Donnerstag, 3. September 2026

Jagten Menschen gezielt weibliche Mammuts?

Mammutbullen – die großen Einzelgänger? 
aus welt.de, 3. 8. 2026                                                                    zu Jochen Ebmeiers Realien

Auffällige Knochenfunde – jagten Menschen gezielt weibliche Mammuts?
Forscher haben bei Anhäufungen von Mammutknochen erstaunlich viele weibliche Tiere entdeckt. Was das über die Jagdgewohnheiten der Menschen in der Eiszeit verrät

Eine Untersuchung von Mammutknochen deutet darauf hin, dass Menschen während der letzten Eiszeit vor allem weibliche Tiere jagten. Das berichtet ein internationales Forscherteam nach der Analyse der Überreste von mehr als 500 Wollhaarmammuts in Europa, Asien und Nordamerika.

In Ansammlungen von Mammutknochen, die vermutlich auf Menschen zurückgehen und die ausschließlich aus Eurasien stammen, waren 70 Prozent der Tiere weiblich. Fossilien von anderen Fundorten stammten hingegen zu 66,5 Prozent von männlichen Tieren, wie die Gruppe im Fachjournal „Current Biology“ schreibt.

„Ob die massiven Anhäufungen von Mammutknochen natürlich entstanden sind oder durch menschliche Jagd, wurde seit Jahrzehnten diskutiert“, sagt einer der Studienleiter, David Díez del Molino von der Universität Stockholm. „Durch Vergleiche des Geschlechterverhältnisses Hunderter Mammuts in natürlicher Umgebung und in archäologischen Kontexten können wir nun ableiten, dass hauptsächlich menschliche Aktivitäten hinter diesen Anhäufungen stecken.“

Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius) waren eine wichtige Ressource für die Jäger und Sammler der jüngeren Altsteinzeit. Sie lieferten Fleisch, Fett und Fell, ihr Elfenbein diente unter anderem zur Herstellung von Werkzeugen und Schmuck. Auch wurden Materialien von Wollhaarmammuts in Bestattungen integriert, etwa Elfenbeinperlen oder Mammutschulterblätter.

Das Team um Hannah Moots von der Universität Stockholm untersuchte nun Erbgut von 521 Wollhaarmammuts. 100 der Genome stammten aus Knochen, die in größeren Ansammlungen gefunden wurden, bei denen es archäologische Hinweise auf menschliche Aktivitäten gab – etwa 20.000 bis 30.000 Jahre alte Feuerstellen. Die übrigen 421 Genome kamen von Mammuts, deren Überreste einzeln an vielen verschiedenen Stellen gefunden wurden.

Ob die Menschen damals tatsächlich gezielt weiblichen Mammuts nachstellten, ist allerdings nicht ganz klar. Diese waren zwar kleiner als männliche Tiere und hätten daher eher als Beute dienen können.

Doch Erstautorin Moots vermutet, dass die Realität komplexer war: „Sollten sich Mammuts ähnlich wie heutige Elefanten verhalten haben, verfügten die in matriarchalisch organisierten Herden lebenden Weibchen womöglich über Verteidigungsstrategien, die eine Begegnung mit solchen Herden ebenso riskant oder sogar noch gefährlicher machten.“ Möglich wäre jedoch, dass die Routen der von Weibchen geführten Herden für die Menschen berechenbarer waren als die der eher umherstreunenden Bullen.

Das einzelgängerische Verhalten von Mammutbullen könnte dafür verantwortlich sein, dass sie eher auf gefährliches Terrain wie natürliche Fallen oder Erdrutschgebiete vordrangen, in denen ihre Knochen dann erhalten blieben, vermutet das Team. Dies könnte den höheren Anteil von Männchen an den Einzelfundstätten erklären. ...

von Stefan Parsch, dpaIpi                                                                                                          

          

Nota. - So eine Enttäuschung. Eine vielversprechende Überschrift, und dann nichts, was sich feministisch oder wenigstens genderologisch verwerten lässt. Gibs das denn, kann es das geben: ein dummes krudes Fakt, in dem Männlich und Weiblich vorkommt, an dem sich aber nichts deuten lässt?! Und ich dachte, solche Zeiten hätten wir längst hinter uns. Vielleicht sollte mann doch immer noch etwas genauer hinschauen...
JE 

 

Sonntag, 30. August 2026

Wittgenstein - der Philosoph, der sich selbst widersprach.

