Montag, 10. August 2026

Was heißt hier ästhetisch?

                                                 zu Geschmackssachen

Aussagen zu Qualitäten nenne ich ästhetisch.

Qualia sind Singularia. Sie sind an sich und stehen in keinem Verhältnis zu Etwas anderem. Sie sind nicht aus Voraussetzungen konstruiert und werden nicht begrif-fen, sondern angeschaut: De singularibus non est scientia.

Sie lassen sich nicht begründen, sondern nur anpreisen.
10. 12. 16

 

Sonntag, 9. August 2026

Das Absolute ist eben nicht von dieser Welt.

 Inntel-Hotel Amsterdam                                              aus Ebmeiers Einblick
aus Süddeutsche.de, 30. 3. 2022               "Die Vielheit unter einem Gemeinsamen denken, das kein Absolutes sein kann." 

Die Krise des Absoluten                                                                             
Verkannter Knotenpunkt 
Daniel-Pascal Zorn rettet die philosophische Postmoderne.

Von Christoph Möllers

Bei einem Gespräch über die Zukunft der Demokratie im Schloss Bellevue beklagten sich vor Kurzem gleich mehrere Rednerinnen und Redner angesichts des Grassierens politischer Falschmeldungen über die herrschende "postmoderne Beliebigkeit". Nun mag man über Beliebigkeit lamentieren, doch was an dieser genau "postmodern" ist, bleibt die Frage. Die Vorstellung, den einst wahrheitsliebenden westlichen Gesellschaften sei durch eine kleine Schar französischer Denker der Relativismus eingeflößt und der Drang nach faktischer Richtigkeit ausgetrieben worden, wird ja eigentlich in der Sekunde abwegig, in der man sie ausspricht. Trotzdem findet sie weiterhin Anklang.

Der Philosoph Daniel-Pascal Zorn hat dieser schlichten Geschichte nun auf mehr als 600 Seiten eine gewaltige und komplexe Gegenerzählung gewidmet. Anhand einer kollektiven intellektuellen Biografie von acht Philosophen zeichnet er die Denkbewegung eines unübersichtlichen und vielfältigen intellektuellen Projekts nach, das weniger eine geschlossene Schule darstellt als einen repräsentativen Knotenpunkt im Denken unserer Zeit.

 Daniel-Pascal
 Zorn: Die Krise des Absoluten - Was die Postmoderne hätte sein können. 
Klett-Cotta, Stuttgart 2022. 648 Seiten, 38 Euro.

Die philosophische Postmoderne wird damit zu einem tief in die Geschichte der Philosophie eingebetteten Unternehmen

Unter den dargestellten Autoren findet sich zunächst die klassische vierköpfige Kernmannschaft der französischen Philosophie der Siebziger und Achtziger: Jacques Derrida, Gilles Deleuze, Michel Foucault und Jean-François Lyotard. Ergänzt werden diese - und hierin liegt ein Clou des Buches - durch vier weitere Denker: zwei deutsche Philosophen einer früheren Generation, Theodor W. Adorno und Joachim Ritter, dazu dem Kybernetiker Heinz von Foerster und den amerikanischen Neo-Pragmatisten Richard Rorty.

Die Spuren, die Zorn in seinem Buch legt, führen dabei weit in die Philosophiegeschichte zurück, sie verästeln sich nicht allein in den mal intellektuellen, mal realen Begegnungen der Protagonisten miteinander, sondern beziehen ein riesiges Nebenpersonal ein, Lehrer, Lehrer von Lehrern, intellektuelle Milchbrüder- und schwestern, Förderer und mitunter Begleitfiguren von außerhalb der Philosophie. Die Länge der Liste der dramatis personae, die dem Buch leider ebenso fehlt wie ein Personen- oder Sachregister, kann mit jedem russischen Roman konkurrieren: Wer war noch gleich Jean Cavaillès? Es lohnt sich, ihn kennenzulernen.

Derart wird die philosophische Postmoderne zu einem tief in die Geschichte der Philosophie eingebetteten Unternehmen der Suche nach einem Begriff des Absoluten, das sich nicht, wie Habermas wirkmächtig behauptete, schlicht als Antithese zu aufklärerischer Rationalität verstehen lässt. Wie Zorn deutlich macht, erweisen sich nicht nur Nietzsche und Heidegger als Vordenker der Postmodernisten, sondern auch der Empirist Hume, der Neukantianer Cassirer oder der Analytiker Quine.

Das Bild, das so entsteht, ist abschreckend kompliziert. Weil das Buch nicht streng chronologisch vorgeht, sondern sich mit vielen Rück- und Seitenschritten von den Anfängen der Protagonisten mal in deren näheren und weiteren Vorgeschichten, im Ganzen dann aber doch wieder von hinten in die Gegenwart vorarbeitet, ist die Lektüre auch dann anspruchsvoll, wenn man versucht, den Faden des verlorenen Absoluten im Kopf zu behalten. Denn, wie Zorn schön formuliert, startet die Krise des Absoluten mit jeder Figur neu, in die sich das Absolute zurückzieht.

Geordnet sind die Abschnitte und Unterabschnitte nach bestimmten Problemen, deren Darstellung durch Schnitte unterbrochen wird, die sich erst bei weiterer Lektüre durch Rückverweise erklären. Man vertraut dem Autor, dass er über den Aufbau des Buchs lange nachgedacht hat, ist sich aber nicht immer sicher, diesen nachvollziehen zu können. Dabei werden Argumente in der Sache vorbildlich klar und lesbar entwickelt. Es bleibt kein anderer Weg als die langsame, konzentrierte und lineare Lektüre eines Buches, das man sich als Netz- und Verweisstruktur hätte denken können. Diese wird nicht dadurch erleichtert, dass die Überschriften der Abschnitte und Unterabschnitte eigentlich gar keinen Hinweis auf ihren Inhalt geben. Im Abschnitt "Hügel 937" geht es übrigens um den Studentenaufstand 1970 in Paris Nanterre.

Die Postmodernisten sind hier Helden eines Denkens, das frei ist, ohne seine genuin intellektuelle Rigorosität aufzugeben

Zorn bezieht die politischen Umstände der Debatten mit ein, konzentriert sich aber zumeist auf die eigentlichen Argumente. Das Konzept der "Dekonstruktion" auf zwei Seiten auch aus seiner philosophischen Herkunft zu erklären, setzt eine intellektuelle Fähigkeit voraus, die sich im Buch an unzähligen Stellen zeigt. Dass die Philosophie hier nicht als ein Nebeneinander großer Systeme erscheint, sondern als ein Gegeneinander argumentativer Elemente, ist natürlich kein Zufall - aber es wäre eben ein Fehler, das als "typisch postmodern" zu klassifizieren. Wie Zorn lakonisch bemerkt: "Die philosophische Postmoderne ist, so verstanden, einfach Philosophie."

Die konsequente Verschiebung bekannter Frontlinien wird damit zu einer der wichtigen Einsichten von Zorn. Der "Kontinent der Postmoderne" ist nicht rein europäisch, er steht in keinem Gegensatz zum amerikanischen, er richtet sich auch nicht gegen naturwissenschaftliche Erkenntnisformen oder analytische Zugänge. Und die intellektuellen Begegnungen zwischen Adorno und Ryle, Deleuze und Hume oder die Parallelen zwischen Genealogiekonzepten bei Foucault und Koselleck, die Zorn uns vorstellt, schließen es aus, die Postmoderne von der restlichen Geschichte der Philosophie zu isolieren.

Der etwas rätselhafte Untertitel des Buchs "Was die Postmoderne hätte sein können", wird zu Beginn kaum erklärt und erst ganz am Ende wirklich verständlich. Hier erst kommt die Zuneigung zutage, mit der sich Zorn wie mit anderen Wertungen auch ansonsten angenehm zurückhält. Für ihn sind die Postmodernisten Helden eines Denkens, das frei ist, ohne seine genuin intellektuelle Rigorosität aufzugeben, ein Denken, das - nicht zufällig auch in den Schuhen des amerikanischen Pragmatismus stehend - den Weg für eine philosophische Praxis frei machen will, in der durch freie Gedanken freie Institutionen entstehen, die sich nicht der Beliebigkeit eines anspruchslosen Pluralismus verschreiben: "Der Schritt von der Pluralität zum - bequemeren - Relativismus ist klein. Er besteht darin, das Unternehmen aufzugeben, die Vielheit unter einem Gemeinsamen zu denken, das kein Absolutes sein kann."

