Sonntag, 21. Dezember 2025

Wir brauchen einen Kanzler, der Europa...

     zu öffentliche Angelegenheiten

...an die erste Stelle setzt, weil Deutschland nur in Europa gedeiht.  

 

 

Mit Wörtern gurgeln: Vom Deutschen Idealismus nichts Neues.

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aus FAZ.NET, 19. 12. 2025                                                                                         zu Geschmackssachen

Deutscher Idealismus:
Die Wissenschaft dient der Wahrheit – nicht der Vielfalt
Wissenschaftler neigen dazu, ihren Gegenstand in einer Unzahl von Perspektiven zu verlieren. Gegen diese „Selbstzerstörung des Denkens“ kämpft der Philosoph Peter Bulthaup an.


Von Magnus Klaue

Seine im Wintersemester 1980/81 an der Universität Hannover gehaltene Vorlesung über den Wissenschaftsbegriff des Deutschen Idealismus, die als Einführung in die Philosophie konzipiert war, begann Peter Bulthaup mit Bemerkungen über das Verhältnis des Denkens zu seinem Gegenstand: „Das erste, womit ... ein Student der Geisteswissenschaften konfrontiert wird, ist die Einsicht, dass es zu jedem Gegenstand, den zu erkennen ihn vielleicht reizen könnte, mindestens ein halbes Dutzend ‚Ansätze‘ gibt, die sorgfältig unterschieden werden, auch wenn sie auf die Erkenntnis derselben Sache gerichtet sind.“

Im Grunde, so Bulthaup, müssten die „Ansätze“, sofern sie Facetten desselben Objekts entfalten, auch wenn sie einander widersprechen, in der Erkenntnis ihres Gegenstands zusammenstimmen. Tatsächlich aber zeige die „zu erkennende Sache“ den Erkennenden „so viele voneinander unabhängige Seiten, wie sich ‚Ansätze‘ zu ihr erfinden lassen“.

Peter Bulthaup: „Der Wissenschaftsbegriff des Deutschen Idealismus“.
Peter Bulthaup: „Der Wissenschaftsbegriff des Deutschen Idealismus“.zu Klampen

Solche leere Vielfalt kennt keinen am Objekt ausgetragenen Dissens: „Statt in der Erkenntnis der Sache zu konvergieren, spannen die ‚Ansätze‘ ‚Ebenen‘ auf, auf denen die Sache auf jeder ‚Ebene‘ ganz anders erscheint. Die Verschiedenheit der ‚Ebenen‘ garantiert, dass die verschiedenen Ansichten der Sache nicht untereinander in Konflikt geraten, und das heißt dann Pluralismus.“ Weil er in diesem Schwund des Objektbezugs eine Selbstzerstörung des Denkens erblickt, interessiert sich Bulthaup für den Deutschen Idealismus als historisch letzten Versuch der Selbstverpflichtung des Denkens auf die Erkenntnis unteilbarer Wahrheit. Bulthaups Stärke besteht darin, dass er historisch gewordene philosophische Begriffe vor allem Hegels aus ihrer Höhenluft zurückführt in die Wirklichkeit, in der sie geprägt wurden.

Das betrifft zuvorderst die Beziehung, die der Deutsche Idealismus in seinen erkenntnistheoretischen Reflexionen zu den Naturwissenschaften unterhielt. So veranschaulicht Peter Bulthaup Georg Wilhelm Friedrich Hegels Gedanken, dass der „Anfang“ seine „Wirklichkeit“ in dem habe, „was er nicht selbst ist, dessen Anfang er aber ist“, an Einsichten über die stoffliche Beschaffenheit des Wassers in der ionischen Naturphilosophie, die Grundlage neuzeitlicher Naturwissenschaft wurden: „Das Eis entsteht durch Verdichtung aus Wasser, und das Gasförmige, nämlich der Wasserdampf, entsteht durch Verdunstung des Wassers. Doch nicht nur das Eis und der Wasserdampf entstehen nach Thales unmittelbar aus dem Wasser, sondern alles Feste und Gasförmige … hatte das Wasser als Grundstoff … alle verschiedenen Aggregatzustände, die in der Erfahrung angetroffen werden können, … waren damit auf denselben Grundstoff zurückgeführt.“

Desgleichen erläutert er die Klassifikation der Tierarten in Rekurs auf Hegels Erwägungen über die Relation zwischen Identität und Differenz: „‚Alle Tiere‘ sind kein Gegenstand möglicher Untersuchung, denn … die Zoologie beginnt erst dort, wo ‚alle Tiere‘ unterschieden werden nach Gattungen und Arten. Für die Wissenschaft sind nun die unterschiedenen Tierarten jeweils einzelne Gegenstände“, aber, so Hegel, „sie sind es nur durch die Unterscheidung; und da die Unterscheidung in das urteilende Subjekt fällt, sind sie als unterschiedene Arten im Subjekt zusammengefasst“.

