Dass erst unser aufrechter Gang und der so möglich gewordene Rundumblick die Vorstellung von einer weiten Welt möglich gemacht hat, liegt ohnehin nahe. Doch die Schärfung der Rand-Informationen erlaubt nicht nur, einen deutlichen Fleck zu sehen, sondern ein ganzes Seh-Feld aufzufassen, in dem ich meinen Blick willkür-lich wandern und... ruhen lassen kann, und ermöglicht die Anschaung einer ganzen Welt, in der sich durch die Wahl seines Standpunkts ein Selbst 'zu Stande' bringt und sich als ein wollendes Ich zugleich wie deren Mittelpunkt vorkommt. Und da wir mal dabei sind: Würde man annehmen (schrei nicht, Schwester, ich sage würde),
dass durch die Jahrmillionen Männer sich erheblich mehr bewegt haben
als die eher sesshaften Frauen, hätte man auch eine Erklärung, weshalb sie erfahrungs-gemäß sich besser in Räumen orientieren und besser rückwärts einparken können.
aus derStandard.at, 12. Februar 2026 Bevor die ersten Bauern die Landwirtschaft aus dem Osten nach
Europa brachten, dominierten hier Wildbeutergesellschaften zu öffentliche Angelegenheiten
Widerstand gegen Landwirtschaft:
Wo sich Jäger und Sammler in Europa hartnäckig hielten
In manchen Regionen
blieb das Erbe Tausende Jahre länger als andernorts erhalten. Im
Nordwesten dürfte es besonders lang gedauert haben, bis sich
Landwirtschaft etablierte
von Julia Sica
Wenn Asterix und Obelix keine Kelten wären, sondern
(Wildschwein-)Jäger und (Hinkelstein-)Sammler, dann müsste man ihr Lager
an der Rheinmündung verorten. Dort widersetzte sich die Bevölkerung dem
genetischen Einfluss anderer Gruppen etwa 3000 Jahre länger als in
anderen europäischen Regionen. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle
Studie im Fachjournal Nature mit Wiener Beteiligung, im Rahmen
derer man die DNA von 112 Verstorbenen aus dem heutigen Nordwesten
Deutschlands, aus Belgien und den Niederlanden analysierte.
Im Gegensatz zu den gallischen Helden geht es hier freilich nicht um
den römisch geprägten Zeitraum um 50 vor Christus, die untersuchten
Überreste stammen aus der Zeit von 8500 bis 1700 v. Chr., also der
Stein- und Bronzezeit. Zwei große Migrationsbewegungen prägten Europa
damals: In den Jahrhunderten von 6500 bis 4000 siedelten sich die ersten
Bäuerinnen und Bauern an, die aus Westanatolien kamen. Dies führte
dazu, dass in vielen Gegenden 70 bis 100 Prozent des Erbgutes der
Jäger-Sammler-Gesellschaft verschwand. Auch die DNA von Ötzi,
dem wahrscheinlich dunkelhäutigen und dunkelhaarigen Tiroler Eismann,
der etwa 3300 v. Chr. lebte, ist zu einem Großteil auf anatolische
Vorfahren zurückzuführen.
Jäger und Fischer
Nachdem die Landwirtschaft nach Europa
gekommen war, folgten mit der zweiten wichtigen Migrationsbewegung die
indoeuropäischen Sprachen, wie die Forschung der vergangenen Jahre
vermuten lässt. Um 3000 bis 2500 v. Chr. breiteten sich aus der Steppe nördlich des Schwarzen Meeres Nomaden der Jamnaja aus.
Die Ausbreitung der Jamnaja und ihrer Nachfahren ins Rhein-Maas-Delta
dürfte zudem mit der Verbreitung der Schnurkeramik- und der
Glockenbecher-Kultur in Zusammenhang stehen. Benannt wurden diese
Kulturen nach den typischen Formen und Mustern der hinterlassenen
Keramik: Becher, Krüge und andere Objekte wurden mit Rillenmustern
verziert beziehungsweise wiesen eine geschwungene, an Glocken erinnernde
Form auf.
Sie hatten den wohl größten und nachhaltigsten Einfluss auf die
Zusammensetzung des Erbguts heute lebender Europäerinnen und Europäer.
Doch in der Rhein-Maas-Region lief alles zunächst etwas anders, wie das
Team um den renommierten US-amerikanischen Genetiker David Reich von der
Harvard University zeigt, zu dem auch Ron Pinhasi von der Universität
Wien gehört. Diese wasserreiche Gegend bot Jäger-Sammler-Gemeinschaften
gute Lebensbedingungen, in Flüssen und Meer konnten sie Fische,
Krustentiere und Co. fangen. Die DNA-Analysen lassen die Vermutung zu,
dass man hier mit der Landwirtschaft nicht so schnell warm wurde wie in
weiten Teilen Europas und sich der Wandel des Lebensstils nicht so
vollständig vollzog. Manche Individuen wiesen nämlich noch relativ spät
sehr viele DNA-Sequenzen auf, die typisch für westeuropäische Jäger und
Sammler waren.
Frauen aus der Bauernkultur
Auch in der Region, die für die
neue Studie im Fokus stand, verkehrten die alteingesessenen Menschen
offenbar immer wieder mit den zugezogenen Bauerngruppen – und vor allem
mit Bäuerinnen, wie die Analyse nahelegt. Aber: "Eine charakteristische
Bevölkerungsgruppe mit einem hohen Anteil – etwa 50 Prozent – an
Vorfahren, die als Jäger und Sammler lebten, bestand noch 3000 Jahre
später als in den meisten europäischen Regionen", schreiben die
Autorinnen und Autoren. Dies sei vor allem auf die Integration von
Frauen, deren Vorfahren aus der frühen europäischen Bauernkultur
stammten, in die lokalen Gemeinschaften zurückzuführen.
Die Karte zeigt den Anteil an DNA, die für europäische
Jäger-Sammler-Gruppen typisch ist, am Erbgut der Bevölkerung in der Zeit
von 4500 bis 2500 vor unserer Zeitrechnung. In Nordeuropa war dieser
Anteil den bisherigen Analysen zufolge besonders hoch.
Freilich kann man auch Kulturen übernehmen, ohne dass sich dies
genetisch abzeichnet. Doch die Fortpflanzung unter Gruppen, die sich
genetisch unterscheiden, ist zumindest ein Indiz für kulturelle Nähe,
was der Wissenschaft über archäologische Spuren hinaus Informationen
liefern kann. Ein Beispiel dafür liefert die zweite große
Migrationsbewegung: Im Westen der Niederlande nutzten die Einwohnerinnen
und Einwohner zwar Schnurkeramik, hatten aber selbst kaum
Steppenvorfahren. Ideen und Produktionskulturen wurden hier offenbar
weitgehend ohne Genfluss zwischen zwei verschiedenen Gemeinschaften
ausgetauscht.
Vom Widerstand zum Exporthit
Die Situation wandelte sich mit
der Glockenbecherkultur, die eher später datiert wird und um 2400 v.
