Montag, 25. März 2024

Ein Türsteher im Gehirn?

Türsteher        
aus scinexx.de, 25. März 2024                                                                            
zu Jochen Ebmeiers Realien

Wie das Gehirn uns aus Tagträumen zurückholt
Neuronaler Mechanismus sorgt für blitzschnellen Fokus

Von Claudia Krapp

Neuronaler Wecker: Wenn wir tagträumen, sind wir mit unseren Gedanken weit weg. Mit welchem Trick unser Gehirn uns wieder in die Realität zurückholt, haben Forschende nun herausgefunden. Demnach sorgt ein bestimmtes Hirnareal dafür, dass wir blitzschnell wieder aufmerksam werden und uns auf unsere Umgebung konzentrieren. Zugleich hilft dieses Hirnareal bei der Bildung von Erinnerungen. Doch was, wenn dieser “Wecker” gestört ist?

Während wir träumen – sei es bei Tag oder Nacht – durchleben wir vergangene Ereignisse noch einmal. Unser Gehirn spielt die Szenen vor unserem inneren Auge erneut ab. Dabei generieren Neuronen im Hippocampus sogenannte „Sharp-Wave-Ripples“ – bis zu 200 Millisekunden andauernde, synchrone Nervensignale, die unsere Gedanken mit unseren Erinnerungen verknüpfen, wie aus früheren Studien bekannt ist.

Wozu dienen die Nervensignale im Gyrus dentatus?

Neurowissenschaftler um Jordan Farrell von der Stanford University haben nun ein zweites, bislang nur wenig erforschtes Signalmuster in unserem Gehirn untersucht, das die „Sharp-Wave-Ripples“ beim Träumen häufig unterbricht. Bei diesem Phänomen feuern die Nervenzellen in einem Teil des Hippocampus, dem Gyrus dentatus, synchronisierte Signale, die etwa 50 Millisekunden andauern. Aus früheren Studien ist bekannt, dass der Gyrus dentatus als Eingang zum Gedächtniszentrum sowie als „Türsteher“ für eingehende Informationen fungiert.

Warum die Neuronen des Gyrus dentatus allerdings auch beim Tagträumen feuern und was das bewirkt, haben die Forschenden um Farrell nun anhand von Mäusen genauer untersucht. Dafür nahmen sie die Hirnsignale der Tiere auf, während diese tagträumten. Mit gezielten Tönen oder Luftstößen unterbrachen die Neurowissenschaftler diese Ruhephasen.

Ein Wecker fürs Tagträumen

Dabei zeigte sich: Diese Signalmuster im Gyrus dentatus traten in den Mäusen immer dann auf, während ihr Gehirn „offline“ war und dann plötzliche Ereignisse das Gehirn stimulierten. Die Tiere reagierten dann auf die Töne und Luftstöße mit Kopf- und Augenbewegungen. Farrell und seine Kollegen schließen daraus, dass diese Nervensignale den Mäusen und auch uns Menschen helfen, das Tagträumen abzubrechen und direkt wieder neue Informationen zu verarbeiten oder sich in der Umgebung zu orientieren.

Die Signale des Gyrus dentatus wirken demnach wie eine Art Wecker, der das Tagträumen unterbricht und uns hilft, die Welt um uns herum wieder aufmerksam wahrzunehmen, schließen Farrell und seine Kollegen. „Wir haben einen Mechanismus im Gehirn gefunden, um Perioden des Abschweifens der Gedanken zu unterbrechen und die ‚kognitive Landkarte‘ wieder auf die Realität auszurichten“, sagt Farrell.

Wechsel zweier Gegenspieler

Demnach gibt es zwei neurologische Mechanismen im Hippocampus, die unsere Aufmerksamkeit abwechselnd abdriften lassen und wieder auf Kurs bringen. „Das Gehirn wechselt zwischen diesen beiden Zuständen“, erklärt Farrall. Diese und frühere Versuche legen insgesamt nahe, dass sich diese beiden Strategien gegenseitig ergänzen. Während die „Sharp-Wave-Ripples“ durch das Tagträumen unsere Kreativität beflügeln, stellen die Signale des Gyrus dentatus sicher, dass wir keine Gefahren übersehen.

