richter 

 

 


 

Freitag, 4. September 2026

Der mich durch mein Gedächtnis führt.

Erinnerungsexperiment in einem Cheeseboard-Labyrinth
aus derStandard.at, 27. Februar 2020                                                                                 zu Jochen Ebmeiers Realien

Forscher identifizieren "Bibliothekar", der im Gehirn Erinnerungen findet
Gezielte Sabotage bei Ratten führt Wissenschafter vom IST Austria zu Gedächtnis-Platzanweiser

Klosterneuburg – Heimische Forscher haben einen Mechanismus entdeckt, der gleichsam als Gedächtnis-Platzanweiser im Gehirn fungiert. Gelungen ist den Wissenschaftern vom Institute of Science and Technology (IST) Austria, indem sie bei schlafenden Ratten das Wiederholen von Erinnerungen gezielt unterbanden. Die derart behandelten Tiere hatten die Information zwar im Hippocampus gespeichert, es haperte jedoch beim Abrufen selbiger.

Ratten auf dem Käsebrett

In der Untersuchung ließ das Team um Jozsef Csicsvari Ratten auf sogenannten "Cheeseboards" nach Belohnungen suchen. Dabei handelt es sich um eine Art Brett mit Löchern, dessen Name von bekannt löchrigen Emmentaler-Käse abgeleitet ist. In jeweils einer der Ausnehmungen auf den zwei Scheiben – "Cheeseboard A" und "Cheeseboard B" genannt – versteckten die Wissenschafter Futter. Die Versuchtstiere lernten daraufhin, wo sich die Belohnungen befinden.

Auf der Ebene der Nervenzellen lässt sich dieser Lernprozess an Platzzellen im Hippocampus der Ratten ablesen, also jenem Gehirnteil, der eine wichtige Rolle für das Gedächtnis spielt. Diese feuern dann eifrig, wenn sich das Tier an jenem Ort befindet, wo das Futter erfahrungsgemäß ist. Das Team um Csicsvari zeigte in früheren Studien bereits, dass die Aktivierung dieser speziellen Platzzellen-Kombinationen auch im Schlaf wiederholt wird.

Im Schlaf wiederholt

Was passiert, wenn dieser "Replay" genannte Prozess gezielt sabotiert wird, haben die Wissenschafter nun untersucht: Dazu hat der Erstautor der im Fachjournal "Neuron" erschienenen Studie, Igor Gridchyn, eine Methode entwickelt, mit der sich sehr rasch berechnen lässt, welche Nervenzellen der Ratte im Schlaf gerade aktiv sind. Das machte sich das Team zunutze, um genau zu registrieren, wann das schlafende Tier die Erinnerung an die beiden "Cheeseboards" wiederholte. Entsprach das Erregungsmuster dem Weg zur Belohnung in Versuchsaufbau A unterbanden die Forscher diesen Vorgang, in dem die beteiligten Neurone durch Lichtstrahlen am Feuern gehindert wurden.

Tatsächlich taten sich die Ratten nach dem Erwachen auf "Cheeseboard B" deutlich leichter. Auf Brett A fanden die Ratten hingegen "die Verstecke nicht so schnell, wenn wir den Replay während des Schlafs störten, sie konnten sich also schlechter an die Position der Verstecke erinnern. Mit unserer Methode konnten wir beeinflussen, welche Erinnerungen das Tier abrufen kann", so Csicsvari.


Während Ratten schlafen, festigt die Gehirnregion des Hippocampus Erinnerungen durch ein Wiederholen der neuronalen Aktivität. Durch selektives Stören dieser Wiederholung konnten die Neurowissenschafter zeigen, dass der Hippocampus als Bibliothekar fungiert.Während Ratten schlafen, festigt die Gehirnregion des Hippocampus Erinnerungen durch ein Wiederholen der neuronalen Aktivität. Durch selektives Stören dieser Wiederholung konnten die Neurowissenschafter zeigen, dass der Hippocampus als Bibliothekar fungiert.
 
Wieder auf Nervenzell-Ebene umgelegt heißt das, dass nach der Manipulation während des Schlafes beim Suchen und Finden auf Brett B jene Platzzellen-Kombination aktiv war, die dem Tier den Weg zum Futter wies. Auf "Cheeseboard A" blieben die während des Lernens ursprünglich feuernden Zellen jedoch stumm. Wurde die Ratte nach längerem Suchen wieder an gleicher Stelle wie vor dem Schlaf fündig, war auch just die gleiche Neuronen-Kombination wieder aktiv, die am Wiederholen gehindert wurde. Auf andere Gedächtnisinhalte hatte die nächtliche Intervention der Wissenschafter keine Auswirkungen.

