Donnerstag, 23. Juli 2026

Anschauen und symbolisieren.

Ein Pavian sitzt vor einem Bildschirm hinter einem Drahtgitter und berührt den Bildschirm mit einer Hand, während er eine Aufgabe zur Formzuordnung durchführt. 
aus derStandard.at, 20. 7. 2026                                                       zu Jochen Ebmeiers Realien 

Affen begreifen Geometrie auf ähnliche Weise wie Menschen
Auch Affen können geometrische Formen abstrahieren, legt eine neue Studie nahe. Das könnte für die Ausbildung von Kindern relevant sein

Wie entstand das, was uns menschlich macht? Der Moment, als sich die evolutionären Wege der Vorfahren von Affen und Menschen trennten, beflügelt unsere Fantasie und wurde etwa im Science-Fiction-Klassiker 2001: A Space Odyssey unvergesslich in Szene gesetzt. Lange Zeit schienen offensichtliche Unterschiede zwischen Affen und Menschen ausreichend Erklärungen dafür zu liefern, warum Erstere zwar an Intelligenz die meisten anderen Tiere in den Schatten stellen, es aber dem Menschen mit seinen kognitiven Fähigkeiten vorbehalten blieb, den Planeten zu beherrschen.

Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte zeigte sich zunehmend, dass diese Grenze fließend ist und viele für typisch menschlich gehaltene Eigenschaften auch bei Affen zu finden sind, etwa der Gebrauch von Werkzeugen. Eine neue Studie im Fachjournal PNAS geht nun noch einen Schritt weiter in diese Richtung.

Zeichen von Intelligenz

"Geometrisches Vorstellungsvermögen gilt als wichtiges Kennzeichen der menschlichen Intelligenz", schreibt das Forschungsteam in der Studie. Auf der Ebene der visuellen Wahrnehmung sei alles noch sehr ähnlich: Im sogenannten inferotemporalen Kortex seien dieselben Strukturen vorhanden und auch mit den Augen wahrgenommene Formen würden dort fast identisch repräsentiert. Auch Eigenschaften wie Symmetrie würden bei Menschen und Affen wie Makaken gleichermaßen bereits im inferotemporalen Kortex extrahiert.

Menschen und Affen sind also mit vergleichbaren visuellen Werkzeugen ausgestattet. Ihre Fähigkeiten sind dennoch unterschiedlich: Menschen seien beim Erkennen von geometrischen Formen mit "euklidischen" Eigenschaften wie Parallelität oder Symmetrie klar im Vorteil und hätten komplexere geometrische Vorstellungen als andere Primaten. Vor allem bei rotierten Formen tun sich Affen schwerer. "Eine gängige Erklärung für diese Besonderheit des Menschen lautet, dass Menschen sich auf diskrete, symbolische Merkmale stützen, um geometrische Formen zu kodieren, während andere Primaten sich ausschließlich auf kontinuierliche Wahrnehmungsmerkmale stützen", heißt es weiter in der Studie.

Tests mit Affen und Menschen

Diese Idee wollte ein Forschungsteam US-amerikanischer Hochschulen prüfen. Man führte mit acht Affen und rund 150 Menschen Tests des geometrischen Verständnisses durch. Vier der Affen waren Rhesus-Makaken, vier waren Anubispaviane. Die Affen sollten auf einem Bildschirm zweidimensionale geometrische Formen – Dreiecke, Vierecke und andere – richtig zuordnen und erhielten bei erfolgreicher Lösung Snacks.

Das Zuordnen solcher Formen mag einfach klingen, gibt Studienautorin Jessica Cantlon von der Carnegie Mellon University zu. "Es ist aber tatsächlich ziemlich schwierig, da die Objekte keine charakteristischen Merkmale aufweisen und es keine wesentlichen Unterschiede in Farbe, Größe oder Form gibt." Auch für Menschen seien diese Tests nicht immer einfach.

