Donnerstag, 2. Juli 2026

Der Leib urteilt mit.

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aus derStandard.at, 20. 6. 2026                                                                          
 
Wer langsam atmet, trifft die mutigeren Entscheidungen
Berliner Forschende belegen erstmals, dass langsames Atmen über Herz und Gehirn das Entscheidungsverhalten messbar in Richtung Wagemut verschiebt

Tief durchatmen vor einer schwierigen Entscheidung – der Ratschlag ist so alt wie banal. Nun zeigt sich, dass an ihm mehr dran sein dürfte als bloße Küchenpsycho-logie. Wer langsam und vor allem lange ausatmet, trifft mutigere Entscheidungen. Das berichtet ein Forschungsteam des Deutschen Instituts für Ernährungsfor-schung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin .

Die im Fachjournal Neuron präsentierten Ergebnisse rühren an einer verbreiteten Annahme darüber, wo unsere Entscheidungen eigentlich entstehen. Gemeinhin verortet man sie im Gehirn, das Informationen abwägt und zu einem Urteil gelangt. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn der momentane körperliche Zustand redet mit, und zwar mehr, als den meisten bewusst ist. Die Arbeit ist Teil des Forschungsfeldes, das die Wechselwirkung von Körper und Gehirn vermisst. Sie stützt sogenannte neuroviszerale Modelle, denen zufolge der Zustand des Körpers kognitive Vorgänge maßgeblich mitformt.

Die Situation, die die Forschenden besonders interessierte, kennt fast jeder: Das Herz pocht, der Atem geht schnell, und gerade jetzt steht eine Entscheidung an. Unter solchen Bedingungen neigen Menschen dazu, vorsichtig zu agieren und mögliche Verluste klein zu halten – ob bei einer Investition unter Zeitdruck, im heiklen Personalgespräch oder bei der eiligen Wahl des Mittagessens. Ein ruhigerer Puls könnte umgekehrt dazu führen, die Lage günstiger einzuschätzen.

Wenn der Körper mitredet

Hier setzte das Team um Soyoung Q Park (DIfE) an, das wissen wollte, ob sich über die bewusste Steuerung des Atems eine Art physiologischer Neustart erreichen lässt. "Unsere Entscheidungen werden selten nur durch äußere Informationen bestimmt", sagt Park. "Vielmehr erfolgt unser Urteilsvermögen im Zusammenspiel mit unserem momentanen körperlichen Zustand."

Für das Experiment beobachteten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter 41 gesunde Probandinnen und Probanden bei riskanten Entscheidungen. Visuelle Hinweise gaben den Takt vor: Mal atmeten die Teilnehmenden in ihrem natürlichen Rhythmus, mal langsamer und mit deutlich verlängerter Ausatmung. Währenddes-sen erfasste die funktionelle Magnetresonanztomographie die Hirnaktivität, parallel dazu zeichneten die Forschenden Atmung, Herzschlag, Hautleitfähigkeit und Pupillenreaktionen auf.

Sensibler für den Gewinn

Die Kombination dieser Messungen lieferte Hinweise darauf, dass die verlängerte Ausatmung tatsächlich ursächlich auf die Belohnungsverarbeitung im Gehirn durchschlägt: Wer länger ausatmete, verlangsamte damit seinen Herzschlag und entschied sich anschließend riskanter. Die Probanden ließen sich stärker von möglichen Gewinnen leiten, während die Bewertung drohender Verluste unverändert blieb. Es ging also nicht um pauschal mehr Wagemut, sondern um eine verschobene Aufmerksamkeit – hin zur Belohnung.

Das ließ sich auch im Gehirn nachzeichnen. Zwei Areale, der ventro-mediale präfrontale Kortex und der Precuneus, zeigten erhöhte Aktivität. Beide stehen mit der Herzfrequenzvariabilität in Verbindung, also den feinen zeitlichen Abständen zwischen zwei Herzschlägen, und zugleich mit der Empfänglichkeit für Belohnungen. "Das Zusammenspiel von Atmung und Herzdynamik macht das Gehirn auch empfänglicher für Belohnungen", erklärt Erstautor Wenhao Huang.

Methode ohne Nebenwirkungen

Atemtechniken begleiten die Menschheit seit Jahrtausenden, in Religionen ebenso wie in fernöstlichen Übungstraditionen. Was bislang fehlte, war der Nachweis, dass sie messbar und gezielt auf das Entscheiden wirken. "Wir liefern mit der Studie den wissenschaftlichen Beweis, dass es sich um eine verlässliche und gezielte Methode handelt, die unsere Entscheidungen steuern kann", sagt Park.

Als Werkzeug zur Selbstregulation hätte das einen seltenen Vorzug: Es kostet nichts, lässt sich überall anwenden und ist rasch erlernt. Auch in der Klinik könnte es als ergänzende, nichtpharmakologische Strategie taugen, etwa bei Angststörungen oder Depressionen. Beide gehen mit einer gestörten Selbstregulation des Körpers und einer veränderten Belohnungswahrnehmung einher.

Ob sich die Effekte über die gesunde Stichprobe hinaus bestätigen, müssen weitere Studien klären, etwa an Menschen mit Übergewicht. Dort könnten die Ergebnisse eine besondere Bedeutung zukommen: Was und wie viel wir essen, hängt stark davon ab, wie das Gehirn Belohnung bewertet und in welchem Zustand sich der Körper befindet. Eine gezielte Atemregulation, so die Hoffnung, könnte helfen, das eigene Essverhalten klarer wahrzunehmen und besser zu steuern. (tberg, 20.6.2026)

 

Mittwoch, 1. Juli 2026

Deepfakes: KI-generierte Gesichter erkennen.

Eine 3D-Darstellung eines menschlichen Gesichts, das von leuchtenden, geschwungenen Linien in Rot- und Blautönen überzogen ist. Die Linien folgen den Konturen des Gesichts und erzeugen ein futuristisches, technisches Erscheinungsbild. Der Hintergrund ist dunkel, was die leuchtenden Linien hervorhebt.
aus spektrum.de, 1. 7. 2026           Exklusive Übersetzung aus Scientific American              

Deepfakes:
So erkennen Sie Gesichter, die mit KI generiert wurden
Künstliche Intelligenz wird immer besser darin, Gesichter zu erstellen, die täuschend echt aussehen. Doch wer auf sechs Dinge achtet, findet auch die besten Fälschungen leichter.

Dienstag, 30. Juni 2026

Der Ohrwurm.

 earworm
aus spektrum.de, 

Kopf auf Dauerschleife: 
Warum haben wir Ohrwürmer?
 
von Antonia Ceric  

...

Das Tonband im Kopf

Der Ursprung des Ohrwurms hat viel damit zu tun, wie unser Arbeitsgedächtnis funktioniert. Verantwortlich dafür ist die sogenannte phonologische Schleife (Phonological Loop). Das ist ein Teil unseres Kurzzeitgedächtnisses, den man sich wie ein imaginäres Tonband vorstellen kann. Dieses Tonband läuft im Alltag ununterbrochen im Hintergrund. Wir brauchen es, um uns eine Telefonnummer im Kopf mehrmals vorzusagen, bis wir einen Stift gefunden haben, oder um die Sätze zu verstehen, die unser Gegenüber gerade spricht. Also damit, wenn wir das Ende hören, uns der Anfang noch präsent ist. [1] Normalerweise wird das Band danach sofort wieder gelöscht.