Chr. in dieser Region Einzug hielt. In den folgenden Jahrhunderten fand
eine stärkere Durchmischung statt, der Anteil typisch westeuropäischer
Jäger-Sammler-DNA ging stark zurück. In Großbritannien war der Wandel
noch extremer, dort ging die Ankunft der Glockenbecherkultur langfristig
mit dem 90- bis 100-prozentigen Ersetzen der lokalen
jungsteinzeitlichen Bevölkerung einher. Interessanterweise wurden große
Steinzeitbauwerke wie Stonehenge oder Woodhenge (deren Bau wohl um 3000
beziehungsweise 2300 v. Chr. begann) dennoch weitergebaut und -genutzt.
Die Untersuchung der uralten DNA aus dem Nordwesten Europas liefert
in jedem Fall erstaunliche Einblicke in kulturelle und genetische
Veränderungen, die vor Jahrzehnten noch unmöglich gewesen wären. Und sie
erzählt von einer Ironie der Geschichte, wenn man an die Niederlande
als zweitgrößter Agrarexporteur der Welt denkt: Dort, wo heute ein
großer Teil des europäischen Gemüses in Glashäusern wächst, dauerte es
besonders lange, bis sich die Landwirtschaft etablierte.
Von
Philosophie verstehe ich etwas; von Transzendentalphilosophie, genauer
ge-sagt. Auch von den Naturwissenschaften habe ich dies und das gehört,
aber dass ich es verstünde, hatte ich nicht oft das Gefühl. Doch hier
handelt es sich nicht um Na-turwissenschaft, sondern um deren
allgemeinverständliche Zusammenfassung. Ob und wieweit es zutrifft,
kann ich nicht beurteilen; ich nehme an, dass es den 'Stand der
Wissenschaft' loyal wiedergibt. Die
Philosophie lehrt mich, dass ich von den Dingen selber gar nichts weiß.
Ich habe Vorstellungen von ihnen, über die kann ich reden, und ich kann
mich fragen, wie ich zu ihnen gekommen bin. Ich werde be- merken, dass
ich bei der Aufnahme, Anordnung und Bewertung der Daten, die mir meine
Sinnesorgane vermelden, gewisse Schemata verwende - das, was bei
Kant das 'Apriori' heißt. Bis dahin ist das noch keine Philosophie,
sondern entspricht den Ergebnissen der empirischen (psychologischen)
Forschung. Wenn es stimmt, verwendet sie allerdings selber besagte
Schemata, sie kommt hinterdrein und ist nicht befähigt, die Schemata auf
ihre Herkunft und Berechtigung zu prüfen. Das ist Sache der Philosophie, nämlich der kritischen oder 'Transzendental'-Philosophie; transzendental darum,weil
sie nach den Bedingungen ihrer eigenen Möglichkeit fragt. So kritisch
und radikal sie immer verfährt - sie bleibt doch immer im Rahmen unserer tatsächlichen Vorstellungsmöglichkeiten, will sagen: andere Voraussetzungen als die, die sie selber macht, sind ihr nicht möglich. Kant
selber hatte die Möglichkeit offengelassen, dass unser
Vorstellungsvermögen von einem Schöpfer so angelegt wurde, wie es eben
ist. Der Naturwissenschaftler, der an dieser Stelle wieder zu Wort
kommt, sagt, unser Vorstellungsvermögen ist wie jedes andere unserer
Vermögen ein Produkt der natürlichen Evolution: Anpassung und Auslese.
Wir können uns nicht vorstellen, was wir uns vorstellen könnten, wenn
wir uns in einer anderen Ecke des Universums hätten entwickeln müssen;
wir können uns nicht einmal vorstellen, was in unserer Welt die Biene
dort sieht, wo bei uns das ultraviolette Licht unsichtbar wird. Es ist Wunders genug,
dass die irdische Beschränktheit unserer Vorstellungskraft uns nicht
daran gehindert hat, durch das Übersetzen von konstruierten Begriffen in
mathematische Formeln uns Dinge denkbar zu machen, die wir uns nicht vorstellen können. Das Wunder hat einen Namen, es heißt Symbolisierung.
Mit den Symbolen können wir operieren, ohne unsere Vorstellungskraft
jeweils mitbemühen zu müssen. Da- durch werden die Symbole indessen kein
bisschen objektiver: Sie bleiben immer willkürlich gewählte Zeichen für eine subjektive Bedeutung.
Die Bedeutung bezieht sich immer nur darauf, was wir mit dem Ding
anfangen können, und nicht auf das, was das Ding 'ist', und ob eine
Bedeutung 'stimmt', wird sich erweisen oder nicht. Wenn also Einstein meinte, sein Geist könne sich nicht mit der Vorstellung zufriedengeben, dass es im Univerum
"zwei getrennte Felder gibt, die in
ihrer Natur völlig voneinander unabhängig sind", so sagt er etwas
darüber, welche Vorstellungen unsere Gattungsgeschichte unserm Gehirn
möglich gemacht hat; aber nichts über die Beschaffenheit der 'Dinge'. Es wäre des Wunders viel zu viel, wenn sich erwiese, dass wir durch das Kombinieren von Symbolen Formeln konstruieren können, denen 'das Ding' entspricht. Denn hier geht es nicht um dieses oder jenes Ding - da könnte der Zufall beispringen -, sondern um den Inbegriff aller Dinge.Den könnte nur kennen, wer 'Alles' erschaffen hat. Und andernfalls gäbe es ihn gar nicht. Indem
nun die Transzendentalphilosophie den Gedanken einer Schöpfung
undenkbar* macht, schließt sie die Möglichkeit einer Weltformel aus; und
darauf will ich wetten. *) Kant hatte ihn dem Glauben zugestanden, aus der Wissscenschaft jedoch verbannt.
Was den Quanten recht ist, darf den Kräften billig sein.
Auch das ist nicht spöttisch gemeint. Die Generalprämisse ist doch: Es gibt einen Kosmos, und der ist ein System: ein
Makrozustand über mannigfaltigen Mikrozu-ständen. Wenn im Makrozustand
vier Kräfte inbegriffen sind, würde er ein anderer, wenn eine fünfte Kraft hinzuträte. Mit andern Worten: Alles käme ganz neu auf die Waage.
Das ist, nach den Aussagen der Physiker, der gegenwärtige ZuStand der Wissen-schaft. Wie ich schon sagte: Das gereicht ihr zur Ehre.
Stürzt aber den Rest der Welt in Verwirrung. Physik und Welt werden damit zu-recht kommen - wenn noch nicht heut, dann morgen. Philosophie ist einstweilen nicht gefragt, nur Forschung.
Der
Satz, dass Alles mit Allem zusammenhänge, wird nur noch sarkastisch
ge-braucht - weil er auf Faktisches bezogen ist. In kosmischen Modellen
hängt aber Alles von Allem ab; denn da geht es um Vorstellungen, und so käme zum Schluss vielleicht doch die Philosophie wieder rein - nicht von der Seite, sondern von hin-ten.
