Montag, 15. Juni 2026

Ein müdes, gestresstes Gehirn reift nicht, wie es sollte.

Ein Kind in einem blauen T-Shirt hat beide Arme auf einen Tisch und den Kopf seitlich daraufgelegt, vor sich eine halbvolle Schüssel mit Blumenmuster, gefüllt mit einer Art Suppe. Es hat die Augen müde und erschöpft geschlossen und den Mund leicht geöffnet.              zu Levana, oder Erziehlehre, zu öffentliche Angelegenheiten
aus derStandard.at, 12.6.2026     Einer neuen Studie zufolge beeinfusst ein niedriger sozioökonomischer Status das Gehirn von Kindern stärker als Erziehungsstil, Krankengeschichte und IQ.

Klasse und Kopf
Neurologe: "Sozial benachteiligte Kinder haben ein müdes, gestresstes Gehirn"
Niedriger sozioökonomischer Status wirkt sich über Schlaf und Stress auf die Gehirne von Kindern aus – und hat einen größeren Einfluss als der IQ, wie eine Studie zeigt

Wie werden wir, wer wir sind? Wie viel ist angeboren, wie groß ist der Einfluss unserer Lebensumstände? Seit mehr als einem Jahrhundert wird die Frage debattiert, Faktoren werden abgewogen – und teils mit bildungspolitischen Empfehlungen versehen. Eine aktuelle Studie liefert neuen Input und deutet darauf hin, dass vor allem die soziale und wirtschaftliche Lebenssituation bisher unterschätzt wurde. Sie dürfte sich vor allem über zwei Einflussfaktoren auf die Gehirne von Kindern auswirken: Schlaf und Stress.

Dafür wurde eine immense Zahl an Einflussfaktoren vom Forschungsteam der Washington University School of Medicine in St. Louis (USA) einbezogen. Fast 650 biologische, psychologische, soziale und Umweltfaktoren berücksichtigten sie bei ihrer Analyse der Hirnscans von rund 12.000 Kindern im Alter von neun und zehn Jahren. Wie die Fachleute im Wissenschaftsjournal Science berichten, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Armut und mangelnde soziale Chancen tiefgreifende Spuren in der Hirnstruktur und Hirnfunktionen hinterlassen.

Dies sei zum ersten Mal in dieser Größenordnung gezeigt worden, sagt Studienleiter Nico Dosenbach. Als Hirnparameter wurden die Dicke der Hirnrinde sowie die Stärke von Nervenverbindungen zwischen zentralen funktionalen Netzwerken erhoben, anhand von MRT-Aufnahmen der Kinder. Mittels komplexer statistischer Verfahren wurden die unterschiedlichsten Faktoren – Familieneinkommen, Gesundheit, Erziehung, Bildschirmzeit, Persönlichkeit und kognitive Fähigkeiten – mit Struktur und Funktion des Gehirns in Zusammenhang gesetzt.

Nicht weniger intelligent

Das Ergebnis wies deutlich darauf hin, dass sozioökonomische Hintergrundfaktoren eines Kindes die stärksten Zusammenhänge mit Hirnstruktur und -funktion erkennen lassen. Zudem reagieren jene Teile des Gehirns, die mit diesen Faktoren in Verbindung standen, besonders empfindlich auf Schlaf und Stress. Dies deutet dem US-amerikanischen Forschungsteam mit Beteiligung von Michael J. Shanahan von der Universität Zürich zufolge darauf hin, dass sozioökonomische Benachteiligung das Gehirn indirekt durch Schlafstörungen und chronischen Stress beeinflussen kann.

"Das Gehirn eines sozial benachteiligten Kindes sieht aus wie das eines privilegierten Kindes mit Schlafmangel und Stress", sagt Neurologe Dosenbach. "Es ist kein weniger intelligentes Gehirn, sondern offenbar ein müdes und gestresstes Gehirn."

Motorik und Sinne

Von den 40 Variablen mit dem stärksten Zusammenhang zur Hirnfunktion waren 37 sozioökonomischer Natur. Bei der Hirnstruktur traf dies auf 35 der 40 wichtigsten Variablen zu. Besonders relevant waren Faktoren wie das Einkommen und Wohneigentum der Familie, Armutsquoten in der Nachbarschaft, Verkehrsanbindung und die allgemeinen Entwicklungschancen eines Wohngebiets.

