zu Männlich
...titelt die Süddeutsche von heute.
Die Front bröckelt.
zu öffentliche AngelegenheitenDer
Reichtum Europas und das, was die Welt von uns bekommen kann, ist die
Man-nigfaltigkeit von zwei dutzend Kulturen, die auf kleinstem Raum nicht
nebeneinan-der, sondern schon immer miteinander bestehen, jahrhundertelang im Krieg, seit siebzig Jahren eher im Frieden. Sie werden durch
ihre Unterschiede mehr aneinan-der gebunden als getrennt, denn jeder
Unterschied zwischen zweien wird, wenn man auf ihn reflektiert und von
den andern absieht, ein Gegensatz, und diese Ge-gensätze teilen wir miteinander.
In Europa wurde die Vernunft geboren. Nicht aus unserer Weisheit, eher
aus der Torheit, aber eben den widerstreitenden Torheiten von so
vielen. Vor fünfhundert Jahren - wir haben eben das Jubiläum gefeiert -
zerriss das einigende Band, das die Römische Kirche um die
gegensätzlichen Kulturen gelegt hatte, und die Glaubens-spaltung trieb
Europa in einen kontinentalen Bürgerkrieg, den Dreißigjährigen. Ge-führt
wurde er von vielen Mächten, aber auf deutschem Boden. Was nachgeborene
Historiker den deutschen Sonderweg nannten, hatte dort seinen Anfang.
Doch auch die Vernunft. Sollten die politischen Mächte wieder zu einem
friedlichen Verkehr miteinander finden, bedurfte es einer mit
unstrittiger Autorität ausgestatte-ten Instanz über den Glaubensbekenntnissen, deren Urteile einem jeden Individu-um von gesundem Verstand einleuchten müssten.
*
Unmittelbar beteiligt am Dreißigjährigen Krieg war nicht nur der Reiteroffizier René des Cartes, sondern, als Diplomat in französischem Dienst, der Rechtsge-lehrte Hugo Grotius. Es gilt als der Vater des Völkerrechts und als Begründer der Unterscheidung zwischen positiven Rechten und 'dem Naturrecht'.
Seinen histo-rischen Triumph hat er nicht mehr erlebt, der Westfälische
Frieden (1648) wurde erst drei Jahre nach seinem Tod geschlossen. Etsi deus non daretur - 'selbst wenn es Gott nicht gäbe' - sollte Recht
sein, denn solange theologische Erwägungen im wirklichen Leben eine
Rolle spielten, gab es statt Recht und Frieden nur Mord und Totschlag.
Es
hat seine Zeit gebraucht, doch schlicßlich ging aus der Vorstellung von
einem Recht, das 'allein schon aus unserer Natur' folgt, unausweichlich
die Idee der allge-meinen unveräußerlichen Menschenrechte hervor.
Hätte sie auch anderswo aufkommen können als in Europa? Sie ist es nicht. Aber hier ist sie mit Notwendigkeit
aufgekommen. Mit Notwendigkeit, weil sie gerade nicht
selbstverständlich war und - selbst in Europa - noch heute nicht
geworden ist: Nur hier ist sie nicht beiläufig, nicht "umständehalber",
nicht 'durch Nichtwissen', sondern ausdrücklich und grundsätzlich bestritten
worden; nicht ideell, sondern praktisch in Fleisch und Blut und Rauch
und Asche. Das war in Europa, und wer sollte davon zeugen, wenn nicht
wir Deutschen in Europa?
Mit
andern Worten, die Zukunft Deutschlands liegt in Europa nicht, weil es
uns so am besten passt; sondern weil die Zukunft der Welt im
entscheidenden Punkt an Europa hängt, und weil es unsere wenn schon sonst niemand anderes Pflicht ist, darüber zu wachen.
Bin ich stolz, ein Deutscher zu sein?
