Die Wurzel des Übels ist die Idee der politischen Korrektheit. Sie bedeutet die Anmaßung einer Menschengruppe, so groß sie sei, sich Andern als normgebend vorzusetzen; von da ab wird alles denkbar.
Jeder Spießer neigt im Herzen dazu. Bedenke aber: Möglich ist das nur, wo Öffentlichkeit herrscht.
Im Amazonasgebiet lebten einmal Millionen Menschen
Im
Westen des Amazonasbeckens entdecken Forscher mit Lasertechnik mehr als
400 Erdstrukturen. Es sind Spuren der vergessenen Aquiry-Kultur. In der
Region lebten vor 2000 Jahren wohl deutlich mehr Menschen als heute.
Von Walter Willems
Erdhügel,
Gräben, Straßen: Im äußersten Westen des Amazonasbeckens haben
Forschende Hunderte Überreste einer versunkenen Kultur entdeckt. Mit dem
lasergestützten Lidar-Verfahren stieß das internationale Forschungsteam
bei mehreren Flügen über den brasilianischen Bundesstaat Acre auf mehr
als 430 Strukturen – darunter Erdhügel sowie Gräben und Dämme in
auffälligen geometrischen Mustern.
Diese
Geoglyphen sind meist zwischen 0,35 und 14 Hektar groß. Eine der
Strukturen misst fast 50 Hektar – also nahezu 500.000 Quadratmeter.
Errichtet wurden die Bauten demnach zwischen 600 vor und 850 nach
Christus – also über einen Zeitraum von fast 1500 Jahren. Aquiry nennt
das Team diese verschwundene Zivilisation – nach dem indigenen Namen für
den Rio Acre, einen Nebenfluss des Rio Purus, der wiederum in den
Amazonas mündet.
Die Wissenschaftler kalkulieren im Fachjournal „Nature“,
dass es in der gesamten Region der Aquiry-Kultur auf 183.000
Quadratkilometern – das entspricht etwa der halben Fläche Deutschlands –
24.000 bis 30.000 solche Strukturen geben könnte.
Arbeitsteilung und ein Verständnis von Mathematik und Geometrie
Zur
Blütezeit dieser Zivilisation, zwischen den Jahren 100 und 300 nach
Christus, dürften 1,25 bis 3 Millionen Menschen in der Region gelebt
haben, berechnet das Team. Im 85.000 Quadratkilometer großen Kerngebiet
der Kultur schätzt es die Bevölkerungsdichte auf rund 14 bis 33 Menschen
pro Quadratkilometer.
Zum
Vergleich: Heute leben im Bundesstaat Acre mit seinen
164.000 Quadratkilometern etwa 830.000 Menschen – das entspricht rund 5
Menschen pro Quadratkilometer.
Das
Team um Martti Pärssinen von der Universität Helsinki nutzte für die
Studie das Lidar-Verfahren (Light Detection And Ranging), bei dem Laser
von Flugzeugen aus die Erdoberfläche abtasten, sodass auch unter
Vegetation verborgene Strukturen erkennbar werden. Bei mehreren jeweils
etwa 450 Kilometer langen Flügen stießen die Forscher auf mehr als 430
auffällige Erdstrukturen, von denen die weitaus meisten bisher unbekannt
waren.
Hinweise
auf Verteidigungsanlagen fand das Team nicht. Die Strukturen dienten
demnach rituellen, öffentlichen und politischen Zwecken – ähnlich wie im
späteren Inkareich in der benachbarten Andenregion. „Der Bau solch
monumentaler Anlagen im Regenwald muss viel Arbeitskraft, Arbeitsteilung
und ein Verständnis von Mathematik und Geometrie erfordert haben“,
schreibt die Gruppe.
Auch
fand das Team Hinweise darauf, dass die damaligen Menschen Brandrodung
betrieben, um etwa Mais, Maniok und Kürbisse anzubauen. Sie kultivierten
Bäume mit essbaren Früchten, etwa Paranussbäume und Pfirsichpalmen.
„Die
Studie zeigt, dass der menschliche Einfluss auf die Umwelt des
Amazonasgebiets viel größer ist als bisher angenommen“, wird Pärssinen
in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Nicht nur das: Die
Forscher vermuten, dass die gesamte Amazonasregion einst wesentlich
dichter besiedelt war als heutzutage. Bislang gehen Schätzungen von
einer Gesamtpopulation von 1 bis 10 Millionen Menschen aus.
Sollten
im Aquiry-Gebiet, das lediglich 3 Prozent der Amazonasregion ausmacht,
vor grob 2000 Jahren schon 1,25 bis 3 Millionen Menschen gelebt haben,
könnte die damalige Bevölkerung Amazoniens Dutzende Millionen Menschen
umfasst haben. „Unsere Resultate stürzen unser Verständnis zur
Vergangenheit der Amazonasregion um“, sagt Pärssinen. Warum die
Aquiry-Kultur um das Jahr 850 zusammenbrach, ist nicht bekannt. (dpa)
aus derStandard, 29. 7. 2026 Die Fundstätte Tequinho im brasilianischen Bundesstaat Acre.
Luftaufnahmen haben im südwestlichen Amazonien nun über 400 derartige
Bodenstrukturen nachgewiesen.
Laserscans brachten
im Amazonasbecken 400 bisher unbekannte Strukturen ans Licht. Das lässt
auf eine Kultur schließen, die Millionen Menschen umfasst haben dürfte
von Thomas Bergmayr
Lange galt das Amazonasbecken als Landschaft, die keine großen
Gesellschaften hervorbringen und versorgen könnte. Die Böden seien zu
arm, dachte man, und das Nahrungsangebot zu unbeständig. Daher ging man
davon aus, dass die Bevölkerung dort weit verstreut und politisch kaum
organisiert sei. Die US-amerikanische Anthropologin Betty Meggers gab
dieser Sicht 1971 ihren Namen, als sie Amazonien ein trügerisches Paradies nannte.
1977 dokumentierte der Archäologe Ondemar Dias dort die ersten geometrischen Erdwerke.
Als in den folgenden Jahrzehnten immer mehr Wald für Weiden gerodet
wurde, kamen Hunderte weitere zum Vorschein, mittlerweile mehr als 450
allein in Acre. Ihre Verteilung auf der Karte folgte allerdings weniger
der Vorgeschichte als der Kettensäge: Gefunden wurde dort, wo der Wald
verschwand. Was unter geschlossenem Kronendach lag, blieb allenfalls den
Hochrechnungen vorbehalten. Ein Modell im Fachjournal Science veranschlagte 2023, dass in ganz Amazonien noch 10.000 bis 24.000 größere Anlagen unentdeckt sein könnten, die meisten davon im Südwesten.
Laser statt Rodung
Dort hat ein Team um Martti Pärssinen von der Universität Helsinki
vor zwei Jahren genauer nachgesehen, ohne dass dafür Bäume gefällt
werden mussten. Zwischen 6. Juni und 1. Juli 2024 flog ein Flugzeug auf
zehn Linien 4430 Kilometer über Acre und Amazonas und tastete dabei
jeweils einen Kilometer breite Streifen ab. Das Gerät an Bord sendet 1,6
Millionen Laserpulse pro Sekunde nach unten. Einige davon finden Lücken
im Blätterdach und erreichen den Boden. Aus den zurückkehrenden
Signalen lässt sich ein verblüffend exaktes Geländemodell errechnen, in
dem die Vegetation herausgefiltert ist und Wälle und Gräben als Relief
hervortreten.