Musik hat allerdings Eigenschaften, die unser Gehirn fast magisch anziehen. Sie ist rhythmisch, wiederholt sich ständig und löst Emotionen aus. Wenn wir ein Lied mit einer besonders eingängigen Melodie hören (zum Beispiel eben der geniale Riff gleich zu Beginn von Suzie Q) verfängt sich diese Tonfolge in unserer phonologischen Schleife. Das Gehirn fängt an, das Tonband unbewusst im Kreis abzuspielen. Es entsteht ein mentaler Juckreiz, und das Gehirn versucht ihn zu kratzen, indem es uns das Lied immer wieder innerlich vorsingt. Und warum können wir nicht einfach aufhören?

Der Zeigarnik-Effekt

Die Antwort darauf liefert eine bekannte Theorie aus der Psychologie: der Zeigarnik-Effekt. Die Forscherin Bluma Zeigarnik fand heraus, dass unser Gehirn eine fundamentale Eigenschaft hat. Es hasst unvollendete Aufgaben. Unerledigte Dinge bleiben im Gedächtnis extrem präsent, während erledigte Aufgaben sofort gelöscht werden. [3] Und genau da sitzt die Schwachstelle, an der sich der Ohrwurm festbeißt. Aus der Musikpsychologie wissen wir, dass wir selten einen ganzen Song als Ohrwurm haben. Meistens sind es nur Fragmente, ein paar Sekunden des Refrains oder, wie bei mir gerade, der markante Gitarrenriff am Anfang.

Wenn wir das Lied irgendwo im Radio oder beim Vorbeigehen kurz aufgeschnappt haben, hat unser Gehirn oft nur diesen einen Ausschnitt parat. Und der läuft nun auf Dauerschleife. Da wir das Ende des Liedes in diesem Moment womöglich nicht im Kopf haben, stuft unser Hirn den Song als „unvollendete Aufgabe“ ein. Die phonologische Schleife springt an, um das Rätsel zu lösen.

Manchmal sitzen Ohrwürmer so fest, dass es zum Verzweifeln sein kann.

Und weil sie das Ende nicht findet, fängt sie am Ende des bekannten Fragments einfach wieder von vorne an. Schon sind wir in einer Dauerschleife gefangen. Der Ohrwurm. [4]

Halluzinierte Melodien

Was allerdings noch spannend bleibt, ist die Frage, wie wir überhaupt etwas hören können, das eigentlich überhaupt nicht da ist. Was passiert im Gehirn, wenn wir den Ohrwurm “hören”? Mithilfe funktioneller MRT-Untersuchungen, durch die wir sehen können, wo im Hirn erhöhte Aktivität zu finden ist, hat die Neurowissenschaft eine spannende Beobachtung gemacht. Ein Ohrwurm ist keine reine Einbildung, nicht bloß ein abstrakter Gedanke oder die Idee des Songs. Wenn wir einen Ohrwurm haben, dann hören wir das Lied gewissermaßen tatsächlich. [2]

In den Hirnscans können wir sehen, dass eben das Areal, das beim wirklichen Musikhören aktiv ist, auch hier aktiviert wird: der primäre auditorische Kortex, die Hörrinde. Gleichzeitig kommt auch der tiefer liegende Hippocampus ins Spiel, der zentral für das Gedächtnis ist. Er speichert die Erinnerung an das Lied ab und triggert die Hörrinde im Falle des Ohrwurms “den Song nochmal zu spielen”.

Zusätzlich findet im Hirn eine spannende Rückkopplung statt. Wenn wir im Kopf Mitsingen spannen wir unbewusst die Muskeln unseres Kehlkopfs und rund um die Stimmbänder ganz leicht an. Diese minimale körperliche Reaktion reicht, dass die motorischen Areale, die nun aktiv werden, wiederum Signale zurück an die Hörrinde senden. Diese Signale nennen wir Efferenzkopien. Sie teilen der Hörrinde mit, dass akustische Signale erzeugt werden. Das Gehirn feuert also einen Reiz ab, der Körper reagiert minimal und füttert schließlich die phonologische Schleife selbst direkt wieder von vorne. Der Ohrwurm geht weiter und weiter. Das System erhält sich also selbst.

