zu PhilosophierungenEbmeiers Umtriebe.
Dienstag, 3. November 2026
Was heißt Idealismus?
zu PhilosophierungenSonntag, 1. November 2026
Die vierfache Wurzel des Philosophierens.
aus Philosophierungen - Das einzig Wahre ist der Wechsel; nicht zweimal in denselben Fluss… Alles, was währt, ist Illusion.
- Wahr ist nur, was währt. Aller Wechsel ist Schein. Ist oder ist nicht.
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.
Samstag, 31. Oktober 2026
Männergesundheit und früher Tod.
Männer gelten als das starke Geschlecht. Sie sollen unabhängig sein, Belastungen aushalten, Risiken eingehen und Probleme möglichst selbst lösen. Doch solche Erwartungen können ihren Preis haben – unter anderem bei der Lebenszeit: Weltweit beträgt aktuell die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern knapp über 71 Jahre, die von Frauen über 76. In Österreich macht der Unterschied bei den Geschlechtern immerhin auch 4,5 Jahre aus, bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von rund 80 Jahren für Männer und etwa 84,5 Jahre für Frauen.
Woran liegt das? Und was könnte dagegen getan werden? Das sind Fragen, die kurz vor dem November – dem Monat der Männergesundheit – besonders aktuell sind. Entsprechend hat The Lancet, die weltweit wichtigste Medizinzeitschrift, sich gleich in drei Studien des Themas angenommen, die am Freitag erschienen sind. Die drei Publikationen verfolgen unterschiedliche Ansätze: Die erste analysiert weltweite epidemiologische Daten zu Sterblichkeit und Krankheitslast. Die zweite entwickelt einen theoretischen Rahmen für das Zusammenspiel von Geschlecht, sozialer Position und gesundheitlichen Risiken. Die dritte leitet daraus gesundheitspolitische Schlussfolgerungen ab.
Die epidemiologische Analyse auf Grundlage der sogenannten Global Burden of Disease Study zeigt deutliche Unterschiede zwischen Mann und Frau: Weltweit ist die Krankheitslast der Männer, gemessen in sogenannten Disability-Adjusted Life Years (DALYs), um 16 Prozent höher als jene der Frauen. In Österreich beträgt der Unterschied 16 Prozent, in Deutschland rund 14 Prozent und in der Schweiz dagegen nur vier Prozent.
Ausschlaggebend sind insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Unfälle sowie Selbstverletzungen und Gewalt. Allerdings ergibt sich die höhere Gesamtbelastung der Männer vor allem daraus, dass sie mehr Lebensjahre durch vorzeitigen Tod verlieren. Bei den Jahren, die Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen verbringen, liegen dagegen Frauen vorn. Männer sind also nicht in jeder Hinsicht kränker, sterben aber häufiger früher.
Die zweite Studie in The Lancet verbindet folgerichtig biologische Faktoren mit sozialen Hierarchien, gesellschaftlichen Erwartungen und ungleichen Ressourcen. In Gesellschaften, in denen Männer vor allem als Ernährer ihrer Familie gelten, kann Arbeitslosigkeit beispielsweise nicht nur finanzielle Sorgen, sondern auch erheblichen psychischen Stress verursachen. Wer seinen gesellschaftlich erwarteten Status verliert, erlebt möglicherweise eine zusätzliche Belastung.
Problematisch können Vorstellungen sein, nach denen Männer stets stark, unabhängig und emotional kontrolliert auftreten müssen. Wer psychische Beschwerden als Zeichen von Schwäche betrachtet, könnte Depressionen oder Angststörungen lange verbergen und professionelle Hilfe vermeiden. Auch riskantes Verhalten kann mit Männlichkeitsidealen verbunden sein, etwa wenn Mut mit der Bereitschaft gleichgesetzt wird, Gefahren zu ignorieren.
Der Grazer Psychotherapieforscher Andreas Walther, der vom Science Media Center Germany zu den Studien befragt wurde, mahnt zur Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse: „Insbesondere lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht zuverlässig quantifizieren, welcher Anteil der gesundheitlichen Nachteile auf biologische Unterschiede und welcher auf gesellschaftliche Geschlechternormen zurückzuführen ist. Beide Faktoren stehen in komplexen Wechselwirkungen miteinander.“ Die Zahlen zeigen, wo die Unterschiede liegen, erklären aber nicht abschließend, wodurch sie entstehen.
