Realismus oder Idealismus - steckt die Information im Objekt und geht ins Subjekt über, oder steckt sie im Subjekt und kehrt in sein Wissen zurück?
Die Information ist vor dem Wissensakt gar nicht da, sondern entsteht in ihm. Ihr Quale 'ist zuerst da': Als Frage entsteht es im ipso facto sich setzenden Subjekt.
Wer oder was ist aber 'das Subjekt'?
Es muss eine Intelligenz sein, die mit Wollen begabt ist. Sie findet sich zwischen Anderem vor in einem gemeinsamen Zustand, an dem allein - sic - sie ew. ändern wollen kann. An dieses oder sonst ein Anderes richtet sie die Frage, wie sie es tun kann.
Die
Frage geht entweder am Je-anderen vorbei und verliert sich, oder prallt am An-deren ab
und kehrt ins Subjekt zurück - als Widerstand. Den Widerstand zu bestim-men ist der Wissensakt in specie. Er gibt dem Quale eine Form und macht ihn zu einem Objekt.
Zum xten Mal: Das ist nicht die Nacherzählung von etwas, das wirklich vorgekommen ist; sondern ein gedankliches Schema, nach dem man es verstehen kann.
Der Physik-Nobelpreisträger Anthony Leggett ist im Alter von 87 Jahren verstorben.
von Alexander Pawlak
Mit Sir Anthony James Leggett ist am 8. März einer der weltweit
führenden Experten auf dem Gebiet der Festkörperphysik und der
Quantenmechanik makroskopischer Systeme gestorben. Für seine
bahn-brechende Arbeit zur Superfluidität erhielt er 2003 zusammen mit
Alexei A. Abrikosov und Vitaly L. Ginzburg den Physik-Nobelpreis.
Leggett war seit 1983 John D. and Catherine T. MacArthur Professor of
Physics an der University of Illinois Urbana-Champaign und bis zuletzt
aktiv in der Physik.
... Obwohl Leggett wie kaum einanderer dieTheoriederQuantenmechanik berei-chert hat, blieb
er skeptisch in Bezug auf ihren Status. Auf die Frage nach seiner grundlegenden Perspektive
auf das Verständnis der Quantenmechanik sagte er 2023: „Ich bin der
festen Überzeugung, dass es sich nicht lohnt, zu viel Zeit damit zu
ver-bringen, die Quantenmechanik in ihrer derzeitigen Form zu verstehen
oder zu interpretieren. Es gibt viele Menschen, die ihr gesamtes
Berufsleben damit ver-bringen, genau das zu tun, und ich halte das
wirklich für sinnlos, einfach weil ich ziemlich überzeugt bin, dass in
100, 200 oder 500 Jahren die Menschen nicht mehr glauben werden, dass
die Quantenmechanik die ganze Wahrheit ist.“
Winzige Werkzeuge widerlegen Theorie vom abrupten Epochen-wechsel in der Steinzeit
Lange galt der
Übergang zur späten Altsteinzeit in Südafrika als abrupter Bruch. Neue
Analysen zeigen nun einen schleichenden Wandel, der über Jahrtausende
andauerte
von Thomas Bergmayr
An einer Ausgrabungsstätte am Umhlatuzana River
westlich von Durban in Südafrika haben Forschende eine der dichtesten
Folgen von Steinwerkzeugen aus der Altsteinzeit entdeckt. Lange ging man
davon aus, dass der Übergang von der mittleren zur späten Altsteinzeit
(vor 50.000 bis 20.000 Jahren) in dieser Region einen markanten Wechsel
in der kulturellen Organisation der damaligen Menschen darstellte. Ein
Team unter Beteiligung der ÖAW-Archäologin Viola Schmid konnte nun
zeigen, dass der Wandel in Wahrheit keineswegs so abrupt war.
Wissenschaftlich
galt diese Zeitspanne in der Region lange als schwer fassbar. "Der
Zeitraum von 50.000 bis 20.000 Jahren vor heute ist wissenschaftlich
eine Art Black Box. Nun konnten wir nachweisen, dass es sich nicht um
einen weitflächig synchronen, sondern einen räumlich und zeitlich sehr
heterogenen Wechsel handelte", erklärt Schmid, die am Österreichischen
Archäologischen Institut (ÖAI) der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften (ÖAW) tätig ist.
Links ein Lageplan des Grabungsareals in der Fundstelle
Umhlatuzana. Die gelben Quadrate kennzeichnen die Grabung 1985 von
Jonathan Kaplan, die grünen Quadrate die Grabung von Gerrit L.
Dusseldorp (Universität Leiden). Das rechte Foto zeigt die Fundstelle
Umhlatuzana in Blickrichtung Westen.
Tausende Steinwerkzeuge
Die Basis für diese Erkenntnis bildet
ein Ensemble von 2779 Steinartefakten aus dem flachen Felsüberhang von
Umhlatuzana. Darunter befinden sich nicht nur klassische Werkzeuge,
sondern auch winzige, oft nur wenige Millimeter kleine Stücke aus Quarz
und anderen Gesteinen sowie noch kleinere Quarz-Kernstücke. Die
Forschenden konnten auf dieser Grundlage im Fachjournal Quaternary Science Reviews dokumentieren,
dass Merkmale der mittleren Altsteinzeit (Middle Stone Age, MSA) –
jener Periode, die vor etwa 300.000 Jahren begann – und der
darauffolgenden späten Altsteinzeit (Later Stone Age, LSA) über lange
Zeit hinweg nebeneinander existierten.
Der technologische Wandel ließ sich besonders gut am Rohmaterial
ablesen. In der späten mittleren Altsteinzeit setzten die Menschen
vorwiegend auf Hornfels. Dieses Material bot spezifische Vorteile. Das
Gestein erlaubte eine hohe Kontrolle beim Abschlagen und Bearbeiten, wie
Schmid erläutert. Zwar wurden die Kanten vergleichsweise schnell
stumpf, doch das Material ließ sich gut nachschärfen, ein entscheidender
Faktor für die Langlebigkeit der Geräte.
Wegwerfprodukte als Novum
Mit dem Übergang zur späten
Altsteinzeit kam es zu deutlichen Veränderungen. Die damaligen
Werkzeugmacher begannen verstärkt, Quarzgerölle aus Flussschottern zu
nutzen. Es entstanden rasiermesserscharfe, teils nur reiskorngroße
Klingen. Diese winzigen Quarz-Lamellen wurden mit Klebemitteln in
organische Schäfte eingesetzt, um zusammengesetzte Geräte zu schaffen.
Diese Entwicklung hatte auch eine ökonomische Komponente. Während die
Hornfels-Werkzeuge gepflegt und nachgeschärft wurden, scheinen die
kleinen Quarzstücke nach ihrem Einsatz als Projektile oder
Schneidwerkzeuge oft als Wegwerfprodukte behandelt worden zu sein.
Sobald sie verbraucht waren, wurden sie entsorgt.
Doch der Wandel war nicht auf die Werkbank beschränkt. Er spiegelte
auch veränderte Überlebensstrategien wider. Die Mobilität der
Wildbeuter-Gruppen, ihre Methoden der Nahrungsbeschaffung und die Art,
wie sie Rohstoffe in der Landschaft aufspürten, veränderten sich
allmählich. Der Vergleich mit anderen Fundstellen im südlichen Afrika
untermauert zudem, dass lokale Innovationen in locker vernetzten Gruppen
zu einer räumlich sehr unterschiedlichen Ausprägung dieses Übergangs
führten.
Typologie des technologischen Wandels: Die obere Abbildung zeigt
die Vorform einer für das späte MSA in KwaZulu-Natal charakteristischen
Hohlbasis-Spitze aus Hornfels. Darunter findet sich ein beidseitig
flächig bearbeitetes Gerät. Das unterste Artefakt wurde lediglich
einseitig überarbeitet; markante Absplitterungen an der quer
verlaufenden Arbeitskante deuten darauf hin, dass es als beilartiges
Werkzeug genutzt wurde.
Veraltete Kategorisierungen
Dass die Forschung so lange an
einem scharfen Bruch zwischen den Epochen festhielt, hat auch
wissenschaftshistorische Gründe. Die Gliederung in MSA und LSA geht auf
eine Publikation von John Goodwin und Clarence van Riet Lowe aus dem
Jahr 1929 zurück. Man ging schon damals davon aus, dass das LSA mit dem
Auftreten des Homo sapiens, also "biologisch und kognitiv modernen
Menschen wie wir", zusammenfällt, so die ÖAW-Forscherin.
Daher müsse sich zwangsläufig auch ein Sprung in der kulturellen
Entwicklung vollzogen haben. "Seit etwa 30 Jahren aber wird immer
deutlicher, dass dies so nicht stimmt. Wir sind schon seit 300.000
Jahren anatomisch ähnlich gebaut, und kognitiv entwickelten wir uns auch
schon viel früher in die Richtung, wie heutige Jäger und Sammler sind",
sagt Schmid. Die Vorstellung eines plötzlichen "Fortschrittsschubs"
hält damit der Überprüfung an den realen Funden nicht stand.
In der Fachwelt führte dies zu einer Debatte über den Sinn starrer
Kategorisierungen. Zwar helfen Definitionen von Epochen bei der groben
Orientierung im wissenschaftlichen Diskurs, doch sie können den Blick
auf die tatsächlichen Prozesse verstellen. "Wenn man dann ins Detail
geht, sind sie eher hinderlich", so Schmid.
Miniaturisierter, mit Amboss-Technik bearbeiteter Kern aus Quarz zur Herstellung von Lamellen aus der späten Altstenzeit.
Glücksfall in der Pandemie
Dass Umhlatuzana heute diese
detaillierten Einblicke liefert, ist auch glücklichen Umständen zu
verdanken. Der Felsunterstand ist im Vergleich zur berühmten Border Cave
eher unscheinbar und liegt heute direkt neben der Autobahn N3, die nach
Durban führt. Ursprünglich war die Stätte in den 1980er-Jahren sogar
Gegenstand von Rettungsgrabungen im Zuge des Straßenbaus. Die nun
analysierten Funde stammen aus Grabungen der Universität Leiden der
Jahre 2018 und 2019.
Dass Viola Schmid diese Artefakte so intensiv untersuchen konnte, war
eine Folge der globalen Corona-Pandemie. Durch eine Ausnahmegenehmigung
konnten die Fundstücke vorübergehend aus Südafrika in die Niederlande
gebracht werden, wo Schmid zu dieser Zeit forschte. Inzwischen befinden
sich alle Objekte wieder in südafrikanischer Obhut.
Doch die Arbeit in Umhlatuzana ist noch nicht abgeschlossen. Die
Sequenz der Fundstelle ist derart hochauflösend, dass sie wohl noch
weitere Details über jenes lange, graue Intervall der
Menschheitsgeschichte preisgeben wird, das nun langsam seinen Status als
"Black Box" verliert
Nota. -Es ist der Unterschied zwischen dem analogen Bild und dem digitalen Begriff. Das Bild erfasst durch Anschauen, der Begriff analysiert durch Reflexion. In der Anschauung fließt die Zeit, während Begriffe aneinander stoßen wie an festen Grenzen, über die man springen muss. Welche Art der Wahrnehmung die jeweils richtige ist, hängt davon ab, wozu man sie brauchen will. Wenn ich in den bewölkten Himmel sehe, macht es einen Unterschied, ob ich ein Meteorologe bin oder ein Künstler. Strittig wird es immer erst im Detail - aber bis dahin müssen sie sich schon sehr nahe getreten sein. JE
Sind die Perser ihre ein halbes Jahrhundert währende Mullah-Diktatur leid? Alles deutet darauf hin.
Ist das Mullah-Regime eine Zeitbombe für den Nahen Osten? Ganz offenkundig.
Ist der amerikanisch-israelische Bombenkrieg gegen Persien gerechfertigt? Es ist nicht abzusehen, dass und gar wie den Persern daraus eine legitime und akzeptierte Regierungsform entstehen könnte. Noch weniger ist zu erkennen, wie der Nahe Osten daraus befriedeter hervorgehen soll.