Fehlt uns die Geduld, uns mit der Komplexität dieser Entwürfe wirklich zu beschäftigen?

Die Utopie eines solchen Denkens, dessen Verwirklichungsmöglichkeiten Ende der Sechziger und Anfang der Siebziger kurz aufblitzen, wird in Zorns vielleicht etwas kulturpessimistischer Lesart durch die kapitalistische Wende der Achtziger unmöglich gemacht. Sie endet also in dem Moment, in dem der Ausdruck "Postmodernität" überhaupt erst in einen breiteren Gebrauch kommt. Dass die Postmodernisten, wenn man Zorn folgt, Opfer einer durch den Kapitalismus geschaffenen Aufmerksamkeitsökonomie wurden, in der es an Geduld fehlt, sich mit der Komplexität ihrer Entwürfe zu beschäftigen, und in der stattdessen preiswerte Moralisierung nachgefragt wird, erscheint aber zumindest leicht undialektisch.

Denn es dürfte nicht zuletzt der Popstar-Status von Figuren wie Derrida und Foucault sein, der dazu geführt hat, dass sie von vielen ernsthaft und gründlich gelesen wurden. Wie es überhaupt etwas seltsam anmutet, einer Gruppe so ausnehmend erfolgreicher Autoren den Status einer verkannten Kleinsekte zuzuweisen. Wenn Zorns Buch hoffentlich viele Leserinnen findet, dann auch, weil die Philosophen, über die er schreibt, viele Leserinnen gefunden haben. Dies wünscht man ihm auch deswegen, weil es wahrscheinlich keine Disziplin gibt, in der es größeren Muts bedarf, ein solches Buch zu schreiben.

Heute scheint die Philosophie in großer Sorge um ihren wissenschaftlichen Status zu sein, obwohl sie doch gerade die Bedeutung dieses Status infrage stellen sollte. Auch deswegen hat sie zu öffentlichen Debatten bemerkenswert wenig beizutragen. Dass Zorn sich um intelligente Vereinfachung bemüht, die im Ergebnis immer noch nicht "einfach" genannt werden kann, um das Anliegen der Philosophie zu erklären, wird sie ihm hoffentlich nicht übelnehmen, sondern danken.

 

Nota. - Die postmodernen Denker hätten bis 1780 in der Welt auftreten dürfen. Ab 1781 nicht mehr. Da ist die Kritik der reinen Vernunft erschienen. Seither sind sie veraltet, bloß wissen die Franzosen davon bis heute nichts.

Ein Real-Absolutes ist seit Kant so etwas wie ein schwarzer Schimmel. Das war am Vorabend der Revolution - der französischen. Die hat, ein Jahr, nachdem sie auf ihrem Höhepunkt den Kult der Vernunft gefeiert hat, dem Höchsten Wesen gehul-digt. Da gings schon längst mit ihr bergab.

Die Romantik, die wie die Transzendentalphilosophie ihr deutsches Echo gewesen ist, hielt der Rückkehr des Absoluten in Politik und Philosophie nicht lange stand, die eine verblühte zum Biedermeier, die andere zu Deutschem Idealismus. Immer wieder gab es danach Versuche, zur Stunde Null - Revolution, Romantik, Transzen-dentalphilosophie - zurückzukehren. Deren Hardware ruht inzwischen auf dem Müllberg der Geschichte. So müsste die Software nun umso dringlicher auch für sie eintreten.

Mit andern Worten, den wahren Knotenpunkt verkennt auch Christoph Mölders. Die Vielheit ist nicht unter einem Gemeinsamen zu denken, das allerdings ein reales sein müsste, aber nicht kann; sondern aus einem Ursprung zu denken: der Einbil-dungskraft, denn der Gegenstand ist an sich ununterschieden und kennt keine Vielheit.
JE 31. 3. 22 
 

 

Samstag, 8. August 2026

Von der Ästhetik der Geselligkeit.

 
 
Rubens, Bauerntanz                                                                                                                           aus Geschmackssachen

Zu den natürlichen Bedürfnissen der Menschen gehören außer den physischen - Hunger, Durst, Frost - auch das Bedürfnis nach Geselligkeit. Solange Arbeit (in schwindendem Maß) auch gesellig geschieht, hat sie einen Wert, der über ihren bloß physischen Erhaltungswert hinausweist (und ist nicht nur Mühsal). Aber Gesellig-keit ist - anders als Hunger, Durst, Frost - nicht mit einem immanenten Maß da, sondern um ihrer selbst willen. Sie hat ästhetischen Charakter.

