Donnerstag, 24. September 2026

Aufs Erbgut kein Verlass.

Eine Zelle, einer Verbindungskanal zu einer Eizelle und darauf kleine rosa Sternchen.                 zu Jochen Ebmeiers Realien
aus derStandard.at, 23. 9. 2026 KI-generierte Darstellung, wie springende Gene (rosa) von einer benachbarten Zelle (links und grün) auf die Eizelle (rechts und gelblich) übertragen werden.
 
Überraschende Entdeckung
Wie springende Gene die Evolution antreiben – und sogar fremde Zellen entern
Forschende des IMBA in Wien zeigen in einer neuen Studie, dass die sogenannten Transposons ähnlich wie Viren zwischen den Zellen wandern können

Lange galten sie als genetischer Ballast, als parasitäre DNA oder schlicht als Teil der "Junk-DNA". Heute zeichnet sich ein völlig anderes Bild ab: Die sogenannten springenden Gene – in der Fachsprache Transposons oder transponierbare Elemente genannt – gehören zu den wichtigsten Motoren der Evolution. Sie haben das Erbgut von Pflanzen, Tieren und Menschen geprägt, neue biologische Funktionen hervorgebracht und möglicherweise sogar zur Entstehung komplexer Merkmale wie des Immunsystems oder der Plazenta beigetragen.

Nun liefert eine Forschungsgruppe am Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ein weiteres neues, überraschendes Kapitel dieser Geschichte. Das Team um Julius Brennecke konnte zeigen, dass bestimmte springende Gene nicht auf die Zelle beschränkt bleiben, in der sie aktiv werden.

Stattdessen können sie von einer Zelle in eine andere wandern – ähnlich wie Viren. Diese spektakuläre Entdeckung, die am Mittwoch im renommierten Fachblatt Cell veröffentlicht wurde, verwischt dabei aber die bisher scharf gezogene Grenze zwischen genetischen Parasiten und Krankheitserregern.

Eine spät gewürdigte Pionierin

Die Geschichte der springenden Gene begann bereits in den 1940er-Jahren. Die US-Genetikerin Barbara McClintock (1901–1991) untersuchte Maispflanzen mit gesprenkelten Körnern und entdeckte dabei DNA-Abschnitte, die ihre Position im Genom verändern konnten. Wenn sie in ein Pigmentgen sprangen, änderte sich die Farbe einzelner Zellen. Verließen sie das Gen wieder, kehrte die ursprüngliche Färbung zurück.

Die Vorstellung, Gene könnten ihren Platz wechseln, widersprach damals den Grundannahmen der Genetik. McClintocks Ergebnisse wurden vor rund 80 Jahren zunächst sehr skeptisch aufgenommen. Erst Jahrzehnte später erkannte die Fachwelt ihre Bedeutung. 1983 erhielt sie dafür den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin – und zwar ungeteilt.

Eine Frau mit runden Brillen sitzt an einem Schreibtisch und schreibt, neben ihr ein Mikroskop.
Barbara McClintock, hier 1947 in ihrem Labor in Cold Spring Harbor.

Heute weiß man, dass springende Gene praktisch überall in der Erbsubstanz vorkommen. Fast die Hälfte unseres Genoms besteht aus solchen mobilen DNA-Sequenzen. Sie können sich aus einem Chromosom ausschneiden und an anderer Stelle wieder einfügen oder sich über eine RNA-Zwischenstufe vervielfältigen und neue Kopien erzeugen. Über Jahrmillionen haben sie sich dadurch im Erbgut angesammelt.

Manche springenden Gene bewegen sich als DNA-Moleküle nach dem Prinzip "Ausschneiden und Einfügen", andere vermehren sich über RNA-Kopien und hinterlassen immer neue Abschriften ihrer selbst im Genom. Besonders letztere, die sogenannten Retrotransposons, haben das menschliche Erbgut massiv geprägt.