Das Gehirn schläft nicht

Das Phänomen Ohrwurm zeigt uns, wie aktiv unser Gehirn selbst dann ist, wenn wir meinen, an gar nichts zu denken. Ohrwürmer treten nämlich besonders dann auf, wenn unser Kopf entweder unterfordert (beim Zähneputzen oder Spazierengehen) oder völlig überfordert (bei Stress) ist. In beiden Fällen sucht sich das Gehirn ein vertrautes, rhythmisches Muster, um sich entweder zu beschäftigen oder zu beruhigen.

Unser Gehirn ist sogar  evolutionär darauf programmiert. Bevor die Menschheit die Schrift erfand, mussten Geschichten, Wissen und Traditionen über Generationen hinweg durch Gesang und Rhythmus weitergegeben werden. Unser Kopf liebt Melodien, weil er sich Informationen so am besten merken kann. An diese grundlegenden neuronalen Verschaltungen knüpft der Ohrwurm an.

Und wie schalte ich das Kopfradio wieder aus?

Das nächste Mal, wenn dir ein Song den letzten Nerv raubt, ärgere dich also nicht. Es ist nur dein Gehirn, das versucht, eine offene Akte in deinem Gedächtnis zu schließen.

Und wenn dich der Ohrwurm zu sehr nervt, ist hier ein praktischer Tipp, wie du den Zeigarnik-Effekt austricksen kannst. Du musst dir das Lied, das in deinem Kopf feststeckt, einmal ganz bewusst von Anfang bis ganz zum Ende anhören. Sobald dein Gehirn das echte Finale hört, hakt es die Aufgabe als „erledigt“ ab. Das Tonband stoppt, die Akte wird geschlossen – und im Kopf ist endlich wieder Ruhe. Zumindest so lange, bis der nächste Ohrwurm anbeißt.

Quellen

[1] Baddeley, A. (2000). The episodic buffer: a new component of working memory? Trends in Cognitive Sciences, 4(11), 417-423.

[2] Kraemer, D. J., Macrae, C. N., Green, A. E., & Kelley, W. M. (2005). Musical imagery: Sound of silence activates auditory cortex. Nature, 434(7030), 158-158.

[3] Zeigarnik, B. (1927). Das Behalten erledigter und unerledigter Handlungen. Psychologische Forschung, 9(1), 1-85.

[4] Williamson, V. J., et al. (2012). How do „earworms“ start? Classifying the everyday triggers of Involuntary Musical Imagery (INMI). Psychology of Music, 40(3), 259-284.

[5] Bildquelle

[6] Bildquelle


 

Montag, 29. Juni 2026

Erfolgreichstes Biopic aller Zeiten.

Das Biopic „Michael“ räumt an den Kinokassen ab. (Archivbild)   
aus welt.de, 9. 6. 2026                                                                                zu Geschmackssachen

Erfolgreichstes Biopic aller Zeiten:  
„Michael“ überholt „Oppenheimer“ an Kinokassen
Der „King of Pop“ starb 2009. Ein Film über die Musiklegende Michael Jackson räumte gleich zum Start kräftig ab. Nun nimmt „Michael“ auf der Kino-Hitliste einen besonderen Platz ein.

 

„Was ist, wenn mir irgendwann ein Christian-Ulmen-Ultra eine Kugel in den Kopf jagt?“


aus welt.de, 29. 6. 2026                                                            zu öffentliche Angelegenheiten                    

- fragt Collien Fernandes.

Aber was wäre, wenn ein Collien-Fernandes-Ultra... usw. ?
Das wäre nur Homizid, das ist nicht so schlimm.

 

Sonntag, 28. Juni 2026

Wer Femizid ohne...

Cristofano Allori             zu öffentliche Angelegenheiten

...Vibrato ausspricht, darf nicht mehr ins Fernsehen. 

 

 

Es war auch schon viel wärmer als heute.