Schwarz-weiß Porträt eines Mannes im Halbprofil, der nach rechts blickt. Er trägt einen Anzug mit offenem Hemdkragen. 
aus derStandard.at, 

Der Philosoph, der sich selbst widersprach 
Wie relevant ist der schwer fassbare Denker, der vor 75 Jahren starb, heute noch? Mehr Wittgenstein täte dem politischen Diskurs gut, sagt Christian Kanzian
 
von Jessica D. Bicking
 
Für eine Woche im August sind die Hotelzimmer des kleinen Ortes nahezu ausgebucht, denn jedes Jahr pilgern Hunderte von Philosophinnen und Philosophen in das niederösterreichische Kirchberg am Wechsel und diskutieren. Das Thema lautet: Ludwig Wittgenstein. Heuer jährte sich am 26. April der Todestag des wahrscheinlich einflussreichsten Philosophen Österreichs zum 75. Mal. Und auch das Symposium, das jährlich zu seinem Schaffen stattfindet, feierte seine 50. Ausgabe. Zwei Jubiläen, und also ein perfekter Anlass einen Denker noch einmal genauer anzusehen, der sich im Leben so wenig vor Widersprüchen scheute wie in seiner Philosophie. 

Eine Frage beschäftigte Wittgenstein zeitlebens: Kann Sprache alles sagen? Dass er selbst darauf zwei scheinbar völlig gegensätzliche Antworten fand, erklärt auf jeden Fall den Diskussionsbedarf, den sein Werk auch heute noch in der Forschung auslöst. In sechs thematischen Blöcken machte das auch das diesjährige Programm des Symposiums deutlich, denn Wittgensteins Denken berührt weit über die Sprachphilosophie hinaus auch Themen in der Psychologie, Mathematik, Literatur, Kunst und Kulturwissenschaft. Aber was kann er uns heute noch für den Alltag mitgeben?

"Wittgenstein geht es nicht darum, eine fertige Theorie zu haben. Er will uns vor allem vom Missverstehen heilen und den damit verbundenen Problemen in der Wissenschaft, in der Philosophie, aber auch in unserer alltäglichen Praxis", erkärt Christian Kanzian, Präsident der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesell-schaft und Mitorganisator des diesjährigen Symposiums, das unter anderem vom Land Niederösterreich unterstützt wird.

Viele Wittgensteine

Bei Ludwig Wittgenstein lassen sich Leben und Werk kaum voneinander trennen. Beide waren geprägt von radikalen Wendungen und scheinbaren Widersprüchen. In der Philosophie ist es deshalb sogar üblich, von einem ersten und einem zweiten Wittgenstein zu sprechen; ein früher und ein später. In seiner Biografie lassen sich noch viele weitere Wittgensteins finden.

Ludwig Wittgenstein wird 1889 als Sohn in eine schwer wohlhabende Industriefamilie in Wien geboren. Er wächst in einem Palais auf, in dem Musiker, Künstler und Intellektuelle sich die Hand reichen. Aus einer inneren Krise heraus entscheidet er sich jedoch, sein Millionenerbe an seine Geschwister abzutreten und fortan ein einfaches Leben zu führen.

 

 

Wittgenstein begleiteten viele große Leidenschaften, davon besonders die Technik: So hatte er schon als Kind mit der Konstruktion neuartiger Nähmaschinen experimentiert, und studierte zunächst Ingenieurswissenschaften, bevor er über die Mathematik zur Philosophie fand. Oder auch die Musik: So war er unter Freunden bekannt dafür, ganze Sinfonien zu pfeifen, spielte Klarinette und erwog Dirigent zu werden. Doch über ihm hing auch ein Schatten, eigentlich über der ganzen Familie, denn drei seiner Brüder wählten den Freitod, und auch Ludwig selbst kämpfte ein Leben lang mit Einsamkeit, Krankheit und Depressionen.  

Der legendäre "Tractatus"

Das erste und zugleich einzige philosophische Werk, das er zu seinen Lebzeiten veröffentlichen sollte, den legendären Tractatus logico-philosophicus, schrieb Wittgenstein gegen Ende des Ersten Weltkriegs in Kriegsgefangenschaft bei Monte Cassino fertig. Mit Widmung an David H. Pinsent, Freund und Lebensgefährte aus der Studienzeit am Trinity College in Cambridge, stellte er sich darin der Aufgabe, die grundlegende Struktur von Welt, Denken und Sprache zu klären.

