Dienstag, 27. Mai 2025

Der Anfang von etwas.

gulliver                                              zu öffentliche Angelegenheiten

Das hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal dem untoten Wiedergänger beispringen würde. Er sei nicht mehr Oppositionsführer, heißt es, sondern Regierungschef, und könne nicht einfach ausplaudern, was ihm eben durch den Kopf schießt. 

Drei Jahre hatten wir einen Kanzler, der nicht nur nichts sagte, sondern nichtmal den Eindruck machte, dass er einen Kopf hätte, durch den etwas schießen konnte. 

Da ist es richtig, dass jener sagt, was er denkt, denn dass er denkt, ist Nachricht ge-nug, und das müssen In- und Ausland gefälligst zur Kenntnis nehmen können. Denn dass er einer ist, der tut, was er sagt, darf man noch hoffen. Bislang hatte er dazu weder eine Pflicht noch die Gelegenheit.

Es wäre immerhin der Anfang von etwas Neuem, und dem wohnt ein Zauber inne.

 

Erhaltung, Selektion, Hypertelie.

             zu Jochen Ebmeiers Realien

Die Organisation erscheint in der zur Zeit vorherrschenden Sicht vor allem als Trä-ger von lebensfördernden Funktionen.Was nicht zu dieser Ansicht passt, gilt als zu-fälliges Nebenresultat; es wird vielleicht auch, wenn es sich genügend aufdrängt, et-wa als eine Luxusbildung gekennzeichnet. Das Fachwort Hypertelie, mit dem wir Gebilde benennen, die "übers Ziel hinaus" gehen, meint ja nur, dass das Ziel, das hier überschritten wird, eben die Erhaltung ist. Wie wir dieses Überschreiten be-werten, bleibt dabei offen. Das übermächtig gewordene Geweih des Riesenhirsches der Vortzeit, die Krümmmung und Größe der Mammutstoßzähne und ähnliche Beispiele ausgestorbener Wesen geistern wie Warnungen durch unsere Darstellun-gen des Lebens, um zu zeigen, wohin es führt, wenn die Forderungen der Erhal-tung nicht mehr respektiert werden! Auch von der Innerlichkeit gilt in dieser Sicht nur, was ein Instrument der Erhaltung ist; das Seelische wird auf seinen funktiona-len Wert hin taxiert. Der menschliche Geist wird oft genug nur in dieser techni-schen Beurteilung erfasst, und man versucht, den Ursprung dieses Verhaltens als unsere besondere Anpassung an lebenserhaltende Leistungen zu verstehen - das Geistige als Ausgleich für die Abschwächung oder Auflösung der ererbten tieri-schen Instinkte: das ist ein arg dürftiger Versuch des Verstehens. /

Man wird vielleicht sagen, die Naturforschung mache, was ihre Aufgabe ist: das mit ihren Mittel Fassbare und nur das auszusagen. Man kann dem durchaus zustimmen, unter der Voraussetzung, dass alles, was auf diesem Weg nicht erfasst wird und das doch vorhanden ist, in seinem Vorhandensein wenigstens gesehen und ernst genom-men wird. Wir müssen aber auch prüfen, ob im Bereich der Forschung nicht noch andere Ansätze zum Verstehen gewonnen werden können. 

... Wir nannten derartige Erscheinungen unadressiert, weil sie sich nicht an einen Partner richten. Die Versuche,  [sie] zu deuten, beruhten, wie wir sahen, vor  allem auf dem Grundsatz, diese müssten entstanden sein als an sich belanglose von Vor-gängen, denen ihrerseits Erhaltunswert zukommt. Dieser Deutung stellen wir eine andere entgegen... Unser Ansatz geht von der Annahme aus, der Organismus neh-me für sein Erscheinen, für die Selbstdarstellung seiner besonderen Art in seinem Keim bereits ebensoviele und ebenso komplizierte Aufbauprozesse und Strukturen in Dienst, ebenso viele Fermentwirkungen und Ketten von Vorgängen, wie er er sie für die bloße Erhaltug des Individuums oder der Art aufwendet. Ja, ich lasse die Möglichkeit offen, dass für die Organisation der Selbstdarstellung oft Anlagen be-reitgestellt werden, deren Leistungen die der Selbst/erhaltung übersteigen. Die lu-xurierende Formbildung, von der wir eben sprachen, wäre in diesem Fall nicht eine ab und zu beobachtete Übertreibung, sondern die Erfüllung eine wichtigen Aufbau-leistung des lebendigen Stoffes. Die Deutung unsere eigenen Existenz führt zu einer entsprechenden Auffassung: Auch in unserem ganzen menschlichen Verhalten und Treiben wird in vielen Fällen, wenn nicht immer, mehr getan, als was die pure Notdurft der Erhaltung erfordert. /