Forscher*innen beobachten zwei Olivpaviane (Papio anubis) in einem Gehege. Einer der Paviane führt eine Aufgabe zur Formzuordnung an einem Bildschirm durch.
Hier führen Anubispaviane den Test durch.
Kinder und Indigene

Die Tests wurden auch mit einigen Dutzend noch nicht schulpflichtigen Kindern, die sich mit abstrakten Formen noch schwerer tun als Erwachsene, sowie mit erwachsenen Indigenen vom Volk der Tsimane’ in Bolivien durchgeführt. Letztere leben dort von Landwirtschaft und gelegentlichem Jagen und Fischen. Bedeutsam für die Studie ist, dass sie keine etwa in den USA übliche Ausbildung genießen.

"Dadurch konnten wir Alter und kulturelle Erfahrungen gewissermaßen voneinander trennen", sagt Cantlon. "Denn wenn man versucht, etwas bei Kindern zu untersuchen, ist es manchmal schwierig zu unterscheiden, ob ihre Fähigkeiten entwicklungsbedingt sind oder ob sie durch Bildung oder Erfahrung erworben wurden."

Ähnliches Verständnis

Die Ergebnisse wurden daraufhin anhand verschiedener Modelle eingeordnet. Eines basierte auf der Annahme, dass Affen die Formen ohne Fähigkeit zur symbolischen Abstraktion erkennen müssen, ein anderes gestand ihnen diese Fähigkeit zu. Es stellte sich heraus, dass alle drei Gruppen dieselbe Herangehensweise zeigen, mit unterschiedlichen Stärken, die bei Erwachsenen am deutlichsten ausgeprägt waren.

"Was uns überrascht hat, war nicht nur, dass Affen diese Aufgabe bewältigen konnten", sagt Jessica Cantlon. "Es war vielmehr, dass Affen, Kinder und Erwachsene offenbar auf im Grunde genommen dieselbe Weise über geometrische Zusammenhänge nachdenken. Das deutet darauf hin, dass diese Intuitionen Teil der grundlegenden Architektur des Primatengeistes sind."

Das ist auch relevant für die Ausbildung von Kindern, betont die Forscherin. "Geometrische Intuition ist etwas, das Menschen schließlich in Mathematik und Naturwissenschaften umsetzen", erinnert Cantlon. "Wenn wir also verstehen wollen, wie Kinder Geometrie lernen, müssen wir verstehen, was sie bereits mitbringen, bevor der formale Unterricht beginnt." Die neue Untersuchung legt laut Cantlon nahe, dass Kinder tief verwurzelte, evolutionär alte Intuition über Form und Raum besitzen. "Die Bildung kann auf diesen Intuitionen aufbauen, anstatt Geometrie als etwas zu behandeln, das von Grund auf neu vermittelt werden muss." 

                                                                                                                                                  

Nota. - Die auszeichnende Fähigkeit des Homos apiens wäre also das Symboli-sieren. Aber keine Symbolisierung ohne Reflexion. Ein  Lautbild oder sonst ein Zeichen an Stelle einer Vorstellung setzen heißt nicht bloß abstrahieren, sondern zwei vollends Inkommensurable gleichsetzen. Das ist ein Gewaltakt.
JE  

 

 

Mittwoch, 22. Juli 2026

"Schwarmintelligenz".

Ein großer Vogelschwarm fliegt über einer winterlichen Küstenlandschaft im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Schneebedeckte Felsen und eisige Flächen sind im Vordergrund sichtbar. 
aus derStandard.at, 19. 7. 2026                                                    Vogelschwärme wie dieser vor dem Wattmeer Schleswig-Holsteins sind zu erstaunlich komplexem Verhalten fähig.                                                              zu Jochen Ebmeiers Realien 

Schwarmintelligenz
Biologe Iain Couzin: "Tiere sind besser darin, kollektive Entscheidungen zu treffen"
 Der Brite Iain Couzin erforscht Schwarmverhalten bei Tieren, Menschen und einzelnen Zellen. Alte Vorstellungen von Schwärmen müssen seiner Ansicht nach revidiert werden

