
aus spektrum.de, 5. 5. 2026 zu Jochen Ebmeiers Realien
Bei den indigenen Quechua-Sprecherinnen und -Sprechern des peruanischen Hochlands funktioniert das offenbar besonders effektiv: Von allen 85 untersuchten Populationen hatten sie die höchste Zahl an Kopien des entsprechenden Amylase-Gens (AMY1) in ihrem Erbgut, heißt es in der im Fachmagazin »Nature Communications« erschienenen Studie. Dadurch produziert ihr Körper besonders große Mengen des Verdauungsenzyms. Mit im Schnitt zehn Gen-Kopien übertreffen sie andere Populationen um das Doppelte, manche sogar um das Vierfache.
Gokcumen
und Kollegen sehen darin eine jahrtausendealte Anpassung an die
Ernährung. Vor rund 10 000 Jahren begannen die Menschen im Hochland, die
Kartoffel zu nutzen und anzubauen. Für den gleichen Zeitraum
rekonstruiert die Forschergruppe einen Anstieg der Gen-Kopienzahl. Wer
die von ihr gelieferte Stärke besonders gut abbauen konnte, war
ernährungsphysiologisch offenbar im Vorteil. Dieser Selektionsdruck
sorgte im Lauf der Zeit für die Vervielfältigung des Gens.
Ähnliches wurde auch bei anderen Populationen beobachtet, die auf eine
lange Geschichte der Landwirtschaft zurückblicken. In der europäischen
Bevölkerung beispielsweise ist im Verlauf der vergangenen Jahrtausende
ebenfalls die Kopienzahl des AMY1-Gens gestiegen. Wie die
Gruppe um Gokcumen schon in früheren Studien beobachtete, begann der
Trend zur Vervielfältigung dieses Gens allerdings lange vor dem Umstieg
auf eine bäuerliche Lebensweise. Bereits bei frühmenschlichen Vorfahren
des Homo sapiens lag es wohl in doppelter Ausführung vor.

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