
aus spektrum.de, 10. 2. 2026 zu Jochen Ebmeiers Realien
Zeit in der Quantenwelt: Wie lange dauert ein Quantensprung?
Experimente
an verschiedenen Kristallstrukturen zeigen, dass Elektronen
unterschiedlich lange für einen quantenmechanischen Übergang benötigen.
Eine interne Quanten‑Uhr macht diese ultrakurzen Zeitskalen erstmals
sichtbar.
von Manon Bischoff In
der Quantenwelt spielt sich vieles unfassbar schnell ab. Wenn ein
Elektron ein Photon absorbiert und dadurch in einen neuen Zustand
übergeht, dauert das nur wenige Attosekunden. Solche Zeiträume liegen an der Grenze des derzeit Mess-baren. Doch wie lange ein Quantenübergang exakt dauert, war bisher unklar.
Ein
Forschungsteam um den Physiker Hugo Dil von der École polytechnique
fédérale de Lausanne hat nun die Dauer von Quantenübergängen direkt
bestimmt, ohne externe Zeitreferenz. Im Fachjournal »Newton« stellt es sein überraschendes Ergebnis vor:
Wie lange der Übergang von einem Quantenzustand zu einem anderen
dauert, hängt von der Symmetrie des zugrunde liegenden Systems ab.
Das
Messen extrem kurzer Vorgänge zählt zu den hartnäckigsten Problemen der
Physik. Denn jeder Versuch, eine externe Uhr einzusetzen, etwa einen
Laserpuls, beeinflusst das zu untersuchende System. Die Laserpulse oder
andere Zeitsignale koppeln an das Quantensystem an und verfälschen den
Prozess, den man eigentlich messen will. Deshalb haben die Forschenden
um Dil die Zeit an den Quantensys-temen direkt abgelesen, ohne auf eine
externe Zeitmessung angewiesen zu sein. Hierfür untersuchten sie die
Quanteneigenschaften von Elektronen, die durch Licht aus einem Material
herausgelöst werden.
Symmetrie beeinflusst die Dauer
Wenn
ein Lichtteilchen ein Elektron in einem Material anregt, kann das
Elektron mehrere verschiedene Wege einschlagen. Da die Regeln der
Quantenmechanik gelten, folgt das Teilchen gewissermaßen allen Pfaden
gleichzeitig. Durch die Überlagerung verschiedener Quantenpfade entsteht
ein charakteristi-sches Interferenzmuster. Dieses hinterlässt eine
Signatur im Spin des Elektrons, die Rückschlüsse auf die Dauer des
Übergangs erlaubt. Indem die Forschenden um Dil den Spin der Elektronen
in verschie-denen Situationen untersuchten, konnten sie bestimmen, wie
lange der Quantenübergang – also die Anregung des Elektrons – gedauert
hat, ganz ohne externe Uhr.
Die Forschenden nutzten hierfür
Materialien mit unterschiedlicher innerer Struktur: dreidimensionale
Metalle wie Kupfer, schichtartige Verbindungen wie TiSe2 und TiTe2
sowie kettenartige Materialien wie CuTe. Die Messungen zeigten ein
klares Muster: Je einfacher und reduzierter die Struktur eines Materi-als
ist (also je flacher, schichtartiger oder eindimensionaler), desto
länger dauert der Quantenübergang. So brauchte der Übergang im quasi
eindimensionalen CuTe rund 200 Attosekunden, während er im
dreidimensionalen Kupfer bloß 26 Attosekunden brauchte.
Der
zeitliche Ablauf eines quantenmechanischen Übergangs ist also keineswegs
universell oder instantan, sondern hängt von den strukturellen
Eigenschaften des Materials ab. »Unsere experimentellen Ergebnisse
liefern Erkenntnisse darüber, welche Faktoren die Zeit auf Quantenebene
beeinflussen«, erklärt Dil. »Und sie könnten den Weg ebnen, um endlich
die Rolle der Zeit in der Quantenmechanik zu verstehen.«
Nota. - Da schwirrt mir der Kopf, aber ich poste es doch: nämlich um des letzten Satzes willen. Denn soviel verstehe ich schon: Die Zeit gibt es in der Mikrowelt als sie selbst, und nicht untergegangen als Ingrediens eines krummen Kontinuums; nämlich weil es auch einen Raum "gibt" - denn wo anders könnte ein Quantum "springen"?
Ausgangpunkt des Kosmos war nicht die Newtonsche Physik, aber Ausgangspunkt unseres Wissen von ihm ist sie gewesen und geblieben: Von ihr aus hat sich unser Wissen in die obere "makrokosmische" und die niedere "mikrokosmische" Region auf- und niedergeschlängelt; so rum war es, nicht andersrum. Das Raumzeitkonti-nuum lässt sich denken, wenn auch nicht vorstellen, weil man Zeit und Raum zuvor hat anschauen können. Sie aus einem Raumzeitkontinuum herauszudestillieren hät-te kein Barockalchimist vermocht.
JE
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