zu öffentliche AngelegenheitenEbmeiers Umtriebe.
Samstag, 28. März 2026
Merz hat wieder was Schlimmes gesagt.
zu öffentliche AngelegenheitenVier Grundkräfte
drei bis vier zu Jochen Ebmeiers Realien
Um das Ganze Universum aus der Quantenphysik zu konstruieren, müsste man, weil der Teilchenzoo doch so unübersichtlich ist und sich immer wieder neue Quäntchen finden, wohl bei der Starken Kernkraft beginnen und alles registrieren, was sich mit ihr einfangen lässt. Dann verdünnt man die Kernkraft Stufe um Stufe, und wenn man alle vier Grundkräfte beisammen hat, wäre das Puzzle der Kosmo-logie vollendet.
Freitag, 27. März 2026
Kräfte und Wechselwirkungen.
attisch, schwarzfigurig zu Jochen Ebmeiers RealienDonnerstag, 26. März 2026
Der Heilige Gral der Quantengravitation.
aus derStandard.at, 21. 3. 2026 Auf mikroskopischen Skalen könnte die Welt einem Fraktal ähneln,
so wie in dieser mithilfe von Künstlicher Intelligenz erzeugten
künstlerischen Impression. zu Jochen Ebmeiers Realien
Die Erfolgsgeschichte ist hart erkämpft, denn lange Zeit war nicht klar, ob Quantenfeldtheorien überhaupt das richtige Werkzeug waren. Forschende erkannten, dass Teilchen als Quanten von Feldern im Raum verstanden werden konnten. Sie fassten diese Idee erfolgreich in Gleichungen, bis man versuchte, diese Felder miteinander in Wechselwirkung zu bringen. Diese Wechselwirkungen explodierten im Formalismus förmlich und strebten ins Unendliche, was ganz offensichtlich keine sinnvolle Beschreibung der Welt war, die wir um uns herum sehen.
Die Lösung brachte eine Technik namens Renormierung. Dabei fügte man in der Not künstlich Elemente hinzu, um überhaupt mit den neuen Objekten rechnen zu können – gerade so, als würde man ein Schiff auf ein Trockendock heben, um es zu warten. Nach gelungener Reparatur ließ man die Schiffe gewissermaßen wieder zu Wasser und entfernte die Zusatzelemente.
Der nicht unumstrittene Trick brachte den Durchbruch, allerdings nicht bei der Gravitation. Eine Kraft, die nicht nur auf Materie, sondern auch auf sich selbst zurückwirkt – die nicht unabhängig von den Koordinaten existiert, auf denen sie lebt, sondern diese durch ihre pure Anwesenheit verzerrt, ja letztlich sogar von dem Raum nicht zu unterscheiden ist – wäre vielleicht mit einer "robusteren" Gefährtin zu bändigen gewesen, nicht aber mit einer so geisterhaften. Eine funktionierende Theorie der Quantengravitation gilt als der "Heilige Gral" der Grundlagenphysik. Die Physikgemeinschaft suchte ihr Glück in den vergangenen Jahrzehnten in exotischeren Ansätzen wie Stringtheorie oder Schleifen-Quantengravitation.
Diese kühnen Entwürfe haben beide im Kern keinen anderen Zweck als die beschriebene mathematische Explosion physikalischer Größen im Keim zu ersticken. Im Fall der Stringtheorie gelingt das, indem man Teilchen nicht mehr als punktförmig betrachtet, sondern als räumlich ausgedehnte Fäden. Bei der Schleifen-Quantengravitation ist es der Raum selbst, der in räumlich ausgedehnte Teile zerlegt wird.
Zurück zu den Wurzeln
Leider hat die Natur sich bisher geweigert, einen der beiden Ansätze glaubwürdig zu unterstützen. Damit entsteht einerseits Raum für neue Entwürfe, andererseits stellt sich die Frage, ob in der Anfangszeit der Suche nach der Quantengravitation nicht so mancher Ansatz vorschnell zur Seite gelegt wurde. Letzteren Zugang verfolgt etwa die deutsche Physikerin Astrid Eichhorn von der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Sie beschäftigt sich mit einer Idee, die auf den US-amerikanischen Physiknobelpreisträger Steven Weinberg zurückgeht.
