Deus geometer zu Philosophierungen
Es liegt auf der Hand, daß weder Dinge an sich miteinander im Verhältnisse von Ursache und Wirkung stehen können noch
Erscheinung mit Erscheinung: womit sich ergibt, daß der Begriff
»Ursache und Wirkung« innerhalb einer Philosophie, die an Dinge an sich
und an Erscheinungen glaubt, nicht anwendbar ist. Die Fehler
Kants –
Tatsächlich stammt der Begriff »Ursache und Wirkung«,
psychologisch nachgerech-net, nur aus einer Denkweise, die immer und
überall Wille auf Wille wirkend glaubt, – die nur an Lebendiges glaubt
und im Grunde nur an »Seelen« (und nicht an Din-ge). Innerhalb der
mechanistischen Weltbetrachtung (welche Logik ist und deren Anwendung
auf Raum und Zeit) reduziert sich jener Begriff auf die mathematische Formel – mit der, wie man immer wieder unterstreichen muß, niemals etwas
begrif-fen, wohl aber etwas bezeichnet, verzeichnet wird. [554]
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Nietzsche, Aus dem Nachlass (XII)
Nota. - Das ist fein beobachtet: dass auch das mathematische Weltbild
insgeheim den Willen und den Handelnden impliziert. Denn noch die
simpelste mathemati-sche Gleichung vollzieht sich ja nicht von allein.
Die Operation setzt einen voraus, der operiert. Das wird durch die
dürren Zeichen lediglich verdeckt. Die Mathematik beschreibt nicht,
was ist, sondern was getan werden kann.
JE
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