In dem Maße, wie in der Arbeit die Erhaltungsfunktion auf Kosten der Gesellig-keit immer mehr an Boden gewinnt, verbindet sich jene umso enger mit dem Äs-thetischen (Tanz!). Geselligkeit wird Feierabend, "Erholung" = Reproduktion des Arbeitsvermögens. Wird vom Erhaltungswert absorbiert, unterworfen, mediatisiert. Und nun wiederum schwindet das Ästhetische in den privaten Winkel: Es wird ab/solut. 
aus e. Notizbuch, 17. 10. 08

Freitag, 7. August 2026

Takt und Motorik.

tanzende Mänade                                                                                        zu Geschmackssachen
aus derStandard.at, 18. 1. 2025

Warum wir beim Musikhören automatisch im Takt blinzeln
Menschen synchronisieren unbewusst ihren Lidschlag mit dem Rhythmus der Musik – und das überraschend zuverlässig. Das könnte Hinweise auf Prozesse im Gehirn geben

Auch wenn Sie zu jenen Menschen gehören, die meinen, nicht einmal mit der Wimper zu zucken, wenn härtester Industrial-Sound die Gehörgänge zermalmt: Sie werden vermutlich dennoch automatisch im Rhythmus blinzeln, wenn Sie Musik hören. Das fand ein chinesisches Wissenschaftsteam heraus. Es servierte ihren Probandinnen und Probanden allerdings klassische Musik.

Wenn wir nicht anders können, als bei einem Konzert oder vor dem Radio mit den Füßen zu wippen und mit dem Kopf zu nicken, dann liegt das an einem neurologischen Prozess, der auditorisch-motorische Synchronisation heißt. Diese Verbindung hilft auch Läufern, ihr Tempo zu halten, wenn sie Songs mit einer bestimmten Anzahl von Beats pro Minute hören.

Wir reagieren aber nicht nur mit Bewegungen auf Musik, die wir bewusst machen oder abstellen können. Auch der unbewusste Lidschlag gleicht sich an den Beat an, wie ein Forschungsteam rund um die Psychologin Yi Du von der chinesischen Akademie der Wissenschaften im Fachmagazin Plos Biology berichtet. Das offenbare einen verborgenen Zusammenhang zwischen dem Hören von Musik und dem okulomotorischen System, das die Bewegung der Augen steuert.

Blinzel-Frequenz

Blinzeln ist zunächst ein physiologischer Vorgang, um das Auge zu schützen und zu befeuchten. Erwachsene kommen auf durchschnittlich zehn bis 15 Lidschläge pro Minute, bei Kindern sind es weniger. Je nach Situation kann die Frequenz schwanken: Bei konzentrierter Arbeit vor dem Bildschirm kann sie sinken, bei Nervosität stark ansteigen.

Nahaufnahme eines menschlichen Auges mit einem auffällig mehrfarbigen Irismuster in Blau- und Brauntönen. Die Details der Haut und Wimpern sind deutlich sichtbar.
Das Auge samt seinem Wimpernschlag kann ein Fenster zu den Vorgängen im Gehirn sein.

Blinzeln scheint daher eng mit einigen kognitiven Prozessen verknüpft zu sein. Nicht nur gibt es Zusammenhänge mit der Aufmerksamkeit, das Blinzeln ist auch Teil der nonverbalen Kommunikation und dient der Segmentierung von Gedanken und Wahrnehmung. Hier wirkt der Lidschlag wie ein Reset und trägt dazu bei, das Gehirn für einen kurzen Moment zu entlasten.

Bach-Choräle vor- und rückwärts

In der Studie hörten nun 123 junge Erwachsenen ohne musikalische Vorbildung Choräle von Johann Sebastian Bach, während ihre Gehirnaktivität und ihre Augenbewegungen gemessen wurden. Sie wählten dabei Stücke mit gleichmäßigem Tempo aus. Dabei zeigte sich, dass die Teilnehmenden nicht nur im Takt zu blinzeln begannen, auch ihre Gehirnströme passten sich an.

