Die ganze Republik lacht über - nein: schämt sich ihrer Hauptstadt. Ein Projekt in Berlin? Um Himmels willen - nicht schon wieder!
Weil die Berliner blöde sind? Vielleicht auch das; aber hauptsächlich, weil in Berlin kein Weg an dem mafiös versippten Öffentlichn Dienst vorbeiführt.
Und zu allem Überfluss wollen die drei Parteien, die mehr als alle andern den Öf-fentlichen Dienst im Abgeordnetenhaus repräsentieren, den Stadtstaat regieren, der zugleich Deutschlands Hauptstadt ist.
Die einzigen, die noch nicht zum Klüngel gehören, sind die 'Linken' in Neukölln; aber das soll sich ja nun ändern.
Eine der ältesten Siedlungen Europas gibt neue Geheimnisse preis
Ausgrabungen in Nordmazedonien zeigen, wie sich sesshafte Gemeinschaften vor rund 8300 Jahren entwickelten und welche Verbindungen sie zu anderen Regionen hatten
von Darko StojanovskiBarbara Horejs
Die Suche nach ergiebigen archäologischen Fundorten für die Erforschung der ältesten sesshaften Gruppen in Europa hat eine Gruppe von Expert:innen des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im letzten Jahrzehnt nach Südosteuropa geführt. Dort sind verschiedene neue und bereits bekannte Fundorte im Fokus, die mit interdisziplinären Methoden ausgegraben und erforscht werden.
Eine zentrale Rolle für die Ausbreitung dieser ersten sesshaften Gruppen ist mit der Etablierung des Neolithikums (Jungsteinzeit) verbunden, das vor rund 8.300 Jahren auf dem Balkan beginnt. Eine besondere Rolle bei der Ausbreitung dieser völlig neuen Lebensweise in erstmals permanenten Siedlungen auf Basis neuer ökonomischer Grundlagen mit Getreideanbau, Herdenmanagement und Viehzucht spielen die Flusskorridore zwischen der Ägäis und dem Donauraum. Entlang dieser Süd-Nord-Achse verbindet die Vardar-Morava-Route die Mittelmeerkulturen mit dem kontinentalen Europa. Nach der Entdeckung einer der ältesten Siedlungen aus dieser Periode im Süden Serbiens an der Morava (Svinjarička Čuka), wurden die Forschungen weiter ausgedehnt, um die Hypothese der Ausbreitung an anderen, potenziell älteren Fundorten weiter südlich zu testen.
Der in der Forschung bereits länger bekannte neolithische Fundort Amzabegovo in Nordmazedonien liegt am Fluss Vardar und wird seit 2019 von Darko Stojanovski ausgegraben. Die Ausgrabungen sind Teil eines langfristigen Forschungsvorhabens, das sich mit der Entwicklung der neolithischen Gesellschaften und ihrer Einbindung in die kulturellen Netzwerke Europas im 7. und 6. Jahrtausend v. Chr. befasst. Die Schichtenabfolge, Datierung und Funde aus Amzabegovo spielten im 20. Jahrhundert eine zentrale Rolle bei der archäologischen Definition und unserem Verständnis der neolithischen Epoche auf dem Balkan.
Eine Siedlung mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte
In ihrer größten Ausdehnung umfasste die Siedlung mehr als 20 Hektar und war damit eine der größten bekannten neolithischen Siedlungen in Südosteuropa. Besonders bemerkenswert ist der Zeitrahmen ihrer Entwicklung: Die bislang frühesten Funde stammen aus einer Zeit vor etwa 8.300 Jahren. Die Siedlung bestand bis vor etwa 7.000 Jahren, bevor sie nach und nach aufgegeben wurde. In den Ausgrabungen wurde eine Schichtenabfolge von mindestens siebzehn Bauphasen freigelegt. Amzabegovo steht demnach für dreizehn Jahrhunderte – oder mehr als 50 Generationen – mit einer kontinuierlichen soziokulturellen Entwicklung.
Im Laufe ihrer Entwicklung war Amzabegovo in mehrere Wohngebiete unterteilt, die durch ein Wegesystem miteinander verbunden waren, und wurde an der Nordseite von Gräben umschlossen, wie die geophysikalischen Untersuchungen gezeigt haben. Die Geschichte dieses Fundplatzes endete nicht mit der Jungsteinzeit. In der Römerzeit wurde auf den neolithischen Überresten eine große villa rustica – ein landwirtschaftlicher Gutshof, bestehend aus mehreren Gebäuden und einem Wasserversorgungssystem – errichtet.