Man müsse sich Sysiphus glücklich vorstellen, hat mal einer geschrieben.
aus "Vereinigte Staaten von Europa"; 11. 12, 17
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
zu öffentliche AngelegenheitenPolitische Moral gibt es nicht. Moral sagt, was ich mir schulde, politisch heißt eo ipso öffentlich: Was ich der Öffentlickeit schulde, ist entweder Sache des Rechts - oder eben politisch, nämlich richtig oder falsch. Richtig oder falsch ist etwas nicht an und für sich, sondern in Hinblick auf die Maßstäbe, die man anlegt. Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Welcher Gesichtspunkt wiegt schwerer, dieser oder jener? Das ist nicht an und für sich zu entscheiden, sondern immer wieder nur - in Hinblick auf die Maßstäbe. Welche Maßstäbe einer in der Politik anlegt, ist - eine politische Frage. Man kommt nicht umhin, einen obersten Maßstab anzulegen, denn wenn es den nicht gibt, dann gibt es - keine Maßtstäbe.
In persönlichen Angelegenheite darf, oder richtiger, muss wohl ein jeder seiner Maßstäbe selbst bestimmen; wer das nicht tut, kann nicht vorgeben, ein morali-scher Mensch zu sein. Wer der öffentlichrn Meinung frönt oder allgemeingültigen Werten, mag ein braver Kerl sein, aber ein verantwortliches Subjekt ist er nicht.
Politik ist aber, wie im Wort selbst anklingt, eine Sache von Staaten. In Staaten, wo die Öffentlichkeit einen Einfluss, nämlich eine Verantwortung für die Politik hat, und zumal in Demokratien, wo sie letzten Endens selber zu entscheiden hat, wird um die Über- und Unterodnung der Maßstäbe gestritten, und eben das heißt poli-tisch in specie.
Entscheidungen dieser Art binden offenbar nur diejeingen, die sie getroffen haben. Staatliche Verfassung bindet auch die folgenden Generationen, weil nämlich die an-deren Länder nicht wüssten, wie sie ihre eigenen Maßstäbe jeweils bestimmen dür-fen. Logisch nicht, aber historisch hat das Aufkommen demokratischer Gemeinwe-sen die Ausbildung der Völkerrechts vorausgesetzt, nicht umgekehrt!
Die Anerkennung des Völkerrechts ist ein pragmatisches Gebot, wenn man an Stelle endloser Kriege auch längere Perioden von Frieden ermöglichen will; so nämlich ist das Völkerrecht entstanden, und übrigens auch die herrschende Mei-nung, dass überall Vernunft zu gelten habe. Auch ein in jeder Hinsicht unvernünf-tiges und unverfasstes Gemeinwesen kann sich zweckmäßig ans Völkerrecht halten; aber die andern Staaten wären gegen sich und die Welt verantwortungslos, wenn sie sich darauf verließen. Tatsächlich stehen Völkerrecht und Vernunft in einem Wech-selverhältnis - ausgesprocchen in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.
*
Noch vor kurzen herrschte weltweit die Ansicht, von nun an gälte das Völkerrecht, weil in der Welt die demokratisch verfassten Staaten ein ausschlaggebendes Über-gewicht hätten. Daran sind inzwischen Zweifel aufgekommen; Trump, Putin, Li und demnächst wohl Modi. Die Hierarchie der politischen Maßstäbe wird wieder deutlich: Um das Völkerrecht zu bewahren, sind überall demokratische Verfassun-gen zu stützen und, wo sie nicht gelten, einzuführen. Dies war der Sinn der Allge-meinen Erklärung der Menschenrechte.
Das ist Politik.
Ein jeder kann, und in demokratischen Gemeinwesen sollte er, eine moralische Meinung haben, der Bestand des Rechtsstaats und der bürgerlichen Freiheiten beruht letzten Endes darauf. Das ist das Verhältnis von Politik und Moral.
*
"Haben Sie nie gehört vom Unterschied zwischen Gesinnungsethik und Verant-wortungsethik?"