Verwandte der Viren

Schon lange vermuteten Forschende eine enge Beziehung zwischen Transposons und Viren. Retroviren wie HIV nutzen einen sehr ähnlichen Mechanismus: Sie schreiben ihre RNA in DNA um und integrieren diese in das Erbgut der Wirtszelle. Tatsächlich bestehen rund acht Prozent des menschlichen Genoms aus Überresten uralter Virusinfektionen. Viele Fachleute rätseln deshalb, ob bestimmte Viren aus springenden Genen hervorgegangen sind oder umgekehrt.

Die neue Wiener Studie liefert dieser Debatte nun neue Nahrung. Das Team um Julius Brennecke untersuchte Fruchtfliegen und entdeckte, dass bestimmte Retrotransposons aktiv von Nachbarzellen in die heranreifende Eizelle transportiert werden. Damit verschaffen sie sich einen direkten Zugang zur nächsten Generation. Bislang war man davon ausgegangen, dass springende Gene zwar innerhalb eines Genoms mobil sind, aber nicht selbstständig zwischen Zellen wechseln können.

Das Protein sORF2

Möglich wird dies durch ein kleines Protein namens sORF2 (begriffliche Ähnlichkeiten mit einem österreichischen Fernsehprogramm sind zufällig und unbeabsichtigt). Es veranlasst die betroffenen Zellen dazu, fingerartige Ausstülpungen auszubilden, die Kontakt zur Eizelle herstellen. Anschließend verschmelzen die Zellmembranen teilweise miteinander, sodass die Partikel der springenden Gene ihren genetischen Inhalt direkt in die Eizelle einschleusen können (siehe Grafik oben, wo die kleinen Eiweißstoffe türkis dargestellt sind).

"Transposable Elemente werden normalerweise durch die zelleigenen Abwehrsysteme stillgelegt", erklärt Erstautorin Maya Voichek vom IMBA. Die Forschenden entwickelten Methoden, diese Schutzmechanismen gezielt auszuschalten und die normalerweise ruhenden Elemente wieder aktiv werden zu lassen. Erst dadurch ließ sich der Prozess unter dem Mikroskop beobachten.

Für die springenden Gene ist der Eintritt in die Eizelle eine Art "evolutionärer Jackpot". Gelangen sie dorthin, können sie an die Nachkommen weitergegeben werden und sich über Generationen hinweg erhalten. Für die Fruchtfliegen hat das allerdings einen Preis: Werden die Elemente experimentell aktiviert, sinkt die Schlupfrate der Eier drastisch.

Genetische Störenfriede

Dass springende Gene wichtige evolutionäre Innovationen hervorbringen können, haben zahlreiche Studien der vergangenen Jahre gezeigt. Ein berühmtes Beispiel stammt von den Birkenspannern in England. Während der Industriellen Revolution verbreitete sich eine schwarze Variante des Falters, die auf rußgeschwärzten Baumstämmen besser getarnt war. Erst 2016 zeigte sich, dass ein springendes Gen in ein Entwicklungsgen eingebaut worden war und die dunkle Färbung ausgelöst hatte.

Transposons können aber weit mehr als nur einzelne Merkmale verändern. Sie haben offenbar zur Evolution neuer Regulationsnetzwerke beigetragen, die Aktivität von Genen gesteuert und möglicherweise sogar die Entstehung zentraler Merkmale der Wirbeltiere ermöglicht. Manche Forschende vermuten, dass die epigenetischen Mechanismen, mit denen Zellen Gene an- und abschalten, ursprünglich entstanden sind, um die Aktivität dieser genetischen Eindringlinge unter Kontrolle zu bringen.

Wo endet ein Virus?

Besonders bemerkenswert ist, dass sORF2-ähnliche Proteine nicht nur bei Insekten vorkommen, sondern auch in manchen Viren von Fischen und Vögeln gefunden wurden. Im Labor zeigte sich, dass diese Viren mithilfe derselben Strategie Zellfusionen auslösen können. Offenbar handelt es sich um einen weit verbreiteten Mechanismus, mit dem genetische Elemente ohne klassische Virushülle zwischen Zellen wechseln.

