Freitag, 13. März 2026

Elementare Gnoseologie.

                  zu Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem

Realismus oder Idealismus - steckt die Information im Objekt und geht ins Subjekt über, oder steckt sie im Subjekt und kehrt in sein Wissen zurück?

Die Information ist vor dem Wissensakt gar nicht da, sondern entsteht in ihm. Ihr  Quale 'ist zuerst da': Als Frage entsteht es im ipso facto sich setzenden Subjekt. 

Wer oder was ist aber 'das Subjekt'? 

Es muss eine Intelligenz sein, die mit Wollen begabt ist. Sie findet sich zwischen Anderem vor in einem gemeinsamen Zustand, an dem allein - sic - sie ew. ändern wollen kann. An dieses oder sonst ein Anderes richtet sie die Frage, wie sie es tun kann.

Die Frage geht entweder am Je-anderen vorbei und verliert sich, oder prallt am An-deren ab und kehrt ins Subjekt zurück - als Widerstand. Den Widerstand zu bestim-men ist der Wissensakt in specie. Er gibt dem Quale eine Form und macht ihn zu einem Objekt.

Zum xten Mal: Das ist nicht die Nacherzählung von etwas, das wirklich vorgekommen ist; sondern ein gedankliches Schema, nach dem man es verstehen kann.

 

 

 

Donnerstag, 12. März 2026

Wissenschaft ist kritisch; skeptisch sind Amateure.

Anthony Leggett im Jahr 1985 bei einer Vorlesung am Loomis Laboratory der... 
aus pro-physik.de 11.03.2026 • Quantum2025                                                        zu Jochen Ebmeiers Realien 
 
Der makroskopische Quantenmechaniker
Der Physik-Nobelpreisträger Anthony Leggett ist im Alter von 87 Jahren verstorben.

von Alexander Pawlak

Mit Sir Anthony James Leggett ist am 8. März einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Festkörperphysik und der Quantenmechanik makroskopischer Systeme gestorben. Für seine bahn-brechende Arbeit zur Superfluidität erhielt er 2003 zusammen mit Alexei A. Abrikosov und Vitaly L. Ginzburg den Physik-Nobelpreis. Leggett war seit 1983 John D. and Catherine T. MacArthur Professor of Physics an der University of Illinois Urbana-Champaign und bis zuletzt aktiv in der Physik.

... Obwohl Leggett wie kaum ein anderer die Theorie der Quantenmechanik berei-chert hat, blieb er skeptisch in Bezug auf ihren Status. Auf die Frage nach seiner grundlegenden Perspektive auf das Verständnis der Quantenmechanik sagte er 2023: „Ich bin der festen Überzeugung, dass es sich nicht lohnt, zu viel Zeit damit zu ver-bringen, die Quantenmechanik in ihrer derzeitigen Form zu verstehen oder zu interpretieren. Es gibt viele Menschen, die ihr gesamtes Berufsleben damit ver-bringen, genau das zu tun, und ich halte das wirklich für sinnlos, einfach weil ich ziemlich überzeugt bin, dass in 100, 200 oder 500 Jahren die Menschen nicht mehr glauben werden, dass die Quantenmechanik die ganze Wahrheit ist.“
 

Der diskrete Begriff und die fließende Zeit.

 panta rhei
aus derStandard.at, 2. 3. 2026                                                                            zu Jochen Ebmeiers Realien 

Winzige Werkzeuge widerlegen Theorie vom abrupten Epochen-wechsel in der Steinzeit
Lange galt der Übergang zur späten Altsteinzeit in Südafrika als abrupter Bruch. Neue Analysen zeigen nun einen schleichenden Wandel, der über Jahrtausende andauerte

An einer Ausgrabungsstätte am Umhlatuzana River westlich von Durban in Südafrika haben Forschende eine der dichtesten Folgen von Steinwerkzeugen aus der Altsteinzeit entdeckt. Lange ging man davon aus, dass der Übergang von der mittleren zur späten Altsteinzeit (vor 50.000 bis 20.000 Jahren) in dieser Region einen markanten Wechsel in der kulturellen Organisation der damaligen Menschen darstellte. Ein Team unter Beteiligung der ÖAW-Archäologin Viola Schmid konnte nun zeigen, dass der Wandel in Wahrheit keineswegs so abrupt war.