In solchen Mi­kro­stu­dien führt Bulthaup weiter, was er in seiner im Jahr 1973 veröffentlichten Arbeit „Zur gesellschaftlichen Funktion der Naturwissenschaften“ begonnen hatte. Er räumt mit dem positivistischen Mythos der Empirieferne der von Hegel sich bis in die Kritische Theorie fortschreibenden dialektischen Kritik auf, indem er deren verkapselten Erfahrungsreichtum entfaltet. Dabei ist seine Darstellung bei aller Dichte so gegenstandsnah und zugänglich geschrieben, dass sie auch Laieninteressierten zu empfehlen ist, für die sie dem Anspruch nach konzipiert wurde.

Peter Bulthaup: „Der Wissenschaftsbegriff des Deutschen Idealismus“. Vierzehn Vorlesungen zur Einführung in die Philosophie. Zu Klampen Verlag, Springe 2025. 192 S., br., 24,– €.
 
 
Nota. - Die Geisteswissenschaften liegen im Argen - ist das so? 
 
Warum es so ist, wäre ein Thema für sich. Aber dass es so ist, erkennen Sie an die-sem Beitrag. Vielleicht schon am rezensierten Buch, aber gewiss an der abgedruck-ten Rezension. Sie liest sich, als wäre sie ein halbes Jahrhundert alt, als die Achtund-sechziger gerade ihre ersten Bücher gelesen hatten. 
 
Es gibt Leser, die mögens lieber sachlich - so altbacken es wäre.
Na schön, seis drum:  
 
Philosophie, heißt es, sei der "Versuch der Selbstverpflichtung des Denkens auf die Erkenntnis unteil-barer Wahrheit". Wo hat er das her? Von den Eleaten. Doch fast gleichzeitig mit denen hat Heraklit es energisch bestritten - "Alles fließt"! Natürlich darf ein Autor sich für eins von beiden entscheiden. Aber er sollte angeben können, warum. Stattdessen wird es hier am Anfang postuliert. Entweder ist der Autor von seiner Autorität in dieser Sache über die Maßen überzeugt - dann sollte er zuerst die Leser auch davon überzeugen. Oder er weiß nicht, wovon er redet. Davon muss sich kein Leser selbst überzeugen.
 
Ein Beispiel:  Anfängt er mit der "Einsicht, dass es zu jedem Gegenstand mindestens ein halbes Dut-zend ‚Ansätze‘ gibt, die sorgfältig unterschieden werden, auch wenn sie auf die Erkenntnis der-selben Sache gerichtet sind." Ist der Gegenstand eine einzige Sache - oder scheint es nur so? Ansätze gibt es ja viele! Vielleicht ist er doch zusammengesetzt aus Mannigfaltigem? Wieder entscheidet er sich vorab für die eine Seite, die ihm besser passt. 
 
Und er lässt offen, ob er wirklich eine Sache meint, oder vielleicht alle Sachen - die er rückblickend-vorab als eine erkennt?  Ich denke mal, der Rezensent erachtet die Frage für so überflüssig, wie ich seinen Beitrag (und vielleicht dessen 'Gegenstand'?).
 
Und was die Redaktion angeht, so steckt wohl nicht immer ein kluger Kopf dahinter. 
JE

Samstag, 20. Dezember 2025

Mathematik und Ästhetik: Begann so das mathematische Denken?

Bemalte Tonscherbe mit Blütenmotiven in bräunlicher Farbe. 
aus derStandard.at, 16. Dezember 2025       Keramik der Halaf-Kultur aus der Sammlung des British Museum in London.                                                                                                                           zu Geschmackssachenzu Jochen Ebmeiers Realien
Halaf-Kultur
Archäologen wollen älteste Evidenz für mathematisches Denken entdeckt haben
Die weltweit frühesten botanischen Darstellungen auf 8000 Jahre alten Keramiken enthalten laut einer neuen Studie auch Mathematik

von Klaus Taschwer

Als der Beginn der Mathematik gelten praktische Zähl- und Maßaufgaben, die vor rund 5000 Jahren im Alten Babylonien gelöst wurden. Hierfür wurden Tontafeln benutzt, die sich im Übrigen viel länger hielten als die Papyrusrollen der Alten Ägypter. Die waren dann die zweite Hochkultur, die sich mit alltagspraktischen Berechnungen herumschlug.

Erst mit den großen griechischen Mathematikern wie Thales oder Pythagoras wurde die Mathematik mittels Beweisen und Lehrsätzen zur abstrakten Wissenschaft. Durch Euklids Buch Elemente aus dem dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung erhielt dieses Denken eine axiomatische Fassung. In der Neuzeit kam es durch Descartes, Newton und Leibniz sowie durch Algebra und Analysis zu weiteren Abstraktionen des mathematischen Denkens.

Vorverlegung der Anfänge

Nun wollen zwei israelische Archäologen die Vor- und Frühgeschichte des mathematischen Denkens und der archäologischen Evidenz neu schreiben und gleich um ein paar Jahrtausende vorverlegen. Yosef Garfinkel und Sarah Krulwich (beide von der Hebräischen Universität Jerusalem) behaupten, dass rund 8000 Jahre alte botanische Kunstwerke auf bemalter Keramik aus der Halaf-Kultur Nordmesopotamiens mathematische Konzepte enthalten.

