zu öffentliche AngelegenheitenAngela Merkel sind sie 2015 bei Europa in den Rücken gefallen. Das war ein Fehler. 2026 Friedrich Merz bei Europa in den Rücken zu fallen wäre ein Verbrechen und nicht wieder gutzumachen.
zu öffentliche AngelegenheitenAngela Merkel sind sie 2015 bei Europa in den Rücken gefallen. Das war ein Fehler. 2026 Friedrich Merz bei Europa in den Rücken zu fallen wäre ein Verbrechen und nicht wieder gutzumachen.
zu öffentliche AngelegenheitenWie sehr sich der große Krieg seit dem Prager Fenstersturz 1618 verändert hatte, bewies ein Vertrag, der im März 1635 in Wismar unterzeichnet wurde. Darin verpflichtete sich Frankreich, Schweden mit 400.000 Reichstalern pro Jahr zu unterstützen. Als Gegenleistung für diese enorme Summe, die ein Viertel des schwedischen Staatshaushalts ausmachte, sagten die Gesandten aus Skandinavien zu, im Heiligen Römischen Reich eine Armee von mindestens 36.000 Mann zu unterhalten.
Erinnern wir uns: 17 Jahre zuvor war der Krieg, der als der Dreißigjährige in die Geschichte eingehen sollte, über den Streit zwischen den protestantischen Ständen Böhmens und ihrem katholischen Herrn in Wien ausgebrochen und hatte sich durch den Beitritt der beiden konfessionellen Bündnissysteme Union und Liga zu einem Konflikt ausgeweitet, der das ganze Reich zum Schlachtfeld werden ließ.
Nun, 1635, verhandelten Kaiser Ferdinand II. und der Kurfürst von Sachsen als Vormacht der Lutheraner in Prag über einen Friedensschluss, den Axel Oxenstierna, der Kanzler der protestantischen Großmacht Schweden, und das von Kardinal Richelieu geführte Frankreich unbedingt verhindern wollten. Der Krieg war zu einem internationalen Machtkampf geworden, in den auch Spanien und die Niederlande eintraten.
Ein Jahr später waren die meisten Reichsstände – nur die reformierten unter Führung von Hessen-Kassel blieben abseits – dem Prager Frieden beigetreten. Dass der Krieg dennoch kein Ende fand, entschied sich am 4. Oktober 1636 in der Mark Brandenburg. Bei Wittstock, 100 Kilometer nordwestlich von Berlin, schlug ein schwedisches Heer das kaiserlich-sächsische Aufgebot so schwer, dass sich der Krieg noch zwölf Jahre weiterschleppen konnte. In ihnen vollzog sich endgültig die Verwüstung des Reiches.
Nicht, dass der Krieg bis dahin weniger grausam gewütet hätte. Bis 1630 hatten kaiserliche Heere nicht nur Süddeutschland durchzogen, sondern waren erstmals an den Küsten von Nord- und Ostsee erschienen. Durch das Restitutionsedikt Kaiser Ferdinands II. von 1629, das den Besitzstand der Konfessionen im Reich auf das Jahr 1552 – also noch vor den Augsburger Religionsfrieden von 1555 – zurücksetzte, schien dem Protestantismus das Rückgrat gebrochen. Dass er am Leben blieb, verdankte er dem Eingreifen Gustav II. Adolfs, der sein Ziel, Schweden ein baltisches Imperium zu schaffen, als Rettungstat für Luthers Botschaft zu verkaufen verstand. In schnellen Schlägen drängte der König die Kaiserlichen zurück, bis er 1632 bei Lützen den Tod fand.
Mit der Ermordung seines Generalissimus’ Wallenstein kam Ferdinand 1634 dem Drängen der mit ihm verbündeten Fürsten, allen voran Bayerns, nach, die ihre Positionen durch die Machtstellung des Militärunternehmers gefährdet sahen. Weil damit aber auch die Gefahr einer kaiserlichen Dominanz gebannt schien, war die Basis zu einem Ausgleich gelegt, dem nach der vernichtenden Niederlage der Schweden vor Nördlingen 1634 auch Sachsen und weitere protestantische Stände zuneigten. Mit dem Prager Frieden schien das Ende des Krieges zum Greifen nah. Das einzige Hindernis dorthin bildete die schwedischen Armeen, die jedoch nur noch Gebiete an Elbe, Weser und der Ostseeküste hielten.