Wer jemals Ameisenstaaten oder große Vogelschwärme genauer beobachtet hat, kann leicht ins Staunen kommen: Die Tiere sind in der Lage, riesige geordnete Strukturen zu bilden, die für das einzelne Individuum unmöglich zu überblicken sind, und sich wie ein eigener Organismus verhalten. Wie das möglich ist, untersucht seit vielen Jahren der britische Biologe Iain Couzin, der an der Universität Konstanz und am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie forscht. Dazu steckt er Zebrafische in Virtual-Reality-Umgebungen, baut Schwärme aus Robotern und wendet das gewonnene Wissen auch auf Gruppen von Menschen an. Im Rahmen der 14. Europäischen Konferenz für Mathematische und Theoretische Biologie an der Universität Graz hielt er am vergangenen Freitag einen öffentlichen Vortrag über seine Arbeit. Der STANDARD traf ihn zum Gespräch.

STANDARD: Gerade sehr einfache Tiere wie Ameisen bilden äußerst komplexe Staaten. Wie ist das möglich?

Couzin: Wanderameisen sind ein sehr interessantes Beispiel, weil sie einige der größten Ameisenkolonien der Welt bilden. Sie können 20 Millionen Tiere haben, und die afrikanischen Wanderameisen sind komplett blind. Und trotzdem können die Tiere als Kollektiv Probleme lösen, wie Brücken mit ihren Körpern zu bauen, um Gräben zu überwinden. Da sie dieses Problem gemeinsam lösen, konnten sie im Laufe der Evolution die Kosten für die individuelle Intelligenz senken, denn das Gehirn braucht sehr, sehr viel Energie, wenn man es mit Muskeln vergleicht. Wird also das Sehvermögen nicht mehr benötigt, lässt sich eine beträchtliche Menge an Energie einsparen. Die Wanderameisen treiben das ins Extrem und können trotzdem als Kollektiv komplexe Aufgaben lösen.

STANDARD: Die Gründe für Schwarmverhalten bei Tieren sind dabei nicht immer naheliegend. Können Sie ein Beispiel geben?

Couzin: Was wir bei Heuschrecken festgestellt haben, ist, dass sie alles andere als kooperativ sind – Heuschrecken in einem Schwarm befinden sich vielmehr auf einem Zwangsmarsch. Wenn beispielsweise in Ostafrika Regen einsetzt, können die Heuschreckenpopulationen immer weiter wachsen, doch sobald eine Dürre eintritt oder die Heuschrecken die verfügbare Nahrung aufgefressen haben, sind sie gezwungen, sich zusammenzuschließen. Und wenn sie zu schwärmen beginnen, werden sie zu Kannibalen: Jedes einzelne Tier versucht, das vor ihm liegende zu erwischen und dem hinter ihm liegenden auszuweichen. Das Ergebnis davon ist, dass sie dazu neigen, die nährstoffreichen Bereiche gewissermaßen im Gleichklang zu verlassen, wobei sie verzweifelt um ihr Leben kämpfen.

STANDARD: Wie einfach darf ein Lebewesen sein, um noch komplexe Schwärme bilden zu können? Gibt es eine Grenze?

Couzin: Nein, nicht wirklich. Unsere Körper sind schließlich auch Kollektive. Man braucht also nicht einmal Tiere, um komplexes Verhalten zu erhalten. Die Interaktionen können ziemlich einfach sein, was nicht heißt, dass die Individuen selbst sehr einfach gestrickt sein müssen. Es ist einfach so, dass manchmal einfache Interaktionsregeln ausreichen, auch bei Menschen. Wenn wir uns in großen Menschenmengen befinden, sind wir uns gar nicht bewusst, wie wir uns in Relation zu anderen verhalten. In Menschenmengen sind wir dabei eigentlich recht vorhersehbar, weil wir gewissermaßen auf Autopilot agieren.

