aus derStandard.at, 29. Mai 2026 Sting im Hackler-Overall bei einer Aufführung seines Musicals "The Last Ship" in Amsterdam. zu Männlich
Der Musiker Sting, inzwischen 74 Jahre alt, macht sich Gedanken über seine jüngeren Geschlechtsgenossen. "Ich habe keine Antworten, aber vielleicht kommt das Toxische in der Gesellschaft daher, dass wir das Ziel für unsere Energie verloren haben, diese männliche Kraft", erklärte er in der britischen Zeitung Guardian.
"Ich arbeite als Musiker jeden Tag mit meinen Händen, und ich habe Glück. Es ist selten geworden, dass moderne Männer ihre Hände und ihre körperliche Stärke überhaupt noch einsetzen. Wir haben da etwas verloren", sagte er.
Anlass für das Interview war sein 2014 in Chicago uraufgeführtes Musical The Last Ship, das demnächst auch in London zu sehen sein wird. Darin wird das Schicksal von Männern erzählt, die in einer Werft arbeiten – ähnlich jener Werft im Ort Swan Hunter in Wallsend, in dem Sting aufwuchs.
Sting, der die Musik für das Stück schrieb und im September im Theatre Royal Drury Lane selbst auf der Bühne stehen wird, sagte, die Schließung der Werften habe eine Ära eingeläutet, in der der Norden Englands von aufeinanderfolgenden Regierungen im Stich gelassen worden sei.
Der Reichtum Großbritanniens wurde in den Kohlebergbaugebieten, den Stahlstädten und den Werften geschaffen, all diese Fähigkeiten, so Sting, wurden auf den Schrotthaufen geworfen. "Für Thatchers Traum von einer Dienstleistungsökonomie."
Viele der männlichen Figuren im Musical befinden sich in einer Identitätskrise, weil ihnen ihre berufliche Grundlage entzogen wird. Einer fragt: "Was sind wir Männer ohne ein Schiff, das wir vollenden können?" Sting betonte jedoch, dass die Produktion keine romantisierte Darstellung einer oft brutalen Industrie sei, in der es jährlich Hunderte von Unfällen gab und Todesfälle nicht selten waren.
Er selbst war derjenige, der dort nicht arbeiten wollte – aus gutem Grund. Dort sei mit Asbest gearbeitet worden und mit allen möglichen giftigen Chemikalien. "Gleichzeitig bin ich nostalgisch gegenüber dem Gemeinschaftsgefühl, in dem ich aufgewachsen bin." (red.)
Nota. - Um es krass zu sagen: Die sogenannte Krise der Männlichkeit ist schlicht und einfach die Krise - nein: der Untergang der Arbeitszivilisation. Weniger spitz und doch nicht weniger bestimmt kann man sagen, die angebliche Vorherrschaft des Mannes war ein Ergebnis der Ausbildung der bürgerlichen Gesellschaft. Weni-ger fanatische und etwas kritischere feministische Ideolog*innen würden sagen: Männer haben die bürgerliche Gesellschaft eingerichtet.
Das ist garnichtmal so falsch - in dem Sinne nämlich, dass die vorangegangenen agrarischen Gesellschaften auf spezifisch weiblichen Tugenden beruh ten, nämlich auf Ausdauer und Fleiß. An der Spitze agierten kriegerische Männer, doch wenn die dynastischen Zufälle es erlaubten, sind Frauen ohne weiteres in Führungspositionen eingetreten. Dort oben spielte das Geschlecht eine geringere Rolle als die lignée.
In der entstehenden bürgerlichen Gesellschaft spielte es eine ebenso geringe Rolle wie Ausdauer und Fleiß; entscheidend war nunmehr Unternehmertum. Entschei-dend wo? Na, auf dem Markt, der mithin zum obersten Richter wurde. Und was an der Spitze Unternehmertum war, war in der Masse Arbeit.
Das war die industrielle Zivilisation. Auf dem Höhepunkt der Industrie traten an die Stelle der Unternehmer die Manager; trat an die Stelle des Risikos die Verwal-tung. Und Ausdauer und Fleiß überwucherten Einfall und Wagemut.
Zur Angestelltenzivilisation gehört als deren Speerspitze der Feminismus.
Doch die Ditgitale Revolution ist der Untergang der Arbeitsgesellschaft in ihrer Kümmerform: der Angestelltenzivilisation.
Die Männlichkeit ist in der Krise? Der Feminismus ist an der Genderologie längst gescheitert.
Gottlob.
JE
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