Schon 1631 hatten französische Subsidien Gustav Adolfs Kriegführung unterstützt. Nun, durch den Pakt von Wismar, retteten sie die schwedischen Truppen, mit denen Oxenstierna, der für Gustav Adolfs Tochter Christina die Geschäfte führte, Nordostdeutschland unter seiner Kontrolle halten wollte. Ein weiteres Kriegsziel war der Unterhalt der Armee, die bei einem Rückzug ohne Kompensationen zu einer nicht finanzierbaren und damit unkalkulierbaren Macht in Schweden geworden wäre.
Das zu verhindern war Johan Banér der rechte Mann, hatte der schwedische Feldmarschall die Lehren des Krieges doch verinnerlicht. Das Leiden der Zivilbevölkerung interessierte ihn nicht, wenn nur seine Armee auf ihre Kosten kam. Dafür ließ er seinen Soldaten bei ihren Beutezügen freie Hand, während er sich in seinem Zelt Wein und Frauen hingab. Das hinderte ihn jedoch nicht an genialen Schachzügen in der Schlacht.
An denen gebrach es seinem Gegner, dem kaiserlichen Feldmarschall Melchior von Hatzfeldt. Der verfügte zwar über gute Beziehungen und Bildung, verlor sich aber vor einem Gefecht in der Planung von Details, die anschließend von der Realität leicht überrollt wurden. Als Banér im Spätsommer 1636 von Mecklenburg aus einen Vorstoß nach Westen wagte, nahm Hatzfeldt zusammen mit dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. die Verfolgung auf. Beide erkannten aber erst spät, dass es sich um ein Täuschungsmanöver handelte und die Schweden längst auf dem Rückmarsch waren. Bei Wittstock machte Banér Halt und stellte sich den Verfolgern.
Umgehend ließ Hatzfeldt auf dem Scharfenberg eine feste Stellung anlegen, die er mit Artillerie und Schanzen verstärkte. Obwohl mit 17.000 gegenüber 20.000 Soldaten deutlich unterlegen, setzte Banér alles auf eine Karte. Er erkannte, dass ein Frontalangriff auf diese Stellung einem Selbstmord gleichkam. Also teilte er seine Armee – ein seltener taktischer Schachzug, der wegen der schwankenden Disziplin der Heere und mangelhafter Aufklärung ausgesprochen riskant war.
Zunächst attackierte Banér die linke Flanke der Kaiserlichen. Dort hielten die Sachsen jedoch stand und wurden bald von Truppen aus Hatzfeldts Zentrum unterstützt. In der Zwischenzeit marschierte jedoch der linke Flügel der Schweden unerkannt durch einen Wald. Ziel war der linke Flügel der Verbündeten. Kurz bevor Banérs Zentrum zusammenzubrechen drohte – die Schwedische Brigade verlor zwei Drittel ihrer Leute – erschien die Truppe am anderen Ende der Front und konnte auch einige Geschütze in Stellung bringen.
Das war zu viel für die Verbündeten. Demoralisiert zogen sie in der Nacht ab und hinterließen den Schweden ihre Geschütze und Munitionswagen. Sogar die Kanzlei des Kurfürsten, seine vergoldete Kutsche und sein gesamtes Tafelsilber wurden zur Beute. Den Rest besorgte die schwedische Kavallerie, die über die ungeordnet Fliehenden herfiel. Mit rund 6000 Toten zählte die Schlacht bei Wittstock in Brandenburg zu den blutigsten des Dreißigjährigen Krieges.
Hans Jakob von Grimmelshausen, der als Trossjunge dabei war, schildert in seinem Roman „Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch“ das Grauen der Kämpfe: „Köpfe lagen dorten welche ihre natürlichen Herren verloren hatten, und hingegen Leiber, die ihrer Köpf mangleten; etliche hatten grausam- und jämmerlicher Weis das Ingeweid herauß, und andern war der Kopf zerschmettert und das Hirn zerspritzt ... Da sah man zerstümmelte Soldaten um Beförderung ihres Tods, hingegen andere um Quartier und Verschonung ihres Lebens bitten. Summa summarum: da war nichts anders als ein elender jämmerlicher Anblick!“
Das war ein Vorgeschmack auf das, was Deutschland in den folgenden Jahren blühte. Denn nach 18 Jahren Krieg war dieser längst nicht mehr in der Lage, sich zu ernähren. Ohne Nahrung und feste Führung verkamen die Heere zu einer Soldateska, die wie Heuschrecken das Land verwüstete. Der Fund eines Massengrabes, das 2007 bei Bauarbeiten in Wittstock gefunden wurde, gibt Aufschluss über den Zustand der Soldaten.
