Mittwoch, 5. August 2026

Die allerletzte Chance?

                                          zu öffentliche Angelegenheiten

Kaum schrieb ich, die Krise der CDU habe eben erst angefangen - und schon sind wir mittendrin. So trivial ist es: Es hängt an der Merz-Regierung. 

Wenn die scheitert - was scheitert dann noch? Um die SPD wärs nicht schade. Die hängt wie ein Parasit am Bein der Union und weiß, dass ihr Erfolg die Regierung zum Scheitern brächte - und dass das auch ihr Ende wäre; und kann ihn darum nicht wirklich wollen, und darum tut sie grad noch das Mindeste, was ihre verblie-bene Klientel von ihr erwarten mag; nach ihnen die Sintflut.  

Merz hat sich in eine Situation gebracht, die er selbst gesucht hat, aber ohne zu ahnen, was auf ihn zukam. Es wurde gemunkelt, es sei nicht einmal Machtwille gewesen, sondern bloß Eitelkeit. Das mag ihn selber überrumpelt haben, aber gekniffen hat er nicht, selbst auf die Gefahr hin, verwirrt zu wirken und füh-rungsschwach. Arrogant wirkt er immerhin nicht mehr; eher schon wie eine tragische Figur

Angela Merkel hat für die CDU Wahlen gewonnen und war in ihrer Partei unan-fechtbar. Aber nicht in der CSU, deren Nase über den bairischen Horizont nicht hinausreicht, und hinter deren Rücken konnten sich ihre parteiinternen Gegner verstecken. Man mag ihr vorwerfen, sie habe Putin falsch eingeschätzt, aber da war sie ja wohl nicht die Einzige. Man muss ihr vorwerfen, sie habe nicht über die eige-ne Kanzlerschaft hinausgeblickt und ihre Partei nicht so geführt, dass sie ihr Pro-gramm über ihre Regierungszeit hinaus getragen würde.

Ihr Programm? Das war immer im Sichtflug, von einer Klippe um die andre herum. Dass sie Deutschland so vertreten hätte, dass es Europa anführen konnte, mochte man erstmals in der Griechenlandkrise finden, als ihr Schäuble die Hand führte. Aber dann in historischer Dimension im Herbst 2015 beim Flüchtlingsansturm. Die Lösung dieses Problems war eine europäische Aufgabe - weit über die internen Angelegenheiten hinaus: zu einer überkontinentalen Perspektive. 

Wie bekannt, sind ihr die bairischen Provinzler und die Neider, die sich hinter ihnen versteckten, damals im entscheidenden Moment in den Rücken gefallen und haben eine große Chance vertan für Deutschland und für Europa in der Welt. 

Merz hat sich damals nicht mit Ruhm bekleckert. Aber es ist einmal so, wie es ge-worden ist. Und da kamen dann Trump und Putin hinzu. Damit muss sich Merz heute herumschlagen, und wir Deutschen können nicht wirklich wünschen, dass ers vermasselt. Seine verbliebene Chance ist vielleicht die letzte, die uns verbleibt: näm-lich Deutschlands Parteienlandschaft so umzupflügen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt, dass sich die paar verbliebenen Glücksritter und die große Legion der Pöstchenjäger ins Showgeschäft verziehen, wohin sie gehören, und sich die Politischen im Land um eine scharfe Mitte zusammenfinden, um die sich die Rän-der ranken müssen, statt den Takt anzugeben. 

Merz hat sich in den letzten Wochen nicht als ein mit allen Wassern gewaschener Taktiker erwiesen. Doch das hätte ihn zu einer solchen Aufgabe auch gar nicht qualifiziert. Dafür bräuchte man einen, dem man glaubt, was er sagt. Davon müsste er uns nun überzeugen. 

Nicht eben wahrscheinlich? 
Aber gerade darum unverzichtbar. 

 

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