Wissenschaftlich galt diese Zeitspanne in der Region lange als schwer fassbar. "Der Zeitraum von 50.000 bis 20.000 Jahren vor heute ist wissenschaftlich eine Art Black Box. Nun konnten wir nachweisen, dass es sich nicht um einen weitflächig synchronen, sondern einen räumlich und zeitlich sehr heterogenen Wechsel handelte", erklärt Schmid, die am Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) tätig ist.

Links: Ein Lageplan der Fundstelle Umhlatuzana mit markierten Grabungsquadraten. Gelbe Quadrate zeigen die Grabung von 1985, grüne Quadrate die von 2018–2019. Rechts: Foto der Fundstelle Umhlatuzana, Blick nach Westen, mit Ausgrabungsbereich und Vermessungsgerät im Vordergrund.
Links ein Lageplan des Grabungsareals in der Fundstelle Umhlatuzana. Die gelben Quadrate kennzeichnen die Grabung 1985 von Jonathan Kaplan, die grünen Quadrate die Grabung von Gerrit L. Dusseldorp (Universität Leiden). Das rechte Foto zeigt die Fundstelle Umhlatuzana in Blickrichtung Westen.

Tausende Steinwerkzeuge

Die Basis für diese Erkenntnis bildet ein Ensemble von 2779 Steinartefakten aus dem flachen Felsüberhang von Umhlatuzana. Darunter befinden sich nicht nur klassische Werkzeuge, sondern auch winzige, oft nur wenige Millimeter kleine Stücke aus Quarz und anderen Gesteinen sowie noch kleinere Quarz-Kernstücke. Die Forschenden konnten auf dieser Grundlage im Fachjournal Quaternary Science Reviews dokumentieren, dass Merkmale der mittleren Altsteinzeit (Middle Stone Age, MSA) – jener Periode, die vor etwa 300.000 Jahren begann – und der darauffolgenden späten Altsteinzeit (Later Stone Age, LSA) über lange Zeit hinweg nebeneinander existierten.

Der technologische Wandel ließ sich besonders gut am Rohmaterial ablesen. In der späten mittleren Altsteinzeit setzten die Menschen vorwiegend auf Hornfels. Dieses Material bot spezifische Vorteile. Das Gestein erlaubte eine hohe Kontrolle beim Abschlagen und Bearbeiten, wie Schmid erläutert. Zwar wurden die Kanten vergleichsweise schnell stumpf, doch das Material ließ sich gut nachschärfen, ein entscheidender Faktor für die Langlebigkeit der Geräte.

Wegwerfprodukte als Novum

Mit dem Übergang zur späten Altsteinzeit kam es zu deutlichen Veränderungen. Die damaligen Werkzeugmacher begannen verstärkt, Quarzgerölle aus Flussschottern zu nutzen. Es entstanden rasiermesserscharfe, teils nur reiskorngroße Klingen. Diese winzigen Quarz-Lamellen wurden mit Klebemitteln in organische Schäfte eingesetzt, um zusammengesetzte Geräte zu schaffen.

Diese Entwicklung hatte auch eine ökonomische Komponente. Während die Hornfels-Werkzeuge gepflegt und nachgeschärft wurden, scheinen die kleinen Quarzstücke nach ihrem Einsatz als Projektile oder Schneidwerkzeuge oft als Wegwerfprodukte behandelt worden zu sein. Sobald sie verbraucht waren, wurden sie entsorgt.

Doch der Wandel war nicht auf die Werkbank beschränkt. Er spiegelte auch veränderte Überlebensstrategien wider. Die Mobilität der Wildbeuter-Gruppen, ihre Methoden der Nahrungsbeschaffung und die Art, wie sie Rohstoffe in der Landschaft aufspürten, veränderten sich allmählich. Der Vergleich mit anderen Fundstellen im südlichen Afrika untermauert zudem, dass lokale Innovationen in locker vernetzten Gruppen zu einer räumlich sehr unterschiedlichen Ausprägung dieses Übergangs führten.