Die 124 Opfer der Schlacht, die nackt und dicht an dicht darin verscharrt worden waren, zeigten allesamt dieselben Krankheitsbilder: unterernährt seit Kindheit und Jugend, die Knochen von endlosen Märschen ramponiert, von schmerzhaften Entzündungen geplagt, von Parasiten gequält und von zahlreichen Verwundungen durch Schuss- und Blankwaffen gezeichnet. Bei einem jugendlichen Kämpfer wurden sechs Hiebverletzungen mit unterschiedlichen Waffentypen gezählt. Jeder Zehnte von ihnen wies Symptome der Syphilis im fortgeschrittenen Stadium auf.
„Wittstock war eine der wichtigsten Schlachten des Krieges“, urteilt der britische Historiker Peter H. Wilson. „Eine schwedische Niederlage hätte das letzte Feldheer in Deutschland vernichtet und Hessen-Kassel ermuntert, seinen Waffenstillstand in einen (Beitritt zum Prager) Frieden umzuwandeln.“ So aber musste der Kurfürst von Brandenburg aus Berlin fliehen, und die kaiserlich-sächsische Armee löste sich auf.
Der eigentliche Sieger aber hieß Frankreich. Um die Umklammerung durch die Habsburger in Spanien und Österreich aufzubrechen, hatte Richelieu 1635 den Krieg erklärt und dafür auch ein Bündnis mit den Niederlanden geschlossen. Aber die Offensiven in Italien und den Spanischen Niederlanden scheiterten. Stattdessen zog eine kaiserliche Armee zur Unterstützung bis vor Dijon, während ein spanisches Heer sich Paris näherte. Der schwedische Sieg bei Wittstock sorgte umgehend für Entlastung, indem die Kaiserlichen sich zurückzogen. Von einer Durchsetzung des Prager Friedens konnte keine Rede mehr sein.
Stattdessen „begann der Krieg praktisch von vorn – von Frankreich und Schweden geführt, um einen monarchisch regierenden Kaiser zu verhindern“, schreibt Wilsons Jenaer Kollege Georg Schmidt. Diese Internationalisierung des Konflikts aber bedeutete, dass den Akteuren innerhalb des Reiches die Möglichkeit genommen war, zu einem Friedensschluss zu gelangen, zumal einzelne Fürsten ihre Interessen mal bei dieser, mal bei jener Macht besser aufgehoben sahen.
Die Zeche hatten die Menschen zu zahlen. Einige Beispiele: Als nach der Schlacht von Nördlingen eine kaiserliche Armee im Jahr 1635 durch das Gebiet des Landgrafen von Hessen-Darmstadt zog, summierten sich die Verluste auf 30.000 Pferde, 100.000 Kühe und 600.000 Schafe. Württemberg verlor zwischen 1634 und 1638 mehr als drei Viertel seiner Bevölkerung. Eine englische Gesandtschaft kam 1636 zwischen Mainz und Frankfurt durch ein Dorf, das innerhalb von zwei Jahren 18-mal geplündert worden war. In Hessen und Schwaben überfielen apokalyptische Reiter in Form von Wölfen die Überlebenden. Lebten im Heiligen Römischen Reich 1618 zwischen 17 und 20 Millionen Menschen, waren es 30 Jahre später nur zehn bis 13 Millionen.
Die Verwüstung weiter Teile Deutschlands begann erst nach der Schlacht von Wittstock. Der Dichter Andreas Gryphius hat 1636 in seinem berühmten Sonett „Thränen des Vaterlandes“ geschrieben: „Wir sind doch nunmehr gantz / ja mehr denn gantz verheeret! // Der frechen Völcker Schaar / die rasende Posaun // Das vom Blutt fette Schwerdt / die donnernde Carthaun // Hat aller Schweiß / und Fleiß / und Vorrath auffgezehret.“
Nota. - Mit der Schlacht von Wittstock hat sich der Dreißigjährige Krieg endgültig aus einem innerdeutschen Konflikt zu einem kontinentalen Machtkampf ausgewei-tet. Der Kampf um die Vorherrschaft in Europa wurde auf deutschem Boden aus-getragen, der nur noch verbrannte Erde war. Als Folge war Deutschland seither bis ins 19. Jahrhundert "nur noch ein geographischer Begriff".