Wie Garfinkel und Krulwich im Journal of World Prehistory vermuten, hatten diese floralen Motive mehr als nur ästhetische Bedeutung. Sie würden ein bemerkenswert ausgefeiltes Verständnis von Zahlen, Raum und Ordnung zeigen.

Für ihre Studie analysierten die beiden die fein gearbeiteten Keramikgefäße, die von den Angehörigen der Halaf-Kultur hergestellt wurden, die zwischen etwa 5700 und 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung als Kleinbauern im heutigen Irak, Syrien und der Türkei lebten. Während die prähistorische Kunst von Darstellungen von Menschen und Tieren dominiert wurde, zeigen halafische Töpferwaren eine deutliche Vorliebe für die Darstellung der Pflanzenwelt.

Sechs keramische Gefäße mit den rekonstruierten Mustern, die mathematisch inspiriert sein dürften.
Florale Muster mit mathematischem Hintergrund: Diese Tongefäße zeigen kleine Blumen mit vier Blütenblättern in schwarzen Quadraten eines Schachbrettmuster

Auf Schalen und Krügen sind häufig Blumen, Sträucher, Zweige oder Bäume zu finden und werden mit einem ausgeprägten Sinn für Ausgewogenheit dargestellt. Garfinkel und Krulwich analysierten hunderte dieser botanischen Motive auf der Keramik aus 29 archäologischen Stätten der Halaf-Kultur. Während einige dieser Darstellungen eine starke Ähnlichkeit mit realen Pflanzen aufweisen, sind andere Motive sehr stilisiert.

Alle freilich zeigen eine bewusste Komposition und Symmetrie. Dies deutet laut den Forschenden darauf hin, dass diese Motive wahrscheinlich Teil einer gemeinsamen Bildsprache waren und nicht nur der Dekoration dienten. Einer der spannendsten Aspekte der neuen Untersuchungen ist der Nachweis der wiederholten Verwendung numerischer Muster in Blumenmotiven.

Stilisierte Blumenmuster mit 4, 8, 16 und 32 Blütenblättern.
Abstrakte botanische und zugleich mathematische Motive auf 8000 Jahre alter Keramik zeigen die Kunst der Verdopplung: Aus vier wird acht wird 16 wird 32

Viele Gefäße zeigen Blumen mit Blütenblättern, die in geometrischen Reihen angeordnet sind, in Gruppen von 4, 8, 16, 32 und in einigen Fällen sogar 64 Elementen. Solche klar abgegrenzten Reihenfolgen deuten auf die Fähigkeit hin, Räume gleichmäßig aufzuteilen, sowie auf ein Verständnis von Verdopplung und proportionaler Ordnung. Dies, so die Autoren der Studie, weist auf eine Form der Arithmetik hin, die älter ist als die Entwicklung der Schrift oder der formalen Mathematik in Mesopotamien.

All diese Fähigkeiten lassen sich wahrscheinlich auf den frühbäuerlichen Alltag zurückführen. Das Leben in landwirtschaftlichen Gemeinschaften erforderte die Aufteilung von Land, die Aufteilung der Ernte und die Organisation gemeinschaftlicher Arbeit. Es sei laut Garfinkel und Krulwich wahrscheinlich, dass dieselben kognitiven Fähigkeiten, die für diese Aufgaben eingesetzt wurden, auch bei der Keramikdekoration zu beobachten sind, wo Symmetrie und Wiederholung erforscht und verfeinert werden konnten.

Ästhetik und Abstraktion

Interessanterweise handelt es sich bei den pflanzlichen Motiven nicht um Dinge wie Weizen oder Gerste, die konsumiert werden konnten. Stattdessen gehören dazu Blumen und Bäume, die eher wegen ihrer Schönheit als wegen ihrer Nützlichkeit geschätzt worden sein dürften, wie Garfinkel und Krulwich vermuten. Und in dieser besonderen Ästhetik sei überraschend viel Mathematik enthalten, wie die beiden resümieren.

Mathematisches Denken scheint also nicht plötzlich mit den ersten schriftlichen Aufzeichnungen in der späteren sumerischen Gesellschaft aufgetaucht zu sein, sondern dürfte sich bereits Jahrtausende früher durch visuelle Praktiken im Zusammenhang mit dem täglichen Leben entwickelt haben. 

Freitag, 19. Dezember 2025

Er hat das Richtige gewollt.

           zu öffentliche Angelegenheiten

Das ist, was für uns Deutsche den Ausschlag gibt.

Europa hat, wie üblich, den faulem Kompromiss gewählt. Faktisch, nämlich peku-niär, macht es für die Unkraine vorläufig keinen Unterschied; sie kriegen, was sie brauchen.

Doch symbolisch ist es von Gewicht. Sie haben Trumputin ihre Kehrseite gezeigt - aber mit dem Untertitel: Tritt feste zu!

Beigabe.

Ich habe ihn jahrelang als untoten Wiedergänger verspottet, und so, wie man ihn kannte, musste man meinen, er suche seine zweite Chance in der Politik nur aus Geltungsgründen. So hat er sich aber bis-lang dann doch nicht gezeigt. 