Bei den für solche Faktoren anfälligen Hirnbereichen handelte es sich um Regionen, die Motorik und Sinneswahrnehmung betreffen. Weniger stark war der Zusammenhang in Regionen, die mit Kognition und Problemlösung assoziiert werden. Daraus ergibt sich eine wichtige Konsequenz: Unterschiede, die bislang möglicherweise als Ausdruck unterschiedlicher kognitiver oder intellektueller Fähigkeiten interpretiert wurden, könnten in Wirklichkeit Folgen von Erschöpfung, Schlafdefiziten und dauerhafter Belastung sein.                                    

Auch der Intelligenzquotient wurde in der Analyse berücksichtigt, die eine Debatte zur Frage anstößt, was der IQ wirklich aussagt. Viele frühere Studien hatten Zusammenhänge zwischen IQ-Werten und bestimmten Hirnmerkmalen beschrieben, und das Forschungsteam prüfte, was passiert, wenn der Einfluss des sozioökonomischen Status statistisch herausgerechnet wird. So verschwanden etwa 70 Prozent der zuvor beobachteten Zusammenhänge zwischen IQ und Hirnmerkmalen – bei diesem Anteil verschwanden die statistisch signifikanten Unterschiede.

Ein Kind hat die Hände vor Augen bzw. Kopf geschlagen. Er trägt ein gestreiftes Oberteil und hat vor sich auf dem Tisch Hefte und ein aufgestelltes iPad stehen.
Trotz der ernüchternden Ergebnisse betonen Fachleute, dass man Schlafqualität verbessern und Stress vermindern könne.

Als die Forschenden nur Kinder aus sozioökonomisch privilegierten Verhältnissen untersuchten, stellten sie außerdem fest, dass IQ und Hirnstruktur sowie -funktion keine Korrelation aufwiesen. "Wenn wir Gehirnscans von Kindern betrachten, können wir erkennen, wie wohlhabend ihre Familie ist und wie viel Schlaf oder Bildschirmzeit sie haben", schließt Erstautor Scott Marek daraus. "Aber wir können ihren IQ nicht erkennen – zumindest nicht, wenn wir sozioökonomische Möglichkeiten berücksichtigen."

Für Marek ergibt sich daraus die Schlussfolgerung, dass IQ nicht in der Neurobiologie verankert ist: "Die Umwelt prägt das Gehirn von Kindern auf eine Weise, die als Ausdruck des IQ fehlinterpretiert wurde, obwohl es sich in Wirklichkeit nur um Auswirkungen von Stress und Schlafmangel handelt." Viele vermeintliche "Intelligenzsignaturen" im Gehirn sind also möglicherweise in Wahrheit Signaturen sozialer Ungleichheit.

Auch durch Parameter wie Geschlecht oder genetische Herkunft ließen sich die Befunde nicht erklären. Die Wiederholung des Experiments mit Daten, die nicht aus den USA, sondern von der britischen Biobank stammten, brachte ähnliche Resultate.

Kein Schicksal

In einem Begleitartikel heben die Neurowissenschafterin Lucinda Sisk und ihr Kollege Theodore Satterthwaite von der University of Pennsylvania hervor, dass die Studie ihre konsistenten Ergebnisse aus einer besonders großen Datenmenge hervorgebracht habe. Unklar bleibe, wann sich die Zusammenhänge ausprägen würden und wann positive Umwelteinflüsse den größten Nutzen haben.

Sie warnen auch vor fatalistischen Schlussfolgerungen: "Sozioökonomische Voraussetzungen sind kein Schicksal", halten Sisk und Satterthwaite fest. Wichtige politische Konsequenzen aus den Ergebnissen sei eine frühe gesellschaftliche Unterstützung von Familien, insbesondere was Maßnahmen gegen chronischen Stress und für besseren Schlaf angeht.

Auch die Studienautoren Marek und Dosenbach sehen das Gute an ihren Ergebnissen: Die Faktoren Schlaf und Stress seien von außen beeinflussbar, so könne man die Gehirngesundheit von Kindern verbessern. "Wenn wir einen Weg finden, den Schlaf zu verbessern und den Stress für Kinder aus Haushalten mit begrenzteren sozioökonomischen Möglichkeiten zu reduzieren, können wir vielleicht die mit dieser Benachteiligung verknüpften Unterschiede im Gehirn verringern", sagt Dosenbach. (sic.)

 

Sonntag, 14. Juni 2026

Nein, am besten ist nicht, dass die Mehrheit bestimmt;

                                                 zu öffentliche Angelegenheiten 

... am besten wäre, wenn die Weisesten bestimmten. 
Doch wer bestimmt, wer die Weisesten sind; und gar, was Weisheit ist?
Natürlich nur die, die weise sind - und die Katze bisse sich in den Schwanz.