Aber nicht zu vergessen: Ohne den 30jährigen Krieg hätte es keinen Westfälischen Frieden, kein Völkerrecht und keinen Aufschwung der Vernunft zur Weltmacht gegeben. Das alles haben wir bezahlt.
JE
In einer aktuellen Umfrage zeigen sich Beamte insgesamt zufrieden mit ihrer Ar-beit. Sie erkennen dennoch, dass fast kein Projekt wie geplant läuft – und fordern noch mehr Behördenmitarbeiter.
Nota. - Das sind die einzigen, die bei uns nicht jammern.
JE
aus Lord Of The FliesAls der britische Schriftsteller William Golding 1954 seinen Roman Herr der Fliegen veröffentlichte, traf er einen Nerv der Nachkriegszeit. Eine Gruppe gestrandeter Schüler strandet auf einer einsamen Insel, gesellschaftliche Regeln brechen zusammen, Gewalt und Machtkämpfe übernehmen die Kontrolle. Das Buch wurde zu einem Klassiker und gilt bis heute vielen als Gleichnis für die dunklen Seiten der menschlichen Natur.
Der niederländische Historiker und Autor Rutger Bregman hält diese Sicht für grundlegend falsch. In seinem Bestseller Im Grunde gut (2019) verweist er auf einen realen Vorfall, der sich in den 1960er-Jahren im Pazifik ereignete. Sechs Jugendliche aus Tonga strandeten nach einem missglückten Segelabenteuer auf einer unbewohnten Insel und überlebten dort mehr als 15 Monate.
Als sie gerettet wurden, waren sie gesund, hatten feste Regeln entwickelt, gemeinsam gearbeitet und einander gegenseitig versorgt. Einer der Jungen hatte sich sogar ein Bein gebrochen – die anderen pflegten ihn, bis die Verletzung verheilt war. Die Geschichte lieferte Bregman den Gegenentwurf zu Goldings düsterer Vision.
Nun bestärkt eine internationale Untersuchung mit neuen wissenschaftlichen Argumenten seine These: Kooperation und Hilfsbereitschaft unter Kindern scheinen keine kulturelle Ausnahme zu sein, sondern dürften zum Grundinventar menschlichen Verhaltens gehören.
Für die Studie, die am Montag im Fachblatt PNAS erschien, untersuchte ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der Sapienza-Universität Rom sowie mehrerer weiterer Universitäten 336 Kinder im Alter zwischen vier und neun Jahren aus sechs sehr unterschiedlichen Gesellschaften. Beteiligt waren Kinder aus Deutschland, aus den Wichí-Gemeinschaften Argentiniens, den Quechua-Gemeinden Boliviens, den ≠Akhoe Hai||om in Namibia sowie den Kikuyu und Samburu in Kenia.
Damit umfasst die Studie sowohl eine moderne Industriegesellschaft als auch Gemeinschaften von Hirten, Bauern sowie Jägern und Sammlern. "Auffällig war sofort, wie ähnlich die Reaktionen der Kinder waren – unabhängig davon, wo sie aufgewachsen sind", sagt Erstautorin Henriette Zeidler von der Sapienza-Universität Rom in einer Presseaussendung der Max-Planck-Gesellschaft.
Die Versuchsanordnung war bewusst einfach gehalten. Jeweils zwei gleichaltrige Kinder spielten ein Murmelspiel. Dabei geriet eines von ihnen immer wieder in kleine Schwierigkeiten: Eine Kiste ließ sich nicht öffnen, oder Murmeln fielen aus einem Behälter auf den Boden. Das andere Kind wusste bereits, wie sich das Problem lösen lässt. Nun konnte es entscheiden, ob es helfen wollte – und auf welche Weise. Die Kinder konnten entweder selbst eingreifen, eine Erklärung geben oder beides kombinieren. Genau diese Entscheidung interessierte die Forschenden.
Das Ergebnis fiel überraschend eindeutig aus. In allen sechs Kulturen halfen Kinder ihren Spielpartnern regelmäßig. Sie reagierten dabei keineswegs wahllos, sondern orientierten sich daran, ob Unterstützung tatsächlich erforderlich war. Mussten verstreute Murmeln lediglich aufgehoben werden, hielten sich viele Kinder zurück. War die Aufgabe dagegen ohne Hilfe schwer zu bewältigen, griffen sie deutlich häufiger ein.