Zur Sicherheit spielten die Forschenden die Choräle rückwärts ab, um zu überprüfen, dass die Testpersonen nicht auf andere melodische Signale reagierten, doch sie blinzelten trotzdem im Takt. "Was uns am meisten überrascht hat, war, wie zuverlässig so eine kleine Bewegung wie das Blinzeln mit dem Takt synchronisiert ist – diese winzige Handlung weist auf eine tiefgreifende Koordination zwischen Hören und Bewegung hin, die wir überhaupt nicht erwartet hatten", sagt Yi Du.

Die Forschenden interpretierten das als Hinweis darauf, dass das Gehirn die Struktur der Klänge genau verfolgt – allerdings nur, wenn die Aufmerksamkeit auf die Musik gerichtet ist. Denn in einem weiteren Experiment mussten die Teilnehmenden während des Musikhörens darauf warten, dass ein roter Punkt auf dem Bildschirm vor ihnen erscheint. Die Folge: Das Blinzeln verlief nicht mehr im Takt, unabhängig davon, ob der Punkt im Takt der Musik oder außerhalb davon erschien. Die Forschenden schließen daraus, dass auch eine unbewusste Reaktion wie der Lidschlag erfordert, dass wir uns auf die Musik konzentrieren.

Zeitmechanismen im Gehirn

Die Untersuchung solcher Phänomene könne helfen zu verstehen, wie Sinneswahrnehmungen und Gehirnfunktionen verdrahtet sind, hofft das Forschungsteam. Es gebe bereits Hinweise darauf, dass bestimmte neurologische Erkrankungen, die die Körperbewegung beeinträchtigen, mit Musiktherapien behandelt werden können, die die auditiv-motorische Synchronisation nutzen.

"Ich fand es toll, dass ein einfaches, nicht-invasives Signal wie das Blinzeln als Fenster zur Rhythmusverarbeitung dienen kann. Das eröffnet Möglichkeiten für Studien außerhalb des Labors", sagt die Expertin für Sprach- und Musikwahrnehmung. Sie sei beeindruckt davon, "dass die Augen mit den Ohren im Takt bleiben – das ist ein elegantes, alltägliches Zeichen für die Zeitmechanismen des Gehirns." 

 

Donnerstag, 6. August 2026

Warum ist der Mensch intelligenter als andere Tiere?

Neuronen des menschlichen Gehirns © ktsdesign / depositphotos.com                 zu Jochen Ebmeiers Realien
aus scinexx.de, 3. 8. 2026 

Warum ist der Mensch intelligenter als andere Tiere?
Neuronen ähneln simplen Microchips und nicht Ein-/Ausschaltern

Die Neurowissenschaft ging lange davon aus, dass Menschen vor allem deshalb intelligenter als andere Tiere sind, weil sie mehr Neuronen besitzen und weil diese stärker miteinander verknüpft sind. Nun wurde entdeckt, dass die Intelligenz auch auf den besonderen morphologischen Aufbau zurückgeht, dank dem menschliche Neuronen nicht wie ein Ein-/Ausschalter funktionieren, sondern wie ein simpler Microchip.

Jerusalem (Israel). Menschen sind den meisten anderen Tierarten in vielen kognitiven Bereichen wie der Sprache und dem abstrakten Denken deutlich überlegen. In der Forschung ging man lange davon aus, dass die hohe Intelligenz des Menschen vor allem darauf zurückgeht, dass sein Gehirn im Verhältnis zu seiner Körpergröße überdurchschnittlich groß ist und besonders stark vernetzt ist. Nun haben Wissenschaftler der Hebrew University of Jerusalem (HUJI) um Idan Segev eine Studie publiziert, laut der das komplexe Netzwerk aus rund 86 Milliarden Nervenzellen im Gehirn eines erwachsenen Menschen nicht allein für die hohe Intelligenz verantwortlich sind.

Wie die Forscher erklären, können einzelne menschliche Neuronen deutlich komplexere Berechnungen durchführen als die Neuronen anderer Säugetiere. Dies könnte dabei helfen zu erklären, wieso Menschen intelligenter sind als Elefanten, die mehr Neuronen besitzen, und intelligenter als Honigbienen, deren Neuronendichte höher ist.

