Samstag, 30. November 2024

Sinn und Sinne.

Rosel Eckstein / pixelio.de                                           aus  Philosophierungen

Die Welt ist nicht alles, "was der Fall ist". Unmittelbar begegnet sie uns als ungestal-ter, unendlicher Strom des Erlebens. "Reizverarbeitung", sagt der Neurowissen-schaftler. Das Erleben ist nicht an sich zusammengesetzt aus einer Reihe von Erleb-nissen. Ein Erlebnis zeigt sich erst, wenn die Reflexion willkürlich einen 'Punkt' aus dem Strom herausgreift und ihn künstlich gegen die andern abgrenzt. Doch nicht erst die Punkte – der Strom selbst wird im Verlauf der Verarbeitung nicht nur 'ge-merkt', sondern als dieses Erleben bewertet. 
 
Das weiß auch der Neurowissenschaftler und kratzt sich am Kopf: weil er nicht weiß, wie das geschieht, und das heißt für ihn: wo das geschieht. Anzunehmen ist, dass auch dies nicht in einem Zentrum im Gehirn passiert, sondern, wie alle Reiz-verarbeitung, systemisch erfolgt innerhalb einer beständig wechselnden Konstella-tion zahlreicher Zentren. Die 'Inselrinde' im praefrontalen Cortex (das Geschmacks-zentrum) wird irgendwie beteiligt sein, auch das limbische System und der 'Mandel-kern' (Amygdala) spielen mit. Und welche Rolle spielt das "Bauchhirn" (Sonnenge-flecht, Plexus solaris) um das Zwerchfell herum? Und: spielt es sie autonom oder seinerseits 'gesteuert' von den neueren, 'höheren' Gehirnpartien? Spielt es in einem systemischen Vorgang überhaupt eine Rolle, welche Partie älter und niederer, und welche neuer und höher ist? Der Vorgang als Ganzer ist ein 'moderner' und könnte ohne Mitwirkung rezenter Partien gar nicht stattfinden.

Und sobald das Erleben in der Reflexion bewusst gemacht und in isolierbare Erleb-nisse seziert wurde, tritt es ein in das Netz der Symbole, die ihrerseits wertend wir-ken und das Erleben "einfärben".

Auch hier sagt der Neurowissenschaftler "Reizverarbeitung" – weil er sich qua Fach auf diese Betrachtungsweise einmal festgelegt hat.
aus e. Notizbuch, um 2002? 

Nota I. - Mit der Formel, die Welt sei 'alles, was der Fall ist', hatte Wittgenstein na-türlich nichts empirisch Wahrnehmbares gemeint, sondern das, was logisch 'der Fall ist'.
1. 12. 13 

Nota II. - Verstehen, wie aus physiologischen Reizen (Gefühl) den Menschen Be-deutungen entstehen, ist die Aufgabe, die sich die Wissenschaftslehre gestellt hat. Damit hat obiger Eintrag wohlbemerkt noch nichts zu tun. Hier geht es erst um die durch Beobachten zu eruierende Frage, was sich wo abspielt im Gehirn; wobei als das Was erst noch die auf analoge Weise darstellbaren elektrochemischen Prozesse in den neuronalen Netzen zu verstehen ist. Aber noch lange nicht das Was einer praktischen ('durch Freiheit möglichen') Bedeutung, die ich erst verstehen müsste, um durch mein Handeln in der Welt Realität zu schaffen. 



Da haben wir auf der unteren Seite einen reellen Stoffwechsel-Prozess und auf der oberen Seite eine Folge realer Handlungen, die sich ebenfalls als Austausch von Energien und Materien darstellen lässt. Dazwischen liegt die Bedeutung "als sol-che"; in einem Schwebezustand, nicht mehr und noch nicht wieder ganz wirklich, sondern 'erst noch möglich', aber vor allem: nicht nichts!

Umgangssprachlich sagen wir: erst noch als Begriff (mit dem letzten Endes eine Handlungsanweisung gemeint ist). Der lässt sich nun nicht mehr im analogen Mo-dus darstellen und anschauen. Er lässt sich lediglich denken. Dargestellt (und mit-geteilt) wird das Denken im digitalen Modus, indem den gedachten Bedeutungen ein willkürlich wählbares Zeichen angeheftet wird; in der Erwartung, dass der, der das Zeichen entziffert, wohl schon dasselbe herauslesen wird, was der Bezeichner hineingedacht hat. Dass es so ist, gewinnt überhaupt erst durch regelmäßigen und allgemeinen Austausch eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Sicherstellen kann man es nie. Denn die Übersetzung von Etwas aus dem analogen in den digitalen Modus und zurück ist schlechterdings ein Kunst-Stück - und als solches ein Rätsel. Es ist der Akt des Bestimmens, und als solcher eine Leistung der Einbildungskraft
.
5. 7. 18
 
 
 
 

Freitag, 29. November 2024

Ursache und Absicht aller Philosophie.

