Man mag es in den Dokumenten nachsehen: Aller Dogmatismus geht von den Be-griffen aus. Woher sie gekommen sein mögen, sagt er nicht - oder höchstens: Das kann man nicht wissen, das muss man glauben.
Alle Metaphysik beginnt daher mit der Suche nach dem allerersten Begriff. Doch da das wirkliche Wissen von Begriffen voll ist wie der Himmel von Sternen, ist das kein aussichtsreiches Unterfangen; ebenso gut könnte man würfeln, denn logisch ist einer so gut wie ein anderer.
Aus den Dokumenten weiß man aber, dass nicht alle unserer Begriff auf einmal fix und fertig da waren, sondern unter Mühen nach und nach und oft genug aus ein-ander entstanden sind.
Es liegt der Gedanke nahe, dass der erste Begriff nicht als Offenbarung urplötzlich auf die Welt gekommen ist, sondern sich wie so vieles andere auf dieser Welt aus Vorläufern entwickelt hat.
Erfahrung, sagten die englischen Empiristen.
Doch Erfahrung geschieht nicht als Anhäufung von Sinnesdaten, sondern durch deren Ordnung nach... Begriffen. Aus diesem Einwand ging die Kantsche Kritische Philosophie hervor: Man kann nicht nach dem Vorläufer des Begreifens suchen, wenn man sich dabei der Begriffe bedient. Denn deren Vorgeschichte ist uns nicht dokumentiert, weil sie... eben "noch nicht" in Begriffen überliefert wurde.
Man muss es daher spekulativ ergründen. Nicht aus historischen Spuren suchen, sondern im Gedankenexperiment ausprobieren.
Gedanken sind Begriffe, die noch keine Form gefunden haben: alles Denken, das einstweilen noch unbestimmtist und allenfalls in Bildern mitgeteilt werden kann; auf die Gefahr hin, dass ein jeder sie anders erkennt.
Wir nennen sie Vorstellungen. Sie sind offenbar der Rohstoff, aus dem die Begriffe geschliffen wurden: Das nennen wir Reflektieren, und ohne den Rohling geht es nicht.
Einfach ist Ansichtssache Was
trivial ist, muss nicht weiter erläutert werden. Das gilt auch für die
Mathematik. Einfach ignorieren kann man das Triviale dort aber nicht.
von Florian Freistetter
Wer
die Mathematik dank schlechtem Schulunterricht in ebenso schlechter
Erinnerung hat, wird an all ihren Formeln, Zahlen und Symbolen
vermutlich nichts Triviales erkennen. Wer sich dagegen beruflich mit der
Mathematik beschäftigt, hat einen anderen Blick auf das Triviale.
Trivial bedeutet hier etwas, was man direkt aus dem Kontext
beziehungsweise dem unter Betrachtung stehenden mathematischen Objekt
selbst erkennen kann. Man muss nicht groß weiter darüber nachdenken.
Hier ist ein Beispiel: Tn = {1, n}
Das
bedeutet: Jede natürliche Zahl ist immer durch 1 und durch sich selbst
ohne Rest teilbar. Meist ist das nur ein Teil der Wahrheit. Hat man eine
natürliche Zahl n gegeben, dann existieren für diese Zahl auch andere
natürliche Zahlen, durch die n ohne Rest geteilt werden kann. Die
Bestimmung dieser Teiler ist aus vielen Gründen in der Mathematik
wichtig und kann durchaus eine schwer zu lösende Aufgabe sein. Moderne
Verschlüsselungsalgorithmen etwa basieren darauf, dass es bei manchen
Zahlen sehr schwer ist, bestimmte Teiler zu finden. Die in der Formel
angegebene Menge an Teilern dagegen ist trivial. Darüber muss man nicht
weiter nachdenken, und deswegen werden 1 und n in diesem Fall auch die
»trivialen Teiler« genannt.
Ein weiteres Beispiel für
mathematische Trivialität findet man bei der Lösung von Gleichungen.
Dazu können wir uns eine der bekanntesten Aussagen der Mathematik
ansehen: den Großen fermatschen Satz. Dabei geht es um die Gleichung an + bn = cn.
Gesucht sind ganze Zahlen a, b und c, die diese Beziehung für eine
ganze Zahl n (größer als 2) erfüllen. Im 17. Jahrhundert behauptete
Pierre de Fermat, dass es keine solchen Zahlen a, b und c gibt – der
Beweis für diese Behauptung wurde aber erst 1994 erbracht.
Der Unterschied zwischen einfach und schwierig
Damit
aber überhaupt ein mathematisch anspruchsvolles Problem entsteht, muss
man bei der Formulierung des Satzes noch zusätzlich fordern, dass a, b
und c positive Zahlen sind. Denn sonst könnte man sofort und ohne
weiteres Nachdenken für jedes n eine Lösung angeben, etwa 0n + 0n = 0n.
Diese Lösung ist allerdings vollkommen uninteressant; sie ist
offensichtlich, und man kann aus ihr keine neuen Erkenntnisse gewinnen –
sie ist trivial.
Was nun genau alles aus mathematischer Sicht
trivial ist und was nicht, ist durchaus auch Ansichtssache. Nicht
umsonst gibt es den alten Witz über eine Diskussion unter Mathematikern:
Der eine merkt an, dass ein bestimmter Rechenschritt trivial sei, und
auf die Nachfrage des Gegenübers erläutert er eine halbe Stunde lang die
Details dieses Schritts – bis sich am Ende beide sicher sind: Ja, das
ist tatsächlich trivial.