"Diese Entdeckung macht es deutlich schwieriger zu sagen, wo ein selbstsüchtiges Stück DNA endet und ein Virus beginnt", sagt Brennecke. Die springenden Gene verfügten über "virusähnliche Fähigkeiten" und könnten dadurch den Verlauf der Evolution nachhaltig beeinflussen. Die Entdeckung könnte aber auch praktisch anwendbar werden: Eventuell könnte man sORF2 nutzen, um Gene für Therapien und Forschungszwecke in Zellen zu transferieren.

Die neuen Ergebnisse aus Wien zeigen jedenfalls, dass sie springenden Gene nicht nur innerhalb von Genomen wandern, sondern unter Umständen auch zwischen Zellen – und damit eine weitere Eigenschaft besitzen, die man bislang vor allem Viren zugeschrieben hatte. Und sie machen deutlich, dass die mittlerweile 80-jährige Geschichte der Forschung an springenden Genen bringt immer noch neue Überraschungen birgt.  

 

Mittwoch, 23. September 2026

Nicht Angela Merkel...

 bas                                     zu öffentliche Angelegenheiten

... hat der AfD aus den Startlöchern geholfen, sondern die Provinzler, die ihr in den Rücken gefallen sind. Aber groß gemacht hat sie die Brandmauer der vereinigten Besitzstandswahrer.

 

 

Würde eine Minderheitsregierung Deutschland ins Chaos stürzen?

 taz                                                   zu öffentliche Angelegenheiten

Zunächst einmal würde eine Minderheitsregierung das Regieren wieder möglich machen, statt dass, wie zur Zeit, jede Initiative in Wattewänden steckenbleibt.

Allerdings nicht, solange die 'Brandmauer' steht. Die Regierenden müssten ihre Mehrheiten mal mehr rechts, mal mehr links zusammensuchen. Zur Zeit ist es so, dass es für manche Gesetze im Bundestag Mehrheiten gäbe, wenn jeder Abgeordnete, der dafür ist, auch dafür stimmen könnte, und wer dagegen ist, dagegen. 

Der eigentliche Stein des Abstoßes ist, dass die Regierenden den sie stützenden Fraktionen nicht über den Weg trauen. Denn wenn sie sich auf den politischen Verstand ihrer Leute verlassen könnte, wäre die Frage, welches Gesetz eine Mehrheit fände, jedesmal konkret. Man könnte von Fall zu Fall entscheiden. Das zwingt in manch einem Fall jeden Abgeordneten zu einer genauen Abwägung - und einem disziplierte Stimmverhalten.

Das trauen die Anführer ihren Leuten aber nicht zu, und sie werden wissen, warum. Und so muss mancher Abgeordnete denn gelegentlich gegen ein Gesetz stimmen, das er eigentlich befürwortet - weil es von der falschen Fraktion stammt; oder dafür, obwohl er dagegen ist. 

Das diskreditiert die demokratische Verfassung und stärkt nur deren Feinde auf den äußeren Flügeln.  

 

Dienstag, 22. September 2026

Fachmann fürs Allgemeine.

Eine Sama-Bajau-Taucherin fischt im flachen Wasser über Korallenriffen. Sie trägt eine handgefertigte Taucherbrille aus Holz und verwendet keine weitere Freitauchausrüstung.                       zu Jochen Ebmeiers Realien
aus derStandard.at, 17. 9. 2026             Eine Taucherin der Sama-Bajau, die als "Meeresnomaden" im Malaiischen Archipel in Südostasien leben, beim Fischfang im flachen Wasser. Einziges "künstliches" Hilfsmittel: eine handgefertigte Taucherbrille aus Holz.