                                                        zu Philosophierungen

1) Was kann ich wissen? 2) Was soll ich thun? 3) Was darf ich hoffen?
4) Was ist der Mensch?
- Die erste Frage beantwortet die Metaphysik,
die zweite die Moral, die dritte die Religion und die vierte die Anthro-
pologie. Im Grunde könnte man aber alles dieses zur Anthropologie
rechnen, weil sich die drei ersten Fragen auf die letzte beziehen.
 
Immanuel Kant's Logik, in ders., Akademie-Ausgabe IX, S. 25

Die anthropologische Fragestellung war der Urheber allen Philosophierens. Das war den ersten und selbst den späteren Philosophen nicht bewusst. Doch die Kant'sche kopernikanische Wendung der Philosophie mit der Frage Was ist Vernunft?  konn-te an der Fragestellung Warum will man wissen wollen? nicht vorbeigehen. Man will wissen, um das tun zu können, was man tun soll. Das Problem ist nämlich: Das Wol-len der Menschen ist frei. Es ist nicht nur das praktische Problem eines jeden Leben-den, sondern zugleich das theoretische Problem einer Wissenschaft "vom Menschen". Denn entweder ist das, was der Mensch ist, vorgegeben von seiner 'Natur' (über die man zu streiten nie müde wird), oder er ist frei, das zu tun, was er als das Richtige selber erachtet.

Aus dem Dilemma kann die empirische Forschung nicht herausfinden. Die parado-xe Lösung, dass er von Natur zur Freiheit verurteilt ist, wäre nicht ihre Sache, son-dern die der Philosophie. 

Denn noch, wer keinen Satz in Tomasellos Darlegung sachlich bestreitet, könnte einwenden: So ist es; aber es ist nicht richtig so; es sollte anders sein. - Was kann die Empirie dagegen vorbringen?

Dass es so ist, ist aber das eigentlich Einzigartige am Menschen; doch nur, wenn er es wählt.
Kommentar zu Wir sind schon ziemlich einzigartig, JE. 7. 11. 20


Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Donnerstag, 28. November 2024

Die Differentia specifica.

https://encrypted-tbn0.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcQj8M6RC5-dYoC1Y_7UWu5ekuD2U2kxeZ4NZt0XReVXPotIv_tQHX_0pNdz1-ytK5kh0qQ&usqp=CAU Neukaledonienkrähe   zuJochen Ebmeiers Realien   zu Philosophierungen

Denken in specie ist Reflektieren. Nämlich nicht nur Wissen, sondern das Vermö-gen, das, was man weiß, zu prüfen und zu beurteilen. Dazu ist notwendig zu wissen, dass man weiß - Eine Rückwendung gegen den, der weiß. Wo von bewusstem Sein die Rede ist, kann eigentlich nur das gemeint sein: die Auffassung meiner selbst als ein Ich.

Nun ist es nicht möglich - aber auch nicht wünschenswert -, dass einer rund um die Uhr und pausenlos nur reflektiert. Reflexion ist immer wieder nützlich im Leben, aber sie ist nicht selber Leben; das wirkliche Leben und auch nur das wirkliche gei-stige Leben ist Vor-stellen.

Was in obigen Experimenten als erleben bezeichnet wird, ist wohl nicht das, was gemeinhin unter Reflexion verstanden wird. Aber vorstellen, nämlich 'sich ein Bild machen', könnte schon passen; es ist noch kein prüfen und urteilen, aber ein Identi-fizieren als dieses ist es wohl. Das wäre die Bedingung für ein weiterdenken in einem spezifischen Sinn.

Physiologen und Verhaltensforscher sind nicht gehalten, sich an die Sprachregelun-gen von Philosophen zu halten. Sie haben alles Recht, ihre eigenen Begriffe zu ver-wenden - gegebenenfalls aufgrund rein empirischer Merkmale. Diese müssten sie aber bestimmen, damit ein Außenstehender beurteilen kann, wie weit ihre Schluss-folgerungen reichen.