Bibliothekar für Erinnerungen

Dass das gleiche Platzzellen-Muster reaktiviert wurde, wertet Csicsvari als Hinweis dafür, dass "die Störung des Replay nicht die Kodierung der Erinnerung selbst löscht". Vielmehr sehe es so aus, als ob das Abrufen der richtigen Erinnerung unterbunden wird. Damit dürfte die Funktion des "Replay" nicht primär darin liegen, das Gelernte selbst zu verfestigen, "stattdessen hilft es dabei, beim Abrufen einer Erinnerung jene neuronale Aktivität auszuwählen, die diese kodiert", so der Wissenschafter: "Das heißt, es existiert nicht nur ein Prozess, um die Erinnerung abzuspeichern, sondern auch ein Bibliothekar dazu, der sich merkt, wo sich die Erinnerung befindet. Der Hippocampus ist dieser Bibliothekar." (red, APA.)

Abstract 

Donnerstag, 3. September 2026

Jagten Menschen gezielt weibliche Mammuts?

Mammutbullen – die großen Einzelgänger? 
aus welt.de, 3. 8. 2026                                                                    zu Jochen Ebmeiers Realien

Auffällige Knochenfunde – jagten Menschen gezielt weibliche Mammuts?
Forscher haben bei Anhäufungen von Mammutknochen erstaunlich viele weibliche Tiere entdeckt. Was das über die Jagdgewohnheiten der Menschen in der Eiszeit verrät

Eine Untersuchung von Mammutknochen deutet darauf hin, dass Menschen während der letzten Eiszeit vor allem weibliche Tiere jagten. Das berichtet ein internationales Forscherteam nach der Analyse der Überreste von mehr als 500 Wollhaarmammuts in Europa, Asien und Nordamerika.

In Ansammlungen von Mammutknochen, die vermutlich auf Menschen zurückgehen und die ausschließlich aus Eurasien stammen, waren 70 Prozent der Tiere weiblich. Fossilien von anderen Fundorten stammten hingegen zu 66,5 Prozent von männlichen Tieren, wie die Gruppe im Fachjournal „Current Biology“ schreibt.

„Ob die massiven Anhäufungen von Mammutknochen natürlich entstanden sind oder durch menschliche Jagd, wurde seit Jahrzehnten diskutiert“, sagt einer der Studienleiter, David Díez del Molino von der Universität Stockholm. „Durch Vergleiche des Geschlechterverhältnisses Hunderter Mammuts in natürlicher Umgebung und in archäologischen Kontexten können wir nun ableiten, dass hauptsächlich menschliche Aktivitäten hinter diesen Anhäufungen stecken.“

Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius) waren eine wichtige Ressource für die Jäger und Sammler der jüngeren Altsteinzeit. Sie lieferten Fleisch, Fett und Fell, ihr Elfenbein diente unter anderem zur Herstellung von Werkzeugen und Schmuck. Auch wurden Materialien von Wollhaarmammuts in Bestattungen integriert, etwa Elfenbeinperlen oder Mammutschulterblätter.

Das Team um Hannah Moots von der Universität Stockholm untersuchte nun Erbgut von 521 Wollhaarmammuts. 100 der Genome stammten aus Knochen, die in größeren Ansammlungen gefunden wurden, bei denen es archäologische Hinweise auf menschliche Aktivitäten gab – etwa 20.000 bis 30.000 Jahre alte Feuerstellen. Die übrigen 421 Genome kamen von Mammuts, deren Überreste einzeln an vielen verschiedenen Stellen gefunden wurden.

Ob die Menschen damals tatsächlich gezielt weiblichen Mammuts nachstellten, ist allerdings nicht ganz klar. Diese waren zwar kleiner als männliche Tiere und hätten daher eher als Beute dienen können.