Rissige, trockene Erde mit sichtbaren Schlammrissen, die auf eine Dürreperiode oder Trockenheit hinweist.  
aus derStandard.at, 28. 6. 2026                                                                          zu Jochen Ebmeiers Realien

Natürlicher Effekt
Auf der Erde war es einst deutlich wärmer als heute
In der Erdgeschichte gab es zahlreiche Heißzeiten mit grünen Wäldern in den Polregionen und Durchschnittstemperaturen von 34 Grad Celsius

Die aktuelle Hitzewelle gilt inzwischen als schlimmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Doch welche Temperatur ist eigentlich für unseren Planeten normal? Tatsächlich ist das Weltklima in ständiger Bewegung, mit wechselnden Kalt- und Heißzeiten, für die es teils ganz unterschiedliche Gründe gab.

Die erste und extremste Hitzeperiode erlebte die Erde an ihrem Anfang. Sie entstand vor viereinhalb Milliarden Jahren und musste erst einmal ihre Umlaufbahn säubern, in der sich viele Planetisimale tummelten, wie die kleinen Brocken genannt werden. Einer davon war alles andere als klein, sondern hatte etwa die Größe des Mars. Aus der Kollision mit ihm ging der Mond hervor. Nach dieser Kollision war es auf der Erdoberfläche wohl mehr als 2000 Grad Celsius heiß.

Danach kühlte die Erde nur langsam ab. Noch zig Millionen Jahre nach der mondbildenden Kollision hatte es auf der Erdoberfläche mehr als 200 Grad Celsius. Doch bald bestimmte vor allem die Atmosphäre die Oberflächentemperatur.

Erde als Schneeball

Extreme Temperaturveränderungen gab es aber weiterhin. Die vielleicht spektakulärste war dabei keine Hitzewelle. Vor rund 800 bis 600 Millionen Jahren wurde es auf unserem Planeten so kalt, dass buchstäblich die Meere, zumindest weitgehend, zufroren. Man spricht von der "Schneeballerde". Wie konnte sich der Planet von dieser Kältephase erholen?

Auf der Erde wird durch Vulkanismus auf natürliche Weise immer wieder Kohlendioxid ausgestoßen. In einer Welt, die nicht von Eis bedeckt ist, nehmen Silikatgesteine bei Regen das Treibhausgas wieder auf. All das geschieht über Zeiträume von Jahrtausenden. Auf der Schneeballerde gab es aber einerseits wenig Regen, und andererseits nur wenig freiliegendes Gestein, auf das er hätte fallen können. Die Folge: Kohlendioxid reicherte sich in der Atmosphäre an und die Temperaturen stiegen, sodass das Eis wieder schmolz.

Eine schneebedeckte Bergkette in der Antarktis unter einem klaren blauen Himmel. Im Vordergrund erstreckt sich eine weite, eisbedeckte Fläche, während die Berghänge dunkle Felsstrukturen aufweisen. Die Szene wurde im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie aufgenommen, die die Auswirkungen von menschlichen Aktivitäten, wie Tourismus, auf die Umwelt der Antarktis untersucht.
So wie hier in der Antarktis sah es einst auf großen Teilen der Erde aus. Umgekehrt war es in der Antarktis zu gewissen Zeiten in der Erdgeschichte so warm, dass dort tropische Wälder wuchsen.
Wald am Pol

Während der letzten 500 Millionen Jahre wurde es dann mehrmals sehr heiß, mit Durchschnittstemperaturen von über 20 bis über 30 Grad Celsius. Zum Vergleich: Heute sind es rund 15 Grad. Eine solche Hitzephase ereignete sich während der Kreidezeit rund 25 Millionen Jahre vor dem Aussterben der Dinosaurier. Rund um den Äquator breiteten sich Wüsten aus. Das Leben zog sich dorthin zurück, wo die Temperaturen noch moderater waren. Ein solcher Ort war der eisfreie Südpol, wo sich Wälder ausbreiteten. 