Besonders interessant war die Entwicklung mit zunehmendem Alter. Jüngere Kinder neigten dazu, Probleme unmittelbar selbst zu lösen. Sie öffneten etwa die blockierte Kiste oder sammelten die Murmeln auf. Ältere Kinder gingen differenzierter vor. Sie schienen genauer einschätzen zu können, wann Hilfe wirklich notwendig war und wann nicht.
Zugleich änderte sich die Form der Unterstützung. Während die Jüngeren vor allem praktisch handelten, erklärten ältere Kinder häufiger, wie sich ein Problem lösen lässt. Damit fördern sie nicht nur den unmittelbaren Erfolg, sondern auch das Lernen des anderen Kindes. Hilfe wird gewissermaßen pädagogischer. Die Fähigkeit, die Bedürfnisse anderer zu erkennen und das eigene Verhalten daran anzupassen, gilt als wichtiger Baustein sozialer Intelligenz. Offenbar entwickelt sie sich bereits in den ersten Schuljahren deutlich weiter.
Ganz ohne kulturelle Unterschiede verlief die Studie allerdings nicht. Deutsche Kinder kombinierten praktische Hilfe besonders häufig mit verbalen Erklärungen. Sie griffen ein und erläuterten gleichzeitig, was zu tun sei. Keine andere Gruppe zeigte dieses Muster so ausgeprägt. Bei den Kikuyu-Kindern in Kenia beobachteten die Forschenden hingegen etwas weniger direkte praktische Unterstützung als in den übrigen Gruppen. Solche Unterschiede seien jedoch eher Feinabstimmungen als grundlegende Gegensätze, betont Zeidler. Sie spiegelten vermutlich wider, wie Kinder in ihrem Alltag lernen.
In vielen ländlichen Gemeinschaften erwerben Kinder Fähigkeiten vor allem durch Beobachten und Mitmachen. Erwachsene erklären vergleichsweise wenig und demonstrieren stattdessen Handlungen. In Deutschland hingegen gehört das Verbalisieren zum pädagogischen Standardrepertoire. Eltern kommentieren, erläutern und begründen oft ausführlich. Kinder übernehmen diese Muster offenbar auch dann, wenn sie Gleichaltrigen helfen.
Ein weiteres Ergebnis überraschte die Forschenden: Zwischen Jungen und Mädchen fanden sich keine bedeutsamen Unterschiede im Hilfsverhalten. In einer Zeit, in der Geschlechterunterschiede oft intensiv diskutiert werden, deutet dies darauf hin, dass die Bereitschaft zur Unterstützung offenbar weniger vom Geschlecht als von allgemeinen sozialen Fähigkeiten abhängt.
Noch wichtiger ist für die Forschenden jedoch ein anderer Befund: Trotz aller kulturellen Unterschiede blieb das Grundmuster überall gleich. Keine der sechs Gruppen zeigte ein grundsätzlich anderes Verständnis von Hilfe. Keine Kultur produzierte kleine Egoisten, keine besonders selbstlose Ausnahmegesellschaft.
Für Daniel Haun, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und Mitautor der Studie, verweist das auf eine grundlegende menschliche Eigenschaft. "Helfen ist eine der deutlichsten Ausdrucksformen menschlicher Kooperationsfähigkeit", sagt er. Die Daten zeigten, dass diese Fähigkeit weltweit zuverlässig auftrete und gleichzeitig durch die jeweilige soziale Umwelt geformt werde.
Die Ergebnisse passen zu einer wachsenden Zahl von Studien aus Psychologie, Anthropologie und Evolutionsforschung, die den Menschen nicht primär als egoistisches Wesen betrachten. Kooperation, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung könnten vielmehr zu den evolutionären Stärken unserer Art gehören. Goldings Inselgesellschaft mag literarisch faszinierend sein. Die Wirklichkeit, so legen die neuen Daten nahe, erinnert eher an Rutger Bregmans Geschichte der gestrandeten Jugendlichen von Tonga.
zu öffentliche Angelegenheiten Von Daniel Brössler, Berlin
Das historische Rathaus von Münster ist am Donnerstag Schauplatz einer Verwand-lung. Friedrich Merz, als Bundeskanzler seit Monaten innenpolitisch in der Defen-sive, hat den Ort mit Bedacht gewählt. Am Ort der Verhandlungen zum Westfäli-schen Frieden schaltet er auf Angriff um und zeigt sich in der Rolle, in der er endlich wieder gesehen werden will. Spöttisch war Merz zu Beginn seiner Amtszeit als „Außenkanzler“ tituliert worden. Merz würde wohl eher von der schweren außenpolitischen Verantwortung auf seinen Schultern sprechen. „Wanken wir in Deutschland, dann wankt Europa. Wankt Europa, dann wankt auch die Ukraine“, warnt Merz.
