Onkel Rudi zu GeschmackssachenGerhard Richter ist das Malen wichtiger als die Bilder; die sind nichtssagend trotz Untertitel.
Abstraktes Bild
Kerze mit Totenschädel Seascape
Gerhard Richter
Onkel Rudi zu GeschmackssachenGerhard Richter ist das Malen wichtiger als die Bilder; die sind nichtssagend trotz Untertitel.
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Gerhard Richter
Erinnerungsexperiment in einem Cheeseboard-Labyrinth
aus welt.de, 3. 8. 2026 zu Jochen Ebmeiers Realien
Auffällige Knochenfunde – jagten Menschen gezielt weibliche Mammuts?
Forscher haben bei Anhäufungen von Mammutknochen erstaunlich viele weibliche Tiere entdeckt. Was das über die Jagdgewohnheiten der Menschen in der Eiszeit verrät
Eine Untersuchung von Mammutknochen deutet darauf hin, dass Menschen während der letzten Eiszeit vor allem weibliche Tiere jagten. Das berichtet ein internationales Forscherteam nach der Analyse der Überreste von mehr als 500 Wollhaarmammuts in Europa, Asien und Nordamerika.
In Ansammlungen von Mammutknochen, die vermutlich auf Menschen zurückgehen und die ausschließlich aus Eurasien stammen, waren 70 Prozent der Tiere weiblich. Fossilien von anderen Fundorten stammten hingegen zu 66,5 Prozent von männlichen Tieren, wie die Gruppe im Fachjournal „Current Biology“ schreibt.
„Ob die massiven Anhäufungen von Mammutknochen natürlich entstanden sind oder durch menschliche Jagd, wurde seit Jahrzehnten diskutiert“, sagt einer der Studienleiter, David Díez del Molino von der Universität Stockholm. „Durch Vergleiche des Geschlechterverhältnisses Hunderter Mammuts in natürlicher Umgebung und in archäologischen Kontexten können wir nun ableiten, dass hauptsächlich menschliche Aktivitäten hinter diesen Anhäufungen stecken.“
Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius) waren eine wichtige Ressource für die Jäger und Sammler der jüngeren Altsteinzeit. Sie lieferten Fleisch, Fett und Fell, ihr Elfenbein diente unter anderem zur Herstellung von Werkzeugen und Schmuck. Auch wurden Materialien von Wollhaarmammuts in Bestattungen integriert, etwa Elfenbeinperlen oder Mammutschulterblätter.
Das Team um Hannah Moots von der Universität Stockholm untersuchte nun Erbgut von 521 Wollhaarmammuts. 100 der Genome stammten aus Knochen, die in größeren Ansammlungen gefunden wurden, bei denen es archäologische Hinweise auf menschliche Aktivitäten gab – etwa 20.000 bis 30.000 Jahre alte Feuerstellen. Die übrigen 421 Genome kamen von Mammuts, deren Überreste einzeln an vielen verschiedenen Stellen gefunden wurden.
Ob die Menschen damals tatsächlich gezielt weiblichen Mammuts nachstellten, ist allerdings nicht ganz klar. Diese waren zwar kleiner als männliche Tiere und hätten daher eher als Beute dienen können.
Doch Erstautorin Moots vermutet, dass die Realität komplexer war: „Sollten sich Mammuts ähnlich wie heutige Elefanten verhalten haben, verfügten die in matriarchalisch organisierten Herden lebenden Weibchen womöglich über Verteidigungsstrategien, die eine Begegnung mit solchen Herden ebenso riskant oder sogar noch gefährlicher machten.“ Möglich wäre jedoch, dass die Routen der von Weibchen geführten Herden für die Menschen berechenbarer waren als die der eher umherstreunenden Bullen.
Das einzelgängerische Verhalten von Mammutbullen könnte dafür verantwortlich sein, dass sie eher auf gefährliches Terrain wie natürliche Fallen oder Erdrutschgebiete vordrangen, in denen ihre Knochen dann erhalten blieben, vermutet das Team. Dies könnte den höheren Anteil von Männchen an den Einzelfundstätten erklären. ...von Stefan Parsch, dpaIpi
Nota. - So eine Enttäuschung. Eine vielversprechende Überschrift, und dann nichts, was sich feministisch oder wenigstens genderologisch verwerten lässt. Gibs das denn, kann es das geben: ein dummes krudes Fakt, in dem Männlich und Weiblich vorkommt, an dem sich aber nichts deuten lässt?! Und ich dachte, solche Zeiten hätten wir längst hinter uns. Vielleicht sollte mann doch immer noch etwas genauer hinschauen...
