
Und hält besser.
Auch er ein Opfer?
zu Geschmackssachen Sätze sind umso wahrer, je näher sie der Tautologie stehen.
Umso weniger Gehalt haben sie auch.
*
Die Grenzen meiner Sprache seien die Grenzen meiner Welt, sagte einer. Aber das ist ein Fehler der Sprache und nicht der Welt. Der einzig völlig wahre Satz ist die Tautologie, doch gottlob besteht mein leben nicht aus sprechen, denn Sätze muss ich nur sagen, um sie an einen andern zu richten. Nur dann müssten sie übrigens wahr sein. Mit mir selbst kann ich reden, muss es aber nicht; muss ich auch nicht wahr reden, und Tautologien muss ich mir schon gar nicht sagen.
Aber wenn ich wahr reden will, müsste ich es zuerst wohl zu mir selber: um zu hören, wie es klingt und ob ich es so lassen kann oder neu versuchen muss. Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
nichtmal jeder Dupont ist Franzose. zu öffentliche Angelegenheiten ...namens Dupont, Deschamps oder Dupuis?
Wer den chauvinistischen Dünkel des Standardfranzosen kennt, kann dem früheren spanischen Ministerpräsidenten nur Beifall zollen.
"Was denn, was denn - Rassisten? Wir doch nicht!"
hier stehe ich, ich kann nicht anders.Er hat sich entschieden, dass ihm sein Privates wichtiger ist, als sein Politisches. Endlich mal ein Politiker, dem es Ernst ist. Wenn es ihm denn mal ernst wäre. Warten wir's ab, und schleich di.
Es könnte aber auch sein, dass er meint, unter diesem Kanzler würde sowieso nichts mehr aus ihm. Und untertaucht, um bei günstiger Gelegenheit wieder hochzukommen.
aus derStandard.at, 8. 7. 2026 Bereits im ersten Lebenshalbjahr verarbeitet das kindliche Gehirn
musikalische Strukturen. Zu passenden Bewegungsmustern im Takt sind sie
aber erst später in der Lage. zu Geschmackssachen
Ab welchem Alter tanzen Menschen? Ein internationales Team unter Beteiligung der Universität Wien hat sich der Frage nun von zwei Seiten genähert. Das Ergebnis: Schon ab dem dritten Lebensmonat verarbeitet das Gehirn von Säuglingen Musik. Komplexere Bewegungen zum Gehörten stellen sich aber erst gegen Ende des ersten Lebensjahres ein.
Bisherige Untersuchungen hatten meist nur eine Seite betrachtet. "Es gibt schon viele Studien zu Säuglingen und Musik, die sich mit der auditiven Seite beschäftigt haben. Hingegen gibt es wenige, bei denen man sich die rhythmische Bewegung angeschaut hat", sagt die federführend beteiligte Entwicklungspsychologin Trinh Nguyen von der Universität Wien. Beides gleichzeitig zu messen, sei bisher gar nicht versucht worden.
Für die Studie spielte das Team 79 Säuglingen im Alter von drei, sechs und zwölf Monaten zwei Kinderlieder vor, "La Vaca Lola" und "Hopp Juliska". Währenddessen zeichnete es die Gehirnaktivität der Kinder mittels EEG auf und erfasste ihre Körperbewegungen über ein Video-Tracking-System. Als Kontrolle bekamen die Babys rhythmisch und melodisch durchmischte Fassungen der Lieder zu hören, außerdem Versionen mit gezielt veränderter Tonhöhe.
Die Hirndaten zeigten, dass schon die drei Monate alten Babys auf die strukturierte Musik mit stärkerer Gehirnaktivität reagierten als auf die durchmischten Tonfolgen. Die auditive Verarbeitung von Musik beginnt also sehr früh in der Entwicklung.
Der Körper hinkt dabei hinterher. Eine grundlegende Verbindung zwischen Musik und Bewegung ließ sich zwar in allen drei Altersgruppen nachweisen, und in allen regten höhere Töne die Babys stärker zum Zappeln an. Strukturierte, komplexere Bewegungsmuster traten jedoch erst bei den Zwölfmonatigen auf. Eine koordinierte Synchronisation mit dem Takt fand sich in keiner Altersgruppe.
"Die Bewegungen sind tatsächlich schon rhythmisch, und sie sind von der Musik informiert. Aber sie sind nicht wie bei Erwachsenen, die dann etwa im Takt wippen", sagt Nguyen. Das sich entwickelnde Gehirn lernt demnach allmählich, Gehörtes in Bewegung mit zunehmender Komplexität zu übersetzen.
