Die Neujahrsvorsätze sind gefasst und vielleicht auch ein paar Tage durchgehalten, aber eine Routine will sich nicht einstellen und die Motivation für Sport, Ordnung oder gesundes Kochen ist manchmal schwer aufzubringen. Oder es sammeln sich Aufgaben wie anstrengende Telefonate, mühselige Berichte oder das Anfangen mit der Abschlussarbeit auf der To-do-Liste.

Der erste Schritt ist oft der schwierigste. Man weiß zwar, was man tun sollte (wenn nicht, hilft das Herunterbrechen auf kleine Teilaufgaben), fühlt sich aber gehemmt, loszulegen. Ähnlich wie bei der Prokrastination hat dies oft wenig mit Faulheit zu tun. Eher scheint es so, als könne das Gehirn den Startknopf nicht betätigen.

Was dabei tatsächlich im Gehirn passiert, begreift die Wissenschaft erst in Ansätzen. Studien deuten darauf hin, dass unsere Kommandozentrale vor einer Tätigkeit zunächst den Aufwand und die Kosten abschätzt. Liegt diese Schätzung zu hoch, sinkt die Motivation. Inwiefern dabei aber eine Entscheidung zur Untätigkeit resultiert, konnte nicht geklärt werden.

Luftstoß als Strafe

Um diese Frage für den Menschen zu beantworten, nähern sich Neurowissenschafter über andere Primaten an, deren Gehirn evolutionär nicht allzu weit von dem unsrigen entfernt ist. Ein Team der Universität Kioto in Japan führte Verhaltensexperimente an Makaken durch und fasste sie im Fachjournal Current Biology zusammen.

Die Makaken wurden auf eine Aufgabe trainiert, an deren Ende in einer Variante der Versuche eine Belohnung in Form von Wasser stand. In einer zweiten Variante ging die Belohnung jedoch mit etwas Negativem einher, nämlich einem unangenehmen Luftstoß ins Gesicht. Vor der Aufgabe konnten die Affen entscheiden, ob sie sie beginnen wollten oder nicht. Würden sie den ersten Schritt wagen, auch wenn sie mit einem Luftstoß rechneten?

Drei Japanmakaken mit roten Gesichtern und braungrauem Fell genießen die Wärme der Bergquellen im Jigokudani Monkey Park in Yamanouchi, Präfektur Nagano, Japan, am 8. Januar 2026. Im Vordergrund sieht man flache Felsen, auf die sich die Affen stützen. Der Hintergrund ist leicht neblig und verschneit.
Japanmakaken in freier Wildbahn, zu diesem Zeitpunkt wenig motiviert für alles außer Entspannung.

Tatsächlich zeigte sich hier ein Unterschied: Erwarteten die Versuchstiere einen Luftstoß, hielten sie sich oft zurück und verzichteten auf das Belohnungswasser. Stand am Ende nur der positive Anreiz, dann begannen sie ohne Zögern.

Signalweg gestoppt

Für den zweiten Teil des Experiments bedienten sich die Forschenden der Chemogenetik. Bestimmte Nervenzellen der Makaken wurden per Genübertragung so verändert, dass sie quasi einen Schalter beinhalteten. Mit einem Medikament konnte dieser Schalter kontrolliert werden, sodass die Aktivität der Neuronen kurzzeitig erhöht oder gesenkt wird. So können Schaltkreise im Gehirn erforscht und mit Verhaltensweisen verglichen werden.

In der aktuellen Studie ging es dem Forschungsteam um die Verbindung zwischen zwei Hirnarealen, die mit der Motivation zusammenhängen. Daher wurde der Signalweg zwischen diesen beiden Arealen – dem ventralen Striatum und dem ventralen Pallidum – unterbrochen.

Hatten die Affen keinen Luftstoß zu befürchten, so setzten sie die Aufgabe auch bei unterbrochenem Signalweg um. Interessanterweise sank die Hemmschwelle bei einem erwarteten Luftstoß, wenn die neuronale Signalübertragung gestoppt, also der Schalter umgelegt war: Die Affen waren eher bereit, die Herausforderung anzunehmen.

Wissen und Handeln

Offenbar wurden beim Versuch mit Luftstoß also die Kosten der Aufgabe höher eingeschätzt und die Motivation sank. Doch diese hemmende Wirkung wurde ausgehebelt, sobald kein Signal zwischen den beiden Hirnarealen übertragen wurde. "Die Fähigkeit der Affen, Belohnungen und Strafen zu beurteilen, hat sich dabei nicht verändert", heißt es in einer Aussendung der Universität Kioto. "Was sich verändert hatte, war der Schritt zwischen Wissen und Handeln."

Bei genaueren Analysen stellte das Forschungsteam fest, dass während der unangenehmeren Aufgabe die Aktivität der Nervenzellen in einer der beiden Hirnregionen, im ventralen Striatum, anstieg. Dieses Gebiet dürfte dazu beitragen, dass das Gehirn eine Situation quasi als stressig empfindet. Wenn die Motivation für die Aufgabe bei den Affen sank, nahm die Aktivität im ventralen Pallidum ab.

Depression und Antrieb

Aus den Ergebnissen schließen die Fachleute, dass man sich die "Nervenstraße" zwischen den beiden Zonen wie eine Motivationsbremse vorstellen kann. Sie sorgt dafür, dass sich die Makaken bei einer als lästiger empfundenen Aufgabe schlechter zum ersten Schritt aufraffen konnten – und Ähnliches könnte sich auch im menschlichen Gehirn abspielen.

Das Wissen um diesen Schaltkreis könnte helfen, Menschen mit Depressionen, Schizophrenie oder einer Parkinson-Erkrankung zu therapieren. Denn bei ihnen kann verstärkt das Symptom der Antriebsstörung oder Avolition auftreten: Betroffene schaffen es nicht, bestimmte zielgerichtete Handlungen zu beginnen.

Burnout und Risikobereitschaft

Die Fachleute vermuten, dass man mit Verfahren wie tiefe Hirnstimulation, nicht-invasive Hirnstimulation oder neuartige medikamentöse Strategien diese Motivationsbremse feinabstimmen könnte, wenn sie zu stark wirkt. "Aber diese 'Bremse' existiert aus einem bestimmten Grund", geben die Fachleute zu bedenken: Sowohl eine zu stark angezogene Bremse und die folgende Antriebslosigkeit als auch eine zu lockere Bremse seien potenziell problematisch. Wird die Motivation nicht reguliert, kann eine Person selbst in äußerst stressigen Situationen nicht pausieren, obwohl sie das vielleicht tun sollte. Eine mögliche Folge: Überlastung.

Hauptautor Ken-ichi Amemori betont außerdem, dass eine zu starke Schwächung der Motivationsbremse zu gefährlichem Verhalten oder übermäßiger Risikobereitschaft führen kann: "Eine sorgfältige Bewertung und eine ethische Diskussion sind notwendig, um zu bestimmen, wie und wann solche Interventionen eingesetzt werden sollten."

Gerade heutzutage könne man angesichts solcher grundlegenden Mechanismen also darüber nachdenken, was Motivation bedeutet und wann es gerechtfertigt ist, sie als zu niedrig oder auch zu hoch einzuschätzen. Das japanische Forschungsteam regt somit eine gesellschaftliche Diskussion darüber an: "Anstatt zu versuchen, die Motivation künstlich zu steigern, sollte der Fokus darauf liegen, wie die Gesellschaft Menschen besser dabei unterstützen kann, mit Stress umzugehen." (sic)