 ... Die Stufe ist überschritten,auf der lebendiger Stoff sich im wesentlichen unab-lässig selbst vermehrt und durch die dauernde Teilung kurzlebiger einfacher Ge-stalten fortbesteht. Auf dieser neuen, höheren Stufe werden Individuen verwirlicht; aus kurzfristigen, makromolekularen Strukturen entstehen jetzt Einzelwesen mit intensiver Weltbeziehung, mit einer Lebensdauer, die mit steigender Organisations-höhe zunimmt. ...

Der Stoffwechsel dient der Erhaltung des Individuums; und wie hoch wir auch seine Bedeutung auch einschätzen, so müssen wir uns doch von dem Gedanken durchdrin-gen lassen, dass der Organismus nicht dazu da ist, Stoffwechdel zu be-treiben, sondern dass Soffwechsel von ihm betrieben wird, auf dass diese besondere Lebensform in Individuen wirklich sei; da sei. Der Organismus betreibt Stoffwech-sel, damit seine spezifische Seinsweise in Einzelwesen sich eine Weile lang in der Erscheinung behaupten kann. Das besondere Gebilde, das hier und jetzt als diese Pflanze, jenes Tier vor uns ist, ist als Ganzes mehr als die Ordnung von Prozessen, die es am Leben erhält.
aus Adolf Portmann, Neue Wege der Biologie, München 1960, S. 214-217  

 

Nota. - Dass ihm die Biologie als bloße Naturwissenschaft zu wenig war, darf man Adolf Portmann hoch anrechnen, er wollte eine Anthropologie, die dem Mensch-sein einen Zweck zuweist. Doch das geht nicht, indem man der Biologie von außen philosophische Gedanken von außen zu-fügt, sondern indem man ihre impliziten Prämissen sichtet und sortiert; indem man durch der Kritik der historischen Vor-aussetzungen einer Wissenschaft einerseits deren materialen Ertrag freisetzt und vom weltanschaulichen Ballast säubert. Dann bleibt übrig der Satz, dass der Zweck des Menschseins das ist, was die Menschen in Freiheit aus sich machen werden. Das geht allerdings weit über Naturwissenschaft hinaus.

*

Etwas kann nur jemandem erscheinen und ihm dargestellt werde. Portmann will verständlich machen, weshalb das Leben sich nicht einfach reproduziert, sondern dabei immer wieder höhere Formen ausbildet. Der Schritt zur spezifischen Homini-sation kann also nicht "unadressiert" erfolgen - er setzt die Andern notwendig vor-aus.

Dass die Einführung der Idee eines artübergreifend natürlichen Selbstdarstellungs-drangs einen unguten mystischen Beiklang hat, darf aber nicht davon ablenken, dass die von Portmann mit dutzenden von Beispielen belegte Allgegenwart von Hyper-telie in organischen Gestaltungsprozessen doch eines rationellen Verständnisses be-darf.

Wären sie nämlich 'unadressiert', dann könnten sie keine Rückmeldung hervorru-fen, die für die natürliche Selektion wirksam würde. Selbstdarstellung ohne Echo kann nichts erklären. Portmann unterschiebt entweder ein Bild der Natur als intel-ligentem Designer oder des individuellen Organismus als aristotelischer Entelechie.

Wir brauchen aber den Rahmen der Auslesetheorie gar nicht zu verlassen. Dass der-Erhaltung-schädliche Eigenschaften ausgemustert werden, bleibt unangefochten. Dass Mutationen, die dem Ausbau der Erhaltungsfuntkionen besonders förderlich sind, bevorzugt vererbt** werden, ebenfalls. Was wird aus Mutationen, die der organi-schen Anpassung zwar nicht förderlich, aber eben auch nicht hinderlich sind? Ihr Schicksal wäre unbestimmt, mit andern Worten: zufällig. Sie würden nicht bevor-zugt weitergegeben, aber auch nicht zweckhaft entfernt.

Das trifft auf jeden Fall auf solche neugewonnenen Fähigkeiten zu, die im Alltag der Individuen latent bleiben und nur in besonders verlockenden Situationen in Erscheinung treten - wie etwa das Spielen bei ausgewachsenen Individuen.*

Wenn aber, wie in der Laborsituation, der Druck der Nahrungsbeschaffung wegfällt und die andern anwesenden Individuen nicht mehr konkurrieren; wenn durch Un-tätigkeit Langeweile - die es notabene gar nicht gäbe, wenn der Organismus nur auf homöostatische Erhaltung ausgelegt wäre - herrscht, können sie sogar regelmäßig in Erscheinung treten und, da genügend Adressaten im Labor ja gegenwärtig sind, ihrerseits als Auslesemedien fungieren, mindestens im sozialen Bereich.

Dafür stehen die von Adolf Portmann bevorzugt vorgetragenen Beispiele für Farben und Blatt- bzw. Gefiederformen bei Pflanzen und Vögeln - schon ganz ohne Labor! Ob sie auf sozialen Umwegen nicht auch eine selektive Rolle spielen, ist schwer zu ermessen und daher umstritten. Ebensowenig messbar und strittig ist ihre Bedeutung für die Ausbildung eines Vorstellungvermögens und der ästheti-schen Urteilskraft. Das ist ein großer Schritt in Richtung Conditio humana, und das ist es, worauf es uns bei der Entwicklungslehre ankommt.

*) Auch erwachsene Katzen spielen regelmäßig bis ins hohe Alter. Aber nur Stubenkatzen. Freigänger brauchen das nicht. 

**) Nachtrag. Der Ausdruck 'bevorzugt vererbt' ist missverständlich und fast falsch. Nicht das Erbgut wird "von der Natur" bevorzugt, sondern seine Träger haben im Leben seinetwegen größeren Erfolg, und vor allen Dingen mehr Gelegenheit zur Fortpflanzung. Sein Fehlen ist nicht an sich ein Nachteil, sondern die Abwesenheit eines Vorteils. Anderes Erbgut mag seinerseits größere Erfolge bei der Fortpflan-zung verschaffen - aber eben doch weniger große.
JE


Montag, 26. Mai 2025

Hypertelie, oder: Wozu Gefangenschaft gut sein kann.

Orang-Utans spielen in Zoos gerne mit Decken.
aus FAZ.NET, 6. 5. 2025                                                                                             zu Jochen Ebmeiers Realien

Der erstaunliche Effekt der Gefangenschaft
Orang-Utans im Zoo  untersuchen Spielzeug und andere Gegenstände länger und genauer als ihre Artgenossen in freier Wildbahn. Was sagt das über ihr Gehirn aus?

Wie kann man Tieren in Gefangenschaft das Leben möglichst angenehm machen? Klar, indem man ihre Umgebung abwechslungsreich gestaltet, so, dass sie immer wieder etwas Neues entdecken können und keine Langeweile aufkommt. Aber verhalten sich Zootiere dann auch noch so wie ihre in freier Natur lebenden Verwandten? Isabelle B. Laumer vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz hat das nun überprüft und ihre Studie in „Scientific Reports“ veröffentlicht. Sie und ihre Kollegen beobachteten, wie 51 Orang-Utans auf Objekte in ihrem Umfeld reagieren. Die Tiere waren zwischen sechs Monate und 76 Jahre alt, 33 lebten auf Sumatra in Indonesien, der Rest in vier Zoos in Deutschland und in der Schweiz.

Objekte zu untersuchen, ist für junge Menschenaffen genauso wichtig wie für Kinder – denn sie lernen so die Welt kennen, trainieren ihre Fingerfertigkeiten, und ihr Gehirn wird aktiviert, was weiteres Lernen fördert. Bei Menschen nehmen das Erkunden von Objekten und ihr Spiel damit bis zum Alter von zwei Jahren zu: Sie befingern ihre Spielsachen, gucken sie genau an und untersuchen sie auch mit dem Mund. Wie Studien an verschiedenen Säugetieren gezeigt haben, fördert ein solches exploratives Verhalten die Fähigkeit, Probleme zu lösen und Neues zu erfinden.

