Google
hat das Kunsterleben längst revolutioniert. Ich bin seit vielleicht
acht Jah-ren* im Internet. Seither habe ich so viele Werke der bildenden
Kunst gesehen, wie sie in der Generation vor mir ein öffentlich
beamteter Kunsthistoriker sein Leben lang nicht zu Gesicht bekommen hat.
Gewiss, er konnte (wenn überhaupt!) die Ori-ginale an dem Platz sehen,
wo sie eben mal hängen. Ich kenne nur Reproduktionen. Aber Google lehrt uns unter anderm dies: Das ist nicht in jedem Fall ein Nachteil,
ich kann an die Bilder so nah heran, wie es der Museumswärter nie
erlauben würde; und kann so lange davor verweilen und so oft
wiederkehren, wie es mir eben gefällt. Ich kann die Bilder beleuchten
und die Farben so auffrischen, wie es mir ästhetisch am besten scheint
und dem Original vielleicht am gerechtesten wird - das kann ich im
Museum nicht.
Uffington
Und ich kann das alles als bloßer dilettante. Bei den paar Originalen, die ich vor Googles Zeit hätte sehen können, wäre das ein uneinholbarer Rückstand gewesen. Seit Google
kann das - nur im Detail oder womöglich selbst en gros? - sogar ein
Vorteil sein: Meine Augen sind noch ziemlich jungfräulich, sie kennen
nur das klei-ne Bisschen, das ich ihnen gezeigt habe; nicht das viele
Bedeutende, das ihnen ein fachgerechter Lehrplan vorgeführt haben würde.
Echebrune
Und so sehen sie viel mehr, als in einem akademischen Kanon je vorkommen kon-nte. Das genauer Hinsehen müssen sie noch üben, aber nichts hält sie davon ab. *)28. 4. 14
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