Man kann es unmöglich vorab wissen. Sondern erst, nachdem man sie alle eine ge-wisse Zeit hat handeln sehen. Es würde sich zeigen, wer dem Gemeinwesen nütz-lich war und wer nicht (was man um des lieben Friedens willen als weise ansehen mag)

Alle müssen es auch gar nicht sein, das könnte Jahrzehnte dauern. Es reicht, wenn nur die erprobt werden, die es sich zutrauen - es wird sich erweisen, dass auch das noch zu viele sind.

Was die Weisheit anbelangt, wurde bereits herabgestimmt: Erstens, was dem Ge-meinwesen nützt. Und zweitens, wer darüber urteilt. Und drittens - was der Prag-matik höchste Weihe ist -: über einen vorgegebenen Zeitraum. 

Damit wäre der pompöse Eingangssatz auf ein alltägliches Maß beschieden. Und das kann jeder, der dem Geimeinwesen angehört, mehr oder weniger selbst beurtei-len.

Mehr oder weniger?!  

Welches die Maßstäbe sind und was die Maßstäbler taugen, kann wiederum nicht vorab bestimmt werden, sondern erst nach gemachter Erfahrung. Die ist diskutabel wie alles, was in Raum und Zeit geschieht. Davon gibt es kein Entkommen. Man muss sich mit dem bescheiden, was in der Wirklichkeit machbar ist.

 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Samstag, 13. Juni 2026

Wir verteidigen die euopäische Ukraine.

Stepan Bandera, Nationalist und Nazikollaborateur   zu öffentliche Angelegenheiten

Die Ukraine erwartet zu Recht die Unterstützung Europas gegen den russischen Angriff - sie ist unser Vorposten, und wenn der fällt, steht Putin morgen an der Oder. 

Nicht bloß die geographische Integrität der Staaten wird so verteidigt, sondern auch das, was Europa als Stammland des Westens ausmacht: persönliche Freiheit, reprä-sentativer Staat und Menschenrechte. Und bei Lichte besehen wiegt das schwerer als die Unantastbarkeit von Grenzen. Müssten an dieser Stelle Zweifel aufkommen, wäre die Solidarität Europas mit der Ukraine bedroht, weil die Zugehörigkeit der Ukraine zu Europa in Frage gestellt würde. 

Die dort unlängst zu beobachtenden Bestrebungen, die in der Emigration verstor-benen ukrainischen Nationalisten Bandera und Melnyk zu verehren, die sich wäh-rend des Weltkriegs mit der nationalsozialistischen Besatzung verbündete hatten, begründen solche Zweifel. Und schwächen sie Verteidigung der Ukraine gegen die Invasion, weil sie unsere Unterstützung auf die Probe stellt.

 

Viele Quadratmeter Leinwand dürfen aufatmen.

David Hockney, In the Studio, December 2017                           Ihnen bleibts erspart.                                   zu Geschmackssachen
        

Freitag, 12. Juni 2026

Die feigen Helfershelfer der AfD.

W. Busch                                                             zu öffentliche Angelegenheiten

Nichts hat den Aufstieg der AfD so nachhaltig befördert wie die pp. Brandmauer und das Geschrei darum.

1. Dass eine Partei - und zwar jede für sich - erklärt, mit welchen andern Parteien sie unter keinen Umständen koalieren wolle, ist in der Ordnung, und Wähler haben sogar Anspruch darauf. Wenn bei der einen oder andern Partei ein Verdacht auf-kommt, sie könne, wenn es taktisch opportun ist, ihr Versprechen vergessen, wird sie die Zweifel wohl redlich verdient haben. So ist das in der Politik.

2. Dass ein Stadtverordneter nicht für ein Toilettenhäuschen stimmen darf, weil die AfD auch dafür stimmen wird, ist eine Verhöhnung der Demokratie. 

Zwischen diesen beiden liegt ein weites Feld und liegen viele Möglichkeiten. Eine Partei, die ihrer sicher ist, wird sagen: Das wird man von Fall zu Fall je nach der konkreten Situation auf der gegebenen Ebene entscheiden, und im Grenzfall wer-den die höheren Gremien beizeiten für Klarheit sorgen. 

Wir haben aber inzwischen Parteien, die ihrer Mandatsträger eben nicht sicher sind - weil sie ihnen ihr Mandat nicht mehr mit Sicherheit garantieren können. Ein Poli-tiker kann eben nicht auf Nummer sicher gehen wie ein Verwaltungsbeamter - wird ein wackerer Demokrat sagen. Jene aber kennen ihre Pappenheimer und vertrauen ihren unteren Ebenen nicht so, wie sie es den Wählern zumuten. 