„Menschen stellen sich ein Neuron oft als einen einfachen Schalter vor, der entweder an- oder ausgeht. Was wir zeigen, ist, dass ein einzelnes menschliches Neuron selbst ein außerordentlich hochentwickeltes Rechengerät ist“, erklärt Idan Segev.

„Rechenleistung“ einzelner Neuronen

Laut den Wissenschaftlern um Idan Segev haben Studien zunehmend Hinweise darauf erbracht, dass nicht nur die Zahl der Neuronen, sondern vor allem ihre Eigenschaften entscheidend für die Intelligenz sind. Ein Beispiel dafür sind die Neuronen der menschlichen Großhirnrinde, die besonders lange, verzweigte Dendritenfortsätze besitzen.

 

Nota. - Dass Menschen intelligent sind, unterscheidet sie nicht von den Tieren; sondern nur, dass sie intelligenter sind: Der Unterschied ist bloß graduell. Doch ein rein quantitativer ist er eben auch nicht: Die Neuronen im Menschenhirn sind nicht nur zahlreicher, sondern auch qualitativ anders als beim Tier.
JE 

Mittwoch, 5. August 2026

Die allerletzte Chance?

                                          zu öffentliche Angelegenheiten

Kaum schrieb ich, die Krise der CDU habe eben erst angefangen - und schon sind wir mittendrin. So trivial ist es: Es hängt an der Merz-Regierung. 

Wenn die scheitert - was scheitert dann noch? Um die SPD wärs nicht schade. Die hängt wie ein Parasit am Bein der Union und weiß, dass ihr Erfolg die Regierung zum Scheitern brächte - und dass das auch ihr Ende wäre; und kann ihn darum nicht wirklich wollen, und darum tut sie grad noch das Mindeste, was ihre verblie-bene Klientel von ihr erwarten mag; nach ihnen die Sintflut.  

Merz hat sich in eine Situation gebracht, die er selbst gesucht hat, aber ohne zu ahnen, was auf ihn zukam. Es wurde gemunkelt, es sei nicht einmal Machtwille gewesen, sondern bloß Eitelkeit. Das mag ihn selber überrumpelt haben, aber gekniffen hat er nicht, selbst auf die Gefahr hin, verwirrt zu wirken und füh-rungsschwach. Arrogant wirkt er immerhin nicht mehr; eher schon wie eine tragische Figur

Angela Merkel hat für die CDU Wahlen gewonnen und war in ihrer Partei unan-fechtbar. Aber nicht in der CSU, deren Nase über den bairischen Horizont nicht hinausreicht, und hinter deren Rücken konnten sich ihre parteiinternen Gegner verstecken. Man mag ihr vorwerfen, sie habe Putin falsch eingeschätzt, aber da war sie ja wohl nicht die Einzige. Man muss ihr vorwerfen, sie habe nicht über die eige-ne Kanzlerschaft hinausgeblickt und ihre Partei nicht so geführt, dass sie ihr Pro-gramm über ihre Regierungszeit hinaus getragen würde.

Ihr Programm? Das war immer im Sichtflug, von einer Klippe um die andre herum. Dass sie Deutschland so vertreten hätte, dass es Europa anführen konnte, mochte man erstmals in der Griechenlandkrise finden, als ihr Schäuble die Hand führte. Aber dann in historischer Dimension im Herbst 2015 beim Flüchtlingsansturm. Die Lösung dieses Problems war eine europäische Aufgabe - weit über die internen Angelegenheiten hinaus: zu einer überkontinentalen Perspektive. 

Wie bekannt, sind ihr die bairischen Provinzler und die Neider, die sich hinter ihnen versteckten, damals im entscheidenden Moment in den Rücken gefallen und haben eine große Chance vertan für Deutschland und für Europa in der Welt. 

Merz hat sich damals nicht mit Ruhm bekleckert. Aber es ist einmal so, wie es ge-worden ist. Und da kamen dann Trump und Putin hinzu. Damit muss sich Merz heute herumschlagen, und wir Deutschen können nicht wirklich wünschen, dass ers vermasselt. Seine verbliebene Chance ist vielleicht die letzte, die uns verbleibt: näm-lich Deutschlands Parteienlandschaft so umzupflügen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt, dass sich die paar verbliebenen Glücksritter und die große Legion der Pöstchenjäger ins Showgeschäft verziehen, wohin sie gehören, und sich die Politischen im Land um eine scharfe Mitte zusammenfinden, um die sich die Rän-der ranken müssen, statt den Takt anzugeben. 