Auf den 4497 abgetasteten Quadratkilometern zeichneten sich 432
Erdwerke ab. Bekannt waren davon bis dahin nur 36. Die Anlagen bestehen
aus umlaufenden Gräben, neun bis 13 Meter breit und bis zu fünf Meter
tief, sowie aus Wällen, die meist außerhalb des Grabens aufgeschüttet
wurden. Die Fläche der Strukturen liegt üblicherweise zwischen 0,35 und
14 Hektar, die größte erreicht knapp 50 Hektar. Manche stehen für sich
allein, andere bilden Gruppen von bis zu acht Einfriedungen, oft mit
Wegen dazwischen. Nach einer Bayes-Modellierung der Radiokarbondaten
wurden sie zwischen 600 vor und 850 nach Christus errichtet.
Plätze für Zeremonien und Treffen
Dauerhaft
bewohnt waren sie nach Einschätzung des Teams jedoch nicht. Es fehlen
sowohl Siedlungsspuren als auch Befestigungen. Die Forschenden deuten
die Erdwerke deshalb als öffentliche Orte, an denen politische
Verhandlungen und Zeremonien stattfanden und zu denen Gäste geladen
wurden. Bewiesen sei diese Zuordnung nicht, so das Forschungsteam. Die
Forschenden stützen sich auf archäologische Funde, ethnografische
Vergleiche und Gespräche mit den heute dort lebenden Apurinã. Sicher ist
hingegen, dass der Bau viele Hände und mathematische Kenntnisse
verlangte: Kreise und Rechtecke von mehreren Hundert Metern Kantenlänge
werden im Wald nicht durch Zufall geometrisch.
Aus den Überflugdaten und älteren Satellitenauswertungen grenzen die Autorinnen und Autoren der im Fachjournal Nature erschienenen Studie das Gebiet dieser Kultur, die sie als Aquiry
bezeichnen, auf rund 183.000 Quadratkilometer ein. Das ist etwa das
Dreifache der bisherigen Annahme. Es handelt sich dabei nicht um einen
Staat und schon gar nicht um eine Stadt, sondern um viele verteilte
Zentren, deren Erbauer eine gemeinsame Formensprache teilten.
Erdwerke
auf einem entwaldeten Gebiet in der Region Rio Branco im
brasilianischen Bundesstaat Acre. Die aktuellen Funde ähnlicher
Strukturen sprechen für hohe Bevölkerungszahlen im präkolumbischen
Amazonastiefland.
Bis zu 30.000 Erdwerke
Für die
Gesamtzahl der Erdwerke gehen die Forschenden zwei Wege. Rechnet man die
Laserbefunde auf das Gebiet hoch, kommt man auf etwa 23.800 Anlagen.
Nimmt man stattdessen die auf Satellitenbildern erkannten Strukturen und
multipliziert sie mit dem Faktor fünf – so viel mehr Erdwerke zeigte
der Laser auf denselben gerodeten Flächen –, landet man bei knapp
30.000. Beide Zahlen sind Hochrechnungen aus Stichproben, keine
Zählungen. Rund zwei Drittel davon ordnet die Studie der Aquiry-Zeit zu,
der Rest gehört zu späteren Dorfanlagen.
Die Unsicherheit liegt vor allem im Wald selbst. In einem Teil des
Untersuchungsgebiets erreichten zu wenige Laserpulse den Boden, um
gewöhnliche Erdwerke sichtbar zu machen; westlich des 66. Längengrads
betraf das 41,9 Prozent der Fläche. Auf zwei langen Fluglinien zwischen
dem oberen Purus und dem oberen Juruá fand sich gar nichts. Ob dort
tatsächlich niemand baute oder der Wald zu dicht war, ließ sich nicht
feststellen.
Die Bevölkerungsschätzung beruht auf mehreren Annahmen. Die
Hochrechnung ergibt rund 16.660 Erdwerke der Aquiry-Zeit. Die
Forschenden nehmen an, dass davon zwischen 25 und 60 Prozent um 100 bis
300 nach Christus gleichzeitig genutzt wurden, und veranschlagen 300
Menschen, um eine durchschnittliche Anlage zu bauen und zu erhalten.