Hat der Mensch seine außergewöhnliche Ausdauer vom Tauchen?
Zwei Wissenschafterinnen warten mit Belegen dafür auf, dass sich unsere Vorfahren ihre besonderen aeroben und anaeroben Fähigkeiten zunächst einmal im Meer geholt haben

Bei körperlichen Spitzenleistungen – egal ob beim Laufen, Schwimmen oder Springen – ist der Mensch spezialisierten Säugetieren durchwegs unterlegen. Dafür sind wir die besseren Mehrkämpfer, worauf auch der österreichische Zoologe, Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz in einem bekannten Vortragszitat hinwies: "Denken Sie sich einen Wettkampf – 15 km wandern; dann in ein 3 m tiefes Becken tauchen, um einen Ziegelstein aus dem Wasser heraufzuholen; und dann ein Hanfseil hinaufklettern, das hier an der Decke hängt – das kann kein Säugetier!"

Wohl könne der Gepard schneller laufen, der Delfin schneller schwimmen und der Schimpanse schneller klettern als der Mensch, argumentierte Lorenz. "Aber diese Tiere sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und für die anderen Disziplinen ungeeignet." Im Vergleich zu den Primaten, aus denen auch der Mensch hervorging, sind wir aber nicht nur bessere Generalisten, sondern verfügen auch über eine deutlich bessere Ausdauer: Beim Klettern sind wir ihnen natürlich unterlegen, aber beim Wandern und Tauchen können sie uns nicht das Wasser reichen.

"Dive first, run later"

Die außergewöhnliche Ausdauer des Menschen kommt laut allen einschlägigen anthropologischen Lehrbüchern daher, dass unsere Vorfahren Beutetiere über lange Strecken verfolgten, bis diese endgültig erlegt wurden. Doch nun warten zwei Forscherinnen mit einer überraschenden neuen Vermutung auf: Die studierte Meeresbiologin Josephine Joordens (Naturalis Biodiversity Center in Leiden; Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig) und die Tierphysiologin Erika Schagatay (Mid Sweden University in Östersund) schlagen in einer neuen Studie vor, dass der Mensch seine bemerkenswerte aerobe Ausdauer zunächst beim Tauchen entwickelte – und erst später zum Langstreckenläufer wurde.

Die These "Dive first, run later" („Zuerst tauchen, dann laufen“) stellt die etablierte Ausdauerlauf-Hypothese nicht auf den Kopf, ergänzt sie aber um eine bislang wenig beachtete Perspektive. Menschen seien nicht nur die einzigen Primaten, die lange Strecken laufen können, argumentieren die Autorinnen in ihrer Analyse, die bisher nur gedruckt im Fachblatt Paleoanthropology erschien. Sie seien auch bemerkenswert gute Schwimmer und Freitaucher. Moderne Gemeinschaften wie die japanischen Ama-Taucherinnen oder die Sama-Bajau in Südostasien zeigten, dass Menschen stundenlang wiederholt tauchen können, um Fische, Muscheln und andere Meeresfrüchte zu sammeln.

Eine Person mit roter Brille taucht teilweise im Wasser auf und hält einen Behälter, gefüllt mit verschiedenen Schalentiere und anderen Meerestieren. Im Hintergrund ist das offene Meer und eine entfernte Küstenlinie zu sehen.
Die Sama-Bajau jagen Fische und sammeln Schalentiere und andere aquatische Ressourcen durch Apnoetauchen. Haben das bereits unsere Vorfahren in Afrika gemacht?

Für die Forscherinnen, die selbst auch Freitaucherinnen sind, ist das mehr als eine ethnografische Kuriosität. Sie sehen darin einen Hinweis auf eine möglicherweise sehr alte Anpassung des Menschen. Das wiederholte Apnoetauchen – also das Tauchen mit angehaltenem Atem – verlangt eine außergewöhnlich effiziente Steuerung von Atmung, Herzschlag und Sauerstoffverbrauch. Wer die Hälfte seiner Zeit unter Wasser verbringt, muss lernen, mit knappen Sauerstoffreserven hauszuhalten. Genau jene Fähigkeiten könnten später auch die Grundlage für die enorme Ausdauerleistung beim Laufen gebildet haben.

