... hat der AfD aus den Startlöchern geholfen, sondern die Provinzler, die ihr in den Rücken gefallen sind. Aber groß gemacht hat sie die Brandmauer der vereinigten Besitzstandswahrer.
Zunächst einmal würde eine Minderheitsregierung das Regieren wieder möglich machen, statt dass, wie zur Zeit, jede Initiative in Wattewänden steckenbleibt.
Allerdings nicht, solange die 'Brandmauer' steht. Die Regierenden müssten ihre Mehrheiten mal mehr rechts, mal mehr links zusammensuchen. Zur Zeit ist es so, dass es für manche Gesetze im Bundestag Mehrheiten gäbe, wenn jeder Abgeordnete, der dafür ist, auch dafür stimmen könnte, und wer dagegen ist, dagegen.
Der eigentliche Stein des Abstoßes ist, dass die Regierenden den sie stützenden Fraktionen nicht über den Weg trauen. Denn wenn sie sich auf den politischen Verstand ihrer Leute verlassen könnte, wäre die Frage, welches Gesetz eine Mehrheit fände, jedesmal konkret. Man könnte von Fall zu Fall entscheiden. Das zwingt in manch einem Fall jeden Abgeordneten zu einer genauen Abwägung - und einem disziplierte Stimmverhalten.
Das trauen die Anführer ihren Leuten aber nicht zu, und sie werden wissen, warum. Und so muss mancher Abgeordnete denn gelegentlich gegen ein Gesetz stimmen, das er eigentlich befürwortet - weil es von der falschen Fraktion stammt; oder dafür, obwohl er dagegen ist.
Das diskreditiert die demokratische Verfassung und stärkt nur deren Feinde auf den äußeren Flügeln.
zuJochen Ebmeiers Realien aus derStandard.at, 17. 9. 2026 Eine Taucherin der Sama-Bajau, die als "Meeresnomaden" im Malaiischen Archipel in Südostasien leben, beim Fischfang im flachen Wasser. Einziges "künstliches" Hilfsmittel: eine handgefertigte Taucherbrille aus Holz.
Hat der Mensch seine außergewöhnliche Ausdauer vom Tauchen?
Zwei Wissenschafterinnen warten mit Belegen dafür auf, dass sich unsere Vorfahren ihre besonderen aeroben und anaeroben Fähigkeiten zunächst einmal im Meer geholt haben
von Klaus Taschwer
Bei körperlichen Spitzenleistungen – egal ob beim Laufen, Schwimmen oder Springen – ist der Mensch spezialisierten Säugetieren durchwegs unterlegen. Dafür sind wir die besseren Mehrkämpfer, worauf auch der österreichische Zoologe, Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz in einem bekannten Vortragszitat hinwies: "Denken Sie sich einen Wettkampf – 15 km wandern; dann in ein 3 m tiefes Becken tauchen, um einen Ziegelstein aus dem Wasser heraufzuholen; und dann ein Hanfseil hinaufklettern, das hier an der Decke hängt – das kann kein Säugetier!"
Wohl könne der Gepard schneller laufen, der Delfin schneller schwimmen und der Schimpanse schneller klettern als der Mensch, argumentierte Lorenz. "Aber diese Tiere sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und für die anderen Disziplinen ungeeignet." Im Vergleich zu den Primaten, aus denen auch der Mensch hervorging, sind wir aber nicht nur bessere Generalisten, sondern verfügen auch über eine deutlich bessere Ausdauer: Beim Klettern sind wir ihnen natürlich unterlegen, aber beim Wandern und Tauchen können sie uns nicht das Wasser reichen.
"Dive first, run later"
Die außergewöhnliche Ausdauer des Menschen kommt laut allen einschlägigen anthropologischen Lehrbüchern daher, dass unsere Vorfahren Beutetiere über lange Strecken verfolgten, bis diese endgültig erlegt wurden. Doch nun warten zwei Forscherinnen mit einer überraschenden neuen Vermutung auf: Die studierte Meeresbiologin Josephine Joordens (Naturalis Biodiversity Center in Leiden; Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig) und die Tierphysiologin Erika Schagatay (Mid Sweden University in Östersund) schlagen in einer neuen Studie vor, dass der Mensch seine bemerkenswerte aerobe Ausdauer zunächst beim Tauchen entwickelte – und erst später zum Langstreckenläufer wurde.