Mit andern Worten:
Er ist es nicht.
Nota.Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden.
Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
aus scinexx.de, 10. 3. 2026 Wie alt ist unser Universum? Und wie schnell dehnt es sich aus?
Astronomen haben das Universum neu datiert
Älteste Sterne der Milchstraße grenzen Kosmos-Alter und Hubble-Konstante ein
Stellare Zeitzeugen: Astronomen haben das Alter des
Universums auf neue Weise bestimmt – durch die ältesten Sterne unserer
Milchstraße. Sie verraten das Mindestalter des Kosmos und tragen so zur
Klärung eines der größten Rätsel der Kosmologie bei: den Diskrepanzen
bei der Hubble-Konstante. Die neue Datierung stützt ein Mindestalter des
Kosmos von 13,8 Milliarden Jahren und damit einen niedrigeren Wert für
diese Konstante. Doch das widerspricht jüngsten astronomischen
Beobachtungen.
Wie alt ist unser Universum? Dass es überhaupt eine Anfang hatte, haben Astronomen erst durch die kosmische Expansion
entdeckt – die anhaltende Ausdehnung des Universums. Denn verfolgt man
sie zurück, muss der gesamte Kosmos einst von einem einzigen Punkt
ausgegangen sein: dem Urknall.
Wann dies war, lässt sich mithilfe der Expansionsrate in Form der
Hubble-Konstante und kosmologischen Modellen ermitteln – theoretisch.
Wie schnell sich das Universum ausdehnt und wie hoch die Hubble-Konstante ist, ist strittig.
Tauziehen um die Hubble-Konstante
Das Problem nur: Ausgerechnet bei der Hubble-Konstante gibt es große Diskrepanzen
zwischen verschiedenen Messmethoden. Auf Basis der kosmischen
Hintergrundstrahlung ergibt sich eine Hubble-Konstante von rund 67
Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec. Doch astronomische Messungen
anhand von Supernovae, Gravitationslinsen oder veränderlichen Sternen
liefern einen signifikant höheren Wert von rund 73 Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec.
Diese Diskrepanz beeinflusst auch das angenommene Alter unseres
Universums: Stimmt die niedrigere Hubble-Konstante, müsste sich der
Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren oder sogar noch früher ereignet
haben. Ist dagegen der höhere Wert korrekt, kann das Universum nicht
viel älter als 13 Milliarden Jahre alt sein. Aber welcher Wert stimmt?
Bislang ist dies strittig.
Milchstraßensterne als Zeitzeugen
Deshalb haben Astronomen nach einer alternativen Datierungsmethode
für den Kosmos gesucht – und sie gefunden. „Das absolute Alter der
ältesten Objekte im heutigen Kosmos ist für die Kosmologie entscheidend,
denn es kann uns eine untere Grenze für das Alter des Universums
liefern“, erklären Elena Tomasetti von der Universität Bologna und ihre
Kollegen. Anders ausgedrückt: Das Universum kann nicht jünger sein als
seine ältesten Sterne.
Das Weltraumteleskop Gaia hat Milliarden Sterne der Milchstraße kartiert.
Für ihre stellare Datierung werteten die Astronomen die Daten von
mehr als 200.000 Sternen in der Milchstraße aus, für die der
Datenkatalog des Gaia-Weltraumteleskops genaue Angaben zu Helligkeit,
Entfernung und chemischer Zusammensetzung enthält. Daraus ermittelten
Tomasetti und ihr Team das Alter der Sterne. „Mit Gaia ist die
Milchstraße praktisch zu einem Nahfeld-Kosmologielabor geworden. Wir
können nun das Alter von Sternen mit beispielloser Präzision bestimmen“,
erklärt Koautorin Cristina Chiappini vom Leibniz-Institut für
Astrophysik Potsdam.
Die Datierung ergab knapp 3.000 Sterne, die schon mindestens 12,5
Milliarden Jahre alt sind. Für ihre weiteren Analysen wählten die
Astronomen davon 185 Sterne aus, für die die Altersbestimmung am
verlässlichsten und präzisesten war.