Walther bringt den Zusammenhang auf den Punkt: „Nicht Männlichkeit an sich macht Männer krank, sondern insbesondere starre Vorstellungen davon, wie ein Mann zu sein hat. Diese können unter ungünstigen gesellschaftlichen Bedingungen zu einem erheblichen Gesundheitsrisiko werden.“
Allerdings sind nicht alle Männlichkeitsnormen grundsätzlich schädlich. Leistungsorientierung, Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit können positive Wirkungen haben. Entscheidend ist, wie rigide solche Ideale vertreten werden und welche Konsequenzen es hat, von ihnen abzuweichen. Die Ulmer Sozialforscherin Silvia Krumm sagt, dass viele Untersuchungen zwar statistische Zusammenhänge zeigen, aber nicht eindeutig klären können, ob bestimmte Normen tatsächlich gesundheitsschädliches Verhalten verursachen.
Auch die soziale Lage spielt eine wichtige Rolle. Ein Mann mit sicherem Einkommen und hohem Bildungsabschluss verfügt über andere Möglichkeiten, Belastungen zu bewältigen, als jemand mit unsicherem Arbeitsplatz und schlechten Zukunftsaussichten. Alter, sexuelle Orientierung und soziale Zugehörigkeit können ebenfalls beeinflussen, welchen Erwartungen Männer ausgesetzt sind.
Wie groß der biologische Anteil an der geringeren Lebenserwartung von Männern ist, bleibt umstritten. Der Bevölkerungsforscher Michael Mühlichen vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung verweist auf die sogenannte Klosterstudie des Demografen Marc Luy. Sie verglich Nonnen und Mönche, die unter vergleichsweise ähnlichen Lebensbedingungen lebten. Dabei war der Unterschied in der Lebenserwartung deutlich geringer als in der Allgemeinbevölkerung.
Mühlichen zufolge legt die Untersuchung nahe, dass nur etwa 20 bis 25 Prozent des Unterschieds biologisch bedingt sein könnten. Der sehr viel größere Anteil hänge mit Unterschieden im Gesundheitsverhalten und in den Lebensbedingungen zusammen. Das ist allerdings eine Schätzung aus einer bestimmten Untersuchung und keine endgültig gesicherte Aufteilung aller Ursachen.
Ein weiteres Problem: Eine einfache Trennung zwischen Natur und Gesellschaft greift zu kurz. Denn Hormone, genetische Dispositionen und neurobiologische Prozesse können Verhalten beeinflussen. Umgekehrt können chronischer Stress, soziale Ausgrenzung und belastende Lebensbedingungen körperliche Folgen haben.
Die Innsbrucker Medizinerin Nikola Komlenac warnt zugleich vor einer einseitigen Betrachtung: Männergesundheit dürfe nicht losgelöst von Frauengesundheit untersucht werden. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs seien keineswegs ausschließlich Männerprobleme, sondern gehörten auch bei Frauen zu den wichtigsten Ursachen von Krankheit und Tod. Eine geschlechtersensible Medizin müsse Gemeinsamkeiten und Unterschiede systematisch erforschen.
Für Österreich und seine Nachbarländer sind die Ergebnisse besonders relevant, weil geschlechtsspezifische Unterschiede trotz gut ausgebauter Gesundheitssysteme bestehen bleiben. Körperlich belastende Arbeit, Schichtarbeit, Unfallrisiken und geringe Kontrolle über die Arbeitsbedingungen betreffen viele Männer in Bau, Industrie, Transport und Handwerk. Hinzu kommen Unterschiede bei Einkommen, Bildung, Ernährung, Bewegung sowie Alkohol- und Tabakkonsum.
Mühlichen betont, dass die soziale Lage bei Männern besonders stark mit der Lebenserwartung zusammenhängt. Der Unterschied zwischen sozioökonomischen Gruppen könne teilweise größer sein als jener zwischen Männern und Frauen insgesamt. Schlechte Beschäftigungschancen und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit begünstigten gesundheitsschädliches Verhalten und erschwerten den Zugang zu gesundheitsförderlichen Lebensbedingungen.
