Montag, 21. September 2026

Haben wir denn einen andern?


aus tagesschau.de, 21. 9. 2026                                                                                 zu öffentliche Angelegenheiten

... "Oder habt Ihr jemand anderen?" Die Frage hat er nicht gestellt. Aber so konnte man Merz verstehen. Er weiß, dass er bei weiten Teilen der Deutschen so unbeliebt ist wie kein Kanzler vor ihm. Dass seine Partei an zwei Wahlwochenenden drei deftige bis desaströse Niederlagen eingesteckt hat. Dass seine Bundesregierung zurzeit mehr trennt als eint. Und dass alle seine Ankündigungen bisher nicht Reali-tät geworden sind - übrigens egal ob innenpolitisch oder in der Außenpolitik, was ja das große Steckenpferd dieses Kanzlers sein soll.  

Die Chance ergreifen  

Kann es trotzdem noch was werden mit dieser Regierung? Aus Merz‘ Sicht: Ja! Allerdings unter einer Bedingung: Er muss die Chance nutzen, die er eigentlich nicht mehr hat. Befreit aufspielen. Oder - anderer Sport, gleiches Prinzip: Die Zügel in die Hand nehmen. Dem Pferd die Sporen geben und nicht Richtung Sonnenun-tergang reiten, sondern Richtung Zielgerade. 

Reformen umsetzen, Regierung verändern, wenn es nicht vorwärts geht und Reden - auf ein Minimum beschränken. Denn von diesem Kanzler wollen viele gerade nicht mehr viel hören. Ist das gut für die politische Stimmung eines Landes, in dem immer mehr Menschen am Rand oder über Ränder hinaus wählen, weil sie keinen anderen Ausweg sehen? 

Wahrscheinlich nicht. Eine Neuwahl oder merkwürdige Gedankenspiele über Min-derheitenregierungen sind es jetzt noch weniger. Merz hat klar gesagt, dass er wei-termachen will. Ob seine Partei das auch will? Das müssen ihre Spitzen nun schnell sagen. Und schnell meint nicht schnell im Sinne der bisherigen Regierungsent-scheidungen. Sondern schnell meint heute, morgen, diese Woche. Denn das Schlimmste wäre ein monatelanges Hin und Her.  

Klarheit, wer dieses Land führt: Wenn das aus diesem Wahlabend entsteht, dann wäre das doch mal ein Achtungs-Erfolg.

 

Nota. - Und wäre mehr als das. Wenn er nämlich wie ein Wirbelwind durch die Parteienlandschaft fegte und um sich sammelte, wer die klein-kleine Posten-schieberei leid ist und eine radikale Mitte will - wenn schon nicht heut, dann spätestens morgen.
JE 

 

 

 

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