Neue Ausgrabungen im südlichen Teil der Siedlung
Im Juli 2026 konzentrierten sich die mazedonisch-österreichischen Ausgrabungen auf die letzte Phase des Neolithikums im südlichen Teil der Siedlung. Die freigelegten Überreste beleuchten eine bisher ungeklärte Phase des Niedergangs, in der das Wohngebiet schrumpfte oder sich verlagerte und zuvor als Wohnfläche genutzte Bereiche vorwiegend für wirtschaftliche Zwecke genutzt wurden. Insgesamt wurden 28 Gruben unterschiedlicher Form, Größe und Funktion freigelegt. Viele scheinen zur Lagerung von Lebensmitteln oder zur Gewinnung von Lehm für Bauten genutzt worden zu sein. Einige der Gruben wurden direkt in die massiven Bodenkonstruktionen früherer Gebäude eingegraben.
Obwohl diese Gruben die frühere Architektur beeinträchtigten, sind sie für die Forschung besonders wertvoll. Sie haben archäologisches Material bewahrt, das wichtige Informationen über die materielle Kultur der letzten Phase der Siedlung liefert – einer Zeit, die bislang zu den unerforschten Perioden zählte.
Menschliche Überreste und neue Analysen
Bei den Ausgrabungen wurden auch menschliche Überreste entdeckt. Sie stammen wahrscheinlich aus Bestattungen, die in der Römerzeit teilweise zerstört wurden.
Teile des 2026 in Amzabegovo entdeckten Fundkomplexes von Steinäxten
Die Überreste werden nun bioarchäologischen Analysen unterzogen. Damit sind neue Aussagen zum Alter und biologischen Geschlecht der Individuen sowie zu ihrer Gesundheit und Ernährung zu erwarten.Ein seltenes Objekt aus den frühesten Phasen
Ein Tiefschnitt bot zudem die Gelegenheit, Überreste aus den frühesten Phasen der neolithischen Siedlung zu untersuchen. Die Ausgrabungen brachten Lehmbauten mit sorgfältig angelegten Fußböden aus einer Mischung aus gelbem Lehm und Sand zum Vorschein.
Zu den Funden zählen Keramik, Artefakte aus Knochen und Stein sowie landwirtschaftliche und handwerkliche Werkzeuge. Zudem wurden Hinweise auf die symbolischen und spirituellen Aspekte der Gemeinschaften gefunden, die diese Siedlung vor rund 8.300 Jahren gegründet hatten.
Ein besonders bemerkenswerter Fund ist ein Gefäß aus Stein. Solche Objekte sind im neolithischen Kontext auf dem Balkan äußerst selten. Dieses Exemplar deutet auf Verbindungen zur Ägäis und nach Anatolien hin.
Forschung durch internationale Zusammenarbeit
Die aktuellen Untersuchungen knüpfen an eine lange Geschichte archäologischer Forschungen in Amzabegovo an. Josip und Laura Korošec von der Universität Ljubljana führten 1960 erste Ausgrabungen durch. In den Jahren 1969–70 wurden die Forschungen von Marija Gimbutas von der University of California, Los Angeles, und Milutin Garašanin von der Universität Belgrad fortgesetzt. Seit 2019 leitet Darko Stojanovski in Kooperation mit dem Nationalmuseum Sveti Nikole und der Goce-Delčev-Universität die Ausgrabungen, in die seit 2024 auch Barbara Horejs vom Österreichischen Archäologischen Instituts als Co-Direktorin des Projekts eingestiegen ist.
Die Feldforschungen bringen Experten und Studierende aus verschiedenen Ländern zusammen. Auch die lokale Bevölkerung von Amzabegovo ist eingebunden und spielt eine wichtige Rolle. Die internationale "Birth of Europe (BEAM)"-Sommerschule bindet weitere internationale Studierende ein, die in Zusammenarbeit mit der Balkan Heritage Foundation und der Goce-Delčev-Universität in Štip organisiert wird. In Zukunft sollen auch Studierende der Universität Wien bei den Ausgrabungen in interdisziplinärer und internationaler Archäologie ausgebildet werden.