Eine Bildkomposition dreier steinzeitlicher Artefakte mit jeweils mehreren Ansichten (Vorder-, Seiten-, Rückansicht) und dazugehörigen schematischen Zeichnungen. Oben eine Hohlbasis-Spitze aus Hornfels, typisch für das späte MSA in KwaZulu-Natal. In der Mitte ein beidseitig flächig bearbeitetes Werkzeug. Unten ein einseitig überarbeitetes Artefakt mit quer verlaufender Arbeitskante, möglicherweise als beilartiges Werkzeug genutzt. Ein Maßstab ist beigefügt.
Typologie des technologischen Wandels: Die obere Abbildung zeigt die Vorform einer für das späte MSA in KwaZulu-Natal charakteristischen Hohlbasis-Spitze aus Hornfels. Darunter findet sich ein beidseitig flächig bearbeitetes Gerät. Das unterste Artefakt wurde lediglich einseitig überarbeitet; markante Absplitterungen an der quer verlaufenden Arbeitskante deuten darauf hin, dass es als beilartiges Werkzeug genutzt wurde.
Veraltete Kategorisierungen

Dass die Forschung so lange an einem scharfen Bruch zwischen den Epochen festhielt, hat auch wissenschaftshistorische Gründe. Die Gliederung in MSA und LSA geht auf eine Publikation von John Goodwin und Clarence van Riet Lowe aus dem Jahr 1929 zurück. Man ging schon damals davon aus, dass das LSA mit dem Auftreten des Homo sapiens, also "biologisch und kognitiv modernen Menschen wie wir", zusammenfällt, so die ÖAW-Forscherin.

Daher müsse sich zwangsläufig auch ein Sprung in der kulturellen Entwicklung vollzogen haben. "Seit etwa 30 Jahren aber wird immer deutlicher, dass dies so nicht stimmt. Wir sind schon seit 300.000 Jahren anatomisch ähnlich gebaut, und kognitiv entwickelten wir uns auch schon viel früher in die Richtung, wie heutige Jäger und Sammler sind", sagt Schmid. Die Vorstellung eines plötzlichen "Fortschrittsschubs" hält damit der Überprüfung an den realen Funden nicht stand.

In der Fachwelt führte dies zu einer Debatte über den Sinn starrer Kategorisierungen. Zwar helfen Definitionen von Epochen bei der groben Orientierung im wissenschaftlichen Diskurs, doch sie können den Blick auf die tatsächlichen Prozesse verstellen. "Wenn man dann ins Detail geht, sind sie eher hinderlich", so Schmid.

Miniaturisierter Kern aus Quarz, vermutlich mit Amboss-Technik bearbeitet, zur Herstellung von Lamellen aus der späten Altsteinzeit. Im Hintergrund ein beschriftetes Etikett mit der Aufschrift „UMH 2018“.
Miniaturisierter, mit Amboss-Technik bearbeiteter Kern aus Quarz zur Herstellung von Lamellen aus der späten Altstenzeit.

Glücksfall in der Pandemie

Dass Umhlatuzana heute diese detaillierten Einblicke liefert, ist auch glücklichen Umständen zu verdanken. Der Felsunterstand ist im Vergleich zur berühmten Border Cave eher unscheinbar und liegt heute direkt neben der Autobahn N3, die nach Durban führt. Ursprünglich war die Stätte in den 1980er-Jahren sogar Gegenstand von Rettungsgrabungen im Zuge des Straßenbaus. Die nun analysierten Funde stammen aus Grabungen der Universität Leiden der Jahre 2018 und 2019.

Dass Viola Schmid diese Artefakte so intensiv untersuchen konnte, war eine Folge der globalen Corona-Pandemie. Durch eine Ausnahmegenehmigung konnten die Fundstücke vorübergehend aus Südafrika in die Niederlande gebracht werden, wo Schmid zu dieser Zeit forschte. Inzwischen befinden sich alle Objekte wieder in südafrikanischer Obhut.

Doch die Arbeit in Umhlatuzana ist noch nicht abgeschlossen. Die Sequenz der Fundstelle ist derart hochauflösend, dass sie wohl noch weitere Details über jenes lange, graue Intervall der Menschheitsgeschichte preisgeben wird, das nun langsam seinen Status als "Black Box" verliert

 

Nota. -  Es ist der Unterschied zwischen dem analogen Bild und dem digitalen Begriff. Das Bild erfasst durch Anschauen, der Begriff analysiert durch Reflexion. In der Anschauung fließt die Zeit, während Begriffe aneinander stoßen wie an festen Grenzen, über die man springen muss. Welche Art der Wahrnehmung die jeweils richtige ist, hängt davon ab, wozu man sie brauchen will. Wenn ich in den bewölkten Himmel sehe, macht es einen Unterschied, ob ich ein Meteorologe bin oder ein Künstler. Strittig wird es immer erst im Detail - aber bis dahin müssen sie sich schon sehr nahe getreten sein.
JE 

Der kleinste Affe der Welt.

 
aus derStandard.at, 11. 3. 2026                                                                           zu Jochen Ebmeiers Realien

Im Wiener Haus des Meeres gibt es ab sofort Zwergseidenäffchen zu sehen. Mit bis zu 120 Gramm Körpergewicht sind sie die kleinsten Affen der Welt.