Nota.Das
obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie
der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.JE
"Merz hat das Problem nicht verstanden", schreibt der Wiener Standard; "Gewalt gegen Frauen zieht sich durch alle Schichten. Reflexhaft auf Zuwanderung zu zei-gen, ist eine Themenverfehlung."
Merz hat nicht als Soziologe gesprochen, sondern als Kanzler und Parteivorsit-zender. Er hat keine wissenschaftliche Analyse vorgelegt, sondern hat ein politi-sches Problem angesprochen, das gerade darum virulent wurde, weil es jahrzente-lang durch das Vorschieben gesellschaftshistorischer Allgemeinplätze vertuscht worden ist. Es ist aber wie mit dem Antisemitismus: Sein schleichendes Vordringen in den öffentlichen Diskurs wurde befördert durch die vielhunderttausendfachen Zuwanderung aus islamischen Ländern.
Auch die ist nicht der Kern des Problems und nicht einmal seiner aktuellen Zuspit-zung; sondern: Die einen greifen zur Feder, sobald irgendwer das Kind beim Na-men nennt, die andern legen die Feder aus der Hand, wenn es darum geht, eine ge-schehene strafbare Handlung der Polizei anzuzeigen.
Und das ist die Stelle, an der die Politik sich ganz unmittelbar zu Wort melden muss - und mit Aussicht auf Erfolg auch kann, wenn sie sich traut. Es geht um die öffent-lichen Maßstäbe.
Um das Ganze
Universum aus der Quantenphysik zu konstruieren, müsste man, weil der
Teilchenzoo doch so unübersichtlich ist und sich immer wieder neue
Quäntchen finden, wohl bei der Starken Kernkraft beginnen und alles
registrieren, was sich mit ihr einfangen lässt. Dann verdünnt man die
Kernkraft Stufe um Stufe, und wenn man alle vier Grundkräfte beisammen
hat, wäre das Puzzle der Kosmo-logie vollendet.
Der
Relativist ginge umgekehrt vor: Er begänne bei der... der Schwachen Wechsel-wirkung, dann zieht er die Maschen seines Netzes um
einen Punkt zusammen, die Wechselwirkung wird Schritt für Schritt
stärker, und wenn er schließlich aus der Gravitation auf die Starke
Kernkraft heruntergekommen ist, hat auch er sein Weltall beisammen.
Das wäre die Aufgabe - zuerst so-, dann andersrum.
Das
Problem ist, dass sich weder die Vierte Grundkraft zur Dritten
verdünnen, noch die Dritte zur Vierten verdichten lässt, und zwar weder
spekulativ in der Theorie noch experimentell im Labor - so riesig es
auch wäre.
Das wäre im Kern der Grund, warum Quantenphysik und Relativitätstheorie sich nicht in einander umrechnen lassen - hab ich es so richtig verstanden?
Da
könnte man auf die Idee kommen, nicht alle vier Grundkräfte neben- oder
hin-ternander zu betrachten, sondern das erste Paar gegen das zweite
Paar zu setzen; und jedenfalls nicht die Grundkräfte auf die größeren
oder kleineren Quanten zu beziehen, sondern die Quanten auf die
Grundkräfte. Das ist eine Frage der Be-trachtungsweise und keine
metaphysische Priorisierung von Kraft vor Materie.
Wenn
man den Wald vor Bäumen nicht erkennt, tritt man ein paar Schritte
zurück, erkennt den Wald und behält die Bäume in Erinnerung. Die Suche
nach einem "Kleber" ist sowas Ähnliches - sozusagen von der andern
Seite.
PS. Ich bin kein Physiker, ich darf so schreiben. Wenn einer sagt, ich hätte keine Ahnung, werde ich ihm nicht widersprechen.
Dass man
sich etwas nicht vorstellen kann, heißt nicht, dass es das in
Wirklichkeit nicht gibt. Die Umkehrung gilt ebensowenig. Einen
gekrümmten Raum können wir uns nicht vorstellen, aber wir werden ihn
denken müssen - und können es.
Bevor man sich über Begriffe streitet, sollte man sich darüber klarwerden, wie sie "gemeint" sind: am besten darüber, ob - und was - man sich dabei vorstellen kann. Das kommt nämlich beim Operieren mit dem fertigen Begriff gar nicht mehr vor, und darum muss man es vorher klären.
Eine
"Kraft" etwa kann man sich so vorstellen: Zuerst gibt es Dinge, die
sind so oder so. Dazwischen schieben sich Kräfte, sie sind auch so oder
so. Man kann sie sich alle für sich und selbstständig vorstellen. Dazu
muss man sich aber - ob man es selber bemerkt oder nicht - ein Universum
aus lauter Einzelteilen gedacht haben. Was sie zusammenhält, kommt als ein äußerer Beitrag hinzu - meist als ein Schöpfer gemeint, und anders ist es wohl auch gar nicht möglich.
Man kann es sich aber auch so vorstellen, dass es zu den Eigenschaften der Dinge selbst gehört, auf einander zu wirken, und dass sie überhaupt nur sind, sofern sie - so oder so -wirken.
Das wäre, wie es sich bei bloßen Begriffen gehört, ein metaphysischer
Streit, auf den sich rationelle Wissenschaft gar nicht einzulassen hat.
Darum wird seit gerau-mer Zeit statt von verschiedenen "Kräften" von
verschiedenen Wechselwirkungen gesprochen. So wenig Sinn es hat, die 'Dinge' anhand ihre Eigenschaften zu defi-nieren, so wenig Sinn hat es auch, die 'Kräfte' an und für sich zu
beschreiben. Es müssten also, wenn die Theorie allumfassend sein soll,
alle 'Dinge' und alle Wech-selwirkungen, durch die sie einander
'bewirken', im Einzelnen beschrieben und womöglich hinterher nach Klassen zusammengefasst
werden. Die Klassen, nach denen sie verallgemeinernd zusammengefasst
werden, mag man wohl 'Gesetze' nennen - was aber den großen Nachteil mit
sich bringt, hinterher als wirkende Kräfte aufgefasst werden zu
können: und sich den metaphysischen Hokuspokus, dem man vorne aus dem
Weg gegangen ist, hintenrum doch wieder aufzuladen.
Dann stellt sich das Problem so dar: Die drei klassischen, 'regulären' Wechselwir-kungen sind einander so ähnlich, dass man sich vorstellen
könnte, sie seien 'ausein-ander hervorgegangen'. Die Gravitation tanzt
aus der Reihe. Lasst sie doch: Viel-leicht finden sich ja genügend
empirische Daten, die erlauben, auch sie irgendwann den klassischen drei
zu assimilieren.
Und
wenn nicht? Das wäre doch wissenschaftlich kein Problem. Ein Problem,
nämlich ein spekulativ-metaphysisches, ist es für alle, die aus
extrawissenschaft-lichen, weltanschaulichen Gründen ein 'Theorie von
Allem' wollen, um sie der empirischen Forschung überzuhelfen und aufs Auge zu drücken. Und das wäre für die Wissenschaft eine Scheuklappe.