Daraus ergeben sich 1,25 bis drei Millionen Menschen. Berücksichtigt man
die vom Blätterdach verdeckten Anlagen, halten die Autorinnen und
Autoren auch 1,6 bis 3,8 Millionen für möglich. Zum Vergleich: Im
Bundesstaat Acre leben heute rund 850.000 Menschen.
Menschengemachte Fruchtbarkeit
Die
Böden im Aquiry-Gebiet gehören zu den nährstoffreichsten des gesamten
amazonischen Festlands, und die Forschenden führen das nicht allein auf
die Geologie zurück. Das regelmäßige Abbrennen bambusreicher Flächen
über Jahrtausende dürfte die Fruchtbarkeit erhalten und damit erst die
Voraussetzung für eine dichtere Besiedlung geschaffen haben.
Sollten sich in anderen Teilen Amazoniens ähnliche Dichten finden,
wären nicht nur die Bevölkerungszahlen der Zeit vor 1492 neu zu
bewerten, sondern auch Annahmen über Bodenqualität, Waldstruktur und
Artenzusammensetzung, die in Klimamodelle einfließen. Der Wald zwischen
Rio Branco und Lábrea ist damit zwar kein Menschenwerk, aber auch nicht
ganz das Gegenteil. Er wächst stellenweise über den Rändern von Gräben,
die vor teilweise über 2000 Jahren von Menschen ausgehoben wurden.
Nota. -Das ist eine Variante des Übergangs von Wildbeuter- zur Ackerbaukultur, wie sie auch in Göbekli Tepe angenommen wird: Bevor die nomadisierenden Gruppen von Jägern und Sammlern sich selbst in festen Siedlungen niederließen, schufen sie - ja wohl gemeinsam? - Stätten für zeremonielle und sonstwie kulturelle Treffen. Und also wird wohl die Ortstreue dem Ackerbau vorausgegangen sein: In Göbekli Tepe wurde Bier für Festgelage gebraut. JE
Der Übergang von der Wildbeuter- zur Ackerbaukultur war zumindest in Europa
kein gradliniger, sondern ein gebrochener. Mit dem Ende der Eiszeit
hatten sich die jagdbaren großen Säugetiere nach Norden zurückgezogen
und Jagen und Sammeln wurde prekärer, so dass die Zuwanderer aus dem
Balkan freie Bahn fanden. Wo die Jagdbedingungen günstiger blieben,
fand der Ackerbau zunächst keine Verbreitung, weil die stärkehaltige
Getreidenahrung der proteinhaltigen Jagdbeute qualitativ un-terlegen war
und nur aus Not Nachahmer fand.
Doch brachte die verbreitete Exo-gamie
nach und nach eine Vermehrung von Frauen aus den benachbarten
Bauern-wirtschaften: Der Übergang vom Sammeln von Pflanzen zu ihrer
Kultivierung auf dem Feld kann in der Tat stetig stattfinden: Bedingung ist nur die Sesshaftigkeit, die beim Fischen eher möglich ist als beim Jagen. Der Eindruck, die bäuerische Lebensart sei ein eher weiblicher Beitrag zur Kulturgeschichte, findet so seine Rechtfertigung.
Wie sich der Ackerbau freilich im Fruchtbaren Halbmond des Nahen Ostens ausbilden konnte, bleibt ein Rätsel. 31. März 2026
Der
'Systemkollaps' im Ersten Weltkrieg war nicht bloß der Untergang einer
"libe-ralen" Freihandelsordnung unter britischer Hegemonie; es war eine
Zerrüttung des Weltmarkts und globale Krise der Produktivkräfte: Erst
1939, zu Beginn des Zwei-ten Weltkrieges, hatte der Welthandel wieder das
Volumen von 1913 erreicht, um sogleich in eine noch gigantischere
Vernichtung von Arbeitskraft und Industrie-anlagen zu stürzen. Die Produktivkräfte haben aufgehört zu wachsen, schrieb Leo Trotzki, und identifizierte den Krieg als die finale Todeskrise der bürgerlichen Welt, die nur entweder mit dem Untergang des Kapitalismus oder dem Untergang der Zivilisation enden könne.