JE
Eine Frage beschäftigte Wittgenstein zeitlebens: Kann Sprache alles sagen? Dass er selbst darauf zwei scheinbar völlig gegensätzliche Antworten fand, erklärt auf jeden Fall den Diskussionsbedarf, den sein Werk auch heute noch in der Forschung auslöst. In sechs thematischen Blöcken machte das auch das diesjährige Programm des Symposiums deutlich, denn Wittgensteins Denken berührt weit über die Sprachphilosophie hinaus auch Themen in der Psychologie, Mathematik, Literatur, Kunst und Kulturwissenschaft. Aber was kann er uns heute noch für den Alltag mitgeben?
"Wittgenstein geht es nicht darum, eine fertige Theorie zu haben. Er will uns vor allem vom Missverstehen heilen und den damit verbundenen Problemen in der Wissenschaft, in der Philosophie, aber auch in unserer alltäglichen Praxis", erkärt Christian Kanzian, Präsident der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesell-schaft und Mitorganisator des diesjährigen Symposiums, das unter anderem vom Land Niederösterreich unterstützt wird.
Bei Ludwig Wittgenstein lassen sich Leben und Werk kaum voneinander trennen. Beide waren geprägt von radikalen Wendungen und scheinbaren Widersprüchen. In der Philosophie ist es deshalb sogar üblich, von einem ersten und einem zweiten Wittgenstein zu sprechen; ein früher und ein später. In seiner Biografie lassen sich noch viele weitere Wittgensteins finden.
Ludwig Wittgenstein wird 1889 als Sohn in eine schwer wohlhabende Industriefamilie in Wien geboren. Er wächst in einem Palais auf, in dem Musiker, Künstler und Intellektuelle sich die Hand reichen. Aus einer inneren Krise heraus entscheidet er sich jedoch, sein Millionenerbe an seine Geschwister abzutreten und fortan ein einfaches Leben zu führen.
Wittgenstein begleiteten viele große Leidenschaften, davon besonders die Technik: So hatte er schon als Kind mit der Konstruktion neuartiger Nähmaschinen experimentiert, und studierte zunächst Ingenieurswissenschaften, bevor er über die Mathematik zur Philosophie fand. Oder auch die Musik: So war er unter Freunden bekannt dafür, ganze Sinfonien zu pfeifen, spielte Klarinette und erwog Dirigent zu werden. Doch über ihm hing auch ein Schatten, eigentlich über der ganzen Familie, denn drei seiner Brüder wählten den Freitod, und auch Ludwig selbst kämpfte ein Leben lang mit Einsamkeit, Krankheit und Depressionen.
Der legendäre "Tractatus"
Das erste und zugleich einzige philosophische Werk, das er zu seinen Lebzeiten veröffentlichen sollte, den legendären Tractatus logico-philosophicus, schrieb Wittgenstein gegen Ende des Ersten Weltkriegs in Kriegsgefangenschaft bei Monte Cassino fertig. Mit Widmung an David H. Pinsent, Freund und Lebensgefährte aus der Studienzeit am Trinity College in Cambridge, stellte er sich darin der Aufgabe, die grundlegende Struktur von Welt, Denken und Sprache zu klären.
Als der Tractatus 1921 erscheint, wird Wittgenstein von einigen renommierten Philosophen zwar dafür gefeiert. Doch er dauert bis 1929, ehe er damit an der Uni Cambridge damit promoviert, denn Wittgenstein zieht sich immer wieder aus der Philosophie zurück. So wird er einige Jahre zu Wittgenstein, dem Volkschullehrer in Niederösterreich (daher auch das Symposium dort), versucht sich in einem Kloster als Wittgenstein, dem Hilfsgärtner und wendet sich zeitweise sehr ernsthaft der Architektur zu. So ist Wittgenstein, der Architekt, auf Einladung seiner Schwester maßgeblich bei dem Entwurf ihres Hauses beteiligt, das seit 1928 im dritten Wiener Gemeindebezirk steht.