Die umgekehrte Annahme, dass eine kosmologische Einheitstheorie sachlich nicht möglich ist, ist durch empirische Befunde freilich erst recht nicht zu erweisen. Als Hypothese bleibt sie ewig, nehme ich an,
unersetzlich. Und sei es nur, um immer wieder zu scheitern; würde sie
erwiesen, müsste ich staunen, dass die Menschen es geschafft haben, über
unsern stammesgeschichtlichen Schatten zu springen.
aus derStandard.at, 21. 3. 2026 Auf mikroskopischen Skalen könnte die Welt einem Fraktal ähneln,
so wie in dieser mithilfe von Künstlicher Intelligenz erzeugten
künstlerischen Impression. zuJochen Ebmeiers Realien
Zurück zu den Wurzeln
Der "Gral" der Quantengravitation könnte bereits vor Jahrzehnten gefunden worden sein
Ein bisher
vernachlässigter Ansatz namens Asymptotische Sicherheit erfährt neuen
Aufwind bei der Suche nach der Theorie der Quantengravitation
von Reinhard Kleindl
"Sie ist keine robuste Gefährtin, die bereit ist, anzupacken und zu
helfen" – so beschrieb der Physiker Bryce DeWitt 1965 die
Quantenfeldtheorie. Dennoch wurde der ästhetische, aber komplizierte
mathematische Formalismus zum unentbehrlichen Standardwerkzeug der
modernen Grundlagenphysik. Die Naturkräfte werden heute durch
Quantenfeldtheorien beschrieben – fast alle, nur die Gravitation
widersetzt sich nach wie vor.
Die Erfolgsgeschichte ist hart erkämpft, denn lange Zeit war nicht
klar, ob Quantenfeldtheorien überhaupt das richtige Werkzeug waren.
Forschende erkannten, dass Teilchen als Quanten von Feldern im Raum
verstanden werden konnten. Sie fassten diese Idee erfolgreich in
Gleichungen, bis man versuchte, diese Felder miteinander in
Wechselwirkung zu bringen. Diese Wechselwirkungen explodierten im
Formalismus förmlich und strebten ins Unendliche, was ganz
offensichtlich keine sinnvolle Beschreibung der Welt war, die wir um uns
herum sehen.
Neue Normen
Die Lösung brachte eine Technik namens
Renormierung. Dabei fügte man in der Not künstlich Elemente hinzu, um
überhaupt mit den neuen Objekten rechnen zu können – gerade so, als
würde man ein Schiff auf ein Trockendock heben, um es zu warten. Nach
gelungener Reparatur ließ man die Schiffe gewissermaßen wieder zu Wasser
und entfernte die Zusatzelemente.
Der nicht unumstrittene Trick brachte den Durchbruch, allerdings
nicht bei der Gravitation. Eine Kraft, die nicht nur auf Materie,
sondern auch auf sich selbst zurückwirkt – die nicht unabhängig von den
Koordinaten existiert, auf denen sie lebt, sondern diese durch ihre pure
Anwesenheit verzerrt, ja letztlich sogar von dem Raum nicht zu
unterscheiden ist – wäre vielleicht mit einer "robusteren" Gefährtin zu
bändigen gewesen, nicht aber mit einer so geisterhaften. Eine
funktionierende Theorie der Quantengravitation gilt als der "Heilige
Gral" der Grundlagenphysik. Die Physikgemeinschaft suchte ihr Glück in
den vergangenen Jahrzehnten in exotischeren Ansätzen wie Stringtheorie
oder Schleifen-Quantengravitation.
Diese kühnen Entwürfe haben beide im Kern keinen anderen Zweck als
die beschriebene mathematische Explosion physikalischer Größen im Keim
zu ersticken. Im Fall der Stringtheorie gelingt das, indem man Teilchen
nicht mehr als punktförmig betrachtet, sondern als räumlich ausgedehnte
Fäden. Bei der Schleifen-Quantengravitation ist es der Raum selbst, der
in räumlich ausgedehnte Teile zerlegt wird.
Zurück zu den Wurzeln
Leider hat die Natur sich bisher
geweigert, einen der beiden Ansätze glaubwürdig zu unterstützen. Damit
entsteht einerseits Raum für neue Entwürfe, andererseits stellt sich die
Frage, ob in der Anfangszeit der Suche nach der Quantengravitation
nicht so mancher Ansatz vorschnell zur Seite gelegt wurde. Letzteren
Zugang verfolgt etwa die deutsche Physikerin Astrid Eichhorn von der
Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Sie beschäftigt sich mit einer
Idee, die auf den US-amerikanischen Physiknobelpreisträger Steven
Weinberg zurückgeht.
Die Vorgänge, die große Teilchenbeschleuniger wie der Large Hadron
Collider (LHC) im Kernforschungszentrum Cern bei Genf sichtbar machen,
werden allesamt mittels Quantenfeldtheorien beschrieben. Bei der
Gravitation gelingt das nach wie vor nicht. Bei
Beschleunigerexperimenten wird sie aufgrund ihrer Schwäche
vernachlässigt.
Weinbergs Idee betrifft die Probleme der Quantengravitation bei immer
kleineren Skalen, wo sogenannte Ultraviolett-Divergenzen auftreten. (Es
sind nicht die einzigen Probleme, aber ein wichtiger Teil davon.) Diese
haben mit einer wenig beachteten Sonderbarkeit physikalischer Theorien
zu tun: Sie arbeiten mit idealisierten physikalischen Objekten. Ein
Teilchen wird etwa als Punkt in einem dreidimensionalen Raum Reeller
Zahlen angesehen. Ein Punkt ist etwas unendlich Kleines – eine Idee, die
in der Natur nur wenig Sinn ergibt, was aber meist keine Probleme
bereitet. Ob der reale Raum wirklich unendlich kleine Objekte oder
Abstände erlaubt, tut nichts zur Sache, die Annahme dient hier der
Einfachheit. Ganzheitlicher Zugang
Diese Einfachheit stellt sich bei der
Annahme unendlich kleiner Objekte aber nicht in jedem Fall ein. Bei
Quantenfeldtheorien treten Ultraviolett-Divergenzen gerade rund um
unendlich kleine Abstände auf. Der Quantenfeldtheorie-Rahmen ist eine
ganzheitliche Beschreibung, bei der nichts so einfach vernachlässigt
werden kann. Die Felder dringen gewissermaßen in jede noch so kleine
Ritze des Raums, und auch solche Kleinigkeiten tragen zum Ergebnis bei.
Anders gesagt: Die Physikerinnen und Physiker müssten bereits wissen,
wie sich die Natur auf immer kleineren Skalen, bis ins unendlich Kleine,
verhält.
Doch wie soll man das wissen? Weinberg hatte eine kühne Idee: Er
fragte sich, was passieren würde, wenn die Physik sich zu immer
kleineren Abständen hin nicht mehr ändern würde, sondern die Situation
im Kleinsten ein Abbild jener im Größeren wäre. Es gäbe dort im
Kleinsten also gar nichts Neues zu wissen.
Die Mathematik kennt solche Systeme, bei denen ähnliche Muster auf
verschiedenen Größenskalen auftreten, gut. Sie heißen dort Fraktale.