Begreifen beginnt mit dem Unterscheiden. Synthetisieren kann man hinterher.
zu "Bewusst erleben". JE. 22. 9. 20

 

Es wird immer klarer: Nicht die Intelligenz als solche - das Durchschauen einer ge-gebenen Situation - ist es, die den Menschen vor den Tieren auszeichnet, sondern die Fähigkeit der Reflexion: die Fähigkeit, die Vorstellung auf sich selbst zu richten, sich von den Dingen zu unterscheiden und sich auf sie zu beziehen.

Doch undurchdringlich ist vielleicht auch diese Wand nicht: Immerhin bezieht die Neukaledonienkrähe schon Dinge auf sich. Der Durchbruch wäre aber erst, wenn sie ihren Willen in die vorgefundene Situation hineindenken könnte; denn andern-falls folgte sie noch immer nur ihrem genetisch vorgegebenen Verhaltensprogramm.
zu Klug wie eine Neukaledonienkrähe JE, 5. 11. 20

 

 

Frauenfeindlich?

Wouters, Crazy violence                                                                     aus Männlich 

Mann, wie kommen Sie denn darauf! Auf diesen Seiten polemisiere ich gegen den Feminismus, und dem hängen unter den Frauen nur ganz wenige an. Lila Pudel, die auf diesem Flämmchen ihre eigenen Süppchen köcheln, gibt es viel mehr. Ich ver-wende ja mit Bedacht das große BinnenI: FeministInnen; so können auch die sich angesprochen fühlen.

Schwierig wird es bloß, wenn ich schreiben will: frau will, frau kann nicht... Dazu habe ich keine gegenderte Version gefunden, nichtmal bei Google; manIn jeht doch nich.

22. 2. 16 

Nachtrag: Man*n würde zur Not gehen; ich denk drüber nach.
31. 3. 20

 

 

Wenn Frauen die Welt regierten...

                              zMännlichzu öffentliche Angelegenheiten

Da kann nun jeder* sich rauspicken, was ihm am besten gefällt, und wie eine Fahne schwenken. Und weiß: Wem immer etwas besser gefällt, der tut es ebenso. Punkte auszählen hilft nicht viel, denn es kommen immer mal welche hinzu und andere verfallen. Warum? Weil gar nicht festzumachen ist, was gezählt wird und wie es zu verrechnen ist. 'Wenn Frauen die Welt regieren würden' ist eine Frage, die nur stellbar ist, weil wortlos voraus-gesetzt wird, dass in Wahrheit "Männer die Welt regieren". Und dass das auf jeden Fall aufzuhören hat. 

Weder ist festgestellt, was im Besondern darunter verstanden wird, noch, wie es dazu gekommen ist. 

Wir leben in einer Zivilisation, wo Gleichheit als einer von drei politischen Grundwerten gilt. Gilt sie absolut - oder sind natürliche oder historische Umstände denkbar, unter denen sie zugunsten höherer Gesichtspunkte eingeschränkt werden dürfte? So empörend die Frage zuerst klingt, ergibt schon kurzes Nachdenken, dass es schon immer und überall so gewesen ist. Man wird also die Fragen jeweils spezifisch stellen müssen. Unterstellt ist ja immer, dass, wenn zwischen Männern und Frauen eine Ungleichheit besteht, es sich um Unterdrückung und Ausbeutung handeln müsse. Wenn aber eine natürlich oder historisch gewachsene Arbeitsteilung zwischen Jägern und Sammlerinnen herrschte, unter welchen zusätzlichen Bedingungen wäre sie unterdrückend und ausbeuterisch? "Kommt drauf an, wer die größere Last zu tragen hat!" Genau - aber das wäre jedesmal zu ermitteln.

Fürs europäische Mittelalter, in dem der bäuerliche Einzelhof die grundlegende wirtschaft-liche Einheit war, kann man im großen Ganzen sagen, die Männer vertraten, gestaffelt nach Alter, den Haushalt nach außen, die Frauen nach innen. Welche Rolle von beiden die mäch-tigere war, hängt davon ab, wie sehr die gesellschaftlichen Verkehrsformen in die Haushalte hineinreichte und wie sehr familiale Beziehungen die (feudale) Gesellschaft imprägnierten...
 