Die These "Dive first, run later" („Zuerst tauchen, dann laufen“) stellt die etablierte Ausdauerlauf-Hypothese nicht auf den Kopf, ergänzt sie aber um eine bislang wenig beachtete Perspektive. Menschen seien nicht nur die einzigen Primaten, die lange Strecken laufen können, argumentieren die Autorinnen in ihrer Analyse, die bisher nur gedruckt im Fachblatt Paleoanthropology erschien. Sie seien auch bemerkenswert gute Schwimmer und Freitaucher. Moderne Gemeinschaften wie die japanischen Ama-Taucherinnen oder die Sama-Bajau in Südostasien zeigten, dass Menschen stundenlang wiederholt tauchen können, um Fische, Muscheln und andere Meeresfrüchte zu sammeln.
Die Sama-Bajau jagen Fische und sammeln Schalentiere und andere aquatische Ressourcen durch Apnoetauchen. Haben das bereits unsere Vorfahren in Afrika gemacht?
Für die Forscherinnen, die selbst auch Freitaucherinnen sind, ist das mehr als eine ethnografische Kuriosität. Sie sehen darin einen Hinweis auf eine möglicherweise sehr alte Anpassung des Menschen. Das wiederholte Apnoetauchen – also das Tauchen mit angehaltenem Atem – verlangt eine außergewöhnlich effiziente Steuerung von Atmung, Herzschlag und Sauerstoffverbrauch. Wer die Hälfte seiner Zeit unter Wasser verbringt, muss lernen, mit knappen Sauerstoffreserven hauszuhalten. Genau jene Fähigkeiten könnten später auch die Grundlage für die enorme Ausdauerleistung beim Laufen gebildet haben.
Damit passt die neue Hypothese gut zum eingangs erwähnten Lorenz’schen Triathlon, nur mit einer anderen evolutionären Abfolge: Zuerst könnte das Tauchen gekommen sein, dann erst die lange Wanderung. Joordens und Schagatay gehen noch darüber hinaus: Genau diese Kombination aus Land- und Wasseranpassungen könnte den entscheidenden Vorteil unserer Gattung ausgemacht haben. Oder wie es in ihrem Artikel heißt: "Wenn man den Ursprung der menschlichen Ausdauer und die Evolutionsgeschichte der Homo-sapiens-Linie untersucht, muss man neben dem Ausdauerlaufen auch das Ausdauertauchen zur Nahrungssuche berücksichtigen."
Rätsel der schweren Knochen
Ein spannender Teil der Studie betrifft fossile Knochen. Viele frühe Menschenarten, darunter Homo erectus oder die Neandertaler, besaßen ungewöhnlich schwere Knochen. Bisher wurde dies oft als Folge intensiver körperlicher Belastung interpretiert. Joordens und Schagatay verweisen jedoch auf Vergleiche mit semiaquatischen Säugetieren. Bei Arten, die regelmäßig in flachen Gewässern tauchen, helfen schwere Knochen dabei, den Auftrieb zu kontrollieren. Für Langstreckenläufer wären sie hingegen eher ein Nachteil. Vielleicht waren manche frühen Menschenpopulationen also stärker an das Leben am Wasser angepasst als bislang angenommen.
Konrad Lorenz war in seinen späteren Jahren ebenfalls ein begeisterter Schnorchler. Hier am Foto 1967 in Florida, aufgenommen von seinem Freund Hans Zeisel.
Besonders die ersten bekannten Vertreter von Homo erectus auf Java könnten nach Ansicht der Autorinnen regelmäßig aquatische Nahrungsquellen genutzt haben. Andere Populationen entwickelten sich möglicherweise stärker in Richtung Jagd und Sammeln an Land. Das würde erklären, warum sich innerhalb der Gattung Homo unterschiedliche Körperformen und Lebensweisen herausbildeten.
Leben mit Sauerstoffmangel
Die Studie schlägt sogar eine Verbindung zu einem weiteren außergewöhnlichen Merkmal des Menschen vor: seiner Fähigkeit, in großen Höhen zu leben. Sowohl Taucher als auch Bewohner hochgelegener Regionen müssen mit Sauerstoffmangel zurechtkommen. Mechanismen wie eine besonders effiziente Sauerstoffnutzung oder eine größere Milz, die zusätzliche rote Blutkörperchen freisetzen kann, könnten in beiden Umwelten von Vorteil sein. Die Forscherinnen sehen darin einen weiteren Hinweis darauf, dass die Evolution des Menschen stärker von der Bewältigung von Hypoxie geprägt war als bisher angenommen.