Auch bei psychischen Problemen suchen Männer häufig spät Hilfe. „Es reicht nicht aus, Männern zu sagen, dass sie sich mehr Hilfe suchen sollen“, sagt Walther. „Wir müssen auch sicherstellen, dass unsere Präventionsangebote und psychotherapeutischen Behandlungen Männer tatsächlich erreichen und ihren Bedürfnissen gerecht werden.“
Die dritte Studie fordert, Männergesundheit systematischer in der Gesundheitspolitik zu berücksichtigen. Dazu gehören niedrigschwellige Beratungsangebote, eine bessere Gesundheitskommunikation und eine frühzeitige Unterstützung im Bildungssystem. Ebenso wichtig sind gute Arbeitsbedingungen und wirtschaftliche Sicherheit: Wer dauerhaft unter Druck steht oder um seine Existenz fürchten muss, hat oft weniger Möglichkeiten, auf die eigene Gesundheit zu achten.
Ein Beispiel ist das Rauchen: Männer konsumieren in vielen Ländern häufiger Tabak, doch der Zusammenhang mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit wurde bislang nicht konsequent berücksichtigt. Werbung kann Rauchen mit Unabhängigkeit, Abenteuer oder Stärke verbinden. Ähnliches gilt für riskanten Alkoholkonsum oder die Vorstellung, körperliche Beschwerden möglichst lange ignorieren zu müssen.
Die Forschenden plädieren für Präventionsangebote, die solche Zusammenhänge berücksichtigen, ohne Männer pauschal zu problematisieren. Maßnahmen sollten an konkreten Risiken ansetzen und wissenschaftlich überprüft werden. Wo Männer seltener Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, müsse zunächst geklärt werden, ob dafür starre Vorstellungen von Selbstständigkeit, schlechte Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem oder fehlende Zeit verantwortlich sind.
Die drei Studien liefern keine einfache und eindeutige Erklärung dafür, warum Männer früher sterben. Sie zeigen vielmehr, dass biologische Unterschiede, Gesundheitsverhalten und soziale Lebensbedingungen zusammenspielen. Wie stark einzelne Männlichkeitsnormen die Sterblichkeit beeinflussen, muss noch genauer untersucht werden. Der zentrale Ansatz lautet: Männer sollten gesundheitliche Risiken vermeiden können, ohne dadurch ihre soziale Anerkennung zu gefährden. Eine Medizin, die biologische Unterschiede ernst nimmt und zugleich gesellschaftliche Bedingungen berücksichtigt, könnte letztlich beiden Geschlechtern zugutekommen. (red, tasch)
Heilkunst und Wissenschaft.
Der Überlieferung nach ließ Iwan der Schreckliche dem Baumeister der Moskauer Basilius-Kathedrale - Jakowlew -, als das Werk vollendet war, die Augen ausstechen und die Zunge herausreißen, damit er sein Wissen nicht weitergeben konnte.
Das ist wohl nicht wahr, aber vorstellbar. Denn so ist die Baukunst entstanden: in-dem ein Meister seine Schüler in seine Geheimnisse einweihte. Eine breitere Basis erhielt sie in Europa, als bei den großen Kathedralen Bauhütten entstanden, wo viele Meister viele Schüler anlernen konnten - und die eifersüchtig über ihre Exklu-sivität wachten. Aber nicht alle Meister blieben am Ort, sondern zogen quer durch Europa von einer Baustelle zur andern.
Doch bloßes Erfahungswissen bleibt, wie sorgfältig es auch bewahrt wird, unzuver-lässig. Es geschah immer wieder, dass große Bauwerke noch während ihres Entste-hens einstürzten. Überprüfbares Wissen, Wissenschaft, wurde daraus erst, als Gali-leo die mathematische Statik begründete.
Begriffe ohne Anschauung sind leer, das ist wohl wahr, aber Anschuung ohne Be-griff ist blind. Das ist eine Theorie: ein Satz von Begriffen, die untereinander in einem systematischen Verhältnis stehen, die erlauben, bloßes Erfahrungswissen von Zufälligkeiten zu reinigen und kostspielige Misserfolge zu vermeiden. Und doch konnte Andreas Schlüter noch zwei Generationen nach Jakowlew nicht verhindern, dass ihm sein Berliner Münzturm einstürzte. Alle Wissenschaft hat immer auch Lücken.
