
aus spektrum.de, 06.11.202 zu Levana, oder Erziehlehre
Flynn-Effekt
Erwachsene können sich immer besser konzentrieren
Laut
Intelligenztests ist der durchschnittliche IQ jahrzehntelang gestiegen.
Dieser »Flynn-Effekt« zeigt sich auch in einem
Standard-Aufmerksamkeitstest – aber nur bei Erwach-senen. Bei Kindern
sieht es etwas anders.
von Christiane Gelitz
Das
Konzentrationsvermögen von Erwachsenen ist in den vergangenen 20 bis
30 Jahren gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Metaanalyse in der
Fachzeit-schrift »Personality and Individual Differences«.
Die Forschungsgruppe um Denise Andrzejewski von der Universität Wien
sieht darin einen ersten Beleg dafür, dass auch die Aufmerksamkeit dem
Flynn-Effekt unterliegt.
Der
Flynn-Effekt bezeichnet ein Phänomen, das Mitte bis Ende des
20. Jahrhun-derts in vielen Ländern beobachtet wurde: Der mittlere
Intelligenzquotient – das Ergebnis von standardisierten
Intelligenztests – stieg von Generation zu Genera-tion. Benannt ist der
Effekt nach dem Politologen James Flynn, der erstmals 1984 darüber
berichtet hatte. Im Schnitt legte der IQ pro Jahrzehnt rund drei Punkte
zu, doch inzwischen stagniert die Entwicklung in einigen Ländern, und in
manchen hat sich der Trend sogar umgekehrt. Über die Ursachen sind sich Fachleute bis heute nicht einig.
Der
Test besteht aus 14 Zeilen (in der Neufassung 12 Zeilen), und jede
Zeile ist ge-füllt mit 47 Zeichen, darunter ausschließlich die Buchstaben
d und p sowie teilweise ein oder zwei kleine senkrechte Striche über
oder unter den Buchstaben. Die Auf-gabe: jedes d mit zwei Strichen
durchzustreichen, möglichst fehlerfrei, aber auch möglichst schnell,
denn die Zeit ist auf im Mittel 20 Sekunden pro Zeile begrenzt.
Im Durchschnitt stieg die Konzentrationsleistung (definiert als die Zahl von korrek-ten minus falschen Antworten) bei den Erwachsenen mit den Jahren moderat an. Bei den Kindern blieb sie jedoch in etwa gleich: Sie arbeiteten zwar zunehmend schneller, machten dabei aber mehr Fehler. Die Forschenden deuten das als Hinweis auf ein impulsives, oberflächlicheres Testverhalten, möglicherweise dadurch verursacht, dass die Gesellschaft heute fehlertoleranter sei und dass Leistung eher an Geschwindigkeit als an Genauigkeit gemessen werde.
Allerdings fielen die Ergebnisse etwas anders aus, als die Gruppe die deutschsprachigen Länder separat betrachtete. Die Kinder machten hier nicht mehr, sondern weniger Fehler, und das Konzentrationsvermögen der Erwachsenen war nicht gestiegen. Das Gesamtfazit über mehr als 30 Länder lautete dennoch: Der Flynn-Effekt gilt auch für das Konzentrationsvermögen. Und dieser Zuwachs könnte zu einem Anstieg der Intelligenz – dem eigentlichen Flynn-Effekt – beitragen.
Nota. - In die Medien kommen Intelligenzdebatten regelmäßig als Beiwerk von Bildungsfragen - die ihrerseits zu Schul- und Lernfragen verengt werden. Unter Intelligenz kann viel Verschiedenes verstanden werden. Gleich am Anfang: aktuelle Leistung oder latentes Vermögen. Aufmerksamkeit und Konzentration - auch nicht ganz dasselbe - gehören zur Leistungskraft und nicht zum bloßen Denken. Das große Unglück der Schulen im Westen ist, dass sie in Jahrhunderten zu Dressuran-stalten für Konzentration und Gedächtnis entwickelt wurden. Eigene Denkarbeit wurde nicht nur nicht gefördert, sondern oft gelähmt. Sie ist jedoch das eigentliche Ziel von Aufmerksamkeit und Konzentration, die ihnen lediglich als Mittel dienen.
Bleibt als Ergebnis nur übrig, dass erstens kein Anhaltspunkt sichtbar wird, der ein evtl. Rückgang des Flynn-Effekt verständlich machen könnte; und zweitens der überraschende Umstand, dass die deutschsprachigen Länder aus dem allgemeinen Rahmen fallen - nämlich ihre Schulkinder.
Ich will mich Ihnen nicht aufdrängen, aber erlauben Sie mir die Bemerkung, dass in Deutschland und Österreich jahrzehntelang der Nachmittag schulfrei war und gott-lob weitgehend noch ist, und der Nachmittag Zeit und Raum für selbstbestimmte Unternehmung Zeit und Raum bot.
Is ja nur so'ne Idee...
JE
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