Das klingt vielleicht seltsam, doch
hinter mathematischer Trivialität kann durchaus sehr viel Rechnerei
stecken. Für die einen mag die Aussage, dass die Ableitung von x² gleich
2x ist, vollkommen trivial sein. Wer aber gerade erst lernt, wie
Differenzialrechnung funktioniert, sieht die Sache womöglich anders.
Der
berühmte Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman hat die
Problematik etwas scherzhaft so zusammengefasst: Jedes Theorem ist
trivial, sobald es einmal bewiesen wurde, unabhängig davon, wie
kompliziert die Beweisführung war. Es gebe daher nur zwei Arten wahrer
mathematischer Aussagen: die trivialen und die, die bis jetzt noch nicht
bewiesen sind.
Die Mathematik ist immer auf der Suche nach dem,
was nicht trivial ist. Nur dort findet man neue Erkenntnisse. Doch auch
das Triviale lohnt ab und zu eine nähere Betrachtung. Schauen wir noch
einmal auf die trivialen Teiler aus der Formel. Wenn wir es mit einer
natürlichen Zahl zu tun haben, deren gesamte Teilermenge lediglich aus
den trivialen Teilern besteht, dann hat man es nämlich mit nichts
anderem zu tun als mit einer Primzahl. Und Primzahlen sind definitiv
alles andere als trivial!
Fangen wir heute mal mit einer kleinen Aufgabe an: Schließe deine Augen und stelle dir einen Apfel vor.
Na? Wie sah er aus? Wie scharf war das
Bild, konntest du Details sehen? Oder war es doch eher schwammig? Und
hast du überhaupt ein Bild gesehen, oder vielleicht sogar gar keins?
Wir Menschen tendieren dazu, einfach
anzunehmen, dass die Welt so funktioniert, wie sie es bei uns selbst
tut. Bis ich mich näher mit dem Thema beschäftigt habe, dachte ich
zugegebenermaßen schon, dass Leute in der gleichen Art und Weise denken
und sich Dinge vorstellen, wie ich das tue – und zwar hauptsächlich in
Bildern. Doch das stimmt so nicht.
Wenn man manche Menschen nach dem Namen
einer Person fragt, haben sie das Gesicht der Person im Kopf, andere
deren Stimme, und wieder andere den ausgeschriebenen Namen als Text.
Manche brauchen bei einer Wegbeschreibung eine Karte vor sich, andere
kommen super mit verbalen Beschreibungen zurecht. Wie kann das alles so
unterschiedlich sein?
Was es damit alles auf sich hat, schauen wir uns in diesem Blogbeitrag an!
Die visuellen Denker
Wenn du bei dem Test ein Bild eines Apfels gesehen hast, dann bist du vermutlich eher ein visueller Denker.
Ca. 50 – 90 % der Menschen weltweit sind
visuelle Denker, sie denken also in mentalen Bildern [1]. Werden sie
nach einer Person gefragt, erscheint das Gesicht im Kopf, handelt die
Frage von einer Wegbeschreibung, dann taucht auf einmal eine Stadtkarte
mit Straßen vor ihrem Inneren Auge auf.
Wie detailreich ein Bild vorgestellt wird ist von Person zu Person unterschiedlich und es gibt diverse Abstufungen. Wie in Abbildung 4
zu sehen ist, kann man sich einen Apfel von sehr detaillreich bis sehr
simpel erdenken. Auch die Szenerie, wo der Apfel liegt (schwebt er,
liegt er auf einem Tisch?), ob man ihn von mehreren Perspektiven aus
sehen kann, oder ob sich das Bild wie in einem Film bewegt und die
Kamera um ihn herumfährt, ist bei jedem Menschen unterschiedlich.
Abbildung 4: Unterschiede im visuellen Denken
Visuelle Denker kennen oft das Problem,
Konzepte und Sachverhalte, die ihnen verbal erklärt werden, schwerer zu
verstehen als Bilder. Oft hilft es ihnen daher, das Konzept
aufzuzeichnen, eine Mind-Map zu erstellen oder Ideen auf Papier zu
bringen. Diagramme, Bilder, Videos oder Demonstrationen helfen Ihnen oft
beim Verstehen und Erinnern von Informationen. Umgekehrt verwenden
visuelle Denker selbst auch gerne Bilder und Grafiken, um Dinge
verständlich zu machen.
Visuelle Denker sollen durch Ihre Neigung zu bildlichen Präsentationen ein besonders gutes Vorstellungsvermögen und ein gutes visuelles Gedächtnis
haben, zum Beispiel, mentale Objekte drehen zu können. Auch Navigation,
wo man sich bildlich Wege merken muss, oder Geometrie fällt ihnen eher
leicht, zb. Dinge mental zu drehen und zusammenzufügen.
Hyperfantasie
Während die meisten Menschen eine
„typische“ visuelle Vorstellungskraft haben [2], gibt es zwei Extreme an
je einem Ende des Spektrums, wobei die Hyperfantasie das erste Extrem präsentiert.
Sie sehen den Apfel vor ihrem inneren Auge
ganz genau: Die rot-grüne Farbe, Kondenswasser an der Oberfläche, die
kleine Delle oben rechts, und das kleine Blatt, welches noch am leicht
gekrümmten Stängel hängt. Dazu müssen sich oft nicht mal iher Augen
schließen.