Damit passt die neue Hypothese gut zum eingangs erwähnten Lorenz’schen Triathlon, nur mit einer anderen evolutionären Abfolge: Zuerst könnte das Tauchen gekommen sein, dann erst die lange Wanderung. Joordens und Schagatay gehen noch darüber hinaus: Genau diese Kombination aus Land- und Wasseranpassungen könnte den entscheidenden Vorteil unserer Gattung ausgemacht haben. Oder wie es in ihrem Artikel heißt: "Wenn man den Ursprung der menschlichen Ausdauer und die Evolutionsgeschichte der Homo-sapiens-Linie untersucht, muss man neben dem Ausdauerlaufen auch das Ausdauertauchen zur Nahrungssuche berücksichtigen."

Rätsel der schweren Knochen                                                 

Ein spannender Teil der Studie betrifft fossile Knochen. Viele frühe Menschenarten, darunter Homo erectus oder die Neandertaler, besaßen ungewöhnlich schwere Knochen. Bisher wurde dies oft als Folge intensiver körperlicher Belastung interpretiert. Joordens und Schagatay verweisen jedoch auf Vergleiche mit semiaquatischen Säugetieren. Bei Arten, die regelmäßig in flachen Gewässern tauchen, helfen schwere Knochen dabei, den Auftrieb zu kontrollieren. Für Langstreckenläufer wären sie hingegen eher ein Nachteil. Vielleicht waren manche frühen Menschenpopulationen also stärker an das Leben am Wasser angepasst als bislang angenommen.

Ein Mann mit Bart steht auf einem alten rostigen Anker, er hält Flossen, Taucherbrille und Schnorchel in seinen abgespreizten Händen.  
Konrad Lorenz war in seinen späteren Jahren ebenfalls ein begeisterter Schnorchler. Hier am Foto 1967 in Florida, aufgenommen von seinem Freund Hans Zeisel.

Besonders die ersten bekannten Vertreter von Homo erectus auf Java könnten nach Ansicht der Autorinnen regelmäßig aquatische Nahrungsquellen genutzt haben. Andere Populationen entwickelten sich möglicherweise stärker in Richtung Jagd und Sammeln an Land. Das würde erklären, warum sich innerhalb der Gattung Homo unterschiedliche Körperformen und Lebensweisen herausbildeten.

Leben mit Sauerstoffmangel

Die Studie schlägt sogar eine Verbindung zu einem weiteren außergewöhnlichen Merkmal des Menschen vor: seiner Fähigkeit, in großen Höhen zu leben. Sowohl Taucher als auch Bewohner hochgelegener Regionen müssen mit Sauerstoffmangel zurechtkommen. Mechanismen wie eine besonders effiziente Sauerstoffnutzung oder eine größere Milz, die zusätzliche rote Blutkörperchen freisetzen kann, könnten in beiden Umwelten von Vorteil sein. Die Forscherinnen sehen darin einen weiteren Hinweis darauf, dass die Evolution des Menschen stärker von der Bewältigung von Hypoxie geprägt war als bisher angenommen.

Noch ist die Hypothese der beiden Wissenschafterinnen eher spekulativ. Die beiden betonen selbst, dass ihre Beweiskette noch lückenhaft ist und weitere Untersuchungen nötig sind. Künftige Forschung müsse Fossilien, Physiologie und ökologische Daten zusammenführen, um zu klären, ob das Tauchen tatsächlich eine entscheidende Rolle in der Menschwerdung spielte.