Als der Tractatus 1921 erscheint, wird Wittgenstein von einigen renommierten Philosophen zwar dafür gefeiert. Doch er dauert bis 1929, ehe er damit an der Uni Cambridge damit promoviert, denn Wittgenstein zieht sich immer wieder aus der Philosophie zurück. So wird er einige Jahre zu Wittgenstein, dem Volkschullehrer in Niederösterreich (daher auch das Symposium dort), versucht sich in einem Kloster als Wittgenstein, dem Hilfsgärtner und wendet sich zeitweise sehr ernsthaft der Architektur zu. So ist Wittgenstein, der Architekt, auf Einladung seiner Schwester maßgeblich bei dem Entwurf ihres Hauses beteiligt, das seit 1928 im dritten Wiener Gemeindebezirk steht.

Ansicht eines modernen Gebäudes mit weißer Fassade und großen rechteckigen Fenstern, gestaltet im minimalistischen Stil. Das Gebäude verfügt über einen überdachten Eingangsbereich mit gläsernen Türen und schlichten metallenen Gartenmöbeln. Klarer, geometrischer Stil.
Wittgenstein hat das Haus bis ins kleinste Detail, jedes Fenster, jede Tür, jeden Riegel selbst entworfen und gezeichnet. Heute dient es als bulgarisches Kulturinstitut.
Sprache als Abbild der Welt

Der Tractatus, das wohl einflussreichste Werk Wittgensteins, ist in kühler, fast mathematischer Form verfasst, hinter der sich ganz grob folgende Grundidee verbirgt: Die Welt besteht aus Tatsachen, zu denen sich das Denken Bilder macht, die dann von der Sprache erneut abgebildet werden. Man kann behaupten, Wittgenstein entwickelt hier eine Art Bildtheorie der Sprache: Ein sinnvoller Satz funktioniert als mögliches Modell der Wirklichkeit, und kann wahr oder falsch sein, je nachdem, ob die Welt tatsächlich so beschaffen ist.

Zwar eignet sich Sprache für die Themenbereiche der Naturwissenschaften, doch gerade die bedeutsamen Dinge, die Ethik, Ästhetik oder die Frage nach dem Sinn des Lebens, lassen sich gar nicht in sinnvollen Sätzen abbilden. Sie entsprechen nämlich nicht der logischen Struktur der Welt. "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen", lautet Wittgensteins vielzitiertes Fazit.

Kanzian erläutert: "Schon hier haben wir dieses Anliegen, uns von Problemen zu heilen, durch eine saubere Analyse der Sprache." Die Philosophie soll hierbei also keine neuen Tatsachen entdecken, sondern die Grenze zwischen dem sinnvoll Sagbaren und dem nur scheinbar Sinnvollen sichtbar machen.

Sprache als Spiel der sozialen Praxis

Obwohl der frühe Wittgenstein des Tractatus überzeugt war, damit die wesentlichen Probleme der Philosophie als sprachlogische Missverständnisse aufgelöst zu haben, kehrte der späte Wittgestein zum Thema zurück. In den Philosophischen Untersuchungen, die erst nach seinem Tod erscheinen sollten, rollt er es noch einmal vom anderen Ende auf. Während er im Tractatus nach einer idealen logischen Struktur der Sprache suchte, sind es nun gerade die Missverständnisse und Vieldeutigkeiten, die interessieren.

Ihm fiel auf, dass sich Worte im tagtäglichen Gebrauch, anders als in der Wissenschaft, keiner festen, philosophischen Definition beugen. Je nach Zusammenhang kann sich ihr Sinn verändern. Etwa der Ausruf "Du" hat in einer Drohung ausgesprochen eine andere Bedeutung als in einer Liebeserklärung. "Sprechen ist Praxis, ist Gebrauch von Ausdrücken und der ist ganz vielfältig", führt Kanzian aus, der Philosophie an der Universität Innsbruck lehrt: "Sie erzählen, Sie fragen, ich antworte, wir grüßen uns, wir fordern uns auf, wir bitten einander, sind unterschiedlichste Praktiken nach ganz unterschiedlichen Regeln."

Die Lebensformen, in denen Worte in verschiedener Bedeutung vorkommen, bezeichnet Wittgenstein als Sprachspiele. Die Aufgabe der Philosophie, wie Wittgenstein sie nun versteht, besteht aus dem systematischen Aufschlüsseln der Regeln, die diese Sprachspiele lenken. Statt neue Theorien aufzustellen, soll sie uns die Funktionsweise unserer Sprache so deutlich vor Augen führen, dass wir uns aus Verwirrungen, Missverständnissen und falschen Modellierungen herauslösen können.