Weinbergs Idee war, dass die Natur zum Kleinsten hin fraktale Struktur
haben könnte, sich dort also nur Bekanntes immer neu wiederholen könnte,
sofern man nur genau genug hinschaut.
Berechnung kleiner Störungen
Ein Nebeneffekt wäre, dass sich
die Ultraviolett-Divergenzen auf diese Weise stabilisieren könnten.
Berechnen konnte Weinberg das aber nicht. Damals ließen sich die
Quantenfeldtheorien hinter den Naturkräften nur aus einem einzigen
Blickwinkel sinnvoll betrachten: Treffen Forschende der Physik nämlich
auf eine Formel, die ihnen zu kompliziert ist, versuchen sie die
relevanten von den irrelevanten Teilen zu trennen. Sie verwandeln sie in
eine unendliche Reihe, eine Summe unendlich vieler einfacherer Formeln.
Wendet man diese Technik, die in der Physik Störungstheorie genannt
wird, richtig an, genügt es, nur einige wenige dieser Formeln
auszurechnen und den Rest – unendlich viele – zu ignorieren. Als das
Standardmodell der Elementarteilchenphysik entwickelt wurde, war das
auch zur Lösung der Quantenfeldtheorie-Gleichungen der einzige
praktikable Zugang.
Inzwischen sind aber, nicht zuletzt dank besserer Computermethoden,
auch andere Zugänge besser handhabbar geworden. Das erlaubt es
Forschenden wie Astrid Eichhorn, Weinbergs Ansatz eine neue Chance zu
geben."Die Raumzeit nimmt hier eine Struktur an, die, grob gesagt, einem
Fraktal ähnelt", sagt Eichhorn im Gespräch mit dem Quanta-Magazine.
"Die Intensität der Kräfte, einschließlich der Schwerkraft, verändert
sich nicht mehr, und man sieht immer wieder dasselbe Bild, dieselben
Regeln, nach denen Teilchen miteinander interagieren. Das ist die Idee,
der ich nachgehe: asymptotische Sicherheit." Damit könnte die von den
Quantengesetzen gewissermaßen zerrissene Raumzeit wieder stabil genug
werden, um Vorhersagen über die Welt zu machen – und zwar mithilfe der
Quantenfeldtheorie, ganz ohne Superstrings oder Schleifen.
Hier nimmt der Physiker Steven Weinberg im Jahr 1979 seinen
Nobelpreis von König Carl Gustav von Schweden entgegen. Eine seiner
weniger bekannten Ideen erhält gerade wieder neue Aufmerksamkeit.
Vereinfachte Modelle
Das Konzept hat seine Vorzüge. Um zu
wissen, ob die Natur sich wirklich so verhält, muss man allerdings
Vorhersagen machen, die sich testen lassen. Doch das ist auch Jahrzehnte
nach Weinbergs Idee noch anspruchsvoll. Mit starken Vereinfachungen ist
es möglich: "Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat sich intensiv mit
leerer Raumzeit – also reiner Schwerkraft – beschäftigt. Tatsächlich
arbeiten die meisten von uns in einem noch stärker vereinfachten Rahmen,
in dem es nur Quantenfluktuationen des Raums gibt, anstatt
Fluktuationen sowohl des Raums als auch der Zeit", sagt Eichhorn. Diese
Arbeiten hätten gezeigt, dass in solchen Fällen der Punkt, an dem die
Raumzeit stabil wird, tatsächlich existiert.
Doch stimmt das, was für vereinfachte Theorien richtig ist, auch bei
den "echten", nicht vereinfachten Beschreibungen des Mikrokosmos?
Eichhorn versucht, die einfachen Modelle durch mehr und mehr Elemente zu
erweitern. Nun gibt es aber eine neue Studie, die ein Team um Eichhorn
zur Publikation eingereicht und auf einem Preprint-Server
veröffentlicht hat. Und tatsächlich gibt es auch dort Anzeichen dafür,
dass die Welt im Kleinsten zum Fraktal wird – Eichhorn spricht vom
Auftreten eines sogenannten Fixpunktes.
Statt nach diesem Fixpunkt zu suchen, ist
auch der umgekehrte Zugang möglich: Man kann annehmen, die Raumzeit sei
im Kleinsten stabil, und dann berechnen, wie eine solche Welt aussehen
würde. Das führt teils zu verblüffenden Ergebnissen. Alle Materie um uns
herum besteht – zumindest, wenn man ihre Masse betrachtet – zum
überwiegenden Großteil aus Protonen und Neutronen, die wiederum aus
Quarks zusammengesetzt sind. Die schwersten und seltensten dieser
Quarks, das Top- und das Bottom-Quark, sollten laut Theorie eigentlich
gleich "schwer" sein.
Doch Messungen zeigen einen deutlichen Unterschied. Geht man von der
Annahme eines Fixpunktes aus, entsteht dieser Unterschied auf natürliche
Weise. Für Eichhorn ist das ein starker Hinweis: "In einer Welt ohne
Fixpunkt könnten die Massen beliebig sein. Gibt es jedoch einen
Fixpunkt, kommt es zu einem ganz besonderen Austausch zwischen der
Schwerkraft und der elektroschwachen Kraft, und das Ergebnis dieses
Austauschs ist, dass diese Quarks im Grunde genommen genau diese beiden
unterschiedlichen Massen haben müssen."
Der Super-Kamiokande-Detektor nahe der Stadt Hida in Japan ist auf
die Beobachtung von Neutrinos ausgelegt. Sie besitzen eine geringe
Masse, die nach wie vor nicht gut verstanden ist.
Schicksalhafte Dunkle Materie
Eichhorn nennt noch einige
weitere Erfolge, etwa eine Erklärung der geringen Masse von Neutrinos.
Doch sie gibt auch zu, dass der Zugang weit davon entfernt ist, alles
erklären zu können. Allerdings gebe es keine bekannte Teilchenmasse, die
nicht mit der Idee eines Fixpunktes vereinbar sei. Eichhorn schließt
nicht aus, dass Asymptotische Sicherheit sich bereits zu Zeiten von
Stephen Weinberg durchgesetzt hätte, wäre es möglich gewesen,
Teilchenmassen ähnlich gut wie heute zu berechnen.
Die Zukunft der Idee ist eng mit den Forschungen rund um Dunkle
Materie verknüpft. Derzeit ist noch unklar, woraus der Großteil der
Masse des Universums besteht. Es gibt verschiedene mögliche Erklärungen,
die aber alle unbestätigt sind. Welches der Modelle das Rennen macht,
ist für die Idee der Asymptotischen Sicherheit entscheidend. Einige der
standardmäßig vorgeschlagenen Erklärungen, darunter solche mithilfe von
sogenannten Wimps oder Axionen, sind nur schwer mit dem Konzept
vereinbar. Wird das Rätsel um Dunkle Materie in den kommenden Jahren
irgendwann gelöst, könnte sich auch das Schicksal der Asymptotischen
Sicherheit entscheiden.
