zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Das Kausalitätsprinzip war nicht zufällig der härteste Stein des Anstoßes zur Vernunftkritik.
Zunächst einmal, vor aller begrifflichen Finesse, gilt als unvernünftig, wer nicht stets und reflexhaft das Prinzip von Ursache und Wirkung vor Augen hat. Das mochte eine göttlich eingegebne Idee sein, doch die praktisch eingestellten, weil früh bürgerlich gesonnenen Engländer haben sich im Verlauf des 17. Jahrhunderts davon überzeugt, dass die Begriffe nicht vom Himmel fallen, sondern von den Men-schen selber aus eigener Erfahrung abstrahiert werden. Das war plausibel und mit dogmatisch-rationalistischen Vorhaltungen nicht wieder aus der Welt zu schaffen: Nicht das Erkennen ist der Eingang zur Vernunft, sondern das Fühlen.
Doch auch der Sensualismus brachte seine Skeptiker hervor. David Hume legte den Finder darauf, dass der sogenannte Kausalnexus in der Erfahrung gar nicht vor-kommt. Beobachten kann man immer nur der Zustand vorher und den Zustand nachher. Einen Moment, in dem eine Wirkung geschieht, bekommt man nimmer zu Gesicht.
Seine Beobachtung war genial, seine Folgerung war einfältig: Ursächlichkeit sei eine reine Denkgewohnheit. Doch warum? Wenn sie sich überall und immer bewährt, scheint sie ja doch etwas zu erklären, was man immer noch nicht verstehen kann.
An dem Punkt begann Kants Kritik und die Kausalität wurde ihm zu seiner ersten "Kategorie". Woher allerdings das Apriori, wie er es nennt, stammt, ließ er vielsa-gend im Ungewisssen. ...
Kommentar zu Ein natürlicher Kausalitätsbegriff?, JE, 23. 12. 21
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen