Nicht
wahr, lieber Leser: Dass allein in Deutschland und im benachbarten
Öster-reich die Kinder nur vormittags zur Schule gehen und am Nachmittag
frei haben – das hielten auch Sie für einen Beweis teutonischer
Hinterwäldlerei? Ein Relikt aus dem Mittelalter!
Tatsächlich
aber war der schulfreie Nachmittag bei uns die allererste
Errungen-schaft deutscher Reformpädagogik, und zwar in… Preußen, wo die
allgemeine Schulpflichtdas Licht der Welt erblickt hat. Hier ein unverdächtiger, ganz unbestechlicher Zeuge:
“In
Berlin ist infolge der großen Hitze letzten Sommer in mehreren
höheren Schulen der Nachmittagunterricht ganz aufgehoben und die
Morgenschulstunden um eine verlängert [worden].
Die Folgen waren ganz unerwartet, die Jungen kamen enorm rasch voran,
und die Sache soll jetzt auf größerem Maßstab versucht wer-den.”
Friedrich Engels an Karl Marx, Manchester, den 14. Oktober 1868 in: Marx-Engels-Werke, Bd. 32, S. 183f. ___________
zuLevana, oder Erziehlehre,zuöffentliche Angelegenheiten aus derStandard.at, 12.6.2026Einer neuen Studie zufolge beeinfusst ein niedriger
sozioökonomischer Status das Gehirn von Kindern stärker als
Erziehungsstil, Krankengeschichte und IQ.
Klasse und Kopf
Neurologe: "Sozial benachteiligte Kinder haben ein müdes, gestresstes Gehirn"
Niedriger
sozioökonomischer Status wirkt sich über Schlaf und Stress auf die
Gehirne von Kindern aus – und hat einen größeren Einfluss als der IQ,
wie eine Studie zeigt
von Julia Sica
Wie werden wir, wer wir sind? Wie viel ist angeboren, wie groß ist
der Einfluss unserer Lebensumstände? Seit mehr als einem Jahrhundert
wird die Frage debattiert, Faktoren werden abgewogen – und teils mit
bildungspolitischen Empfehlungen versehen. Eine aktuelle Studie liefert
neuen Input und deutet darauf hin, dass vor allem die soziale und
wirtschaftliche Lebenssituation bisher unterschätzt wurde. Sie dürfte
sich vor allem über zwei Einflussfaktoren auf die Gehirne von Kindern
auswirken: Schlaf und Stress.
Dafür wurde eine immense Zahl an Einflussfaktoren vom Forschungsteam
der Washington University School of Medicine in St. Louis (USA)
einbezogen. Fast 650 biologische, psychologische, soziale und
Umweltfaktoren berücksichtigten sie bei ihrer Analyse der Hirnscans von
rund 12.000 Kindern im Alter von neun und zehn Jahren. Wie die Fachleute
im Wissenschaftsjournal Science berichten, deuten die
Ergebnisse darauf hin, dass Armut und mangelnde soziale Chancen
tiefgreifende Spuren in der Hirnstruktur und Hirnfunktionen
hinterlassen.
Dies sei zum ersten Mal in dieser Größenordnung gezeigt worden, sagt
Studienleiter Nico Dosenbach. Als Hirnparameter wurden die Dicke der
Hirnrinde sowie die Stärke von Nervenverbindungen zwischen zentralen
funktionalen Netzwerken erhoben, anhand von MRT-Aufnahmen der Kinder.
Mittels komplexer statistischer Verfahren wurden die unterschiedlichsten
Faktoren – Familieneinkommen, Gesundheit, Erziehung, Bildschirmzeit,
Persönlichkeit und kognitive Fähigkeiten – mit Struktur und Funktion des
Gehirns in Zusammenhang gesetzt.