In der Sache hat er sich noch nichts zuschulden kommen lassen. In der Form hat er gezeigt, dass er nicht wieder ganz dazugehört. Aber das darf man ihm zugute halten. Er tut, was er sachlich für gebo-ten hält, wem er dabei auf den Schlips tritt, kümmert ihn nicht: Das weist ihn aus als einen, der kein echter Parteipolitiker ist.

So einen brauchen wir als Bundeskanzler.  

Er muss bereit sein, sich seine Mehrheit zu erkämpfen. Frau Merkel hat immer vorab dafür gesorgt. Das hat man ihr dann zum Vorwurf gemacht. Und man sieht, was ihr geblüht hätte, hätte sie's im Herbst 2015 auch so gehalten...  

 

 

Warum Sozialarbeit nicht länger in den Öffentlichen Dienst gehört.

                                                         in: Soziale Arbeit 12/1993
 
Ein gewagtes Unternehmen
von Jochen Ebmeier
 
Hier und jetzt
Orientierung auf die Lebenswelt ist, spätestens seit dem 8. Jugendbericht, zum Leit-motiv zukunftsorientierter Sozialarbeit geworden. Und das heißt im besondern: Die Blickrichtung wechseln vom „Fall“ – und dem ihn konstituierenden außerordent-ichen Symptom – hin zum ‚Feld’ des lebendigen Alltags und allem, was da möglich ist...

Das Bundesland Bremen wollte damit ernstmachen und hat in seiner Neuordnung der sozialen Dienste (NOSD) vor Jahr und Tag die zentralen Spezialdienste zum Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) zusammengefaßt und ihn – in die Wohnviertel hinausverlagert. ‚Stadtteilbezug’ und Orientierung auf die Lebenswelt sind quasi zu Synonymen geworden.

Nach zwei Jahren sollte nun Bilanz gezogen werden auf der Fachtagung Ortsbe-stimmung der ambulanten Dienste für Kinder und Jugendlicheam 26.-29. 4. 1993. Der folgende Text ist die überarbeitete Fassung eines dort gehaltenen Referats. 

„Ist der kommunale Bereich der adäquate Ort für die ambulanten Dienste?“, hieß die selbstkritische Frage. 

Man ist versucht zu entgegnen: Ja welcher denn sonst?! 

Bei den stationären Angeboten könnte man sich ja noch vor-stellen, daß aus diesem oder jenem Grunde eine räumliche Trennung angezeigt wäre zwi-schen dem Ort, wo der Bedarf aufgetreten ist, und dem Ort, wo die Leistung erbracht wird (und in der Regel gilt für den Zeitpunkt dann dasselbe). Aber doch nicht bei den ambulanten Diensten, deren Raison d’être doch eben, wie im klassischen Drama, die Einheit von Ort und Zeit ist! 
 
Doch ambulant wird die Sozialarbeit wohl werden müssen, wenn sie in natürlichen Lebenswelten wirken will statt auf künstlichen Stationen…  
 
Man möchte also über das Ob rasch hinweggehen und sich sogleich aufs Daß ver-ständigen; wäre da nicht ein beunruhigender Doppelsinn in der Formulierung der Frage. 

Daß das Gemeinwesen der – fachlogisch wie topographisch – angezeigte Ort am-bulanter Dienste ist, ist selbstverständlich bis an den Rand der Tautologie. Daß je-doch die kommunale Verwaltung ihr geeigneter Rahmen wäre, ist so strittig wie nur irgendwas. Wie man auf die ‚Rückseite’ der Frage antwortet, hängt indes ab von den Gründen, weshalb man auf der ‚Vorderseite’ mit Ja geantwortet hat.

Die Erwäggründe, die auf der Vorderseite das Ja erheischen, gebieten auf der Rück-seite ebenso kategorisch ein Nein.

Die Sozialarbeit ist nicht aus Begriffen, nicht aus theoretischen Systemen entstan-den, sondern aus Problemen, die akut wurden und „sich zeigten“: nicht doktrinal, sondern ‚aporetisch’; nicht diskursiv, sondern pragmatisch. Ihre nachträglichen be-grifflichen Systematisierungen entstanden immer erst aus dem Bedürfnis, die tat-sächliche Praxis der Sozialarbeit ins Verhältnis zu setzen zu ihren gesellschaftlichen Voraussetzungen. Will sagen, die theoretische Reflexion unserer Disziplin kommt notwendigerweise immer erst post festum (wie das Wort Reflexion ja vermuten lässt.) Systematische Erörterun-gen über ihre gesellschaftliche Sendung und ihre richtigen Methoden sollten daher sinnvollerweise nicht bei der Konstruktion eines „wahren Begriffs“ von Sozialarbeit ansetzen, sondern mit einer faktischen Be-standsaufnahme: Welches sind die Aufgaben, die die Sozialarbeit in unserer Gesell-schaft tatsächlich erfüllt ?