Mindestalter des Kosmos: 13,8 Milliarden Jahre
Das Ergebnis dieser Analysen: Die ältesten Sterne der Milchstraße
sind wahrscheinlich rund 13,6 Milliarden Jahre alt. „Um nun mithilfe
dieser Sternenalter das Alter des Universums einzugrenzen, müssen wir
die zeitliche Verzögerung zwischen dem Urknall und der Bildung dieser
Sterne berücksichtigen“, erklären die Astronomen. Denn bevor die kosmische Morgendämmerung anbrach und die ersten Sterne aufleuchteten, dauerte es mindestens 100 bis 200 Millionen Jahre.
Für das Alter des Universums ergibt sich daraus: „Gehen wir von
einer Verzögerung von rund 200 Millionen Jahre aus, erhalten wir ein
Mindestalter des Universums von 13,8 Milliarden Jahren“, berichtet das
Team. Rechnet man die kosmische Entwicklung für dieses Alter in eine
Hubble-Konstante um, ergibt sich ein Wert von 68 Kilometer pro Sekunde
pro Megaparsec.
Anhand
der Milchstraßensterne ermittelter Wert für die Hubble-Konstante und
das Alter des Kosmos im Vergleich zu früheren Werten
Bestätigung für eine niedrigere Hubble-Konstante
Damit liegt diese alternative Altersbestimmung des Kosmos nahe an der
Hubble-Konstante, die Astronomen mithilfe der Hintergrundstrahlung und
dem kosmologischen Standardmodell ermittelt haben – rund 67 Kilometer
pro Sekunde pro Megaparsec. Weniger gut passt die neue Datierung dagegen
zu der höheren Hubble-Konstante aus astronomischen Beobachtungsdaten.
Denn legt man diese zugrunde, müssten die ältesten jetzt datierten
Sterne älter sein als das Universum – was physikalisch unmöglich ist.
Dieses Ergebnis wirft die Frage auf, warum die astronomischen
Beobachtungsdaten so beharrlich höhere Werte für die Hubble-Konstante
ergeben. Eine mögliche Erklärung wäre, dass sich die kosmische
Ausdehnung im Laufe der Zeit stärker verändert
als es das kosmologische Standardmodell vorsieht. Das wäre
beispielsweise dann der Fall, wenn sich die Dunkle Energie – die
treibende Kraft dieser Ausdehnung – in ihrer Wirkung abschwächt.
„Referenzpunkt für kosmologische Modelle“
Ob das der Fall ist und ob die Dunkle Energie tatsächlich hinter der
komischen Expansion steckt, ist jedoch noch offen. Um so wichtiger sind
alternative Methoden, die eine unabhängige Sicht auf die kosmische
Entwicklung bieten. „Unabhängig von den Implikationen für die
Hubble-Konstante liefert unsere Studie wichtige und direkte Grenzen für
das Alter des Universums“, betonen Tomasetti und ihre Kollegen. „Sie
repräsentieren damit einen Referenzpunkt für kosmologische Modelle.“
Die Astronomen erwarten, dass der kommende vierte Datenkalatog
des Gaia-Teleskops noch genauere Datierungen ermöglichen wird.
Vielleicht bringt dies auch mehr Klarheit darüber, warum es noch immer
Diskrepanzen bei diesen grundlegenden kosmologischen Parametern gibt.
(Astronomy & Astrophysics, 2026; doi: 10.1051/0004-6361/202557038)
Quelle: Astronomy & Astrophysics, Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam; 10. März 2026
- von Nadja Podbregar
zuMännlich aus derStandard.at, 26. 2. 2026 Männliche Deutungen sahen in der Venus von Willendorf oft ein Sexsymbol.