Ein anderes Beispiel: Stell dir einmal
deine beste Freundin vor: Wie siehst du sie vor deinem inneren Auge? Du
kannst sie bestimmt erkennen, aber vermutlich ist das Bild leicht
unscharf und nicht jedes Detail erkennbar, vielleicht sogar
unvollständig. Doch Menschen mit Hyperfantasie würden die Person fast
fotografisch deutlich vor sich sehen. Sie haben eine
überdurchschnittlich klare und detailreiche bildliche Vorstellung.
Nach aktuellem Forschungsstand haben ca. 3
– 6 % der Menschen Hyperfantasie [3]. Die Vorstellungskraft kann so
ausgeprägt sein, dass Menschen mit Hyperfantasie oft nicht mehr wissen,
ob die Bilder in ihrem Kopf real waren oder nur ausgedacht. Es ist fast
so, als würden sie sich nicht nur visuell etwas vorstellen, sondern
tatsächlich mit allen Sinnen erleben!
Jedoch kann auch Hyperfantasie mit
Schwierigkeiten einhergehen. Für Menschen mit stark bildhaftem Denken
fühlen sich Szenen oft beinahe real an, was bei schönen Erinnerungen
oder Geschichten schön sein kann. Jedoch können sich drastische
Beschreibungen von Unfällen oder Gewalt auch unangenehm tief einprägen
und emotional belastend werden, da sie keine gute Kontrolle über die
Entstehung der mentalen Bilder haben.
Afantasie
Im Gegensatz zu Hyperfantasie beschreibt Afantasie
(„Nicht-Vorstellung“), dass man sich kaum oder keine Bilder gedanklich
vorstellen kann und bildet somit das andere Ende des Spektrums ab (Abbildung 7, Darstellung 5). Dies haben ca. 1 – 5 % der Menschen [4], [5] und nach Zahlen von 2023 ca. 1,6 Millionen Deutsche.
Abbildung 7: Afantasie (Darstellung 5)
Wenn Menschen mit Afantasie gefragt
werden, sich einen Apfel vorzustellen, können sie kein Bild erzeugen –
genauso ist es auch, wenn man sie nach anderen Gegenständen oder z.B.
auch Gesichtern fragt. Kein Bild kommt in den Sinn. Stattdessen denken
sie bei einem Apfel eher an den Geschmack, die glatte Oberfläche oder
auch den Geruch, und bei Gesichtern kommt vielleicht die Stimme der
Person oder was wohl-warme Gefühl auf, welches man mit der Person
verbindet.
Die Ursachen für Afantasie sind noch
unklar, aber man weiß, dass bei mentalen Vorstellungen die visuellen
Areale im Gehirn sowie der Frontalkortex beteiligt sind
[7], deren Verbindung bei Menschen mit Afantasie schwächer zu sein
scheint [8]. Afantasie ist keinesfalls als Krankheit zu verstehen,
sondern einfach als kognitive Eigenschaft und hat normalerweise für den
Alltag keine Konsequenzen [4]. Oft fällt Leuten sogar erst im
Erwachsenenalter auf, dass sie Afantasie haben. Statt innerer Bilder
greifen sie bei Fragen meist auf Faktenwissen zurück
und können sie deshalb trotzdem ganz normal beantworten. [6]. Übrigens
können Menschen mit Afantasie trotzdem bildlich träumen, da die
bildlichen Prozesse beim Träumen anders gesteuert werden als im
Wachzustand [6].
Die verbalen Denker
Kommen wir nun von Bildern zu Text.
Ungefähr 25 % aller Menschen denken nicht
in Bildern, sondern hauptsächlich in Worten und Sätzen, die in ihrem
Kopf von einer Stimme gesprochen werden [9]. Manche Menschen denken in
einzelnen Worten, andere in ganzen Sätzen, und wiederum andere bewegen
sich irgendwo dazwischen.
In unserem Beispiel mit der Aufgabe an
einen Apfel zu denken, würden eher verbal orientierte Menschen
vermutlich nicht an ein Bild, sondern an das Wort „Apfel“ denken. Das
Wort kann dabei von der Stimme gesprochen werden, oder man hat eher das
Gefühl, im Kopf leise das Wort zu lesen. Oft tauchen auch sprachliche
Assoziationen auf, z.B. „Ein Apfel ist rund“, “Obst” oder „rot“.
Bei ca. 30 – 50 % der Menschen ist die Stimme im Kopf ein innerer Monolog [10].
Diese Stimme kennen bestimmt viele von euch: Man geht gedanklich die
Einkaufsliste durch, spielt das anstehende Bewerbungsgespräch nach und
was für Fragen gestellt werden könnten, oder sagt zu sich selbst „gut
gemacht“, wenn man mit der anstrengenden Sporteinheit fertig ist. Die
innere Sprache kann jedoch auch die Form eines Kommentators
annehmen: Dabei denkt man also nicht in der “Ich-Perspektive”, sondern
in 3. Person, wobei die Stimme alles, was man tut, beschreibt und
kommentiert, als würde sie einen von außen beobachten.
Studien zeigen, dass die innere Stimme auch ein Dialog
sein kann, beispielsweise, wenn eine Entscheidung getroffen werden
muss. Diese struktuierte Anleitung kann besonders hilfreich bei
Selbstkontrolle und Problemlösen sein. Ca. 25 % der Menschen berichteten
übrigens, dass sogar noch weitere Stimmen in den inneren Dialogen
auftauchen [1], [11].