So
ist es nicht gekommen. Für das Kapital gibt es keine ausweglose
Situationen. Die Zweiteilung der Welt und der Kalte Krieg haben für
eine neue Stabilität gesorgt, die auch den Zerfall des Sowjetblocks
überstanden hat. Die Frage, die sich heute stellt, ist, ob sie auch den
Versuch seiner Wiederherstellung überstehen kann. Diese Krise ist zwei
Nummern kleiner, aber für uns Lebende gerade groß genug.
Der
Untergang der archaischen Mittelmeerkultur um 1200 v. Chr. ist ein
Problem für sich. Ein historisches, kein zeitgeschichtliches. "Strukturen"
entpuppen sich in aller Regel als bloße Analogien. Die haben auch
ihren Wert, aber bloß einen kleinen, den man sorgfältig suchen muss. 25. 4. 2022
zuöffentliche Angelegenheiten aus welt.de, 28. 7. 2026 Hattuscha: Die Hauptstadt des Hethiterreichs wurde um 1200 v. Chr. verlassen
Wie Dürre den ersten Untergang der menschlichen Zivilisation beförderte
Schriftliche Quellen berichten von Hungersnöten, die um 1200 v. Chr. zum Kollaps der ostmediterranen Staatenwelt führten. Vorausgegangen waren offenbar außergewöhn-liche Dürreperioden, hervorgerufen vom Zusammenfallen verschiedener Klimatrends.
Der Brief, den die hethitische Königin Puduhepa an Pharao Ramses II. schrieb, ließ es nicht an Deutlichkeit fehlen: „Ich habe kein Getreide in meinem Land!“ Das war kein Einzelfall. Ein anderer Hethiter-Fürst klagte: „Weißt Du nicht, dass in meinen Ländern der Hunger herrscht?“ Und gegenüber dem Herrscher der Stadt Ugarit wurde dieselbe Bitte mit dem dramatischen Nachsatz versehen: „Es geht hier um Leben und Tod!“
Die Zitate belegen, dass um das Jahr 1200 v. Chr. das hethitische Großreich in Kleinasien und Nordsyrien in eine existenzielle Krise geraten war. Obwohl die Ägypter seinen Verbündeten wiederholt mit Getreidelieferungen unterstützten, verschwand nicht nur das Hethiterreich kurz darauf von der politischen Landkarte des östlichen Mittelmeeres, sondern auch die Herrschaften Syriens, Palästinas, Zyperns und des mykenischen Griechenlands. Mit Verweis auf die Hilfegesuche der Hethiter geht die Forschung davon aus, dass der Zusammenbruch des spätbronzezeitlichen Mächtesystems nicht zuletzt von Dürre- und Hungerkatastrophen angetrieben wurde.
Welche klimatischen Prozesse dabei eine Rolle spielten, will eine neue Studie der Universität Stockholm zeigen, die in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht wurde. „Anstatt durch ein einzelnes Klimaereignis verursacht zu werden, stellten wir fest, dass die extremsten Dürren auftraten, wenn natürliche Klimazyklen mit unterschiedlichen Zeiträumen zusammenfielen. Dies macht verständlich, warum die Trockenheit im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der späten Bronzezeit so schwerwiegend war“, sagt Katherine Power, Doktorandin am Institut für Physische Geografie und Erstautorin der Studie.
Power und Qiong Zhang, Professorin für Paläoklimamodellierung und Mitautorin, setzten für ihre Studie ein hochmodernes Klimamodell ein, um die Entwicklung des Mittelmeerklimas der letzten 8000 Jahre zu rekonstruieren. Danach wurde der ostmediterrane Raum über Jahrtausende hinweg einem Trend zur Austrocknung unterworfen, der durch langsame Veränderungen der Erdumlaufbahn verursacht wurde. „Überlagert von diesem langfristigen Trend stellten wir auch kurzfristigere Schwankungen im Atlantischen Ozean und in der Atmosphäre fest“, erklärt Katherine Power.