Neugier statt Dogma

Für Kanzian liegt genau darin die Aktualität des Philosophen: "Es ging Wittgenstein stets darum, zu einer schauenden, beschreibenden, übersichtlich darstellenden Praxis einzuladen, und nicht eine fertige Theorie aufzustellen, die man dogmatisch vertritt." Es ist also mehr Wittgensteins Einstellung und seine Neugier, die er uns in den Alltag mitgibt. Denn diese hat es ihm mitunter leichter gemacht, sich selbst zu widersprechen und immer wieder neu zu denken.

Das dogmatische Festhalten an eigenen Denkmustern ist für Kanzian eines der Grundprobleme der heutigen Gesellschaft. "Mit falschen Modellierungen an den anderen heranzugehen, ist ein Ansatz, der gesellschaftlich-politisch extrem aktuell ist", sagt Kanzian. "Stellen wir uns doch einmal vor, wir alle würden uns mehr zuhören. Das ist jetzt ein bisschen platt gesagt, aber ich glaube, die Welt würde friedlicher sein."         

Veranstaltungsinfo:

Das Thema für das Wittgenstein-Symposium im kommenden Jahr steht bereits fest. Unter dem Programmtitel Knowledge in Crisis lädt Kirchberg am Wechsel im August 2027 dazu ein, über Fake News und Post-Truth zu diskutieren.

 

Nota. - Nie abgerückt ist er bei all seinen Wendungen von einer zugrundeliegenden ontologischen Metaphysik, die er allerdings nie selber ausgesprochen hat. Logischer Atomismus ist sie genennt worden: Die Welt sei "alles, was der Fall ist", doch der Fall sind die unendlich vielen logischen Elementarbestimmungen, die der mathema-tischen Formulierung harrten - nicht aber die vorfindlichen Fakten, die durch die verschiedenen Sprachen zu Bildern gefügt würden. Das Zustandekommen der Bilder macht er aber auch nicht zu seinem Thema, sondern er pendelt zwischen dem einen und dem andern Aphorismus hin und her, System - und sei es nur ein logisch-diskursives - versucht er gottlob gar nicht erst hinein zu bringen, sondern belässt es bei gelegentlichen mystischen Ahnungen.

Wobei viele der vermischten Aphorismen und Kurzessays ungemein scharfsinnig sind und Anlass zu tiefsinnigen Fortsetzungen geben können; aber auch nur, wenn man weiß, was man nicht darin zu suchen braucht.
JE 

Samstag, 29. August 2026

Der Leopardenreiter von Karahantepe.

Eine Person mit einem lila Hut und einem gestreiften Hemd reinigt mit einem Pinsel eine archäologische Steinfigur. Die Szene findet in einer Ausgrabungsstätte statt, umgeben von Erde und Steinen. Die Figur hat eine abstrakte Form und scheint Teil einer größeren archäologischen Entdeckung zu sein.                                                 zu öffentliche Angelegenheiten
aus spektrum.de, 28. 8. 2026         Eine Mitarbeiterin der Ausgrabungen in Karahantepe reinigt die 2026 entdeckte Steinfigur.
 
Taș-Tepeler-Kulturlandschaft    
Der Leopardenreiter von Karahantepe
Ein Mann, der auf einem Leoparden sitzt. Der etwa 11 000 Jahre alte Fund aus der Türkei liefert ein neues Detail für die Zeit, als sich das Leben der Menschen grundlegend wandelte.

von Karin Schlott 

Vor etwa 12 000 Jahren veränderten Jäger und Sammler allmählich ihre Lebensweise und begannen, als Bauern zu leben. Was dabei geschah, verraten Ausgrabungsstätten im Südosten der Türkei. Dort, im Umfeld der Stadt Şanlıurfa, haben Archäologen mehrere Rundanlagen aus T-förmigen Steinpfeilern freigelegt. Am bekanntesten ist der Fundplatz Göbeklitepe, dessen Monumentalbauten lange als die ältesten Tempel der Welt gedeutet wurden. Der benachbarte Ort Karahantepe sorgt jedoch ebenfalls für aussagekräftige Funde.