Die Signale der Hirnwindungen im Gyrus dentatus haben jedoch noch eine zweite Funktion. In den Versuchen führten sie dazu, dass die Tiere sich die plötzlichen Geräusche und Luftbewegungen merkten. Wie die Tests ergaben, mieden die Mäuse hinterher die Orte, an denen zuvor diese unerwarteten Ereignisse aufgetreten waren. Demnach hilft der Gyrus dentatus auch dabei, sich an mögliche Gefahren und Situationen zu erinnern, in denen wir uns erschrocken haben.

Gyrus dentatus könnte neurologische Störungen verursachen

Die Erkenntnisse könnten künftig auch helfen, verschiedene neurologische Störungen besser zu verstehen. Die Signale des Gyrus dentatus stehen beispielsweise im Zusammenhang mit Schizophrenie. Sie könnten aber möglicherweise auch bei Menschen mit ADHS oder PTBS eine Rolle spielen, vermuten die Forschenden. Diese Personen reagieren übermäßig stark auf Ereignisse in ihrer Umgebung oder können Vergangenes nicht vergessen. Aber auch bei Alzheimer-Patienten könnte der Gyrus dentatus verändert sein, so Farrell und seine Kollegen. Dadurch werden im Gehirn dieser Menschen möglicherweise keine neuen Erinnerungen abgelegt.

In ihren Folgestudien wollen sich die Neurowissenschaftler aber zunächst der Frage widmen, ob der Gyrus dentatus bei Epilepsie eine Rolle spielt. Bei dieser Erkrankung sind die Neuronen im Gehirn bei Anfällen überaktiv und feuern synchron. Ob daran auch der Gyrus dentatus beteiligt ist, wollen Farrell und seine Kollegen an Mäusen testen. (Nature, 2024; doi: 10.1038/s41586-024-07192-8)

Quelle: Boston Children’s Hospital

 

Nota. - Das ist die triviale Vorstellung - der Normalzustand des Gehirns wäre routinierte Aufmerksamkeit. Sagen wir mal, wie beim Autofahren. Abweichung nach oben ist Konzentration, Abweichung nach unten wäre Tagträumerei. Die Vorstellung von zwei wechselwirkenden Gegenspielern öffnet aber einen weiteren Horizont - je tiefer, umso breiter.

Wie weit der Horizont führt, entscheiden nicht die im Diskurs angeordneten Fakten, sondern das Bild, das das Ganze veranschaulicht. Das ist wie ein Mosaik und die vielen Steine.
JE

Sonntag, 24. März 2024

Wie ist das nur möglich nach allem, was man weiß?

woke                                          zu öffentliche Angelegenheiten

Soll ich Ihnen sagen, warum sich nach Jahrzehnten sachlicher Aufklärung und obligater Gesinnungsbekundung unser Grundgesetzpatriotismus als so wenig haltbar erweist?

Wegen des Verdachts, dass jene so geheuchelt war wie diese.

 

Ja ist denn das noch Landschaft?

                zu Geschmackssachen

Katharina Hoehler hat Landschaften zunehmend von der Gegenständlichkeit emanzipiert.

aus Badische Zeitung, 24. 3 2024



Der Zweifel des savoyischen Vikars.

Mariano Chelo, Il dubbio                                        zu Philosophierungen

Es war David Hume, der mit seiner Kritik am wissenschaftlichen Gebrauch der Kausalitätsvorstel-lung den späteren Alleszermalmer Kant "aus seinem dogmatischen Schlummer gerissen" hat, wie jener selbet bekundete. Wer ihm dann aber den Weg aus dem fundamen-talen Zweifel gewiesen hat, in den er gestürzt wurde, darüber ist er nicht so explizit. Ernst Cassirer* hat es aufgedeckt, es war J. J. Rousseau, der im philosophische Kernstück seines epochalen Émile, dem "Glaubensbekenntnis des savoyischen Vikars" im IV. Buch das trans-zendentale Ich erfunden hat, von dem aus Kant die ratio-nalistische Metaphysik und alle sonstige Dogmatik aus den Angeln heben sollte. 