STANDARD: Folgen Menschenmengen und Zellen im Körper also denselben Gesetzen? Wie universell sind diese Regeln?

Couzin: Ich glaube, es gibt einige wirklich grundlegende mathematische Prinzipien, die all diese verschiedenen Größenordnungen miteinander verbinden. Ob es nun um die Klebrigkeit der Zellen geht, die dazu führt, dass sie ihre Bewegungsrichtungen aufeinander abstimmen, oder ob es sich um etwas Kognitives handelt – wir beobachten immer noch plötzliche Verhaltenswechsel und bestimmte Verhaltensmuster. Trotz der Vielfalt der Interaktionen entsteht auf einer größeren Ebene etwas Einfaches, das recht vorhersehbar ist, auch wenn die einzelnen Einheiten selbst dies vielleicht nicht sind, wie Aggregatzustände in der physikalischen Welt.

STANDARD: Wie hat sich unser Bild zur Bildung von Schwärmen in den vergangenen Jahren verändert?

Couzin: Als wir anfingen, uns mit Tierkollektiven zu beschäftigen, hatten wir keine experimentellen Daten. Deshalb griffen wir auf computergestützte Modelle zurück. Diese Modelle waren stark von der Chemie und Physik inspiriert, insbesondere von den Wechselwirkungen, die man zwischen Molekülen beobachtet. Sie waren also ziemlich weit von der Biologie entfernt. Die neuronalen Netzwerke, die Informationen verarbeiten, wurden dabei eigentlich gar nicht berücksichtigt. Als wir begannen, die Tiere detailliert in Gruppen zu verfolgen und diese Hypothesen zu überprüfen, fanden wir keine Belege dafür.

Ein dichter Schwarm kleiner, silberner Fische schwimmt unter Wasser in türkisfarbenem Licht.
Schwärme bieten Fischen Schutz. Einzelne Tiere profitieren von der Intelligenz und Wahrnehmung des Kollektivs.

STANDARD: Gibt es eine bessere Erklärung?

Couzin: Vor wenigen Jahren wurden im Gehirn Strukturen entdeckt, die Ring-Attraktor-Netzwerke genannt werden. Sie entwickelten sich unabhängig voneinander in verschiedenen Tierarten, in Wirbeltieren ebenso wie in Fliegen. Ich halte es für ein bemerkenswertes Beispiel für konvergente Evolution. Dies hat uns daraufhin dazu veranlasst, unsere Vorstellungen davon, wie kollektives Verhalten koordiniert wird, neu zu überdenken. Wir konnten mit diesem Wissen Experimente durchführen, um die klassischen Modelle mit dem neuen kognitiven Zugang zu vergleichen. Und wir haben ziemlich überzeugende Belege dafür gefunden, dass die alten Theorien falsch sind und wir den neuen Ansatz übernehmen müssen. Viele Dinge, die wir über kollektives Verhalten zu wissen glaubten, sind also nicht korrekt. Aber wir haben zugleich zum ersten Mal die Möglichkeit, über abstrakte Modelle hinauszugehen und die neuen Modelle auf neurobiologische Prinzipien und eine neuronale Architektur zu gründen, die sich überall in der Natur findet.

STANDARD: Viele im Kollektiv agierende Tiere scheinen sich für die Gruppe aufzuopfern, für das große Ganze und den Fortbestand des Kollektivs. Ist dieses Bild richtig, oder profitieren auch einzelne Individuen?