Das könnte ich tausendfach ausführen. Das verkneife ich mir und fasse vorgreifend zu-sammen: Werthaltige Gemeinplätze können immer erst nach vollendeter Analyse deren Ergebnis zu praktischen Zwecken zusammenfassen. Und analysieren heißt nicht, Gemein-plätze durch Gemeinplätze erläutern.
*) und selbstredend jede
 
 
 
 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Mittwoch, 27. November 2024

Der Feminismus ist am...


aus welt.de, 27. 11. 2024                       außer Spesen nix gewesen                   zMännlichzu öffentliche Angelegenheiten

Von Franziska Zimmerer

... Es soll hier nicht um eine Aufarbeitung der US-Wahl gehen. Sie ist eher ein Symp-tom. Die Wahl hat gezeigt, dass die Identitätspolitik den Feminismus zerstört hat. Die identitätspolitische Kalkulation „Frauen wählen Frauen“ und „Minderheiten wählen Minderheiten“ ist nicht aufgegangen.

Und das, obwohl in den letzten zehn Jahren Unternehmen, NGOs, Parteien, Uni-versitäten, die Kultur, die Medien genau das vorrechneten. Wenn wir die Gesell-schaft nur in viele kleine Gruppen teilen und jede Gruppe eine maßgeschneiderte Behandlung erfährt, dann wird die Welt zu einem besseren Ort. Das haben die Wähler – und Wählerinnen – in den USA wohl anders gesehen.

Harris‘ großes Wahlkampfthema – von Frau zu Frau – war das Recht auf Abtrei-bung, das Recht am eigenen Körper. Ein Thema, das in der Theorie jede Frau be-treffen kann. Aber eben nicht muss. Trotzdem war Harris damit zunächst erfolg-reich. Sie bekam zu Beginn ihrer Kampagne so viel Zustimmung, dass Trump sich gezwungen sah, mehrfach zu betonen, dass er kein nationales Abtreibungsverbot anstrebe. Damit nahm er Harris die Angstkulisse. Sie führte dann einen abstrakten, akademischen Feminismus-Wahlkampf.

Der ausbleibende Erfolg ist keine Überraschung. Allein der Begriff „Feminismus“ klingt unattraktiv – für die einen nach Achselhaaren, für die anderen nach Gender-sternen. Wobei Feminismus eigentlich etwas Schönes ist: Es geht um Freiheit, Menschenwürde, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung.

Zur Wahrheit gehört aber, dass die Regierung Biden-Harris unter dem Deckmantel des intersektionalen Feminismus mitunter trans-freundliche Politik gemacht hat. Das mag in deutschen Medien untergegangen sein: In den vergangenen vier Jahren wurden in den USA Geschlechtsumwandlungen für Minderjährige gefördert, obwohl diese Eingriffe medizinisch umstritten sind. Zudem kippte die Regierung den Erlass aus der Trump-Ära, der festgeschrieben hatte, dass nur biologische Frauen an Frauensportarten teilnehmen können.

Umfragen zeigen, dass nur 26 Prozent der Amerikaner den Zugang für Trans-Athletinnen im Frauensport unterstützen. Knapp 70 Prozent sind dagegen. Etwa genauso viele lehnen Pubertätsblocker für Minderjährige ab. Egal, wie man zu diesen Themen steht: Sie haben mit Schutz und Gleichberechtigung der Frau wenig zu tun.

Nach der Wahl fasste es Madeleine Kearns in The Free Press so zusammen: „Was die Amerikaner bewegte, war ein viel moderneres Thema, das eine neue und unmittelbarere Bedrohung darstellt: die Aushöhlung der geschlechtsspezifischen Rechte und des Schutzes der Frauen.“

Feminismus ist eigentlich ein universelles Bekenntnis zum Individualismus. Jede Frau hat das Recht auf ihre eigene Meinung und die Freiheit, ihr Leben so zu führen, wie sie möchte. Unabhängig von Männern und von anderen Frauen. Dafür haben Frauen im Westen jahrzehntelang gekämpft, dafür riskieren Frauen im Nahen Osten gerade jetzt ihr Leben. Moderne Vorzeige-Feministinnen sehen das anders. Für sie geht es um Gleichheit. Und wer nicht mitmachen will bei der Gleichmacherei, ist zum Abschuss freigegeben.

Carolin Kebekus ist die laute feministische Stimme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Bekannt geworden ist die Comedian mit ihrem Programm „Pussy Terror“. Kurz nach der US-Wahl nannte sie Trump-Wählerinnen „dämlich“. So, als hätten diese Frauen nicht in einer freien, demokratischen Wahl Donald Trump gewählt.

Parteien und Politiker müssen sich mehr anstrengen

Dazu zeigte Kebekus unvorteilhafte Schnappschüsse von Frauen auf Trump-Rallys und kommentierte: „Alter, das sieht man doch. Die sieht doch nicht mehr normal aus, oder?“ Auf einem weiteren Schnappschuss war eine euphorische Blondine mit Baby zu sehen. Kommentar Kebekus: „Sie hat doch Meth genommen.“ Humor ist, wenn Gleichgesinnte trotzdem lachen.