Menschenkinder lernen so physikalische Eigenschaften von Gegenständen kennen, ihre kognitive und motorische Entwicklung wird vorangebracht. Die Wissenschaftler interessierte nun, ob ein solcher Lernverlauf auch bei Orang-Utans zu erkennen ist – und ob abwechslungsreich gestaltete Gehege den Tieren ebenso viel kognitive Stimulation bieten wie der Urwald. In der Studie wurden deshalb Videos von mehr als 12.000 ­Situationen analysiert, in denen Orang-Utans verschiedenster Altersstufen mit Gegenständen hantierten.

Tatsächlich schienen die Menschenaffen, die in Gefangenschaft gehalten wurden, mehr Neugier an Spielsachen und Objekten zu haben als die in freier Natur. „Unsere Studie zeigt, dass Orang-Utans im Zoo nicht nur mehr erkunden, sondern dies auch auf andere Weise tun“, sagt Laumer. Sie zeigten auch ein breiteres Verhaltensrepertoire beim Erkunden als ihre in freier Wildbahn lebenden Artgenossen. Beide Gruppen räumten dem Studieren der einzelnen Objekte allerdings gleich viel Zeit ein. Beide Gruppen begannen in einem ähnlichen Alter damit, Gegenstände zu erkunden.

Die Zootiere blieben allerdings bis ins Erwachsenenalter neugierig, wilde Orang-Utans hörten damit auf, sobald sie nicht mehr gesäugt wurden. Möglicherweise lassen ihnen die Nahrungssuche und das selbständige Leben im Wald keine Zeit mehr, sich mit neuen Objekten zu beschäftigen. Die Forscher betonen nun, dass die Zootiere somit die Möglichkeit bieten, das „kognitive Potential einer Art“ besser zu verstehen. Offenbar schöpfen die Tiere ihr kognitives Potential in der freien Wildbahn nicht ganz aus.

 

Nota.  - 'Offenbar könnten Orang Utans an sich viel mehr - wenn sie nur wollten!' - Nein, das ist falsch: 'Wenn sie nur müssten!'; und sei's nur aus Langeweile. - Das ist nur halbrichtig. Auf freier Wildbahn müssen sie für ihren Unterhalt sorgen und Nahrhaftes anschaffen; und die Kleinen müssen das lernen. "Spielerisch", ja ja. Aber dieses Spielen ist Einweisung ins Arbeiten. Spielen bloß zum Spaß - das können selbst Primaten sich nur gelegentlich leisten. Aber Spielen, um zu lernen, wie man Spaß hat, das kann sich selbst ein Orang Utan nur leisten, wenn im Zoo gefangen ist oder in einer Beobachtungsstation. 

Die höheren Fähigkeiten trägt er offenbar schon im Urwald mit sich herum, er hat bloß nicht die Muße, 'was draus zu machen'. Die Natur hat ihn mit Fähigkeiten aus-gestattet, mit denen er in der Natur nichts anfangen kann.

Es stimmt also nicht, dass die Natur ein sparsamer Haushälter ist, der nichts ver-geudet. Und es stimmt schon gar nicht, dass es der Mangel war, der unsere Urahnen angestachelt hätte, neue Fähigkeiten aus sich herauszuholen!

Da kommen einige anthropologische Grundannahmen ins Wanken, mit denen sich der gesunde Menschenverstand seine Gabe der Vernunft erklärt.

Es wird sogar vermutet, dass es im Gegenteil die Hypertelie sei, die Anlage alles Organischen, über das hinauszugehen, was ihm wirklich nötig ist, die letzten Endes den Aufstieg der Gattung Homo zur Krone der Schöpfung ermöglicht hat.

Aber warum dann nur er? 

lies morgen:

Erhaltung, Selektion, Hypertelie. 

 

 

Die Diskriminierung der Rothaarigen.


aus welt.de, 22. 5. 2025                                                                                                zu öffentliche Angelegenheiten

Unter dem Motto „Gingers are Black“ formiert sich derzeit auf TikTok eine kuriose Allianz: Rothaarige und Schwarze entdecken Gemeinsamkeiten im Anderssein – und heben die oft verbissen geführte Identitätsdebatte auf eine neue Ebene. ...