Die aufzuspüren ist wiederum Sache der Theorie selbst. Sie ist an ihrem Anfang - an ihrem sachlich-positiven Anfang - Kritik, denn so sind die Begriffe entstanden: aus kritischen Reflexion auf die Erfahrungsdaten. Aber nicht nur auf die, sondern ebenso auf die Erzeugnisse der bloßen Spekulation. Erfahrung und Einbildung be-grenzen das Feld des bewährten geprüften Wissens, in der Spannung zwischen beiden behauptet es seine Unabhänigkeit. Erfahrung kann täuschen, dauerhaft ist allein der Begriff - dieser eleatische Grundgedanke hat über die platonische Ideen-Lehre das westliche Denken und unsern gesunden Menschenverstand geprägt und ist bis heute unausrottbar.
Kommen wir endlich auf die Medizin. Sie ist, wie die Baukunst, entstanden als ein Spezialwissen - medecine men nannten die Euro-Amerikaner die Schamanen der dortigen Eingeborenen - von Eingeweihten, anvertraut vom Vater auf den Sohn. Das waren chirurgoi, wörtlich: Hand-Werker. In den poleis, den kultivierten städti-schen Zentren, fanden sich ... wohl auch gelehrte Köpfe, die mit Dichtern und Philosophen zur intellektuellen Elite zählten, und von denen - von denen allein: Hippokrates, Galenus et. al. - sind Texte überliefert, die ein Philologe zitieren kann, und die werden vornehmlich an-dere Angehörige der Elite kuriert haben. Keine Texte haben hinterlassen die weisen Frauen auf dem Lande und die Wundheiler, die die Krieger nach geschlagener Schlacht wieder zusammenflickten. Und an die wer-den sich auch jene Bewohner der kultivierten Zentren gehalten haben, die nicht zur Elite zählten.
Dass medizinisch Gelehrte und chirurgoi nicht nur faktisch, sondern auch förmlich und standesmäßig auseinandertraten, war historisch gesehen ein Fortschritt, der unmittelbar aber einem Rückschritt geschuldet war, nämlich dem Untergang der antiken Kultur während der sogenannten Völkerwanderung. Als deren isolierte Restposten waren die Bischofssitze übriggeblieben, und was an Gelehrsamkeit überlebt hatte, sammelte sich hier. Hier und nirgend anders entstanden Schulen und Universitäten, die nun keine privaten Wandelhallen mehr waren, sondern hochoffi-zielle, sozusagen "öffentliche" Einrichtungen. Hier war die Gelehrsamkeit unter sich, sie unterstand als solche der römischen Kirche, die allein sie gegen die weltli-chen Herren schützen konnte und - wollte.
So wurde aus dem Unterschied zwischen gewöhnlichen Wundheilern und den ge-lehrten Ärzten der Vornehmen ein Standesunterschied zwischen Praktikern, die "alles konnten und nichts wussten", und akademishen Medizinern, die alles wussten und nichts konnten.
Eine Wissenschaft für alle und ein allgemeiner Berufsstand ist daraus geworden, als... nein, nicht die Gelehrsamkeit in die ärztliche Praxis, sondern das praktische Experiment in die Gelehrsamkeit eingebrochen ist; nämlich die Anatomie. Die kam - wie "die Vernunft" überhaupt - im 17. Jahrhundert auf. Sie hatte gegen die Theo-logen aller Konfessionen über Generationen ein schweren Stand und musste ihr Material des Nachts von den Galgen und den Gottesackern stehlen.