Couzin: In der Biologie ist es äußerst selten, dass etwas nur der Gruppe dient. Fast immer geht es um den Vorteil des Individuums. Sie sind meist genetisch nicht eng verwandt und tun, was gut für sie ist und was ihre Gene verbreitet. Wir haben einmal Paviane untersucht, weil sie den Ruf haben, dass sie eine starke, auf Dominanz begründete Hierarchie haben. Die Männchen sind dominant, und an der Spitze steht das Alpha-Männchen. Wenn man sich Fernsehdokumentationen ansieht, lernt man dort, dass dieses Männchen entscheidet, was zu tun ist. Doch das erwies sich als nicht richtig. Die Gruppe trifft sehr demokratische Entscheidungen, die es auch anderen Individuen erlauben, vom intelligenten Verhalten der ganzen Gruppe zu profitieren. Erst wenn eine gute Futterquelle gefunden wird, dominiert das Alpha-Männchen. Man muss sehr aufpassen und alles aus der Perspektive einzelner Tiere betrachten, denn egoistische Individuen können von der kollektiven Intelligenz und Wahrnehmung einer Gruppe profitieren.

STANDARD: Sehr einfache Tiere wie Ameisen scheinen mit dem Zusammenleben viel besser zurechtzukommen als Menschen. Woran liegt das?

Couzin: Ich glaube, eine der großen Herausforderungen für den Menschen besteht darin, dass wir evolutionär nicht darauf ausgerichtet sind, in Großstädten oder sehr großen Gesellschaften zu leben – insbesondere in der heutigen Zeit, in der die Kommunikation, insbesondere die digitale Kommunikation, sehr schnell vonstattengeht. Das ist etwas, womit wir nicht zurechtkommen. Wir haben uns in kleinen Familiengruppen oder Clans entwickelt, in denen die Geschwindigkeit der Kommunikation – sei es durch Sprechen, Schreiben oder Ähnliches – relativ langsam war. Einer der Gründe, warum Tiergruppen so klug sind, liegt darin, dass jedes einzelne Tier gewissermaßen seine eigene Einschätzung, sein eigenes Urteil bildet und diese dann über das soziale Gefüge zusammengeführt werden. Wir Menschen hingegen lassen uns oft beeinflussen. Das macht es für uns viel schwieriger, tatsächlich kluge Entscheidungen zu treffen. In vielerlei Hinsicht sind Tiere viel, viel besser darin, kollektive Entscheidungen zu treffen als Menschen. 

 

Nota. -  Intelligenz galt als die auszeichnende Eigenschaft von Homo sapiens. Den Tieren wurden als karger Ersatz die Instinkte zugesprochen. Dass auch ihnen mehr oder weniger Intelligenz zuzubilligen sei, hat sich in der Wissenschaft erst seit einem Jahrhundert herumgesprochen. Wenn aber kein ausgezeichneter Unterschied identifiziert werden kann, muss die Abstammung eine stetige gewesen sein, ohne Sprünge und ganz graduell. Und so erscheint der Mensch lediglich als ein besonders hochentwickeltes Tier. 

So auch bei Iain Couzin, und so vergleicht er das menschliche Individuum mit dem tierischen 1:1. Doch bei der Kooperationsfähigkeit steht der Mensch auf einmal wie ein Nachzügler da, der sich in seiner selbstgeschaffenen Lebenswelt von Industrie und Handel nicht mehr ganz zurechtfindet. Doch an Intelligenz allein kann es nicht liegen, denn durch die hat er seine kulturelle Umwelt ja gerade aufgebaut...

* 

Nun aber ist der Übergang von tierischer Intelligenz zu menschlicher kein bruch-loser, sondern sehr wohl ein Sprung: Allein das menschliche Gehirn reflektiert. Es schaut das, was es umgibt, nicht bloß an und zählt zusammen, was es unterscheiden kann, sondern setzt sich zu ihm und es zu sich in ein Verhältnis. Indem er unter-scheidet, was er sieht - und dass er sieht -, kann er entscheiden, was er tut

Der Star braucht aber, um im Schwarm aufzugehen, auf sein Reflektieren nicht erst zu verzichten, denn er hat gar keins, und wenn der Mensch darauf verzichtet, er-wirbt er keine Schwarmintelligenz, sondern wird ein Schwarmidiot. Denn was ihn von Tier unterscheidet, ist nicht seine relative Intelligenz, sondern seine Fähigkeit zur Vernunft. Die kann er allerdings brachliegen lassen.
JE 

 

 

Dienstag, 21. Juli 2026

Crap.

         zu öffentliche Angelegenheiten 

Das ist reine geschrieben habe ich das Wort noch nie : - Scheiße. Suchen Sie selbst: Darin ist nicht eine einzige politische Aussage, alles nur Hetze ad hominem. Ersetzen Sie zwei, drei Wörter, und der Dreck könnte von einem Nazi stammen.

