Sonntag, 25. Januar 2026

Eine Gesinnungsfrage war es nie.

              zu öffentliche Angelegenheiten

Heute ist Europa machtlos wie nie zuvor. Doch über Nacht machtlos geworden ist es nicht. Es isr ihm seine Chance 2015 geradezu aufgedrungen worden, und es hat sie vertan.

Europa war mal wieder grad so davongekommen - die Krise um Griechenland hatte den Zerfall der Europäischen Union erstmals als greifbare Möglichkeit erscheinen lassen. Ohne den energischen Pragmatismus von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble hätten die Sonderinteressen der einzelnen Mitglieder wie so oft die Ober-hand behalten - zum Desaster fürs Ganze. Dass Deutschland in Europa die Loko-motive sein müsse, mochte kaum noch einer bestreiten. 

Und auf einmal drohte das lange verdrängte Problem der stillen Völkerwandungen wegen des syrischen Bürgerkriegs wie in Tsunami über den Kontinent hinwegzu-schwappen. Und prompt beteten die üblichen Verdächtigen zum Hl. Florian, ver-schon' mein Haus, zünd' andre an.

Wie hatte man das Schengener als die Sternstunde Europas gefeiert - und zum erstenmal eine Leistung der Union, die der einfache Bürger nicht als eine weitere Gängelung, sondern als eine neue Freiheit empfand!

Die erste Flüchtlingswelle war in der Türkei gestrandet, aber alle folgenden ergos-sen sich über Griechenland und Bulgarien in den Schengener Raum, und um sie aufzuhalten, hätte man das Schengener Abkommen gleich bei seiner ersten Nagel-probe... aussetzen müssen!

Das hätte die Union nicht überlebt. Rechtlich wäre es vielleicht nicht einfach gewor-den, aber politisch war es eine Unmöglichkeit. Es war ja ein Problem, das sich täg-lich und gar stündlich zuspitzte, für das europaübliche Abstimmungsmarathon blieb keine Zeit, jedes Land hätte tun müssen, was ihm eben einfiel, und für das daraus entstehende Chaos hätte sich kein Gremium zuständig fühlen wollen.

Deutschland musste den entscheidenen Schritt tun; und hat ihn getan, gottlob. "Merkel hätte telefonieren müssen!" Gott sei Dank, dass sie es nicht versucht hat; die andern hätten sie von Pontius zu Pilatus geschickt. Sie hatte Tatsachen geschaf-fen, die nur sie schaffen konnte und ergo musste. Die enthusiastische Reaktion von unserm Otto Normalverbraucher hat uns selber fast noch gründlicher die Sprache verschlagen, als den Nachbarn.

'Wenn das mal bloß nicht umkippt'!  

Es ist schneller umgekippt, als ich befürchtet hatte. Und es waren nicht die Garten-zwerge von Rechtsaußen, die waren zum Schweigen verdattert; es waren Seehofer und seine hilfreichen Rivalen, die den Funken geschlagen und Öl drauf gegossen haben. 

Auch so haben wir uns schließlich ganz tapfer geschlagen und dürfen die Köpfe oben tragen.

Aber Europa hat es in einen stinkigen Sumpf geführt, der noch immer nicht trok-kengelegt ist. Die säkulare Migration kann mit Geschacher und Gefeilsche nicht gelenkt, und schon gar nicht verhindert werden, indem man das Elend an den Außengrenzen, im Tschad und in Mauretarien fixiert, und falls es uns eines Tages auch dort zum Thema wird, dann zurückgedrängt auf die unterste Reflexionsebene, wo es auch gedanklich unlösbar ist: die karitative. 

Es war die Wokeley avant la lettre, die das Abrutschen ermöglicht hat und der dum-men Reaktion erlaubte, ihre Stimme wiederzufinden: das gedankenlose Bauchgeheul und Gesinnungsgeplärr, worin sie miteinander wetteifern. Und womit sie in allen europäischen Ländern bis heute verhindern, dass die Politik aus dieser Echokam-mer heraustritt und das wirkliche Sachthema beim Namen nennt: Europas Rolle in der Welt und Deutschlands Auftrag in Europa.

Hätte Europa 2015 seine Bewährungsprobe bestanden und sich Strukturen gegeben, um auf eine globale Herausforderung wie die Migration eine kontinentale Antwort zu finden, hätte Putin 2022 nicht die Ukraine überfallen und hätte Trump sich 2026 nicht in Grönland verrannt.

 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Blog-Archiv

Das Gehirn entwirft Modelle.

aus  FAZ.NET,  4. 7. 2022                                                            zu   Jochen Ebmeiers Realien ,   zu   Philosophierunge...