Den Treffpunkt verkörpert der als Doktor historisch gewordene François Quesnay. Der war ein Kupferstecher, und als solcher illustrierte er das Werk des englischen Mediziners William Harvey über den Blutkreislauf. In die Geschichtsbücher gelang-te er als der Begründer der Politischen Ökonomie (das Wort hat ein andrer erfun-den), die er ebenfalls als Kreislauf darstellte. Doch in unsern Zusammenhang ge-hört er, weil er noch als Kupferstecher gegen die damals grassierende Mode der Aderlasse aufgetreten war: Sie hätten überhaupt nur eine Wirkung, schrieb er unter Berufung auf Harvey, wenn sie in unmittelbarer Nähe des Krankheitsherdes vorge-nommen werden. Seine Schrift machte Furore, und er wandte sich ganz diesem Thema zu. Da er Medizin nicht studiert hatte, brachte er es nur zum Chirurgicus, doch immerhin berief ihn die Gräfin Pompadour zu ihrem Leibarzt und er bezog Wohnung im Schloss von Versailles. Und schließlicn erlangte er doch noch den akademischen Doktograd, der ihn bis heute in allen Lehrbüchern an Stelle seines Vornamens ziert. Die ökonomische Lehre, die ihm dort seinen Platz eingetragen hat, entwickelte er erst in Versailles.
Im
Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde - nicht zuletzt im Namen der Nation -
Volksgesundheit zu einem öffentlichen Auftrag, und heilende Tätigkeit
zum Monopol einer akademischen Ärzteschaft. Nicht nur die Ausübung des
Berufs, sondern schon die Ausbildung dazu wurde allgemeinen Normen
unterworfen. Wissenschaftlichkeit wurde dem Ärztestand okroyiert, indem
er öffentlich bestallt und öffentlich kontrolliert wird. Kritik ist
institutionell geworden, und dass sie ihrem Wesen nach ohne Grenzen ist,
macht sie zum Beispiel gegen große Seuchen unentschlossen und
langatmig; doch ein anderes Mittel, dauerhaften Schaden zu verhindern,
gibt es schlechterdings nicht.
4. 1. 22
Freitag, 30. Oktober 2026
Bildung schützt vor Verblöden.

aus welt.de, 30. 10. 2026 zu Jochen Ebmeiers Realien
Menschen, die in den Genuss einer längeren Bildung kommen, erkranken im späteren Leben seltener an Demenzen. Dieser Befund ist seit Jahren bekannt. Bislang hatte jedoch niemand klären können, ob es die Bildung selbst ist, die schützt – oder die sozioökonomische Herkunft. Denn wer in wohlhabenderen Familien geboren wird, geht meist länger zur Schule, häufiger zur Universität und kann statistisch mit einer besseren Gesundheit im Alter rechnen.
Forschern aus den USA gelang nun erstmals, den kausalen Zusammenhang nachzuweisen, das heißt, dass Bildung das Gehirn auch noch Jahrzehnte später vor dem Verfall schützt. Möglich wurde dies durch Daten nach einer Reform der britischen Schulpflicht vor über einem halben Jahrhundert. Die Ergebnisse erschienen in dem Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.
Im Jahr 1972 trat in Großbritannien eine Änderung der Schulpflicht in Kraft, die Jugendliche zum Schulbesuch bis zu ihrem 16. Geburtstag statt bis zu ihrem 15. Geburtstag verpflichtete – und zwar über alle sozialen Klassen hinweg. Damit wurden zwei große, scharf getrennte Bevölkerungskohorten geschaffen, die sich durch fast nichts unterschieden, außer durch die Länge ihrer Schulzeit. Für die Forschung bieten solche Umstände ideale Bedingungen für großangelegte Studien.
Die Wissenschaftler der Universitäten in Southern California, Wisconsin-Madison und Michigan nutzten jetzt genau diese Daten. Anhand dieser bestätigten sie, dass zusätzliche Bildung das Risiko der Betroffenen für Alzheimer und verwandte Demenzen reduzierte. Sie fanden außerdem heraus, dass dieser Schutzeffekt besonders stark bei Menschen mit einem erblich erhöhten Risiko für Demenzen war. Das könnte Trägern von Risikogenen Hoffnung geben, dass ein späterer Ausbruch dieser Erkrankungen nicht in Stein gemeißelt ist, auch wenn die Eltern oder Verwandten daran erkrankt sind.
Infolge der britischen Schulreform stieg die Anzahl der Schüler, die mindestens bis zum Alter von 16 Jahren in der Schule blieben, um 14 Prozent. Die Forscher folgten mehr als 100.000 Personen – die kurz vor oder nach dem Stichtag der Reform am 1. September 1957 geboren wurden – bis zu ihrem 66. Lebensjahr. Für die Auswertung griffen sie auf Krankenhausberichte, Todesregister und Selbstangaben zur medizinischen Geschichte zurück, die im Rahmen des UK‑Biobank-Projektes erfasst wurden.