Danach kann man dann die Frage stellen, ob sie sie zufriedenstellend bewältigt, oder ob sie ihre Sache – so oder so – besser machen könnte…

Natürlich kann man sich für die Sozialarbeit immer auch andere Aufgaben ausden-ken als die, die sich ihr ‚von sich aus’ stellen; nur muß man sich dann darüber im Klaren sein, daß das keine fachimmanente, sondern eine im strengsten Sinn politi-sche Diskussion ist. 

sich zurechtfinden 
Zunächst einmal, was sicher nicht zu den Aufgaben der Sozialarbeit gehört: Mit Sicherheit weist sie den Menschen nicht den richtigen Weg durchs Leben. Sie sagt ihren Kunden nicht, wie „man“ es „richtig macht“. Nicht unbedingt, weil die ein-zelnen Sozialarbeiter das nicht wollten: Lebensläufe korrigieren und Schicksal spie-len gehört sprichwörtlich zu den Dauer-Versuchungen des Metiers.

Sondern weil sie es, bei bestem oder bösem Willen, nicht können.

Die Gesellschaft, in der wir leben, hat keine verbindlichen Normen mehr, an die man sich nur zu halten bräuchte, um glatt und problemlos durchs Leben zu kom-men. „Eines schickt sich nicht für alle. Schaue jeder, wie er’s treibe. Schaue jeder, wo er bleibe – und wer steht, daß er nicht falle.“ (Goethe) Die bürgerliche Zivi-lisation hat die Menschen aus den heiligen Ordnungen von Gottes Gnade befreit und auf die eigenen Füße gestellt: Wir sind „zur Freiheit verurteilt“.

Was sie ‚ihrem Begriff nach’ schon immer gewesen ist, ist sie in den letzten Jahr-zehnten auch in der Erlebenswirklichkeit des Durchschnittsmenschen geworden. „Ende der Normalbiographie“ nennen das die Soziologen und Kulturhistoriker. Individualisierung und Differenzierung der Lebensstile, Informalisierung der Verkehrsweisen sind die Charakteristika der an diesem Jahrtausendende ‚zu sich selbst kommenden’ bürgerlichen Gesellschaft.

Wo ein jeder sich selbst zurecht-finden muß und nichts mehr hat, woran er sich halten kann, nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, daß einer in die Irre geht. Nicht in dem Sinn, daß er das Ziel verfehlt (denn dieses eine haben wir nicht mehr: Jedes ist so gut wie das andere), sondern daß er sein Ziel verfehlt: weil es nicht von dieser Welt war, oder weil er sich unterwegs verlaufen hat… Ob ein Lebensplan richtig oder falsch ist, läßt sich a priori (= aus dem Begriff her aus) gar nicht entscheiden, sondern immer erst a posteriori (= nach der Erfahrung); danach, ob einer „es schafft“ oder scheitert. ‚Richtig’ oder ‚falsch’ sind darum keine brauchbaren Kategorien der Sozialarbeit mehr, sondern nur noch: ‚mehr oder weniger wahrscheinlich’…

Der Sozialarbeiter ist folglich auch nicht mehr Wegweiser, sondern helfender Bera-ter. Das Leben ist so unübersichtlich geworden, daß sich keiner mehr in allen Le-bensbereichen gleichermaßen gut zurechtfindet. Irgendwo, irgendwann ist jeder mal auf einen Experten angewiesen: Rechtsberatung, Steuerberatung, Schönheitsbera-tung, Gesundheitsberatung, Vermögensberatung… Und eben immer öfter auch: Beratung in Fragen der persönlichen Lebensführung; des Zusammenlebens zumal. Denn hier ist nun nichts mehr selbstverständlich. Wie eine ‘richtige Familie’ auszu-sehen hat, traut sich nichtmal mehr der Gesetzgeber zu sagen. Was früher als siche-rer Hafen und ruhender Pol gegolten hat, ist heute der riskante Teil des Lebens par excellence.

Der helfende Berater ist nurmehr regulativ wirksam, als ein Faktor unter vielen andern in einem vielfältig bedingten Prozeß; nicht mehr normativ als einer, der einen Zustand herbeiführt nach Maßgabe eines fixierten Solls.

Darum ist sein Wirken immer ad hoc. Der gegebene Rat ‚greift ein’ in den aktuellen Lebenslauf – die Auseinandersetzung des Ratsuchenden mit sich und den anderen. Den Interaktionsfluß unterbrechen, den Ratsuchenden ‚aus dem Verkehr  ziehen’, um ihn in einem – künstlich – dafür eigens eingerichteten Milieu (der ‚Station’) ei-nem erdachten Behandlungsplan zu unterziehen und ihn hernach in seine – ihrer-seits un'behandelte' – Lebenswelt zurückzuversetzen: das kann nur ausnahmsweise Sache der Sozialarbeit sein, und ähnelt eher dem Eingriff des Arztes. Der gegebene Rat des Sozialarbeiters ist immer nur so gut wie das, was der Ratsuchende daraus macht, und zwar zuerst einmal hier und jetzt. Der ‚günstigste Zeitpunkt’ ist immer der, wo der Verirrte merkt, daß er einen Rat braucht: wenn die Nachfrage ‚sich zeigt’. Just in place und just in time müssen das Motto der Sozialarbeit sein. Per Definition ist sie dynamisch – und also nicht „stationär“.
 