Doch, hab ich. Einen solchen Unterschied "gibt es" nicht. In die Welt gesetzt hat ihn Max Weber in seinem Vortrag Politik als Beruf, den er 1919 kurz vor seinem Tod gehalten hat. Er redet nicht für dich und mich, sondern für solche, die beab-sichtigen, Politik zu ihrer Lebensaufgabe zu machen und Mandate anzustreben. Die allerdings müssen ihn machen, jeden Tag und bei jeder politischen Entscheidung. Und jeder von ihnen für sich selber, wie jede andere ethische Wahl auch. Sie einem vorgegebenen Codex zu überlassen, wäre so unethisch wie unpolitisch.
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
Platos vollkommene Körper zu Philosophierungen
Mathematik kann vom Raum nur handeln, weil sie nicht in ihm ist. Sobald sie es ist - nämlich als allgemeiner Modus realen Handelns -, tritt sie zugleich in die Zeit. Um-gekehrt ist Handeln eo ipso in der Zeit, weil es nicht anders als im Raum möglich ist. (Wirkliches Denken kann auch nur im Raum 'Statt' finden; nichts ist wirklich, als was in Raum und Zeit geschieht und daher anschaubar ist.)
Entstanden ist Mathematik aus der Anschauung von Raumverhältnissen. Die Zah-len traten dazu, um die analog anschaulichen Verhältnisse digital messbar zu ma-chen.
Mathematik
ist Konstruktionslehre. Sie beschreibt in ihrem Zeichensystem, zu
welchen Konstrukten ich gelange, wenn ich im Reich der Zahlen
(=idea-liter: in der Zeit; "wie oft?") diese und im (idealen) Raum ("wo
lang?") jene Operation anstelle.
Warum lässt sich die Mathematik "auf die Welt der Dinge anwenden"?
Weil ich mir die Welt der Dinge so vorstellen kann, als ob ich sie
selber konstruiert hätte; dann beschreibt die Mathematik in ihrem
Zeichensystem, wie ich hätte verfahren müssen, um sie so zu konstruieren.

aus spektrum.de, 1. 6. 2024 zu Philosophierungen
Immanuel Kants Geburtstag jährt sich 2024 zum 300. Mal, darauf habe ich bereits zum Jahreswechsel in dieser Kolumne hingewiesen. Entsprechend war der bekannte Philosoph um den 22. April herum Thema in zahlreichen Medien. Etliche Journalisten beschäftigten sich mit der Frage, wie modern seine Ansichten sind und was man heute noch von ihm lernen kann. Doch warum ist Kant eigentlich so ein wahnsinnig großer philosophischer Name?
Im Prinzip gibt es drei Hauptgründe für Kants Ruhm: erstens die Breite seines Beitrags zur Philosophiegeschichte; zweitens die Tiefe der Wirkung, die er damit erzielte; und drittens ihre fortwährende Dauer.
Kants Werk hat eine bemerkenswerte Breite. Er hat bedeutende Schriften in einer ganzen Reihe philosophischer Disziplinen verfasst, um nicht zu sagen in praktisch allen, die zu seiner Zeit existierten. Die »Kritik der reinen Vernunft« aus dem Jahr 1781 behandelt Themen der Metaphysik und der Erkenntnistheorie. Verschiedene andere Werke, darunter die »Kritik der praktischen Vernunft« (1788), beschäftigen sich vor allem mit Fragen der Ethik, während es in der »Kritik der Urteilskraft« (1790) unter anderem um Ästhetik geht. In seinen Hauptwerken, aber auch verschiedenen kleineren Schriften, zum Beispiel dem berühmten Aufsatz »Zum ewigen Frieden« von 1795, finden sich zudem Überlegungen zur politischen Philosophie, zur Geschichts-, Rechts- und Religionsphilosophie.