Der Tractatus, das wohl einflussreichste Werk Wittgensteins, ist in kühler, fast mathematischer Form verfasst, hinter der sich ganz grob folgende Grundidee verbirgt: Die Welt besteht aus Tatsachen, zu denen sich das Denken Bilder macht, die dann von der Sprache erneut abgebildet werden. Man kann behaupten, Wittgenstein entwickelt hier eine Art Bildtheorie der Sprache: Ein sinnvoller Satz funktioniert als mögliches Modell der Wirklichkeit, und kann wahr oder falsch sein, je nachdem, ob die Welt tatsächlich so beschaffen ist.
Zwar eignet sich Sprache für die Themenbereiche der Naturwissenschaften, doch gerade die bedeutsamen Dinge, die Ethik, Ästhetik oder die Frage nach dem Sinn des Lebens, lassen sich gar nicht in sinnvollen Sätzen abbilden. Sie entsprechen nämlich nicht der logischen Struktur der Welt. "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen", lautet Wittgensteins vielzitiertes Fazit.
Kanzian erläutert: "Schon hier haben wir dieses Anliegen, uns von Problemen zu heilen, durch eine saubere Analyse der Sprache." Die Philosophie soll hierbei also keine neuen Tatsachen entdecken, sondern die Grenze zwischen dem sinnvoll Sagbaren und dem nur scheinbar Sinnvollen sichtbar machen.
Obwohl der frühe Wittgenstein des Tractatus überzeugt war, damit die wesentlichen Probleme der Philosophie als sprachlogische Missverständnisse aufgelöst zu haben, kehrte der späte Wittgestein zum Thema zurück. In den Philosophischen Untersuchungen, die erst nach seinem Tod erscheinen sollten, rollt er es noch einmal vom anderen Ende auf. Während er im Tractatus nach einer idealen logischen Struktur der Sprache suchte, sind es nun gerade die Missverständnisse und Vieldeutigkeiten, die interessieren.
Ihm fiel auf, dass sich Worte im tagtäglichen Gebrauch, anders als in der Wissenschaft, keiner festen, philosophischen Definition beugen. Je nach Zusammenhang kann sich ihr Sinn verändern. Etwa der Ausruf "Du" hat in einer Drohung ausgesprochen eine andere Bedeutung als in einer Liebeserklärung. "Sprechen ist Praxis, ist Gebrauch von Ausdrücken und der ist ganz vielfältig", führt Kanzian aus, der Philosophie an der Universität Innsbruck lehrt: "Sie erzählen, Sie fragen, ich antworte, wir grüßen uns, wir fordern uns auf, wir bitten einander, sind unterschiedlichste Praktiken nach ganz unterschiedlichen Regeln."
Die Lebensformen, in denen Worte in verschiedener Bedeutung vorkommen, bezeichnet Wittgenstein als Sprachspiele. Die Aufgabe der Philosophie, wie Wittgenstein sie nun versteht, besteht aus dem systematischen Aufschlüsseln der Regeln, die diese Sprachspiele lenken. Statt neue Theorien aufzustellen, soll sie uns die Funktionsweise unserer Sprache so deutlich vor Augen führen, dass wir uns aus Verwirrungen, Missverständnissen und falschen Modellierungen herauslösen können.
Für Kanzian liegt genau darin die Aktualität des Philosophen: "Es ging Wittgenstein stets darum, zu einer schauenden, beschreibenden, übersichtlich darstellenden Praxis einzuladen, und nicht eine fertige Theorie aufzustellen, die man dogmatisch vertritt." Es ist also mehr Wittgensteins Einstellung und seine Neugier, die er uns in den Alltag mitgibt. Denn diese hat es ihm mitunter leichter gemacht, sich selbst zu widersprechen und immer wieder neu zu denken.
Das dogmatische Festhalten an eigenen Denkmustern ist für Kanzian eines der Grundprobleme der heutigen Gesellschaft. "Mit falschen Modellierungen an den anderen heranzugehen, ist ein Ansatz, der gesellschaftlich-politisch extrem aktuell ist", sagt Kanzian. "Stellen wir uns doch einmal vor, wir alle würden uns mehr zuhören. Das ist jetzt ein bisschen platt gesagt, aber ich glaube, die Welt würde friedlicher sein."
Veranstaltungsinfo:
Das Thema für das Wittgenstein-Symposium im kommenden Jahr steht bereits fest. Unter dem Programmtitel Knowledge in Crisis lädt Kirchberg am Wechsel im August 2027 dazu ein, über Fake News und Post-Truth zu diskutieren.
