Beate Güldner aus Philosophierungen
Die »Regelmäßigkeit« der Aufeinanderfolge ist nur ein bildlicher Ausdruck, wie als ob
hier eine Regel befolgt werde: kein Tatbestand. Ebenso
»Gesetzmäßigkeit«. Wir finden eine For-mel, um eine immer wiederkehrende
Art der Folge auszudrücken: damit haben wir kein »Ge-setz« entdeckt,
noch weniger eine Kraft, welche die Ur-sache zur Wiederkehr von Folgen
ist.
Daß etwas immer so und so geschieht, wird hier interpretiert, als
ob ein Wesen infolge eines Gehorsams gegen ein Gesetz oder einen
Gesetzgeber immer so und so handelte: während es, abgesehen vom
»Gesetz«, Freiheit hätte, anders zu han-deln. Aber gerade jenes
So-und-nicht-anders könnte aus dem Wesen selbst stam-men, das nicht
in Hinsicht erst auf ein Gesetz sich so und so verhielte, sondern als
so und so beschaffen. Es heißt nur: etwas kann nicht auch etwas anderes
sein, kann nicht bald dies, bald anderes tun, ist weder frei noch
unfrei, sondern eben so und so. Der Fehler steckt in der Hineindichtung eines Subjekts.
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Nietzsche, Aus dem Nachlass (XII)
Nota. - Da hat er völlig Recht: Wir können es uns nicht anders vorstellen, als ob da ein All-verursacher
für Ordnung sorgte. Denn aus dem Handeln, zum Zweck des Handelns ist
un-ser Vorstellen entstanden. Wenn wir von allem in der Vorstellung
abstrahieren können - da-von nicht.
Doch indem wir uns das vergiftete Geschenk der Begriffsbildung
mit seiner inhä-renten dogmatischen Versuchung beschert haben, haben
wir uns damit zugleich die Waffe der Kritik in die Hand gegeben. So wie
der Begriff zum Baustein für meta-physische Türme zu Babel taugt, taugt
er auch zum Sezierbesteck der Vernunft.
JE, 24. 12. 18
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