Doch Erstautorin Moots vermutet, dass die Realität komplexer war: „Sollten sich Mammuts ähnlich wie heutige Elefanten verhalten haben, verfügten die in matriarchalisch organisierten Herden lebenden Weibchen womöglich über Verteidigungsstrategien, die eine Begegnung mit solchen Herden ebenso riskant oder sogar noch gefährlicher machten.“ Möglich wäre jedoch, dass die Routen der von Weibchen geführten Herden für die Menschen berechenbarer waren als die der eher umherstreunenden Bullen.

Das einzelgängerische Verhalten von Mammutbullen könnte dafür verantwortlich sein, dass sie eher auf gefährliches Terrain wie natürliche Fallen oder Erdrutschgebiete vordrangen, in denen ihre Knochen dann erhalten blieben, vermutet das Team. Dies könnte den höheren Anteil von Männchen an den Einzelfundstätten erklären. ...

von Stefan Parsch, dpaIpi                                                                                                          

          

Nota. - So eine Enttäuschung. Eine vielversprechende Überschrift, und dann nichts, was sich feministisch oder wenigstens genderologisch verwerten lässt. Gibs das denn, kann es das geben: ein dummes krudes Fakt, in dem Männlich und Weiblich vorkommt, an dem sich aber nichts deuten lässt?! Und ich dachte, solche Zeiten hätten wir längst hinter uns. Vielleicht sollte mann doch immer noch etwas genauer hinschauen...
JE 

 

Sonntag, 30. August 2026

Wittgenstein - der Philosoph, der sich selbst widersprach.

Schwarz-weiß Porträt eines Mannes im Halbprofil, der nach rechts blickt. Er trägt einen Anzug mit offenem Hemdkragen. 
aus derStandard.at, 

Der Philosoph, der sich selbst widersprach 
Wie relevant ist der schwer fassbare Denker, der vor 75 Jahren starb, heute noch? Mehr Wittgenstein täte dem politischen Diskurs gut, sagt Christian Kanzian
 
von Jessica D. Bicking
 
Für eine Woche im August sind die Hotelzimmer des kleinen Ortes nahezu ausgebucht, denn jedes Jahr pilgern Hunderte von Philosophinnen und Philosophen in das niederösterreichische Kirchberg am Wechsel und diskutieren. Das Thema lautet: Ludwig Wittgenstein. Heuer jährte sich am 26. April der Todestag des wahrscheinlich einflussreichsten Philosophen Österreichs zum 75. Mal. Und auch das Symposium, das jährlich zu seinem Schaffen stattfindet, feierte seine 50. Ausgabe. Zwei Jubiläen, und also ein perfekter Anlass einen Denker noch einmal genauer anzusehen, der sich im Leben so wenig vor Widersprüchen scheute wie in seiner Philosophie. 

Eine Frage beschäftigte Wittgenstein zeitlebens: Kann Sprache alles sagen? Dass er selbst darauf zwei scheinbar völlig gegensätzliche Antworten fand, erklärt auf jeden Fall den Diskussionsbedarf, den sein Werk auch heute noch in der Forschung auslöst. In sechs thematischen Blöcken machte das auch das diesjährige Programm des Symposiums deutlich, denn Wittgensteins Denken berührt weit über die Sprachphilosophie hinaus auch Themen in der Psychologie, Mathematik, Literatur, Kunst und Kulturwissenschaft. Aber was kann er uns heute noch für den Alltag mitgeben?

"Wittgenstein geht es nicht darum, eine fertige Theorie zu haben. Er will uns vor allem vom Missverstehen heilen und den damit verbundenen Problemen in der Wissenschaft, in der Philosophie, aber auch in unserer alltäglichen Praxis", erkärt Christian Kanzian, Präsident der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesell-schaft und Mitorganisator des diesjährigen Symposiums, das unter anderem vom Land Niederösterreich unterstützt wird.

Viele Wittgensteine

Bei Ludwig Wittgenstein lassen sich Leben und Werk kaum voneinander trennen. Beide waren geprägt von radikalen Wendungen und scheinbaren Widersprüchen. In der Philosophie ist es deshalb sogar üblich, von einem ersten und einem zweiten Wittgenstein zu sprechen; ein früher und ein später. In seiner Biografie lassen sich noch viele weitere Wittgensteins finden.

Ludwig Wittgenstein wird 1889 als Sohn in eine schwer wohlhabende Industriefamilie in Wien geboren. Er wächst in einem Palais auf, in dem Musiker, Künstler und Intellektuelle sich die Hand reichen. Aus einer inneren Krise heraus entscheidet er sich jedoch, sein Millionenerbe an seine Geschwister abzutreten und fortan ein einfaches Leben zu führen.