Doch bis dahin verfolgen Forschende wie Eichhorn weiterhin die
elegante Idee einer Welt, die im Kleinsten auf eine ungewöhnliche Art
und Weise abgeschlossen ist, weil es, wenn man genau genug hinschaut,
irgendwann nichts Neues mehr zu sehen gibt.
zuLevana, oder Erziehlehre ... Also Jungen gelten als schlauer, Mädchen als fleißiger. Vorteile haben
davon Mädchen: Sie erhalten bessere Zensuren, gelten als die besseren
Schüler und verbin-den auch selber den schulischen Erfolg nicht mit
Klugheit, sondern mit Fleiß. Wel-chen Denkauftrag erkennt darin Frau Adelheid Müller-Lissner? Sie will ergründen, ob diese Benachteiligung biologisch
oder sozialisatorisch zu erklären sei, aber bei der biologischen
Variante hält sie sich gar nicht erst auf, sondern wendet sich gleich
der sozialisatorischen zu und wird dort auch fündig: Weil Mädchen früher
reifen, wird 'mehr von ihnen verlangt'.
Wie
wär's mit folgenden Denkversuchen: Weil Jungen ungestümer und weniger
angepasst sind, traut man ihnen größeren Einfallsreichtum zu - ? Jungens haben mehr Einfälle, darum sind sie ungestümer und weniger angepasst. Jungen sind klüger, aber das nützt ihnen nichts; belohnt werden Fleiß und Anpas-sung, damals wie heute. Weil Jungen ungestümer und unangepasster sind, ließ man ihrer Erziehung Jahrtau-sende lang mehr Sorgfalt angedeihen:
mit Stock und Riemen; mann hat eben weni-ger von ihnen verlangt. Daher
sind sie selbstbewusster, Mädchen wurden vernach-lässigt und sind
bescheidener. * Frau Müller-Lissner, lesen Sie Ihre gegenderte Seiche eigentlich nochmal durch, bevor Sie sie bei Ihrer RedaktionIn abgeben? Und - wichtiger - liest Ihre Redak-tionIn sie durch, bevor sie sie in den Druck gibt?! JE,in einem Kommentar am1. 2. 2017
Es gibt
‚Gehalte’ des Erlebens, die – jedenfalls innerhalb derselben Kultur –
einem jeden bekannt sind und über die er darum mit jedem andern
sprechen kann, sofern sie sich über deren Benennung einigen. Sofern sie
sie also gemeinsam ‚bezeichnen’ können; ohne daß nur einer von ihnen
imstande wäre, den exakten Ort anzugeben, den sie im beweglichen System
(„Sprachspiel“) all der andern ‚gültigen’ Namen ein-nehmen – weil sie
anscheinend gar nicht darinnen liegen, sondern irgendwo an
sei-ner Grenze. Das sind, mit einem altertümlichen Wort zu reden,
Existenzialien, die dem je individuellen Leben gewissermaßen als
vorausgesetzt begegnen („Urphäno-mene“, nach Goethe); wie z. B. Liebe,
Leidenschaft, Freiheit, Sinn, Verzweiflung, Schuld, Schönheit,
Glück, Ehre und Anstand. (Übrigens auch Komik und... Wis-sen.) Ein jeder
für sich ‚weiß, was gemeint ist’; nur sobald er es einem andern
er-klären soll, dann geht es ihm wie Augustinus mit der Zeit: Er kann es
nicht sagen. Und je kritischer der Geist, der im öffentlichen Diskurs
waltet, umso mehr neigen die ‚existenziellen’ Begriffe dazu, aus dem
aktiven Wortschatz ganz zu schwinden.
Daß sie sich
seit drei Jahrtausenden – seit das Definieren begonnen hat – der
Defi-nition widersetzen, zeigt an, daß sie zur Exposition in diskursiver
Wissenschaft nicht taugen. Sie können allenfalls in Bildern gezeigt
und in Mythen erzählt werden, denn sie sind uns nie positiv gegeben,
sondern immer als Problem. Wir ‚haben’ sie nicht, sondern wir ‚meinen’
sie nur. Das ist dann auch eine Form von Wissen (oder ‚Gewärtigkeit’),
aberebennichtWissenschaft, sondern Kunst. Die Kunst „erscheint, als
hätte sie gelöst, was am Dasein Rätsel ist“, steht bei Th. Adorno. Sie
ist nicht das Leben, und sie ‚dient’ ihm auch nicht wie die
Wissenschaften. Sondern sie stellt es dar – als sein Anderes, an dem es
‚sich selbst erkennt’. Ob nämlich ihre Verheißung nur eine Täuschung
ist, sei selber ein Rätsel, fügte Adorno hinzu. Sie ist eine Lüge, nach
Picasso, an der die Wahrheit deutlich wird. Das immerhin hat die Kunst
mit der Wissenschaft gemein: daß sie das Andere des Lebens ist.
„Wissenschaft ist Kunst, aber Kunst ist nicht Wissenschaft“, fand der
ungarische Musiker Sándor Végh. Und wenn das Leben ‚bestimmt’ werden
sollte (was es aber nicht nötig hat), so wäre es nur zu bestimmen als
das Andere dieses Anderen.
Bislang: Das Leben ist Arbeit [s. 4., Schluß]: bestimmt als Bestimmen.
Aneignung der Welt, Ökonomie, Begreifen. Ist nun die
Arbeitsgesellschaft am Ende? Je weni-ger ‚bestimmt’ die Welt nun ist,
umso weniger erscheint der irreduzible Rest als unbestimmt! Umso
weniger rätselhaft erscheint die Welt – nämlich was „an ihrer Grenze
liegt“. Weniger rätselhaft – weniger ‚ästhetisch’? Ein Zeitalter der
Neuen Anästhetik? (Schwätzer W. Welsch)
Oder auch: Was
dem „System“ zu Grunde liegt, kommt im System nicht vor. Von „darinnen“
kann man sich seiner nur so eben noch „erinnern“ (anámnesis),
eigent-lich: eräußern. Und zwar nicht so, als ob es einmal ‚da’ gewesen
wäre und dann ver-loren ging, sondern wie wenn es wohl präsent, aber doch
nicht gegeben ist. „Es“ hat dich mehr, als du „es“ hast; méthexis.
Es ist das, worauf alles Andere deutet; sozusagen „die Bedeutung
selbst“, vulgo Sinn des Lebens – worum es nämlich „allem Wissen zu tun
ist“, welcher Modalität es auch sei. Da es den Begriffen zu Grunde
liegt, kann es unter dieselben nicht gefaßt werden. Man kann es nur in
Bildern „sehen lassen“ oder Geschichten davon erzählen. Das ist auch ein
‚Wissen von...’, aber ein anschauliches.
Daß der Alltag,
alias Werktag und materieller Verkehr der Menschen, in der
„post-industriellen“ („Medien“-) Gesellschaft „remythisiert“, also neu
„verzaubert“ würde – glaubt das jemand im Ernst? Nein, der Alltag
schrumpft, nimmt weniger Platz ein im Leben, er wird weniger. Und mit
ihm schrumpft die Erwachsenheit der Men-schen. Wogegen der Sinn des Lebens
bedeutender wird, nämlich unmittelbarer be-deutend. Das tägliche Leben
wird unalltäglicher. Nicht, daß die Figuren, in denen vom Sinn des
Lebens erzählt wird, unästhetischer würden. Nur wird ihre anschau-liche
Gegebenheitsweise nicht mehr in aggressivem Gegensatz stehen zum
diskur-siven Verstand; weil der jetzt weiß, wo er hin gehört und wohin
nicht.