Hier kommt dessen erste Spur:

Allein wer bin ich? Was berechtigt mich dazu, über die Dinge zu urteilen? Und was bestimmt meine Urteile? Beruhen sie lediglich auf den augenblicklichen Eindrük-ken, die ich empfange, so gebe ich mir mit diesen Forschungen vergebliche Mühe. Sie finden entweder gar nicht statt, oder geschehen von selbst, ohne daß ich erst darauf auszugehen brauche, ihnen ihre Richtung vorzuschreiben. Es ist deshalb nö-tig, daß ich meine Blicke zuerst auf mich selbst lenke, um das Werkzeug, dessen ich mich bedienen will, kennen zu lernen und mir darüber Gewißheit zu verschaffen, bis zu welchem Punkt ich mich bei seiner Anwendung auf dasselbe werde verlassen können.

Ich bin und besitze Sinne, vermittels welcher ich Eindrücke erhalte. Das ist die erste Wahrheit, gegen die ich mich nicht verschließen kann und der ich notwendigerweise zustimmen muß. Habe ich ein eigenes Gefühl meiner Existenz, oder werde ich mir derselben nur durch meine Sinneswahrnehmungen bewußt? Das ist mein erster Zweifel, dessen Lösung mir für jetzt unmöglich ist. Denn wie kann ich, da ich fort-während entweder unmittelbar oder durch das Gedächtnis Eindrücke erleide, wohl wissen, ob diese Empfindung meiner selbst etwas mit diesen nämlichen Eindrücken nicht Zusammenfallendes ist, und ob sie von ihnen unabhängig zu sein vermag? ...

So wenig ich zu begreifen vermag, wie mein Wille meinen Körper bewegt, ebenso-wenig kann ich mir erklären, wie meine Sinneseindrücke meine Seele bewegen. Ich kann nicht einmal einen Grund dafür finden, weshalb man das eine dieser Geheim-nisse für erklärlicher gehalten hat als das andere. Ich meinerseits muß gestehen, daß mir, ob ich mich nun passiv verhalte oder in Tätigkeit befinde, die Möglichkeit der Verbindung beider Substanzen durchaus unbegreiflich erscheint. Es ist äußerst be-fremdend, daß man gerade von dieser Unbegreiflichkeit selbst ausgeht, um die beiden Substanzen zu verschmelzen, als ob Operationen so verschiedenartiger Naturen sich besser an einem, als an zwei Subjekten erklären ließen.
_______________________________________________
J. J. Rousseau, Émile oder Ueber die Erziehung [1762]
Band 2, Leipzig [o.J.], S. 134; 143

*) Ernst Cassirer, "Kant und Rousseau"; in: Rousseau, Kant, Goethe, Hamburg 1991 (PhB)
5. 4. 14

Samstag, 23. März 2024

Mit sich zufrieden.


  Ganz allein.                                                                    zu öffentliche Angelegenheiten

 

 

Unser Friedenskanzler.

N. N.                                                             zu öffentliche Angelegenheiten



Freitag, 22. März 2024

Leviathan kriegt den Hals nicht voll.

  backwinkel     
 aus welt.de, 22. 3. 2024                                                    zu öffentliche Angelegenheiten; zu Levana, oder Erziehlehre;

Das kleine Herz von Vater Staat
Millionen Eltern vertrauen ihre Kinder einer Ganztagsbetreuung an. Doch anderthalb Jahrzehnte nach der großen Kita-Offensive ist klar: Vertrauen sollte man dem Staat besser nicht. Spätestens bei der Etatplanung sind ihm cortisolzerfressene Kinder und stressgeplagte Eltern zu gleichgültig.

Es war eine tektonische Verschiebung der Familienpolitik – als der Bund 2008 beschloss, Eltern ab 2013 einen Rechtsanspruch auf außerfamiliäre Betreuung ihrer Kleinkinder einzuräumen. Enthusiastisch verkündete die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) einen „Meilenstein für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Und in den Ländern versprachen Familienminister wie Armin Laschet (CDU) leutselig, ab sofort würden schon Kinder unter drei Jahren in Kitas ganztags „gefördert“ und „gebildet“.

Was für ein leichtfertiges Versprechen. Aber man muss es ihnen womöglich nachsehen, sie wussten damals wohl nicht, was sie damit ins Rollen brachten. Der Deal lautete: Vor allem Mütter gehen früher, öfter, länger arbeiten. Im Gegenzug garantiert Vater Staat ihren Kleinkindern eine verlässliche und hochwertige Betreuung. Die Eltern glaubten diesem Versprechen. Und vertrauten ihre Kleinen den Kitas an – aktuell bundesweit knapp vier Millionen Kinder, davon 720.000 unter drei Jahren.

