Dienstag, 28. Juli 2026

Haben Farben Bedeutungen?


aus Tagesspiegel.de, 27. 7. 2026                                                                                   
  zu Jochen Ebmeiers Realien

Das Meer im Kopf:  
Wie eine einzige Farbe Urlaub im Gehirn auslöst
Blau ist weltweit die Lieblingsfarbe der Menschen – das ist kein Zufall. Ein Farbpsychologe erklärt, was die Farbe mit unserem Gehirn, unseren Gefühlen und unserer Sehnsucht macht
 
Strand und Meer: Das genießen in den Sommerferien viele Urlauber. Doch warum fasziniert das Meer so sehr, dass viele Menschen da immer wieder hinwollen? Und warum reicht schon das azurblaue Meer, um positive Gedanken auszulösen? 

Axel Buether von der Bergischen Universität Wuppertal verweist auf Mechanismen im Gehirn, die bei einem bestimmten Blauton das Erlebnis „Meer“ wieder aufrufen können. „Die Farbe wirkt dann wie ein äußerer Trigger – ähnlich wie eine Melodie oder ein vertrauter Geruch“, sagt der Farbpsychologe. „Wir sehen nicht nur Blau und denken ans Meer, sondern erinnern uns auch körperlich an das Schwimmen, an sommerliche Erholung und an schöne Erlebnisse.“ Das könne für einen Moment glücklich machen. 

Aber warum ist es ausgerechnet die Farbe Blau, die diesen Trigger auslöst? Blau sei in der Natur vor allem die Farbe des Himmels, des Wassers und der Ferne, sagt Buether. „In unserer Wahrnehmung tritt also etwas zurück, öffnet den Raum und vermittelt Weite.“ Deshalb würden viele Menschen Blau mit Ruhe, Freiheit und Vertrauen verbinden.

Und das gilt demnach nicht nur für Europa. „Blau gehört weltweit zu den am positivsten konnotierten Farben und ist international die Lieblingsfarbe besonders vieler Menschen“, sagt Buether. Blau sei eine Sehnsuchtsfarbe, von der es viele Varianten gebe: „Meerblau wirkt frisch, feucht oder eisig. Azurblau weckt friedliche Assoziationen. Ultramarinblau kann etwas Wehmut hervorrufen.“

Das zeige sich auch in kulturellen Bildern und Religionen. „Es ist sicher kein Zufall, dass Maria im Christentum häufig blaue Kleidung trägt“, vermutet Buether. Und schon die alten Ägypter hätten das tiefblaue Gestein Lapislazuli für Schmuck, Kultgegenstände und Grabbeigaben verwendet.

Generell spielen Farben eine größere Rolle, als vielen bewusst ist. Sie beeinflussen, wie wir wahrnehmen, fühlen, uns orientieren und auch, wie wir uns entscheiden – etwa beim Blick auf eine Ampel. „Farben können körperliche Zustände beeinflussen, Stimmungen erzeugen und Bedeutungen vermitteln“, sagt der Wissenschaftler Buether.

 Wichtig seien aber nicht nur festgelegte Bedeutungen – Rot an der Ampel heißt Stopp! –, sondern auch individuelle persönliche Erfahrungen. Das betrifft auch die Sehnsuchtsfarbe Blau, die mitunter negativ besetzt sein kann. „Wenn uns ein blaues Auto angefahren hat, kann die Farbe Panik auslösen. Das gilt ebenso für Todesangst auf dem Meer“, sagt der Farbpsychologe.

„Farben sind keine rein physikalischen Eigenschaften, sondern entstehen erst durch die Verarbeitung von Lichtreizen in unserem Gehirn“, sagt der Forscher. „Draußen gibt es Materie und elektromagnetische Strahlung – die wahrgenommene Farbe entsteht in uns.“ Der Wissenschaftler zieht eine Parallele zur Sprache: Bei der gebe es zunächst nur Schallwellen. Erst im Gehirn würden daraus Wörter, Sätze und Bedeutungen. (dpa)

 

Nota. - Das ist fast zu trivial, um darüber Worte zu verlieren: Dem Eskimo sagt man heute nicht mehr; dem Inuit kommt bei Weiß im Gemüt ganz was anderes vor als dem Azonasindianer sagt man auch nicht mehr -nativen, und bei Grün erst recht; und beiden wird bei Blau ganz anders: Die einen kennen es kaum, die andern haben mehr als genug davon, und das seit Tausenden von Jahren. 

Informationswert hat aber der letzte Absatz. Der Verfasser der Unter-Überschrift scheint ihn nicht gelesen zu haben.
JE 

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Blog-Archiv

Die große Krise der Bronzezeit.

           zu   öffentliche Angelegenheiten   aus welt.de, 28. 7. 2026                         Hattuscha: Die Hauptstadt des Hethiterreichs ...