Weinbergs Idee betrifft die Probleme der Quantengravitation bei immer kleineren Skalen, wo sogenannte Ultraviolett-Divergenzen auftreten. (Es sind nicht die einzigen Probleme, aber ein wichtiger Teil davon.) Diese haben mit einer wenig beachteten Sonderbarkeit physikalischer Theorien zu tun: Sie arbeiten mit idealisierten physikalischen Objekten. Ein Teilchen wird etwa als Punkt in einem dreidimensionalen Raum Reeller Zahlen angesehen. Ein Punkt ist etwas unendlich Kleines – eine Idee, die in der Natur nur wenig Sinn ergibt, was aber meist keine Probleme bereitet. Ob der reale Raum wirklich unendlich kleine Objekte oder Abstände erlaubt, tut nichts zur Sache, die Annahme dient hier der Einfachheit. Ganzheitlicher Zugang
Diese Einfachheit stellt sich bei der Annahme unendlich kleiner Objekte aber nicht in jedem Fall ein. Bei Quantenfeldtheorien treten Ultraviolett-Divergenzen gerade rund um unendlich kleine Abstände auf. Der Quantenfeldtheorie-Rahmen ist eine ganzheitliche Beschreibung, bei der nichts so einfach vernachlässigt werden kann. Die Felder dringen gewissermaßen in jede noch so kleine Ritze des Raums, und auch solche Kleinigkeiten tragen zum Ergebnis bei. Anders gesagt: Die Physikerinnen und Physiker müssten bereits wissen, wie sich die Natur auf immer kleineren Skalen, bis ins unendlich Kleine, verhält.
Doch wie soll man das wissen? Weinberg hatte eine kühne Idee: Er fragte sich, was passieren würde, wenn die Physik sich zu immer kleineren Abständen hin nicht mehr ändern würde, sondern die Situation im Kleinsten ein Abbild jener im Größeren wäre. Es gäbe dort im Kleinsten also gar nichts Neues zu wissen.
Die Mathematik kennt solche Systeme, bei denen ähnliche Muster auf verschiedenen Größenskalen auftreten, gut. Sie heißen dort Fraktale. Weinbergs Idee war, dass die Natur zum Kleinsten hin fraktale Struktur haben könnte, sich dort also nur Bekanntes immer neu wiederholen könnte, sofern man nur genau genug hinschaut.
Ein Nebeneffekt wäre, dass sich die Ultraviolett-Divergenzen auf diese Weise stabilisieren könnten. Berechnen konnte Weinberg das aber nicht. Damals ließen sich die Quantenfeldtheorien hinter den Naturkräften nur aus einem einzigen Blickwinkel sinnvoll betrachten: Treffen Forschende der Physik nämlich auf eine Formel, die ihnen zu kompliziert ist, versuchen sie die relevanten von den irrelevanten Teilen zu trennen. Sie verwandeln sie in eine unendliche Reihe, eine Summe unendlich vieler einfacherer Formeln. Wendet man diese Technik, die in der Physik Störungstheorie genannt wird, richtig an, genügt es, nur einige wenige dieser Formeln auszurechnen und den Rest – unendlich viele – zu ignorieren. Als das Standardmodell der Elementarteilchenphysik entwickelt wurde, war das auch zur Lösung der Quantenfeldtheorie-Gleichungen der einzige praktikable Zugang.
Inzwischen sind aber, nicht zuletzt dank besserer Computermethoden, auch andere Zugänge besser handhabbar geworden. Das erlaubt es Forschenden wie Astrid Eichhorn, Weinbergs Ansatz eine neue Chance zu geben."Die Raumzeit nimmt hier eine Struktur an, die, grob gesagt, einem Fraktal ähnelt", sagt Eichhorn im Gespräch mit dem Quanta-Magazine. "Die Intensität der Kräfte, einschließlich der Schwerkraft, verändert sich nicht mehr, und man sieht immer wieder dasselbe Bild, dieselben Regeln, nach denen Teilchen miteinander interagieren. Das ist die Idee, der ich nachgehe: asymptotische Sicherheit." Damit könnte die von den Quantengesetzen gewissermaßen zerrissene Raumzeit wieder stabil genug werden, um Vorhersagen über die Welt zu machen – und zwar mithilfe der Quantenfeldtheorie, ganz ohne Superstrings oder Schleifen.