 

 

Wittgenstein begleiteten viele große Leidenschaften, davon besonders die Technik: So hatte er schon als Kind mit der Konstruktion neuartiger Nähmaschinen experimentiert, und studierte zunächst Ingenieurswissenschaften, bevor er über die Mathematik zur Philosophie fand. Oder auch die Musik: So war er unter Freunden bekannt dafür, ganze Sinfonien zu pfeifen, spielte Klarinette und erwog Dirigent zu werden. Doch über ihm hing auch ein Schatten, eigentlich über der ganzen Familie, denn drei seiner Brüder wählten den Freitod, und auch Ludwig selbst kämpfte ein Leben lang mit Einsamkeit, Krankheit und Depressionen.  

Der legendäre "Tractatus"

Das erste und zugleich einzige philosophische Werk, das er zu seinen Lebzeiten veröffentlichen sollte, den legendären Tractatus logico-philosophicus, schrieb Wittgenstein gegen Ende des Ersten Weltkriegs in Kriegsgefangenschaft bei Monte Cassino fertig. Mit Widmung an David H. Pinsent, Freund und Lebensgefährte aus der Studienzeit am Trinity College in Cambridge, stellte er sich darin der Aufgabe, die grundlegende Struktur von Welt, Denken und Sprache zu klären.

Als der Tractatus 1921 erscheint, wird Wittgenstein von einigen renommierten Philosophen zwar dafür gefeiert. Doch er dauert bis 1929, ehe er damit an der Uni Cambridge damit promoviert, denn Wittgenstein zieht sich immer wieder aus der Philosophie zurück. So wird er einige Jahre zu Wittgenstein, dem Volkschullehrer in Niederösterreich (daher auch das Symposium dort), versucht sich in einem Kloster als Wittgenstein, dem Hilfsgärtner und wendet sich zeitweise sehr ernsthaft der Architektur zu. So ist Wittgenstein, der Architekt, auf Einladung seiner Schwester maßgeblich bei dem Entwurf ihres Hauses beteiligt, das seit 1928 im dritten Wiener Gemeindebezirk steht.

Ansicht eines modernen Gebäudes mit weißer Fassade und großen rechteckigen Fenstern, gestaltet im minimalistischen Stil. Das Gebäude verfügt über einen überdachten Eingangsbereich mit gläsernen Türen und schlichten metallenen Gartenmöbeln. Klarer, geometrischer Stil.
Wittgenstein hat das Haus bis ins kleinste Detail, jedes Fenster, jede Tür, jeden Riegel selbst entworfen und gezeichnet. Heute dient es als bulgarisches Kulturinstitut.
Sprache als Abbild der Welt

Der Tractatus, das wohl einflussreichste Werk Wittgensteins, ist in kühler, fast mathematischer Form verfasst, hinter der sich ganz grob folgende Grundidee verbirgt: Die Welt besteht aus Tatsachen, zu denen sich das Denken Bilder macht, die dann von der Sprache erneut abgebildet werden. Man kann behaupten, Wittgenstein entwickelt hier eine Art Bildtheorie der Sprache: Ein sinnvoller Satz funktioniert als mögliches Modell der Wirklichkeit, und kann wahr oder falsch sein, je nachdem, ob die Welt tatsächlich so beschaffen ist.

Zwar eignet sich Sprache für die Themenbereiche der Naturwissenschaften, doch gerade die bedeutsamen Dinge, die Ethik, Ästhetik oder die Frage nach dem Sinn des Lebens, lassen sich gar nicht in sinnvollen Sätzen abbilden. Sie entsprechen nämlich nicht der logischen Struktur der Welt. "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen", lautet Wittgensteins vielzitiertes Fazit.

Kanzian erläutert: "Schon hier haben wir dieses Anliegen, uns von Problemen zu heilen, durch eine saubere Analyse der Sprache." Die Philosophie soll hierbei also keine neuen Tatsachen entdecken, sondern die Grenze zwischen dem sinnvoll Sagbaren und dem nur scheinbar Sinnvollen sichtbar machen.

