Sonntag, 19. April 2026

Das stellvertretende Sterben der Maschinen.

Ein Soldat der ukrainischen Streitkräfte bereitet ein Maschinengewehr auf einem bodengebundenen Kampfdrohnenfahrzeug während eines Trainings in der Region Saporischschja vor. Die Drohne steht auf einem grasbewachsenen Feld, Hintergrund zeigt eine natürliche Landschaft mit Bäumen und bewölktem Himmel. 
aus derStandard.at, 18. April 2026      Maschinengewehr auf einer Bodendrohne                zu öffentliche Angelegenheiten 

Ukraine schreibt Geschichte mit dem ersten rein robotischen Sturmangriff
Erstmals wurde eine feindliche Stellung ausschließlich durch unbemannte Systeme erobert. Kein einziger ukrainischer Soldat war in der Gefahrenzone
 
von Peter Zellinger

Es ist eine der Kernstrategien der Ukraine im Krieg gegen die russischen Angreifer, die eigenen Kräfte nach Möglichkeit zu schonen, denn Mangel an Soldaten herrscht eigentlich chronisch. Deshalb ist es auch kein großes Geheimnis, dass die Ukraine massiv auf Robotersysteme und Drohnen setzt. Erst in dieser Woche wurden 30 neue Drohnentypen vorgestellt. Dabei erwähnte Präsident Wolodymyr Selenskyj auch, dass erstmals in der Geschichte der Kriegsführung eine feindliche Stellung rein durch Maschinen erobert wurde. Nun wurden erstmals Details zu der Operation bekannt.

Der Schauplatz der Operation war ein hart umkämpfter Waldabschnitt in der Oblast Charkiw. Russische Befestigungen in diesem Gebiet hatten zuvor zwei herkömmliche Angriffsversuche benachbarter Infanterie-Einheiten abgewehrt. Das dichte Gelände und die gut ausgebauten Unterstände der Russen machten ein Vorankommen für menschliche Soldaten extrem verlustreich.

Die Führung der 3. Separaten Sturmbrigade entschied sich daher für einen taktischen Kurswechsel und ein Experiment. Die Aufgabe, die Stellungen zu erobern, wurde der Einheit NC13 übertragen, einer spezialisierten Gruppe für Bodenrobotik innerhalb der Drohnen-Kompanie "Deus Ex Machina", wie der Kommandeur der Brigade Mykola Zinkevych, Rufname Makar in einem Interview mit Radio NV die Operation vom Sommer 2025 beschreibt.

Roboter statt "Fleischangriff"

Der Angriff wurde akribisch geplant. Statt Wellen von Soldaten einzusetzen, wie es die Russen in ihren berüchtigten "Fleischangriffen" tun, setzte die Einheit auf eine koordinierte Operation mit Robotern. Die Stellung wurde zuerst mit Drohnen angegriffen, einerseits um sie zu schwächen und andererseits um die Besatzer in Deckung zu zwingen.

Anschließend wurden vier unbemannte Bodenfahrzeuge vom Typ Tarhan losgeschickt. Dabei handelt es sich um eine relativ einfache Lastendrohne. Jedes Fahrzeug war mit 30 Kilogramm Sprengstoff geladen. Der erste Roboter steuerte direkt auf den Eingang des Hauptbunkers zu und detonierte.

Die gewaltige Sprengkraft zerstörte die Befestigung und riegelte den Fluchtweg der russischen Soldaten teilweise ab. Ein zweiter Bodenroboter fuhr unmittelbar danach vor einen verbliebenen Ausgang des zerstörten Unterstandes und blockierte diesen effektiv.

Eine Bodendrohne mit grüner Ladefläche und vier Rädern.
Eine Bodendrohne vom Typ Tarhan.

Die beiden weiteren Roboter kamen nicht mehr zum Einsatz – die psychologische und physische Wirkung der ersten beiden Maschinen reichte aus, um den Widerstand der Besatzer zu brechen.

Kapitulation vor der Maschine

Die überlebenden russischen Soldaten, die im Bunker festsaßen und eine weitere Explosion der vor ihnen postierten Roboter fürchteten, signalisierten ihre Kapitulation auf: Sie schrieben "Wir ergeben uns" auf ein Stück Pappe und hielten es in die Kamera des Bodenroboters und der über ihnen kreisenden Drohnen.