Die Frauen, die sich erdreistet haben, nicht für eine andere Frau zu stimmen, sind selbstverständlich ein Problem: Sie sind unvorhersehbar. Es ist ein Rätsel, vor dem die Progressiven ratlos stehen. Eine Frau im Wahlkreis Duisburg I wählt nicht zwangsläufig Bärbel Bas (SPD), nur weil sie in der Theorie dieselbe Umkleide im städtischen Freibad teilen. Parteien und Politiker müssen sich mehr anstrengen. Was ist, wenn die Sorgen vieler Frauen viel elementarer sind als paritätisch besetzte Kabinette?

Eine andere Vorzeige-Feministin ist Kübra Gümüsay. Sie ist Muslima, trägt ein buntes Kopftuch – als feministisches Zeichen. Denn sie trägt es ganz freiwillig. Sie hat ein pinkes Feminismus-Buch geschrieben, spricht auf großen Bühnen wie der Republica, aber eben auch im Islamischen Zentrum Hamburg. Wer das kritisiert oder etwa ihr Kopftuch als feministisches Symbol anzweifelt, wird zum „antimuslimischen Rassisten“.

Da im Zeitalter der Identitätspolitik alles möglichst divers aussehen muss, ist oft egal, was in der Verpackung ist. Es ist egal, wo sie schon aufgetreten ist. Es ist egal, dass sie mit Organisationen zusammenarbeitete mit Verbindungen zur Muslimbruderschaft. Es ist egal, dass sie mehrfach Autoren antisemitischer Schriften zitierte und sich später herausredete. Wo Feminismus draufsteht, darf auch reaktionäre Suppe drin sein.

Eine weitere Medien-Frau ist Georgine Kellermann. Sie ist eine Vorzeige-Feministin. Klar, dass sie zum diesjährigen Frauentag im „Stern“ befragt wurde: Was bedeutet Ihnen der Weltfrauentag? Das Besondere: Kellermann hieß bis 2019 Georg und machte bei der ARD als Reporter und Korrespondent Karriere. Ihre Zweitkarriere als Feministin ging 2019 los.

Sie tritt seitdem öffentlich als Frau auf. Sie kommentiert fast alles auf Social Media mit „süß“. Sie postet viele Fotos, unter anderem von Eierlikör, und schreibt dazu: „Für die wenigen, die noch zweifeln, ob ich wirklich eine Frau bin: Ich trinke gerade Eierlikör im Café.“ Fünf Herzchen. Auch sie hat ein rosarotes Buch geschrieben. Hach. Wie Frauen eben sind.

Zum Glück sind Frauen nicht gleich. Es steht in Deutschland allen frei, sich in einen braunen Plastiklederrock wie Kebekus zu zwängen oder sich wie eine trutschige 90er-Jahre Tussi aus einem Till-Schweiger-Film zu benehmen.

Was alle drei gemein haben: Statt für die Verbesserung von Lebensbedingungen von Frauen zu kämpfen, sind sie lieber feministische Performance-Künstlerinnen. Es geht nicht um Veränderung, sondern um Sprechakte und Buchverkäufe.

Gefördert wird dieser Feminismus von Politik, Kultur und Wirtschaft. Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, lockt mit Frauen-Workshops, pinken Empowerment-Stickern im Aufzug oder Periodenseminaren in der Mittagspause. Diese Initiativen sind der perfekte Ablasshandel dafür, dass an den Strukturen nichts gemacht werden muss.

Auch in der Politik ist die Performance-Kunst Feminismus allgegenwärtig. Politiker gehen auf feministische Gala-Abende und bringen die rosa Goody-Bags voller Kosmetika und Sexspielzeuge ihren Töchtern mit. Robert Habeck lässt sich im Regierungsflieger mit aparten Startup-Gründerinnen fotografieren. Die Botschaft: Frauen gründen mehr, wenn sie sichtbarer sind. Oder sich fürs Gruppenfoto eng an den Vize-Kanzler kuscheln dürfen.

Ist Feminismus also überflüssig? Im Gegenteil.