Angekündigt wurde die Ansprache als Grundsatzrede zur deutschen Russland-Politik. Und tatsächlich ist es eine Rede, wie Merz sie als Kanzler so noch nicht gehalten hat. Merz spricht über die Gefahr aus Russland, über standfeste Hilfe für die Ukraine, über europäischen Zusammenhalt, unausgesprochen aber letztlich darüber, welchen Sinn seine Kanzlerschaft noch haben soll.
Die Gelegenheit bietet sich dem Bundeskanzler durch die Verleihung des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens an die Nato. Stellvertretend für das Militärbündnis nimmt Nato-Generalsekretär Mark Rutte den Preis entgegen. Zuvor hatte Merz mit Rutte und dem niederländischen Regierungschef Rob Jetten das Deutsch-Niederländische Corps in Münster besucht, das eine wichtige Rolle bei der Sicherung der Nato-Ostflanke im Baltikum spielt.
Gewürdigt werde eine Institution, „die in einer Zeit globaler Unsicherheit Verlässlichkeit schafft, Partnerschaft fördert und Frieden durch Stabilität ermöglicht“, hatte die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe, die den Preis verleiht, die Ehrung begründet. Erwartungsgemäß ist diese nicht unumstritten. Der Friedenspreis für ein Militärbündnis bedürfe einer „Erläuterung“, räumt Merz ein. Der Kanzler holt aus bis zum Dreißigjährigen Krieg, dem Westfälischen Frieden von 1648 und kommt dann zur Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Nato sei „zu einer tragenden Säule dieser Ordnung“ geworden, lobt Merz. Seit drei Generationen bürge sie „für Sicherheit und Frieden im euro-atlantischen Raum“. Seine Laudatio ist der Nato gewidmet, aber Merz richtet sich in Wahrheit hauptsächlich an die eigene Bevölkerung. Nach den Wahlerfolgen der Russland sehr zugetanen AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie der Linken in Berlin sieht er offenkundig die Notwendigkeit, seine Politik zu erklären.
Merz ist nicht entgangen, dass Teile der Bevölkerung nicht in Russland, das 2022 die Ukraine überfallen hat, den Aggressor sehen, sondern im Friedenspreisträger Nato. „Ja, wir sind gut beraten, solche Wahrnehmungen ernst zu nehmen. Das tun wir. Aber wir müssen widersprechen, wenn sich Täter selbst zum Opfer machen“, sagt er. Auch auf Klagen, das Geld für die Ukraine fehle in Deutschland, geht Merz ein. Seine Antwort: „Unsere Unterstützung für die Ukraine ist kein Selbstzweck. Wir leisten sie vor allem anderen, um die Freiheit und die Sicherheit der Menschen in unserem Land zu schützen. Freiheit und Sicherheit sind die Voraussetzungen unseres Wohlstandes.“
Merz' zentraler Appell lautet, Russland so zu sehen, wie es sei. Frieden und Freiheit seien unmittelbar „durch den gewalttätigen, expansiven Revisionismus“ Russlands bedroht. „Diese Bedrohung, sie ist nicht abstrakt“, warnt er. Der Kanzler erinnert an die gewaltigen Zerstörungen in der Ukraine. „Die Grausamkeit der Angreifer, sie stößt uns ab. Vor allem aber haben wir begriffen: Dieser Krieg geht uns etwas an, sehr direkt sogar“, sagt Merz. In der Ukraine stehe „auch die Sicherheit Europas, unseres Europas, auf dem Spiel. Es geht auch um uns“.
