Donnerstag, 23. April 2026

Biopic oder Monographie?

                     zu Geschmackssachen
 
Als ich mein Buch über Michael Jackson geschrieben habe, habe ich - wenig origi-nell - mit dem Eingangskapitel angefangen, denn von dem hängt es ab -  sachlich und stilistisch -, ob die Leute weiterlesen. Aber danach bin ich gleich auf die Große Klippe losgegangen, the Jackson Chase oder den Fall, der keiner wurde; denn eins war mir klar: Wenn ich den nicht auf anständige Weise auf die Reihe bekäme, durfte ich so ein Buch gar nicht schreiben.

Fanchroniken über die Höhepunkte der öffentlichen Karriere - mit vielleicht ein paar Blicken durchs Schlüsselloch in den häuslichen Hintergrund - gab es ja schon in unterschiedlichster Qualität. Noch nicht gab es eine ernstgemeinte Würdigung der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Gesamtkunstwerks Michael Jackson. 

Das war es aber, wozu ich mich aufgerufen fühlte, und da springt als Erstes ins Auge seine Zweideutigkeit - einerseits feinste Stilisierung, und andereseits eine fast vulgäre Sinnlichkeit. 

Und gleich höre ich den Zwischenruf: Und was ist mit dem Künstler, der zeitweilig als Prince bekannt war? Doch bei dem waren die stilistischen Capricen ein Medium, um die Öffentlichkeit mit Vulgarität zu unterwandern. Bei Jackson sind Schönheit und Kunst ein Mittel, um den Geist der Unbefangensten zu sublimieren und in spöttische Distanz über den Alltag zu erheben. Weil er eine kindliche Kunst machte, wurde es eine Kunst für Kinder, und nicht umgekehrt.

Und hier sind wir am kitzlichen Punkt. Das sieht doch jeder, der Augen im Kopf hat - wenn ers schon mit den Ohren nicht hört -, dass das Kindliche das Faszino-sum an diesem Künster war. Dass es so lange gedauert hat, bis es Schleimern und Schleichern gelang, ihm daraus einen Strick zu drehen, ist das eigentlich Erstaun-liche an diesem Skandal; und nicht, dass er bis heute in den Gazetten blieb. 

Michael  ist kein Film für die Fans - die sind Beßres gewöhnt. Sondern ein Streifen, um Millionen neue Fans zu schaffen und um den Tresor des Jackson Family Esta-te weiter zu füllen. Wem daran gelegen ist, ein Kunstwerk allererster Güte am Le-ben zu halten, kann das nur begrüßen. Früher oder später werden sie ja doch alle in meinem Buch lesen.

 

 

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