aus spektrum.de, 11. 8. 2016 zu Jochen Ebmeiers Realien
Neu an der Studie war vor allem eine Analyse dessen, wie sich diese Bewertung mit einigen Sekunden mehr oder weniger Bedenkzeit entwickelt. Bei Personen mit stärkerer Angstsymptomatik nahm das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ab, je länger sie mit ihrer Bewertung warteten. Demzufolge verstärkte bei diesen Teilnehmenden mehr Zeit zur Selbstreflexion die Abwertung der eigenen Urteilskraft vermutlich eher. Bei den Frauen hingegen war das Selbstvertrauen unmittelbar nach der Entscheidung am niedrigsten ausgeprägt und nahm danach wieder zu. Offenbar konnte etwas längere Bedenkzeit bei ihnen dafür sorgen, dass automatische Denkmuster verändert wurden.
Die Autoren folgern daraus, dass geringes Vertrauen in eine eigene Entscheidung mehrere Gründe haben kann. Bei ausgeprägten Ängsten scheint zusätzliche Grübelei nach dem Entschluss vorhandene Selbstzweifel noch zu verstärken. Für diese Menschen könne es demnach sinnvoll sein, sich auf die erste, direkte Selbsteinschätzung nach einer vollendeten Aufgabe zu verlassen. Das geringere Selbstvertrauen der weiblichen Probanden dagegen deutet wohl mehr auf gewohnheitsmäßiges anfängliches »Tiefstapeln« hin, das sich mit etwas mehr Zeit korrigieren lässt. Frauen könne es folglich helfen, sich bewusst mehr Zeit für die Selbsteinschätzung zu lassen, so die Forscher.
Nota. - Wer von Selbstzweifeln geplagt ist, könnte aus Zutrauen in seine Urteils-kraft Stärke gewinnen. Er müsste nur eingesehen haben, dass Selbstvertrauen - das eine subjektive Gestimmtheit ist - und Urteilskraft, die eine objektivierbare Leistung ist, nicht dasselbe sind; und dass das Trainieren der einen zugleich ein Trainieren des andern ist. Dafür wäre Nachdenken allerdings unerlässlich.
JE
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