Sprache als Spiel der sozialen Praxis

Obwohl der frühe Wittgenstein des Tractatus überzeugt war, damit die wesentlichen Probleme der Philosophie als sprachlogische Missverständnisse aufgelöst zu haben, kehrte der späte Wittgestein zum Thema zurück. In den Philosophischen Untersuchungen, die erst nach seinem Tod erscheinen sollten, rollt er es noch einmal vom anderen Ende auf. Während er im Tractatus nach einer idealen logischen Struktur der Sprache suchte, sind es nun gerade die Missverständnisse und Vieldeutigkeiten, die interessieren.

Ihm fiel auf, dass sich Worte im tagtäglichen Gebrauch, anders als in der Wissenschaft, keiner festen, philosophischen Definition beugen. Je nach Zusammenhang kann sich ihr Sinn verändern. Etwa der Ausruf "Du" hat in einer Drohung ausgesprochen eine andere Bedeutung als in einer Liebeserklärung. "Sprechen ist Praxis, ist Gebrauch von Ausdrücken und der ist ganz vielfältig", führt Kanzian aus, der Philosophie an der Universität Innsbruck lehrt: "Sie erzählen, Sie fragen, ich antworte, wir grüßen uns, wir fordern uns auf, wir bitten einander, sind unterschiedlichste Praktiken nach ganz unterschiedlichen Regeln."

Die Lebensformen, in denen Worte in verschiedener Bedeutung vorkommen, bezeichnet Wittgenstein als Sprachspiele. Die Aufgabe der Philosophie, wie Wittgenstein sie nun versteht, besteht aus dem systematischen Aufschlüsseln der Regeln, die diese Sprachspiele lenken. Statt neue Theorien aufzustellen, soll sie uns die Funktionsweise unserer Sprache so deutlich vor Augen führen, dass wir uns aus Verwirrungen, Missverständnissen und falschen Modellierungen herauslösen können.

Neugier statt Dogma

Für Kanzian liegt genau darin die Aktualität des Philosophen: "Es ging Wittgenstein stets darum, zu einer schauenden, beschreibenden, übersichtlich darstellenden Praxis einzuladen, und nicht eine fertige Theorie aufzustellen, die man dogmatisch vertritt." Es ist also mehr Wittgensteins Einstellung und seine Neugier, die er uns in den Alltag mitgibt. Denn diese hat es ihm mitunter leichter gemacht, sich selbst zu widersprechen und immer wieder neu zu denken.

Das dogmatische Festhalten an eigenen Denkmustern ist für Kanzian eines der Grundprobleme der heutigen Gesellschaft. "Mit falschen Modellierungen an den anderen heranzugehen, ist ein Ansatz, der gesellschaftlich-politisch extrem aktuell ist", sagt Kanzian. "Stellen wir uns doch einmal vor, wir alle würden uns mehr zuhören. Das ist jetzt ein bisschen platt gesagt, aber ich glaube, die Welt würde friedlicher sein."         

Veranstaltungsinfo:

Das Thema für das Wittgenstein-Symposium im kommenden Jahr steht bereits fest. Unter dem Programmtitel Knowledge in Crisis lädt Kirchberg am Wechsel im August 2027 dazu ein, über Fake News und Post-Truth zu diskutieren.

 

Nota. - Nie abgerückt ist er bei all seinen Wendungen von einer zugrundeliegenden ontologischen Metaphysik, die er allerdings nie selber ausgesprochen hat. Logischer Atomismus ist sie genennt worden: Die Welt sei "alles, was der Fall ist", doch der Fall sind die unendlich vielen logischen Elementarbestimmungen, die der mathema-tischen Formulierung harrten - nicht aber die vorfindlichen Fakten, die durch die verschiedenen Sprachen zu Bildern gefügt würden. Das Zustandekommen der Bilder macht er aber auch nicht zu seinem Thema, sondern er pendelt zwischen dem einen und dem andern Aphorismus hin und her, System - und sei es nur ein logisch-diskursives - versucht er gottlob gar nicht erst hinein zu bringen, sondern belässt es bei gelegentlichen mystischen Ahnungen.

Wobei viele der vermischten Aphorismen und Kurzessays ungemein scharfsinnig sind und Anlass zu tiefsinnigen Fortsetzungen geben können; aber auch nur, wenn man weiß, was man nicht darin zu suchen braucht.
JE 

Logik und Algorithmus.

                                                                  zu Philosophierungen Frage an ChatGPT:   Ich erkühnte mich einmal zu dem...