Verbale Denker besitzen die Fähigkeit,
Sprache im Kopf zu nutzen, um Gedanken effektiv zu sortieren und
Probleme zu lösen. Beim Lösen von schwierigen Aufgaben gehen verbale
Denker gerne Szenarien oder Listen durch, um zu guten Entscheidungen zu
kommen. Dies ist zum Beispiel von Vorteil, wenn man ein wichtiges
Gespräch vorbereiten will und dies im Kopf durchgeht. Somit sagt man
ihnen nach, generell ein gutes verbales Gedächtnis zu haben und auch Sprachen schnell
lernen zu können [11]. Auch bezüglich mentaler Gesundheit scheint die
innere Stimme wichtig zu sein. Studien zeigen, dass Menschen mit
depressiven Symptomen oft weniger inneren Monolog haben. Menschen mit
Angststörungen zeigen zudem eine besonders negativ eingestellte innere
Stimme.
Auf der anderen Seite tendieren verbale Denker oft zum übermäßigen Grübeln und
können gerne mal in Gedankenschleifen festhängen [11]. Was die
verschiedenen Arten von inneren Monologen nun über die Gehirne und die
Menschen an sich aussagen, da steht die Forschung leider noch vor einem
Rätsel.
Anendophasie
Ebenfalls entgegen meiner persönlichen
Vorstellung, war ich sehr überrascht zu lernen, dass manche Menschen
keine innere Stimme im Kopf haben. Dies nennt man Anendophasie („an“ =
ohne, „endo“ = innerlich, „phasie“ = Sprache, Stimme). Menschen mit
Anendophasie fehlt weitgehend oder sogar komplett eine innere Stimme,
daher denken sie eher visuell, gefühlsorientiert oder durch
Faktenwissen. Schätzungen zufolge sind etwa 5–10 % der Bevölkerung
betroffen [12].
In den letzten Jahren hat die Forschung
erst begonnen, sich mit Anendophasie auseinanderzusetzen. Bislang weiß
man, dass Menschen mit Anendophasie Schwierigkeiten beim Erkennen von
Reimen haben können, und auch beim Merken und Erkennen von Wörtern tun
sie sich manchmal schwer. Ansonsten ist die Eigenschaft aber nur wenig
alltagseinschränkend und zählt laut Kognitionsforschung als eine Art der
kognitiven Organisation und nicht als Defizit.
Entweder, oder?
Aber ist man jetzt entweder visueller oder verbaler Denker?
Fernab von visuellen und verbalen Denkern
gibt es noch verschiedenste andere Denkmuster, die wir teilweise auch
alle miteinander kombinieren. Manche Menschen denken weniger in Bild und
Text, sondern in emotionalen körperlichen Reaktionen wie Gefühlen.
Ca. 20 Prozent der Menschen erfahren solche emotionalen Gedanken [1].
Wenn beispielsweise vor einer wichtigen Präsentation der Laptop kaputt
geht, sind die Gedanken im Kopf geflutet mit Panik und Stress, bevor
später die innere Stimme einsetzt und versucht zu analysieren, wie es
dazu kam. Beim Denken an einen Apfel könnte der leckere Geschmack des
Apfels in den Sinn kommen, oder die Textur, wenn man in ihn hineinbeißt.
Trotzdem scheinen die meisten von uns eine
vorherrschende Denkweise zu haben [13], schlussendlich haben wir aber
oft ein bisschen von allem: Viele können sich sowohl bildlich einen
Apfel vorstellen und zugleich eine innere Stimme haben, die den Apfel
beschreibt.
Die Systeme von visuellem und verbalem
Denken sind relativ unabhängig voneinander, dies bedeutet, dass man
nicht automatisch gut im visuellen Vorstellen ist, wenn man eher weniger
verbale Denkmuster hat [11]. Am Ende ist unser Gehirn meistens sehr gut
darin, die verschiedenen Denkmuster zu verbinden und je nach Situation
das Effektivste abzurufen!
Falls euch weiterhin interessiert, ob eigentlich die Künstliche Intelligenz denken kann, dann schaut gerne hier vorbei: KI - die Illusion des Denkens.
Fazit
Die verschiedenen Typen von Denkern
zeigen, wie unterschiedlich Menschen in ihrem Innersten klingen und wie
sie mit Informationen umgehen. Es gibt nicht die eine Weise, die am
besten ist. Es kommt darauf an, wie man am besten mit seinen eigenen
Denkmustern umgeht und in welcher Situation welcher Denktyp am ehesten
passt.
Zu verstehen, welche Denkmuster am ehesten
auf einen zutreffen, ist nicht nur einfach eine lustige Selbstanalyse.
Es kann praktische Anwendung finden, zum Beispiel, um seine
Lernmethoden, Probemlöse-Fähigkeiten und Kommunikation zu Mitmenschen zu
verbessern. Die verschiedenen Arten, zu denken, sind weder eine
Superpower, noch ein Handicap – es sind einfach Tendenzen zu denken auf
einem großen Spektrum, mit ihren persönlichen Vor- und Nachteilen, und
die meisten befinden sich irgendwo in der Mitte.
Also: Apfel ist nicht gleich Apfel, und
genau so unterschiedlich, wie wir Menschen denken, so unterschiedlich
sind wir auch als Personen!
Quellen
[1] SciShow, Why Some People Don’t Have an Inner Monologue, (Jul. 22, 2020). Accessed: May 07, 2026. [Online Video]. Available: https://www.youtube.com/watch?v=DRLkDafQbP8
[2] D. Wright et al., ‘An international estimate of the prevalence of differing visual imagery abilities’, Front. Psychol., vol. 15, pp. 1–12, Oct. 2024, doi: 10.3389/fpsyg.2024.1454107.
[3] A. Network, ‘Hyperphantasia:
When Your Mind’s Eye Is Extraordinarily Vivid’, Aphantasia Network.