Die Studie geht damit über bekannte Zusammenhänge zwischen Bildung und besserer Gesundheit hinaus. „Wir wussten seit Langem, dass Menschen mit besserer Bildung seltener an Demenzen erkranken. Aber es war schwierig zu wissen, ob die Bildung selbst dafür verantwortlich war“, sagte Hauptautorin Silvia Barcellos, eine Gesundheitsökonomin an der University of Wisconsin-Madison. „Indem wir diese Schulreform für uns genutzt haben, konnten wir den Effekt sauber von den vielen anderen Faktoren trennen.“
Die Wissenschaftler bezogen auch genetische Daten in ihre Untersuchung ein. Dabei zeigte sich, dass eine längere Schulzeit die Häufigkeit von Demenz auch bei den Personen reduzierte, die die höchsten genetischen Risikofaktoren hatten.
„Für Menschen, die wissen, dass sie ein höheres genetisches Risiko für Demenz tragen, sind das hoffnungsvolle Nachrichten“, sagte Co-Autor Leandro Carvalho an der University of California. „Unsere Ergebnisse deuten an, dass Erfahrungen und Umstände, die im Laufe eines Lebens verändert werden können, ebenfalls beeinflussen können, ob eine vererbte Anfälligkeit wirklich zu einer Krankheit wird.“
Wie genau die längere Schulzeit das Demenzrisiko beeinflusst, ist noch unklar. So geht eine bessere Schulbildung mit besseren Karrierechancen und höherem Einkommen einher, öffnet Türen zu kognitiv stimulierenderen Beschäftigungen und kann die sozialen Umstände verändern.
In der Kohorte, die in der Studie untersucht wurde, nahm mit der längeren Schulzeit das spätere Haushaltseinkommen zu, während die Häufigkeit von Schlaganfällen und Herzinfarkten abnahm. Welcher dieser Mechanismen letztlich ausschlaggebend für die Senkung des Demenzrisikos war, konnten die Wissenschaftler aus den Daten nicht mit Sicherheit ablesen.
Die Forscher betonen auch, dass unklar bleibt, wie stark der Schutzeffekt quantitativ genau ist. Die untersuchte Gruppe war mit etwa 65 Jahren noch vergleichsweise jung. Aussagekräftigere Ergebnisse werden in den kommenden Jahren erwartet, wenn die Häufigkeit von Alzheimer und verwandten Demenzen unter ihnen altersgemäß zunehmen wird.
Donnerstag, 29. Oktober 2026
Ein historischer Moment.
Th. Herzl zu öffentliche AngelegenheitenDass Netanjahu nicht länger israelischer Regierungschef wäre, würde die Diplo-matie verändern.
Dass aber an der Regierung Kräfte beteiligt würden, die ausdrücklich keine Zi-onisten sind, würde die Weltlage verändern.
Eine ganz große Koalition des Öffentlichen Diensts.
zu öffentliche AngelegenheitenDie ganze Republik lacht über - nein: schämt sich ihrer Hauptstadt. Ein Projekt in Berlin? Um Himmels willen - nicht schon wieder!
Weil die Berliner blöde sind? Vielleicht auch das; aber hauptsächlich, weil in Berlin kein Weg an dem mafiös versippten Öffentlichn Dienst vorbeiführt.
Und zu allem Überfluss wollen die drei Parteien, die mehr als alle andern den Öf-fentlichen Dienst im Abgeordnetenhaus repräsentieren, den Stadtstaat regieren, der zugleich Deutschlands Hauptstadt ist.
Die einzigen, die noch nicht zum Klüngel gehören, sind die 'Linken' in Neukölln; aber das soll sich ja nun ändern.
Was heißt Idealismus?
zu Philosophierungen Als das Gegenteil des Materialismus gilt landläufig der I...
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Matisse, La danse II zu Philosophierungen Mit der Frage, wie die Vernunft (der ...
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Faustkämpfer, Quirinal zu öffentliche Angelegenheiten Verletzter Stolz geböte, es ihm mit gleicher Münze heimzuza...
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