aus derStandad.at, 17. 6. 2027 zu Levana, oder Erziehlehre. zu öffentliche Angelegenheiten
"Ich war frustriert. Ständig musste ich gegen Plagiarismus kämpfen, gegen die Handys und die Computer." Das berichtet Maureen Mulvaney, Lehrerin an der Washburn High School in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. Statt sich auf den Literatur- und Englischunterricht zu konzentrieren, spielten ihre Schülerinnen und Schüler auf ihren Geräten Videospiele, klickten sich durch Onlineshops oder waren auf sozialen Netzwerken unterwegs.
Gegen diese Entwicklung ergriff die Pädagogin schließlich zu Jahresanfang drastische Maßnahmen. Ihre zweite Klasse (10. Schulstufe) musste sich umgewöhnen. Zu Stundenbeginn wurden alle Handys abgegeben. Und auch die von der Schule gestellten Chromebooks blieben in den Taschen. "Back to the basics", lautete das Prinzip. Stift und Papier statt Bildschirm und Tastatur für eine Unterrichtseinheit pro Tag. Die Regelung endete im Februar, weil manche Kinder sich für einen Online-Test vorbereiten mussten. Viele von ihnen hätten das "No Tech"-Prinzip gerne bis zum Ende des Schuljahrs beibehalten.
Von den Eltern wurde die Initiative von Anfang an begeistert unterstützt. Der Versuch startete sanft. Zunächst ließ die Lehrerin ihre Klasse zehn Minuten still lesen und schreiben. Diese Zeit wurde immer stärker ausgeweitet. Letztlich mussten auch Hausübungen und Arbeiten in der Stunde von Hand geschrieben werden. Zu Beginn zeigten sich viele schon davon überfordert davon, eine halbe Seite Text händisch zu schreiben. Im Februar schafften alle zwei Seiten oder mehr. Manche füllten gar fünf bis sechs Seiten in einer Stunde.
"Es hat viel Spaß gemacht. Ich habe es genossen, ohne Technologie zu arbeiten, und ich glaube, dass wir alle uns etwas verbundener gefühlt haben", sagt eine Schülerin dem Lokalsender Kare 11. Eine Umfrage unter den Lernenden ergab, dass mehr als 95 Prozent von ihnen den Versuch als erfolgreich einstuften. Knapp 80 Prozent empfanden, dass es für sie einfacher war, ihre Gedanken auf Papier zu verfassen und zu ordnen, als auf einem Bildschirm. "Man ist einfach fokussiert. "Das Einzige, was vor einem liegt, ist das Blatt Papier", beschreibt ein Schüler seine positive Erfahrung. Er ist nicht der Einzige, der erklärt, dass das Fehlen von Ablenkungsmöglichkeiten, die der Zugriff auf Handy und Notebook mit sich bringt, einen gewichtigen Unterschied machen.
Das sind nicht die einzigen positiven Entwicklungen, die man beobachten konnte. Im vergangenen September gaben nur 46 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, ihren eigenen Fähigkeiten beim Lesen von Texten zu vertrauen. Nach der Tech-freien Zeit lag dieser Anteil bei 96 Prozent, berichtet Mulvaney in einem Gastartikel für den Minnesota Star Tribune. 83 Prozent der Teilnehmenden schilderten am Ende, auf einmal mehr Kontakt zu anderen in der Klasse gepflegt zu haben.
Das Klassenzimmer wurde "friedlicher", und statt Maßregelung bei Verstößen betreiben zu müssen, konnte die Lehrerin sich auf die Unterstützung ihrer Schützlinge konzentrieren. Das Lernen habe ihnen wieder mehr Spaß gemacht, so Mulvaney. Dass sich mit dem Tech-Entzug auch das soziale Gefüge verbessern würde, sei eine positive Überraschung für sie gewesen.
Wenngleich es ein zeitlich begrenztes Experiment mit nur einer Klasse war, "verdienen diese Ergebnisse Aufmerksamkeit", so Mulvaney. "Kinder wollen sich miteinander vernetzen. Sie wollen gehört werden. Sie wollen gefordert werden und nachdenken. Meine Kinder sagten uns, dass Computer ihrer Konzentration im Weg sind, den Druck durch Aufgaben erhöhen, Abkürzungen wie KI begünstigen und soziale Verbundenheit erschweren." Ihrer Meinung nach müsse man in Erwägung ziehen, Computer aus dem "Klassenzimmer der Zukunft" zu entfernen. Es sei nötig, wieder zu den Mitteln zu greifen, die nachweislich funktionierten.
Die Erfahrungen wecken Erinnerungen an das Handy-Experiment, das vergangenes Jahr am Konrad-Lorenz-Gymnasium im niederösterreichischen Gänserndorf seinen Anfang nahm und heuer an Schulen in mehreren Ländern wiederholt wurde. Bei diesem wurde der Entzug von Handy und Social Media aber noch umfangreicher betrieben – nämlich sowohl in der Schule als auch privat. Die Ergebnisse für 2025 zeigten unter anderem deutliche Verbesserungen des mentalen Zustands der jungen Probandinnen und Probanden, die im Nachhinein auch mit großer Mehrheit positiv über ihre Erfahrungen berichteten.
An der Neuauflage des Versuchs nahmen 72.000 Kinder und Jugendliche an Schulen in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol teil. Sie versuchten im März drei Wochen lang den Smartphone-Entzug. Die Auswertung von rund 46.000 Fragebögen ergab ein ähnliches Bild wie schon im Vorjahr. Depressive Symptome verminderten sich ebenso wie Schlafprobleme, das psychische Wohlbefinden stieg deutlich an. Einsamkeitsgefühle wurden durch die Entkopplung von Snapchat und Co nicht verstärkt. Je länger der Versuch dauerte, desto größer war die Akzeptanz. Die meisten Abbrüche verzeichnete man am ersten Tag. Letztlich hielten zwei Drittel aller Teilnehmenden bis zum Ende durch, berichtete der ORF, der das Experiment gemeinsam mit dem Anton-Proksch-Institut begleitet hatte.
Für die durch den Handyentzug frei gewordene Zeit fanden viele der Jugendlichen neue Beschäftigungen – von Buchclubs bis zu freiwilligem Engagement in einem Pflegeheim. Zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler sprachen sich am Ende für Einschränkungen der Social-Media-Nutzung für Kinder und Jugendliche aus.
Nota. - Ich kann es gar nicht glauben: Durften sie zuvor während des Unterrichts wirklich mit ihren Smartphones daddeln? Das ist heller Irrsinn.
JE
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