In der neuen Dauerausstellung "Wissenschaft im Wandel", die gemeinsam mit der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften entwickelt wurde, soll für Besucher spürbar werden, wie Spitzenforschung funktioniert. Dafür wurde die Gruppe des Quantenoptikers Markus Aspelmeyer eingeladen, ihr Labor für Museumsbesucher nachzubauen. Sehr realistisch, mit wirrem Kabelsalat, Messinstrumenten und optischen Tischen, inklusive Original-Flipchart mit handschriftlichen Notizen, Formeln und Insider-Witzen wie "Evil Detectors" – ganz so, als ob das Team gerade auf Kaffeepause gegangen wäre.

Spitzenforschung im Museum

Als Gast der Ausstellung merkt man: Hier wurde nicht dekoriert, sondern übersetzt. Wenn man genau schaut, sieht man in einem Vakuumgefäß auch einen kleinen grünen Punkt leuchten. "Da schwebt eine unsichtbare Glaskugel auf einem Laser", sagt die Physikerin und Leiterin der STANDARD-Wissenschaftsredaktion Tanja Traxler, die im Kuratorenteam mitgearbeitet hat. Jeder Transistor und jedes Handy funktioniert nach den Prinzipien der Quantenphysik. Heute versucht die Forschung zu klären, wie weit die Welt der Quanten reicht. Während man früher einzelne Elektronen untersuchte, sind es heute bereits deutlich größere Systeme. Die schwebende Glaskugel steht genau an dieser Grenze – dort, wo die Quantenwelt beginnt, in unsere alltägliche Realität überzugehen.

Die neue Dauerausstellung im Technischen Museum Wien will einen Blick hinter die Kulissen der Wissenschaft ermöglichen. "Die Ausstellung zeigt Wissenschaft als lebendigen, oft widersprüchlichen Prozess", sagt Peter Aufreiter, Generaldirektor des Museums. Dafür spannt sie auf 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche einen Bogen über mehrere Jahrhunderte Forschung – und schickt Besucherinnen und Besucher auf die Reise durch eine "Stadt des Wissens".

"Der Weg hindurch ist nicht vorgegeben, man kann sich darin auch verlaufen, aber das ist gewollt", sagt der leitende Kurator Jochen Hennig. "Es gibt keinen festen Weg, sondern Disziplinen, die nebeneinanderliegen: Astronomie, Elektrizität, Quantenphysik, Gehirnforschung. Wir erzählen das Narrativ eines Prozesses, der über Jahrhunderte läuft, anhand unserer Objekte."

Risiken und Radioaktivität

Die Schau gibt viele neue Einblicke frei und zeigt etwa, wie Wissenschaft in der Barockzeit funktionierte. Die "Große Elektrisiermaschine", ein wuchtiges Gerät aus Holz und Glas aus dem 18. Jahrhundert, war ein Spektakel für die Salons. Menschen wurden damit elektrostatisch aufgeladen, Funken konnten aus ihren Schläfen gezogen werden. "Wissenschaft war damals auch Unterhaltung", sagt Hennig. Für kurze Zeit war sie sogar vergleichsweise zugänglich für Frauen, die ihren Platz in der Forschung später erst wieder zurückerobern mussten.

Gleich daneben geht es zur elektrischen Risikoforschung, zu frühen Wiederbelebungsgeräten und Relikten aus der elektropathologischen Sammlung. Das klare Ergebnis auch für weiterführende Forschungen lautete, dass Wiederbelebung nach Elektrounfällen über einen längeren Zeitraum hinweg Sinn ergibt. Der Weg vom Staunen zum gesicherten Wissen war kein gerader, sondern führte oft über Irrtümer und Schäden. Der Entwicklungsprozess im Bereich der Elementarteilchen erzählt sein eigenes Auf und Ab, den Anfang markiert ein unscheinbares Stück Gestein: die sogenannte Pechblende. Lange galt sie als wertlos, bis aus ihr kleinste Mengen radioaktiven Materials isoliert wurden – ein Zufallsfund, der ein neues Forschungsfeld eröffnete.

In die Irre geführt

Von hier führt der Weg zur modernen Physik: Ein frühes Elektronenmikroskop steht neben einem ausgemusterten Quadrupol-Magneten des Teilchenbeschleunigers am CERN. Solche Magnete bündeln Teilchen und halten sie auf ihrer Bahn, um sie gezielt zur Kollision zu bringen. Für einen Moment steht die größte Maschine der Welt im Raum. Verbunden werden die Themenbereiche durch leuchtend gelbe Frageinseln. Darin wird das Publikum selbst zum Experimentator und Versuchskaninchen und kann sich im Selbsttest skeptische Fragen stellen, etwa: Wie objektiv ist Wissenschaft?

Vor einem Bildschirm laufen Gesichter in schneller Abfolge. Für einen Moment sind es normale Porträts, dann verzerren sich die Gesichtszüge plötzlich zu Fratzen. Das Auge kommt nicht mehr mit, das Gehirn verarbeitet die Informationen falsch. Ein paar Schritte weiter laufen Videos. Jemand spricht Silben, aber die Lippen zeigen etwas anderes. Man ordnet falsch zu und erlebt dadurch den sogenannten McGurk-Effekt. Dann gibt es auch noch eine Tonleiter, die niemals aufhört: die Shepard-Tonleiter. Sie steigt und steigt – und kommt nie an. Auch das ist ein irrealer Effekt.

Messgeräte in der Arktis bedienen

An diesen Beispielen zeigt sich, wie leicht man sich täuschen lässt – ganz ohne KI-Fakes. Wenn schon die Wahrnehmung wackelt, dann fragt sich, worauf objektives Wissen steht. Wissenschaft ist harte Arbeit, mitunter auch körperlich. Das zeigt die Arktis-Station. Mit dicken Handschuhen soll ein Messgerät bedient werden, was kaum gelingt. Im Video darüber kämpft ein Arktis-Forscher mit genau diesem Problem. Bei minus 40 Grad zieht er die Handschuhe aus und beginnt bald zu hüpfen – wohl um sich aufzuwärmen. Einen kurzen Moment fühlt man sich selbst als Teil des Forschungsteams.

Am Ende des Rundgangs landet man wieder vor einer großen Wand. Die Geschichte der Quantenphysik – von den ersten Ideen bis zur Gegenwart. Und davor ein schlichter Kubus. Darin: Schrödingers Katze. Ein berühmtes Gedankenexperiment – von Erwin Schrödinger als Kritik an der Quantentheorie gedacht. Die Katze im Inneren muss man sich vorstellen. Laut Quantentheorie ist sie zugleich tot und lebendig. Zerfällt ein radioaktives Atom, wird eine Giftphiole zerbrochen. Ob das passiert, entscheidet der Zufall. Ein Knopfdruck im Technischen Museum Wien. Ein Glücksrad beginnt zu rotieren. In der Logik der Quantenwelt geht es jetzt um Leben und Tod. Erst mit dem zweiten Klick fällt die Entscheidung. Der Deckel öffnet sich. Ein Katzenbild erscheint. Sie lebt. Dieses Mal.