Unabhängig davon, ob sich die Vermutung bestätigt, rückt sie – so wie das Zitat von Konrad Lorenz – eine oft übersehene Eigenschaft des Menschen ins Zentrum: seine Vielseitigkeit. Wahrscheinlich liegt die Besonderheit unserer Art tatsächlich nicht darin, dass wir etwas besser können als alle anderen, sondern darin, dass wir Generalisten sind, die an Land ebenso wie am Wasser ihren Platz und ihre ökolo-gischen Nischen gefunden haben.  


Montag, 21. September 2026

Haben wir denn einen andern?


aus tagesschau.de, 21. 9. 2026                                                                                 zu öffentliche Angelegenheiten

... "Oder habt Ihr jemand anderen?" Die Frage hat er nicht gestellt. Aber so konnte man Merz verstehen. Er weiß, dass er bei weiten Teilen der Deutschen so unbeliebt ist wie kein Kanzler vor ihm. Dass seine Partei an zwei Wahlwochenenden drei deftige bis desaströse Niederlagen eingesteckt hat. Dass seine Bundesregierung zurzeit mehr trennt als eint. Und dass alle seine Ankündigungen bisher nicht Reali-tät geworden sind - übrigens egal ob innenpolitisch oder in der Außenpolitik, was ja das große Steckenpferd dieses Kanzlers sein soll.  

Die Chance ergreifen  

Kann es trotzdem noch was werden mit dieser Regierung? Aus Merz‘ Sicht: Ja! Allerdings unter einer Bedingung: Er muss die Chance nutzen, die er eigentlich nicht mehr hat. Befreit aufspielen. Oder - anderer Sport, gleiches Prinzip: Die Zügel in die Hand nehmen. Dem Pferd die Sporen geben und nicht Richtung Sonnenun-tergang reiten, sondern Richtung Zielgerade. 

Reformen umsetzen, Regierung verändern, wenn es nicht vorwärts geht und Reden - auf ein Minimum beschränken. Denn von diesem Kanzler wollen viele gerade nicht mehr viel hören. Ist das gut für die politische Stimmung eines Landes, in dem immer mehr Menschen am Rand oder über Ränder hinaus wählen, weil sie keinen anderen Ausweg sehen? 

Wahrscheinlich nicht. Eine Neuwahl oder merkwürdige Gedankenspiele über Min-derheitenregierungen sind es jetzt noch weniger. Merz hat klar gesagt, dass er wei-termachen will. Ob seine Partei das auch will? Das müssen ihre Spitzen nun schnell sagen. Und schnell meint nicht schnell im Sinne der bisherigen Regierungsent-scheidungen. Sondern schnell meint heute, morgen, diese Woche. Denn das Schlimmste wäre ein monatelanges Hin und Her.  

Klarheit, wer dieses Land führt: Wenn das aus diesem Wahlabend entsteht, dann wäre das doch mal ein Achtungs-Erfolg.

 

Nota. - Und wäre mehr als das. Wenn er nämlich wie ein Wirbelwind durch die Parteienlandschaft fegte und um sich sammelte, wer die klein-kleine Posten-schieberei leid ist und eine radikale Mitte will - wenn schon nicht heut, dann spätestens morgen.
JE 

 

 

 

Aus der Asche.


aus FAZ.NET, 21. 9. 2026                                                                                           
 zu öffentliche Angelegenheiten

Der Niedergang von Union und FDP ist selbstverschuldet. Sie haben, wie die SPD, den Kontakt zur arbeitenden Bevölkerung verloren. Für einen Neubeginn bedarf es einer unverbrauchten Partei.
Titel 

ebd.
Merz macht Fehler. Wer würde in dieser Lage keine machen? Mit etwas gutem Willen könnte man staunen, wie viele Fehler er nicht macht. 

 

Sonntag, 20. September 2026

Was soll ich sagen?

                                             zu öffentliche Angelegenheiten

Was fehlt, und seit heute noch dringender als bisher, ist eine radikale Mitte, hinter der Leute stehen, denen man abnimmt, was sie sagen.

 

 

Nota. Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

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