Nota. - Nie abgerückt ist er bei all seinen Wendungen von einer zugrundeliegenden ontologischen Metaphysik, die er allerdings nie selber ausgesprochen hat. Logischer Atomismus ist sie genennt worden: Die Welt sei "alles, was der Fall ist", doch der Fall sind die unendlich vielen logischen Elementarbestimmungen, die der mathema-tischen Formulierung harrten - nicht aber die vorfindlichen Fakten, die durch die verschiedenen Sprachen zu Bildern gefügt würden. Das Zustandekommen der Bilder macht er aber auch nicht zu seinem Thema, sondern er pendelt zwischen dem einen und dem andern Aphorismus hin und her, System - und sei es nur ein logisch-diskursives - versucht er gottlob gar nicht erst hinein zu bringen, sondern belässt es bei gelegentlichen mystischen Ahnungen.
Wobei viele der vermischten Aphorismen und Kurzessays ungemein scharfsinnig sind und Anlass zu tiefsinnigen Fortsetzungen geben können; aber auch nur, wenn man weiß, was man nicht darin zu suchen braucht.
JE
zu öffentliche Angelegenheitenvon Karin Schlott
Vor etwa 12 000 Jahren veränderten Jäger und Sammler allmählich ihre Lebensweise und begannen, als Bauern zu leben. Was dabei geschah, verraten Ausgrabungsstätten im Südosten der Türkei. Dort, im Umfeld der Stadt Şanlıurfa, haben Archäologen mehrere Rundanlagen aus T-förmigen Steinpfeilern freigelegt. Am bekanntesten ist der Fundplatz Göbeklitepe, dessen Monumentalbauten lange als die ältesten Tempel der Welt gedeutet wurden. Der benachbarte Ort Karahantepe sorgt jedoch ebenfalls für aussagekräftige Funde.
So berichtet das türkische Kulturministerium, dass bei den diesjährigen Grabungen eine ungefähr 70 Zentimeter hohe Skulptur gefunden wurde. Die etwa 11 000 Jahre alte Figur stelle einen Menschen dar, der auf dem Rücken eines Leoparden sitzt. Schon zuvor haben Fachleute an Stätten in der sogenannten Taș-Tepeler-Kulturlandschaft Statuen ausgegraben. Über deren genaue Bedeutung rätseln sie aber noch.Seit 2019 gräbt ein Team um Necmi Karul von der Universität Istanbul in Karahantepe. Auf einer Steinbank an der Innenwand eines drei Meter weiten Rundbaus entdeckten die Archäologen dort den Leopardenreiter. Einen ähnlichen Fund machten Forschende 2023 in Göbeklitepe. Damals handelte es sich um die lebensgroße Statue eines Keilers, an der noch Spuren weißer, schwarzer und roter Farbe hafteten. Im selben Jahr kam auch in Karahantepe eine kolossale Skulptur zum Vorschein: Etwa 2,4 Meter hoch, zeigt sie einen nackten Mann, der womöglich sitzend dargestellt ist und mit beiden Händen seinen Penis umgreift. Denkbar sei, dass hier eine Art Schöpfergott dargestellt ist.
Nach Angaben des türkischen Kulturministeriums zeigt die Skulptur einen
Menschen auf einem Leoparden. Sie sei etwa 11 000 Jahre alt.
Auch zahlreiche T-Pfeiler in den Anlagen der Taș-Tepeler-Kulturlandschaft sind übersät mit Bildern von wilden Tieren wie Füchsen, Keilern oder Schlangen. In Karahantepe fand sich zudem 2025 eine T-Säule mit menschlichem Gesicht – womöglich sollten die großen Monolithe stilisierte Menschen darstellen. Ob es sich bei den Strukturen im engeren Sinn um Tempel handelte, ist noch unklar. Denn ihre Erbauer, Gemeinschaften von Jägern und Sammlern vor etwa 11 000 Jahren, wohnten auch an diesen Orten in Häusern. Fachleute sehen hier die Frühphase der Sesshaftigkeit, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit einer voll ausgeprägten bäuerlichen Lebensweise einherging.