So berichtet das türkische Kulturministerium, dass bei den diesjährigen Grabungen eine ungefähr 70 Zentimeter hohe Skulptur gefunden wurde. Die etwa 11 000 Jahre alte Figur stelle einen Menschen dar, der auf dem Rücken eines Leoparden sitzt. Schon zuvor haben Fachleute an Stätten in der sogenannten Taș-Tepeler-Kulturlandschaft Statuen ausgegraben. Über deren genaue Bedeutung rätseln sie aber noch.

Seit 2019 gräbt ein Team um Necmi Karul von der Universität Istanbul in Karahantepe. Auf einer Steinbank an der Innenwand eines drei Meter weiten Rundbaus entdeckten die Archäologen dort den Leopardenreiter. Einen ähnlichen Fund machten Forschende 2023 in Göbeklitepe. Damals handelte es sich um die lebensgroße Statue eines Keilers, an der noch Spuren weißer, schwarzer und roter Farbe hafteten. Im selben Jahr kam auch in Karahantepe eine kolossale Skulptur zum Vorschein: Etwa 2,4 Meter hoch, zeigt sie einen nackten Mann, der womöglich sitzend dargestellt ist und mit beiden Händen seinen Penis umgreift. Denkbar sei, dass hier eine Art Schöpfergott dargestellt ist.

Eine grob behauene Steinskulptur, die eine menschliche Figur darstellt, steht zwischen großen, unregelmäßigen Steinen in einer archäologischen Ausgrabungsstätte. Die Figur hat keine klaren Gesichtszüge und hält ein undefinierbares Objekt. Der Hintergrund zeigt erdige, steinige Strukturen, die auf eine historische oder prähistorische Umgebung hindeuten. Nach Angaben des türkischen Kulturministeriums zeigt die Skulptur einen Menschen auf einem Leoparden. Sie sei etwa 11 000 Jahre alt.

Auch zahlreiche T-Pfeiler in den Anlagen der Taș-Tepeler-Kulturlandschaft sind übersät mit Bildern von wilden Tieren wie Füchsen, Keilern oder Schlangen. In Karahantepe fand sich zudem 2025 eine T-Säule mit menschlichem Gesicht – womöglich sollten die großen Monolithe stilisierte Menschen darstellen. Ob es sich bei den Strukturen im engeren Sinn um Tempel handelte, ist noch unklar. Denn ihre Erbauer, Gemeinschaften von Jägern und Sammlern vor etwa 11 000 Jahren, wohnten auch an diesen Orten in Häusern. Fachleute sehen hier die Frühphase der Sesshaftigkeit, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit einer voll ausgeprägten bäuerlichen Lebensweise einherging.

Freitag, 28. August 2026

"Fetisch Intelligenz".

W. Busch
aus spektrum.de, 26.08.2026                                                                   zu öffentliche Angelegenheiten
 
»Fetisch Intelligenz«
Über Intelligenz lässt sich streiten
In ihrer Streitschrift wendet sich Gisela Schmalz gegen ein kulturell und ideologisch verengtes Verständnis von Intelligenz und die ihm entsprechenden IQ-Tests.

von Anne-Kathrin Weber

Im Dezember 2024 lobte Elon Musk in einem X-Post die AfD. Nur sie könne Deutschland retten, schrieb der Mann, der sich selbst für ein Genie hält – und dies die Welt auch permanent wissen lässt. Einen Monat später habe sich ein Mann aus Südkorea in die Lobhudelei für Musk und die AfD eingereiht – ein Mann, der angeblich einen IQ von sage und schreibe 276 habe nachweisen können, schreibt Gisela Schmalz. Die AfD habe das Lob des vermeintlich intelligentesten Menschen der Welt genüsslich auf ihren Social-Media-Kanälen geteilt – bis sie kurz darauf alle Posts dazu wieder gelöscht habe. Herausgestellt habe sich nämlich, so die Wirtschaftswissenschaftlerin und Philosophin, dass der vermeintliche Geniestatus des Mannes aus Südkorea erstunken und erlogen gewesen sei. Mit diesem Beispiel illustriert Gisela Schmalz die zentrale These ihrer Streitschrift: Intelligenz ist zum »Fetisch« geworden – was sich vor allem diejenigen zunutze machen, die damit nichts Gutes im Schilde führen.