Nicht weniger intelligent
Das
Ergebnis wies deutlich darauf hin, dass sozioökonomische
Hintergrundfaktoren eines Kindes die stärksten Zusammenhänge mit
Hirnstruktur und -funktion erkennen lassen. Zudem reagieren jene Teile
des Gehirns, die mit diesen Faktoren in Verbindung standen, besonders
empfindlich auf Schlaf und Stress. Dies deutet dem US-amerikanischen
Forschungsteam mit Beteiligung von Michael J. Shanahan von der
Universität Zürich zufolge darauf hin, dass sozioökonomische
Benachteiligung das Gehirn indirekt durch Schlafstörungen und
chronischen Stress beeinflussen kann.
"Das Gehirn eines sozial benachteiligten Kindes sieht aus wie das
eines privilegierten Kindes mit Schlafmangel und Stress", sagt Neurologe
Dosenbach. "Es ist kein weniger intelligentes Gehirn, sondern offenbar
ein müdes und gestresstes Gehirn."
Motorik und Sinne
Von den 40 Variablen
mit dem stärksten Zusammenhang zur Hirnfunktion waren 37
sozioökonomischer Natur. Bei der Hirnstruktur traf dies auf 35 der 40
wichtigsten Variablen zu. Besonders relevant waren Faktoren wie das
Einkommen und Wohneigentum der Familie, Armutsquoten in der
Nachbarschaft, Verkehrsanbindung und die allgemeinen Entwicklungschancen
eines Wohngebiets.
Bei den für solche Faktoren anfälligen Hirnbereichen handelte es sich
um Regionen, die Motorik und Sinneswahrnehmung betreffen. Weniger stark
war der Zusammenhang in Regionen, die mit Kognition und Problemlösung
assoziiert werden. Daraus ergibt sich eine wichtige Konsequenz:
Unterschiede, die bislang möglicherweise als Ausdruck unterschiedlicher
kognitiver oder intellektueller Fähigkeiten interpretiert wurden,
könnten in Wirklichkeit Folgen von Erschöpfung, Schlafdefiziten und
dauerhafter Belastung sein.
Auch der
Intelligenzquotient wurde in der Analyse berücksichtigt, die eine
Debatte zur Frage anstößt, was der IQ wirklich aussagt. Viele frühere
Studien hatten Zusammenhänge zwischen IQ-Werten und bestimmten
Hirnmerkmalen beschrieben, und das Forschungsteam prüfte, was passiert,
wenn der Einfluss des sozioökonomischen Status statistisch
herausgerechnet wird. So verschwanden etwa 70 Prozent der zuvor
beobachteten Zusammenhänge zwischen IQ und Hirnmerkmalen – bei diesem
Anteil verschwanden die statistisch signifikanten Unterschiede.
Trotz der ernüchternden Ergebnisse betonen Fachleute, dass man Schlafqualität verbessern und Stress vermindern könne.
Als die Forschenden nur Kinder aus sozioökonomisch privilegierten
Verhältnissen untersuchten, stellten sie außerdem fest, dass IQ und
Hirnstruktur sowie -funktion keine Korrelation aufwiesen. "Wenn wir
Gehirnscans von Kindern betrachten, können wir erkennen, wie wohlhabend
ihre Familie ist und wie viel Schlaf oder Bildschirmzeit sie haben",
schließt Erstautor Scott Marek daraus. "Aber wir können ihren IQ nicht
erkennen – zumindest nicht, wenn wir sozioökonomische Möglichkeiten
berücksichtigen."
Für Marek ergibt sich daraus die Schlussfolgerung, dass IQ nicht in
der Neurobiologie verankert ist: "Die Umwelt prägt das Gehirn von
Kindern auf eine Weise, die als Ausdruck des IQ fehlinterpretiert wurde,
obwohl es sich in Wirklichkeit nur um Auswirkungen von Stress und
Schlafmangel handelt." Viele vermeintliche "Intelligenzsignaturen" im
Gehirn sind also möglicherweise in Wahrheit Signaturen sozialer
Ungleichheit.
Auch durch Parameter wie Geschlecht oder genetische Herkunft ließen
sich die Befunde nicht erklären. Die Wiederholung des Experiments mit
Daten, die nicht aus den USA, sondern von der britischen Biobank
stammten, brachte ähnliche Resultate.