Das Konzept hat seine Vorzüge. Um zu wissen, ob die Natur sich wirklich so verhält, muss man allerdings Vorhersagen machen, die sich testen lassen. Doch das ist auch Jahrzehnte nach Weinbergs Idee noch anspruchsvoll. Mit starken Vereinfachungen ist es möglich: "Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat sich intensiv mit leerer Raumzeit – also reiner Schwerkraft – beschäftigt. Tatsächlich arbeiten die meisten von uns in einem noch stärker vereinfachten Rahmen, in dem es nur Quantenfluktuationen des Raums gibt, anstatt Fluktuationen sowohl des Raums als auch der Zeit", sagt Eichhorn. Diese Arbeiten hätten gezeigt, dass in solchen Fällen der Punkt, an dem die Raumzeit stabil wird, tatsächlich existiert.
Doch stimmt das, was für vereinfachte Theorien richtig ist, auch bei den "echten", nicht vereinfachten Beschreibungen des Mikrokosmos? Eichhorn versucht, die einfachen Modelle durch mehr und mehr Elemente zu erweitern. Nun gibt es aber eine neue Studie, die ein Team um Eichhorn zur Publikation eingereicht und auf einem Preprint-Server veröffentlicht hat. Und tatsächlich gibt es auch dort Anzeichen dafür, dass die Welt im Kleinsten zum Fraktal wird – Eichhorn spricht vom Auftreten eines sogenannten Fixpunktes.
Statt nach diesem Fixpunkt zu suchen, ist auch der umgekehrte Zugang möglich: Man kann annehmen, die Raumzeit sei im Kleinsten stabil, und dann berechnen, wie eine solche Welt aussehen würde. Das führt teils zu verblüffenden Ergebnissen. Alle Materie um uns herum besteht – zumindest, wenn man ihre Masse betrachtet – zum überwiegenden Großteil aus Protonen und Neutronen, die wiederum aus Quarks zusammengesetzt sind. Die schwersten und seltensten dieser Quarks, das Top- und das Bottom-Quark, sollten laut Theorie eigentlich gleich "schwer" sein.
Doch Messungen zeigen einen deutlichen Unterschied. Geht man von der Annahme eines Fixpunktes aus, entsteht dieser Unterschied auf natürliche Weise. Für Eichhorn ist das ein starker Hinweis: "In einer Welt ohne Fixpunkt könnten die Massen beliebig sein. Gibt es jedoch einen Fixpunkt, kommt es zu einem ganz besonderen Austausch zwischen der Schwerkraft und der elektroschwachen Kraft, und das Ergebnis dieses Austauschs ist, dass diese Quarks im Grunde genommen genau diese beiden unterschiedlichen Massen haben müssen."
Eichhorn nennt noch einige weitere Erfolge, etwa eine Erklärung der geringen Masse von Neutrinos. Doch sie gibt auch zu, dass der Zugang weit davon entfernt ist, alles erklären zu können. Allerdings gebe es keine bekannte Teilchenmasse, die nicht mit der Idee eines Fixpunktes vereinbar sei. Eichhorn schließt nicht aus, dass Asymptotische Sicherheit sich bereits zu Zeiten von Stephen Weinberg durchgesetzt hätte, wäre es möglich gewesen, Teilchenmassen ähnlich gut wie heute zu berechnen.
Die Zukunft der Idee ist eng mit den Forschungen rund um Dunkle Materie verknüpft. Derzeit ist noch unklar, woraus der Großteil der Masse des Universums besteht. Es gibt verschiedene mögliche Erklärungen, die aber alle unbestätigt sind. Welches der Modelle das Rennen macht, ist für die Idee der Asymptotischen Sicherheit entscheidend. Einige der standardmäßig vorgeschlagenen Erklärungen, darunter solche mithilfe von sogenannten Wimps oder Axionen, sind nur schwer mit dem Konzept vereinbar. Wird das Rätsel um Dunkle Materie in den kommenden Jahren irgendwann gelöst, könnte sich auch das Schicksal der Asymptotischen Sicherheit entscheiden.
Doch bis dahin verfolgen Forschende wie Eichhorn weiterhin die elegante Idee einer Welt, die im Kleinsten auf eine ungewöhnliche Art und Weise abgeschlossen ist, weil es, wenn man genau genug hinschaut, irgendwann nichts Neues mehr zu sehen gibt.