Zunächst wird laut der Autorin heillos überschätzt, was wir gemeinhin »Intelligenz« nennen. Denn entsprechende Tests messen nur einen schmalen Ausschnitt der menschlichen Fähigkeiten: »Kreativität, geistige Flexibilität, Prioritätensetzung, Kritikfähigkeit, holistisches Denken, Intuition, Zielauswahl, soziale, moralische oder motorische Talente ermitteln gängige IQ‑Tests nicht«, moniert Schmalz. Außerdem würden die kulturellen Wertvorstellungen des Westens bei gängigen Verfahren immer indirekt mitgetestet – diejenigen anderer Kulturen, die beispielsweise praktische Fähigkeiten in das Verständnis von Intelligenz einbezögen, kämen dagegen in den Tests nicht vor. Diese Verengung liegt laut Schmalz auch daran, dass herkömmliche IQ-Messungen den Anforderungen einer neoliberalen Wirtschaftsordnung entsprechen: »Zu einer Kultur mit den Idealen Effizienz, Wettbewerb, Wachstum, Beschleunigung, Globalisierung und Digitalisierung passt ein enger, funktionalisierbarer Intelligenzbegriff.«

Der Preis des Fetischs

Unsere gesellschaftliche Fixierung auf Intelligenz und ihre Überhöhung führten vor allem zu Leistungsstress in Schule und Beruf, zu Stigmatisierungen bei Bildungschancen und zu selbsterfüllenden Prophezeiungen, wenn Menschen ihren IQ-Wert stark internalisierten und ihr Selbstwertgefühl daran ausrichteten – die Autorin verwendet dafür gar die Metapher des Krebsgeschwürs. Gisela Schmalz zufolge dient der IQ damit als »gesellschaftsstrukturierendes Instrument«, das politisch eine deutliche Schlagseite besitze. So zielten Rechte und Rechtsextreme unter Begriffen wie »Human Diversity« oder »Human Biodiversity« darauf ab, ganze Bevölkerungsgruppen mit dem Verweis auf vermeintlich geringere Intelligenzwerte zu diskriminieren. »Die Verbindung zwischen Intelligenzfetisch und rechtem Spektrum hat eine lange Tradition«, konstatiert Schmalz.

Fetisch Intelligenz 

Gisela Schmalz
Fetisch Intelligenz
Wie ein überbewertetes Konzept unser Leben prägt
Verlag: Berlin Verlag, Berlin 2026, 288 S.
ISBN: 9783827015396 | Preis: 24,00 €

Laut der Autorin werden derartige hochgefährliche Diskurse auch von Pseudowissenschaftlern unterstützt, die unter dem Deckmantel der Intelligenzforschung eugenisches Gedankengut verbreiteten. Vom Gros der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihres Fachgebiets würden sie trotzdem nicht systematisch und nachhaltig kritisiert, moniert die Autorin: »Dass diese Leute sich einen wissenschaftlichen Anstrich geben können, verdanken sie der Toleranz einer Forschungsgemeinschaft ohne klare Standards für ihre Forschung.«

Künstliche Intelligenz als verstecktes Ideal gängiger IQ‑Tests?

Aber auch Elon Musk und andere libertäre Tech-Giganten aus dem Silicon Valley tragen gemäß der Autorin dazu bei, eine auch noch in anderer Hinsicht menschenfeindliche Vorstellung von Intelligenz zu forcieren: »Fetischisiert wird nicht nur die Intelligenz der dort aktiven Menschen. Auch die Intelligenz der dort entwickelten Technologien wird zum Fetisch«, kritisiert Gisela Schmalz. Das gesamte Konzept der IQ-Messungen müsse daher dringend überdacht werden: »Dass Maschinen überhaupt per IQ‑Test testbar sind, entlarvt, dass das den Standard-IQ‑Tests zugrunde liegende Intelligenzkonzept mehr einer künstlichen als einer menschlichen Intelligenz entspricht.«

Die Autorin plädiert dafür, den Intelligenzbegriff wieder am Menschen auszurichten – und die Perspektive der Philosophie stärker in diesen Diskurs einzubeziehen. Demnach könnte eine philosophische Definition lauten: »Intelligenz ist das, was Menschen nach dem Warum fragen lässt.« Dieser Vorschlag überzeugt als Alternative zu rein psychometrischen Intelligenzkonzepten, auch wenn Gisela Schmalz in ihm die Bedeutung von Emotionen für ein alternatives Verständnis von Intelligenz ebenfalls vernachlässigt.

Trotz einiger Ungenauigkeiten und Redundanzen gelingt es der Autorin, anhand vieler Details zu belegen, wie tief der vorherrschende Intelligenzdiskurs mit neoliberalen und mitunter gar rechtsextremen Denkmustern verwoben ist. »Fetisch Intelligenz« ist eine Streitschrift, die aktuelle gesellschaftliche Prämissen gleich auf mehreren Ebenen nachhaltig infrage stellt.