Kant wirkte in die Tiefe. Schon zu seinen Lebzeiten wurde seine Philosophie intensiv und kontrovers diskutiert. In allen oder nahezu allen der oben genannten philosophischen Feldern ist er nicht einfach nur jemand, der signifikante Beiträge geleistet hat, sondern gilt als revolutionärer Denker. Diesen revolutionären Charakter vertrat er durchaus selbstbewusst, wenn er etwa seinen Neuentwurf der theoretischen Philosophie mit dem Übergang vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild und sich damit selbst mit Kopernikus verglich. Kant zufolge können wir daraus, wie uns die Welt erscheint, keine unmittelbaren Rückschlüsse darauf ziehen, wie die »Dinge an sich« sind, sondern lediglich auf bestimmte Rahmenbedingungen, in denen unser Wahrnehmen und Denken stattfindet. Ebenso bahnbrechend war seine bis heute kontrovers diskutierte Ethik, in deren Zentrum der Grundsatz steht, dass Handlungen nicht nach ihren Folgen, sondern nach ihrer Motivation beurteilt werden müssen. Der Maßstab für diese Beurteilung ist für Kant der kategorische Imperativ, ein Testverfahren, das beansprucht, Handlungen lediglich danach zu beurteilen, ob die dahinterstehende Begründung sich widerspruchsfrei verallgemeinern lässt.
Und schließlich hat Kants Werk nicht nur einen großen, sondern auch einen äußerst anhaltenden Einfluss entfaltet. Der durch ihn angestoßene Umbruch in der Philosophie gilt als Kernkomponente des geistesgeschichtlichen Umschwungs im 18. Jahrhundert, den man Aufklärung nennt – und zu dem er mit seinem Aufsatz »Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?« 1784 geradezu das Programm geschrieben hat. Im 19. und auch noch im 20. Jahrhundert arbeiten sich weite Teile der Philosophie in der europäischen Tradition an Kant ab, im Zweifelsfall auch durch engagierte Ablehnung. Und obwohl in Deutschland traditionell kaum Philosophie an Schulen unterrichtet wird, gehören einige Passagen aus Kants Werken zu den wenigen philosophischen Klassikertexten, die heute als gängiger Schulstoff gelten können.
Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Aufklärung durchaus eine düstere Seite hatte, an der Kant beteiligt war. Aktuell wird darüber intensiver diskutiert als bei vorangegangenen Kantjubiläen, und das ist sehr gut so. Dennoch ist es sicher nicht falsch, das Kantjahr 2024 ein wenig zu feiern: als das Jubiläum eines Mannes, der selbst nicht vollkommen war, aber dennoch wie kaum ein anderer wirkmächtig darüber geschrieben hat, wie die Menschen sich aus eigener Kraft zum Besseren hin entwickeln können.
Nota I. - Matthias Warkus' Text spottet seiner selbst. Die Philosophen wollten weniger gelobt und mehr gelesen sein, möchte man sagen! 'Was macht Kant so berühmt?' Und dann zählt er auf... Aber das Wichtigste, das Weltstürzende und Kopernika-nische daran - erwähnt er nicht einmal dem Namen nach. Ich hab es, bevor ich es gepostet habe, mehrmals durchgelesen: Da fehlt sowohl das Wort kritisch als auch transzendental. Warkus wird sagen: Das lässt sich mit ein paar Zeilen ja auch nicht abmachen, das ist viel zu komplex. Und Recht hat er. Und darum hat er so wie alle andern von Kants Berühmtheit das A und O fortgelassen; und hat weggelassen, dass bei aller Berühmtheit seine Wirkung, ich meine: die, die er beabsicht haben wird, schon in der folgenden Generation vom Winde verweht oder von der Fama spekulativer Marktschreier übertönt worden ist.
Dafür hat er allerdings selber den Boden bereitet. Noch in den Einleitungen zur Kritik der reinen Vernunft lässt er keine Zweifel daran, dass er in der Sache erst hat Eingangskapitel bewältigt hatte und das kritische Unternehmen fortgeführt werden müsste. Allerdings hat er auch schon eingeräumt, aber auch einräumte, er wolle "das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen": Respektvoll blieb er beim Apriori stehen und überließ der Vorsehung neidlos das Feld.