Accessed: May 11, 2026. [Online]. Available:
https://aphantasia.com/what-is-hyperphantasia
[4] A. Zeman et al., ‘Phantasia–The psychological significance of lifelong visual imagery vividness extremes’, Cortex, vol. 130, pp. 426–440, Sep. 2020, doi: 10.1016/j.cortex.2020.04.003.
[5] C. J. Dance, A. Ipser, and J. Simner, ‘The prevalence of aphantasia (imagery weakness) in the general population’, Conscious. Cogn., vol. 97, p. 103243, Jan. 2022, doi: 10.1016/j.concog.2021.103243.
[6] L. Maddox, ‘Aphantasia: what
it’s like to live with no mind’s eye’, BBC Science Focus Magazine.
Accessed: May 11, 2026. [Online]. Available:
https://www.sciencefocus.com/the-human-body/aphantasia-life-with-no-minds-eye
[7] J. Pearson, ‘The human imagination: the cognitive neuroscience of visual mental imagery’, Nat. Rev. Neurosci., vol. 20, no. 10, pp. 624–634, Oct. 2019, doi: 10.1038/s41583-019-0202-9.
[8] J. Liu et al., ‘Visual mental imagery in typical imagers and in aphantasia: A millimeter-scale 7-T fMRI study’, Cortex J. Devoted Study Nerv. Syst. Behav., vol. 185, pp. 113–132, Apr. 2025, doi: 10.1016/j.cortex.2025.01.013.
[9] Voided Thoughts, How Different Are Our Inner Monologues?, (Dec. 13, 2025). Accessed: May 24, 2026. [Online Video]. Available: https://www.youtube.com/watch?v=_pZDgL6QMN0
[10] K. Killian, ‘How Inner
Monologues Work, and Who Has Them | Psychology Today’. Accessed: May 12,
2026. [Online]. Available:
https://www.psychologytoday.com/us/blog/intersections/202304/inner-monologues-what-are-they-and-whos-having-them
[11] B. Alderson-Day and C.
Fernyhough, ‘Inner Speech: Development, Cognitive Functions,
Phenomenology, and Neurobiology’, Psychol. Bull., vol. 141, no. 5, pp. 931–965, Sep. 2015, doi: 10.1037/bul0000021.
[13] dmerven, ‘Was ist visuelles
Denken? Und warum ist es nützlich? | MindManager Blog’, MindManager Blog
DE. Accessed: May 07, 2026. [Online]. Available:
https://blog.mindmanager.com/de/was-ist-visuelles-denken-und-warum-ist-es-nutzlich/
Nota. - Anschauung und Vorstellung.
Die lebendige Anschauung möge vollständig sein: ein Ganzes Bild sowohl als alle seine Details. Doch davon ist in Obigem gar nicht die Rede - sondern von dem aus der Erinnerung replizierte Abbild. Das ist nicht mehr Anschauung, sondern schon Vorstellung; ein Bild, in dem das Wesentliche von dem zufällig-Nebensächlichen bereits geschieden wurde. Das ist das Produkt einer Reflexion, die das als wesent-lich für-'wahr'-Genommene bestimmt hat.
Nicht jede Vorstellung ist ein erinnertes Nachbild. Die Einbildungskraft schafft, wenn man sie lässt, Bilder, die nicht reproduziert, sondern frei entworfen wurden. Die sind das eo ipso Wesentliche. Das Urteil, was wesentlich ist, ist a priori gefallen; alles zufällig-Nebensächliche müsste erst noch hinzugefügt werden; bei dem erin-nerten Bild muss das Urteil erst nachträglich eingetragen werden.
In beiden Fällen hat das Denken i. e. S. schon stattgefunden. So erst konnten 'visu-elle' von 'verbalen' Denkern unterschieden werden: nicht nach Mehr oder Weniger, sondern danach, an welchem Punkt die Reflexion in den Wahrnehmungsakt hin-eingetreten ist. JE
US-Lehrerin wirft Technik raus, und die Schüler können auf einmal besser lesen
Der "No Tech"-Versuch an einer Highschool in Minnesota zeigt Ergebnisse, die an das Handy-Experiment in Österreich erinnern
von Georg Pichler
"Ich war frustriert. Ständig musste ich gegen Plagiarismus kämpfen,
gegen die Handys und die Computer." Das berichtet Maureen Mulvaney,
Lehrerin an der Washburn High School in Minneapolis im US-Bundesstaat
Minnesota. Statt sich auf den Literatur- und Englischunterricht zu
konzentrieren, spielten ihre Schülerinnen und Schüler auf ihren Geräten
Videospiele, klickten sich durch Onlineshops oder waren auf sozialen
Netzwerken unterwegs.
Gegen diese Entwicklung ergriff die
Pädagogin schließlich zu Jahresanfang drastische Maßnahmen. Ihre zweite
Klasse (10. Schulstufe) musste sich umgewöhnen. Zu Stundenbeginn wurden
alle Handys abgegeben. Und auch die von der Schule gestellten
Chromebooks blieben in den Taschen. "Back to the basics", lautete das
Prinzip. Stift und Papier statt Bildschirm und Tastatur für eine
Unterrichtseinheit pro Tag. Die Regelung endete im Februar, weil manche
Kinder sich für einen Online-Test vorbereiten mussten. Viele von ihnen
hätten das "No Tech"-Prinzip gerne bis zum Ende des Schuljahrs
beibehalten.