 

Mittwoch, 11. März 2026

Der Friedensnobelpreis rückt in weite Ferne.

                                   zu öffentliche Angelegenheiten 

Sind die Perser ihre ein halbes Jahrhundert währende Mullah-Diktatur leid? Alles deutet darauf hin. 

Ist das Mullah-Regime eine Zeitbombe für den Nahen Osten? Ganz offenkundig.

Ist der amerikanisch-israelische Bombenkrieg gegen Persien gerechfertigt? Es ist nicht abzusehen, dass und gar wie den Persern daraus eine legitime und akzeptierte Regierungsform entstehen könnte. Noch weniger ist zu erkennen, wie der Nahe Osten daraus befriedeter hervorgehen soll.  

Mit andern Worten:  

Er ist es nicht. 

 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Wie alt ist das Universum?

Universum
aus scinexx.de, 10. 3. 2026   Wie alt ist unser Universum? Und wie schnell dehnt es sich aus? 

Astronomen haben das Universum neu datiert
Älteste Sterne der Milchstraße grenzen Kosmos-Alter und Hubble-Konstante ein

Stellare Zeitzeugen: Astronomen haben das Alter des Universums auf neue Weise bestimmt – durch die ältesten Sterne unserer Milchstraße. Sie verraten das Mindestalter des Kosmos und tragen so zur Klärung eines der größten Rätsel der Kosmologie bei: den Diskrepanzen bei der Hubble-Konstante. Die neue Datierung stützt ein Mindestalter des Kosmos von 13,8 Milliarden Jahren und damit einen niedrigeren Wert für diese Konstante. Doch das widerspricht jüngsten astronomischen Beobachtungen.

Wie alt ist unser Universum? Dass es überhaupt eine Anfang hatte, haben Astronomen erst durch die kosmische Expansion entdeckt – die anhaltende Ausdehnung des Universums. Denn verfolgt man sie zurück, muss der gesamte Kosmos einst von einem einzigen Punkt ausgegangen sein: dem Urknall. Wann dies war, lässt sich mithilfe der Expansionsrate in Form der Hubble-Konstante und kosmologischen Modellen ermitteln – theoretisch.

beschleunigte Expansion
Wie schnell sich das Universum ausdehnt und wie hoch die Hubble-Konstante ist, ist strittig.

Tauziehen um die Hubble-Konstante

Das Problem nur: Ausgerechnet bei der Hubble-Konstante gibt es große Diskrepanzen zwischen verschiedenen Messmethoden. Auf Basis der kosmischen Hintergrundstrahlung ergibt sich eine Hubble-Konstante von rund 67 Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec. Doch astronomische Messungen anhand von Supernovae, Gravitationslinsen oder veränderlichen Sternen liefern einen signifikant höheren Wert von rund 73 Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec.

Diese Diskrepanz beeinflusst auch das angenommene Alter unseres Universums: Stimmt die niedrigere Hubble-Konstante, müsste sich der Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren oder sogar noch früher ereignet haben. Ist dagegen der höhere Wert korrekt, kann das Universum nicht viel älter als 13 Milliarden Jahre alt sein. Aber welcher Wert stimmt? Bislang ist dies strittig.

Milchstraßensterne als Zeitzeugen

Deshalb haben Astronomen nach einer alternativen Datierungsmethode für den Kosmos gesucht – und sie gefunden. „Das absolute Alter der ältesten Objekte im heutigen Kosmos ist für die Kosmologie entscheidend, denn es kann uns eine untere Grenze für das Alter des Universums liefern“, erklären Elena Tomasetti von der Universität Bologna und ihre Kollegen. Anders ausgedrückt: Das Universum kann nicht jünger sein als seine ältesten Sterne.

Das Weltraumteleskop Gaia hat Milliarden Sterne der Milchstraße kartiert.

Für ihre stellare Datierung werteten die Astronomen die Daten von mehr als 200.000 Sternen in der Milchstraße aus, für die der Datenkatalog des Gaia-Weltraumteleskops genaue Angaben zu Helligkeit, Entfernung und chemischer Zusammensetzung enthält. Daraus ermittelten Tomasetti und ihr Team das Alter der Sterne. „Mit Gaia ist die Milchstraße praktisch zu einem Nahfeld-Kosmologielabor geworden. Wir können nun das Alter von Sternen mit beispielloser Präzision bestimmen“, erklärt Koautorin Cristina Chiappini vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam.

