Donnerstag, 11. Juni 2026

Was am Komischen das Ästhetische ist.

Giandomenico Tiepolo                                                  aus Geschmackssachen

Schön sei, sagt Kant, was ohne Interesse gefällt. 

Daran mag die Klugheit stochern wie sie will, sie beißt auf Granit. Sie kann den Satz höchstens ausweiten: Ästhetisch ist, was ohne Interesse gefällt oder abstößt.

So geheimnisvoll wie das Ästhetische war immer auch das Komische, und manch einer meinte, sie müssten auch sonst etwas gemeinsam haben. 

Nicht sonst etwas, sondern gerade dies: Ob bejahend, ob verneinend - sie sprechen an. Und zwar, bevor Begriffe im Spiel sind. In den Begriffen sind Qualitäten ins Verhältnis gesetzt. Im ästhetischen Urteil werden Qualitäten als solche, ohne Be-griff, ohne Verhältnis, begrüßt oder verabscheut. Der Begriff bezeichnet, welches Interesse das Subjekt an dieser oder der andern Qualität nehmen kann. Nämlich in welchem Verhältnis es zu ihnen steht.

Komik ensteht, wo Qualitäten, die als solche lediglich an sich sind, zu einander in ein Verhältnis geraten; nämlich durch ein Interesse gesetzt werden: mit andern Wor-ten, nicht länger qualitativ, sondern relativ erscheinen. Der komische Effekt - Affekt - entsteht, weil offen bleibt, ob die eine Qualität auf Kosten der andern, oder die andere Qualität auf Kosten der einen relativiert wird: Es schwebt.

Und selbstverständlich sind sowohl der Effekt als auf der Affekt nur solange mög-lich, wie das Subjekt vom Interesse zu abstrahieren weiß. Und diese Fähigkeit heißt Humor.

26. 9. 17 
 
 
PS. Ästhetische Qualitäten sind Bedeutungen, bevor sie in Begriffe gefasst und da-durch zu andern Bedeutungen in Relation gebracht werden.
 
PPS. Eine Vorstellung wird, sobald sie durch eine Bedeutung bestimmt wurde, eo ipso zu einem Begriff.
26. 9. 17 
 
 
 

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