Mittwoch, 25. März 2026
Sind Jungen schlauer und Mädchen fleißiger?
zu Levana, oder Erziehlehre
... Also Jungen gelten als schlauer, Mädchen als fleißiger. Vorteile haben
davon Mädchen: Sie erhalten bessere Zensuren, gelten als die besseren
Schüler und verbin-den auch selber den schulischen Erfolg nicht mit
Klugheit, sondern mit Fleiß. Wel-chen Denkauftrag erkennt darin Frau Adelheid Müller-Lissner? Sie will ergründen, ob diese Benachteiligung biologisch
oder sozialisatorisch zu erklären sei, aber bei der biologischen
Variante hält sie sich gar nicht erst auf, sondern wendet sich gleich
der sozialisatorischen zu und wird dort auch fündig: Weil Mädchen früher
reifen, wird 'mehr von ihnen verlangt'.
Wie
wär's mit folgenden Denkversuchen: Weil Jungen ungestümer und weniger
angepasst sind, traut man ihnen größeren Einfallsreichtum zu - ?
Jungens haben mehr Einfälle, darum sind sie ungestümer und weniger angepasst.
Jungen sind klüger, aber das nützt ihnen nichts; belohnt werden Fleiß und Anpas-sung, damals wie heute.
Weil Jungen ungestümer und unangepasster sind, ließ man ihrer Erziehung Jahrtau-sende lang mehr Sorgfalt angedeihen:
mit Stock und Riemen; mann hat eben weni-ger von ihnen verlangt. Daher
sind sie selbstbewusster, Mädchen wurden vernach-lässigt und sind
bescheidener.
*
Frau Müller-Lissner, lesen Sie Ihre gegenderte Seiche eigentlich nochmal durch, bevor Sie sie bei Ihrer RedaktionIn abgeben? Und - wichtiger - liest Ihre Redak-tionIn sie durch, bevor sie sie in den Druck gibt?!
JE, in einem Kommentar am 1. 2. 2017
Dienstag, 24. März 2026
Diskursiv oder anschaulich.
aus Ästhetik: Rohentwurf.
Es gibt ‚Gehalte’ des Erlebens, die – jedenfalls innerhalb derselben Kultur – einem jeden bekannt sind und über die er darum mit jedem andern sprechen kann, sofern sie sich über deren Benennung einigen. Sofern sie sie also gemeinsam ‚bezeichnen’ können; ohne daß nur einer von ihnen imstande wäre, den exakten Ort anzugeben, den sie im beweglichen System („Sprachspiel“) all der andern ‚gültigen’ Namen ein-nehmen – weil sie anscheinend gar nicht darinnen liegen, sondern irgendwo an sei-ner Grenze. Das sind, mit einem altertümlichen Wort zu reden, Existenzialien, die dem je individuellen Leben gewissermaßen als vorausgesetzt begegnen („Urphäno-mene“, nach Goethe); wie z. B. Liebe, Leidenschaft, Freiheit, Sinn, Verzweiflung, Schuld, Schönheit, Glück, Ehre und Anstand. (Übrigens auch Komik und... Wis-sen.) Ein jeder für sich ‚weiß, was gemeint ist’; nur sobald er es einem andern er-klären soll, dann geht es ihm wie Augustinus mit der Zeit: Er kann es nicht sagen. Und je kritischer der Geist, der im öffentlichen Diskurs waltet, umso mehr neigen die ‚existenziellen’ Begriffe dazu, aus dem aktiven Wortschatz ganz zu schwinden.
Daß sie sich
seit drei Jahrtausenden – seit das Definieren begonnen hat – der
Defi-nition widersetzen, zeigt an, daß sie zur Exposition in diskursiver
Wissenschaft nicht taugen. Sie können allenfalls in Bildern gezeigt
und in Mythen erzählt werden, denn sie sind uns nie positiv gegeben,
sondern immer als Problem. Wir ‚haben’ sie nicht, sondern wir ‚meinen’
sie nur. Das ist dann auch eine Form von Wissen (oder ‚Gewärtigkeit’),
aber eben nicht Wissenschaft, sondern Kunst. Die Kunst „erscheint, als
hätte sie gelöst, was am Dasein Rätsel ist“, steht bei Th. Adorno. Sie
ist nicht das Leben, und sie ‚dient’ ihm auch nicht wie die
Wissenschaften. Sondern sie stellt es dar – als sein Anderes, an dem es
‚sich selbst erkennt’. Ob nämlich ihre Verheißung nur eine Täuschung
ist, sei selber ein Rätsel, fügte Adorno hinzu. Sie ist eine Lüge, nach
Picasso, an der die Wahrheit deutlich wird. Das immerhin hat die Kunst
mit der Wissenschaft gemein: daß sie das Andere des Lebens ist.