Ulli Lust: "Die meiste Zeit gab es keine Geschlechterhierarchie unter Homo sapiens"
Für ihre Abrechnung
mit dem Bild der Frauen in der Menschheitsgeschichte bekam die
österreichische Zeichnerin den Deutschen Sachbuchpreis. Nun erschien mit
"Schama-ninnen" die Fortsetzung
Interview von Karin Krichmayr
Oft genug musste die berühmte Venus von Willendorf als eine Art steinzeitliches Sexsymbol
herhalten. Doch wer waren die Menschen, die sie erschaffen haben? Und
was bedeutete sie ihnen? Das fragt sich die österreichische Zeichnerin
und Autorin Ulli Lust in der Fortsetzung ihrer groß angelegten
Erforschung der Rolle der Frau in der Kulturgeschichte. Das Sachcomic Die Frau als Mensch: Schamanin-nen taucht wieder in die Eiszeit ein und rollt die Geschichte aus einem bisher oft übersehenen Blickwinkel auf: dem weiblichen.
Im
Zentrum steht diesmal das Mystische, die Vorstellung einer parallelen
Geister-welt, die in schamanistischen Kulturen nur eine andere Facette,
sozusagen ein "Up-side Down" des Alltags war. Gemeinsam mit einer
immensen Fülle an zusammen-getragenen Fakten, die Ulli Lust in eine
faszinierende Bilderwelt verpackt, ergibt das eine Urzeit-Saga voller
überraschender Details und Bezügen zur Gegenwart.
STANDARD: In Ihrem neuen Buch begleiten Sie eine
Gruppe von Nomadinnen und Nomaden in der Jungsteinzeit, die ins Gebiet
der heutigen Wachau ziehen, wo vor etwa 29.500 Jahren die Venus von
Willendorf entstand. Welche Rolle nehmen Frauen in den Gesellschaften
der Frühzeit ein?
Lust: In der Forschungsgeschichte gibt es eine lange
Tradition, die Rolle von Frauen nicht zu bemerken. Durch stereotype
Erzählmuster oder auch Übersetzungsfehler hat man weibliche Fähigkeiten
heruntergespielt und männliche überhöht. Doch in der Eiszeit gibt es
über 20.000 Jahre kaum Männerdarstellungen in der Kunst. Der Ausdruck
der zahlreichen Frauenstatuetten, die gefunden wurden, wirkt souverän,
nicht bescheiden und untertänig. Die aktuelle Forschung nimmt an, dass
die Eiszeitgesellschaften egalitär organisiert waren, dass man aufgrund
seiner Fähigkeiten Respekt erwarb und nicht aufgrund des Geschlechts.
STANDARD: Was ist so faszinierend an der Venus von Willendorf?
Lust: Die böhmisch-mährischen Mammutjäger waren eine
bedeutende Gruppe in der Eiszeit. Ich komme aus dem Pulkautal nahe der
tschechischen Grenze, das war im Grunde ein gemeinsamer Kulturraum. Die
Venus von Willendorf ist ein Bindeglied zwischen der östlichen und der
westlichen Figurinentradition. Sie ist besonders ästhetisch gestaltet,
präzise und detailgenau. Sie wurde poliert, was damals noch nicht üblich
war. Ich als Künstlerin stehe mit großer Ehrfurcht davor, weil da sehr
viel Aufwand dahintersteckt. Ich frage mich: Wo hatten die Menschen
diese Fähigkeiten her? Was war ihre Funktion?
STANDARD: Der zweite Teil der Steinzeit-Graphic-Novel dreht sich um Mythologien und Spiritualität. Wie kommt das?
Lust: Das Kunstschaffen der gesamten Eiszeit ist
sehr speziell. Es gibt nur sehr wenige Kunstwerke, die aber unglaublich
liebevoll und aufwendig gestaltet sind. Deshalb nimmt man an, dass man
Kunst nicht zum Zeitvertreib gemacht hat, es gibt keine verzierten
Alltagsgegenstände. Hauptsächlich werden Tiere und Frauenfiguren
dargestellt.Man vermutet, dass diese Mühe, die man sich mit
der Kunst gegeben hat, darauf zurückzuführen ist, dass man sie als etwas
Magisches betrachtet hat. Es ging um den Schöpfungsprozess, aber auch
um eine spirituelle Ebene, die mit den Gegenständen verbunden war.