Und stellen Sie sich vor, so einer wollte in den Öffentlich-Rechtlichen - das gäb ein Theater!

  

Montag, 20. Juli 2026

Des gesünderen Volks Empfinden, oder: Die Anbiedermänner.

                                       zu öffentliche Angelegenheiten 

Songtext zu „Keine Angst“

[Strophe 1]
Es gibt jetzt zwei Option'n, beide machen Stress
Eine ab morgen schon, die andere ab jetzt
Wir könn'n darauf warten, dass sie in den Parlamenten
Und auf der Straße erstarken, bevor wir sie bekämpfen
Und wir warten, warten, warten, das ist erstmal bequemer
Es geht uns trotzdem an den Kragen, nur halt etwas später
Die andre Möglichkeit bedeutete schon heute
Stress mit der Polizei und den ganz besonders Deutschen
Dafür 'ne kleine Chance, das Blatt nochmal zu wenden
Oder vielleicht das Schlimmste noch verhindern zu können
Du weißt nicht, was du tun kannst, du weißt nicht, wie das geht
Hör mir zu, ich hab' vielleicht eine passende Idee

[Refrain]
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

[Strophe 2]
Ruf erst mal ein, zwei Leute an, den'n du vertraust
Auf die man sich verlassen kann und macht ein Treffen aus
Ihr gründet eine Gruppe, die keinen Namen hat
Kein Gründungsdatum und auch kein Verein oder so'n Quatsch
Redet mit Bars und Kneipen, fragt, ob die für 'nen Abend
Räumlichkeiten für 'ne Party gegen Nazis haben
Ladet eure Freunde ein, ein kleines Festival
DIY, Eintritt frei, sammelt auf Spendenbasis Geld
Mit dem Geld, das ihr verdient, kauft ihr Dosen, um zu sprüh'n
Kauft ihr Aufkleber und Marker, sorgt dafür, dass jeder sieht
Ihr habt kein'n Bock auf Faschos und das hier ist eure Stadt
Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras
Nie ohne Handschuh, nie 'n Fingerabdruck hinterlassen
Und erst recht nie film'n und niemals ein Foto davon machen
Von Aktion'n nur den'n, die selbst dabei waren, erzähl'n
Es geht um linke Straßenpolitik und nicht um Fame
Ihr braucht Regeln für die Kommunikation
Nicht nur Nazis und Konsorten, die in eurer Gegend wohn'n
Auch die Sicherheitsbehörden werden sich schnell intressier'n
Ihr dürft von Anfang an alles nur geheim kommunizier'n
Das bedeutet, keine DMs, keine Messenger und Mails
Alles, was verboten sein könnte, immer Face-to-Face
Lasst das Handy zuhaus wegen Bewegungsprofil'n
Und wenn sie euch erwischen, redet nicht mit ihn'n
[Refrain]
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

[Strophe 3]