Amzabegovo wird damit nach und nach zu einer internationalen Forschungsplattform zur Urgeschichte des Balkans ausgebaut. Es verbindet Feldforschung mit moderner wissenschaftlicher Analytik und multi-disziplinärer Auswertung und bietet Ausbildungsmöglichkeiten für eine neue Generation von Archäolog:innen. Unser Ziel ist die Entwicklung dieses Schlüsselfundorts für das Neolithikum in Europa besser zu begreifen und seine Rolle charakterisieren zu können. (Darko Stojanovski, Barbara Horejs, 29.10.2026)
aus derStandard.at, 22. 10. 2026Diskussionsveranstaltungen zogen 1956 in Ungarn viele Neugierige an. Hier musste in Budapest am 27. Juni die Diskussion mittels Megafons in den Hof übertragen werden.zuöffentliche Angelegenheiten
Ungarn 1956: Ein Moment der Hoffnung
Erich Lessings Fotografien prägen das visuelle Gedächtnis des Ungarnaufstandes. Sie zeigen aber nicht nur Gewalt, sondern auch Hoffnung
von Linus Rapp
Am Nachmittag des 23. Oktober 1956 organisierten Studierende in Budapest eine Demonstration. Wenige Tage davor war in Polen der gemäßigte Władysław Gomułka zum Chef der dortigen Arbeiterpartei gewählt worden – vorerst ohne Unterstützung der Sowjetunion. Schon zuvor, im Juli 1956, wurde der stalinistische Mátyás Rákosi als ungarischer Parteigeneralsekretär abgesetzt. Die Zeichen einer Liberalisierung in den kommunistischen Ländern Europas waren Teil der sogenannten "Tauwetter-Periode" nach dem Tod Stalins.
In Teilen der ungarischen Öffentlichkeit weckten diese Entwicklungen Hoffnungen auf politische Veränderungen und mehr Selbstbestimmung. Vielerorts trafen sich Gruppen und diskutierten über nationalkommunistische Staatsmodelle und sogar die Neutralität – schließlich war Ungarn Teil eines engen militärischen Bündnisses, dem Warschauer Pakt, und auf seinem Staatsgebiet waren sowjetische Truppen stationiert.
Auch an den Universitäten machte sich eine Aufbruchsstimmung breit. Am 22. Oktober formulierte eine Versammlung Budapester Studierender einen Katalog an Forderungen. Sie verlangten unter anderem freie Wahlen, mehr nationale Unabhängigkeit und bürgerliche Rechte. Die Forderungen sollten am nächsten Tag auf der anfangs erwähnten Demonstration verlesen werden.2
Die Parteispitze wollte die Demonstration zunächst untersagen, lenkte aber schließlich ein. Die Protestierenden hatten ohnehin nicht auf die Erlaubnis gewartet, der Demonstrationszug zählte bald mehrere hunderttausend Menschen und die Stimmung schaukelte sich hoch. Als die Demonstrierenden vor dem Gebäude des Budapester Radios die Verlesung der Forderungen verlangten, wurden aus dem Haus Schüsse abgegeben. Die Teilnehmer:innen der Kundgebung stürmten daraufhin das Gebäude und der bewaffnete Aufstand begann.
Demonstranten hatten am 23. Oktober die Statue von Stalin von ihrem Sockel gerissen. In den nächsten Tagen ließen sie an ihr mit Hammer und Brechstange ihre Wut aus.
Der gesamte Verlauf des Aufstandes mit all seinen Schauplätzen wurde bereits in zahlreichen Publikationen beschrieben.3 Die kurze Schilderung der Anfangsphase soll hier vor allem verdeutlichen, dass der Aufstand aus zunächst friedlichen Demonstrationen und politischen Forderungen hervorging. Für kurze Zeit schien eine politische Veränderung möglich. Einen solchen Moment der Hoffnung hielt Erich Lessing in jener Fotografie fest, die im Mittelpunkt dieses Beitrags steht.