Schamanismus gehört zu den ältesten Glaubenssystemen der Welt, und es
gibt viele Gründe anzunehmen, dass die Eiszeit-Artefakte in diesem
Kontext benutzt wurden.
STANDARD: Animistisches Denken und eine große
Naturverbundenheit spielen eine große Rolle in diesem Zusammenhang.
Welche Nachweise gibt es für Schamaninnen und spirituelle Frauenfiguren
aus dieser Zeit?
Lust: Es gibt einzelne Bestattungen, die Hinweise
darauf geben. An der archäologischen Fundstätte von Dolní Věstonice in
Tschechien wurde eine etwa 45-jährige Frau unter einem
Mammutschulterblatt begraben, im Siedlungsgebiet unter dem Boden einer
Hütte. Man wollte sie also in der Nähe haben. In ihren Armen hielt sie
einen Fuchs, das sind typische Zauberwesen im Schamanismus. Außerdem
wurde ein Porträt einer Frau aus Mammutelfenbein gefunden – ein äußerst
seltener Fall der Abbildung eines Gesichts. Zusätzlich fand man eine
Maske, die ebenso wie das Porträt einen auf einer Seite schiefen Mund
zeigt. Die Frau im Grab hatte eine Verletzung am Kiefer, aber auf der
anderen Seite, also spiegelverkehrt – faszinierend! Diese Frau gilt als
Proto-Schamanin und war auch Modell für die Figur der Füchsin in meinem
Buch. Schamaninnen waren ursprünglich Heilerinnen, aber auch
Geschichtenerzählerinnen, deshalb waren viele Volksmärchen ursprünglich
Schamanenmärchen.
"Die Ungleichheit der Geschlechter ist kein Naturgesetz,
ebensowenig wie das heute verbreitete egozentrische Menschenbild", sagt
Ulli Lust. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Urgeschichte.
STANDARD: In Ihren Büchern verbinden Sie
wissenschaftliche Erkenntnisse mit erzählerischen Elementen. Wie viel
mussten Sie sich selbst zusammenreimen, aus Mangel an Fakten?
Lust: Ich habe versucht, das zu zeigen, was man
anhand von Funden weiß, also etwa über die Kleidung und Artefakte, über
die Landschaft, die Pflanzen- und Tierwelt. Ich habe Fundorte und Museen
besucht, wissenschaftliche Texte gelesen, Volksmärchen, Texte zur
Mythenforschung. Aber ich wollte die Fakten unterfüttern und den Alltag
zeigen. In dem Moment, wo die Figuren handeln, Probleme haben, krank
werden, sich verlieben, ist es natürlich Fiktion. Dann muss ich auch
entscheiden, wie die Artefakte genutzt werden. Ich verfolge eine
assoziative, essayistische Erzählweise, das erlaubt gewisse Spielräume.
Zusätzlich war es mir wichtig, selbst als Erzählerin, als eine Art
Moderatorin, aufzutreten. Das gab mir auch die Möglichkeit, eine
weibliche Perspektive einzubringen und die starren frühgeschichtlichen
Erzählmuster aufzubrechen.
STANDARD: Was kann uns das über heutige
Geschlechterverhältnisse sagen, wenn es offenbar bereits in der
Frühgeschichte so etwas wie eine egalitäre Gesellschaftsordnung gab?
Lust: Es ist eine hochinteressante Erkenntnis der
modernen Forschung, dass es die meiste Zeit, seit Homo sapiens vor etwa
300.000 Jahren auftauchte, keine Hierarchie unter den Geschlechtern gab.
Wir können also annehmen, dass dieseUngleichheit der
Geschlechter eine jüngere Erscheinung ist und absolut kein Naturgesetz.
Ebensowenig wie das heute verbreitete egozentrische Menschenbild. Die
Vorstellung, möglichst viel für uns selbst raffen zu müssen, nutzt dem
Kapitalismus, hat aber mit unserer Geschichte nicht viel zu tun.