Noch ist die Hypothese der beiden Wissenschafterinnen eher spekulativ. Die beiden betonen selbst, dass ihre Beweiskette noch lückenhaft ist und weitere Untersuchungen nötig sind. Künftige Forschung müsse Fossilien, Physiologie und ökologische Daten zusammenführen, um zu klären, ob das Tauchen tatsächlich eine entscheidende Rolle in der Menschwerdung spielte.
Unabhängig davon, ob sich die Vermutung bestätigt, rückt sie – so wie das Zitat von Konrad Lorenz – eine oft übersehene Eigenschaft des Menschen ins Zentrum: seine Vielseitigkeit. Wahrscheinlich liegt die Besonderheit unserer Art tatsächlich nicht darin, dass wir etwas besser können als alle anderen, sondern darin, dass wir Generalisten sind, die an Land ebenso wie am Wasser ihren Platz und ihre ökolo-gischen Nischen gefunden haben.
... "Oder habt Ihr jemand anderen?" Die Frage hat er nicht gestellt. Aber so konnte man Merz verstehen. Er weiß, dass er bei weiten Teilen der Deutschen so unbeliebt ist wie kein Kanzler vor ihm. Dass seine Partei an zwei Wahlwochenenden drei deftige bis desaströse Niederlagen eingesteckt hat. Dass seine Bundesregierung zurzeit mehr trennt als eint. Und dass alle seine Ankündigungen bisher nicht Reali-tät geworden sind - übrigens egal ob innenpolitisch oder in der Außenpolitik, was ja das große Steckenpferd dieses Kanzlers sein soll.
Die Chance ergreifen
Kann es trotzdem noch was werden mit dieser Regierung? Aus Merz‘ Sicht: Ja! Allerdings unter einer Bedingung: Er muss die Chance nutzen, die er eigentlich nicht mehr hat. Befreit aufspielen. Oder - anderer Sport, gleiches Prinzip: Die Zügel in die Hand nehmen. Dem Pferd die Sporen geben und nicht Richtung Sonnenun-tergang reiten, sondern Richtung Zielgerade.
Reformen umsetzen, Regierung verändern, wenn es nicht vorwärts geht und Reden - auf ein Minimum beschränken. Denn von diesem Kanzler wollen viele gerade nicht mehr viel hören.Ist das gut für die politische Stimmung eines Landes, in dem immer mehr Menschen am Rand oder über Ränder hinaus wählen, weil sie keinen anderen Ausweg sehen?
Wahrscheinlich nicht. Eine Neuwahl oder merkwürdige Gedankenspiele über Min-derheitenregierungen sind es jetzt noch weniger.Merz hat klar gesagt, dass er wei-termachen will. Ob seine Partei das auch will? Das müssen ihre Spitzen nun schnell sagen. Und schnell meint nicht schnell im Sinne der bisherigen Regierungsent-scheidungen. Sondern schnell meint heute, morgen, diese Woche. Denn das Schlimmste wäre ein monatelanges Hin und Her.
Klarheit, wer dieses Land führt: Wenn das aus diesem Wahlabend entsteht, dann wäre das doch mal ein Achtungs-Erfolg.
Nota. - Und wäre mehr als das. Wenn er nämlich wie ein Wirbelwind durch die Parteienlandschaft fegte und um sich sammelte, wer die klein-kleine Posten-schieberei leid ist und eine radikale Mitte will - wenn schon nicht heut, dann spätestens morgen. JE
Der Niedergang von Union und FDP ist selbstverschuldet. Sie haben, wie die SPD, den Kontakt zur arbeitenden Bevölkerung verloren. Für einen Neubeginn bedarf es einer unverbrauchten Partei. Titel
ebd. Merz macht Fehler. Wer würde in dieser Lage keine machen? Mit etwas gutem Willen könnte man staunen, wie viele Fehler er nicht macht.
Was fehlt, und seit heute noch dringender als bisher, ist eine radikale Mitte, hinter der Leute stehen, denen man abnimmt, was sie sagen.
Nota. Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
zuJochenEbmeiers Realien aus FAZ.NET, 20. 9. 2026 Was für den Menschen auch als Silhouette sofort als Katze erkennbar ist, gibt der KI Rätsel auf.