Und will sie den Bedarf an helfender Beratung ‚erkennen’ können, so muß sie sich dort aufhalten, wo er ‚sich zeigt’: in den Wohngebieten… 
 

singuläres Ereignis

Der Ausdruck „Defizit“ hat damit keinen Sinn mehr in Hinblick auf eine zu erfül-lende Norm, sondern nur noch gemessen an dem je singulären Lebensplan des Ratsuchenden. Der Berater mag ihn in seinem Kopf haben, solange er noch auf der Suche ist nach einer Einsicht in das besondere Lebensproblem seines Kunden. Aber gegenüber einem Dritten kann er ihn sinnvoll nicht mehr aussprechen. Ich schlage vor, ihn ganz aus unserm Repertoire zu streichen.

Das gilt übrigens für alle klassifikatorischen und „diagnostischen“ Vokabeln. Sie haben, wenn überhaupt, nur noch den Sinn, mir einen Zugang zum Problem des Andern zu öffnen. Sie sind ein Geländer, an dem ich mich ins Durcheinander eines fremden Lebens vortaste. Stehe ich erst einmal mittendrin, kann ich loslassen und mit meinen eigenen Augen sehen. Seh-, Denk- und Verständnis-Prothesen brauche ich dann nicht mehr. Und einem Dritten brauche ich sie schon gar nicht mitzutei-len…
Helfende Beratung ist nämlich, wenn sie zustandekommt, per-sonale Begegnung. Das ist im-mer ein singuläres Ereignis, das sich seiner Natur nach nicht wiederholen, und auch keinem Außenstehenden adäquat mit-teilen läßt. Positive Regeln, „wie man sowas macht“, gibt es na-turgemäß nicht. Man muß es versuchen, und dann wird man sehen, ob es gelang. Allerdings ist es ratsam, dabei Regeln zu beachten ; doch keine positiven, erfolgverheißenden, sondern kritische, ‚apagogische’ – solche, die mich in Schutz nehmen gegen einige allzu bekannte Fehlerquellen, als da sind: die Gutgläu-bigkeit gegenüber der Stimme des eignen Herzens; die Selbstverständlichkeiten einer wohlmeinenden Öffentlichkeit; meine eigenen Standesinteressen, die sich gern als ‚das Bedürfnis des Klienten’ tarnen – und gegen das, was ich in den Büchern ge-lesen habe… 

Artisten

Wer diesen Beruf ergreift, sollte wissen, daß er sich auf ein Abenteuer einläßt. Es ist ein Wagnis, das sich jeden Tag wiederholt: Er muß sich in jeder Situation neu ent-scheiden, hinter jeder Wegbiegung mit einer Überraschung rechnen und in jedem Moment bereit sein, die Pläne von gestern umzustoßen. 

Er muß vom Typus her ein Unternehmer sein. 

Menschen dieses Typus haben es im Öffentlichen Dienst bekanntlich schwer. Denn der vertritt die Belange der Allgemeinheit, nicht die singulären Anliegen von Privat-leuten. Er muß – im demokratisch-repräsentativen Gemeinwesen zumal – auf Re-gelhaftigkeit, Vorschrift, Sicherheit und Berechenbarkeit bedacht sein, und das im Interesse eines Jeden von uns. Denn wie anders wäre eine rechtsstaatliche Verwal-tung möglich? 

Ich stimme nicht die tausendunderste Jeremiade über eine schlimme Bürokratie an. Ein Grundbestand von Bürokratismus ist für den Rechtsstaat unerläßlich, man kann den einen nicht ohne den andern haben. 

Daß dieser Grundbestand hier und anderswo weit überschritten wird, bin ich zu bestreiten weit entfernt; aber das ist ein allgemein gesellschaftspolitisches Thema, doch kein Fachproblem der Sozialarbeit, und stellt sich bei Daimler und IBM nicht minder. Das Kreuz mit dem Öffentlichen Dienst ist bloß, daß es dort kein Gegen-gewicht gibt. 

Der Sozialarbeiter lebt in einer völlig andern Welt. Ihm ist es ausschließlich um das ganz persönliche Lebensproblem dessen zu tun, der zu ihm gekommen ist und ihn um seinen Rat gefragt hat. Ob er ihn als ‚Fall’ einer ‚Regel’ zuordnen kann oder nicht, darf ihm herzlich gleichgültig sein, denn er ist nicht dazu da, Regeln zu re-staurieren und Normen geltend zu machen. Seine Aufgabe ist, dem Ratsuchenden, dem der Überblick über die vielen Fäden seines Lebens verlorengegangen ist und der sich wie in einem Knoten darin festgezurrt hat, bei der Suche nach einem Aus-weg aus seiner Verstrickung zu helfen. Wenn ihm das eine oder andere dabei be-kannt vorkommt, dann mag es ihm als einstweilige Sehhilfe dienen, aber mehr auch nicht. Ansonsten ist er an seine produktive Einbildungskraft verwiesen.