Die Wissenschaftlerinnen stellten fest, dass die schwersten Trockenperioden dann auftraten, wenn mehrere natürliche Klimazyklen zusammentrafen, sich gegenseitig vorübergehend verstärkten und auf diese Weise Dürren hervorbrachten, die weitaus intensiver waren als der langfristige Austrocknungstrend allein. „Das Zusammenwirken dieser Prozesse trieb das östliche Mittelmeer über eine kritische hydroklimatische Schwelle hinaus“ folgert Power. Die Folge war, dass weniger Wasser zur Verfügung stand und damit der Druck auf die Landwirtschaft in Gesellschaften zunahm, die ohnehin mit schwankenden Ernteerträgen zu kämpfen hatten.
Dass Hungerkatastrophen maßgeblich den Zusammenbruch der bronzezeitlichen Staatenwelt befördert haben, wird von zahlreichen Forschern angenommen. In seinem Bestseller „1177 v. Chr. Der erste Untergang der Zivilisation“ hat der amerikanische Archäologe Eric H. Cline „Klimawandel und Dürre“ als zwei von mehreren Ursachen beschrieben, die am Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. in einem verhängnisvollen Bündel zusammenfanden. Denn auch in anderen Regionen des Nahen Ostens hungerten die Menschen. Cline zitiert aus einem Brief aus der Stadt Emar im syrischen Binnenland: „Wir werden alle verhungern. Wenn du nicht schnell herkommst, werden wir des Hungers sterben.“
Pollenanalysen zeigen, dass es in Syrien und auf Zypern zu großen Umweltver-änderungen kam. Ernteausfälle hatten Hungersnöte zur Folge, die zu sozioökonomischen Krisen, Kriegen und Massenmigrationen führten. Allerdings schränkt Cline ein, „dass es in dieser Region im Laufe der Geschichte ziemlich oft zu Zeiten der Dürre kam und dass sie meistens nicht zum Zusammenbruch einer ganzen Zivilisation führten ... Klimawandel, Dürren und Hungersnöte (reichen) allein nicht aus, um das Ende der Spätbronzezeit zu erklären.“
Stattdessen gebraucht der Archäologe das Bild von einem globalen Systemkollaps, hervorgerufen durch Dominoeffekte. Handelsrouten wurden unterbrochen, komplizierte Verteilungs- und Verarbeitungssysteme gerieten in Schieflage, Kriege um schwindende Ressourcen erodierten die Reiche, Naturkatastrophen wie Erdbeben und Dürren provozierten Aufstände und Migrationen.
Power und Zhang verstehen ihre Studie allerdings nur bedingt als Beitrag zur aktuellen Klimadebatte. Zwar zähle das Mittelmeergebiet zu den globalen Brennpunkten des Klimawandels und werde den Prognosen zufolge im Laufe des kommenden Jahrhunderts wärmer und trockener werden. Aber: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das künftige Dürrerisiko nicht nur von der langfristigen, vom Menschen verursachten Erwärmung abhängt, sondern auch davon, wie die natürliche Variabilität im Atlantik mit diesem allgemeinen Trend interagiert“, sagt Katherine Power.
Blau
ist weltweit die Lieblingsfarbe der Menschen – das ist kein Zufall.
Ein Farbpsychologe erklärt, was die Farbe mit unserem Gehirn, unseren
Gefühlen und unserer Sehnsucht macht
Strand und Meer: Das genießen in den Sommerferien viele Urlauber.
Doch warum fasziniert das Meer so sehr, dass viele Menschen da immer
wieder hinwollen? Und warum reicht schon das azurblaue Meer, um positive
Gedanken auszulösen?