KI zeigt gravierende Schwächen beim Erkennen von Formen
Eine neue Studie zeigt, dass KI selbst die einfachsten Umrisse oft nicht erkennt – und Katzen mitunter als „Kreuzworträtsel“ deutet. Was das für die Entwicklung des autonomen Fahrens bedeutet.
Ob eine Katze, ein Schmetterling oder ein Auto: Menschen erkennen Gegenstände und Lebewesen selbst dann noch zuverlässig, wenn sie nur als grober Schattenriss zu sehen sind. Für Künstliche Intelligenz (KI) ist genau das dagegen eine oft unlösbare Hürde. Moderne Bilderkennungsprogramme schneiden beim Erfassen übergeordneter Formen und Silhouetten deutlich schlechter ab als menschliche Betrachter, wie ein Forschungsteam um Biyu He von der New York University Grossman School of Medicine im Fachjournal „iScience“ berichtet.
Ursache für die Schwäche ist die grundlegend andere Funktionsweise der Algorithmen: Während das menschliche Gehirn die Gesamtgestalt priorisiert, klammern sich selbst moderne tiefe neuronale Netze vorrangig an lokale Details, Oberflächenmuster und Texturen. Schon geringfügige Bildverzerrungen oder das Fehlen typischer Details bringen die Systeme schnell aus dem Konzept.
Mehr als 200 Modelle im Test
Für die Untersuchung verglich das Team um Erstautor Mugihiko Kato und Studienleiterin He die Sehleistung von Testpersonen mit der von mehr als 200 tiefen neuronalen Netzen unterschiedlichster Bauart und Trainingsweise. Die Forschenden manipulierten dafür 240 Abbildungen aus 48 Alltagskategorien systematisch. Gezeigt wurden unter anderem reine schwarze Silhouetten ohne jede Innenstruktur und isolierte Muster wie Felltexturen ohne erkennbare Kontur. Weiterhin wurden Darstellungen verwendet, bei denen viele kleine Objekte bildfüllend aneinandergereiht waren, sodass zwar Binnendetails erhalten blieben, der typische Umriss jedoch zerstört war.
Keines der über 200 KI-Modelle konnte das menschliche Erkennungsmuster über alle Bedingungen hinweg vollständig nachbilden. Sobald die Identifikation allein an der Erfassung der Gesamtsilhouette hing, lagen die Computeralgorithmen durchweg hinter den menschlichen Probanden.
Kreuzchen statt Katze
Besonders drastisch zeigte sich diese Diskrepanz in einem Folgeexperiment, bei dem die Gesamtform von lokalen Details entkoppelt wurde: Die Wissenschaftler füllten die Umrisse von Gegenständen und Tieren mit vielen kleinen Kreuzchen. Während Menschen das Motiv weiterhin problemlos anhand der äußeren Kontur benennen konnten, versagten die meisten KI-Modelle völlig. Sie deuteten Katzen- oder Schmetterlingssilhouetten plötzlich reihenweise als „Kreuzworträtsel“, „Fenstergitter“, „Kettenhemd“ oder „Fadenwurm“, weil die kleinen Kreuzmuster die Auswertung der Algorithmen vollständig dominierten.
Heutige Bilderkennungsmodelle seien keineswegs so menschenähnlich, wie oft angenommen werde – obwohl sie mit gigantischen Mengen an Fotos trainiert wurden, die Menschen aufgenommen haben, betonte He. Zwar erzielten moderne Systeme, die gleichzeitig mit Bildern und begleitenden Texten geschult wurden, insgesamt deutlich menschenähnlichere Trefferquoten als herkömmliche Bilderkennungsnetze. Doch auch sie verloren ihren Vorteil, sobald die Gesamtgestalt gestört oder isoliert bewertet wurde.
Bedeutung für autonomes Fahren
Die Ergebnisse sind für praktische Anwendungen von zentraler Bedeutung: Sollen KI-Systeme in der Robotik, beim autonomen Fahren oder in Sehprothesen und Gehirn-Computer-Schnittstellen für sehbehinderte Menschen zuverlässig arbeiten, müssen sie auch bei Nebel, Dämmerung oder Verdeckungen verlässliche Urteile fällen. In solchen Situationen greift der Mensch instinktiv auf die grobe Silhouette zurück. Die Studie liefere wertvolle Hinweise, wie Algorithmen künftig trainiert werden müssen, um ein ganzheitlicheres und damit robusteres Sehvermögen zu entwickeln, schreibt das Team.