Und die Männer ziehen entspannt vorbei

Frauen sind biologisch benachteiligt. Sie bekommen Kinder oft in den Jahren, in denen Karrieren starten. Wenn sie nach ihrer Schwangerschaft und Elternzeit in den Job zurückkehren, die oft wegen schlechter oder unglaublich teurer privater Betreuungsangebote länger dauert als gewünscht, verdienen sie oft weniger als die Männer. Die Männer sind in der Zwischenzeit entspannt an ihnen vorbeigezogen.

Kein Wunder also, dass dann ausgerechnet die Frauen wegen des Ehegattensplittings, der Kita-Streiks, der langen Fahrwege und schlechter Nachmittagsbetreuung in Schulen in die Teilzeitfalle rutschen. Noch schlimmer trifft es alleinerziehende Mütter.

Es gibt wenig Applaus dafür, die eigene Reichweite zu nutzen und die Aufmerksamkeit auf diese komplexen Probleme zu lenken. Vielversprechender ist es, wie Georgine Kellermann, nach ihrer erfolgreichen Journalisten-Karriere Testimonial für ProQuote zu werden. Also jener Gleichstellungsinitiative, die sich dafür einsetzt, dass die Hälfte aller Führungspositionen von Frauen besetzt wird.

Anders als einem die identitätspolitischen Performance-Artistinnen weismachen wollen, geht es Frauen nicht besser, wenn das Patriarchat mit Quoten, Kopftüchern und schlechten Witzen zerschlagen wird. Vielmehr ist Gleichberechtigung nur mit Männern möglich. Das bedeutet nicht, Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu negieren. Vielmehr heißt es, die Unterschiede anzuerkennen und die Chancen entsprechend gerecht zu verteilen.

Wer wirklich etwas für Frauen verändern möchte, muss sich diese Fragen beantworten: Was wollen wir? Für wen kämpfen wir? Was ist unsere Rolle? Warum gibt es uns? Warum existieren all diese pinken Initiativen, und warum haben wir so viele Zugänge, aber es findet kaum Veränderung statt? Lassen wir uns abspeisen mit einem Tanz an der Oberfläche?

Es reicht nicht, wenn die grüne Bundesfrauenministerin Lisa Paus feststellt: Es gibt einen Anstieg von häuslicher Gewalt, Sexualstraftaten und Femiziden. Es reicht nicht zu sagen, die „zunehmende Emanzipation von Frauen kann für Männer aufgrund der nach wie vor in unserer Gesellschaft verankerten patriarchalen Strukturen als Bedrohung ihrer männlichen Position bei traditionellen Rollenbildern aufgefasst werden“.

So steht es im Bericht der Bundesfrauenministerin. Es müsste viel mehr untersucht werden, wer diese Männer sind, woher sie kommen, warum sie Gleichberechtigung als Bedrohung wahrnehmen und wie Frauen besser vor diesen Männern geschützt werden können.

Ein Feminismus, der auf Ängste von Frauen nicht hört oder solche Fragen als islamophob, transphob oder „weiß“ abtut, ist kein Feminismus. Feminismus ist kein Eliten-Projekt für Buchmessen, bei dem einige wenige Moral nutzen, um den Ton anzugeben und Profit daraus zu schlagen. Feminismus ist die Hinwendung zur Wirklichkeit. ...


Empathie oder Perspektivenwechsel?

Symbolbild für aktive Gehirnareale und vernetzte Hirnregionen
aus scinexx.de, 27. 11. 2024                                                              Beim Nachdenken über die Gedanken anderer Menschen sind mehrere Teile unseres Gehirns aktiv.                                                                                           zu Jochen Ebmeiers Realien
 
Was beim Hineindenken in unserem Gehirn passiert
Grübeln über Mitmenschen erfordert Teamwork alter und neuer Hirnareale

Was denkt mein Gegenüber? Diese Frage stellen wir uns bewusst und unbewusst unzählige Male in unserem Alltag – und oft liegen wir dabei richtig. Möglich macht dieses sich Hineindenken eine besondere Verschaltung mehrerer Regionen in unserem Gehirn, wie nun Neurologen herausgefunden haben. Demnach spricht ein evolutionär alter Teil unseres Hirns, der für Gefühle zuständig ist, mit neueren Arealen in unserem Gehirn, die unser soziales Miteinander steuern. Die Erkenntnisse könnten künftig die Behandlung von Angststörungen erleichtern.