Kein Schicksal
In einem Begleitartikel
heben die Neurowissenschafterin Lucinda Sisk und ihr Kollege Theodore
Satterthwaite von der University of Pennsylvania hervor, dass die Studie
ihre konsistenten Ergebnisse aus einer besonders großen Datenmenge
hervorgebracht habe. Unklar bleibe, wann sich die Zusammenhänge
ausprägen würden und wann positive Umwelteinflüsse den größten Nutzen
haben.
Sie warnen auch vor fatalistischen Schlussfolgerungen:
"Sozioökonomische Voraussetzungen sind kein Schicksal", halten Sisk und
Satterthwaite fest. Wichtige politische Konsequenzen aus den Ergebnissen
sei eine frühe gesellschaftliche Unterstützung von Familien,
insbesondere was Maßnahmen gegen chronischen Stress und für besseren
Schlaf angeht.
Auch die Studienautoren Marek und Dosenbach sehen das Gute an ihren
Ergebnissen: Die Faktoren Schlaf und Stress seien von außen
beeinflussbar, so könne man die Gehirngesundheit von Kindern verbessern.
"Wenn wir einen Weg finden, den Schlaf zu verbessern und den Stress für
Kinder aus Haushalten mit begrenzteren sozioökonomischen Möglichkeiten
zu reduzieren, können wir vielleicht die mit dieser Benachteiligung
verknüpften Unterschiede im Gehirn verringern", sagt Dosenbach. (sic.)
... am besten wäre, wenn die Weisesten bestimmten. Doch wer bestimmt, wer die Weisesten sind; und gar, was Weisheit ist? Natürlich nur die, die weise sind - und die Katze bisse sich in den Schwanz.
Man kann es unmöglich vorab wissen. Sondern erst, nachdem man sie alle eine ge-wisse Zeit hat handeln sehen. Es würde sich zeigen, wer dem Gemeinwesen nütz-lich war und wer nicht (was man um des lieben Friedens willen als weise ansehen mag).
Alle müssen es auch gar nicht sein, das könnte Jahrzehnte dauern. Es reicht, wenn nur die erprobt werden, die es sich zutrauen - es wird sich erweisen, dass auch das noch zu viele sind.
Was die Weisheit anbelangt, wurde bereits herabgestimmt: Erstens, was dem Ge-meinwesen nützt. Und zweitens, wer darüber urteilt. Und drittens - was der Prag-matik höchste Weihe ist -: über einen vorgegebenen Zeitraum.
Damit wäre der pompöse Eingangssatz auf ein alltägliches Maß beschieden. Und das kann jeder, der dem Geimeinwesen angehört, mehr oder weniger selbst beurtei-len.
Mehr oder weniger?!
Welches die Maßstäbe sind und was die Maßstäbler taugen, kann wiederum nicht vorab bestimmt werden, sondern erst nach gemachter Erfahrung. Die ist diskutabel wie alles, was in Raum und Zeit geschieht. Davon gibt es kein Entkommen. Man muss sich mit dem bescheiden, was in der Wirklichkeit machbar ist.
Nota.Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden.
Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.JE
Die Ukraine erwartet zu Recht die Unterstützung Europas gegen den russischen Angriff - sie ist unser Vorposten, und wenn der fällt, steht Putin morgen an der Oder.
Nicht bloß die geographische Integrität der Staaten wird so verteidigt, sondern auch das, was Europa als Stammland des Westens ausmacht: persönliche Freiheit, reprä-sentativer Staat und Menschenrechte. Und bei Lichte besehen wiegt das schwerer als die Unantastbarkeit von Grenzen. Müssten an dieser Stelle Zweifel aufkommen, wäre die Solidarität Europas mit der Ukraine bedroht, weil die Zugehörigkeit der Ukraine zu Europa in Frage gestellt würde.
Die dort unlängst zu beobachtenden Bestrebungen, die in der Emigration verstor-benen ukrainischen Nationalisten Bandera und Melnyk zu verehren, die sich wäh-rend des Weltkriegs mit der nationalsozialistischen Besatzung verbündete hatten, begründen solche Zweifel. Und schwächen sie Verteidigung der Ukraine gegen die Invasion, weil sie unsere Unterstützung auf die Probe stellt.