Die Datierung ergab knapp 3.000 Sterne, die schon mindestens 12,5 Milliarden Jahre alt sind. Für ihre weiteren Analysen wählten die Astronomen davon 185 Sterne aus, für die die Altersbestimmung am verlässlichsten und präzisesten war.

Mindestalter des Kosmos: 13,8 Milliarden Jahre

Das Ergebnis dieser Analysen: Die ältesten Sterne der Milchstraße sind wahrscheinlich rund 13,6 Milliarden Jahre alt. „Um nun mithilfe dieser Sternenalter das Alter des Universums einzugrenzen, müssen wir die zeitliche Verzögerung zwischen dem Urknall und der Bildung dieser Sterne berücksichtigen“, erklären die Astronomen. Denn bevor die kosmische Morgendämmerung anbrach und die ersten Sterne aufleuchteten, dauerte es mindestens 100 bis 200 Millionen Jahre.

Für das Alter des Universums ergibt sich daraus: „Gehen wir von einer Verzögerung von rund 200 Millionen Jahre aus, erhalten wir ein Mindestalter des Universums von 13,8 Milliarden Jahren“, berichtet das Team. Rechnet man die kosmische Entwicklung für dieses Alter in eine Hubble-Konstante um, ergibt sich ein Wert von 68 Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec.

Hubble-Konstante und Kosmosalter
Anhand der Milchstraßensterne ermittelter Wert für die Hubble-Konstante und das Alter des Kosmos im Vergleich zu früheren Werten
Bestätigung für eine niedrigere Hubble-Konstante

Damit liegt diese alternative Altersbestimmung des Kosmos nahe an der Hubble-Konstante, die Astronomen mithilfe der Hintergrundstrahlung und dem kosmologischen Standardmodell ermittelt haben – rund 67 Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec. Weniger gut passt die neue Datierung dagegen zu der höheren Hubble-Konstante aus astronomischen Beobachtungsdaten. Denn legt man diese zugrunde, müssten die ältesten jetzt datierten Sterne älter sein als das Universum – was physikalisch unmöglich ist.

Dieses Ergebnis wirft die Frage auf, warum die astronomischen Beobachtungsdaten so beharrlich höhere Werte für die Hubble-Konstante ergeben. Eine mögliche Erklärung wäre, dass sich die kosmische Ausdehnung im Laufe der Zeit stärker verändert als es das kosmologische Standardmodell vorsieht. Das wäre beispielsweise dann der Fall, wenn sich die Dunkle Energie – die treibende Kraft dieser Ausdehnung – in ihrer Wirkung abschwächt.

„Referenzpunkt für kosmologische Modelle“

Ob das der Fall ist und ob die Dunkle Energie tatsächlich hinter der komischen Expansion steckt, ist jedoch noch offen. Um so wichtiger sind alternative Methoden, die eine unabhängige Sicht auf die kosmische Entwicklung bieten. „Unabhängig von den Implikationen für die Hubble-Konstante liefert unsere Studie wichtige und direkte Grenzen für das Alter des Universums“, betonen Tomasetti und ihre Kollegen. „Sie repräsentieren damit einen Referenzpunkt für kosmologische Modelle.“

Die Astronomen erwarten, dass der kommende vierte Datenkalatog des Gaia-Teleskops noch genauere Datierungen ermöglichen wird. Vielleicht bringt dies auch mehr Klarheit darüber, warum es noch immer Diskrepanzen bei diesen grundlegenden kosmologischen Parametern gibt. (Astronomy & Astrophysics, 2026; doi: 10.1051/0004-6361/202557038)

Quelle: Astronomy & Astrophysics, Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam; 10. März 2026 - von Nadja Podbregar

 

Dienstag, 10. März 2026

"Die meiste Zeit gab es keine Geschlechterhierarchie unter Homo sapiens."

Buchcover von               zu Männlich
aus derStandard.at,  26. 2. 2026    Männliche Deutungen sahen in der Venus von Willendorf oft ein Sexsymbol.

