aus Tagesspiegel, 22. 6. 2026 zu Levana, oder Erziehlehre. zu öffentliche Angelegenheiten
Berlins Schülerinnen und Schüler leiden massiv unter Gewalt, Bedrohung, Mobbing und Diskriminierung. Aber auch Schulbeschäftigte werden häufig zu Opfern und beklagen eine zunehmende Verrohung der Kinder und Jugendlichen. Dies belegt das erstmals erstellte „Gewalt- und Konfliktbarometer“, das am Montag vorgestellt wurde. Schulleitungen nannten die Ergebnisse gegenüber dem Tagesspiegel „erschreckend“.
„Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte bewertet die Gewalt und Konflikte an ihrer Schule als großes oder sehr großes Problem“, hieß es am Montag zur Auswertung der Studie. Fast zwei Drittel hätten von einer Zunahme der Gewalt seit der Corona-Pandemie berichtet. Nur vier Prozent sähen kein Problem. An der Befragung nahmen 14.000 Schüler und 2500 Lehrkräfte teil.
Auffällig seien auch die Entwicklungen an der Grundschule, die zunehmende Bedeutung digitaler Konflikte sowie „religiöser und sozialer Konformitätsdruck“. Die Hälfte der Neuntklässler berichtete, dass über sie Gerüchte und Lügen verbreitet würden.
Als „deutliches Warnsignal“ bezeichnete Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), die die Befragung beauftragt hatte, die Ergebnisse. Mit dem Konflikt- und Gewaltbarometer legte Berlin nach eigener Darstellung als erstes Bundesland eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung zu Konflikten und Gewalt an Schulen vor.
Die Senatorin präsentierte die Ergebnisse zusammen mit Ullrich Bauer von der Universität Bielefeld sowie Marc Grimm von der Universität Wuppertal. Die beiden Professoren hatten die Untersuchung geleitet. Steffen de Sombre vom Institut für Demoskopie Allensbach verantwortete die Befragung an den Schulen.
Mit der Beauftragung und Vorstellung des Berliner „Gewalt- und Konfliktbarometers“ hat Günther-Wünsch ein ambitioniertes Vorhaben der zu Ende gehenden Legislatur umgesetzt, das 2023 auch in die „Leitlinien der Regierungspolitik“ aufgenommen worden war. Dort war ihr aufgegeben worden, eine universitäre Studie zu veranlassen, die „umfassend“ Schulkonflikte untersuchen sollte. Explizit aufgezählt wurden dabei „Mobbing, Antisemitismus, Sexismus, Konflikte durch religiösen Konformitätsdruck, Queer- und Transfeindlichkeit und andere Diskriminierungsformen“.
Abgesehen von der puren Abfrage der erlittenen oder beobachteten Gewalterfahrungen sollte auch zur Sprache kommen, wie darauf pädagogisch zu antworten sei. Das hatte die Bildungsverwaltung im Vorfeld angekündigt. Die Studie erfasste daher alle Formen von Gewalt, „deren Ausmaß und Dynamiken, Gewaltbeziehungen zwischen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und weiterem Schulpersonal sowie die Folgen von Gewalt und den institutionellen Umgang mit Gewaltvorfällen“.
Als Ziel wurde formuliert, dass ein „belastbares und differenziertes Lagebild“ gewonnen werden sollte, um darauf aufbauend „wirksame und passgenaue Unterstützungsmaßnahmen für den schulischen Alltag zu entwickeln“. Die Auswahl der Klassen und Kurse innerhalb der jeweiligen Klassenstufen, in denen die Interviews durchgeführt werden, erfolgte nach dem Zufallsprinzip.
Zudem gab es eine vorgelagerte qualitative Befragung von 41 Schülerinnen und Schülern in Einzel- oder Tandeminterviews durch das Institut für Demoskopie Allensbach. Diese wurde in verschiedenen Schulformen, verschiedenen Bezirken und in verschiedenen Klassenstufen (5, 6, 9, 10, 11, 12, erstes und zweites Ausbildungsjahr) organisiert. Zudem wurden 43 Lehrkräfte sowie weitere pädagogische Fachkräfte in elf Gruppendiskussionen befragt. Auch in diesem Modul wurden Personen aus verschiedenen Bezirken und verschiedenen Schulformen befragt.
Die Studie war nach Aussage der Bildungsverwaltung ergebnisoffen angelegt. Konkrete „Maßnahmen“ sollten erst auf Grundlage der ausgewerteten Befunde entwickelt werden. Zudem sollte geprüft werden, in welchem Umfang bestehende Gewaltpräventions- und Demokratieförderprogramme „fortgeführt, angepasst oder ergänzt werden sollten“.
Nota. - Das wundert mich aber sehr, dass als Remedium diesmal nicht wie immer die Ganztagsschule vorgeschlagen wird. Ist der Pausenhof etwa kein passgenauer Ort sozialen Lernens? Man kann ihn ja vorsorglich von der Polizei überwachen lassen, das macht's noch realitätsbezogener.
JE
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