Russland breche in der Ukraine mit äußerster Brutalität die grundlegendsten Regeln des Völkerrechts und der europäischen Ordnung. Deshalb bleibe es richtig, „dass wir die Ukraine mit aller Kraft unterstützen“. Auch durch hybride Angriffe, wie zuletzt durch Drohnen auf den Flughafen von Leipzig, dürfe man sich nicht beirren lassen. Das führt Merz zu seiner eindringlichen Warnung: „Gelingt es nicht, Moskau Einhalt zu gebieten, dann wird sich die russische Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns, gegen die Nato selbst richten. Vor dieser Gefahr dürfen wir nicht die Augen verschließen.“
Vor Merz hatte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), immer wieder als möglicher Kanzlernachfolger im Gespräch, geredet und interessanterweise neben der Nato auch Merz gepriesen: „Wo andere gezögert haben, hat der deutsche Bundeskanzler Kurs gehalten“, lobte er. Der Kanzler, über dessen baldigen Austausch in den vergangenen Wochen wieder spekuliert worden war, spricht nun selbst über eine Art historischer Mission. Ob am Ende „wir Deutsche das Grauen des Krieges wieder am eigenen Leib zu spüren bekommen?“, fragt er. Und antwortet: „Unsere dringlichste europäische und transatlantische Verantwortung ist heute, mit aller Kraft abzuwenden, dass es so weit kommt.“
Merz ist bewusst, wie heikel diese Frage ist, verorten doch die Anhänger von AfD, BSW und teils wohl auch der Linken die Verantwortung für die drohende Ausweitung des Krieges im Westen. Merz hält dem die Notwendigkeit eines „realistischen Bildes von Russland“ entgegen. Dabei beruft er sich auf den Münchner Historiker Martin Schulze Wessel, von dem gerade das Buch „Warum Russland nicht aufhören wird“ erschienen ist.
Russland verfolge eine „Agenda revisionistischer, imperialer Expansion“, argumentiert Merz. Der Moskauer Führung gehe es um die „Wiederherstellung einer wahren oder erträumten einstigen Größe“. Diplomatie sei nur möglich, wenn man dieses Denkmuster erkenne. Russland respektiere überdies „vor allem Stärke“. In diesem Zusammenhang wendet sich der Kanzler gegen die Behauptung, Deutschland und seine Partner seien nicht an Verhandlungen interessiert. „Wir ringen um eine diplomatische Lösung“, hatte Merz schon beim Truppenbesuch versichert.
Auch in diesem Punkt dringt die Bundesregierung in Teilen der Bevölkerung kaum durch, obwohl es Russland ist, das sich bisher dem ukrainischen Angebot zu bedingungslosen Verhandlungen verweigert. Wohl auch als innenpolitisches Signal hatte Außenminister Johann Wadephul (CDU) am Rande der UN-Generalversammlung den russischen Außenminister Sergej Lawrow getroffen. Der Westen müsse Russland geschlossen gegenübertreten, fordert Merz in Münster. „Dieses Ringen um Geschlossenheit ist mühsam. Aber es ist entscheidend auf dem Weg zum Frieden in der Ukraine und zu Sicherheit für Europa“, betont er.
Als übergeordnetes außenpolitisches Ziel nennt Merz, eine Spaltung Europas durch den Krieg in der Ukraine zu verhindern. „Auch in Deutschland werden wir uns nicht spalten lassen“, formuliert er dann eine Kampfansage, „nicht durch hybride Angriffe, nicht durch von Moskauer Bots gesteuerte Hetze in den sozialen Medien und, erlauben Sie mir das zu sagen, nicht durch die Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner“. Alle spürten, „wie schwer das in einer Öffentlichkeit ist, die immer stärker von Polarisierung, Streit und Wut bestimmt ist“. Deutschland stelle sich auf „weitere hybride Angriffe ein, auch auf schwere“. Aber auch dann werde man „klar antworten“.
Der russische Angriff dürfe nicht belohnt werden, mahnt Merz zum Schluss. „Bleiben wir fest, dann bleibt Europa fest. Und bleibt Europa fest, dann bleibt auch die Ukraine fest“, sagt der Kanzler. Und er macht klar, dass er hier vor allem Deutschland in der Verantwortung sieht: „Kein anderes Land kann uns Deutschen diese Verantwortung abnehmen.“ Dass er selbst diese Verantwortung nicht abgeben will, muss Merz gar nicht erst dazu sagen.
Nota. - Noch unlängst galt die Süddeutsche als Zentralorgan der deutschen Woke-ley. Und jetzt das? Frohnaturen werden sagen, das sei ein Zeitzeichen. Skeptiker sagen, eine Schwalbe mache noch keinen Sommer.
JE
Kupfermine Maysar
aus spektrum.de, 24.03. 2015 zu öffentliche Angelegenheiten
Alter Orient: Kupfer für die alte Welt
Im Oman erforschen deutsche Archäologen eine Kultur der frühen Bronzezeit, die den Stadtstaaten an Euphrat, Tigris und Indus wichtige Rohstoffe lieferte. Hinweise auf die Lebensweise der Menschen finden die Forscher vor allem in ihren Grabtürmen.