„Wissenschaft ist Kunst, aber Kunst ist nicht Wissenschaft“, fand der
ungarische Musiker Sándor Végh. Und wenn das Leben ‚bestimmt’ werden
sollte (was es aber nicht nötig hat), so wäre es nur zu bestimmen als
das Andere dieses Anderen.
Bislang: Das Leben ist Arbeit [s. 4., Schluß]: bestimmt als Bestimmen.
Aneignung der Welt, Ökonomie, Begreifen. Ist nun die
Arbeitsgesellschaft am Ende? Je weni-ger ‚bestimmt’ die Welt nun ist,
umso weniger erscheint der irreduzible Rest als unbestimmt! Umso
weniger rätselhaft erscheint die Welt – nämlich was „an ihrer Grenze
liegt“. Weniger rätselhaft – weniger ‚ästhetisch’? Ein Zeitalter der
Neuen Anästhetik? (Schwätzer W. Welsch)
Oder auch: Was
dem „System“ zu Grunde liegt, kommt im System nicht vor. Von „darinnen“
kann man sich seiner nur so eben noch „erinnern“ (anámnesis),
eigent-lich: eräußern. Und zwar nicht so, als ob es einmal ‚da’ gewesen
wäre und dann ver-loren ging, sondern wie wenn es wohl präsent, aber doch
nicht gegeben ist. „Es“ hat dich mehr, als du „es“ hast; méthexis.
Es ist das, worauf alles Andere deutet; sozusagen „die Bedeutung
selbst“, vulgo Sinn des Lebens – worum es nämlich „allem Wissen zu tun
ist“, welcher Modalität es auch sei. Da es den Begriffen zu Grunde
liegt, kann es unter dieselben nicht gefaßt werden. Man kann es nur in
Bildern „sehen lassen“ oder Geschichten davon erzählen. Das ist auch ein
‚Wissen von...’, aber ein anschauliches.
Daß der Alltag,
alias Werktag und materieller Verkehr der Menschen, in der
„post-industriellen“ („Medien“-) Gesellschaft „remythisiert“, also neu
„verzaubert“ würde – glaubt das jemand im Ernst? Nein, der Alltag
schrumpft, nimmt weniger Platz ein im Leben, er wird weniger. Und mit
ihm schrumpft die Erwachsenheit der Men-schen. Wogegen der Sinn des Lebens
bedeutender wird, nämlich unmittelbarer be-deutend. Das tägliche Leben
wird unalltäglicher. Nicht, daß die Figuren, in denen vom Sinn des
Lebens erzählt wird, unästhetischer würden. Nur wird ihre anschau-liche
Gegebenheitsweise nicht mehr in aggressivem Gegensatz stehen zum
diskur-siven Verstand; weil der jetzt weiß, wo er hin gehört und wohin
nicht.
[Pädagogik ist
Kunst und nicht Wissenschaft. Sie ist eine ästhetische Praxis und wo
sie glückt, rechtfertigt sie sich aktual - hier und jetzt und
anschaulich. Dabei ist sie nicht „das Leben“. Denn das, was sie in ihren
Bildern zeigt und in ihren Mythen erzählt, ist nicht das Leben selbst,
sondern - sein Anderes; ein Rätsel, an dem es kenntlich wird. Dies
Rätsel hat die Pädagogik den Menschen zu vergewärtigen, solange sie in
dem Alter sind, wo sie dafür noch Muße haben und das Rätsel noch lockt.
Denn hinterher ist es zu spät.]
