Donnerstag, 6. November 2025

Naturgesetz.

Beate Güldner                                                   aus Philosophierungen

Die »Regelmäßigkeit« der Aufeinanderfolge ist nur ein bildlicher Ausdruck, wie als ob hier eine Regel befolgt werde: kein Tatbestand. Ebenso »Gesetzmäßigkeit«. Wir finden eine For-mel, um eine immer wiederkehrende Art der Folge auszudrücken: damit haben wir kein »Ge-setz« entdeckt, noch weniger eine Kraft, welche die Ur-sache zur Wiederkehr von Folgen ist. 

Daß etwas immer so und so geschieht, wird hier interpretiert, als ob ein Wesen infolge eines Gehorsams gegen ein Gesetz oder einen Gesetzgeber immer so und so handelte: während es, abgesehen vom »Gesetz«, Freiheit hätte, anders zu han-deln. Aber gerade jenes So-und-nicht-anders könnte aus dem Wesen selbst stam-men, das nicht in Hinsicht erst auf ein Gesetz sich so und so verhielte, sondern als so und so beschaffen. Es heißt nur: etwas kann nicht auch etwas anderes sein, kann nicht bald dies, bald anderes tun, ist weder frei noch unfrei, sondern eben so und so. Der Fehler steckt in der Hineindichtung eines Subjekts.
[632] 
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Nietzsche, Aus dem Nachlass (XII)

Nota. - Da hat er völlig Recht: Wir können es uns nicht anders vorstellen, als ob da ein All-verursacher für Ordnung sorgte. Denn aus dem Handeln, zum Zweck des Handelns ist un-ser Vorstellen entstanden. Wenn wir von allem in der Vorstellung abstrahieren können - da-von nicht.

Doch indem wir uns das vergiftete Geschenk der Begriffsbildung mit seiner inhä-renten dogmatischen Versuchung beschert haben, haben wir uns damit zugleich die Waffe der Kritik in die Hand gegeben. So wie der Begriff zum Baustein für meta-physische Türme zu Babel taugt, taugt er auch zum Sezierbesteck der Vernunft.
JE,
24. 12. 18

 

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