Erich Lessing
Erich Lessing war am Abend des 23. Oktober noch nicht in Ungarn. Als einer der wichtigsten Pressefotografen Österreichs war er Mitglied der Agentur "Magnum Photos", einem illustren Kreis berühmter Bildreporter:innen, die ihre Fotografien selbst vertrieben.4 Über sein bewegtes Leben wurde bereits vieles publiziert, weshalb hier nur die für diesen Zusammenhang wesentlichen Aspekte genannt werden.5
Weil Lessing bei keinem Medium fest angestellt war, hatte er größere Freiheit zu fotografieren, was und wo es ihm sinnvoll erschien. Bevor er sich in den 1960er Jahren mehr der Oper und dem Fotobuch zuwandte,6 beschäftigte er sich intensiv mit politischen Themen und fotografierte immer wieder das Verhältnis zwischen politischer Macht und Bevölkerung. In seinen Reportagen spielte auch die in der Fotografie dieser Zeit wichtige Frage nach der "Conditio Humana" eine Rolle.7 Sehr wichtig war ihm dabei die Bedeutung von Symbolen – ein Interesse, das aus seiner Reportage zum Ungarnaufstand besonders sichtbar wird.8
Symbole waren in Lessings Arbeit zentral. Viele seiner Aufnahmen zeigen Menschen, die die Bilder und Schriften von Vertretern des kommunistischen Regimes wie Rákosi oder Stalin verbrannten. Lessing kontrastiert die demokratischen Ideale der Aufständischen gern mit der Gewalt und Rohheit, die in einem Aufstand fast zwangsläufig entstehen.
Der Ungarnaufstand stellte einen Bruch im fotografischen Schaffen Lessings dar: Bis dahin lag sein fotografischer Schwerpunkt vor allem auf den kommunistischen Ländern Europas. In Ungarn jedoch erlebte er die Gewalt nah und unmittelbar, während des Aufstandes zählte auch mindestens ein ausländischer Fotojournalist zu den Opfern. Rückblickend stellte Lessing fest: "Ich wollte nie wieder Krieg und Revolution fotografieren. Es ist sinnlos. Ich habe zu viel gesehen."9
Lessings Tätigkeit in Budapest ist teilweise als Kriegsberichterstattung zu sehen. Als Zeuge von Panzerkämpfen oder Hinrichtungen erlebte er die Gewalt des Aufstands aus unmittelbarer Nähe.
In den Jahren nach Stalins Tod machte Erich Lessing Bildreportagen in Polen, der DDR, der Tschechoslowakei und auch in Ungarn, wo er gute Beziehungen ins Außenamt hatte. Von der Kundgebung hörte er zuerst im Radio; zu dieser Zeit hielt er sich in Polen auf. Erst als er tags darauf erfuhr, dass der Abend in Ungarn gewaltsam geendet hatte, reiste er über Wien und Györ nach Budapest, wo er am 25. Oktober ankam.10
Seinen ersten Tag im umkämpften Budapest begannen Lessing und einige Kolleg:innen mit der Suche nach Versammlungen und Demonstrationen. Laut Lessing wurden sie auch fündig, allerdings wurden sie von Panzern verscheucht, bevor es die Möglichkeit gab, Fotografien zu machen.11 Die Bilder vom 25. bis 28. Oktober zeigen vornehmlich die Kampfhandlungen bzw. die zerstörten Straßenzüge in den Kampfpausen.
Lessing legte einen Zwischenstopp in Györ ein. Im dortigen Rathaus wurde er Zeuge eines Bildersturms: Aufständische hängten das große Lenin-Bild ab – ein symbolträchtiges Motiv, das Lessing mit seiner Kamera festhielt.
Erst viele Fotografien später tauchen die Bilder der Demonstration auf, die wir auch im "Besonderen Objekt" sehen. Der Aufstand und auch Lessings Bilder sind vor allem für Bilder von Toten, zerstörten Gebäuden und Panzern in den Straßen Budapests bekannt. Seine Beiträge im "LIFE"-Magazin, einer der wichtigsten Illustrierten der Zeit, zeigen Menschen, die kommunistische Symbole zerstören oder bewaffnet vor Panzern posieren.12 Die Kontaktabzüge erzählen jedoch noch eine andere Geschichte.
Protest und Panzer
Der Aufstand brachte nicht nur Zerstörung, Leid und Unterdrückung. Ende Oktober schien sich die Lage zunächst zu entspannen. Die sowjetische Führung signalisierte die Bereitschaft, über den Abzug ihrer Truppen zu verhandeln, während Ministerpräsident Imre Nagy weitreichende politische Reformen ankündigte. Für kurze Zeit schien eine politische Veränderung möglich, und viele Ungar:innen hofften, nun selbst über die Zukunft des Landes mitbestimmen zu können. In dieser Situation kam es zu spontanen Freudendemonstrationen. Lessing war vor Ort und hielt einen solchen Moment fest.