[Pädagogik ist
Kunst und nicht Wissenschaft. Sie ist eine ästhetische Praxis und wo
sie glückt, rechtfertigt sie sich aktual - hier und jetzt und
anschaulich. Dabei ist sie nicht „das Leben“. Denn das, was sie in ihren
Bildern zeigt und in ihren Mythen erzählt, ist nicht das Leben selbst,
sondern - sein Anderes; ein Rätsel, an dem es kenntlich wird. Dies
Rätsel hat die Pädagogik den Menschen zu vergewärtigen, solange sie in
dem Alter sind, wo sie dafür noch Muße haben und das Rätsel noch lockt.
Denn hinterher ist es zu spät.]
Der Grund des
Lebens ist problematisch: eine (unendliche) Aufgabe – nämlich eine, die
sich dadurch „auszeichnet“, daß sie nie gelöst ist; „bestimmbar“ nur
als Rätsel. – Geführt werden kann das Leben immer nur „so, als ob“ das
Rätsel all-bereits gelöst sei. Von diesem Als-ob gibt die Kunst uns ein
Bild: „Schönheit“. Die moderne Kunst - als die 'zu ihrer Bestimmung
gelangte' - zeigt zugleich, daß ihre Lösungen Schein sind. Je positiver das Zeitalter, umso problematischer
(„subver-siv“, „kritisch“) seine Kunst: 19. Jahrhundert! Mit der
Romantik kommt das Schö-ne in Verruf – als etwas, das die Kunst zu
entlarven habe. – Am Ende des 20. Jahr-hunderts scheint – mit der
„Postmoderne“ – die Kunst diesen ihren positiven Wi-derpart verloren zu
haben: Weder „Das Rätsel ist gelöst“, noch wird die schöne Lö-sung
denunziert; sondern: J'm'en fous, anything goes! Es gibt gar
keine Rätsel für die, denen eh’ alles wurscht ist.
Daß nicht alles
wurscht ist, kann mittlerweile nur die Kunst zeigen. Oder auch, das
Leben läßt sich nur ästhetisch rechtfertigen.
Nachtrag.Obiges habe ich um die Jahrtausendwende aufgeschrieben. Da hatte ich mich noch lange nicht erkühnt, die Wege der Transzendentalphilosophie nachzu-gehen.
Alle Philosophie, meinte Wittgenstein zunächst, sei Sprachkritik. Um sich später dahin zu korrigieren, die könne nur den Weg bereiten: Philosophie dürfe man "eigentlich nur dichten".* Ich hatte mich soeben in ästhetische Fragen verstrickt und war zu der Auffassung gelangt, Ästhetik könne man nicht theoretisch, sondern allein kritisch betreiben. Das hat sich im obigen Text noch nicht recht niederge-schlagen, er spricht im blumigen Stil des Feuilletons; in Bildern, wie es der literari-schen Kritik frommt, und nicht in Begriffen. Kunstkritik ist selber Teil des Kunst-betriebs.
Die Frage, welche Stelle dem Ästhetischen im Gesamtbestand unserer Welt-An-schauung zukommt, ist allerdings nicht durch Stilblüten zu entscheiden, sondern mit der Schärfe des Begriffs. Philosophie ist ihrerseits wissenschaftlich nur als Kritik, nämlich als Transzendentalphilosophie.
So kann ich selbst bezeugen, was mein Gewährsmann postuliert: Einen Übergang vom gemeinen zum transzendentalen Standpunkt gibt es wirklich - es ist das Ästhe-tische.
*) Vermischte Bemerkungen, Ffm. 1994, S. 58
Nota.Das
obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie
der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
»Kritik der Digitalisierung« Die Datifizierung der Wirklichkeit Unser
Leben wird immer mehr von Prozessen bestimmt, die wir nicht
durchschauen. Zeit für einen philosophischen Blick auf die
Digitalisierung.
von Stefan Höltgen
Habe
ich es mit menschlichem Tun oder einem maschinellen Prozess zu tun?
Stammt dieser Text aus einem Gehirn oder einem künstlichen neuronalen
Netz? Wurde dieses Bild fotografiert oder generiert? Dank der so
genannten Digitalisierung haben wir es mit völlig neuen Phänomenen und
Praktiken zu tun, die zwar unser Leben bestimmen, die wir aber nicht
durchschauen. Und während IT-Unternehmen eine neue Technologie nach der
anderen auf uns loslassen, bleibt uns kaum Zeit, über deren Wesen,
Herkunft und Folgen zu reflektieren. In »Kritik der Digitalisierung«
nimmt sich der Philosoph Daniel Martin Feige dieser Herausforderung an.
Wenn aus Leben Daten werden
Philosophie
ist stets auch »Arbeit am Begriff« – so hat es Theodor W. Adorno einmal
formuliert, auf den sich der Autor vielfach beruft. Und so geht es
Feige darum, neue Begriffe – oder alte, die durch
Informationstechnologien neu gefasst wurden – zu hinterfragen. Denn, so
Feige, allzu oft stünde hinter Begriffen wie »Digitalisierung«,
»künstliche Intelligenz« oder »Computerkunst« eine Agenda mit einem
Menschenbild, das im Widerspruch zum Verständnis des Menschen als
vernunftbegabtem und sich seiner selbst bewusstem Wesen stehe. Feige,
für den dieses aufklärerische Ideal ein Leitmotiv bleibt, reflektiert
Begriffe wie diese technik- und philosophiegeschichtlich. Das ist keine
leichte Lektüre – doch scheint die Komplexität seiner Argumentation
angesichts der »gesamtgesellschaftlichen Transformation […], die Arbeit,
Zusammenleben und Gegenständlichkeit« (S. 7) durch die Digitalisierung
erfahren, gerechtfertigt.
Daniel Martin Feige Kritik der Digitalisierung Technik, Rationalität und Kunst Verlag: Meiner, Hamburg 2025, 185 S. ISBN: 9783787347209 | Preis: 19,90 €
Aber was bedeutet »Digitalisierung«?