Wir alle kennen es: Kaum haben wir eine Party verlassen, beschäftigen uns plötzlich aufdringliche Gedanken. Habe ich zu viel geredet? Hat mein Witz andere beleidigt? Haben sie sich amüsiert? Unser Gehirn denkt viel darüber nach, was in den Köpfen anderer Menschen vor sich geht. „Im Wesentlichen versetzt man sich in den Geist einer anderen Person und zieht Rückschlüsse darauf, was diese Person denkt, wenn man es nicht wirklich wissen kann“, sagt Seniorautor Rodrigo Braga von der Northwestern University. Neurowissenschaftler und Psychologen bezeichnen diese Fähigkeit zur Perspektivübernahme auch als „Theory of Mind“.

Blick ins Gehirn beim Gedankenraten

Aber warum können wir uns in andere hineinversetzen, während dies viele Tiere nicht oder nur zum Teil können? Was passiert bei dieser Form des Grübelns in unserem Gehirn? Dieser Frage ist nun ein Team um Donnisa Edmonds von der Northwestern University nachgegangen. Dafür analysierten die Neurologen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) die Hirnaktivität von sechs Studienteilnehmern.

Diese hochauflösenden Hirnscans zeigen anhand von Veränderungen des Blutsauerstoffgehalts, welche Areale unseres Gehirns aktiv sind. Während der Aufnahmen sollten die Testpersonen Fragen darüber beantworten, wie sich eine andere Person in einer fiktiven Situation möglicherweise fühlt oder was sie denken könnte.

„Reptilienhirn” spricht mit „modernem” Hirn

Die Auswertung ergab, dass beim Rekapitulieren unserer Handlungen und dem sich Hineindenken in andere Menschen mehrere Teile unseres Gehirns aktiv werden. Darunter sind Areale im sogenannten „sozialen kognitiven Netzwerk“, deren Beteiligung zuvor unbekannt war. „Weil wir so hochauflösende Daten hatten, konnten wir beteiligte Netzwerkregionen identifizieren, die wir vorher nicht sehen konnten“, sagt Edmonds.

Diese Hirnregionen gehören zu einem evolutionär jungen und hoch entwickelten Teil unseres Gehirns und sind für soziale Interaktionen zuständig. Wenn wir über uns und unsere Mitmenschen grübeln, kommuniziert dieses „soziale kognitive Netzwerk“ jedoch zusätzlich mit einem evolutionär alten Teil des Gehirns, der Amygdala, wie die Hirnscans enthüllten. Die Amygdala, auch Mandelkern genannt, ist Teil unseres „Reptiliengehirns“, das unsere frühen tierischen Vorfahren schon vor hunderten Millionen Jahren entwickelten.

Ständige Kommunikation zwischen Amygdala-Kern und Sozialnetzwerk

Die Amygdala erkennt Bedrohungen und verarbeitet primitive Angstgefühle. Beim Anblick einer Schlange sorgt sie beispielsweise für Herzrasen und verschwitzte Hände. Zudem sorgt die Amygdala dafür, dass wir Gefühle in der Mimik anderer lesen können. Aber sie ist auch für soziale Belange zuständig: „Zum Beispiel ist die Amygdala für soziales Verhalten wie Elternschaft, Paarung, Aggression und das Navigieren durch soziale Dominanzhierarchien verantwortlich“, erklärt Braga.

„Frühere Studien haben bereits eine Koaktivierung der Amygdala und des sozialen kognitiven Netzwerks festgestellt“, sagt Braga. „Neu ist hingegen die Erkenntnis, dass diese Kommunikation immer stattfindet.“ Die Hirnscans zeigten auch erstmals, dass diese Kommunikation zwischen Amygdala und dem sozialen kognitiven Netzwerk über den sogenannten medialen Kern der Amygdala (MeA) erfolgt. Dieser ist demnach für das soziale Verhalten sehr wichtig, so das Team.

Grübeln über Mitmenschen, eine „neu“ erworbene Fähigkeit?

Die Neurologen schließen aus ihren Beobachtungen, dass diese alten und neuen Hirnareale beim Hineindenken in unsere Mitmenschen zusammenarbeiten. Dabei ergänzen sie sich gegenseitig, indem die Amygdala dem sozialen kognitiven Netzwerk einen Zugang zu wichtigen, mit dieser Perspektivübernahme verknüpften Emotionen gibt.

Die Lage der beteiligten neueren Hirnregionen und die Tatsache, dass sie bei Menschen überproportional groß sind, legt zudem nahe, dass nur wir Menschen und möglicherweise unsere nahen Primatenverwandten so intensiv über unser soziales Miteinander nachdenken. „Die Teile unseres Gehirns, die uns dies ermöglichen, befinden sich in Regionen, die sich erst spät im Laufe unserer Evolution ausgedehnt haben. Das impliziert, dass es sich um einen erst ‚kürzlich‘ entwickelten Prozess handelt“, sagt Braga.