Die Aussagekraft der im Fachjournal eLife präsentierten Resultate ist freilich an die Versuchsanordnung gebunden. Die Babys saßen dabei in einem Stuhl, ihre Bezugspersonen hinter ihnen. Unter anderen Bedingungen wären andere Ergebnisse denkbar, so die Forschenden.
Als Nächstes will das Team die musikalische Interaktion zwischen Eltern und Kindern in den Blick nehmen. "Ganz oft ist es ja so, dass man zusammen Musik macht oder vorsingt – in einem nächsten Schritt sind wir daran interessiert, wie sich die Gehirnaktivitäten dabei verhalten und ob sie sich vielleicht sogar synchronisieren", sagt Nguyen.
Für die Praxis lässt sich aus den Daten dennoch etwas ableiten. Musik ist für Babys früh mehr als Hintergrundrauschen. "Für Eltern, pädagogische Fachkräfte und die frühe Förderung bedeutet das, dass gemeinsames Singen, rhythmisches Wiegen und wiederholte musikalische Routinen bereits im ersten Lebensjahr wertvolle Erfahrungen sein können – auch dann, wenn Babys noch nicht sichtbar im Takt mitgehen", sagt Co-Studienleiterin Stefanie Höhl von der Uni Wien. (tberg, APA, 8.7.2026)
Nota. - Ich erlaube mir die Vermutung, dass nach dieser Untersuchung Musikalität nicht von Anfang an, also vegetativ, unserm Nervensystem eingeboren ist, sondern erst aus sensorischer Erfahrung aufgebaut wird: Gefühltes wird beurteilt. Das ist bereits ein intellektiver Akt.
Wenn sich das in anderen Versuchsanordnungen und auf andern ästhetischen Feldern bestätigen ließe, wäre es ein entscheidender wissenslogischer Gewinn.
JE
aus spektrum.de, 12. 7. 2026 zu Geschmackssachen
Dornauszieher: Das coolste Aua der Geschichte
Die
Menschen der Antike schmückten ihre Gärten mit Statuen. Gerne auch mit
Skulpturen von Hirtenjungen, die sich einen Dorn aus dem Fuß ziehen, so
wie der »Spinario« in Rom. Idyllischer konnte es kaum werden.
von Karin Schlott
Autsch!
Das hat weh getan. Der Junge hat sich einen Dorn in den Fuß getreten.
Nun sitzt er da auf einem Felsen, beugt sich über seinen linken Fuß, den
er sich – auf den rechten Oberschenkel gestützt – entgegenreckt. Mit
Zeigefinger und Daumen der anderen Hand versucht er, den Fremdkörper aus
der Sohle zu zupfen. Eine schmerzhafte Prozedur, die den Jungen
überraschend kaltlässt: Wer ihm ins Gesicht blickt, sieht ein
ebenmäßiges Antlitz mit einem leichten Lächeln – und extrem gut
frisierten Locken. Der Junge ist sogar derart gut frisiert, dass selbst
mit gesenktem Kopf keine einzige Strähne verrutscht. Als hielten große
Mengen Haarspray die feine Frisur in Form.
Der Junge, der nackt
auf einem Felsen hockt und seinen Fuß verarztet, ist eine Statue: eine
73 Zentimeter hohe Bronzeskulptur, die besser bekannt ist als
Dornauszieher oder Spinario. Sie steht heute in einem lichtdurchfluteten
Saal der Kapitolinischen Museen in Rom, wo sie sich, einmal abgesehen
von einer Unterbrechung unter Napoleon, seit dem Jahr 1471 befindet.
Damals hatte Papst Sixtus IV. die Figur dem neu eingerichteten
Antikenmuseum auf dem Kapitol geschenkt.
Öffentlich
zu sehen war sie aber schon davor: Reisende wie Magister Gregorius aus
England, der Rom im 13. Jahrhundert besuchte, betrachteten die Statue am
Lateranpalast. Ab wann sie dort aufgestellt war, ist unbekannt. Sicher
ist aber: Schon dereinst war sie viele Jahrhunderte alt.
Archäologen
gehen heute davon aus, dass ein Künstler die Skulptur im 1. Jahrhundert
v. Chr. in Bronze gegossen hat. Dabei kopierte er ein Motiv, das
bereits damals einige Generationen lang bekannt war. Aus der Antike hat
nämlich nicht nur ein einziger Dornauszieher überdauert, sondern gleich
mehrere. Spätestens im 2. Jahrhundert v. Chr. war das Motiv geläufig,
wie eine Tonfigur aus der Stadt Priene in Kleinasien bezeugt:
Dargestellt ist ein Hirte, der sich ganz so wie der Spinario in Rom
einen Fremdkörper aus der Fußsohle puhlt.
