
aus eurekalert.org, 30. 10 2025 zu Jochen Ebmeiers Realien
»Wir leben in einer Simulation«: Manche sagen diesen Satz nur so daher, wenn et-was Unerklärliches oder Ungewöhnliches geschieht. Andere hingegen meinen die Vermutung ziemlich ernst. Wenn man mal länger darüber nachdenkt: Warum sollte es nicht wirklich so sein? Vielleicht hat irgendein Computer mit seinem Algorith-mus unsere Welt geschaffen und wir können nicht darüber hinausblicken, weil wir in den Bits und Bytes gefangen sind. Mathematiker widersprechen dieser These nun und haben Belege dafür.
Die Simulationshypothese besagt, dass leistungsstarke Rechner eine detaillierte Welt simulieren können, in der digitale Wesen mit eigenem Bewusstsein existieren. Sie halten alles, was sie erleben, für echt. Wir Menschen könnten vielleicht Teil einer solchen Simulation sein, mit der Option, selbst Computer zu erschaffen, die eine weitere virtuelle Welt ins Leben rufen. Merken würde das niemand, der in dieser Kette sitzt.
Wissenschaftler der kanadischen University of British Columbia wollten es dabei nicht belassen. Sie interessierte es brennend, ob unsere Welt, unser Universum echt ist oder nicht. Sie fanden auf mathematischem Wege heraus, dass unsere Welt sich nicht per Computer simulieren lässt und deshalb echt sein muss. Der beteiligte For-scher Dr. Mir Faizal erklärt dazu: »Jede Simulation ist von Natur aus algorithmisch – sie muss programmierten Regeln folgen. Da die grundlegende Ebene der Realität jedoch auf nicht-algorithmischem Verständnis basiert, kann das Universum keine Simulation sein und wird es auch niemals sein.«
Dr. Faizal legt diese Erkenntnis genauer dar: »Wir haben gezeigt, dass es unmöglich ist, alle Aspekte der physikalischen Realität mithilfe einer rechnerischen Theorie der Quantengravitation zu beschreiben. Daher kann keine physikalisch vollständige und konsistente Theorie von allem allein aus Berechnungen abgeleitet werden. Vielmehr erfordert dies ein nicht-algorithmisches Verständnis.«
Vielleicht … vielleicht ist die Welt aber auch nur ein Traum, denn in Träumen ist alles möglich und Algorithmen spielen dort keine Rolle. Oder wir sind in einer »Truman Show« gefangen. Oder, das Wahrscheinlichste: Wir leben einfach in einer verrückten Wirklichkeit, die sich niemand, weder Computer noch Mensch oder Alien, jemals ausdenken kann.
Nota. - Ein Abbild ist die sinnfällige Wiedergabe der einen oder der andern An-sicht von einem Ding. Man kann so viele Einzelansichten anfertigen, wie theore-tisch möglich sind. Aber nur eine nach der andern. Alle zugleich würden aus der An- eine Ein sicht machen.
Das ist sinnfällig - mit unsern fünf Sinnen - nicht möglich. Eine Simulation wäre aber ebendas: ein vollständiges Replikat eines Dings von innen und außen; und wäre das Ding das ganze Universum. Es könnte nicht mit unsern Sinnen ange-schaut, sondern müsste von unserm Denken begriffen werden.
Das war die Absicht der rationalistischen Metaphysik des 17. und 18. Jahrhunderts: die ganze Welt aus Begriffen rekonstruieren. Einer solchen hatte Immanuel Kant angehangen, bis er sie in der Kritik der reinen Vernunft auf den Grund zerstört hat.
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Diese Weltbilder beruhten auf der Ideenlehre Platos - unabhängig davon, ob die jeweiligen Autoren von seiner Gesamtlehre ausgingen oder - wie Leibniz - von Aristoteles' Lehre von den Entelechieen; denn behauptet wurde ich jedem Fall ein An-sich im Unterschied von den Erscheinungen.
Ein wesentlicher Unterschied besteht allerdings bei der Vorstellung vom Verhältnis der Einzelnen zu ihrem Ursprung. Während bei Plato die Individuen nur mehr oder minder korrekte Nachbildungen ewiger Ideen waren, sind die Entelechieen Indivi-duen, die ihre Bestimmung von Anbeginn in sich hatten und ihrer Verwirklichung zustreben.
Zu einem kriegerischen Gegensatz wurde der Unterschied im Universalienstreit der Scholastiker. Er ging zunächst nur darum, ob den Allgemeinbegriffen eine eigene Realität zukäme neben, d.h. in Wahrheit: über den Begriffen des täglichen Lebens, aber weitete sich aus zum Streit um den Vorrang der Begriffe vor den sinnlichen Anschauungen. Wobei realistisch nicht diese letztere Auffassung genannt wurde, sondern im Gegenteil der Glaube an die Realität der Ideen - während die Auffas-sung, Allgemeinbegriffe seien lediglich Namen - Sammelbezeichnungen für eine Anzahl von Dingen, denen eine bestimmte Eigenschaft gemeinsam zugerechnet wird - , Nominalismus genannt wurde.
Eine metaphysische Weltsicht, die das Wesen der Dinge über deren aktuelle Er-scheinung stellt - wie zum Beispiel Materialismus und Spiritalismus -, ist in diesem Sinne ('Begriffs'-)realistisch, während aller Zweifel an der Existenz eines Ansich nur strikt nominalistisch vorgetragen werden kann. Die "kritische" Philosophie seit Kant und Fichte heißt dagegen idealistisch - von gr. ídein = (hin)sehen.
Der Gegensatz von Materialismus und Spiritualismus ist ontologisch. Der Ge-gensatz von Realismus und Idealismus ist erkenntnistheoretisch.
11. 11. 25
Nachtrag. - Damit sich die ganze Welt algorithmisieren ließe, bedürfte es einer In-telligenz, die algorithmisiert - aber zugleich selbst im Algorithmus enthalten wäre. Die Katze hätte sich in den Schwanz gebissen. Das Ganze wäre ein Zirkel und be-deutete gar nichts mehr.
JE