Ulli Lust: "Die meiste Zeit gab es keine Geschlechterhierarchie unter Homo sapiens"
Für ihre Abrechnung mit dem Bild der Frauen in der Menschheitsgeschichte bekam die österreichische Zeichnerin den Deutschen Sachbuchpreis. Nun erschien mit "Schama-ninnen" die Fortsetzung
 
Interview von Karin Krichmayr

Oft genug musste die berühmte Venus von Willendorf als eine Art steinzeitliches Sexsymbol herhalten. Doch wer waren die Menschen, die sie erschaffen haben? Und was bedeutete sie ihnen? Das fragt sich die österreichische Zeichnerin und Autorin Ulli Lust in der Fortsetzung ihrer groß angelegten Erforschung der Rolle der Frau in der Kulturgeschichte. Das Sachcomic Die Frau als Mensch: Schamanin-nen taucht wieder in die Eiszeit ein und rollt die Geschichte aus einem bisher oft übersehenen Blickwinkel auf: dem weiblichen.

Im Zentrum steht diesmal das Mystische, die Vorstellung einer parallelen Geister-welt, die in schamanistischen Kulturen nur eine andere Facette, sozusagen ein "Up-side Down" des Alltags war. Gemeinsam mit einer immensen Fülle an zusammen-getragenen Fakten, die Ulli Lust in eine faszinierende Bilderwelt verpackt, ergibt das eine Urzeit-Saga voller überraschender Details und Bezügen zur Gegenwart.

Der erste Teil, Die Frau als Mensch: Am Anfang der Geschichte, wurde zu einem Bestseller und als erster Comic überhaupt mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2025 ausgezeichnet. Der nun erschienene zweite Teil ist bereits für den renommierten Leipziger Buchpreis nominiert. Wir haben mit der Wahlberlinerin per Zoom ge-sprochen.

STANDARD: In Ihrem neuen Buch begleiten Sie eine Gruppe von Nomadinnen und Nomaden in der Jungsteinzeit, die ins Gebiet der heutigen Wachau ziehen, wo vor etwa 29.500 Jahren die Venus von Willendorf entstand. Welche Rolle nehmen Frauen in den Gesellschaften der Frühzeit ein?

Lust: In der Forschungsgeschichte gibt es eine lange Tradition, die Rolle von Frauen nicht zu bemerken. Durch stereotype Erzählmuster oder auch Übersetzungsfehler hat man weibliche Fähigkeiten heruntergespielt und männliche überhöht. Doch in der Eiszeit gibt es über 20.000 Jahre kaum Männerdarstellungen in der Kunst. Der Ausdruck der zahlreichen Frauenstatuetten, die gefunden wurden, wirkt souverän, nicht bescheiden und untertänig. Die aktuelle Forschung nimmt an, dass die Eiszeitgesellschaften egalitär organisiert waren, dass man aufgrund seiner Fähigkeiten Respekt erwarb und nicht aufgrund des Geschlechts.

STANDARD: Was ist so faszinierend an der Venus von Willendorf?

Lust: Die böhmisch-mährischen Mammutjäger waren eine bedeutende Gruppe in der Eiszeit. Ich komme aus dem Pulkautal nahe der tschechischen Grenze, das war im Grunde ein gemeinsamer Kulturraum. Die Venus von Willendorf ist ein Bindeglied zwischen der östlichen und der westlichen Figurinentradition. Sie ist besonders ästhetisch gestaltet, präzise und detailgenau. Sie wurde poliert, was damals noch nicht üblich war. Ich als Künstlerin stehe mit großer Ehrfurcht davor, weil da sehr viel Aufwand dahintersteckt. Ich frage mich: Wo hatten die Menschen diese Fähigkeiten her? Was war ihre Funktion?

Eine Comic-Sequenz zeigt eine Frau am Lagerfeuer bei einer spirituellen Handlung. Eine Person in traditioneller Kleidung hält Kräuter und rauchende Pflanzen über einem Feuer. In der Szene werden Beifuß-Pflanzen verwendet und beschrieben.

STANDARD: Der zweite Teil der Steinzeit-Graphic-Novel dreht sich um Mythologien und Spiritualität. Wie kommt das?

Lust: Das Kunstschaffen der gesamten Eiszeit ist sehr speziell. Es gibt nur sehr wenige Kunstwerke, die aber unglaublich liebevoll und aufwendig gestaltet sind. Deshalb nimmt man an, dass man Kunst nicht zum Zeitvertreib gemacht hat, es gibt keine verzierten Alltagsgegenstände. Hauptsächlich werden Tiere und Frauenfiguren dargestellt. Man vermutet, dass diese Mühe, die man sich mit der Kunst gegeben hat, darauf zurückzuführen ist, dass man sie als etwas Magisches betrachtet hat. Es ging um den Schöpfungsprozess, aber auch um eine spirituelle Ebene, die mit den Gegenständen verbunden war. Schamanismus gehört zu den ältesten Glaubenssystemen der Welt, und es gibt viele Gründe anzunehmen, dass die Eiszeit-Artefakte in diesem Kontext benutzt wurden.