Man wird sich wundern, wenn man weiß, dass in den Kern
Dieser Gruppen meistens nur ein paar wenige gehör'n
Eine Handvoll Leute reichen meistens aus
Eigene lokale Antifa-Strukturen aufzubau'n
Als nächstes müsst ihr die rechten Struktur'n recherchier'n
Heimlich ihre Treffen und Demonstration'n fotografier'n
Findet raus, wer sie sind, was sie tun, wo sie leben
Wo sie arbeiten und findet raus, mit wem sie sich umgeben
Baut Fake-Accounts bei TikTok und bei Telegram
Dokumentiert alles, was sie schreiben, alles, was sie sagen
Holt den Papiermüll ab, lauft ihn'n nach
Zu ihren Häusern, ihren Wohnung'n, den Treffpunkten und Bars
Meldet euch bei jeder Singlebörse an
Irgendwie und irgendwann kommt man an jeden Nazi ran
Werdet dreist, delinquent, akribisch und kreativ
Stück für Stück füttert ihr so euer Antifa-Archiv
Faschos leben abgeschottet, sie leben im Wahn
Mit Argumenten kommt man meistens nicht mehr an sie ran
Die Erfahrung zeigt, dass aber trotzdem doch etwas passiert
Wenn man ihr gesamtes Umfeld kontaktiert
Früher nannte man so etwas „Outingaktion“
Es hing'n Flyer und Plakate in den Vierteln, wo sie wohn'n
Mit Fotos und Funktion'n, mit Nam'n und mit Adressen
Niemand wird ein Nazischwein als sein'n Nachbarn möchten
Das flankierte man mit ein paar Telefonaten
Um ihre Schul'n, Unis, Arbeitgeber zu beraten
Man wünschte ein'n guten Tag und fragte dann: „Wie
Passt so etwas in eure Firm'nphilosophie?“
Helft euren Lokalzeitung'n mit Information'n
Wenn sie nicht schon von selbst dahinterkomm'n
Dass es Probleme gibt mit Nazis in der Stadt
Vielleicht wird dann sogar die Staatsanwaltschaft wach
Mit etwas Glück kriegen sie Post oder geh'n in den Knast
Doch ihr wärt blöd, wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst
Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil
Es gibt so viele Faschos bei der Polizei
 
 
 
Nota bene. Nicht wurde verlangt, das Lied zu verbieten. Verlangt wurde, es über den  öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verbreiten. Aber der wollte es nicht.
JE
 
 
 

Klang und Bedeutung.

                                        zu Jochen Ebmeiers Realien

Ganz falsch!
Eine Tautologie sagt gar nicht aus, weder wahr noch unwahr. Sie klingt bloß. 

Ein Satz ist nicht nur ein Klang, sondern, wie gebildete Leute sagen, ein performa-tiver Akt. Und worin besteht die Performanz? Darin, dass sie ein Lautgebilde mit einer Vorstellung gleichsetzt; in Wahrheit sind beide ganz was Anderes. Zwischen ihnen liegt ein Abgrund, aber der Performer behauptet, dass der Abgrund so schmal ist, dass man ruhig von ihm absehen kann. 

Doch ob oder ob nicht ist in fast jedem Fall strittig, und prompt scheiden sich wahr und unwahr.

 

 

Sonntag, 19. Juli 2026

Besser Doppelmoral als gar keine.

Und hält besser.

Auch er ein Opfer? 

 

 

Eine Rose.

                                                              zu Geschmackssachen 

Sätze sind umso wahrer, je näher sie der Tautologie stehen.
Umso weniger Gehalt haben sie auch. 

Die Grenzen meiner Sprache seien die Grenzen meiner Welt, sagte einer. Aber das ist ein Fehler der Sprache und nicht der Welt. Der einzig völlig wahre Satz ist die Tautologie, doch gottlob besteht mein leben nicht aus sprechen, denn Sätze muss ich nur sagen, um sie an einen andern zu richten. Nur dann müssten sie übrigens wahr sein. Mit mir selbst kann ich reden, muss es aber nicht; muss ich auch nicht wahr reden, und Tautologien muss ich mir schon gar nicht sagen.

Aber wenn ich wahr reden will, müsste ich es zuerst wohl zu mir selber: um zu hören, wie es klingt und ob ich es so lassen kann oder neu versuchen muss. Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.  

 

 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

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Anschauen und symbolisieren.

  aus derStandard.at, 20. 7. 2026                                                          zu Jochen Ebmeiers Realien   Affen begreifen Ge...