Gesetzesbruch zulasten der Kleinsten

Doch Vater Staat ist ein zweifelhafter Erziehungsberechtigter. Sein Herz für Kinder schrumpft, sobald die Etatplanung beginnt. Deshalb kann er eine verlässliche und hochwertige Betreuung der Kinder noch heute nicht gewährleisten. Das belegte diese Woche einmal mehr die Studie des Deutschen Kita-Leiter-Kongresses. Ihr zufolge sagen gut 56 Prozent der Kita-Leitungen, mehr als jede fünfte Stunde betreuten sie die Kinder mit weniger Personal als gesetzlich erlaubt.

Weiter erklären 83,6 Prozent, die Zahl der Kinder pro Fachkraft liege bei ihnen höher, als es die EU-weiten Mindestempfehlungen von Wissenschaftlern gestatten (höchstens drei U-3-Kinder und 7,5 Ü-3-Kinder sollen sich eine Fachkraft teilen). Diese Mindestempfehlungen hielten die Kitas in ihrer Mehrheit übrigens noch nie ein. Schließlich beobachten 66 Prozent, dass sie wegen Personalmangels heute Mitarbeiter einstellen, die sie vor Jahren wegen unzureichender Qualifikation nicht akzeptiert hätten – die armen Kinder. Und dieser Mangel wird sich verschärfen, darin sind sich Forscher einig.

Das Leid der Kinder – und der Eltern

Auch der Krankenstand der Erzieher und die Abbrecherquote der Auszubildenden bewegen sich in schwindelerregenden Höhen. Denn Erzieherinnen haben erstens Grenzen der Belastbarkeit und zweitens oft eigene Kinder, die ihnen im Zweifel noch wichtiger sind als die in der Kita. Kaum überraschend vermeldeten daher zum Beispiel die 10.700 NRW-Kitas im Januar mehr als 2700 Mal, das Mindest-Betreuungsniveau werde gerissen. Folge: Tausende Zusammenlegungen oder Schließungen von Gruppen oder ganzen Kitas.

Hinter solch trockenen Zahlen verbergen sich Schmerz, Stress und Tränen. Für berufstätige Eltern, deren fragile Alltagsplanung aus Arbeit, Kindern, Haushalt und Sonstigem in 1000 Stücke geschlagen wird durch eine spontan oder mehrfach pro Woche schließende Kita (und das über Jahre hinweg). Noch dramatischer aber für all die Kinder, die überfüllten Gruppen mit viel zu viel Lärm und viel zu wenig Personal ausgesetzt werden – und die angesichts von viel zu oft wechselnden Bezugspersonen um ein bisschen emotionale Stabilität und Vertrauen ringen müssen.

Der staatlich verordnete Dauerstress

Wie sehr dies vor allem, aber längst nicht nur Unter-Dreijährigen zusetzt, ist erwiesen. Zahlreiche Studien dokumentieren, dass das Stresshormon Cortisol zumindest während der ersten sechs Kita-Monate bei ihnen massiv erhöht ist. Zumindest bei Ein-Jährigen kann daran auch das bestmögliche Betreuungsniveau wenig ändern. Mit dem frühen Dauerstress steigt auch die Wahrscheinlichkeit für alle möglichen Folgeprobleme. Aber auf den schmalen Schultern der Kleinsten kann man es ja abladen – so scheint die Kaste der Familienpolitiker zu glauben.

Noch nicht eingerechnet sind da all die weiteren Belastungen. So sind die Meldungen über Gewalt in Kitas in vielen Bundesländern seit 2018 massiv angestiegen. Was laut Kinderschutzexperten wie Jörg Maywald von der FH Potsdam auch an der Überlastung der Betreuer liegt. Doch wer schaut diesen überforderten Betreuern über die Schulter? In den Bundesländern sieht es, von Hamburg abgesehen, bei den Kita-Kontrollen finster aus. Auf WELT-Anfrage mochte zum Beispiel keines der beiden NRW-Landesjugendämter mitteilen, ob und, wenn ja, wie viele anlassunabhängige Kontrollen es in Kitas überhaupt gibt.