Lessing machte 19 Bilder von der Demonstration. Dabei konzentrierte er sich immer wieder auf einzelne Gruppen, ihre Gesichter und Gesten. Eine Gesamtansicht des Demonstrationszuges findet sich in dieser Serie nicht.
Das hier gezeigte Bild unterscheidet sich von vielen klassischen Pressefotografien politischer Demonstrationen. Anders als Aufnahmen, die einen Überblick über die Größe einer Menschenmenge geben, beschäftigt sich Lessings Fotografie mit einzelnen Demonstrierenden. Er befindet sich mitten im Geschehen und rückt ihre Gesichtsausdrücke und Gesten ins Zentrum. Es sind keine Politiker, oder anderen prominenten Akteure, sondern Menschen, deren Namen wir nicht kennen.
Gerade diese Nähe bestimmt die Wirkung der Aufnahme. Die Menschen gehen Schulter an Schulter, zahlreiche Hände sind erhoben, die Münder zum gemeinsamen Ruf geöffnet. Gestik und Mimik vermitteln den Eindruck von Aufbruch und Euphorie. An diesem Tag konnten sich die Menschen Hoffnung auf politische Veränderung machen und feierten das auf der Straße. Lessings Interesse an der Neuaushandlung von Macht während des Ungarnaufstandes wird hier besonders deutlich.13
Ein Kontaktabzug zeigt die Aufnahmen ganzer Filmstreifen, die eine Übersicht über alle aufgenommenen Bilder ermöglichen. Dieser Kontaktabzug versammelt sämtliche Aufnahmen Lessings von der Demonstration. Zugleich machen die verschiedenen Markierungen den Auswahlprozess des Fotografen sichtbar. "Das besondere Objekt" ist im rechten unteren Bereich markiert.
Interessant ist, dass Lessing gerade dieses Bild für Abzüge und Publikationen auswählte. Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass der Film fehlerhaft und das Bild mit Flecken überzogen ist – alle anderen Fotografien der Demonstration weisen diese Spuren nicht auf. Warum er sich dafür entschied, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Möglicherweise waren es die ähnlich erhobenen Hände und die zum gemeinsamen Ruf (vermutlich das von 1849 wiederverwendete "Előre!")14 geöffneten Münder, die genau dieses Foto für Lessing so besonders machten. Die technische Qualität scheint bei seiner Auswahl jedenfalls nicht allein ausschlaggebend gewesen zu sein.
Der Blick auf den Kontaktabzug dient nicht nur dem Vergleich der Einzelbilder, sondern hilft auch, ihren Aufnahmekontext zu rekonstruieren. Ganz besonders bei diesem Kontaktabzug wird klar, wie komplex und vielschichtig der Ungarnaufstand war. Die Fotoserie der Demonstration ist eingerahmt von Bildern mit Panzern, die durch die zerstörten und mit Schutt überzogenen Straßen Budapests fahren.
Gerade das Zusammenspiel von Abzug und Kontaktabzug macht "Das besondere Objekt" so aufschlussreich: Der Abzug verdichtet einen kurzen Augenblick der Hoffnung zu einem eindringlichen Bild. Der Kontaktabzug führt zurück in den Ablauf der Reportage und zeigt, wie nah Hoffnung, Gewalt und Zerstörung in diesen Tagen beieinanderlagen.
Der Abzug mit der Signatur "PK 4583, 100" und der dazugehörige Kontaktabzug werden gemeinsam als "Das besondere Objekt" im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek gezeigt. Es ist Teil der Fokusausstellung "Brücke der Menschlichkeit. Österreich und der Ungarnaufstand 1956", die vom 14. Oktober 2026 bis 10. Jänner 2027 präsentiert wird.
Lessings Pressefotografien sind Unesco-Weltdokumentenerbe15 und werden in Bildarchiv und Grafiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt. (Linus Rapp, 22.10.2026)
aus derStandard.at, 21. 10. 2026 Kinder haben keine Hemmungen bei kreativen Tätigkeiten. zuLevana, oder Erziehlehre
Kindliches Selbstbewusstsein
Kinder sind doch nicht kreativer als Erwachsene
Eine neue Studie aus Graz bescheinigt Kindern weniger Versagensängste als Erwachsenen. Kreativer macht sie das aber nicht
Ein weit verbreiteter Glaube besagt, dass Kinder kreativer sind als Erwachsene und wir einen Teil unserer Kreativität beim Erwachsenwerden einbüßen – etwa durch das Schulsystem. Doch eine neue Studie im Fachjournal PLOS Onezeichnet ein anderes Bild: Erwachsene sind demnach kreativer als Vorschulkinder. Wie beide ihre Tätigkeit wahrnehmen, ist aber stark unterschiedlich.