Der Grund des
Lebens ist problematisch: eine (unendliche) Aufgabe – nämlich eine, die
sich dadurch „auszeichnet“, daß sie nie gelöst ist; „bestimmbar“ nur
als Rätsel. – Geführt werden kann das Leben immer nur „so, als ob“ das
Rätsel all-bereits gelöst sei. Von diesem Als-ob gibt die Kunst uns ein
Bild: „Schönheit“. Die moderne Kunst - als die 'zu ihrer Bestimmung
gelangte' - zeigt zugleich, daß ihre Lösungen Schein sind. Je positiver das Zeitalter, umso problematischer
(„subver-siv“, „kritisch“) seine Kunst: 19. Jahrhundert! Mit der
Romantik kommt das Schö-ne in Verruf – als etwas, das die Kunst zu
entlarven habe. – Am Ende des 20. Jahr-hunderts scheint – mit der
„Postmoderne“ – die Kunst diesen ihren positiven Wi-derpart verloren zu
haben: Weder „Das Rätsel ist gelöst“, noch wird die schöne Lö-sung
denunziert; sondern: J'm'en fous, anything goes! Es gibt gar
keine Rätsel für die, denen eh’ alles wurscht ist.
Daß nicht alles wurscht ist, kann mittlerweile nur die Kunst zeigen. Oder auch, das Leben läßt sich nur ästhetisch rechtfertigen.
Nachtrag. Obiges habe ich um die Jahrtausendwende aufgeschrieben. Da hatte ich mich noch lange nicht erkühnt, die Wege der Transzendentalphilosophie nachzu-gehen.
Alle Philosophie, meinte Wittgenstein zunächst, sei Sprachkritik. Um sich später dahin zu korrigieren, die könne nur den Weg bereiten: Philosophie dürfe man "eigentlich nur dichten".* Ich hatte mich soeben in ästhetische Fragen verstrickt und war zu der Auffassung gelangt, Ästhetik könne man nicht theoretisch, sondern allein kritisch betreiben. Das hat sich im obigen Text noch nicht recht niederge-schlagen, er spricht im blumigen Stil des Feuilletons; in Bildern, wie es der literari-schen Kritik frommt, und nicht in Begriffen. Kunstkritik ist selber Teil des Kunst-betriebs.
Die Frage, welche Stelle dem Ästhetischen im Gesamtbestand unserer Welt-An-schauung zukommt, ist allerdings nicht durch Stilblüten zu entscheiden, sondern mit der Schärfe des Begriffs. Philosophie ist ihrerseits wissenschaftlich nur als Kritik, nämlich als Transzendentalphilosophie.
So kann ich selbst bezeugen, was mein Gewährsmann postuliert: Einen Übergang vom gemeinen zum transzendentalen Standpunkt gibt es wirklich - es ist das Ästhe-tische.
*) Vermischte Bemerkungen, Ffm. 1994, S. 58
Nota. Das
obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie
der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
Montag, 23. März 2026
Die Datifizierung der Wirklichkeit
aus spektrum.de, 20. 3. 2026
»Kritik der Digitalisierung«
Die Datifizierung der Wirklichkeit
Unser
Leben wird immer mehr von Prozessen bestimmt, die wir nicht
durchschauen. Zeit für einen philosophischen Blick auf die
Digitalisierung.
von Stefan Höltgen
Habe
ich es mit menschlichem Tun oder einem maschinellen Prozess zu tun?
Stammt dieser Text aus einem Gehirn oder einem künstlichen neuronalen
Netz? Wurde dieses Bild fotografiert oder generiert? Dank der so
genannten Digitalisierung haben wir es mit völlig neuen Phänomenen und
Praktiken zu tun, die zwar unser Leben bestimmen, die wir aber nicht
durchschauen. Und während IT-Unternehmen eine neue Technologie nach der
anderen auf uns loslassen, bleibt uns kaum Zeit, über deren Wesen,
Herkunft und Folgen zu reflektieren. In »Kritik der Digitalisierung«
nimmt sich der Philosoph Daniel Martin Feige dieser Herausforderung an.