Auffallend wenige Politiker stecken ihr Kind in Kitas

Übrigens ist es nicht so, dass diese Dramen den Familienpolitikern gleichgültig wären – auch wenn sie auffallend selten eigene Kinder in der Kita haben. Die einen sind kinderlos. Die nächsten delegieren den Nachwuchs an die treu sorgende Gattin. Die dritten engagieren ein teures Kindermädchen. Man kennt dergleichen – aus den Zeiten, als die hitzigsten Gesamtschulbefürworter ihre eigenen Nachkommen ins englische Elite-Internat schickten.

Nein, gleichgültig sind unsere Entscheider gleichwohl nicht. Sie nehmen cortisolzerfressene Kinder und unter Stress stöhnende Eltern eher seufzend in Kauf – als Preis für das ehrenwerte, vermeintlich alles überstrahlende Doppelziel, das die Kinder-Fremdbetreuung verfolgt: Zum einen mehr Arbeitskräfte gegen den Fachkräftemangel, zum anderen mehr finanzielle Unabhängigkeit für Mütter.

Denunziation der traditionell Familiären

Auch rechtfertigen sie ihr miserables Betreuungsangebot mit einer nun wirklich plumpen Scheinliberalität. Denn man könnte ja fragen: Wenn die Situation wirklich so belastend wäre – würden dann nicht viel mehr Eltern entscheiden, ihr Kind wieder nach Hause zu holen? Unter vier Augen erwägen Familienpolitiker bisweilen solche Gedanken.

Was an Infamie grenzt. Immerhin hat die Politik alles nur Erdenkliche unternommen, um Eltern in diese Falle hineinzulocken: Sie hat die Altersabsicherung nichtberufstätiger Eltern radikal verschlechtert. Und teure Kampagnen für die Doppelverdiener-Familie gestartet, um das „Klima“ pro Kita zu verbessern. Auch haben zumindest SPD und Grüne jede Abneigung gegen außerfamiliäre Betreuung oft als zurückgeblieben verunglimpft und das traditionelle familiäre Empfinden damit als reaktionär diskreditiert. Und die Finanzierung der heimischen Kinderbetreuung durch den Staat brachten sie als „Herdprämie“ in Verruf.

Wahrheitswidrig werden Eltern beruhigt

Fast die gesamte deutsche Politik verspricht immer neu (und wahrheitswidrig), bald werde sie auch die letzten Probleme im Griff haben. Und sie gaukelt Müttern und Vätern vor, sie könnten ihre Liebsten schon jetzt guten Gewissens den Kitas anvertrauen. Eins stimmt ja auch: Permanent steigert die Politik ihre Investitionen und damit die Zahl der Kitas und Betreuer (was sie subjektiv als Erfolg und gute Leistungsbilanz erlebt). Doch was sie zu leisten vermag, reichte bei Weitem nicht aus. Nie.

Was soll man aus all dem schließen? Weiter werden Eltern individuell abwägen müssen, ab wann, bis wann und wo sie ihr Kind betreuen lassen. Nur eins sollten sie keinesfalls mehr: auf das große Herz von Vater Staat vertrauen. Ein Staat hat keine Kinder. Das bleibt Mama und Papa vorbehalten.

 

Nota. - Es sind zwei gesellschaftliche Instanzen, die das Hohe Lied der Kita ebenso singen wie das der Ganztagsschule: erstens die Große Industrie, zweitens die staatli-che Verwaltung und ihr parlamentarisches Sprachrohr: die Fraktionen der beiden Parteien, in denen der Öffentliche Dienst mit erdrückender Übermacht vertreten ist. Die gefällige Vermittlung sind die Medien - die sich aus demselben Personenre-servoir speisen wie jene.

Das ist kein Geheimnis, jeder weiß es. Aber Du kriegst kein Wort dazwischen: Die öffentliche Rede führen sie allein. Es ist schon nicht mal mehr eine Sache von wahr und erlogen. Es ist längst eine Sache von anständig und dem Gegenteil.
JE

Epigenetik: Macht macht stark.

  aus derStandard.at, 8. 9. 2026                                                                                 z u Jochen Ebmeiers Reali...