STANDARD: Animistisches Denken und eine große Naturverbundenheit spielen eine große Rolle in diesem Zusammenhang. Welche Nachweise gibt es für Schamaninnen und spirituelle Frauenfiguren aus dieser Zeit?

Lust: Es gibt einzelne Bestattungen, die Hinweise darauf geben. An der archäologischen Fundstätte von Dolní Věstonice in Tschechien wurde eine etwa 45-jährige Frau unter einem Mammutschulterblatt begraben, im Siedlungsgebiet unter dem Boden einer Hütte. Man wollte sie also in der Nähe haben. In ihren Armen hielt sie einen Fuchs, das sind typische Zauberwesen im Schamanismus. Außerdem wurde ein Porträt einer Frau aus Mammutelfenbein gefunden – ein äußerst seltener Fall der Abbildung eines Gesichts. Zusätzlich fand man eine Maske, die ebenso wie das Porträt einen auf einer Seite schiefen Mund zeigt. Die Frau im Grab hatte eine Verletzung am Kiefer, aber auf der anderen Seite, also spiegelverkehrt – faszinierend! Diese Frau gilt als Proto-Schamanin und war auch Modell für die Figur der Füchsin in meinem Buch. Schamaninnen waren ursprünglich Heilerinnen, aber auch Geschichtenerzählerinnen, deshalb waren viele Volksmärchen ursprünglich Schamanenmärchen.

Eine Person mit langen, gewellten Haaren steht vor einer Kulisse aus rostigen Metallwänden. Die Person trägt dunkle Kleidung und einen Venus-von-Willendorf-Anhänger um den Hals. Der Boden besteht aus gepflasterten Steinplatten.
 "Die Ungleichheit der Geschlechter ist kein Naturgesetz, ebensowenig wie das heute verbreitete egozentrische Menschenbild", sagt Ulli Lust. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Urgeschichte.

STANDARD: In Ihren Büchern verbinden Sie wissenschaftliche Erkenntnisse mit erzählerischen Elementen. Wie viel mussten Sie sich selbst zusammenreimen, aus Mangel an Fakten?

Lust: Ich habe versucht, das zu zeigen, was man anhand von Funden weiß, also etwa über die Kleidung und Artefakte, über die Landschaft, die Pflanzen- und Tierwelt. Ich habe Fundorte und Museen besucht, wissenschaftliche Texte gelesen, Volksmärchen, Texte zur Mythenforschung. Aber ich wollte die Fakten unterfüttern und den Alltag zeigen. In dem Moment, wo die Figuren handeln, Probleme haben, krank werden, sich verlieben, ist es natürlich Fiktion. Dann muss ich auch entscheiden, wie die Artefakte genutzt werden. Ich verfolge eine assoziative, essayistische Erzählweise, das erlaubt gewisse Spielräume. Zusätzlich war es mir wichtig, selbst als Erzählerin, als eine Art Moderatorin, aufzutreten. Das gab mir auch die Möglichkeit, eine weibliche Perspektive einzubringen und die starren frühgeschichtlichen Erzählmuster aufzubrechen.

STANDARD: Was kann uns das über heutige Geschlechterverhältnisse sagen, wenn es offenbar bereits in der Frühgeschichte so etwas wie eine egalitäre Gesellschaftsordnung gab?

Lust: Es ist eine hochinteressante Erkenntnis der modernen Forschung, dass es die meiste Zeit, seit Homo sapiens vor etwa 300.000 Jahren auftauchte, keine Hierarchie unter den Geschlechtern gab. Wir können also annehmen, dass diese Ungleichheit der Geschlechter eine jüngere Erscheinung ist und absolut kein Naturgesetz. Ebensowenig wie das heute verbreitete egozentrische Menschenbild. Die Vorstellung, möglichst viel für uns selbst raffen zu müssen, nutzt dem Kapitalismus, hat aber mit unserer Geschichte nicht viel zu tun. Traditionelle Jäger- und Sammlergesellschaften basierten zu einem guten Teil auf Kooperation und darauf, dass man sogar Fremden Vertrauen entgegenbringen kann – etwas, was man im Tierreich kaum findet. Horten galt als unhöflich, man versuchte so großzügig wie möglich zu sein. Wir sollten uns also mehr auf unsere sozialen und empathischen Fähigkeiten besinnen, statt das Bild vom Menschen als aggressivem "Wolf", wie in dem Sprichwort "Der Mensch ist des Menschen Wolf", in den Vordergrund zu stellen.