Von den Eltern wurde die Initiative von Anfang an begeistert
unterstützt. Der Versuch startete sanft. Zunächst ließ die Lehrerin ihre
Klasse zehn Minuten still lesen und schreiben. Diese Zeit wurde immer
stärker ausgeweitet. Letztlich mussten auch Hausübungen und Arbeiten in
der Stunde von Hand geschrieben werden. Zu Beginn zeigten sich viele
schon davon überfordert davon, eine halbe Seite Text händisch zu
schreiben. Im Februar schafften alle zwei Seiten oder mehr. Manche
füllten gar fünf bis sechs Seiten in einer Stunde.
Viel positives Feedback von den Schülern
"Es
hat viel Spaß gemacht. Ich habe es genossen, ohne Technologie zu
arbeiten, und ich glaube, dass wir alle uns etwas verbundener gefühlt
haben", sagt eine Schülerin dem Lokalsender Kare 11. Eine Umfrage unter
den Lernenden ergab, dass mehr als 95 Prozent von ihnen den Versuch als
erfolgreich einstuften. Knapp 80 Prozent empfanden, dass es für sie
einfacher war, ihre Gedanken auf Papier zu verfassen und zu ordnen, als
auf einem Bildschirm. "Man ist einfach fokussiert. "Das Einzige, was vor
einem liegt, ist das Blatt Papier", beschreibt ein Schüler seine
positive Erfahrung. Er ist nicht der Einzige, der erklärt, dass das
Fehlen von Ablenkungsmöglichkeiten, die der Zugriff auf Handy und
Notebook mit sich bringt, einen gewichtigen Unterschied machen.
Das sind nicht die einzigen positiven Entwicklungen, die man
beobachten konnte. Im vergangenen September gaben nur 46 Prozent der
Schülerinnen und Schüler an, ihren eigenen Fähigkeiten beim Lesen von
Texten zu vertrauen. Nach der Tech-freien Zeit lag dieser Anteil bei 96
Prozent, berichtet Mulvaney in einem Gastartikel für den Minnesota Star Tribune. 83 Prozent der Teilnehmenden schilderten am Ende, auf einmal mehr Kontakt zu anderen in der Klasse gepflegt zu haben.
Back to the basics
Das Klassenzimmer
wurde "friedlicher", und statt Maßregelung bei Verstößen betreiben zu
müssen, konnte die Lehrerin sich auf die Unterstützung ihrer Schützlinge
konzentrieren. Das Lernen habe ihnen wieder mehr Spaß gemacht, so
Mulvaney. Dass sich mit dem Tech-Entzug auch das soziale Gefüge
verbessern würde, sei eine positive Überraschung für sie gewesen.
Wenngleich es ein zeitlich begrenztes Experiment mit nur einer Klasse
war, "verdienen diese Ergebnisse Aufmerksamkeit", so Mulvaney. "Kinder
wollen sich miteinander vernetzen. Sie wollen gehört werden. Sie wollen
gefordert werden und nachdenken. Meine Kinder sagten uns, dass Computer
ihrer Konzentration im Weg sind, den Druck durch Aufgaben erhöhen,
Abkürzungen wie KI begünstigen und soziale Verbundenheit erschweren."
Ihrer Meinung nach müsse man in Erwägung ziehen, Computer aus dem
"Klassenzimmer der Zukunft" zu entfernen. Es sei nötig, wieder zu den
Mitteln zu greifen, die nachweislich funktionierten.
Ähnliche Ergebnisse wie im Handy-Experiment
Die Erfahrungen wecken Erinnerungen an das Handy-Experiment,
das vergangenes Jahr am Konrad-Lorenz-Gymnasium im
niederösterreichischen Gänserndorf seinen Anfang nahm und heuer an
Schulen in mehreren Ländern wiederholt wurde. Bei diesem wurde der
Entzug von Handy und Social Media aber noch umfangreicher betrieben –
nämlich sowohl in der Schule als auch privat. Die Ergebnisse für 2025
zeigten unter anderem deutliche Verbesserungen des mentalen Zustands der
jungen Probandinnen und Probanden, die im Nachhinein auch mit großer
Mehrheit positiv über ihre Erfahrungen berichteten.
An der Neuauflage des Versuchs nahmen 72.000 Kinder und Jugendliche
an Schulen in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol teil.
Sie versuchten im März drei Wochen lang den Smartphone-Entzug. Die
Auswertung von rund 46.000 Fragebögen ergab ein ähnliches Bild wie schon
im Vorjahr. Depressive Symptome verminderten sich ebenso wie Schlafprobleme,
das psychische Wohlbefinden stieg deutlich an. Einsamkeitsgefühle
wurden durch die Entkopplung von Snapchat und Co nicht verstärkt. Je
länger der Versuch dauerte, desto größer war die Akzeptanz. Die meisten
Abbrüche verzeichnete man am ersten Tag. Letztlich hielten zwei Drittel
aller Teilnehmenden bis zum Ende durch, berichtete der ORF, der das Experiment gemeinsam mit dem Anton-Proksch-Institut begleitet hatte.
Für die durch den Handyentzug frei gewordene Zeit fanden viele der
Jugendlichen neue Beschäftigungen – von Buchclubs bis zu freiwilligem
Engagement in einem Pflegeheim. Zwei Drittel der Schülerinnen und
Schüler sprachen sich am Ende für Einschränkungen der
Social-Media-Nutzung für Kinder und Jugendliche aus.