TikTok-Stimme: Also gut, hört zu, weiße Leute. Jetzt, da Rothaarige endlich vereinnahmt wurden und ihren rechtmäßigen Platz bei unseren schwarzen Brüdern und Schwestern einnehmen dürfen, müssen wir ein paar Grundre-geln für den Rest von euch typenhaft aussehenden Leuten festlegen. Erstens: Ihr dürft das G-Wort (Ginger, Anmerkung der Redaktion) nicht mehr ver-wenden, klar? Dieser Begriff ist jetzt uns vorbehalten – und außerdem haben jetzt auch alle Schwarzen den G-Wort-Pass. Wir gehören zur bi-Community, verstanden? Wir sind P.O.H.C. – „People of Hair Color“, Menschen mit Haarfarbe. Zweitens: Wer Sonnenschutzfaktor 50 oder höher benutzt, be-treibt kulturelle Aneignung. Und nein, wir sind nicht alle Iren, okay? Das ist ein Klischee. ...

Nota. - Das ist komisch, aber lustig überhaupt nicht. Bedenken Sie nur die vielfäl-tigen Schikanen, denen Leute mit Schweißfüßen noch immer ausgesetzt sind. Und erst eine rothaarige Schwarze mit Schweißfüßen! Das muss alles ganz neu aufgerollt werden, und ich sag Ihnen: Lustig wird das nicht.

PS. Ist Ihnen schonmal aufgefallen, wie viele Frauen sich ihre Haare heutzutage rot färben?
JE

 

Sonntag, 25. Mai 2025

Ein blaues Auge? Das war mehr.


Dass ihn Putin vor der ganzen Welt zum Popanz gemacht hat, kann er eigentlich nicht auf sich sitzen lassen. Wenns bloß nach seinem Charakter ginge, müsst es's ihm heimzahlen und spektakulär die Seiten wechseln. Aber er ist auch Präsident der Vereinigten Staaten, und muss gelegentlich nachdenken. Er tut es auf seine Art, und da kriegt er kalte Füße, was denn sonst? Und im Zweifel lässt ers laufen, wies eben läuft...

Es hätte keiner was gewonnen.

Mit Netanjahu ist's was andres. Der hat gar keine Sympathien, die er verscherzen könnte, da kann er bleiben, wie er ist. Er hat auch keine Wahl.

Dass Selenski vor Trump in die Knie gegangen ist, war ganz in Ordnung. Die noch zu Ostern unterm Banner Für Verhandlungen! marschiert sind, haben sich so bla-miert wie der. Der Frau Binsehrwichtig u. dergl. bleibt nur das Altenteil, und für Deutschland in Europa ist das gut; na, jedenfalls ein bisschen.

Etwas hat sich eben doch geändert: Europa mag ahnen, dass es mit Selbstvertrauen besser fährt als mit Schweifwedelei. Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um, sagt schon längst unser Volksmund.

 

Macht Gleichheit eine Gesellschaft instabil?

Römische Immobilien in Pompeji: Aus der Verteilung von Wohnflächen können Altertumswissenschaftler den Grad materieller Ungleichheit in einer Siedlung ablesen.
aus FAZ.NET, 15. 4. 2025                      Parzellenverteilung in Pompeji                            zu öffentliche Angelegenheiten

Die Grenzen der Gleichheit
Eine archäologische Studie zeigt: Je dauerhafter eine Gesellschaft war, desto größer die materielle Ungleichheit unter den Mitgliedern. Demnach ist es schwer, Nachhaltigkeit und Gleichheit zusammen zu bringen. 

Nota. - Ich konnte den Artikel nicht öffnen. Aber die These ist pointiert - vielleicht kann ich mir doch was denken?

Die Menschen sind untereinander sehr ungleich - wegen ihrer mentale Ausstattung vielleicht ungleicher als die Individuen jeder andern Gattung. In einer Gesellschaft, in der alle möglichst gleichgelten, wird sich unvermeidlich eine große Zahl finden, die sich nicht am rechten Platz fühlt; je weiter vom Durchschnitt entfernt, umso heftiger.

Das beeinträchtigt die Stabilität der Ordnung.   

Sollten Sie an den vollständigen Text rankommen: Teilen Sie mir bitte mit, ob ich richtig spekuliere!

Es könnte aber auch eine semantische Falle handeln. Denn geordnet ist eine Gesellschaft eben dann, wenn ihre Angehörigen nicht gleich verteilt sind: sondern 'jeder an seinem Platz'. Ist das nicht der Fall, ist sie eben nicht geordnet. Vgl. Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik.