Illustration eines riesigen Bärenkopfes mit aufgerissenem Maul, in dem ein winziger Mensch zu sehen ist. Im Hintergrund rauchende Hütten, Landschaft mit Bergen und einer Linie, die den oberen und unteren Bereichen spiegelt.

STANDARD: Als Sie 1995 von Wien nach Berlin gegangen sind, waren Graphic Novels weitgehend noch ein Kuriosum. Was hat sich seitdem getan?

Lust: Der Comic für Erwachsene hat als Graphic Novel die Buchhandlungen und Kulturinstitutionen erreicht, die Szene ist enorm gewachsen. Als ich nach Berlin kam, fand dort gerade eine Fusion statt aus der Illustrationsszene aus der ehemaligen DDR und der Avantgarde aus dem Westen, und es gab eine große Offenheit gegenüber narrativem Zeichnen. Ich war sozusagen an der Speerspitze einer Bewegung, die den Comic als künstlerisches Medium, mit dem man alles erzählen kann, neu definiert hat. Auch ich versuche, die verschiedenen Textsorten durchzudeklinieren. Das Sachbuch steht sozusagen am Ende dieser Kette.

STANDARD: Wie geht die Geschichte weiter, was dürfen wir uns von weiteren Bänden erwarten?

Lust: Ich habe vor, die gesamte Urgeschichte bis zur Erfindung der Schrift abzudecken. Der zweite Band geht bis zum Ende der Eiszeit, danach folgte eine Warmphase und der Übergang zur Landwirtschaft im Neolithikum. In dieser Zeit entstanden sehr viele unterschiedliche Typen von Frauenfiguren und auch neue Experimente des Zusammenlebens. In Rumänien gab es zum Beispiel große, kreisförmig organisierte Siedlungen ohne sichtbare Hierarchien. Aktuell plane ich eine Recherchereise nach Göbekli Tepe in der Türkei mit dem Archäologen Jens Notroff, der dort gegraben hat. Vor der Schrift gibt es eben nur archäologische Funde und Bilder, die uns etwas erzählen. Und Bilder lesen ist meine Expertise. 

Buchcover von
Ulli Lust: "Die Frau als Mensch 2: Schamaninnen". 304 Seiten / 30,50 Euro. Reprodukt, Berlin 2026

Wenn die hierarchischen Ordnung, die wir heute fast überall auf der Welt vorfinden, nicht naturgegeben sind, müssen sie aus gewichtigen Gründen entstanden sein; sonst würde man sie nicht... fast überall vorfinden.

Und dass sie aus einer Überordnung der Männer über die Frauen hervorgegangen ist, wäre denkbar unwahrscheinlich: Denn nirgends auf der Welt und zu keinem Zeitpunkt hat man Zeugnisse von einer Gesellschaft gefunden, in der die Männer bei der Ernährung generell bevorzugt und die Frauen generell benachteiligt gewesen wären. 

Und bei der Überlieferung des akkumulierbaren, weil immobilen Landbesitzes war ursprünglich die mütterliche Linie vorherrschend, weil sie von der Gemeinschaft eher zu bezeugen ist. 

Entscheidend sei vielmehr die Ausbildung einer männliche Kriegerkaste gewesen, die zuerst zur Verteidigung des bäuerlichen Wohlstands gegen plündernde Nomaden, und schließlich zur Verteidigung der Territorien gegen habgierige Nachbarn erforderlich waren.

Nun sind zwar die immer wieder in Aussicht gestellten archäologischen Zeugnisse für eine reguläre Beteiligung der Frauen an der Jagd bis heute nicht aufgetaucht; wohl aber solche für die Beteiligung von Frauen an den Kriegen der Bronzezeit: Sie wurde in den Kultwagen gefeiert und zur Schau gestellt. 

 Kultwagen von Strettweg

Zum Ursprung einer Unterwerfung 'der Frau' unter 'den Mann' taugt selbst der Krieg nicht.
JE

 

 

Elementare Gnoseologie.

                   z u Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem Realismus oder Idealismus - steckt die Information im Objekt und geht ins...