Nota. - Ich kann es gar nicht glauben: Durften sie zuvor während des Unterrichts wirklich mit ihren Smartphones daddeln? Das ist heller Irrsinn. JE
Nicht
wahr, lieber Leser: Dass allein in Deutschland und im benachbarten
Öster-reich die Kinder nur vormittags zur Schule gehen und am Nachmittag
frei haben – das hielten auch Sie für einen Beweis teutonischer
Hinterwäldlerei? Ein Relikt aus dem Mittelalter!
Tatsächlich
aber war der schulfreie Nachmittag bei uns die allererste
Errungen-schaft deutscher Reformpädagogik, und zwar in… Preußen, wo die
allgemeine Schulpflichtdas Licht der Welt erblickt hat. Hier ein unverdächtiger, ganz unbestechlicher Zeuge:
“In
Berlin ist infolge der großen Hitze letzten Sommer in mehreren
höheren Schulen der Nachmittagunterricht ganz aufgehoben und die
Morgenschulstunden um eine verlängert [worden].
Die Folgen waren ganz unerwartet, die Jungen kamen enorm rasch voran,
und die Sache soll jetzt auf größerem Maßstab versucht wer-den.”
Friedrich Engels an Karl Marx, Manchester, den 14. Oktober 1868 in: Marx-Engels-Werke, Bd. 32, S. 183f. ___________
zuLevana, oder Erziehlehre,zuöffentliche Angelegenheiten aus derStandard.at, 12.6.2026Einer neuen Studie zufolge beeinfusst ein niedriger
sozioökonomischer Status das Gehirn von Kindern stärker als
Erziehungsstil, Krankengeschichte und IQ.
Klasse und Kopf
Neurologe: "Sozial benachteiligte Kinder haben ein müdes, gestresstes Gehirn"
Niedriger
sozioökonomischer Status wirkt sich über Schlaf und Stress auf die
Gehirne von Kindern aus – und hat einen größeren Einfluss als der IQ,
wie eine Studie zeigt
von Julia Sica
Wie werden wir, wer wir sind? Wie viel ist angeboren, wie groß ist
der Einfluss unserer Lebensumstände? Seit mehr als einem Jahrhundert
wird die Frage debattiert, Faktoren werden abgewogen – und teils mit
bildungspolitischen Empfehlungen versehen. Eine aktuelle Studie liefert
neuen Input und deutet darauf hin, dass vor allem die soziale und
wirtschaftliche Lebenssituation bisher unterschätzt wurde. Sie dürfte
sich vor allem über zwei Einflussfaktoren auf die Gehirne von Kindern
auswirken: Schlaf und Stress.
Dafür wurde eine immense Zahl an Einflussfaktoren vom Forschungsteam
der Washington University School of Medicine in St. Louis (USA)
einbezogen. Fast 650 biologische, psychologische, soziale und
Umweltfaktoren berücksichtigten sie bei ihrer Analyse der Hirnscans von
rund 12.000 Kindern im Alter von neun und zehn Jahren. Wie die Fachleute
im Wissenschaftsjournal Science berichten, deuten die
Ergebnisse darauf hin, dass Armut und mangelnde soziale Chancen
tiefgreifende Spuren in der Hirnstruktur und Hirnfunktionen
hinterlassen.
Dies sei zum ersten Mal in dieser Größenordnung gezeigt worden, sagt
Studienleiter Nico Dosenbach. Als Hirnparameter wurden die Dicke der
Hirnrinde sowie die Stärke von Nervenverbindungen zwischen zentralen
funktionalen Netzwerken erhoben, anhand von MRT-Aufnahmen der Kinder.
Mittels komplexer statistischer Verfahren wurden die unterschiedlichsten
Faktoren – Familieneinkommen, Gesundheit, Erziehung, Bildschirmzeit,
Persönlichkeit und kognitive Fähigkeiten – mit Struktur und Funktion des
Gehirns in Zusammenhang gesetzt.
Nicht weniger intelligent
Das
Ergebnis wies deutlich darauf hin, dass sozioökonomische
Hintergrundfaktoren eines Kindes die stärksten Zusammenhänge mit
Hirnstruktur und -funktion erkennen lassen. Zudem reagieren jene Teile
des Gehirns, die mit diesen Faktoren in Verbindung standen, besonders
empfindlich auf Schlaf und Stress. Dies deutet dem US-amerikanischen
Forschungsteam mit Beteiligung von Michael J. Shanahan von der
Universität Zürich zufolge darauf hin, dass sozioökonomische
Benachteiligung das Gehirn indirekt durch Schlafstörungen und
chronischen Stress beeinflussen kann.
"Das Gehirn eines sozial benachteiligten Kindes sieht aus wie das
eines privilegierten Kindes mit Schlafmangel und Stress", sagt Neurologe
Dosenbach. "Es ist kein weniger intelligentes Gehirn, sondern offenbar
ein müdes und gestresstes Gehirn."
Motorik und Sinne
Von den 40 Variablen
mit dem stärksten Zusammenhang zur Hirnfunktion waren 37
sozioökonomischer Natur. Bei der Hirnstruktur traf dies auf 35 der 40
wichtigsten Variablen zu. Besonders relevant waren Faktoren wie das
Einkommen und Wohneigentum der Familie, Armutsquoten in der
Nachbarschaft, Verkehrsanbindung und die allgemeinen Entwicklungschancen
eines Wohngebiets.
Bei den für solche Faktoren anfälligen Hirnbereichen handelte es sich
um Regionen, die Motorik und Sinneswahrnehmung betreffen. Weniger stark
war der Zusammenhang in Regionen, die mit Kognition und Problemlösung
assoziiert werden. Daraus ergibt sich eine wichtige Konsequenz:
Unterschiede, die bislang möglicherweise als Ausdruck unterschiedlicher
kognitiver oder intellektueller Fähigkeiten interpretiert wurden,
könnten in Wirklichkeit Folgen von Erschöpfung, Schlafdefiziten und
dauerhafter Belastung sein.