Denken Sie zu viel über das nach, was Sie gesagt haben? Schuld daran ist unser „Echsenhirn“, das mit neueren, fortgeschritteneren Teilen unseres Gehirns kommuniziert.© Northwestern University
 
Neue Möglichkeiten bei Depressionen und Angststörungen

Die neuen Erkenntnisse geben nicht nur Einblicke in die Hintergründe der „Theory of Mind“, sie könnten künftig auch helfen, Angstzustände und Depressionen zu behandeln. Denn bei beiden Erkrankungen ist die Amygdala hyperaktiv, was zu übermäßigen emotionalen Reaktionen und einer gestörten Gefühlskontrolle führt. Zwar können beide Erkrankungen bereits jetzt durch eine tiefe Hirnstimulation behandelt werden. Allerdings erfordert das eine OP, weil sich die Amygdala tief im Gehirn befindet, hinter den Augen.

Die neu identifizierten Hirnareale, die beim Hineindenken mit der Amygdala verbunden sind, liegen hingegen in der Hirnrinde, näher am Schädel und sind leichter zu erreichen. Die Amygdala könnte daher künftig indirekt über diese Partnerareale und über ein weniger invasives Verfahren, die transkranielle Magnetstimulation (TMS), stimuliert werden, um psychische Erkrankungen zu lindern. (Science Advances, 2024; doi: 10.1126/sciadv.adp0453)

Quelle: Northwestern University; 27. November 2024 - von Claudia Krapp

 

Nota. - Man könnte erwarten, dass neu erworben 'rezente' Hirnareale die älteren überlagern und in die hintere Reihe drängen. Doch so ist es gottlob nicht, es wäre auch eine Verarmung: Sie stehen miteinender in systemischer Wechselwirkung. Oben ist gar von Dialog die Rede - was man sich darunter genauer vorstellen soll, müssen wohl erst weitere Untersuchungen erweisen.

Bemerkenswert ist aber schon jetzt das Licht, das auf das Verhältnis zwischen gefühlsmäßiger Empathie und reflexivem Perspektivenwechsel fällt. Es ist zu vermuten, dass die erstere vom älteren Mandelkern und die zweite vom 'sozialen kognitiven Netzwerk' ausgeht: Beide wirken synthetisch, sind aber nicht ein und dasselbe; und könnten nicht bloß begrifflich seitens der Beobachter, sondern vielleicht auch willkürlich durch die Subjekte selbst unterschieden werden.
JE

Auf dem Weg zum Bewusstsein?

  Goffinkakadu                         zu Jochen Ebmeiers Realien

Das könnte ein entscheidender Schritt vom bloßen Durchschauen eines Sachver-halts - "Intelligenz" - zu einem Bewusst-Sein von einem Ich in einer Welt sein. 

Das Entstehen eines Gedächtnisses bedeutet zugleich ein Unterscheiden zwischen der je-gegebenen Wahrnehmung von einer sinnlich nicht gegebenen Sache; zwi-schen Erscheinung und Bedeutung. 'Be deutet' es das? Na sagen wir besser: es deu-tet in diese Richtung. Und ist erstmal diese Perspektive gewählt, könnte als Flucht-punkt einer aufscheinen, der diese Unterscheidung macht.

Wohl bemerkt: könnte. Denn ohne dieses könnte nicht jenes. Aber aus diesem folgt nicht notwendig alles weitere: 'Man' (der Goffinkakadu) müsste schon eine Veran-lassung bekommen, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. In einer natürlichen Umgebung gab es eine solche Veranlassung nicht: Er musste sich erst - in Gefan-genschaft wohlversorgt - langweilen, um jeden Anlass zur Aktivierung dankbar an-zunehmen. Und siehe da! Oberhalb oder besser unterhalb der Naturroutine fand sich eine gewaltige intellektive Reserve an, die normaler Weise niemals hervorge-treten ist noch je würde. 

Es ist daher ohne weiters vorstellbar, dass "in der Natur" eine große Menge solcher Potenziale versteckt ist. Der springende Punkt ist: Natur allein hätte auch unsere Vorläufer nicht veranlassen können, ihre Potenziale zu aktualisieren.
Kommentar zu Ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Bewusstsein. JE, 10. 11. 20

 

Blog-Archiv

Wie die Null sich ausbreiten konnte.

  aus scinexx.de, 4. 4. 2025                                                                               zu öffentliche Angelegenheiten...