Und dann tritt ein gäriger Haufen auf und sagt: Wir sind die einzigen, die nicht so sind wie jene; wir sind DIE Alternative. 

Und alle andern nicken bestätigend mit den Köpfen und sagen: Genau so ists.

Der gärige Haufen muss nur noch abwarten: "Unsre Zeit kommt von allein."  

Donnerstag, 11. Juni 2026

Was am Komischen das Ästhetische ist.

Giandomenico Tiepolo                                                  aus Geschmackssachen

Schön sei, sagt Kant, was ohne Interesse gefällt. 

Daran mag die Klugheit stochern wie sie will, sie beißt auf Granit. Sie kann den Satz höchstens ausweiten: Ästhetisch ist, was ohne Interesse gefällt oder abstößt.

So geheimnisvoll wie das Ästhetische war immer auch das Komische, und manch einer meinte, sie müssten auch sonst etwas gemeinsam haben. 

Nicht sonst etwas, sondern gerade dies: Ob bejahend, ob verneinend - sie sprechen an. Und zwar, bevor Begriffe im Spiel sind. In den Begriffen sind Qualitäten ins Verhältnis gesetzt. Im ästhetischen Urteil werden Qualitäten als solche, ohne Be-griff, ohne Verhältnis, begrüßt oder verabscheut. Der Begriff bezeichnet, welches Interesse das Subjekt an dieser oder der andern Qualität nehmen kann. Nämlich in welchem Verhältnis es zu ihnen steht.

Komik ensteht, wo Qualitäten, die als solche lediglich an sich sind, zu einander in ein Verhältnis geraten; nämlich durch ein Interesse gesetzt werden: mit andern Wor-ten, nicht länger qualitativ, sondern relativ erscheinen. Der komische Effekt - Affekt - entsteht, weil offen bleibt, ob die eine Qualität auf Kosten der andern, oder die andere Qualität auf Kosten der einen relativiert wird: Es schwebt.

Und selbstverständlich sind sowohl der Effekt als auf der Affekt nur solange mög-lich, wie das Subjekt vom Interesse zu abstrahieren weiß. Und diese Fähigkeit heißt Humor.

26. 9. 17 
 
 
PS. Ästhetische Qualitäten sind Bedeutungen, bevor sie in Begriffe gefasst und da-durch zu andern Bedeutungen in Relation gebracht werden.
 
PPS. Eine Vorstellung wird, sobald sie durch eine Bedeutung bestimmt wurde, eo ipso zu einem Begriff.
26. 9. 17 
 
 
 

Mittwoch, 10. Juni 2026

Weltweite Wanderungsbewegungen 2026

 Grenzzaun an der US-mexikanischen Grenze in Nogales, Arizona, mit mehreren Spulen Stacheldraht darauf. Im Hintergrund sind ein Hügel, Gebäude und eine bewölkte Himmelsszene zu sehen.
aus derStandard.at, 10. 6. 2026                           Ein Zaun in Nogales in Arizona an der Grenze zu Mexiko. 13 Millionen Menschen kamen seit 1990 aus Mexiko in die USA.                                                                  zu öffentliche Angelegenheiten
 
Menschliche Mobilität
Die jährliche globale Migration hat sich seit dem Jahr 2000 fast verdreifacht
Zwei Forscher füllten mit KI-Methoden bisherige Lücken im Wissen um die weltweiten Migrationsbewegungen – mit einigen überraschenden Ergebnissen

Bessere Daten dank KI

Das haben nun zwei Migrationsforscher und KI-Fachleute geändert: Thomas Gaskin (London School of Economics and Political Science) und Guy Abel (Universität Hongkong und IIASA in Laxenburg) haben Mithilfe von Deep Learning den ersten Datensatz zu Migrationsströmen zwischen allen Ländern für den Zeitraum von 1990 bis 2023 erstellt. Dieser Datensatz, der am Mittwoch im Fachblatt Nature veröffentlicht wurde, liefert ein weitaus detaillierteres Bild der globalen Mobilität als die bisherigen Daten, die stark fragmentiert sind.

Das Hauptergebnis der aufwendigen KI-gestützten Recherchen und Berechnungen: Die weltweite Migration ist von etwa 13 Millionen Menschen pro Jahr im Jahr 2000 auf rund 35 Millionen Menschen pro Jahr im Jahr 2023 stark angestiegen. Rückgänge gab es lediglich während der Finanzkrise 2008 und 2009 sowie der Covid-19-Pandemie.