Mittwoch, 26. August 2026

Auf meine Identität...

                                     zu öffentliche Angelegenheiten

... kann jeder pfeifen, dem seine eigne wichtiger ist. Und das sind die meisten.
Jeder sei Ausländer, sagen die Woken: fast überall. Aber sie denken es nicht zuende. 

 

 

Dienstag, 25. August 2026

Können Frauen besser mulitasken?

  
aus scinexx.de, 24. August 2026,                                                                                         zu Männlich

Deshalb erscheinen Frauen beim Multitasking oft besser als Männer
Gesprächsaufgabe prägt den Eindruck von Leistung
 
Ein hartnäckiges Klischee bekommt eine überraschende Wendung: Männer und Frauen schnitten in vier von fünf alltagsnahen Multitasking-Aufgaben ähnlich ab. Nur beim gleichzeitigen Gespräch ließen Männer deutlich mehr Fragen unbeantwortet. Genau dieser Unterschied hing damit zusammen, wie Außenstehende ihre gesamte Leistung einschätzten, obwohl die übrigen Aufgaben keine signifikanten Geschlechtsunterschiede zeigten.

Uxbridge (England). Im Alltag bedeutet Multitasking oft, mehrere Anforderungen in kurzer Folge zu bewältigen. Doch unser Gehirn kann nur begrenzt mehrere anspruchsvolle Prozesse gleichzeitig abarbeiten, wie auch Experimente zu den Grenzen des Multitaskings zeigen. Trotzdem hält sich hartnäckig die Vorstellung, Frauen seien darin grundsätzlich besser als Männer. Frühere Studien lieferten dazu jedoch nur kleine und widersprüchliche Unterschiede.

Auch eine frühere Untersuchung zu Geschlechtsunterschieden beim Multitasking deutete bereits darauf hin, dass das Ergebnis stark von der jeweiligen Aufgabe abhängen könnte. Forscher der Brunel University of London (BUL) um Dr. André J. Szameitat haben deshalb nun ein komplexeres Szenario entwickelt, das typische Alltagsanforderungen stärker nachbildet als klassische Tests am Computer.

Fünf Aufgaben gleichzeitig im Blick

Für den ersten Versuch wertete das Team Daten von 37 Frauen und 41 Männern aus. Zehn Minuten lang mussten die Testpersonen eine Kochaufgabe bearbeiten, Telefonnummern suchen, Zahlen und Buchstaben zuordnen sowie bestimmte Wörter auf einem Bildschirm überwachen. Zusätzlich ertönte alle 20 Sekunden eine Frage, auf die sie ausführlich antworten sollten. Die Aufgaben waren auf drei Tische verteilt, sodass die Teilnehmer dabei auch durch den Raum laufen mussten.

Gleichzeitig erhöhte das Team schrittweise den Zeitdruck. Anfangs klingelte ein Küchentimer alle 90 Sekunden, später verkürzte sich das Intervall bis auf 30 Sekunden. Damit sollte das Experiment nicht nur parallele geistige Anforderungen erzeugen, sondern auch das Wechseln zwischen verschiedenen Tätigkeiten unter zunehmender Belastung abbilden.

Mehr als doppelt so viele Fragen bleiben offen

In vier der fünf Aufgaben fanden die Forscher keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Anders sah es beim Gespräch aus: Frauen beantworteten im Mittel 24,76 von 28 Fragen, Männer 20,24. Damit ließen die Frauen 11,6 Prozent der Fragen unbeantwortet, bei den Männern waren es 27,7 Prozent. Der Unterschied blieb auch nach Korrektur für die fünf Aufgaben signifikant und erreichte eine Effektgröße von Cohens d = 0,61.

Entscheidend ist dabei, was der Befund nicht zeigt. Wenn Männer eine Frage beantworteten, unterschieden sich weder Qualität noch Verzögerung bis zum Antwortbeginn signifikant von denen der Frauen. Auch in den Koch-, Such-, Zuordnungs- und Überwachungsaufgaben schnitten beide Gruppen vergleichbar ab. Es geht demnach nicht um eine allgemeine Überlegenheit beim Multitasking, sondern um einen spezifischen Unterschied im Gesprächsverhalten unter Mehrfachbelastung.