Man sieht: Gefordert sind in beiden Bereichen Vertreter höchst gegensätzlicher Menschenschla-ge; hier Artisten auf dem Drahtseil, dort verläßli-che Felsen in der Brandung. Man kann ohne Schaden für die eigne Person nicht das eine und das andre zugleich sein wollen. 

Nicht von ungefähr ist das Burnout-Syndrom die charakteristische Berufskrankheit des Öffentlichen Dienstes: Die Anforderungen, die hier gelten, sind allzu fremd in der Welt des bürgerlichen Alltags. Und nicht von ungefähr leiden unter allen öffent-lich Bediensteten die Sozialarbeiter quantitativ wie qualitativ am stärksten unterm Burnout: Von ihrer sachlichen Aufgabenstellung – ‚Objektebene’ – sind sie ‚Unternehmer’ par excellence; von den institutionellen Bedingungen ihrer Praxis her – ‚Metaebene’ – sollen sie perfekte Funktionäre sein, wie der Büro-hengst. 

Wer da nicht über kurz oder lang zur Flasche greift, kann nicht begriffen haben, was von ihm verlangt wird! So viel über das persönliche Dilemma des Sozialarbei-ters im öffentlichen Dienst. Aber da ist darüberhinaus ein fachliches Dilemma. Denn der einzelne Sozialarbeiter ist eben nicht – einzeln: Er ‚arbeitet’ im institu-tionellen Rahmen dieses oder jenen ‚Dienstes’. Der Dienst ist eine ‚Abteilung’, ein Subsystem des ganzen hoheitlichen Apparats. In ihm spiegelt sich wider: „die Rechtslage“! So viele Paragraphen, so viele Leistungen, so viele Bedarfe, so viele Ansprüche, so viele Töpfe, so viele… Dienste. Auf jedem Töpfchen ein Deckel-chen.

Die hoheitlich Verwaltung, ‚Vater’ Staat, läßt ihren Blick über die zivile Gesellschaft gleiten und rechnet dieselbe sich zu. Ihre systematische Prämisse ist die Selbstdefi-nition der Dienste und Abteilungen durch „die Rechtslage“ und die durch sie ge-botene „Maßnahme“. Unter diesem Aspekt blicken sie hinaus ins ‚Feld’ und spähen sie nach ‚Merkmalen’, nach denen sie das Feld ‚auf sich beziehen’, nämlich – qua ‚Klientel’ – unter sich aufteilen können.

Doch diese Optik ist fachlich falsch und schädlich. In der Wirklichkeit des sozialen Feldes gibt es keine Gesetze, Kategorien, Typen, Störungen…, und folglich auch keine ‚Fälle’ und keine ‚Merkmale’. Da gibt es nur lauter Leute, und von denen kommen einige mit ihren Lebensproblemen selber klar und andre nicht. Letzteren bietet die Sozialarbeit ihren helfenden Rat an. Welchen, das hängt immer davon ab, wo das Problem liegt (die Ratsuchenden täuschen sich allzuoft in diesem Punkt). Ihr wahres pragmatisches Problem besteht nicht darin, die „richtige Diagnose“ zu finden (nach objektivierbaren Vorgängen ), sondern die Ratlosen, die noch nicht bemerkt haben, daß sie Hilfe brauchen – und ipso facto dringender als die andern! -, auf ihr Hilfsangebot aufmerksam zu machen. Sie muß im Feld Präsenz zeigen und – buchstäblich – sich interessant machen. Sie muß sich ausprobieren lassen. Kurz, die Inanspruchnahme ihrer Dienste muß so informell geschehen können, wie – die andern Verkehrsakte der neomodernen, neobürgerlichen Gesellschaft auch. 

Oder noch kürzer: Sie darf nicht länger Behörde sein.

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Wurden Hirnscans systematisch missverstanden?

Die Auswertung ergab überraschend: Ein erhöhtes fMRT-Blutfluss-Signal hing in vielen Fällen mit niedrigerem Sauerstoffverbrauch und damit niedrigerer statt höherer Hirnaktivität zusammen. Umgekehrt fanden Epp und ihre Kollegen auch verminderte fMRT-Signale in Regionen mit tatsächlich erhöhter neuronaler Aktivität. Je nach gestellter Aufgabe und untersuchter Hirnregion zeigten sich unterschiedliche physiologische Messwerte.

In rund 40 Prozent der Fälle waren Blutfluss und Sauerstoffgehalt nicht gekoppelt oder gar gegenläufig. Zum Beispiel stieg der Sauerstoffverbrauch in Hirnarealen, die beim Rechnen aktiv sind. Dieser Sauerstoff wurde allerdings aus dem Blut entnommen, ohne dass der Blutfluss selbst sich veränderte, wie die quantitativen MRT-Daten enthüllten. Das bedeutet, dass diese Hirnregionen aktiv sind und ihren Energiebedarf effizient decken, ohne dass dies im fMRT anhand einer gesteigerten Durchblutung sichtbar wäre.