Das bürgerliche Weltbild ist atomistisch - alle gleich in Reih' unf Glied nebeneinander. Was dem gesun-den Menschenvertand als die natürliche Ordnung vorkommt, ist wissenschaftlich die äußerste Unord-nung, der die Natur allenhalben entgegenströmt.
JE

 

 

Extrazellen fürs Neue - und fürs Erinnern.

Ein fluoreszierendes Mikroskopiebild zeigt ein Netzwerk von Neuronen in leuchtendem Grün. Die leuchtenden Punkte repräsentieren die neu entdeckten eiförmigen Hirnzellen.
aus spektrum.de, 12. 2. 2025              aktivierte eiförmige Zellen im Hippocampus einer Maus           zu Jochen Ebmeiers Realien

Gedächtnis
Helfen uns eiförmige Hirnzellen beim Erkennen und Erinnern?
Ein neu entdeckter Zelltyp im Gehirn könnte dafür sorgen, dass wir unvertraute Dinge als solche wahrnehmen und uns an sie erinnern. Die eiförmigen Zellen sind aktiv, sobald etwas Neues in den Blick gerät.

von Annette Doerfel

Fachleute haben einen Typ von Hirnzellen gefunden, der eine wichtige Rolle dabei spielen könnte, wie wir neue Objekte als solche erkennen und ins Gedächtnis aufnehmen. Die »ovoid cells« – benannt nach ihrer eiförmigen Form – werden aktiv, sobald wir etwas Unbekanntes wahrnehmen. Die Entdeckung dieser spezialisierten Neurone stellt die bisherige Annahme in Frage, wonach der Hippocampus nur einen Zelltyp enthalte, der verschiedene Gedächtnisfunktionen steuere, wie das Forschungsteam der University of British Columbia in »Nature Communications« berichtet.

Die neu entdeckten Hirnzellen fielen wegen ihrer markanten Form beim Untersuchen einer Gewebeprobe aus einem Mäusegehirn auf. Im Hippocampus von Menschen, Mäusen und anderen Tieren kommen sie nur in geringer Zahl vor und unterscheiden sich deutlich in Struktur, Funktion und Vernetzung von anderen Neuronen, so die Forscher.

Um die Aufgabe dieser Nervenzellen besser zu verstehen, ließ das Team die Mäuse eine Umgebung mit unbekannten Objekten erkunden. Mit Hilfe eines Miniatur-Einzelphotonenmikroskops beobachteten die Fachleute, dass die Zellen aufleuchteten, sobald die Tiere etwas Neues entdeckten. Hatten sich die Nager an den Gegenstand gewöhnt, ließ die Zellaktivität nach. Die Forscher schlossen daraus, dass die Zellen ihre Aufgabe erfüllt hatten: Die Mäuse erinnerten sich an das Objekt. »So eine klare Verbindung zwischen Zellaktivität und Verhalten sieht man selten. Und bei Mäusen können sich diese Zellen monatelang an ein einziges Objekt erinnern – ein außergewöhnliches Gedächtnis für diese Tiere«, sagt Erstautorin Adrienne Kinman.

In weiteren Versuchen will das Forschungsteam untersuchen, ob die eiförmigen Zellen bei bestimmten Hirnkrankheiten eine Rolle spielen. Eine Fehlregulation – etwa eine übermäßige oder mangelnde Aktivität – löst laut den Wissenschaftlern womöglich Symptome von Krankheiten wie Alzheimer oder Epilepsie aus. Die Entdeckung könnte zudem darauf hindeuten, dass es im Gehirn weitere noch unbekannte Neuronentypen gibt, die jeweils spezielle Aufgaben bei Lernvorgängen, Gedächtnis- und Kognitionsleistungen übernehmen. 

Nota. - Ein Gehirn ist systemisch organisiert. Spezialisierung im Detail bereichern das Gesamtorgan. Unterscheiden von etwas Neuem und Erinnern daran sind im System derselbe Akt.
JE

 

Blog-Archiv

Übergang von der Wildbeuter- zur Ackerbaukultur.

  Aquiry-Kultur;  zu   öffentliche Angelegenheiten Der  Übergang von der Wildbeuter- zur Ackerbaukultur war zumindest in Europa kein gradl...