Jugendliche Brauseköpfe unter seine ersten Adepten taten einen Coup de Chapeau vor der lutherischen Bigotten ab, aber als die Radikalen um Niethammers Philoso-phisches Journal dann wirklich begannen, "über Kant hinaus" zu gehen, war er gar nicht angetan; und hat sich durch seinen gehässigen Angriff auf Fichte während des Atheismusstreits öffentlich auf die Seite der Orthodoxen Kantianer gestellt, die sein kritisches Arsenal zu einer Sammlung positiver Lehrsätze trivialisiert hatten.
Ein gegenwärtiges Echo finden Sie oben in Warkus' Bemerkung über die Klassiker-texte, die heute gängiger Schulstoff wären. Genau das ist Kant nie geworden und konnte es gar nicht, denn sein Werk ist kein "Stoff", sondern ein Verfahren, das wohl der Welt einen neuen Stoff zum Denken beschert hat, den man aber durch Selberdenken nachschaffen muss, um ihn für sich behalten zu können. In einer Schule gelehrt werden kann er definitiv nicht.
So hätte das kritische, transzendentalen Denken nur aktuell bleiben können, wenn es fortgesetzt worden wäre. Aber Fichte, der einen Großteil der Arbeit schon ge-schafft hatte, hat ihn schließlich selber preisgegeben und war - nein, nicht vor den Orthdoxen, sondern von dem Glaubensphilosophen Johann Heinrich Jacobi ein-geknickt: So hatte Kant schließlich doch noch "für den Glauben Platz" geschaffen.
Weiter ging es mit den einander überbietenden phantastischen Konstruktionen von Schelling und seinem Plagiator Hegel, die rasant das anfängliche romantische Feuer-werk erst in still delirierende Schwärmerei und am und schließlich, nach dem Zerfall des Hegelschen Systems, mit dem anfänglichen Fichte-Schüler Schopenhauer in mürrischen Katzenjammer überging.
Das war aber schon außerhalb der Philosophie, die sich inzwischen selbst an den Universitäten unter ihren Kathedern verstecken musste. Auf dem Marktplatz gab der Materialismus von Büchner, Schott und Moleschott den Ton an. Und als sich die Philosophie dann doch wieder ans Tageslicht wagte, war es der Gymnasiallehrer Friedrich Albert Lange, der 1866 mit seiner Geschichte des Materialismus den Neu-kantianismus ins Leben rief.
Die Neukantianer durchdrangen bis über den Ersten Weltkieg hinaus das gesamte deutsche Geistesleben und drangen im Austromarxismus weit über das akademi-sche Milieu hinaus bis tief in die revolutionäre Arbeiterbewegung.
War Kant da endlich wieder zurück? Halb und halb. Dass jeder Redner ehrfürchtig erstirbt, sobald sein Name fällt, hat sich bis heute kaum geändert. Auch nicht geändert hat sich die Tasache, dass mit der Kantforschung Kritische oder Transzendentalphilosophie mehr ein Sache der Philologie als der Philosophie geworden ist. Erkenntnistheorie wurde in der nördlichen oder 'Marburger' Schule hauptsächlich als Textexegese betrieben, während die süddeutsche oder 'Heidelberger' Richtung zwar stoffliches Neuland erschloss, aber hauptsächlich, indem sie die Kantschen Ergebnisse auf empirische Forschungen bezog, nicht aber, indem sie die Transzendentalphilosophie weiter auf ihr Ende hin fortführte.
Die Weiterarbeit der Kritischen Philosophie von dem Punkt aus, wo Fichte sie verlassen hat, wäre zwar ein Möglichkeit, das unfruchtbare Nebeneinander von 'Systematikern' und 'Kontinentalen' zu überwinden. Aber populär will sie nicht werden, so wund ich mir auch die Finger tippe.
Nota II. - Ich bedanke mich bei dem aufmerksamen follower meines Blogs, der mich auf meinen statistics immer wieder an die posts erinnert, die ich zum jewei-liegen content bereits eingestellt habe. Oftmals müsste ich sonst selber suchen.
JE
aus derStandard.at, 22. 10. 2026 Diskussionsveranstaltungen zogen 1956 in Ungarn viele Neugierige an. Hier musste in Budapest ...