Zahlreiche Studien müssen überprüft werden

„Das widerspricht der bislang geltenden Annahme, dass erhöhte Hirnaktivität immer mit erhöhtem Blutfluss zur Deckung des gestiegenen Sauerstoffbedarfs einhergeht“, erklärt Epp. „Da weltweit zehntausende fMRT-Studien auf dieser Annahme beruhen, könnten unsere Ergebnisse bei vielen davon zu entgegengesetzten Interpretationen führen.“ Das bedeutet, dass die meisten Studien wahrscheinlich richtig, viele aber auch falsch interpretiert wurden und neu ausgewertet werden müssen, darunter solche zu Hirnerkrankungen.

„Viele fMRT‑Studien zu psychiatrischen oder neurologischen Erkrankungen – von Depression bis Alzheimer – interpretieren Änderungen im Blutfluss als verlässliches Signal neuronaler Unter‑ oder Überaktivierung. Dies muss nun wegen der beschränkten Aussagekraft dieser Ergebnisse neu bewertet werden“, so Seniorautor Valentin Riedl von der FAU.

Patienten könnten falsch diagnostiziert worden sein

Patienten, bei denen mittels fMRT neuronale Defizite festgestellt wurden, haben demnach möglicherweise gar keine. Stattdessen könnten Gefäßveränderungen vorliegen, die die missverstandenen fMRT-Daten hervorgerufen haben, vermutet Riedl. Für reale Diagnosen müssen die Daten solcher Patienten nun erneut betrachtet oder neu gemessen werden.

Die Ergebnisse des Teams legen nahe, dass vor allem bei Studien zum „Default mode network“ Fehlinterpretationen vorliegen. Dieses Ruhezustandsnetzwerk ist unter anderem an der Selbstreflexion, am Planen und am Erinnern beteiligt, aber auch an ADHS und Depressionen. Die genauen Zusammenhänge könnten dabei aber andere sein als bislang gedacht.

Neue Hirnkartierungen nötig

Für künftige Studien schlagen Epp und ihre Kollegen vor, die herkömmliche fMRT-Methode mit quantitativen Messungen zum Sauerstofffluss zu ergänzen. Diese Kombination aus Blut- und Sauerstofffluss würde mehr Daten liefern und gesichertere Interpretationen ermöglichen.

Langfristig könnten auf diese Weise auch neue Gehirnmodelle entwickelt und Hirnkartierungen erstellt werden: Statt des Blutflusses würden die Karten dann den Sauerstoff- und Energieverbrauch darstellen, welche tatsächlich zur Informationsverarbeitung nötig sind. Damit könnten dann Alterungsprozesse, psychiatrische oder neurodegenerative Erkrankungen neu untersucht werden. (Nature Neuroscience, 2025; doi: 10.1038/s41593-025-02132-9

Quelle: Technische Universität München, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; 17. Dezember 2025 - von Claudia Krapp


Nota. -  Das ist ein ganz dicker Hund, dessen theoretische Tragweite noch gar nicht abzusehen ist.

Am Default Modus wird es deutlich. Einen "Ruhezustand" gibt es im organischen Bereich gar nicht, der Ausdruck ist eine irreführende Fiktion. Ein Organismus ruht nie, er betreibt mindestens Stoffwechsel, aber hier soll er außerdem "an der Selbst-reflexion, am Planen und am Erinnern beteiligt" sein. Kein Wunder, dass Blutzu-fuhr ihm dazu nicht reicht, und sie also für sich allein nichts anderes anzeigt als eben - Blutzufuhr.

Der 'Default modus' ist keine Abstraktion, denn er abstrahiert vom leben selbst, nämlich von dem, was an den Organen Funktion ist. Er kann also nicht als in Raum und Zeit vorkommend gedacht werden. In rein theoretischen Modellen ist so eine Fiktion vielleicht zweckmäßig, was weiß ich? Aber bestimmt nicht da, wo reelle Schlussfolgerungen gezogen werden. 'Reflexion, Planen und Erinnern' umfasst so gut wie alles, was wir geläufig unter Bewusstsein verstehen. 
JE 

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Zweckmäßig “ohne Zweck”.

Gabriele Münter, Dorfstraße in Blau                                  aus Geschmackssachen

Allerdings ist die Formulierung zweckmäßig ohne Zweck genial, wenn auch nicht entfernt so paradoxal gemeint, wie sie klingt. Aber – sie bezeichnet eben nur das Schöne. Als allgemeine Umschreibung des Ästhetisch-Ausgezeichneten reicht sie vielleicht doch nicht. Denn zweckmäßig ist eben immer auch – mäßig; will sagen, einem Maß zugeordnet, von dem ja immer noch zu erwarten ist, daß es prinzipiell erfüllt werden könnte (vulgo Ideal). – In der modernen Kunst wird dagegen an-scheinend auf das „Maß“ gerade insofern Bezug genommen, als es absichtsvoll, d. h. polemisch verfehlt wird...

aus Rohentwurf, 20.  

Demokratischer Engpass.

© Klaus Stuttmann für den Tagesspiegel  Die würden genau das tun, dessen sie die andern bezichtigen. Da kann einem die Wahl schonmal schwer...