Der Frage nach der Entwicklung von Kreativität widmete sich ein Team vom Creative Cognition Lab an der Universität Graz unter der Leitung von Mathias Benedek. Man nahm gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus München, Louvain und New Haven das kreative Verhalten von Vorschulkindern und Erwachsenen anhand einer Reihe von kreativen Aufgaben unter die Lupe.
Die Gruppen von 92 Vorschulkindern und 70 Erwachsenen sollten sich unter anderem in drei Minuten alternative Verwendungszwecke für eine einfache Blechdose überlegen oder in acht Minuten ein Fantasietier zeichnen. Dann hatten sie noch acht Minuten Zeit, um mit Buntstiften frei auf weißem Papier zu zeichnen, was ihnen gerade einfiel. Anschließend wurden alle Teilnehmenden gebeten, ihr Selbstvertrauen, ihre Versagensangst und ihre Freude an den absolvierten Aktivitäten zu reflektieren.
Die Gutachter bewerteten die Schöpfungen, ohne zu wissen, von wem sie stammten. Wie sich zeigte, haben sie über die Aufgaben hinweg die Ideen und Werke der Erwachsenen als neuartiger, effektiver und kreativer eingestuft. In der subjektiven Beurteilung schnitten die Vorschulkinder besser ab: Sie zeigten mehr Freude an den Aufgaben, gaben eine höhere Motivation und weniger Angst an als die erwachsenen Probanden. Diese gaben messbar mehr Versagensangst und ein deutlich geringeres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten an. Über drei Viertel der erwachsenen Teilnehmenden schätzten die Kinder fälschlicherweise als kreativer ein.
Zielgerichtet
"Erwachsenen ist es wichtiger, wie andere ihre Ideen beurteilen könnten. Sie schätzen ihre eigene Kreativität vielleicht realistischer ein, aber diese Selbstüberwachung kann auch Sorgen vor einer Bewertung mit sich bringen – und diese Sorge kann den freien Fluss von Ideen hemmen", so der Grazer Kreativitätsforscher Mathias Benedek, der an der Uni Graz das neurokognitive Zusammenspiel im Gehirn untersucht.
Er zeigte sich überrascht, "wie viel Freude die Kinder an den Aktivitäten hatten, besonders wenn es kein klares Ziel gab. Auf der anderen Seite bevorzugten Erwachsene ein klares Ziel, auf das sie hinarbeiten konnten. Ich habe mich auch gefragt, ob Erwachsene einfach effektivere Ideen haben und Kinder originellere. Aber Erwachsene produzierten auch originellere Ideen. Zum Beispiel erfanden Erwachsene höchst ungewöhnliche Fantasietiere, während viele Kinder einhornähnliche Wesen zeichneten."
Enthusiasmus bei Kindern
Dass uns Kinder dennoch kreativer vorkommen, erklärten die Forschenden mit ihrem Enthusiasmus und Selbstvertrauen in Bezug auf Kreativität. Es verhalte sich ähnlich wie beim Sport: Als "sportlich" nehmen wir oft jene Personen wahr, die sich regelmäßig bewegen, und nicht zwingend jene, die am Ende Medaillen gewinnen. Das spiegelte auch die Auswertung der Studie wider: Die teilnehmenden Kinder gaben an, sich einmal pro Tag kreativ zu betätigen, im Gegensatz zu den Erwachsenen, die ihre Kreativität einmal wöchentlich verorteten.
Kinder haben übrigens keine Vorurteile gegenüber anderen Altersgruppen. Sie halten Erwachsene und andere Kinder in etwa für gleich kreativ. Das Forschungsteam will klären, wie es zu dem angeknacksten Selbstbewusstsein bei Erwachsenen kommt.
Nota. - Kein Erwachsener wird die die Zeichnung eines Einhorns originell finden, sondern längst-schon-dagewesen. Man müsste eher erwarten, dass sie 'kreativer' wä-ren, weil sie schon Vieles gesehen haben und nach dem Ausgefallenen suchen. Wa-rum sind sie aber nicht kreativer, sondern unsicherer? Weil sie alle andertalb Jahr-zehnte lang pädagogischer Inobhutnahme unterzogen wurden.(red, APA) JE