Merz hat sich in den letzten Wochen nicht als ein mit allen Wassern gewaschener Taktiker erwiesen. Doch das hätte ihn zu einer solchen Aufgabe auch gar nicht qualifiziert. Dafür bräuchte man einen, dem man glaubt, was er sagt. Davon müsste er uns nun überzeugen. 

Nicht eben wahrscheinlich? 
Aber gerade darum unverzichtbar. 

 

Dienstag, 4. August 2026

Ein letztes Wort zum Untergang der Bronzezeit?

Odysseus tötet die Freier seiner Frau Odyssos und die Freier
 aus spektrum.de, 3. 8. 2026                                                                                  zu öffentliche Angelegenheiten

Bronzezeit: Klima-Fernwirkung zerstörte die Welt des Odysseus
Vor 3200 Jahren endete die Bronzezeit, eine Phase großer Hochkulturen, in einer mehreren Zusammenbrüchen. Nun ist das Rätsel um eine mögliche Ursache gelöst.

Homers große Epen »Ilias« und »Odyssee« sind nicht nur Geschichten über mythische Helden, sondern auch Zeugnisse der Bronzezeit, einer Epoche blühender Hochkulturen und Reiche. Doch dieses Goldene Zeitalter des östlichen Mittelmeerraums endete vor 3200 Jahren während einer langen regionalen Dürre in einem bis heute rätselhaften Kollaps. Wie nun Katherine Power und Qiong Zhang von der Universität Stockholm berichten, machten zwei spezielle Klimaeinflüsse diese spezifische Trockenperiode so verheerend. Laut ihrer in der Fachzeitschrift »Science Advances« veröffentlichten Analyse bestimmten eine langfristige Veränderung der Erdbahn einerseits und zyklische Veränderungen im Atlantik andererseits, wie trocken der östliche Mittelmeerraum während der vergangenen rund 8000 Jahre war.

In der Bronzezeit hatten sich im östlichen Mittelmeerraum und dem Fruchtbaren Halbmond große und gut organisierte Reiche etabliert. Homers Achaier, heute als mykenische Kultur bezeichnet, bildeten den nordwestlichen Rand dieses Kulturraums. Dort waren die Reiche der Hethiter, Assyrer, Babylonier, Elamiten und Ägypter eng vernetzt. Sie alle einte jedoch ihre Verwundbarkeit gegenüber dem trockenen Klima der Region.

Um herauszufinden, wie häufig und schwer besonders trockene Phasen in den letzten paar Tausend Jahren waren, benutzten Zhang und Power einen Typ von Simulation, der speziell darauf ausgelegt ist, das Klima der als Holozän bezeichneten Epoche seit dem Ende der letzten Eiszeit zu modellieren. In solche Simulationen fließen viele historische Klimadaten ein, zum Beispiel Kohlendioxidkonzentrationen, die man aus Eisbohrkernen kennt. Dadurch lassen sich mit solchen Modellen regionale Effekte viel genauer abbilden.

Demnach führten die zyklischen, langfristigen Veränderungen der Erdbahn dazu, dass die Nordhalbkugel im Sommer nach und nach weniger Sonneneinstrahlung erhält. Dadurch wird die Landoberfläche weniger warm, was die Monsunsysteme schwächt und die innertropische Konvergenzzone weiter südlich verlaufen lässt. Darum erreicht weniger Regen die Subtropen.

Das Computermodell zeigt außerdem, dass die Stärke des Strömungssystems AMOC sowie langfristige Wetterzyklen über dem Atlantik eng mit Regenfällen im Mittelmeerraum gekoppelt waren. Wie Power und Zhang berichten, überlagern sich dadurch mehrere Zyklen von einigen Dutzend bis über 1000 Jahren Länge so, dass sie rund alle 1000 Jahre zusammenfallen und eine sehr schwere, lang anhaltende Trockenperiode verursachen. Eine von ihnen fiel demnach mit dem verheerenden Untergang der bronzezeitlichen Welt des Odysseus zusammen.

 

 

 

Was heißt hier ästhetisch?

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