Nichts hat den Aufstieg der AfD so nachhaltig befördert wie die pp. Brandmauer und das Geschrei darum.
1. Dass eine Partei - und zwar jede für sich - erklärt, mit welchen andern Parteien sie unter keinen Umständen koalieren wolle, ist in der Ordnung, und Wähler haben sogar Anspruch darauf. Wenn bei der einen oder andern Partei ein Verdacht auf-kommt, sie könne, wenn es taktisch opportun ist, ihr Versprechen vergessen, wird sie die Zweifel wohl redlich verdient haben. So ist das in der Politik.
2. Dass ein Stadtverordneter nicht für ein Toilettenhäuschen stimmen darf, weil die AfD auch dafür stimmen wird, ist eine Verhöhnung der Demokratie.
Zwischen diesen beiden liegt ein weites Feld und liegen viele Möglichkeiten. Eine Partei, die ihrer sicher ist, wird sagen: Das wird man von Fall zu Fall je nach der konkreten Situation auf der gegebenen Ebene entscheiden, und im Grenzfall wer-den die höheren Gremien beizeiten für Klarheit sorgen.
Wir haben aber inzwischen Parteien, die ihrer Mandatsträger eben nicht sicher sind - weil sie ihnen ihr Mandat nicht mehr mit Sicherheit garantieren können. Ein Poli-tiker kann eben nicht auf Nummer sicher gehen wie ein Verwaltungsbeamter - wird ein wackerer Demokrat sagen. Jene aber kennen ihre Pappenheimer und vertrauen ihren unteren Ebenen nicht so, wie sie es den Wählern zumuten.
Und dann tritt ein gäriger Haufen auf und sagt: Wir sind die einzigen, die nicht so sind wie jene; wir sind DIE Alternative.
Und alle andern nicken bestätigend mit den Köpfen und sagen: Genau so ists.
Der gärige Haufen muss nur noch abwarten: "Unsre Zeit kommt von allein."
Schön sei, sagt Kant, was ohne Interesse gefällt. Daran
mag die Klugheit stochern wie sie will, sie beißt auf Granit. Sie kann
den Satz höchstens ausweiten: Ästhetisch ist, was ohne Interesse gefällt
oder abstößt. So
geheimnisvoll wie das Ästhetische war immer auch das Komische, und
manch einer meinte, sie müssten auch sonst etwas gemeinsam haben. Nicht sonst etwas, sondern gerade dies: Ob bejahend, ob verneinend - sie sprechen an. Und zwar, bevor Begriffe im Spiel sind. In den Begriffen sind Qualitäten ins Verhältnis gesetzt. Im ästhetischen Urteil werden Qualitäten als solche,
ohne Be-griff, ohne Verhältnis, begrüßt oder verabscheut. Der Begriff
bezeichnet, welches Interesse das Subjekt an dieser oder der andern Qualität nehmen kann. Nämlich in welchem Verhältnis es zu ihnen steht. Komik ensteht, wo Qualitäten, die als solche lediglich an sich sind, zu einander in ein Verhältnis geraten; nämlich durch ein Interesse gesetzt
werden: mit andern Wor-ten, nicht länger qualitativ, sondern relativ
erscheinen. Der komische Effekt - Affekt - entsteht, weil offen bleibt,
ob die eine Qualität auf Kosten der andern, oder die andere Qualität auf
Kosten der einen relativiert wird: Es schwebt. Und selbstverständlich sind sowohl der Effekt als auf der Affekt nur solange mög-lich, wie das Subjekt vom Interesse zu abstrahieren weiß. Und diese Fähigkeit heißt Humor.
26. 9. 17
PS.Ästhetische Qualitäten sind Bedeutungen, bevor sie in Begriffe gefasst und da-durch zu andern Bedeutungen in Relation gebracht werden.
PPS.Eine Vorstellung wird, sobald sie durch eine Bedeutung bestimmt wurde, eo ipso zu einem Begriff.