Wenn aus Leben Daten werden
Philosophie
ist stets auch »Arbeit am Begriff« – so hat es Theodor W. Adorno einmal
formuliert, auf den sich der Autor vielfach beruft. Und so geht es
Feige darum, neue Begriffe – oder alte, die durch
Informationstechnologien neu gefasst wurden – zu hinterfragen. Denn, so
Feige, allzu oft stünde hinter Begriffen wie »Digitalisierung«,
»künstliche Intelligenz« oder »Computerkunst« eine Agenda mit einem
Menschenbild, das im Widerspruch zum Verständnis des Menschen als
vernunftbegabtem und sich seiner selbst bewusstem Wesen stehe. Feige,
für den dieses aufklärerische Ideal ein Leitmotiv bleibt, reflektiert
Begriffe wie diese technik- und philosophiegeschichtlich. Das ist keine
leichte Lektüre – doch scheint die Komplexität seiner Argumentation
angesichts der »gesamtgesellschaftlichen Transformation […], die Arbeit,
Zusammenleben und Gegenständlichkeit« (S. 7) durch die Digitalisierung
erfahren, gerechtfertigt.

Daniel Martin Feige
Kritik der Digitalisierung
Technik, Rationalität und Kunst
Verlag: Meiner, Hamburg 2025, 185 S.
ISBN: 9783787347209 | Preis: 19,90 €
Aber was bedeutet »Digitalisierung«? Feige zufolge ist sie nicht bloß die Vollendung eines Prozesses, der vielleicht schon mit Aristoteles’ zweiwertiger Aussagenlogik begonnen hat. Ein solch teleologisches Verständnis würde einen beträchtlichen Teil der Kulturgeschichte zum Vorspiel der Digitalisierung degradieren, und der Transhumanismus wäre das nächste notwendige Etappenziel dieser Entwicklung. Vielmehr nimmt Feige den besonderen Charakter der Digitalisierung ernst, wenn er betont, dass digitale Technologien unsere Lebens- und Arbeitspraxis neu fassen. Sie transformieren das analoge Leben in Daten, machen es so scheinbar speicherbar, übertragbar und berechenbar: »Informations- und Kommunikationstechnologien unterziehen unsere Praxis einer Neuformatierung im Geiste der Digitalisierung.« (S. 38)
Wie die KI-Debatten das Menschenbild verändern
Als
charakteristische Merkmale dieser Neuformatierung benennt Feige
»Blackboxing«, »Datifizierung« und »Alterisierung«. »Blackboxing« meint
das Unsichtbarwerden der Ebenen, auf denen unsere Daten verarbeitet
werden – wir sehen lediglich ihre Oberflächen. Damit sei nicht bloß eine
Geheimniskrämerei von IT-Firmen gemeint, »Blackboxing« sei vielmehr
konstitutiv für unser Verhältnis zu digitalen Technologien: Wer kann
schon nachvollziehen, was genau sich in einem Computer oder Smartphone
vollzieht? »Daten sind die Lingua franca der Digitalisierung«, betont
Feige (S. 42 f.), und »Datifizierung« beschreibe die dafür notwendige
Reduktion des Analogen zum Zwecke seiner Komputierbarkeit – also für
das, was Digitalisierung im technischen Sinne bedeute. Dies führe zur
»Alterisierung« der digitalisierten Wirklichkeit: Auf der Ebene der
Daten erscheinen alle Phänomene gleichartig – und werden zum Beispiel zu
digitalen Objekten, die man handeln kann.
Im zweiten Kapitel hinterfragt Feige den Begriff der »künstlichen Intelligenz« und damit eine der relevantesten Entwicklungen unserer Zeit. Kaum eine technologische Neuerung der jüngeren Vergangenheit hat derart viele kulturelle, soziale und ökonomische Veränderungen angestoßen. Begriffe wie »Bewusstsein« und »Emotion«, die genuin Menschliches bezeichneten, wurden Feige zufolge im KI-Diskurs einem »conceptual engineering« unterworfen; ihr Sinn wurde verändert – mit erheblichen Konsequenzen für unser Menschenbild. Feige rekonstruiert diese Debatte von ihren Anfängen in den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. Er zeigt dabei, wie immer wieder versucht wurde, Sprache zum alleinigen Gradmesser für Intelligenz zu machen (weil Computer nur symbolische Daten verarbeiten können), merkt aber zugleich an, dass man eigentlich nicht von »Sprache« reden könne, wenn ihr keine Überzeugungen und Wünsche zugrunde lägen, sondern bloß von »Textgenerierung«.