W. BuschZunächst wird laut der Autorin heillos überschätzt, was wir gemeinhin »Intelligenz« nennen. Denn entsprechende Tests messen nur einen schmalen Ausschnitt der menschlichen Fähigkeiten: »Kreativität, geistige Flexibilität, Prioritätensetzung, Kritikfähigkeit, holistisches Denken, Intuition, Zielauswahl, soziale, moralische oder motorische Talente ermitteln gängige IQ‑Tests nicht«, moniert Schmalz. Außerdem würden die kulturellen Wertvorstellungen des Westens bei gängigen Verfahren immer indirekt mitgetestet – diejenigen anderer Kulturen, die beispielsweise praktische Fähigkeiten in das Verständnis von Intelligenz einbezögen, kämen dagegen in den Tests nicht vor. Diese Verengung liegt laut Schmalz auch daran, dass herkömmliche IQ-Messungen den Anforderungen einer neoliberalen Wirtschaftsordnung entsprechen: »Zu einer Kultur mit den Idealen Effizienz, Wettbewerb, Wachstum, Beschleunigung, Globalisierung und Digitalisierung passt ein enger, funktionalisierbarer Intelligenzbegriff.«
Unsere gesellschaftliche Fixierung auf Intelligenz und ihre Überhöhung führten vor allem zu Leistungsstress in Schule und Beruf, zu Stigmatisierungen bei Bildungschancen und zu selbsterfüllenden Prophezeiungen, wenn Menschen ihren IQ-Wert stark internalisierten und ihr Selbstwertgefühl daran ausrichteten – die Autorin verwendet dafür gar die Metapher des Krebsgeschwürs. Gisela Schmalz zufolge dient der IQ damit als »gesellschaftsstrukturierendes Instrument«, das politisch eine deutliche Schlagseite besitze. So zielten Rechte und Rechtsextreme unter Begriffen wie »Human Diversity« oder »Human Biodiversity« darauf ab, ganze Bevölkerungsgruppen mit dem Verweis auf vermeintlich geringere Intelligenzwerte zu diskriminieren. »Die Verbindung zwischen Intelligenzfetisch und rechtem Spektrum hat eine lange Tradition«, konstatiert Schmalz.
Laut der Autorin werden derartige hochgefährliche Diskurse auch von Pseudowissenschaftlern unterstützt, die unter dem Deckmantel der Intelligenzforschung eugenisches Gedankengut verbreiteten. Vom Gros der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihres Fachgebiets würden sie trotzdem nicht systematisch und nachhaltig kritisiert, moniert die Autorin: »Dass diese Leute sich einen wissenschaftlichen Anstrich geben können, verdanken sie der Toleranz einer Forschungsgemeinschaft ohne klare Standards für ihre Forschung.«
Aber auch Elon Musk und andere libertäre Tech-Giganten aus dem Silicon Valley tragen gemäß der Autorin dazu bei, eine auch noch in anderer Hinsicht menschenfeindliche Vorstellung von Intelligenz zu forcieren: »Fetischisiert wird nicht nur die Intelligenz der dort aktiven Menschen. Auch die Intelligenz der dort entwickelten Technologien wird zum Fetisch«, kritisiert Gisela Schmalz. Das gesamte Konzept der IQ-Messungen müsse daher dringend überdacht werden: »Dass Maschinen überhaupt per IQ‑Test testbar sind, entlarvt, dass das den Standard-IQ‑Tests zugrunde liegende Intelligenzkonzept mehr einer künstlichen als einer menschlichen Intelligenz entspricht.«
Die Autorin plädiert dafür, den Intelligenzbegriff wieder am Menschen auszurichten – und die Perspektive der Philosophie stärker in diesen Diskurs einzubeziehen. Demnach könnte eine philosophische Definition lauten: »Intelligenz ist das, was Menschen nach dem Warum fragen lässt.« Dieser Vorschlag überzeugt als Alternative zu rein psychometrischen Intelligenzkonzepten, auch wenn Gisela Schmalz in ihm die Bedeutung von Emotionen für ein alternatives Verständnis von Intelligenz ebenfalls vernachlässigt.
Trotz einiger Ungenauigkeiten und Redundanzen gelingt es der Autorin, anhand vieler Details zu belegen, wie tief der vorherrschende Intelligenzdiskurs mit neoliberalen und mitunter gar rechtsextremen Denkmustern verwoben ist. »Fetisch Intelligenz« ist eine Streitschrift, die aktuelle gesellschaftliche Prämissen gleich auf mehreren Ebenen nachhaltig infrage stellt.
zu öffentliche Angelegenheiten... kann jeder pfeifen, dem seine eigne wichtiger ist. Und das sind die meisten.
Jeder sei Ausländer, sagen die Woken: fast überall. Aber sie denken es nicht zuende.
Onkel Rudi zu Geschmackssachen Gerhard Richter ist das Malen wichtiger als die Bilder; d...