Die unbemannten Systeme übernahmen daraufhin die Rolle der Eskorte. Luftdrohnen geleiteten die Gefangenen zu den ukrainischen Linien. Erst 20 Minuten später rückte die ukrainische Infanterie nach, um die bereits geräumten Befestigungen zu sichern – ohne einen einzigen Schuss abzugeben und ohne eigene Verluste. Während der gesamten Operation befand sich kein einziger ukrainischer Soldat im unmittelbaren Gefahrenbereich.

Technologische Überlegenheit als Lebensversicherung

Präsident Wolodymyr Selenskyj hob in seiner Rede zum Tag der Rüstungsindustrie am 13. April 2026 die strategische Bedeutung dieses Erfolgs hervor. Er gab bekannt, dass allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 Bodenroboter mehr als 22.000 Missionen an der Front absolviert haben.

"Das bedeutet, dass mehr als 22.000 Mal Leben gerettet wurden, weil ein Roboter anstelle eines Kriegers in die gefährlichsten Gebiete vorgedrungen ist", so Selenskyj.

Die Ukraine setzt dabei auf ein breites Arsenal an Systemen wie Ratel, TerMIT, Ardal, Rys, Zmiy, Protector und Volia. Diese Roboter übernehmen nicht nur Kampfaufgaben, sondern auch logistische Tätigkeiten. Ein einziger Zug von Bodenrobotern transportiert pro Woche etwa 10 Tonnen lebenswichtige Güter an die vordersten Positionen. Verwundete werden aus der "Kill Zone" gerettet, in die sich menschliche Sanitäter aufgrund des Drohnenbeschusses nicht mehr wagen können. Besonders gefährliche Pionierarbeiten wie Minenräumung werden zunehmend automatisiert.

"In Wirklichkeit gewinnt weder die Person, welche die Technologie erfindet, noch diejenige, die herausfindet, wie man sie anwendet. Stattdessen gewinnt derjenige, der in der Lage ist, Technologie kontinuierlich zu skalieren und einen langen Atem zu beweisen", so der Kommandant der Sturmbrigade.

Schule für den Roboterkrieg

Die 3. Sturmbrigade hat aus diesen Erfolgen Konsequenzen gezogen und mittlerweile eine eigene Schule für Bodenrobotik eröffnet. Hier werden Zivilisten in fünf Tagen und Soldaten in elf Tagen intensiv an den Systemen geschult. Ziel ist es, die "robotischen Sturmangriffe" zu standardisieren und die Infanterie weitestgehend von den gefährlichsten Aufgaben zu entbinden.

Eine Bodendrohne mit Kettenlaufwerk und einem darauf montierten schweren Maschinengewehr.
Bodendrohnen können mit automatischen Geschützen wie Maschinengewehren oder Granatwerfern das Feuer eröffnen, sobald die Bild-KI Bewegung erkennt.
Künstliche Intelligenz spielt eine große Rolle

Künstliche Intelligenz in Form von Bild- und Mustererkennung spielt dabei laut Zinkevych eine große Rolle: "Wir setzen künstliche Intelligenz in Kampfmodulen und maschinelles Sehen ein, um Patrouillen und die Zielerkennung zu unterstützen. Sobald ein Sektor oder Winkel eingestellt ist, patrouilliert der Geschützturm automatisch. Wenn er ein sich bewegendes Objekt oder eine Wärmesignatur erkennt, beginnt er mit der Verfolgung und alarmiert den Operator: 'Schau mal, da kommt jemand.'"

Mithilfe dieser Technologie sei es möglich, mit einem Granatwerfer zehn bis 15 Ziele gleichzeitig zu verfolgen. Man könne damit die Grenzen eines Waldstückes festlegen. Wenn dort eine Bewegung erfasst wird, bekämpft die Waffe die Ziele selbstständig, erklärt der Kommandant.

„Das ist etwas, wovon ich als ehemaliger Sturmsoldat nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Wir haben Menschen gerettet, den Feind angegriffen und Gefangene gemacht. Die ganze Welt hat es gesehen. Und eines Tages wird es in den Geschichtsbüchern stehen", so Zinkevych. 

 

Nota. - Bis gestern wurden digitale Revolution und künstliche Intelligenz von den einen begrüßt, von den andern gefürchtet, weil sie natürliche Arbeit überflüssig machen. Ab heute machen sie auch natürliches Sterben überflüssig.
JE 

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Blog-Archiv

Lifestyle ist politisch.

  aus welt.de , 19. 4. 2026                                                                                    Der Pullover, Schmuck oder da...