Axel
Buether von der Bergischen Universität Wuppertal verweist auf
Mechanismen im Gehirn, die bei einem bestimmten Blauton das Erlebnis
„Meer“ wieder aufrufen können. „Die Farbe wirkt dann wie ein äußerer
Trigger – ähnlich wie eine Melodie oder ein vertrauter Geruch“, sagt der
Farbpsychologe. „Wir sehen nicht nur Blau und denken ans Meer, sondern
erinnern uns auch körperlich an das Schwimmen, an sommerliche Erholung
und an schöne Erlebnisse.“ Das könne für einen Moment glücklich machen.
Aber
warum ist es ausgerechnet die Farbe Blau, die diesen Trigger auslöst?
Blau sei in der Natur vor allem die Farbe des Himmels, des Wassers und
der Ferne, sagt Buether. „In unserer Wahrnehmung tritt also etwas
zurück, öffnet den Raum und vermittelt Weite.“ Deshalb würden viele
Menschen Blau mit Ruhe, Freiheit und Vertrauen verbinden.
Und
das gilt demnach nicht nur für Europa. „Blau gehört weltweit zu den am
positivsten konnotierten Farben und ist international die Lieblingsfarbe
besonders vieler Menschen“, sagt Buether. Blau sei eine
Sehnsuchtsfarbe, von der es viele Varianten gebe: „Meerblau wirkt
frisch, feucht oder eisig. Azurblau weckt friedliche Assoziationen.
Ultramarinblau kann etwas Wehmut hervorrufen.“
Das
zeige sich auch in kulturellen Bildern und Religionen. „Es ist sicher
kein Zufall, dass Maria im Christentum häufig blaue Kleidung trägt“,
vermutet Buether. Und schon die alten Ägypter hätten das tiefblaue
Gestein Lapislazuli für Schmuck, Kultgegenstände und Grabbeigaben
verwendet.
Generell
spielen Farben eine größere Rolle, als vielen bewusst ist. Sie
beeinflussen, wie wir wahrnehmen, fühlen, uns orientieren und auch, wie
wir uns entscheiden – etwa beim Blick auf eine Ampel. „Farben können
körperliche Zustände beeinflussen, Stimmungen erzeugen und Bedeutungen
vermitteln“, sagt der Wissenschaftler Buether.
Wichtig
seien aber nicht nur festgelegte Bedeutungen – Rot an der Ampel heißt
Stopp! –, sondern auch individuelle persönliche Erfahrungen. Das
betrifft auch die Sehnsuchtsfarbe Blau, die mitunter negativ besetzt
sein kann. „Wenn uns ein blaues Auto angefahren hat, kann die Farbe
Panik auslösen. Das gilt ebenso für Todesangst auf dem Meer“, sagt der
Farbpsychologe.
„Farben
sind keine rein physikalischen Eigenschaften, sondern entstehen erst
durch die Verarbeitung von Lichtreizen in unserem Gehirn“, sagt der
Forscher. „Draußen gibt es Materie und elektromagnetische Strahlung –
die wahrgenommene Farbe entsteht in uns.“ Der Wissenschaftler zieht eine
Parallele zur Sprache: Bei der gebe es zunächst nur Schallwellen. Erst
im Gehirn würden daraus Wörter, Sätze und Bedeutungen.(dpa)
Nota. -Das ist fast zu trivial, um darüber Worte zu verlieren: Dem Eskimosagt man heute nicht mehr; dem Inuit kommt bei Weiß im Gemüt ganz was anderes vor als dem Azonasindianer sagt man auch nicht mehr-nativen, und bei Grün erst recht; und beiden wird bei Blau ganz anders: Die einen kennen es kaum, die andern haben mehr als genug davon, und das seit Tausenden von Jahren.
Informationswert hat aber der letzte Absatz. Der Verfasser der Unter-Überschrift scheint ihn nicht gelesen zu haben. JE