Dornauszieher | Die 73 Zentimeter hohe Skulptur zeigt einen Jungen, der
sich einen Dorn aus dem Fuß zieht. Vermutlich entstand die Statue im
1. Jahrhundert v. Chr., das Motiv geht aber auf ein älteres Vorbild
zurück.
Das harte Hirtenleben
Die
Idee vom Dornauszieher dürfte aber noch älter sein. So ließ der
griechische Dichter Theokrit in einem seiner launigen Gedichte aus dem
3. Jahrhundert v. Chr. zwei Hirten durchs Gestrüpp hasten. Sie wollten
Kälber einfangen – wobei sich einer der beiden einen Dorn eintritt, den
ihm der andere wieder aus dem Fuß zieht.
Ohne diese schriftliche
Überlieferung wäre im Fall des Spinario in Rom wohl nicht einmal klar,
dass der Junge einen Dorn entfernen will. Denn weder im Fuß der
Bronzestatue noch zwischen den Fingern steckt irgendetwas.
Die Szene in Theokrits Gedicht spielt in einem ländlichen Idyll, dem Hauptschauplatz der bukolischen Dichtkunst, als deren Schöpfer ebenjener Theokrit gilt. In der Zeit des Hellenismus, ungefähr ab 300 v. Chr., waren Gedichte, die das harte Hirtenleben in epischem Versmaß zelebrierten, in der griechischen Welt äußerst beliebt. Sie prägten eine ganze Epoche – so sehr, dass die Menschen nicht nur den Worten über eine rustikale Ländlichkeit lauschten, sondern auch ihre Gärten und Heiligtümer mit bukolischen Statuen bevölkerten.
Durch dieses
Idyll, über das in der Vorstellung der Griechen der Gott Dionysos
herrschte, sollten Mythenwesen wie Satyrn, Pane und Mänaden streifen.
Und dort tapsen auch sie in Dornen, die sie sich teils selbst
herausziehen, teils von ihren Kumpanen aus dem Fuß zupfen lassen.
Zum
Umfeld dieser dionysischen Figuren gehören Bilder, die Angehörige
niedriger Schichten wiedergeben: eine trunkene, verlebte Dame, ein
ausgemergelter Fischer oder eine betagte Marktfrau.
Die Menschen des Hellenismus fanden Gefallen an solchen Figuren,
die das Leben gesellschaftlicher Randgruppen in krassem Realismus
spiegelten und eine Gegenwelt zur gepflegten Stadtkultur zeigten, wie es der Archäologe Tonio Hölscher in seinen Schriften erklärt.
Mit solchen Gegenbildern vor Augen hätten sich die hellenistischen
Bürger ihrer eigenen Werte, ihres eigenen Wohlstands versichert. Und zu
diesen Skulpturen zählen auch die Dornauszieher.
Hellenistischer Hirte | Dicke Backen, krumme Beine – in den Augen
der Griechen war der junge Hirte, der einen Dorn aus seiner Fußsohle
entfernt, kein Hingucker, sondern eine lächerliche Gestalt. Filzhut und
Fellgewand geben ihn als Hirten zu erkennen. Eine Sache will dennoch so gar nicht
passen: die Frisur des Spinario, die wie betoniert am Kopf haftet. Die
Künstler des 1. Jahrhunderts v. Chr. waren sehr wohl in der Lage, ein
naturalistisches Bildnis zu schaffen, das dem Gesetz der Schwerkraft
gehorcht. Warum also hat man dem Dornauszieher diese spezielle
Haartracht verpasst? Fachleute sind überzeugt davon, den Grund für
diesen Widerspruch entlarvt zu haben. Es dürfte sich bei dem Spinario um
ein eklektisches Bild handeln.
Für ihre Auftraggeber schufen die
Bildhauer Skulpturen, die sie aus verschiedenen Kunstepochen
zusammenstückelten. Der Kopf des Dornausziehers in Rom ähnelt
stilistisch Darstellungen aus dem frühen 5. Jahrhundert v. Chr. Damals
gab es allerdings noch keine einzige Figur eines Dornausziehers. Ein
solches Motiv fand seine Abnehmer frühestens im Hellenismus und stieß
auch noch in römischer Zeit auf Liebhaber.
Gut möglich also, dass einst ein wohlhabender Römer den Spinario erworben hatte und in seinem Garten aufstellen ließ – als Teil eines ländlichen Idylls, in dem selbst vornehm frisierte Hirtenknaben in Dornen steigen.