Feige
betont, dass eine künstliche Intelligenz kein vernünftiges Wesen sein
könne, denn dazu bedürfe es eines begrifflichen Verständnisses von
Selbst und Welt. KI-Anwendungen erfassten die Welt dagegen wie ein
»forensisches Instrument durch die Sammlung von Daten oder die
Applikation festverdrahteter Schlussschemata [, die] weitere Daten
produziert.« (S. 77). Durch die schieren Datenmengen und die enorme
Effizienz ihrer statistischen Korrelation erscheinen uns »Large Language
Models« (LLM) vielleicht als sprechende Computer – seien jedoch bloß
»stochastische Papageien«, wie es die Linguistin Emily M. Bender 2021
formuliert hat.
Vor allem fehle der KI praktisches Wissen.
Damit ist gemeint, »dass ich im Vollzug meiner Handlung darum weiß, was
ich hier tue, und zugleich den Zusammenhang der Handlungsphasen
praktisch als Verwirklichung eines Zwecks begreife.« (S. 87) Weil
Sprache auch (kommunikative) Handlung ist, könne ein textueller
Austausch mit einem LLM stets nur die Simulation eines Gesprächs sein.
Schließlich koppelt Feige die Fähigkeit zu denken und zu handeln – auch
philosophiegeschichtlich – an den Begriff des Lebens: Ein rationales
Lebewesen zu sein, bedeute, Praktiken vollziehen zu können, die
außerhalb biologischer oder evolutionärer Erklärungen in unserer
»zweiten Natur« lägen.
Der dritte Teil befasst sich mit den Zusammenhängen von Kunst und Digitalisierung. Hier fordert Feige zunächst einen Begriff von Autorschaft, der den Menschen mit seinen bewussten Entscheidungen und seiner Autonomie ins Zentrum stellt. Kunst fungiere als Reflexionspraxis und werde als Handlung verstanden, über die im Sinne der Kunstkritik verhandelt werden kann. Daher müsse hinter einem Kunstwerk ein Mensch stehen, der Intentionen habe und das Werk als Ausdruck seiner geistigen Tätigkeit darstelle. Künstliche Intelligenz könne daher prinzipiell keine Kunst hervorbringen. Gleichzeitig erkennt Feige an, dass Computerkunst durchaus geeignet sein kann, sinnvolle Debatten – zum Beispiel über das Verhältnis von Kunst und digitalen Medien – anzustoßen, »gerade weil hier die partielle Fremdheit dessen, was sie generiert, anschlussfähig ist an die konstitutive Fremdheit künstlerischer Gebilde«. (S. 12)
Daniel Martin Feiges kaum
200 Seiten umfassende »Kritik der Digitalisierung« ist keine leichte
Kost. Denn Feige hat nicht einfach ein antidigitales Pamphlet verfasst,
sondern argumentiert differenziert und ist dafür tief in die Technik-
und Philosophiegeschichte eingestiegen. Dennoch vertritt der Autor eine
klare Position, die sich in der Nähe von Adornos Kritik an der
Kulturindustrie ansiedeln lässt. Wer seine Argumentation kritisieren
möchte, muss gute Gegenargumente formulieren, um einen anderen Blick auf
die Technik- und Philosophiegeschichte sowie die besondere Stellung des
Menschen in der Welt begründen zu können.
Kritik
der Digitalisierung« ist eine wichtige und philosophisch fundierte
Auseinandersetzung mit den Technologien, Konzepten und Begriffen, die
unser Leben heute prägen. Wer dieses Buch gelesen hat, wird über
»Digitalisierung« oder »künstliche Intelligenz« sicher präziser denken
und sprechen können als vor der Lektüre.
Nota. - Dem Computer fehlt nicht nur ein Begriff von Selbst und Welt, sondern dass er selber kein Selbst in einer Welt ist. Eine Welt ist keine endliche Summe digitaler Informationen auf einer elektronischen Lochkarte, sondern der Ort, wo ein Organismus tagtäglich zehntausende große und kleine Entscheidungen zu fällen hat, um darin überleben zu können. Diese Entscheidungen stehen ihm sämtlich frei, und was durch Freiheit möglich ist, ist praktisch. Der Computer steht für keine seiner Entscheidungen ein, und auch sich selbst zerstören könnte er nur aus Versehen - und fände nicht einmal Gelegenheit, es zu bedauern.
Dass Kunst übrigens als Reflexionspraxis oder als sonstwas "fungiere", will ich ausdrücklich bestreiten.
JE
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