Grafik, die den Anstieg der Migrationszahlen zeigt.
Das Hauptergebnis der Studie in einer Grafik: Seit dem Jahr 2000 stiegen die Migrationszahlen weitweit stark an (vertikale Achse: Zahlen in Millionen).

Dieser nun ermittelte Anstieg übertrifft den Anstieg der weltweiten Bevölkerungszahlen deutlich und zeigt ein echtes pro-Kopf-Wachstum der menschlichen Mobilität. Der Trend steht im Widerspruch zu den Ergebnissen früherer Forschungsbemühungen, globale Migrationsströme zu quantifizieren.

Regionale Verteilungen

Weltweit verzeichnete der Nahe Osten den höchsten Gesamtzustrom von Migranten, hauptsächlich aus Südasien und den Philippinen, wobei allein die Einwanderung aus Bangladesch nach Saudi-Arabien ab 2010 durchschnittlich rund 300.000 Menschen pro Jahr betrug. Die beiden Forscher schätzen, dass seit 2010 insgesamt 19 Millionen Menschen, durchschnittlich 1,35 Millionen pro Jahr, aus Indien, Pakistan und Bangladesch nach Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und in die Vereinigten Arabischen Emirate migriert sind. Im Vergleich dazu gab es seit 1990 insgesamt 13,6 Millionen Migrationsbewegungen von Mexiko in die USA.

Europa rangiert durchweg als die Region mit dem höchsten Volumen an intraregionaler Migration und wurde nur einmal, nämlich Anfang der 1990er-Jahre während des Bürgerkriegs in Ruanda, von Subsahara-Afrika übertroffen.

Der neue Datensatz ist auch deshalb besonders nützlich, da er Aufschluss über Migrationsbewegungen im Globalen Süden gibt, wo Migrationsdaten traditionell weniger zahlreich und detailliert sind als im Globalen Norden. Mitte der 2010er-Jahre kam es beispielsweise in Subsahara-Afrika zu mehreren groß angelegten Migrationsereignissen. Der Bürgerkrieg im Südsudan ab 2013 führte zu einer großen Fluchtbewegung in das benachbarte Äthiopien.

Die Gewalt in Westafrika, als Boko Haram 2009 in Nigeria einen Aufstand auslöste und die Angriffe 2014 eskalierten, einschließlich der Entführung von fast 300 Schulmädchen, führte dazu, dass schätzungsweise 79.000 Nigerianer in Nachbarländer flohen, wobei die meisten (45.000) zwischen 2013 und 2014 nach Niger gingen.

Potenzial der neuen Methode

"Unsere Schätzungen wurden durch die Kombination klassischer Strömungsmodellierung mit Deep Learning gewonnen, wobei eine breite Palette von Daten für die Modelleingabe und das Training genutzt wurde", sagt Erstautor Gaskin zur innovativen Vorgangsweise: "Ich denke, der Umfang und die Breite dieses Datensatzes zeigen wirklich das Potenzial dieser Art von Hybridmodellierung in den Computerwissenschaften."

"Da frühere Schätzmethoden auf groben Fünfjahres-Momentaufnahmen beruhten, lieferten sie nur sehr wenige Datenpunkte und vermittelten den Eindruck, dass die Rate der globalen Migrationsströme stabil sei", ergänzt Mitautor Guy Abel. "Unsere jährlichen Daten liefern ein klareres Bild und zeigen, dass diese Rate seit 2000 tatsächlich gestiegen ist. Dieser Aufwärtstrend scheint eher durch langfristige demografische Verschiebungen und wirtschaftliche Entwicklung als durch plötzliche, isolierte Krisen getrieben zu sein."

Relevanz für die Politik

Detailliertere Migrationsdaten sind wichtig, da sie nicht nur zeigen, wie viele Menschen sich bewegen, sondern auch wann, wohin und warum – was politischen Entscheidungsträgern hilft, auf Krisen zu reagieren, Dienstleistungen zu planen und globale Trends zu verstehen. Durch den Einsatz fortschrittlicher maschineller Lernverfahren zur Verknüpfung von amtlichen Statistiken, Volkszählungsdaten und anderen Quellen mit geografischen und wirtschaftlichen Faktoren hilft der neue Datensatz, die bisherigen Lücken zu schließen. 

Blog-Archiv

Ein müdes, gestresstes Gehirn reift nicht, wie es sollte.

               zu Levana, oder Erziehlehre , zu   öffentliche Angelegenheite n aus derStandard.at,  12.6.2026       Einer neuen Studie zuf...