Das Sultanat Oman, an der südöstlichen Spitze der Arabischen Halbinsel gelegen, verbindet heutzutage orientalische Lebensweise mit westlichen Standards. Vor allem dank des Exports von Erdöl und Erdgas kann es beispielsweise in Bildung und ein modernes Gesundheitswesen investieren. Die Region fungierte aber nicht nur schon im Mittelalter als Knotenpunkt für den Fernhandel von Weihrauch, Silber, Waffen und Sklaven; diese Tradition reicht archäologischen Grabungen zufolge noch weit länger zurück.
Bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. begannen die Bewohner des Oman nämlich Kupfererz und verhüttetes Kupfer gegen Lebensmittel aus dem fruchtbareren Mesopotamien zu tauschen; das beweisen Scherben von Importkeramik. Im darauf folgenden Jahrtausend, also während der frühen Bronzezeit, verknüpfte der Seehandel entlang des Persischen Golfs die Landrouten von Zentralasien und die Seeroute bis zum Horn von Afrika. Im Zentrum dieses frühen Welthandels standen die Stadtstaaten Mesopotamiens und der so genannten Harappa-Kultur im Indus-Tal.
Aus den Keilschriftdokumenten sumerischer Händler weiß man, dass Erstere tonnenweise Kupfer sowie Diorit, Malachit und andere edle Steine aus dem Oman importierten. Umgekehrt verschiffte man Keramiken, Öl und vor allem Getreide als Exportgüter dorthin, zudem feine Textilien, wie sumerische Listen und entsprechende Funde beweisen. ...
aus scinexx.de, 30. 9. 2026 zu Jochen Ebmeiers Realien
Verborgene Erneuerung: Im schwammartigen Inneren unserer Knochen läuft offenbar ein bisher übersehener Umbauprozess ab. Forscher fanden in feinen Tunneln nicht nur Knochenabbau, sondern auch nachfolgende Neubildung. Das Parathormon PTH kann diesen intratrabekulären Knochenumbau stark verstärken, doch ob er Knochen im Menschen stärkt oder schwächt, ist noch offen.
Odense (Dänemark). Knochen wirken starr, sind aber lebendes Gewebe und werden ein Leben lang umgebaut. Spezialisierte Zellen tragen altes Material ab und ersetzen es durch neuen Knochen. Im kompakten Außenbereich ist bekannt, dass dieser Umbau auch durch kleine Tunnel im Gewebe verlaufen kann.
Beim schwammartigen Trabekelknochen im Inneren ging man dagegen davon aus, dass die Erneuerung vor allem an den Oberflächen seiner feinen Platten und Streben stattfindet. Mikroskopische Kanäle innerhalb dieser Strukturen wurden zwar schon länger beobachtet, häufig aber vor allem mit Knochenabbau, Nierenerkrankungen oder Störungen des Parathormons in Verbindung gebracht.
Forscher der University of Southern Denmark (SDU) um Prof. Thomas Levin Andersen haben nun menschliche Knochenbiopsien mit Mikroskopie und dreidimensionaler Bildgebung untersucht. Dabei verfolgten sie unter anderem einen solchen Tunnel durch eine Serie sehr dünner Schnitte. An verschiedenen Stellen fanden sie zunächst Abbauflächen und anschließend Zonen, in denen neuer Knochen gebildet wurde.
Die Tunnel markieren demnach nicht nur verlorene Knochensubstanz, sondern können Teil eines gekoppelten Ab- und Aufbauprozesses sein. Die Forscher nennen ihn intratrabekulären Knochenumbau. In weiteren Proben trat er in unterschiedlichen Altersgruppen und Krankheitskontexten auf, wobei die Daten nicht zeigen, wie häufig er in der Allgemeinbevölkerung ist.
Forscher der University of Southern Denmark (SDU) um Prof. Thomas Levin Andersen haben nun menschliche Knochenbiopsien mit Mikroskopie und dreidimensionaler Bildgebung untersucht. Dabei verfolgten sie unter anderem einen solchen Tunnel durch eine Serie sehr dünner Schnitte. An verschiedenen Stellen fanden sie zunächst Abbauflächen und anschließend Zonen, in denen neuer Knochen gebildet wurde.