Feige zufolge ist sie nicht bloß die Vollendung eines Prozesses, der
vielleicht schon mit Aristoteles’ zweiwertiger Aussagenlogik begonnen
hat. Ein solch teleologisches Verständnis würde einen beträchtlichen
Teil der Kulturgeschichte zum Vorspiel der Digitalisierung degradieren,
und der Transhumanismus wäre das nächste notwendige Etappenziel dieser
Entwicklung. Vielmehr nimmt Feige den besonderen Charakter der
Digitalisierung ernst, wenn er betont, dass digitale Technologien unsere
Lebens- und Arbeitspraxis neu fassen. Sie transformieren das analoge
Leben in Daten, machen es so scheinbar speicherbar, übertragbar und
berechenbar: »Informations- und Kommunikationstechnologien unterziehen
unsere Praxis einer Neuformatierung im Geiste der Digitalisierung.«
(S. 38)
Wie die KI-Debatten das Menschenbild verändern Als
charakteristische Merkmale dieser Neuformatierung benennt Feige
»Blackboxing«, »Datifizierung« und »Alterisierung«. »Blackboxing« meint
das Unsichtbarwerden der Ebenen, auf denen unsere Daten verarbeitet
werden – wir sehen lediglich ihre Oberflächen. Damit sei nicht bloß eine
Geheimniskrämerei von IT-Firmen gemeint, »Blackboxing« sei vielmehr
konstitutiv für unser Verhältnis zu digitalen Technologien: Wer kann
schon nachvollziehen, was genau sich in einem Computer oder Smartphone
vollzieht? »Daten sind die Lingua franca der Digitalisierung«, betont
Feige (S. 42 f.), und »Datifizierung« beschreibe die dafür notwendige
Reduktion des Analogen zum Zwecke seiner Komputierbarkeit – also für
das, was Digitalisierung im technischen Sinne bedeute. Dies führe zur
»Alterisierung« der digitalisierten Wirklichkeit: Auf der Ebene der
Daten erscheinen alle Phänomene gleichartig – und werden zum Beispiel zu
digitalen Objekten, die man handeln kann.
Im
zweiten Kapitel hinterfragt Feige den Begriff der »künstlichen
Intelligenz« und damit eine der relevantesten Entwicklungen unserer
Zeit. Kaum eine technologische Neuerung der jüngeren Vergangenheit hat
derart viele kulturelle, soziale und ökonomische Veränderungen
angestoßen. Begriffe wie »Bewusstsein« und »Emotion«, die genuin
Menschliches bezeichneten, wurden Feige zufolge im KI-Diskurs einem
»conceptual engineering« unterworfen; ihr Sinn wurde verändert – mit
erheblichen Konsequenzen für unser Menschenbild. Feige rekonstruiert
diese Debatte von ihren Anfängen in den 1950er Jahren bis in die
Gegenwart. Er zeigt dabei, wie immer wieder versucht wurde, Sprache zum
alleinigen Gradmesser für Intelligenz zu machen (weil Computer nur
symbolische Daten verarbeiten können), merkt aber zugleich an, dass man
eigentlich nicht von »Sprache« reden könne, wenn ihr keine Überzeugungen
und Wünsche zugrunde lägen, sondern bloß von »Textgenerierung«.
Künstliche Intelligenz spricht nicht und macht keine Kunst
Feige
betont, dass eine künstliche Intelligenz kein vernünftiges Wesen sein
könne, denn dazu bedürfe es eines begrifflichen Verständnisses von
Selbst und Welt. KI-Anwendungen erfassten die Welt dagegen wie ein
»forensisches Instrument durch die Sammlung von Daten oder die
Applikation festverdrahteter Schlussschemata [, die] weitere Daten
produziert.« (S. 77). Durch die schieren Datenmengen und die enorme
Effizienz ihrer statistischen Korrelation erscheinen uns »Large Language
Models« (LLM) vielleicht als sprechende Computer – seien jedoch bloß
»stochastische Papageien«, wie es die Linguistin Emily M. Bender 2021
formuliert hat.
Vor allem fehle der KI praktisches Wissen.
Damit ist gemeint, »dass ich im Vollzug meiner Handlung darum weiß, was
ich hier tue, und zugleich den Zusammenhang der Handlungsphasen
praktisch als Verwirklichung eines Zwecks begreife.« (S. 87) Weil
Sprache auch (kommunikative) Handlung ist, könne ein textueller
Austausch mit einem LLM stets nur die Simulation eines Gesprächs sein.
Schließlich koppelt Feige die Fähigkeit zu denken und zu handeln – auch
philosophiegeschichtlich – an den Begriff des Lebens: Ein rationales
Lebewesen zu sein, bedeute, Praktiken vollziehen zu können, die
außerhalb biologischer oder evolutionärer Erklärungen in unserer
»zweiten Natur« lägen.
Der dritte Teil befasst sich mit den
Zusammenhängen von Kunst und Digitalisierung. Hier fordert Feige
zunächst einen Begriff von Autorschaft, der den Menschen mit seinen
bewussten Entscheidungen und seiner Autonomie ins Zentrum stellt. Kunst
fungiere als Reflexionspraxis und werde als Handlung verstanden, über
die im Sinne der Kunstkritik verhandelt werden kann. Daher müsse hinter
einem Kunstwerk ein Mensch stehen, der Intentionen habe und das Werk als
Ausdruck seiner geistigen Tätigkeit darstelle. Künstliche Intelligenz
könne daher prinzipiell keine Kunst hervorbringen. Gleichzeitig erkennt
Feige an, dass Computerkunst durchaus geeignet sein kann, sinnvolle
Debatten – zum Beispiel über das Verhältnis von Kunst und digitalen
Medien – anzustoßen, »gerade weil hier die partielle Fremdheit dessen,
was sie generiert, anschlussfähig ist an die konstitutive Fremdheit
künstlerischer Gebilde«. (S. 12)
Daniel Martin Feiges kaum
200 Seiten umfassende »Kritik der Digitalisierung« ist keine leichte
Kost. Denn Feige hat nicht einfach ein antidigitales Pamphlet verfasst,
sondern argumentiert differenziert und ist dafür tief in die Technik-
und Philosophiegeschichte eingestiegen. Dennoch vertritt der Autor eine
klare Position, die sich in der Nähe von Adornos Kritik an der
Kulturindustrie ansiedeln lässt. Wer seine Argumentation kritisieren
möchte, muss gute Gegenargumente formulieren, um einen anderen Blick auf
die Technik- und Philosophiegeschichte sowie die besondere Stellung des
Menschen in der Welt begründen zu können.
Kritik
der Digitalisierung« ist eine wichtige und philosophisch fundierte
Auseinandersetzung mit den Technologien, Konzepten und Begriffen, die
unser Leben heute prägen. Wer dieses Buch gelesen hat, wird über
»Digitalisierung« oder »künstliche Intelligenz« sicher präziser denken
und sprechen können als vor der Lektüre.
Nota. - Dem Computer fehlt nicht nur ein Begriff von Selbst und Welt, sondern dass er selber kein Selbst in einer Welt ist. Eine Welt ist keine endliche Summe digitaler Informationen auf einer elektronischen Lochkarte, sondern der Ort, wo ein Organismus tagtäglich zehntausende große und kleine Entscheidungen zu fällen hat, um darin überleben zu können. Diese Entscheidungen stehen ihm sämtlich frei, und was durch Freiheit möglich ist, ist praktisch. Der Computersteht für keine seiner Entscheidungen ein, und auch sich selbst zerstören könnte er nur aus Versehen - und fände nicht einmal Gelegenheit, es zu bedauern.
Dass Kunst übrigens als Reflexionspraxis oder als sonstwas "fungiere", will ich ausdrücklich bestreiten. JE