Die Hitze hielt nicht an, kehrte aber wieder. Vor rund 56 Millionen Jahren waren die Pole erneut warm, über dem Polarkreis gab es Palmen und Krokodile. Es war nicht ganz so heiß wie während der Kreidezeit, aber während eines großen Teils des Paläozän trugen die Pole der Erde kein Eis. Die globalen Durchschnittstemperaturen erreichten bis zu 34 Grad Celsius. Es wurde nicht nur heißer, sondern in Summe auch feuchter. Der Meeresspiegel stieg teils um bis zu 50 Meter.

Der Mensch hatte mit all dem selbstverständlich nichts zu tun, bis zu seinem Auftauchen sollten noch Millionen Jahre vergehen. Was die heutige Klimaforschung aber anhand dieser vergangenen Ereignisse feststellen kann, ist, dass Kohlendioxid eine zentrale Rolle bei der Erwärmung der Erde spielte. Das sogenannte Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum (PETM) gilt heute als bester Anhaltspunkt dafür, was ein starker Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre verursacht. Einige wesentliche Unterschiede zur aktuellen Situation gibt es dabei. So waren etwa die Pole schon vor dem starken Temperaturanstieg eisfrei.

Schnelle Erwärmung

Woher das CO₂ damals kam, ist nicht restlos geklärt. Gesichert ist hingegen, dass der Anstieg zu diesen prähistorischen Extremtemperaturen einer der schnellsten bekannten in der Erdgeschichte war. Die Oberflächentemperatur der Erde stieg damals innerhalb von nur 10.000 Jahren um sechs Grad Celsius.

Nicht, dass das nach heutigen Maßstäben besonders schnell wäre. Scott Wing von der US-amerikanischen Smithsonian Institution gibt zu bedenken, dass der Treibhausgasausstoß des Menschen, wenn er weiter hoch bleibt, in etwa dieselbe Erderwärmung rund zehnmal schneller erreichen dürfte.

Nach den Temperaturextremen des PETM erholte sich die Erde wieder. Die hohen Temperaturen und die große CO₂-Konzentration regten das Pflanzenwachstum im Meer an. Das CO₂ wurde von den Pflanzen umgesetzt und der Kohlenstoff im Meer gebunden. Kopierbar ist das Konzept für uns Menschen eher nicht: Der Prozess dauerte zigtausend Jahre.

Ansicht der Großen Pyramiden von Gizeh in Ägypten bei Sonnenuntergang, mit einem Vogel, der über der Spitze der vorderen Pyramide fliegt.
Die Cheopspyramide, hier ganz im Hintergrund zu sehen, ist mehr als 4500 Jahre alt. Die Jahrtausende zuvor waren klimatisch äußerst stabil gewesen, was die Entwicklung der menschlichen Kultur begünstigt haben dürfte.
Stabile Periode

Auch wenn das aktuell ein schwacher Trost sein dürfte: Es war in der Erdgeschichte schon deutlich heißer als aktuell. Während der letzten Jahrtausende waren die Temperaturen dann relativ stabil, was als wesentlicher Faktor für die Entwicklung der menschlichen Kultur betrachtet wird. Bemerkenswert ist, dass es etwas wärmer war als in der jüngeren Vergangenheit, etwa in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Zwischen den Jahren 1450 und 1850 gab es eine kurze Kälteperiode, die auch "kleine Eiszeit" genannt wird.Seither steigen die Temperaturen wieder und haben alle Werte der letzten 10.000 Jahre übertroffen. Um ähnlich warme Temperaturen wie heute zu finden, muss man schon etwa 125.000 Jahre zurückblicken. Eine Abkühlung ist, zumindest was den längerfristigen Trend angeht, nicht in Sicht.

 

Der Leib urteilt mit.

  unsplash aus derStandard.at , 20. 6. 2026                                                                          zu Jochen Ebmeiers Rea...