
aus scinexx.de, 9. 1. 2026 zuJochen Ebmeiers Realien zu Philosophierungen
Neuronale Arbeitsteilung: Unser Gehirn speichert vergangene Erlebnisse und ihren Kontext nicht zusammen, sondern in zwei getrennten Gruppen von Hirnzellen ab, wie ein Experiment enthüllt. Erst beides zusammen ergibt die vollständige Erinnerung. Die Inhalts-Neuronen speichern demnach nur die Information selbst, beispielsweise ein Objekt oder eine Person. Die Kontext-Neuronen merken sich dagegen nur die Umstände. Diese Arbeitsteilung macht unser Gedächtnis besonders effizient und flexibel, wie das Team in „Nature“ berichtet.
Unser episodisches Gedächtnis ist bemerkenswert umfassend und präzise: Es speichert Wissen, merkt sich das Aussehen unzähliger Menschen und kann selbst Ereignisse aus unserer Kindheit wachrufen. Allerdings funktioniert unsere Erinnerung nicht wie ein Fotoalbum: Schon beim Abspeichern beeinflussen Gefühle, Erwartungen und interne Filtermechanismen, was unser Gehirn langfristig abspeichert und was nicht. Diese Gedächtnisinhalte können zudem nachträglich verändert und verfälscht werden.
Doch damit eine Erinnerung vollständig ist, muss das Gehirn die Gedächtnisinhalte zusammen mit ihrem Kontext abspeichern. Erst dadurch können wir uns beispielsweise an dieselbe Person oder dasselbe Objekt in unterschiedlichen Situationen erinnern. „Wir wissen bereits, dass tief in den Gedächtniszentren des Gehirns spezifische Zellen, sogenannte Konzeptneuronen, auf diese Person reagieren, unabhängig davon in welcher Umgebung sie auftaucht“, erklärt Seniorautor Florian Mormann von der Universität Bonn.
„Doch wie Gedächtnisinhalt und Kontext beim Menschen auf der Ebene der Neuronen kombiniert werden, ist bislang unklar“, schreiben Mormann und sein Team. Denn bei Mäusen speichern die Neuronen des Hippocampus die Erinnerungen mitsamt ihres Kontextes ab, bei den menschlichen Konzeptneuronen ist das aber nicht der Fall. Sie müssen daher mit weiteren Hirnzellen und Hirnarealen zusammenarbeiten, um Gedächtnisinhalte mit dem passenden Kontext zu versehen.
„Wir haben uns daher gefragt: Bildet unser Gehirn Inhalt und Kontext getrennt ab, um ein flexibleres Gedächtnis zu ermöglichen? Und wie verbinden sich diese getrennten Informationen, wenn wir uns bestimmte Inhalte entsprechend dem Kontext merken müssen?“, sagt Erstautor Marcel Bausch von der Universität Bonn. Um diese Fragen zu klären, haben er und seine Kollegen die Aktivität einzelner Neuronen im Gehirn von 16 Epilepsiepatienten analysiert. Ihnen wurde für eine bessere Diagnose und Operationsvorbereitung Elektroden im Hippocampus und umliegenden Hirnregionen implantiert.
Dies nutzten die Forschenden, um die Hirnaktivität beim episodischen Gedächtnis genauer zu analysieren. Dafür wurden den Patienten Bildpaare gezeigt, die sie anhand unterschiedlicher Fragestellungen vergleichen mussten. So sollten sie beispielsweise entscheiden, ob ein in beiden Bildern auftauchender Gegenstand sich in seiner Größe unterscheidet. „Dies erlaubte uns zu beobachten, wie das Gehirn exakt dasselbe Bild in unterschiedlichen Aufgabenkontexten verarbeitet“, sagt Mormann.
Die Auswertung ergab: Während der Betrachtung der Bilder feuerten zwei weitgehend getrennte Neuronengruppen im Gehirn der Testpersonen. Eine Gruppe von Hirnzellen, Inhalts-Neurone getauft, reagierte auf spezifische Bilder unabhängig von der Aufgabe oder dem Kontext. Die zweite Gruppe der Kontext-Neuronen wurden dagegen bei spezifischen Aufgabenkontexten aktiv – unabhängig vom gezeigten Bild oder Gegenstand.
„Diese Arbeitsteilung erklärt wahrscheinlich die Flexibilität des menschlichen Gedächtnisses. Denn das Gehirn kann dasselbe Konzept in unzählig vielen neuen Situationen wiederverwenden, ohne für jede einzelne Kombination ein spezialisiertes Neuron zu benötigen, indem es Inhalt und Kontext in getrennten „neuronalen Bibliotheken“ aufbewahrt“, sagt Bausch. Mormann ergänzt: „Die Fähigkeit dieser Nervenzellgruppen, sich spontan zu verknüpfen, erlaubt es uns, Informationen zu verallgemeinern und gleichzeitig die spezifischen Details individueller Ereignisse zu bewahren“. (Nature, 2026; doi: 10.1038/s41586-025-09910-2)
Quelle: Universität Bonn; 9. Januar 2026 - von Nadja Podbregar
Nota. - Wenn mich nicht alles täuscht, sind die Forscher dem Mysterium der Refle-xion auf die Spur gekommen.
Reflexion ist das, was wir in specie Denken nennen - Nach denken. Sie ist es, die menschliche Intelligenz von tierischer unterscheidet. Sie ist den Neurophysiologen bis heute ein Rätsel. Sie ist das, was pp. Denkinhalte mit einander nicht bloß assozi-iert - Schritt vor Schritt an einander knüpft -, sondern zu einander in Beziehung setzt, nämlich einen zu einem andern in ein eigentümliches Verhältnis stellt - und uns die Möglichkeit der sprachliches Deklination verschafft: die grammatischen Fälle; ich - dich, er - sich, sie - ihn; und ihre Zuordnung: ich - mein, wir - unser... Nicht bloß Aneinanderreihen, sondern auch Rück beziehen.
Die Grundform ist die Vorstellung von Figur und Grund, die zusammen erst eine sinnhafte Gestalt ergeben.
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Das wäre eine wissenschaftliche Revolution.
JE
Werde ich ausführen müssen.
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