„Warum Männer die Gesprächsaufgabe häufiger unbeantwortet ließen als Frauen, ist unklar“, schreiben André J. Szameitat und seine Co-Autorin Dr. Diana P. Szameitat von der City St George’s, University of London.

Denkbar ist etwa, dass Männer die Fragen häufiger überhörten, weil ihre Aufmerksamkeit stärker von den anderen Aufgaben gebunden war. Ebenso könnten sie bewusst darauf verzichtet haben zu antworten und dem Gespräch eine geringere Priorität gegeben haben. Welche Erklärung zutrifft, hat die Studie nicht untersucht.

Schweigen hängt mit dem Gesamteindruck zusammen

Im zweiten Teil wollten die Forscher wissen, ob dieser Unterschied für Außenstehende überhaupt sichtbar ist. Dazu sahen 160 Beobachter jeweils 75 Sekunden lange Videoausschnitte aus dem ersten Experiment. Die Hälfte der Ausschnitte stammte aus einer Phase mit niedrigem, die andere aus einer Phase mit hohem Zeitdruck. Die Beobachter wussten zunächst nichts von der eigentlichen Forschungsfrage.

Dennoch bewerteten sie Frauen in sechs von sieben Merkmalen positiver. Diese wirkten unter anderem stärker in Kontrolle, leistungsfähiger, aufmerksamer und engagierter. Mit steigendem Zeitdruck nahm der Eindruck von Kontrolle und Leistung bei Männern zudem stärker ab. Beim Stress zeigte sich dagegen kein genereller Geschlechtsunterschied. Unter hohem Zeitdruck erschienen Männer jedoch gestresster als in ihren eigenen Aufnahmen mit niedrigerem Zeitdruck, während sich diese Veränderung bei Frauen nicht zeigte.

Besonders aufschlussreich waren die Zusammenhänge mit der Gesprächsleistung. Wer mehr Fragen beantwortete, wurde deutlich häufiger als kontrollierter und leistungsfähiger eingeschätzt. Für die vier anderen Aufgaben fanden sich solche signifikanten Zusammenhänge nicht. Selbst bei den 52 Beobachtern, die Männer und Frauen ausdrücklich für gleich gute Multitasker hielten, blieb das grundsätzliche Bewertungsmuster bestehen.

Das spricht dafür, dass ausgerechnet die gut sichtbare Kommunikation den Gesamteindruck stark färbt. Die Korrelation beweist allerdings nicht, dass das häufigere Schweigen die Bewertungen verursacht hat. Die Autoren sehen darin dennoch einen möglichen Baustein für die Entstehung des verbreiteten Klischees, Frauen könnten besser multitasken.

Noch kein echtes Alltagsgespräch

Die Ergebnisse haben Grenzen. Die erste Stichprobe blieb wegen der Covid-Pandemie kleiner als ursprünglich geplant. Die Testpersonen der ersten Studie waren im Mittel rund 23 Jahre alt und wurden lokal auf dem Brunel-Campus rekrutiert. Zudem bestand die Gesprächsaufgabe aus aufgezeichneten Fragen und nicht aus einem echten Dialog mit spontanen Antworten und wechselnden Gesprächsrollen. Ob sich derselbe Unterschied im Berufs- oder Familienalltag zeigt, muss daher erst weitere Forschung klären. 

Quellen:


Nota. - Vielleicht unterschieden Männer öfter, welches Thema sie für wichtig und welches sie für weniger wichtig hielten? Oder vielleicht auch, zu welchem Thema sie etwas zu sagen hatten, und zu welchem nicht?

Is' nur sone Idee.

JE 

Montag, 24. August 2026

Tätigkeit ist die eigentliche Realität.

Courbet, Holzfäller                                                  aus Philosophierungen

Tätigkeit ist die eigentliche Realität. (Weder Gegenstand noch Zustand sind allein rein zu denken. Durchs Reflektieren mischt sich das Entgegengesetzte hinein und selbst schon durchs Streben – Begehren – denn beides sind identische Handlungen. Der Begriff der Identität muss den Begriff der Tätigkeit enthalten – des Wechsels in sich selber. Zwei Zusammengesetzte sind die höchste Sphäre, zu der wir uns erhe-ben können.
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Novalis, "Fichte-Studien", in: Gesammelte Werke, Herrliberg-Zürich 1945, Bd. 2, S. 83

 

Jagten Menschen gezielt weibliche Mammuts?

  aus welt.de, 3. 8. 2026                                                                       zu Jochen Ebmeiers Realien Auffällige Kno...