Auch der
Intelligenzquotient wurde in der Analyse berücksichtigt, die eine
Debatte zur Frage anstößt, was der IQ wirklich aussagt. Viele frühere
Studien hatten Zusammenhänge zwischen IQ-Werten und bestimmten
Hirnmerkmalen beschrieben, und das Forschungsteam prüfte, was passiert,
wenn der Einfluss des sozioökonomischen Status statistisch
herausgerechnet wird. So verschwanden etwa 70 Prozent der zuvor
beobachteten Zusammenhänge zwischen IQ und Hirnmerkmalen – bei diesem
Anteil verschwanden die statistisch signifikanten Unterschiede.
Trotz der ernüchternden Ergebnisse betonen Fachleute, dass man Schlafqualität verbessern und Stress vermindern könne.
Als die Forschenden nur Kinder aus sozioökonomisch privilegierten
Verhältnissen untersuchten, stellten sie außerdem fest, dass IQ und
Hirnstruktur sowie -funktion keine Korrelation aufwiesen. "Wenn wir
Gehirnscans von Kindern betrachten, können wir erkennen, wie wohlhabend
ihre Familie ist und wie viel Schlaf oder Bildschirmzeit sie haben",
schließt Erstautor Scott Marek daraus. "Aber wir können ihren IQ nicht
erkennen – zumindest nicht, wenn wir sozioökonomische Möglichkeiten
berücksichtigen."
Für Marek ergibt sich daraus die Schlussfolgerung, dass IQ nicht in
der Neurobiologie verankert ist: "Die Umwelt prägt das Gehirn von
Kindern auf eine Weise, die als Ausdruck des IQ fehlinterpretiert wurde,
obwohl es sich in Wirklichkeit nur um Auswirkungen von Stress und
Schlafmangel handelt." Viele vermeintliche "Intelligenzsignaturen" im
Gehirn sind also möglicherweise in Wahrheit Signaturen sozialer
Ungleichheit.
Auch durch Parameter wie Geschlecht oder genetische Herkunft ließen
sich die Befunde nicht erklären. Die Wiederholung des Experiments mit
Daten, die nicht aus den USA, sondern von der britischen Biobank
stammten, brachte ähnliche Resultate.
Kein Schicksal
In einem Begleitartikel
heben die Neurowissenschafterin Lucinda Sisk und ihr Kollege Theodore
Satterthwaite von der University of Pennsylvania hervor, dass die Studie
ihre konsistenten Ergebnisse aus einer besonders großen Datenmenge
hervorgebracht habe. Unklar bleibe, wann sich die Zusammenhänge
ausprägen würden und wann positive Umwelteinflüsse den größten Nutzen
haben.
Sie warnen auch vor fatalistischen Schlussfolgerungen:
"Sozioökonomische Voraussetzungen sind kein Schicksal", halten Sisk und
Satterthwaite fest. Wichtige politische Konsequenzen aus den Ergebnissen
sei eine frühe gesellschaftliche Unterstützung von Familien,
insbesondere was Maßnahmen gegen chronischen Stress und für besseren
Schlaf angeht.
Auch die Studienautoren Marek und Dosenbach sehen das Gute an ihren
Ergebnissen: Die Faktoren Schlaf und Stress seien von außen
beeinflussbar, so könne man die Gehirngesundheit von Kindern verbessern.
"Wenn wir einen Weg finden, den Schlaf zu verbessern und den Stress für
Kinder aus Haushalten mit begrenzteren sozioökonomischen Möglichkeiten
zu reduzieren, können wir vielleicht die mit dieser Benachteiligung
verknüpften Unterschiede im Gehirn verringern", sagt Dosenbach. (sic.)
... am besten wäre, wenn die Weisesten bestimmten. Doch wer bestimmt, wer die Weisesten sind; und gar, was Weisheit ist? Natürlich nur die, die weise sind - und die Katze bisse sich in den Schwanz.
Man kann es unmöglich vorab wissen. Sondern erst, nachdem man sie alle eine ge-wisse Zeit hat handeln sehen. Es würde sich zeigen, wer dem Gemeinwesen nütz-lich war und wer nicht (was man um des lieben Friedens willen als weise ansehen mag).
Alle müssen es auch gar nicht sein, das könnte Jahrzehnte dauern. Es reicht, wenn nur die erprobt werden, die es sich zutrauen - es wird sich erweisen, dass auch das noch zu viele sind.
Was die Weisheit anbelangt, wurde bereits herabgestimmt: Erstens, was dem Ge-meinwesen nützt. Und zweitens, wer darüber urteilt. Und drittens - was der Prag-matik höchste Weihe ist -: über einen vorgegebenen Zeitraum.
Damit wäre der pompöse Eingangssatz auf ein alltägliches Maß beschieden. Und das kann jeder, der dem Geimeinwesen angehört, mehr oder weniger selbst beurtei-len.
Mehr oder weniger?!
Welches die Maßstäbe sind und was die Maßstäbler taugen, kann wiederum nicht vorab bestimmt werden, sondern erst nach gemachter Erfahrung. Die ist diskutabel wie alles, was in Raum und Zeit geschieht. Davon gibt es kein Entkommen. Man muss sich mit dem bescheiden, was in der Wirklichkeit machbar ist.
Nota.Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden.
Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.JE