Traditionelle Jäger- und Sammlergesellschaften basierten zu einem guten
Teil auf Kooperation und darauf, dass man sogar Fremden Vertrauen
entgegenbringen kann – etwas, was man im Tierreich kaum findet. Horten
galt als unhöflich, man versuchte so großzügig wie möglich zu sein. Wir
sollten uns also mehr auf unsere sozialen und empathischen Fähigkeiten
besinnen, statt das Bild vom Menschen als aggressivem "Wolf", wie in dem
Sprichwort "Der Mensch ist des Menschen Wolf", in den Vordergrund zu
stellen.
STANDARD: Als Sie 1995 von Wien nach Berlin gegangen sind, waren Graphic Novels weitgehend noch ein Kuriosum. Was hat sich seitdem getan?
Lust: Der Comic für Erwachsene hat als Graphic Novel
die Buchhandlungen und Kulturinstitutionen erreicht, die Szene ist
enorm gewachsen. Als ich nach Berlin kam, fand dort gerade eine Fusion
statt aus der Illustrationsszene aus der ehemaligen DDR und der
Avantgarde aus dem Westen, und es gab eine große Offenheit gegenüber
narrativem Zeichnen. Ich war sozusagen an der Speerspitze einer
Bewegung, die den Comic als künstlerisches Medium, mit dem man alles
erzählen kann, neu definiert hat. Auch ich versuche, die verschiedenen
Textsorten durchzudeklinieren. Das Sachbuch steht sozusagen am Ende
dieser Kette.
STANDARD: Wie geht die Geschichte weiter, was dürfen wir uns von weiteren Bänden erwarten?
Lust: Ich habe vor, die gesamte Urgeschichte bis zur
Erfindung der Schrift abzudecken. Der zweite Band geht bis zum Ende der
Eiszeit, danach folgte eine Warmphase und der Übergang zur
Landwirtschaft im Neolithikum. In dieser Zeit entstanden sehr viele
unterschiedliche Typen von Frauenfiguren und auch neue Experimente des
Zusammenlebens. In Rumänien gab es zum Beispiel große, kreisförmig
organisierte Siedlungen ohne sichtbare Hierarchien. Aktuell plane ich
eine Recherchereise nach Göbekli Tepe in der Türkei mit dem Archäologen
Jens Notroff, der dort gegraben hat. Vor der Schrift gibt es eben nur
archäologische Funde und Bilder, die uns etwas erzählen. Und Bilder
lesen ist meine Expertise.
Ulli Lust: "Die Frau als Mensch 2: Schamaninnen". 304 Seiten / 30,50 Euro. Reprodukt, Berlin 2026
Wenn die hierarchischen Ordnung, die wir heute fast überall auf der Welt vorfinden, nicht naturgegeben sind, müssen sie aus gewichtigen Gründen entstanden sein; sonst würde man sie nicht... fast überall vorfinden.
Und dass sie aus einer Überordnung der Männer über die Frauen hervorgegangen ist, wäre denkbar unwahrscheinlich: Denn nirgends auf der Welt und zu keinem Zeitpunkt hat man Zeugnisse von einer Gesellschaft gefunden, in der die Männer bei der Ernährung generell bevorzugt und die Frauen generell benachteiligt gewesen wären.
Und bei der Überlieferung des akkumulierbaren, weil immobilen Landbesitzes war ursprünglich die mütterliche Linie vorherrschend, weil sie von der Gemeinschaft eher zu bezeugen ist.
Entscheidend sei vielmehr die Ausbildung einer männliche Kriegerkaste gewesen, die zuerst zur Verteidigung des bäuerlichen Wohlstands gegen plündernde Nomaden, und schließlich zur Verteidigung der Territorien gegen habgierige Nachbarn erforderlich waren.
Nun sind zwar die immer wieder in Aussicht gestellten archäologischen Zeugnisse für eine reguläre Beteiligung der Frauen an der Jagd bis heute nicht aufgetaucht; wohl aber solche für die Beteiligung von Frauen an den Kriegen der Bronzezeit: Sie wurde in den Kultwagen gefeiert und zur Schau gestellt.
Kultwagen von Strettweg
Zum Ursprung einer Unterwerfung 'der Frau' unter 'den Mann' taugt selbst der Krieg nicht. JE